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Full text of "Zeitschrift für Vermessungswesen. ZFV"

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Zeitschrift für 
Vermessungswesen 

Deutscher Geometerverein 




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ZEITSCHRIFT 

FÜB 

VERMESSUNGSWESEN 



IM AUFTRAG UND ALS ORGAN 

DES 




unter Mitwirkung von 

C. STEPPES, „nd R. GERKE, 

Steuorasae-sor in München, Verniessungsdirektor in Altenburg, 

lierausgogeben von 

Dr. H. JORDAN, 

Professor in Haunover. 



XV. Band. 

( 1886 .) 



STUTTGART. 

VERLAG VON KONRAD WITTWER. 

1886 . 



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Karlsruhe. — Druck von Malsch & Vogel. 



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Inhalts-Uebersicht, 



I. Hanpt- Artikel. 

Seite 

Allgemeine Conferenz der internationalen Erdmessung io Berlin ...» 545 

Arbeitsplan des geodätischen Instituts . . . . . 497 

Beitrag znr Prüfung des Winkelprismas, von Deubel« Feldmesser in Kassel 138 

Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters, von Fenner 216. 242 

Bericht über die XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometer- Vereins 

(5. — 8. August 1885) in Stuttgart, von Reich 1. 33 

Der CerebotanPsche Distanzmesser, von Börsch 129 

Der drehbare Rechenschieber, von Hammer 382 

Die Katasterverwaltung in der Provinz Hannover nach der Durchführung 
der allgemeinen Verwaltungsreform vom 1. April, bezw. 1. Juli 1885, 

von Gerke _ 161 

Die Deutsche Landwirthschafts-Gesellschaft, von Sombart 391 

Die Neuvermessung der Stadt Berlin, von Klinkert 209 

Einfache Vorrichtung zur Untersuchung der Theilungsfehler ron Nivellir- 

latten, von Fenner 321 

Einiges über die Ausrästong und die Arbeiten des Landmessers, von Land « 

mc89er von Schmeling 268 

Ein Vorschlag zur Organisation des cnlturtechnischen Dienstes in Preussen, 
von Roedder, Regiernngslandmesser und Culturingenieur in Bromberg . 289 

Entwurf zu einem GebührentArifc für geometrische Arbeiten, von Gerke . 225 

257. 298 

Flftchentheilung nach Seitenverhältnissen, von Jordan 465 

Gleichung zwischen den LUngen, Breiten nnd Azimuten dreier Erdorte, von 

Ltiroth 529 

Interpolationstafel für ITorizontalkurven, von Wagner 145 

Koordinaten zur Darstellung der Erdhalbkugel in stereographischer Aequa- 

torialprojektion, von Hey mann «... 385 

Kostenbestimmung von Landmesser-Arbeiten, von Jordan 512 

Maass-Planimeter für schmale, langgestreckte Figuren, von Günther, Kammer- 
ingenieur in Schwerin 506 

Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer pothenotischen Bestimmung, von Jordan 140 

fünfstellige logarithmisch-trigonometrische Tafeln für neue KreTs^ 
theilung, mit einem Vorwort von Förster, herausgegeben von Gravelius . 577 
Nivellement der Stadt Linden, von Jordan . ! . , i ! ! ! ! ! ! i 517 
Nivellirinstrument mit Querlibelle und rechtwinkligem Scheiteldreifuss, von 

Professor Prandtl in Weihenstephan 378 

Sinus- und Cosinus-Quadrant, von Schreiber, Bergingenieur 197 

Tachymetrisches Nivellirinstrument, von Professor Vogler in Berlin . 473. 481 

Taschen-Nivellirinstrument von Wagner, von Hammer 521 

lieber die Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg, von Steiff, 
Vermessungskommissllr 177 



181020 



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a 



IV 

Uebcr die Hülfsmittel der Tacbymetrie, insbesondere über die Vorzüge der 
schiefen Lattenaufstellung, von Carl Wagner, Ingeuieur in Wiesbaden 337. 369 
Ueber die mit dem Keichenbach’schen Distanzmesser erreichbare Genauig - 
keit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen desselben, von 



Uebcrsicbt der Literatur für Vermessungswesen von dem Jahre 1885, von 

Gerk e 4Q1. 433 

Ueber Stative, von Vogler 104 

Zur Theorie der Polygonzflge, von Jordan 332 



II. Kleinere MUtheilnngen» 

Bayerisch-Württembergische Grenzregulirung, von J 251 

Bayerisch- Wflrttembergische Grenzregulirung, von Schlebach 319 

Berechnung geodätischer Kugeldreiecke nach dem Satze von Legendre und 

nach der Additamentenmethodc, von Bohn 483 

Berechnung verschränkter Trapeze, von ▼. Sch reeling 23 

Croquir-Instrument, von Küdder, Regierung»- Landmesser in Bromberg . . 486 

Der CerebotanTsche Distanzmesser (Schluss), von Jordan 214 

Die Beschäftigung der Kulturtechnikcr bei der Königlich geologischen 
Landeaanstalt, von Keiper, Königl. Landmesser und Kulturtechniker in Berlin 314 
Die höchste europäische meteorologische Station, mitgetheilt von G. ■ . . 479 
Die Thtttigkeit der Auseinandersetzungsbchörden in Preussen im Jahre 1884, 



Die VorstandBchaften der Zweigvereine des Deutschen Geometorvereins, von 

Gerke 201. 250 

Druckfehlerberichtigung zu der fünfstelligen Logarithmentafel von F. G. 

Gauss , ._±_, , s , a , . , . . . . . , , , x . . , . . , 544 

Ein Ar b eitsfeld für Landmesser in Afrika. . , . . , . . . . . . = 41 

Ein 300 Meter hoher Thurm, von J 317 

Eisenbahn-Landmesser, von Th. Müller in Daaden . 251 

Etat der Kataster-Verwaltung pro 1886/87, mitgetheilt von G 249 

Europäische Gradmessung 52 8 

Flüchentheilung, von Voigt, Regicrungsfeldmesser in Königswinter ... 20 

Genauigkeit der Kreuzscheibe, von J 586 

Gesetze über Feldwegregelung und Grundstückszusammenlegung, von Dr. 

M. Doll 113 

Katasterbercinigung in Eisass Lothringen 357 

Lieder- und Kommersbuch betreffend, von L. Winckel 575 

Messtischblätter 1 :25000, von G 318 

Mittheilungen aus den diesjährigen Berathungen des Königlich preussischen 
Landes-Oekonomiecollegiums, nebst Organisation dieser Behörde, von G. 23 
Nivellementsbolzeti und Schutz derselben gegen Rost, von Gerke .... 392 

Nord-Ostsee- Kanal, von Steppes 558 

Oeffentlicho Friifungsstellcn für geodätische Instrumente, von G 115 

Personalbestand der preussischen Katasterverwaltung, mitgetheilt von G. . 219 

Punktbezoichnung für Stadtnivellenients, von Fr. Stahlberg 458 

Reichs-Institut für naturwissenschaftliche Forschung 315 

F. Sönnekens Mauermaasse, von Hey mann 316 

Topographische Spccialknrte (Reymann) von Mittel-Europa 1:200 000. . . 204 

Trigonometrische Messungen im Königreich Sachsen, von L. in N. . . . 220 

Trigonometrische Messungen im Königreich Sachsen (Berichtigung), von G. 287 
Ueber die Genauigkeit der Winkclabsteckung mit der Kreuzscheibe, dem 

Winkelspiegel und ähnlichen Instrumenten, von Jordan 26 

Ueber Stationirung der Strassen, von Gerke 356 

Verfahren bei Auflassungen in den Grundbüchern, von Landwers, Kataster- 

kontroleur in Nienburg 42 

Verhandlungen über Photogrammetrie im preussischen Abgeordnetenhaus . 202 

Zur Geschichte der Tbcodolit-Polygon-Züge, von Jordan ....... 535 



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V 



III. Iiiteratnrzeltung. 

8eite 

Auszug aus den Nivellements der trigonometrischen Abteilung der Landes « 

aufpabme , , . , « s • . s = • : • : • . . = s . : . . 36Ö 

Badische Landeskultur und Vermessungsarbeiten in den Jahren 1882 — 1883, 

besprochen von Doll 91 

Bauernfeind, Johann Georg Soldner und sein System der bayerischen Landes - 
vermessung 45 

Beneke, Englisches Vocabular, besprochen von Lauenstein 868 

Bericht über die Vornahme einer allgemeinen Parcellarvermessung u. s. w, 

des Kantons Zürich, besprochen von Doll 150 

Bohro, C., die Landmessung, besprochen von Hammer 165 

Clout, Sammlung geometrischer Instrumente, besprochen von J 155 

Coordinaten und Höhen der Landesaufnahme, besprochen von J 252 

Festlegung der Böschungsschnittkurven mittelst kotirter Projektion als Beitrag 
zu den Tracirungsarbciten von Gerke, besprochen von Hölscher .... 157 

Flächeninhalte der Flussgebiete des Grossherzogthums Baden, besprochen 

von Jordan 537 

Gysin, Tafeln zum Absteckcn von Eisenbahn- und Strassen-Kurven für neue 

Theilung 122 

Hammer, Berechnung der trigonometrischen Vermessungen, von Bohnen- 
berger. Deutsche Bearbeitung von Hammer, besprochen von Jordan . . 44 

Hammer, Lehrbuch der ebenen und sphHrischen Trigonometrie, besprochen 

von Schlebach . , . 4 . , , . * , * * . , . . . s * . . . 4£ 

Hammer, über den Verlauf der Isogonen im mittleren Württemberg, be- 
sprochen von Pattenhausen 169 

Jordan, W., Barometrische Höhentafeln. Zweite, bis 35° erweiterte Auflage, 

gr. 8°. 96 S. Stuttgart, J. B. Metzler. Preis 2 Jt>. 40 Besprochen 

von Hammer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 459 

Jordan, Grundzüge der astronomischen Zeit- und Ortsbestimmung, besprochen 

von Haid 115 

Kataster der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Lechner’s Verlag. 

15 Gulden. Besprochen von G 168 

Koppe, die Ausgleichungsrechnung nach der Methode der kleinsten Quadrate 

in der praktischen Geometrie, besprochen von Jordan 27 

Lux, Geographischer Handweiser, besprochen von Jordan 863 

Mittheilungen des Württcmbergischen Geometervereins, besprochen von Jordan 395 
Nielsen, Chr., dipl. Ingenieur und Lehrer der Mathematik und landwirt- 
schaftlichen Technik an der Landwirthschaftsschule in Varel a. d. Jade, 
die Feldmesskunde für den Unterricht in Landwirthscbaftsschulen, als 

Leitfaden bearbeitet, besprochen von G 157 

Nivellements der trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme . , . 358 
Ofterdinger, Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger, besprochen von J. . 44 

Feschka, die darstellende und projective Geometrie, besprochen von G. . . 125 

Sarrazin, Verdeutschungswörterbuch 362 

Schlebach, Kalender für Geometer und Kulturtechniker, besprochen von 

Steppes 46. 575 

Schlitte, Dr. Bruno, die Zusammenlegung der Grundstücke in ihrer volks- 
wirtschaftlichen Bedeutung u. Durchführung, besprochen von Dünckelberg 361 
Stegemann, Dr. M., Grundriss der Differential- und Integralrechnung. II. Theil: 

Integralrechnung, besprochen von G 28 

Tabelle zur Reduktion 5 Meter langer Messlatten auf den Horizont, von 

Menner, besprochen von W 586 

Veitmann und Koll, Formeln der Mathematik und Geodüsie, besprochen von 

Jordan 539 

Vogler, Dr. Chr. Aug., Professor in Berlin, Lehrbuch der praktischen Geo- 
metrie, besprochen von Fenner 488. 523 

Wastler bezw. Härtner, Handbuch der nieder« GeodUsie, besprochen von G. 123 



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VI 



Seite 

Weisbacb, Nagel. Astronomisch-Geodätische Arbeiten für die Europäische 
Gradmessung im Königreich Sachsen. IV. Das Landesnivellement, be- 
sprochen von Gerke 540. 570 

Werneke, Markscheider in Dortmund, Mittheilungen aus dem Markscheider - 
wesen. Vereinsschrift des Rheinisch- Westfälischen Markscheidervereins. 

besprochen von G 156 

Zeeb, die Feldbereinigung, ihr Zweck und ihre Ausführung, besprochen 
von Schl 462 



IT. Jleue Schriften über VermesHnngswesen. 

Seite 29. 48. 60. 126. 158. 170. 220. 266. 319. 335. 364. 397. 480. 559. 576 

T. flegelte und Verordnungen. 



Anrechnung des Besnchs preussischer Universitäten und technischer Hoch - 
schulen auf die Zeit der theoretischen Ausbildung der Landmesser- 

Kandidaten, mitgetbeilt von 0 46 

Badische Bezirksgeometer, mitgetheilt von Doll 366 

Beseitigung der §§. 28 — 31 der Landmesser-Prüfungs-Ordnung, mitgetheilt 

von Küsoh 300 

Circular-Erlass, betreffend die Fortgewäbrung des Dienateinkomniens an die 
zu Militärübungen einberufenen diätarisch beschäftigten Hilfsarbeiter, 

mitgetheilt von G 95 

Circular-Erlass, betreffend die Höhenbestimmungen der Königlich preus- 

sischen Landesaufnahme vou Müller-Küpen 31 

Circular-Erlass, betreffend die Veranstaltnng besonderer Ausgaben des Druok - 

werks über die LandeBtriangulation, mitgetheilt von G 66 

Circular-Erlass, betreffend Reise- und UmzugskoBten der bei den prenssiachen 
Anseinandersetzungsbehörden beschäftigten Vermessungsbeamten , mit - 
getheilt von G 30 

Erlass vom 23. Januar 1886, betreffend Rangklasse der Specialkoramissäre 

der Auseinandersetzungsbehörden, mitgetheilt von Gerke 95 

Gesetz, betreffend den Bau neuer Schiffahrtskanäle und die Verbesserung 

vorhandener Schiffabrtsstrassen, mitgetheilt von G 430 

Kataster-Revisionen in Baden 220 

Meteorologisches Institut Berlin, mitgetheilt von G 336 

Reymann'sche Karten betreffend, mitgetheilt von G 149 

Richterliche Entscheidung über Miethsteuerzahlung, mitgetheilt von Winckel 67 
Verfügung, betreffend die am 1. Februar 1886 in Kraft tretenden Gebühren - 
sätze der bei den preussischen Generalkommissionen beschäftigten Ver- 

messungsbeamten, mitgetheilt von Gerke 60 

Vorschriften über die Prüfung der öffentlich anzustellenden Landmesser, 
mitgetheilt von Gerke 311 



TI. Unterricht nnd Prttfungen. 

Geodätischer Unterricht an der landwirthschaftlicben Hochschule in Berlin, 



Sommersemester 1886 127 

Koni; ich iandwirthschaftliche Hochschule in Berlin 287 

Landmesserexamen 77, 560 

Landmesserprüfling, Frühjahrspriifung 1886 527 

Landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin, Geodätisch-Culturtechnischcr 

Curaus 428 

Landwirtschaftliche Akademie Poppelsdorf 220 



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VII 

Seita 

Tjandwirth sohaftlic he Hochschule in Berlin , . , . . , , , : : : : 867 

Verzeichnis« der Vorlesungen de« geod&tisch-kulturtechnischen Curaus an 

der Königlichen Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin, Invaliden- , 

Strasse 42. im Wintersemester 1886 / 87 495 



VII. Peraonalnachrichten. 

Seite 32. 48. 77. 7S. 96. 127. 159. 171. 176. 205. 206. 207. 208. 220. 288. 319. 

336 . 368 432 , 496 . 52 «. 644 . 669 661 . 576 

VIII. Vereinsangelegenheiten. 

Bericht über die Ausschuss-Sitzung des württembergischen Geometer-Vereins: 

Stuttgart, 26. September 1886 587 

Bericht über die Hauptversammlung in Stuttgart, von Reich 33 

Bericht über die 13. Hauptversammlung des Mecklenburgischen Georaeter- 

vereins zu Schwerin, den 13. Februar 1886, von F. Günther 172 

Brandcnburgischer Geometerverein, Einladung 320 

Kassenbericht für das Jahr 1885 78 

Jahresbericht des Hannoverschen Landmesservereins für das Kalenderjahr 1885 463 
Nene Mitglieder .... 82, 48, 78. 96. 128. 160. 336. 368. 400, 480. 496. 544 

Thüringer Geometerverein, von Schnaubert 221 

Sohluss des Berichtes von Reich über die Stuttgarter Versammlung ... 33 

IX. Verschiedenes. 

Erklärung, betreffend Kiinkert 320 



Patentliste. 

Patentliste von Vermessungsinstrnmenten 159. 170. 866 

Briefkasten. 

An den Thüringischen Geometerverein 208 

Nivellementsfestpunkte in Städten i32 



Fragekaaten. 

Bezugsquellen und Kosten von Nivellementsbolzen, bezw. Bezeichnungderselben 432 



Berichtigungen. 

Berichtigung zu S. 77 160 

Berichtigung von Deubel zu S. 139 176 

Berichtigungen zu S. 367 400 

Berichtigung zu S. 482 528 

Berichtigung Fenner 560 

. , tu- 

' I{ 



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ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 



Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppe *, Steuerassessor in München, und 
R. Gerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1886. Heft 1. Band XT. 

1. Januar. 



Bericht 

über die XIV. Hauptversammlung des Deutschen 
Geometervereins (5. — 8. August 1885). 

(Erstattet vom zeitigen Schriftführer Reich.) 

Stuttgart, die von Rebenhügeln umkränzte Hauptstadt der schwä- 
bischen Lande , war es , in welcher sich die Mitglieder des Vereins 
an den obengenannten Tagen der ergangenen Einladung gemäss in 
grosser Zahl (236) zusammengefunden hatten. 

Am 5. August Vormittags traten die Vorstandschaft und die 
Redaction der Zeitschrift für Vermessungswesen zu einer Sitzung 
in der Königlichen Baugewerkschule, deren Räume dem Verein für 
die Versammlungstage zur Verfügung gestellt waren , zusammen. 
Gleichzeitig hielt die Commission für die weitere Erörterung der 
von Herrn Professor Heinrich (Rostock) aufgestellten Grundsätze 
für anderweite Bodenbonitirung und -Kartirung eine Sitzung, in 
welcher die grösstentheils schriftlich geführten Verhandlungen zum 
Abschluss gebracht wurden. 

Nachmittags 4 Uhr fand die gemeinschaftliche Sitzung der Vor- 
standschaft und der Delegirten der Zweigvereine statt. Da gelegent- 
lich der Hauptberathuug der Vereinsangelegenheiten hei den ein- 
zelnen Punkten der Tagesordnung stets über die zur Sache geführten 
Verhandlungen der Dclegirtenversanimlung, bezw. über die von der- 
selben gefassten Beschlüsse, Bericht erstattet werden musste, so kann 
füglich von einer besonderen Berichterstattung über den Verlauf 
der Delegirtenversammlung abgesehen werden. Erwähnt mag nur 
werden, dass der bezüglichen Sitzung sämmtliche Mitglieder der 
Vorstandschaft und der Redaction, sowie die Delegirten nachstehen- 
der Zweigvereine beiwohnten: 

1. Bayerischer Bezirksgeometerverein (Vertreter: Herr Bezirksgeo- 
meter Schorer, Günzburg). 

2. Brandcnburgiseher Geometerverein (Vertreter: Herr Obergeometer 
Dross, Berlin). 

Zeitschrift für Vcrmosaungswesen. 1886. 1. lieft. 1 



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2 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



3. Casseler Geometerverein (Vertreter: Herr Vermessungsrevisor 
Wolf, Cassel). 

4. Elsass- Lothringischer Geometerverein (Vertreter : Herr Steuer- 
Controleur Bautverker , Strassburg). 

5. Hannoverscher Feldmesserverein (Vertreter: Herr Privatdocent 
Gerke, Hannover). 

6. Mecklenburgischer Geometerverein (Vertreter: Herr Districtsin- 
genieur Alban, Schwerin). 

7. Ost- und West-Preussischer Geometerverein (Vertreter: Herr 
Steuerinspector Koch, Königsberg). 

8. Pfälzischer Geometerverein (Vertreter: Herr Bezirksgeometer 
Wagner, Speyer). 

9. Rheinisch- Westfälischer Feldmesserverein (Vertreter: Herr Land- 
messer Merlins, Essen a. d. Ruhr). 

10. Württembergischer Geometerverein(Vertreter: Herr Obergeometer 
Fecht und Stadtgeometer Wvhnann, Stuttgart). 

Der Mittelrheiuische, der Thüringische und der Württembergische 
Oberamtsgeometerverein waren nicht vertreten. Was den Gang der 
Verhandlungen betrifft, so möge nur hervorgehoben weiden, dass 
über die einzelnen Punkte der Tagesordnung von den einzelnen Zweig- 
vereinen die verschiedensten Ansichten geltend gemacht wurden 
(wie ja die Tagesordnung dies schon andeutete, da beispielsweise der 
Antrag 6. der Tagesordnung vom 6. August nur eingebracht worden 
war, um dein Antrag Ziffer 3. vom 7. August zu begegnen). Den ob- 
waltenden Meinungsverschiedenheiten ist es zuzuschreiben, dass die 
Delegirtenversammlung ca. 4 1 /* Stunden währte und erst gegen halb 
9 Uhr Abends ihr Ende erreichte, allerdings nicht ohne dass eine 
allerseits befriedigende Einigung erzielt worden wäre. 

Inzwischen hatten sich die übrigen bis dahin bereits in Stuttgart 
eingetroffenen Festtheilnehmer in dem zu den Sehenswürdigkeiten Stutt- 
garts gehörenden, im herrlichsten Blüthenschmuck prangenden Stadt- 
garten zu zwangloser gegenseitiger Begrüssung und Unterhaltung ein- 
gefunden, eine Absicht, welche auch zur Ausführung gelangte und deren 
Erreichung die zur Verschönerung des Festes eingetroffenen und die 
in Stuttgart heimischen Damen in liebenswürdigster Weise förderten. 

Am 6. August, kurz nach 9 Uhr, wurden die Hauptberathungen 
im Festsaale der Königlichen Baugewerkschule eröffnet. Der Vereins- 
director ertheilte zunächst das Wort Herrn Obersteuerrath Professor 
Schlebach, welcher die Versammlung im Aufträge des Königlichen 
Ministeriums des Innern, der Prüfungsbehörde für Feldmesser und 
des Königlichen Ministeriums der Finanzen, der Oberaufsichtsbehörde 
des Württemhergischen Vermessungswesens, begrüsste. Die Württem- 
bergische Staatsregierung habe stets Interesse für das Specialfach ge- 
zeigt. Er verweise in dieser Beziehung auf die schon vor 200 Jahren 
in Württemberg vor allen anderen Staaten erlassenen Prüfungsvor- 
schriften für Feldmesser, die im Laufe der beiden Jahrhunderte 
mehrfachen Aenderungen unterworfen wurden, sowie auch die Grün- 
dung der besonderen Fachschule für Geometer unter König Karl. 
Auch den Bestrebungen des Deutschen Geometervereins sei die Staats- 



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Hauptberathung : Begrüasung. 



3 



regierung mit Interesse gefolgt und wünsche er Namens derselben 
den Verhandlungen guten Erfolg, wie er auch die Besucher der 
XIV. Hauptversammlung, sich des ihm gewordenen Auftrages ent- 
ledigend, willkommen heisse. 

Demnächst ergreift Herr Oberbürgermeister Dr. v. Hack das 
Wort und begrüsst die Versammlung Namens der Stadt Stuttgart. 
Gerade in Württemberg habe der Stand des Geometers für die Ge- 
meinden hervorragende Bedeutung, da die Fortführung des Grund- 
buches den Gemeinden obliege und daher zahlreiche Beamte aus 
diesem Stande im Gemeindedienst verwendet würden. Auch Stutt- 
gart trage in allen Strassen die Markzeichen der Thätigkeit des 
Geometers und dass die Versammlung hier willkommen sei, zeigten 
die getroffenen festlichen Vorbereitungen wohl zur Genüge. Indem 
er sich dem von dem Herrn Vorredner ausgesprochenen Wunsche 
für den Erfolg der Vereinsberathungen anschliesse, wünsche er zu- 
gleich, dass den Besuchern der Versammlung die Höhenpunkte Stutt- 
garts zu Höhenpunkten des Vergnügens, die vorhandenen Marksteine 
zu Marken angenehmer Erinnerung an die hier verlebten Tage wer- 
den, und dass die vorhandenen Signale den Besuchern das Signal 
zu baldiger Wiederkehr geben mögen. — 

Herr Hofbaudirector von Egle heisst die Versammlung Namens 
der Direction und des Professorencollegiums der Königlichen Bau- 
gewerkschule willkommen und versichert, dass es derselben Freude 
gemacht habe, der Versammlung die Heimstätte bereiten und zum 
Empfange schmücken zu können. 

Der Vereinsdirector ergriff hierauf das Wort zu nachstehender 
Erwiderung : 

>Meine Herren ! Von Seiten der Königlichen Staatsregierung 
sowohl wie von Seiten der Direction und des Professorencollegiums der 
Königlichen Baugewerkschule, nicht minder aber von der Stadt 
Stuttgart hat unser Verein in diesem Jahre eine so ehrenvolle Theil- 
nahme erfahren, dass ich dem Bedürfnisse, welches Sie, meine Herren 
Vereinsgenossen, empfinden, Ausdruck zu geben verpflichtet bin. Ich 
thue das, indem ich der hohen Königlichen Staatsregierung, den 
sämmtlichen übrigen Behörden und Collegien, welche die Bestrebungen 
unseres Ortsausschusses unterstützt haben, vor Allem aber Ihnen, 
verehrte Herren, die Sie uns heute mit so freundlichen Worten be- 
grüsst haben, für diese Worte den herzlichen Dank des Deutschen 
Geometervereins in dessen Namen hierdurch ausspreche.« 

Fortfahrend heisst der Vereinsdirector die Herren Gäste und 
die so zahlreich erschienenen Vereinsgenossen willkommen, bittet um 
Unterstützung und nachsichtige Beurtheilung bei der ihm obliegenden 
Leitung der Verhandlungen und verspricht seinerseits dieselben un- 
parteiisch und sachgemäss nach besten Kräften zu führen. Hierauf 
gedenkt Redner mit ehrenden Worten der im verflossenen Jahre 
verstorbenen Mitglieder*) und die Versammlung ehrt das An- 
denken derselben durch Erheben von den Sitzen. 

*) Namen der Verstorbenen im nachfolgenden Cassenberieht aufgeführt. 



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4 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



Hierauf wird zum Hilfsschriftführer Herr Steuerinspector Göhring 
(Luckau) berufen. Die Herren Kayser , Lutz und Oswald werden 
zu Stimmzählern vorgeschlagen und durch Zustimmung gewählt. 

Uebergehend zu Punkt 1 der Tagesordnung erstattet der Herr 
Vereinsdirector den Bericht über die Yereinsthütigkeit wie folgt: 

»Meine Herren! Seit unserer letzten Hauptversammlung ist 
ein Jahr verflossen , in welchem unser Verein zwar mit manchen 
Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, aber auch manches befriedigende 
Ereigniss zu verzeichnen in der Lage war. 

Die finanziellen Schwierigkeiten , welche aus dem Jahre 1882 
herrühren, konnten noch immer nicht vollständig überwunden wer- 
den. In dem genannten Jahre hatten wir scheinbar einen Ueber- 
schuss von 649,03 Jk., welcher dem Ileservefond einverleibt wurde. 
Indessen war eine Rechnung über eine grössere lithographische Bei- 
lage zur Zeitschrift für Vermessungswesen, die Karte der in Deutsch- 
land ausgeführten Präzisionsnivellements, welche einen bedeuten- 
den wissenschaftlichen Werth hatte — am Jahresschlüsse noch nicht 
eingereicht. Die Kosten mussten daher auf das Jahr 1883 über- 
nommen werden. Der Jahrgang 1883 der Zeitschrift ist überdies 
einer der stärksten, er umfasst 651 Seiten. Dadurch entstand im 
Jahre 1883 ein Defizit von 719,15.#, während allerdings der Reserve- 
fond um 73,96 Jk. von 2541,44 Jk. auf 2615,40 Jb. gewachsen war. 
Unsere Hoffnung, das Defizit aus den Einnahmen des Jahres 1884 
zu decken, ging nicht in Erfüllung, im Gegentheil vergrösserte sich, 
wie Sie aus dem im 4. Hefte der Zeitschrift veröffentlichten Bericht 
unseres Cassirers, des Herrn Steuerraths Kerschbaum , ersehen haben, 
das Defizit scheinbar um 85,97 Jt, von 719,15 auf 805,12 ß. Ich 
sage scheinbar, denn gleichzeitig war der Reservefond um 98,35 Jk 
von 2615,40 auf 2713,75 Jb. gestiegen. Wenn wir die Zinsen des 
Reservefonds zu den laufenden Ausgaben geschlagen hätten, so wäre 
somit das Defizit nicht grösser, sondern um 13,38 Jb. geringer ge- 
worden, wie im Vorjahre. Das Jahr 1884 lieferte daher im Ganzen 
einen Ueberschuss von 13,38 Jb. 

Sie sehen aus dieser Darstellung, dass unsere finanzielle Lage 
zwar durchaus keine bedenkliche, dass aber die grösste Sparsam- 
keit geboten ist. Die Vorstandschaft hat in Folge dessen im An- 
fänge dieses Jahres beschlossen , nur kleine Hefte der Zeitschrift 
auszugeben und auch an lithographischen etc. Beilagen nach Mög- 
lichkeit zu sparen. Sie hat dies um so mehr gethan , als sie es 
nicht auf ihre Verantwortung nehmen wollte und konnte, andere 
Wege zur Deckung des Defizits ohne ausdrückliche Genehmigung 
einer Hauptversammlung einzuschlagen. Wohl aber hat sie sich ge- 
fragt, ob die Einschränkung der Zeitschrift die rechte Weise zu 
sparen sei und ist zu dem Entschluss gekommen, Ihnen heute vor- 
zuschlagen , dass das Defizit aus den Baarmitteln des Reservefonds 
gedeckt wird, der Zeitschrift dagegen wieder gleiche oder ähnliche 
Mittel zur Verfügung gestellt werden, wie in den Vorjahren. Herr 



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Bericht über die Vereinsthätigkeit. 5 

Kerschbaum wird diesen Antrag bei Vorlage des Etats noch näher 
motiviren und wir hoffen auf Ihre Zustimmung. 

Es gereicht mir zur Befriedigung, Ihnen mittheilen zu können, 
dass uns von einer sehr angesehenen Verlagsbuchhandlung eine Offerte 
gemacht worden ist, wodurch wir in die Lage gesetzt werden, spätestens 
vom Jahre 1887 ab die Zeitschrift bis zu einer Stärke von 42 Bogen 
— also 672 Seiten — um rot. 1000 Jtk. billiger hersteilen zu können, 
wie dies bis jetzt gelungen ist. Ausserdem liegt ja für unsere Tages- 
ordnung noch ein Antrag des Württembergischen Geometervereins 
vor, welcher, im Falle Sie sich zur Annahme entschliessen, noch 
weitere Ersparnisse zur Folge haben wird. Auf jeden Fall können 
wir der Zukunft getrost entgegen sehen. 

Ihre Vorstandschaft wird Ihnen ausserdem bei Gelegenheit der 
Etatsberathung einige weitere Vorschläge zur Beschlussfassung unter- 
breiten, von deren Annahme sie eine wesentliche Vermehrung des 
Interesses der Vereinsmitglieder an der Zeitschrift, bezw. die Ver- 
meidung von mancherlei Uebelständen, die zeitweilig hervorgetreten 
sind, zu hoffen sich für berechtigt hält. 

Es ist mehrfach der Wunsch ausgesprochen worden, dass die 
Zeitschrift einerseits die unsere Berufsgenossen interessirenden Ge- 
setze, Verordnungen, gerichtlichen Entscheidungen u. s. w., ander- 
seits sämmtliche Personalveränderungen in den amtlichen Stellungen 
der Geometer und Landmesser möglichst zeitig bringen möge. Das 
erstere glauben wir dadurch erreichen zu können, dass der Verein 
den Reichsanzeiger und ein juristisches Blatt hält und einem der 
Mitredacteure behufs Fertigung von Auszügen für die Zeitschrift 
für Vermessungswesen zur Verfügung stellt. 

Um die Personalnachrichten regelmässig bringen zu können, 
müssen wir uns an die Opferwilligkeit unserer Vereinsmitglieder wen- 
den, welche hoffentlich nach Kräften zu demselben beitragen werden. 

Das Köuiglich Preussische Geodätische Institut hat unserer 
Bibliothek wiederum die von demselben im Laufe des Jahres aus- 
gegangenen Veröffentlichungen als Geschenk überwiesen, wofür dem 
Institut und namentlich dessen hochverdientem Präsidenten, Herrn 
Generallieutenant Dr. Baeyer hiermit auch Öffentlich der Dank 
unseres Vereins ausgesprochen wird. 

Im vorigen Jahre hat unser Verein erklärt, dass er der An- 
sicht ist,, »dass es in der Gerechtigkeit und Billigkeit liegt, die in 
Preussen nach den bisherigen Vorschriften geprüften Feldmesser 
den künftigen Landmessern in jeder Beziehung gleichzustellen, und 
dass dieserhalb den ersteren die Amtsbezeichnung Landmesser eben- 
falls beigelegt werde<. 

Ich habe die Genugthuuug, Ihnen heute mittheilen zu können, 
dass sich der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten in Preussen 
nunmehr dieser Ansicht angeschlossen hat. Nachdem die Königliche 
Regierung in Köln in gleicherweise entschieden, der Herr Regierungs- 
präsident zu Breslau dagegen einem Feldmesser die Berechtigung 
zur Führung des Titels Landmesser abgesprochen hatte, ist durch 



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6 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



Erlass des Herrn Ministers vom 2. Juli d. J. dieser Schwankung in 
der Ansicht der Behörden ein Ende gemacht worden. 

In dem Erlasse, dessen Inhalt in nächstem Hefte der Zeitschrift*) 
bekannt gegeben wird, heisst es : 

»dass beim Erlasse der neuen Landmesser-Prüfungs-Ordnung 
unter den sinnverwandten Bezeichnungen Feld- und Landmesser 
der letzteren der Vorzug gegeben ist, ohne dass beabsichtigt 
worden sei , damit einen Gegensatz zu begründen , welcher die 
nach den alten Vorschriften Geprüften als Feldmesser und die 
nach der neuen Ordnung als Landmesser Geprüften unterscheide«. 
Die Feldmesser sind somit berechtigt , sich Landmesser zu 
nennen. Was über die Stimmung, welche im vorigen Jahre in 
maassgebenden Kreisen über diese Angelegenheit herrschte, bekannt 
geworden, liess eine so günstige Entscheidung kaum erwarten. Ob 
unsere vorjährige Erklärung und die verschiedenen Besprechungen 
der Frage in den Zeitschriften des Deutschen Geometervereins und 
seiner Zweigvereine zu diesem Resultate etwas beigetragen haben, 
das können wir dahingestellt sein lassen, jedenfalls haben wir Ver- 
anlassung, uns des Resultates zu erfreuen. 

Der von Herrn Professor Heinrich auf unserer letzten Ver- 
sammlung gehaltene Vortrag über Bodenbonitirung und Kartirung 
hat damals Veranlassung zur Wahl einer Commission gegeben, 
welche die Frage im Laufe des Jahres studirt und erörtert hat. 
Ein Theil der Mitglieder hat bereits vor längerer Zeit in Berlin 
eine Zusammenkunft gehabt, auch am gestrigen Tage hat eine 
Sitzung stattgefunden , morgen wird Ihnen über das Resultat der 
Berathungen Bericht erstattet werden. 

Die Zweigvereine haben auch in diesem Jahre eine zum Theil 
recht lebhafte und ergebnissreiche Thätigkeit entwickelt, nament- 
lich hat der Inhalt einzelner Vereinsorgane eine Bedeutung ge- 
wonnen , welche weit über den lokalen Kreis , für welchen diese 
Schriften bestimmt sind, hinausgeht, und bei mir oft die Empfin- 
dung des Bedauerns hervorgerufen hat, dass soviel Kräfte und 
Kosten durch Zersplitterung verloren gehen, welche durch Zusammen- 
fassen im Vereinsorgan erspart werden könnten. 

Allerdings wird es schwer sein, diesen Uebelstand zu vermei- 
den, da die Blätter der Zweigvereine sich nicht wohl ausschliesslich 
auf Mittheilungen von rein lokalem Interesse beschränken können, 
ohne für die Mitglieder überhaupt an Interesse zu verlieren. 

Der Württembergische Geometerverein und der Hannoversche 
Feldmesserverein haben Anträge auf Abänderung der Satzungen 
eingebracht , welche sich zwar nicht prinzipiell gegenüber stehen, 
deren einer aber dennoch die ausgesprochene Absicht hat, die An- 
nahme des anderen zu erschweren. Sie werden sich in diesen Tagen 
darüber zu entscheiden haben, welchem von beiden Sie den Vorzug 
geben, bezw. ob Sie beide annehmen oder ablehnen wollen. 

*) s. Zeitschrift 1885, S. S83. 



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Belicht über di« Lage der Zeitschrift. 



7 



Im Ganzen können wir auch auf das jüngst verflossene Jahr 
nach meiner Ueberzeugung mit Befriedigung zurückblicken , hoffen 
wir, dass das folgende und noch viele andere in gleicher oder noch 
erfolgreicherer Weise verlaufen mögen. 

Im Anschlusss an den vorstehenden Bericht stellt der Herr 
Vereinsdirector die Frage, ob Jemand zu dem erstatteten Bericht 
das Wort nehmen wolle, oder noch irgend welche Auskunft wünsche? 

Da sich Niemand aus der Versammlung zum Wort meldete, 
erstattete der Herr Hauptredacteur Professor Jordan den Bericht 
über die Lage der Zeitschrift : 

Nachdem in den letzten Jahren unseres Vereinslebens ein be- 
sonderer Bericht der Redaction auf den Hauptversammlungen nicht 
erstattet worden ist, weil der Inhalt der Zeitschrift an und für 
sich Bericht über die Redactionsthätigkeit gibt, möchte ich heute 
als Vertreter unserer Vereins-Zeitschrift das Wort ergreifen zu 
einem zusammenfassenden Berichte über die Anschauungen, welche 
die Redaction seit 13 Jahren geleitet haben, und über die Resultate, 
welche erzielt worden sind. 

Als ich im Jahr 1873 die Redaction der Zeitschrift übernahm, 
wurde der Schwerpunkt der Veröffentlichungen in fach wissensch aft- 
liche Mittheilungen zu legen gesucht, und es wurde auch die streitige 
Frage der Methode der kleinsten Quadrate in den Kreis unserer Er- 
örterungen gezogen, weil diese Wissenschaft ebenso eine Weiter- 
entwicklung der Vermessungskunde bedingt, wie z. B. durch die 
theoretische Festigkeitslehre die Ingenieurfacher sich wissenschaftlich 
entwickelt haben. 

Ein älterer College schrieb mir damals: »Als ich las, dass Sie 
Latten- und Ketten-Messungen nach der Methode der kleinsten 
Quadrate behandeln, musste ich lächeln.« — Wenn wir aber jetzt 
die Anfänge und die Spuren mancher neueren amtlichen Genauig- 
keitsbestimmungen bis zu jenen Streitartikeln in unserer Zeitschrift 
zurück verfolgen können, so wird darin eine genügende Rechtfertigung 
der damaligen Bestrebungen liegen. 

Aehnlich ging es mit der Geometerausbildungsfrage : Unser 
Verein bat 1873 in Nürnberg den Gedanken ausgesprochen, dass 
zur Hebung und Förderung des Vermessungswesens vor Allem eine 
bessere fachwissenschaftliche Ausbildung der Feldmesser nöthig sei, 
und der Erfolg der letzten Jahre hat die Richtigkeit dieses Grund- 
satzes bewiesen. 

Nun ist aber im Gefolge dieser Ausbildungsfrage auch die 
sociale Frage (oder besser gesagt die tBrodfraget) in die Spalten 



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8 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



unserer Zeitschrift eingezogen , damit sind die Vereinsbestrebungen 
auf ein Gebiet gekommen, dessen öffentliche Vertretung in der Zeit- 
schrift die Redaction nicht übernehmen kann. Wir haben deshalb 
schon im vorigen Jahre in Schwerin die Verantwortung für die 
öffentliche Behandlung socialer Fragen zwischen der Redaction und 
der Gesammtvor Standschaft getheilt. 

Meine Ansicht hierüber ist folgende: Auf die wiederholt in 

unserer Zeitschrift aufgeworfene Frage: >Wie ist die Stellung der 
Geometer zu verbessern?« möchte ich heute noch, wie 1873 in 
Nürnberg, die Antwort geben: Vor Allem durch eine gründliche 
fachwissenschaftliche und allgemeine Bildung, keinenfalls aber durch 
fortgesetztes Abfassen und Veröffentlichen von Zeitungs-Artikeln mit 
der genannten Ueberschrift. 

Zur Begründung dieser Anschauung diene zunächst eine allge- 
meine Betrachtung: Jedes Volk hat die Verfassung und die Regierung, 
welche es verdient, und jede Berufsgenossenschaft und jedes Indi- 
viduum hat in unseren Staaten und in der Gesellschaft im Wesent- 
lichen die Stellung, welche ihnen vermöge ihrer Leistungen zum 
Gesammtwohl gebühren. Hieran lässt sich nichts willkürlich ändern. 
Ausnahmen kommen allerdings vor, sind aber von vorübergehender Art. 

Wenn nun die Geometer durch Erhöhung ihrer Leistungsfähig- 
keit ihren Gebrauchswerth im Staat und in der Gesellschaft steigern, 
so wird die peeuniäre und sociale Besserstellung im Wesentlichen 
von selbst kommen , allerdings langsam — und nicht für jedes In- 
dividuum — aber sie wird kommen , denn die ganze historische 
Entwicklung der deutschen Vermessungen drängt darauf hin. Was 
nebenbei an amtlichen und persönlichen Hindernissen zu überwin- 
den ist, das wird besser nicht öffentlich in der Vereins-Zeitschrift 
behandelt, und desswegen geht meine dringende Bitte dahin, die soge- 
nannten socialen Artikel m der Zeitschrift nicht zu vermehren, son- 
dern eher zu beschränken. 

Bei dieser Gelegenheit ist auch davor zu warnen, Diäten-Regle- 
ments und Gebühren-Tarife zu stehenden Erörterungs-Gegenständen 
in der Zeitschrift zu machen. Wir haben es wiederholt erlebt, dass 
Fach-Zeitschriften, welche die Erörterung der »Brodfrage« sich vor- 
wiegend zur Aufgabe gemacht hatten, bald eingegangen sind. 

Am deutlichsten sehen wir unseren Weg vorgezeichnet, wenn 
wir die um mehrere Jahrzehnte früher begonnene Entwicklung der 
Ingenieurfächer verfolgen : 

Ein älterer College hat kürzlich bei einer amtlichen Delegirten- 
versammlung Preussischer Techniker den Ausdruck gebraucht: »Vor 
50 Jahren war der Techniker noch der Schuhputzer im Staatsdienst, 



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Bericht über die Lage der Zeitschrift. 



9 



und die Handhabe zum Herausarbeiten aus diesem Zustand haben 
die technischen Hochschulen geboten«. 

Ohne solch drastische Ausdrücke anzuwenden , müssen wir zu- 
geben, dass die Stellung der Geometer unter den technischen Beamten 
im Staate nahezu die unterste ist. Aber dasselbe Mittel, welches 
aus den Bauhandwerkern der 30er Jahre Bauräthe hervorgehen liess, 
wird auch aus den Kreisen der Feld- und Landmesser mit der Zeit 
Vermessunijsräthe hervorbringen, wenn wir nur den einzig richtigen 
Weg der gründlichen Bildung, der Förderung und Verbreitung unserer 
eigenen Wissenschaft unverzagt verfolgen. 

Ich komme nun auf eine wunde Stelle vieler technischer Fach- 
blätter. die Ueberwucherung der Theorie über die Praxis. Es ist 
eine stehende Klage der Mehrzahl unserer Vereinsmitglieder , die 
Zeitschrift sei zu theoretisch. Nun — blättern wir unsere 14 Jahr- 
gänge durch, so wird sich doch eine grosse Zahl von Abhandlungen 
finden, welche praktische Messungen aller Art betreffen und manche 
Verbindungsfäden bestehen zwischen unserer Zeitschrift und amt- 
lichen Vermessungs- Anweisungen. Einen Redacteur aber zu finden, 
der Jahrein, Jahr aus solche sogenannte praktische Artikel schreibt, 
ist unmöglich, diese Mittheilungen müssen eben in der Hauptsache 
aus dem Verein selbst kommen. Zurückgewiesen aber ist von der 
Redaction niemals etwas worden, was irgend brauchbar war. 

Eine fortlaufende Rubrik haben die Literaturberichte unserer 
Zeitschrift gebildet. Auf diesem schwierigen Gebiete können wir 
von Erfolgen berichten. Das Urtheil unserer »Literaturzeitung« 
wurde als zutreffend anerkannt, und alle neuen Literatur-Erschei- 
nungen unseres Faches und zahlreiche amtliche Publikationen 
kommen uns freiwillig und kostenfrei zu. 

In unserer Literaturzeitung wurde vor 8 Jahren ein prak- 
tisch-geodätischer Streit durchgefochten , dessen Heftigkeit mir 
damals von verschiedenen Seiten sehr zum Vorwurf gemacht wor- 
den ist, allein auch hier kann ich als letzte Inktanz den Erfolg 
berichten: Fünf Jahre nachher sind die angegriffenen Messungen 
amtlich verworfen worden , und jener offene Streit hat zur Klar- 
legung der Sache wesentlich beigetragen. — 

Der Druck und Verlag unserer Zeitschrift hat seit 12 Jahren 
auf Grund mehrfach wechselnder Verträge in Karlsruhe und Stutt- 
gart stattgefunden, ln jüngster Zeit sind uns Anerbietungen ge- 
macht worden, unter günstigen Bedingungen den Verlag der Zeit- 
schrift nach Berlin zu bringen, und im Anschluss hieran sind manche 
Neuerungen in Aussicht genonimen worden. Namentlich möchte ich 



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10 XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 

;iuch vorschlagen, wenn der Württembergische Antrag, künftig nur 
alle zwei Jahre eine Hauptversammlung zu halten, angenommen 
wird, die dadurch frei werdenden Mittel zur Bezahlung von Honorar 
an unsere Mitarbeiter zu verwenden. 

Es gibt dieses Veranlassung, unsere Zeitschrift auch pecuniar 
mit andern Zeitschriften zu vergleichen. Z. ß. die Deutsche Bau- 
zeitung wurde gestern mehrfach genannt, allein dieses alte Unter- 
nehmen hat einen Rückhalt an Tausenden von Lesern, welche 
2 — 3fach so viel bezahlen als unsere Mitglieder , und die Deutsche 
Bauzeitung hat es leicht , gute Artikel zu erwerben , denn sie be- 
zahlt 120 Jh. Honorar für 1 Bogen. Wir aber zahlen zur Zeit 
kein Honorar. 

Als weitere Verbesserung ist in Aussicht genommen, dass alle 
Gesetze und Verordnungen und die Personalnachrichten über Ver- 
messungsbeamte , d. h. Mittheilungen , welche wir bis jetzt nur ge- 
legentlich brachten, mehr systematisch gesammelt und so rasch als 
möglich gedruckt werden sollen. 

Wenn ich hiemitüber die Redactionsthätigkeit der letzten Jahre 
berichtet habe, so kann ich auch nicht unerwähnt lassen, dass ein 
Theil der Vereinsmitglieder in letzter Zeit theils privatim , theils 
öffentlich seine Nichtübereinstimmung mit der Redactionsführung 
ausgesprochen hat. *) 

Da trotz solcher Meinungsverschiedenheiten auch in früheren 
Jahren die alten Redactionsmitglieder wieder gewählt worden sind, 
so möchte ich bitten , dass Sie diesesmal nur solchen Redacteuren 
Ihre Stimme geben, welche Ihr volles Vertrauen besitzen. 

Was mich betrifft, so könnte ich eine etwaige Wiederwahl nur 
annehmen, wenn dadurch ausgedrückt wird, dass unsere Zeitschrift 
für Vermessungswesen, welche sich eine ehrenvolle Stellung in der 
deutschen Literatur errungen hat, in erster Linie eine wissen- 
schaftlich redigirte Fach- Zeitschrift sein und bleiben soll. 

Sei es nun, (Tkss wir weiter Zusammengehen oder dass ich heute 
von Ihnen als Redacteur Abschied nehme, in beiden Fällen möchte 
ich meine persönliche und wissenschaftliche Zugehörigkeit zu unserem 
seit Jahren festgefügten Bunde um so mehr betonen. Mag auch die 
Personalzusammensetzung unserer Vereinsamter wechseln, wir kämpfen 
alle für ein gemeinsames Ziel : die wissenschaftliche Wahrheit ! 



*) Zeitschrift des Rheinisch-Westfälischen Feldmesser-Vereins vom 15. Juni 
1885, Seite 52. 



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Bericht der Rechnungs-Priifungs-Cominission. 



11 



Herr Steuerinspector Gottwalt (Lauban) nimmt hierauf das 
Wort, um dem Herrn Vorredner für seine bisherige Wirksamkeit 
zu danken. Er gehe wohl nicht zu weit , wenn er behaupte , dass 
dieser Dank nicht nur vom grössten Theile der Vereinsmitglieder, 
sondern auch von allen Freunden des Vermessungswesens getheilt 
werde und bittet die Besucher der Versammlung, sich zum Zeichen 
der Zustimmung von ihren Plätzen zu erheben , welchem Anträge 
allseitig entsprochen wird. Demnächst zu Punkt 2 der Tagesordnung 
übergehend, berichtet Herr Steuercontroleur Bauwerker (Strassburg), 
Mitglied der Rechnungsprüfungscommission, über den Ausfall der 
Prüfung der Jahresrechnung 1884. Die Commission habe zu 
erinnern gehabt, dass ein Mitglied der Redaction einen geringfügigen 
Betrag zu wenig in Ansatz gebracht habe und ausserdem den Wunsch 
geäussert, dass um die Kosten der Hauptversammlung in einer Summe 
zur Erscheinung zu bringen, die Reisekosten der Vorstandsmitglie- 
der zur Hauptversammlung nicht unter besonderem Titel , sondern 
unter dem Titel »Kosten der Hauptversammlung« verrechnet wür- 
den. Nachdem die Vorstandschaft erklärt habe, dass dem letzteren 
Wunsche Bedenken nicht entgegen ständen , habe die Delegirten- 
versammlung beschlossen, der Hauptversammlung folgende Anträge 
zu unterbreiten : 

a. Der zu wenig berechnete geringfügige Betrag ist nachträg- 
lich zu zahlen und auf 1885 zu verrechnen. 

b. Die Reisekosten der Vorstandsmitglieder sind in Zukunft 
unter »Kosten der Hauptversammlung« zu verrechnen. 

c. Die Entlastung der Vorstandsschaft bezüglich der Jahres- 
rechnung 1884 wird ausgesprochen. 

Die Versammlung beschliesst demgemäss*) Punkt 3 der Tages- 
ordnung »Neuwahl der Rechnungs-Prüfungscommission für 1885« 
wird auf Antrag der Vorstandschaft ausgesetzt, bis die Versamm- 
lung darüber beschlossen hat, ob die Hauptversammlungen wie 
bisher alljährlich oder in welchen anderen Zeiträumen dieselben 
stattfinden sollen , da in letzterem Falle entweder 2 Prüfungscom- 
missionen gewählt , oder die Wirksamkeit der zu Wählenden bis 
zur nächsten Hauptversammlung ausgedehnt werden müsse. 

Nunmehr erstattet gemäss Ziffer 4 der Tagesordnung der Vereins- 
cassirer Herr Steuerrath Kerschbaum den nachstehenden 

Cassenbericht. 

Nach dem im 4. Hefte Seite 75 des diesjährigen Vereinsorgans 
veröffentlichten Cassenbericht pro 1884 zählte mit Anfang dieses 
Jahres der Deutsche Geometerverein 1145 Mitglieder, worunter 
12 Zweigvereine. 



'j *) Bezüglich der Jahresrechnung 1884 wird auf Seite 75 des Jahrganges 
1885 der Zeitschrift verwiesen. 



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12 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



Neueingetreten sind bis jetzt 35 Mitglieder und 1 Zweigvereini 
gestorben sind 8 Mitglieder und mit der Zahlung des Mitglieds- 
beitrages sind noch 29 im Rückstände, so dass der gegenwärtige 
Mitgliederstand 1144 beträgt. 

Die gestorbenen Mitglieder sind: 

Nr. 326. Striebel, 6., k. Bezirksgeometer in Münnerstadt, 

> 393. Rottzoll, Paul, verpfl. Geometer in Lottyn, 

> 699. Melsheimer, A., Geometer in Mainz, 

> 890. Gabel, J. Victor, Stadtgeometer in Duisburg, 

> 1087. Pape, Martin, Mechaniker in Altona, 

> 1497. Krahmer, Kreisgeometer in Ballenstädt, 

> 1549. Fillmann, Otto, Vermessungs-Conducteur in Friesoythe, 

> 2170. Chateau, A., Feldmesser in Goch. 

Neueingetreten sind aus Baden .... 3 Mitglieder. 

Bayern .... 2 > 

Elsass-Lothringen 3 > 

Preussen ... 21 > 

Sachsen .... 3 > 

Württemberg . . 3 > 

und Oesterreich ... 1 > 

Der neueingetretene Zweigverein ist der Württemberg’sche Ober- 
amtsgeometerverein. 

Die Cassenverhältnisse des Deutschen Geometervereins gestalten 
sich in diesem Jahre nicht besonders günstig, da das Defizit vom 
Vorjahre, welches durch das Defizit vom Jahre 1883 entstand, im 
Betrage von 805 M. aus den Jahreseinnahmen mit gedeckt wer- 
den soll. Dieses hätte aber nur dann geschehen können, wenn 
bei der Zeitschrift, wie im provisorischen Etat angenommen wurde, 
die erforderlichen Einschränkungen mit bloss Ein-Bogen-Heften 
hätten eingehalten werden können. Da aber die sehr werthvolle 
Abhandlung über die Gauss’schen Gradmessungs- Arbeiten von Gaede 
mehrere Hefte von 2 Bogen erforderte, so kann das Defizit vom Jahre 
1884 nicht beseitigt werden und wird es nöthig sein, zur Deckung 
desselben die Baarmittel des Reservefonds zu verwenden. 



Etat pro 1885. 



Es gestalten sich nämlich für dieses Jahr die Einnahmen 
wie folgt: 

I. An Mitgliedsbeiträgen : 

a 1128 Mitglieder ä 6 M. = 6 768 Jb. 



b. 35 > ä 9 > = . 



315 -±- 7 083 M. 



II. Aus dem Verlag der Zeitschrift für 220 Exemplare 



ä 4,50 Jk 990 Jb. 

III. An Insertions-Einnahmen 600 > 

IV. An sonstigen Einnahmen 48 » 



Sa. der Einnahmen . . 8 721 Jk. 



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Etat pro 1885. 



13 




Die Ausgaben erfordern : 

I. Für die Zeitschrift und deren Verwaltung : 
für 6 Hefte ä 2 Bogen Stärke 
und 18 > ä 1 > > 

a. Für Papier , Druck , Holzschnitte etc. 5 520 Jb. 

b. > Honorirung der Redacteure . . . 900 > 

c. > den Literaturbericht 150 > 



II. Für Canzleispesen 275 > 

III. > die Generalversammlung 1 200 > 

IV. » Honorirung der Vorstandschafts-Mitglieder . . 600 > 

V. > die Bibliothek 100 > 

VI. > Deckung des Defizits aus dem Vorjahre . . . 805 > 

Sa. . . 9550 Ä 



Bilanz. 

Einnahmen 8 721 Jt>. 

Ausgaben 9 550 > 

Mehrausgabe . . 829 jb. 

welcher Betrag aus den Baarmitteln des Reservefonds (die mit den 
bis zum 1. Januar k. J. aufgelaufenen Zinsen über 800 Jb. betragen 
werden) gedeckt werden soll. 

Der Reservefond bestand am 1. Januar 1885 aus: 
a. 2000 Jb. Werthpapiere .... 2000 Jb. 



b. an Baarmitteln 713,75 > 071Q _- u 

hiezu Zinsen am 1. April d. J 40,00 > 

> > >30. Juni > > 6,80 > 



Demnach am 1. Juli 1885 aus Sa. . . 2 760,55 Jb. 
Nachdem auf Aufforderung hin Niemand zum Etat pro 1885 
das Wort ergreift, unterbreitet der Vereinsdirector den von dor 
Delegirtenversammlung beschlossenen Antrag : 

»Die Versammlung genehmigt den Etat pro 1885 der 
Vorlage entsprechend und ermächtigt die Vorstandschaft, das 
Defizit aus den Baarmitteln des Reservefonds zu decken« 
welchen Antrag die Versammlung einstimmig genehmigt. 

Zu Punkt 5 der Tagesordnung: »Berathung und Festsetzung 
von allgemeinen Normen für Bezahlung von Verraessungsarbeiten 
nach Accordsätzen < berichtet der Vereinsdirector, dass der Verein 
Deutscher Arehitecten und Ingenieure beschlossen habe, Normen für 
die Bezahlung von Ingenieurarbeiten herauszugeben und den 
Arehitecten und Ingenieur- Verein zu Hannover mit der Ausarbeitung 
der bezüglichen Vorlage beauftragt habe. Dieser letztere Verein 
nun habe an den Deutschen Geometerverein die Aufforderung ge- 
richtet, sich bezüglich der Bezahlung von geometrischen Arbeiten 
zu äussern und seien daraufhin den Zweigvereinen die entsprechen- 
den Mittheilungen gemacht worden. Die Zweigvereine haben sich 
mit der Angelegenheit beschäftigt und einzelne derselben haben 



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14 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Georaetervereins. 



tlieilweis sehr umfangreiche Ausarbeitungen geliefert, die sowohl 
dem Vorstande des Hauptvereins zugegangen, wie auch unter den 
Zweigvereinen ausgetauscht worden seien. In der gestrigen Dolegirten- 
versammlung habe die Angelegenheit zu sehr lebhafter Meinungs- 
äusserung Veranlassung gegeben. Während auf der einen Seite 
ausgeführt wurde, dass die geometrischen Arbeiten und die auf 
dieselben zu verwendende Zeit, mithin auch die Bezahlung derselben 
von den verschiedenstenUmständen (Terrainbescbaffenheit, Beschaffen- 
heit etwa bereits vorhandener Unterlagen. vom Zweck der Arbeit be- 
dingter Genauigkeitsgrad, Witterungsverhältnisse der Jahreszeit und 
der Gegend, in welcher die Arbeiten ausgeführt werden müssen) ab- 
hängig seien, so dass allgemeine Normen für die Bezahlung der- 
artiger Arbeiten überhaupt nicht aufgestellt werden können , war 
man andererseits der Meinung, dass die Nothwendigkeit der Ver- 
anschlagung derartiger Arbeiten, so schwierig dieselbe auch scheinen 
möge , nicht verkannt werden könne. Hervorgehoben wurde ferner, 
dass bei Bezahlung nach Accordsätzen die Güte der Arbeit leide, 
während gegnerischerseits in’s Feld geführt wurde , dass bei aus- 
schliesslicher Bezahlung nach Diäten der weniger gewandte und 
lässige Arbeiter ebenso hoch bezahlt würde, als der gewandte und 
fleissige Arbeiter. Nach alledem habe die Delegirtenversammlung 
sich dahin geeinigt: 

a. der Versammlung folgende Gesammtäusserung zur Annahme 

zu unterbreiten: >Der Deutsche Geometerverein empfiehlt 

allen künftigen Vertragsabschlüssen über die Ausführung von 
geometrischen Arbeiten den Tagegeldtarif vom 5. Juni 1881 
(Zeitschrift für Vermessungs wesen Jahrgang 1881 Seite 349) 
event, unter Modification der Tagegeldersätze zu Grunde 
zu legen«, 

b. die zur Sache beschafften Ausarbeitungen der Zweigvereine 
über die Bezahlung geometrischer Arbeiten dem Architecten- 
und Ingenieur- Verein zu Hannover unter Darlegung der Ent- 
stehungsgeschichte und unter Hinweis auf den Beschluss zu a. 
zur event. Benutzung zu überweisen. 

Herr Vermessungsrevisor Cassel führt hierauf aus, dass 

der Casseler Verein, dessen Delegirter er sei, sich entschieden gegen 
die Ausarbeitung von Accordsätzen aussprechen müsse aus den vom 
Herrn Vereinsdirector berichtend mitgetheilten Gründen, welche 
dem Deutschen Geometerverein 1881 bereits Veranlassung gewesen 
seien, sich für die Bezahlung in Tagegeldsätzen auszusprechen, und 
was 1881 als richtig anerkannt worden, sei in vorliegendem Falle 
auch heute noch maassgebend. Eine Bezahlung nach Gebühren sei 
nur dann als zulässig zu bezeichnen, wenn die betreffenden Arbeiten 
von grösserem Umfange seien und für Rechnung von Behörden aus- 
geführt würden, so dass besondere Einrichtungen für die eingehendste 
Prüfung jeder Theilarbeit getroffen werden könnten. Redner empfehle 
daher die Annahme des Vorschlages a. der Delegirtenversammlung, 
welcher Vorschlag von dem Casseler Zweigverein ausgegangen sei. 



Normen fur die Bezahlung geometr. Arbeiten; Satzungs-Aenderungen. 15 

Herr Privatdocent Ger&e-Hannover macht darauf aufmerksam, 
dass es sich in dem vom Verein Deutscher Arch itecten und Ingenieure 
ausgegangenen Vorschläge weniger um Sätze für die Bezahlung als 
um solche für die Veranschlagung geometrischer Arbeiten handle 
und das Bedürfniss von Sätzen für die Veranschlagung derartiger 
Arbeiten könne nicht geleugnet werden. Indessen werde die Ab- 
sicht des Architecten- und Ingenieur- Vereins die Ansichten einer 
grösseren Anzahl von Fachgenossen über die Höhe der Sätze für 
die Veranschlagung geometrischer Arbeiten zu erfahren, schon er- 
reicht, wenn die Ausarbeitungen der Zweigvereine dem Architecten- 
vereine zugingen. Was der Herr Delegirte des Casseler Vereins in 
der gestrigen ßerathung den Ausarbeitungen zum Vorwurf machte, 
dass dieselben zu recht sehr verschiedenen Sätzen für dieselbe Arbeit 
gelangten , was ein Beweis für die Schwierigkeit des Stoffes sei, 
halte Redner für einen grossen Vorzug der Ausarbeitungen, denn 
der unbefangene Beurtheiler aller drei Ausarbeitungen würde da, 
wo grosse Abweichungen in den einzelnen Sätzen beständen, auf 
die Nothwendigkeit besonders reiflicher Prüfung der Anschlagssätze 
hingewiesen. Er könne daher der Versammlung nur die Annahme 
der Vorschläge a. und b. der Delegirtenversammlung empfehlen. 
Man könne sich zwar grundsätzlich gegen die Bezahlung geometricher 
Arbeiten nach Gebühren aussprechen, ohne desshalb Sätze für die 
Veranschlagung der Kosten derartiger Arbeiten von der Hand zu 
weisen. 

Hierauf gelangen die Vorschläge a. und b. der 1 Delegirtenver- 
sammlung zur einstimmigen Annahme. 

Zu Punkt 6 der Tagesordnung : Antrag des Hannoverschen 
F eldmesservereins : 

a. den Vereinssatzungen folgenden §. 34 hinzuzufügen: »die 
Abstimmungen , welche eine Aenderung der Satzungen be- 
treffen , geschehen mittelst Stimmzettel. Jedes anwesende 
Mitglied bat für sich eine Stimme und kann zugleich das 
Stimmrecht von abwesenden Mitgliedern , jedoch von nicht 
mehr als 10 derselben, ausüben , deren schriftliche Bevoll- 
mächtigung es vorher nachzuweisen hat,« 

b. »die unter a. beantragte Satzungsänderung tritt sofort iu 
Kraft« 

berichtet der Vereinsdirector , dass ihm dieser Antrag zugegangen 
sei, nachdem der Antrag des Württembergischen Geometervereins 
auf Abhaltung der Hauptversammlungen des Deutschen Geometer- 
vereins in zweijährigen Fristen den Zweigvereinen bekannt gegeben 
worden sei. Gleichzeitig habe der Ilannover’sche Verein beantragt, 
seinen Antrag vor demjenigen des Württembergischen Vereins zur 
Berathung zu stellen, da er in diesem eine Gefahr für den Fortbe- 
stand des Hauptvereins erblicke und den bei der Versammlung nicht 
anwesenden Mitgliedern Gelegenheit geboten werde müsse, nicht nur 
ihre Ansichten durch die Delegirten der Zweigvereine darzulegen, 
sondern auch gegen den gestellten Antrag zu stimmen. Im Uebrigen 



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IG XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 

müsse jeder Satzungsänderung eine grosse Bedeutung für das Vereins- 
leben beigemessen und desshalb den Vereinsmitgliedern Gelegenheit 
geboten werden, ihr Stimmrecht für oder gegen dieselbe wenigstens 
mittelbar auszuüben. 

Obgleich, führt der Herr Vereinsdirector weiter aus, er persön- 
lich die Befürchtungen des Hannover’schen Zweigvereins nicht theile, 
da mit Recht anzunehmen sei, dass auf den Hauptversammlungen 
Beschlüsse nur nach reiflicher Erwägung aller Gründe für und 
wider gefasst würden, was schon durch die Vorberathungen der 
Delegirtenversammlungen gesichert sei, so habe die Vorstandschaft 
doch dem ordnungsmässig gestellten Anträge des Hannover’schen 
Zweigvereins entsprechen und den die Satzungsänderung betreffen- 
den Antrag dieses Vereins vor dem Anträge des Württembergischen 
Zweigvereins auf die Tagesordnung stellen müssen. Die Vorstand- 
schaft habe um so weniger Bedenken dagegen gehabt, als die Ver- 
sammlung selbst in der Lage sei, die Reihenfolge der Tagesordnung 
zu ändern. 

In der gestrigen Delegirtenversammlung seien die Meinungen 
über die vorliegenden beiden Anträge sehr getheilte gewesen , zu- 
nächst habe man sich dahin geeinigt, der Versammlung die gleich- 
zeitige Besprechung beider Anträge zu empfehlen und habe er da- 
her zunächst die Zustimmung der Versammlung zu diesem Be- 
schlüsse der Delegirtenversammlung nachzusuchen. 

Die nachgesuchte Zustimmung wird hiermit ertheilt. 

Hierauf erhält Herr Vermessungsrevisor Fecht (Stuttgart) das 
Wort zur Berichterstattung über die bezüglichen Verhandlungen 
der Delegirtenversammlung bezw. Begründung des Württember- 
gischen Antrags: 

a. Die XIV. Hauptversammlung wolle bescliliessen, dem §. 20 der 
Vereinssatzungen folgende Fassung zu geben: 

»Der Verein hält alle 2 Jahre eine Hauptversammlung 
ab, deren Zeit und Tagesordnung von der Vorstandschaft 
im vorherigen Benehmen mit den Zweigvereinen festgesetzt 
wird. 

Bezüglich des Ortes, an welchem die Versammlung ab- 
gehalten werden soll, ist die bei der vorhergehenden Ver- 
sammlung getroffene Wahl bestimmend.« 

b. »Die §§. 14 und 22 sinngemäss zu ändern.« 

Die Mitglieder des Württembergischen Zweigvereins, welche 
der diesjährigen Reehnnngs-Prüfungscommission des Hauptvereins 
angehört haben, brachten innerhalb des Zweigvereins zur Sprache, 
dass jede Hauptversammlung dem Deutschen Geometerverein circa 
1200 Mark koste, und welche Summe von Mühe den Zweigvereiuen, 
innerhalb deren Bereich die Hauptversammlung statttindet, erwachse, 
habe der Württembergische Verein ebenfalls zu beurtheilen Gelegen- 
heit gefunden. Man habe sich daher gefragt, ob die Kosten und 
Mühen, welche die Hauptversammlungen verursachten, im richtigen 
Yerhältuiss zu den Vortheilen ständen, welche dem Verein daraus 



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Satzungs-Aenderungen. 17 

erwüchsen ? Das Endergebnis dieser Erwägungen sei der vorliegende 
Antrag, da man 2jährige Versammlungen als dem Bedürfnisse des 
Vereins genügend gehalten habe und die dadurch ersparten Gelder 
der Zeitschrift zugewiessen haben wolle. 

ln der gestrigen Delegirtenversammlung sei der Antrag viel- 
fachem Widerspruche begegnet. Namentlich haben die Delegirten 
der norddeutschen Zweig vereine betont, dass die jährlichen Haupt- 
versammlungen zur Belebung der Theilnahme der Fachgenossen am 
Vereinsleben ebenso beitrügen wie die Zeitschrift. Dafür wurde in’s 
Feld geführt , dass die Entstehung des hannoverschen Zweigvereins 
als Erfolg der Hauptversammlung in Hannover zu betrachten sei, 
dass der Ost- und Westpreussische Verein seiner Zeit die Abhaltung 
der Hauptversammlung in Danzig zur Bedingung gemacht habe, da 
die Theilnahme der Fachgenossen in den Provinzen Ost- und West- 
preussen einer Anregung bedürfe, und dass die geringe Mitglieder- 
zahl in der Provinz Schlesien wohl dem Umstande zuzuschreiben 
sei, dass eine Hauptversammlung dort noch nicht stattgefunden habe. 
Die Vorstandschaft habe die Vortheile, welche der Antrag biete, an- 
erkannt, der Herr Hauptredacteur habe sich sogar lebhaft für den 
Antrag ausgesprochen, da er hoffe, dass die Zeitschriftsredaction 
durch die frei werdenden Geldmittel in die Lage kommen würde, 
zur Zahlung kleiner Honorare überzugehen, wodurch ohne Zweifel 
die Zahl der der Zeitschrift zugehenden, so viel verlangten praktischen 
Artikel von Berufsfeldmessern gesteigert werden würde; nur habe 
die Vorstandschaft hervorgehoben, dass wenn der Antrag zur An- 
nahme gelange, weitere Satzungsänderungen erforderlich würden, 
da Vereinsangelegenheiten, welche eine öffentliche Besprechung noth- 
wendig machten, nicht immer bis zu der in 2 jährigen Zeiträumen 
stattfindenden Hauptversammlung würden ruhen können ; auch 
könne es wünschenswerth sein, bezüglich des Orts der Hauptver- 
sammlung von dem von der vorherigen Hauptversammlung gefassten 
Beschlüsse abzuweichen, da die Voraussetzungen, welche die Wahl 
eines bestimmten Ortes veranlassten , nach 2 Jahren vielfach nicht 
mehr zutreffen würden. 

Schliesslich habe man sich dahin geeinigt, dass der Württem- 
bergische Antrag zurückgezogen und der Versammlung der Antrag 
unterbreitet wird : 

>lm §. 20 der Satzungen, welcher lautet: 

»Der Verein hält alljährlich eine Hauptversammlung, deren 
Zeit, Ort und Tagesordnung von der Vorstandschaft festge- 
setzt und durch das Vereinsorgan rechtzeitig bekannt ge- 
macht wird.< 

hinter den Worten »der Verein häit« die Worte >in der Hegel< 
einzuschalten ; im Uebrigen aber die §§. 14 und 22 sinngemäss zu 
ändern. 

Wenn die Versammlung diesem Anträge die Zustimmung er- 
theile, sei er beauftragt, den Antrag des Württembergischen Zweig- 
vereins zurückzuziehen. 

Zeitschrift für Vcrmessungswesen. 1886. I. Heft. 2 



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18 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



Der Antrag der Delegirtenversammlung gelangt hierauf zur 
Abstimmung und zur einstimmigen Annahme, worauf Herr Fecht 
den Württembergischen und Herr Privatdocent Gerke, Delegirter 
des Hannoverschen Vereins, den von diesem Verein gestellten Antrag 
zurückzieht. 

Hierauf wird zu Punkt 7 der Tagesordnung »Neuwahl der 
Vorstandschaft und der Redaction« übergegangen. Nach Einziehung 
der Stimmzettel durch die Stimmzähler schreiten dieselben zur Fest- 
stellung des Wahlergebnisses. Inzwischen geht man zu Punkt 8 
der Tagesordnung: »Vorschläge für Ort und Zeit der nächsten 
Hauptversammlung« über. Der Herr Vereinsdirector berichtet, dass 
die Delegirtenversammlung, in Würdigung der vom Württember- 
gischen Geometerverein für seinen Antrag geltend gemachten 
Gründe, der Versammlung die Abhaltung der nächsten Hauptver- 
sammlung für 1887 in Vorschlag bringe, welchem Vorschläge zuge- 
stimmt wird. Als geeignete Orte für die Hauptversammlung werden 
Breslau, Hamburg, Königsberg i. Pr. und Bonn genannt, doch wird 
der Vorstandschaft die endgültige Festsetzung des Ortes und des 
genauen Zeitpunktes Vorbehalten. In Folge dieses Beschlusses greift 
der Herr Vereinsdirector auf die Etatsfeststellung zurück, und er- 
theilt dem Vereins-Cassirer. Herrn Steuerrath Kerschbaum das Wort. 
Derselbe weist darauf hin, dass der letzte Beschluss der Versamm- 
lung die Veranschlagung der Einnahmen und die Beschlussfassung 
über die Ausgaben pro 1886 nothwendig mache und unterbreite er 
daher der Versammlung den Etat pro 1886 wie folgt: 



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Etat pro 1880. 

A. Einnahmen. B. Ausgaben. 

I. An Mitgliedsbeiträgen : I. Für die Zeitschrift und deren Verwaltung : 

a. 1128 Mitglieder ä 6 ß,.= . . 6768 Jh. bei 12 Heften ä 2 Bogen 

b. 35 > ä 9 » = . . 315 > und 12 Heften ä 1 Bogen 



Etat pro 1886. 



19 



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2 . 



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welcher Betrag dem Reservefond einverleibt werden soll. 



20 



Kleinere Mittheilungen. 



Der Etat gelangt in der vorgelegten Fassung zur Annahme. 
Ebenso der Antrag der Vorstandschaft auf Ermächtigung zum best- 
möglichsten Abschluss mit einer geeigneten Buchhändlerfirma über 
den Verlag der Zeitschrift auf fernere drei Jahre, wobei dem von 
Herrn Fecht ausgesprochenen Wunsche, die bisherige Verlagsfirma 
zur Concurrenz mit heranzuziehen, weitmöglichste Berücksichtigung 
zugesagt wird. Hierauf erfolgt der Schluss der Sitzung 12 Uhr 
Vormittags. (Schluss folgt.) 



Kleinere Mittheilungen. 

Flächentheilung. 

Die Ausführung von Grundstückstheilungen ist an dieser Stelle 
schon oft der Gegenstand von Erörterungen gewesen. Mit Recht 
findet man das Bestreben, durch Aufstellung von Formeln etc. 




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Kleinere Mittheilungen. 



21 



sich möglichst von dem Verfahren durch Probiren oder durch gra- 
phische Ermittlung fern zu halten, um dem genaueren und häufig 
sogar einfachem Verfahren durch strenge Rechnung oder wenigstens 
successiver Annäherung durch Rechnung den Vorzug zu geben. 
Nachstehende kleine Aufgabe , aus der Praxis entnommen , möge 
ein Beitrag hierzu sein und zugleich als ein Beleg dafür dienen, dass 
bei Theilungen nach bestimmten Flächenverhältnissen die einfachen 
Differentialformeln ganz dazu geeignet sind, durch Rechnung auf 
einfachem Wege zu genauen Ergebnissen zu führen. 

Die zu behandelnde Theilungsaufgabe wird durch vorstehende 
Figur erläutert. 

Das beregte Grundstück liegt in der Stadt und wird , wie die 
Figur andeutet, vorn von einer Strasse und hinten von einem Bahn- 
körper begrenzt, zudem ist der der Strasse zugekehrte Theil der 
fruchtbarere. Und so erklärt sich sowohl aus der Lage als auch 
aus der Güte des Bodens der grössere Werth des K.schen Besitzes. 
Sollte demgemäss nun ein wirklicher Ausgleich der Grenzen statt- 
finden , so blieb nichts weiter übrig , als jedem Grundstückstheile 
einen bestimmten Werth beizulegen , also hier praeter propter 3 
und 2. Dass in unserm Falle von den Besitzern solche runden 
Zahlen angenommen wurden , kann vom praktischen Standpunkte 
aus eigentlich kein Wunder nehmen, da man schon mit Rücksicht 
auf die Lage ganz schätzungsweise verfahren musste ; wohl aber 
kommt es darauf an , die einmal gegebenen Bedingungen geomet- 
risch gut durchzuführen. 

Es liegt also folgende Aufgabe vor: 

Die Besitzer S. und K. wollen ihre gebrochene Grenze so in 
eine geradlinige umändern, dass S. vom benachbarten Grundstücke 
des K. 2 Theile und K. dafür von S. 3 Theile erhält, oder allge- 
mein behandelt soll die Grenzlinie A BCD parallel zu AB so 
ausgeglichen werden , dass die gegenseitig abzutretenden Flächen 
F und G in dem gewissen Verhältnis m und n stehen. 

Man bestimme zuvörderst die Lage der Theilungslinie MNO 
annähernd aus ihrem Parallelabstande x von AB, indem man 
kurzweg die in Betracht kommenden Grenzen als perpendikulär zu 
einander annimmt: 



F (£> — x)c m 

G ax n 



( 1 ) 



bc 

va -j- c 



( 2 ) 



Nachdem hiernach die neue Grenze vorläufig örtlich abgesteckt 
ist, werden die Trennflächen scharf nachgemessen und auf ihr ver- 
langtes Verhältnis geprüft. Gewöhnlich stimmt dies nun nicht 
genau, es dift'erire v um dv, und es fragt sich, um wie viel hat 

F 

man den Abstand x zu ändern , wenn das Flächenverhältnis ~ 

Gr 



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22 



Kleinere Mittheilungen. 



um d v wechseln soll. Durch einfaches Differentiiren wird aus 
Formel (1): 

dv c — x — (b — x) cb 

dx ~ a x i ax *’ 



dx 



ax‘ 2 dv 

bc 



( 3 ) 



Wird die Grenze MO noch um dieses Mass verschoben, so ist 
die Aufgabe praktisch genau genug gelöst. Wollte man jedoch die 
Genauigkeit noch erhöhen, so könnte man dieses Verfahren wieder- 
holen. 

Vorstehendes mag noch durch ein Zahlenbeispiel erläutert 
werden. 

Nach den in obiger Figur eingetragenen Messungszahlen be- 
rechnet sich nach Formel (2): 

21,65.17,5 21,65.17,5. 

* ~ 1,50.61,3 + 17,5 ~ 109,45 ’ 

= 3,458. 

Mit diesem Mass wird die Grenze parallel zu A B ad interim 
abgesetzt und das ganze Grundstück nebst der neuen Grenze, wie 
nebenstehend aufgemessen. 

Darnach tritt K. ab: 



2 F = (12,52 — 3,12) (16,0 —9,5) + (19,65 + 2,8) (23,55 — 0). 
= 9,4.6,5 + 22,45.23,55; 

= 589,80. 



S. giebt ab : 

2 G = (61,3 + 61,35)3,458 = 122,65.3,458 = 424,12. 
Folglich stellt sich das Verhältniss 



F 589,80 
G 424,12 



= 1,391 = v. 



Es sollte jedoch v = 1,500 sein, deshalb 

dv — +0,109, woraus resultirt nach Formel (3) 

j 61,35.3,4582.0,109 

X ~ 21,65.15,5 

(Statt a und c wurden besser die Werthe für MN und NO 
gesetzt.) 

Die Auflösung (im Felde am bequemsten mit dem Rechenschieber 
bewirkt) liefert 

dx — — 0,238. 

Die definitive Grenzlinie wird also in einer Entfernung von 
3,458 — 0,238 = 3,220 parallel zu A B abzustecken sein, und die 
auszutauschenden Flächen würden betragen: 298,6 m 2 und 197,5 w« 2 . 

Königswinter, Juni 1885. 

Voigt. 



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Kleinere Mittheilungen. 



23 



Berechnung verschränkter Trapeze. 

Bei der Parzellberechnung aus den Coordinaten kommt nament- 
lich in Eisenbahnschlussvermessungen häufig der Fall vor, dass auf- 
einanderfolgende Eckpunkte der zu berechnenden Figur auf ver- 
schiedenen Seiten der Abscisse liegen. Es ist dann der verlangte 
Flächeninhalt gleich dem halben Produkt aus dem Abstand der 
Ordinaten und der Differenz derselben. Ob der Inhalt negativ oder 
positiv in Rechnung zu bringen ist, muss die Anschauung ergeben. 

Dieses ist in manchen Lehrbüchern durch einen algebraischen 
Beweis belegt. Mir scheint der geometrische Beweis einfacher und 
anschaulicher : 




Bekannt ist die Abscissendifferenz EH, und die Ordinaten 
EF = d, HJ = c. 

Für die schraffirte Figur ist das AE FG positiv , das AG HJ 
negativ in Rechnung zu bringen. 

Wenn das kleinere A GHJ in das grössere A EEG so ein- 
gezeichnet wird, dass die Ordinate c von F aus auf der Ordinate d 
abgesteckt wird , so ist die in Rechnung zu bringende Fläche aus 
der Figur abzulesen mit 

A EFG — A H'FG = EH'G'G. 
oder, da H' G ' = HG so = ( d — c) X (E G -)- G H) X l /» 

_ (d — c)xEH 



Stommeln bei Köln. 



w. z. b. w. 



Feldmesser v. Schmeling. 



Mittheilungen aus den diesjährigen Berathungen des Königlich Preuss. 
Landes-Oekonomiecollegiums, nebst Organisation dieser Behörde. 

Am 9. November d. J. ward im Herrenhause zu Berlin die 
dritte Sitzungsperiode des Landes-Oekonomiecollegiums eröffnet. 
Von den an diesen und den folgenden Tagen geführten Berathungeu 
sind folgende Anträge und Beschlüsse von grossem Interesse. 

Oberforstmeister Danckelmann, Direktor der Forstakademie zu 
Ebers walde, machte den Vorschlag, den Herrn Minister für Land- 



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24 



Kleinere Mittheilnngen. 



wirthschaft zu ersuchen , auf Errichtung einer möglichst grossen 
Anzahl von Regenmesserstationen in der Art hinwirken zu wollen, 
dass die Errichtung dieser Stationen und die Verarbeitung ihrer 
Beobachtungen dem meteorologischen Institut zufalle, während für 
die Vornahme der Beobachtungen selbst das Forstpersonal und die 
freiwillig sich anbietenden Landwirthe vorzugsweise ins Auge zu 
fassen seien. Die Erörterung dieses Antrages hatte von allen Seiten 
zustimmende Aeusserungen über den hohen praktischen Werth 
solcher Beobachtungen für private und allgemeine kulturtechnische 
Zwecke ergeben. 

Hierauf folgte die Besprechung eines von Freiherrn von Hammer- 
stein eingebrachten Antrages über eine bessere Organisation des 
kulturtechnischen Dienstes. 

Die Ausführungen des Referenten und Correferenten einer zur 
Vorberathung dieses Antrages niedergesetzten Commission gaben 
dem Minister für Landwirthschaft Anlass, in einer langem, mit all- 
seitigem Beifall aufgenommenen Ausführung die geschichtliche Ent- 
wicklung und die Mängel der gegenwärtigen Organisation darzulegen. 
Unser Meliorationswesen leide an einer zu grossen Zersplitterung 
unter verschiedene Ressorts, an einer nicht genügenden Berück- 
sichtigung der Landeskultur-Interessen gegenüber den Schifffahrts- 
und sonstigen Interessen der Wasserbau-Verwaltung, an der nicht 
genügenden kulturtechnischen Ausbildung mancher Baubeamten und 
an der Beschränktheit der der Staatsregierung für diese Zwecke 
zu Gebote stehenden Mittel. Auf allen diesen Gebieten sei aber 
schon die bessernde Hand angelegt und werde die sachliche Er- 
wägung dieser Frage im Collegium gewiss weitere Fingerzeige in. 
dieser Hinsicht ergeben. 

Nach weiteren Ausführungen beschliesst das Landes-Oekonomie- 
collegium : 

1. dass zweifellos ein dringendes Bedürfniss vorliegt, ein cen- 
trales Organ zur Erforschung der hydrographischen Verhältnisse 
und zur Förderung der hydrologischen Wissenschaft im preussischen 
Staat zu schaffen, 

2. dass ebenfalls ein dringendes Bedürfniss vorliege , den kultur- 
technischen , namentlich den hydrotechnischen Dienst im preussischen 
Staate systematisch und einheitlicher wie bisher zu organisiren, dass 
das Collegium indessen es nicht für seine Aufgabe erachten könne, 
mit positiven Organisationsplänen hervorzutreten. 

Diese Beschlüsse sind äusserst erfreulich und es ist nur zu 
wünschen, dass die Regierung bald mit der Einsetzung einer ein- 
heitlichen Landeskulturbehörde Vorgehen könne. 

Ein weiterer Antrag betrifft die Einführung von Rentengütern. 
Unter Rentengütern sollen solche zum Betriebe der Landwirthschaft 
bestimmte Besitzungen verstanden sein, bei deren eigenthümlichem 
Erwerb der Käufer die Zahlung einer festen Jahresgeldrente ver- 
tragsmässig übernimmt. 



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Kleinere Mittheilungen. 25 

Wenn nun auch der Minister Dr. Lucius sich für die Bildung 
dieser Rentengüter in kürzester Zeit nicht aussprechen konnte und 
hierdurch der Wunsch des Landes-Oekonomiecollegiums, grössere 
Güter, bezw. zur Bewirtschaftung sich eignende Flächen an den 
Mittelstand in obiger Weise abzutreten, noch einige Jahre unerfüllt 
bleiben wird, so ist die Einführung der Rentengüter immerhin nur 
eine Frage der Zeit, die dem Landmesser um so mehr von grosser 
Wichtigkeit ist, da ihm hierdurch ein ziemlich grosses Arbeitsfeld 
in Aussicht gestellt wird. 

Mit welchem Interesse die Beschlüsse des Landes-Oekonomie- 
collegiums höhern Orts verfolgt werden , beweist der Umstand, 
dass S. K. K. Hoheit der Kronprinz an den Berathungen über die 
Rentengüter längere Zeit Theil nahm. Um so mehr scheint es uns 
nicht unangebracht zu sein, über die Organisation des Landes- 
Oekonomiecollegiums , welche im Deutschen Reichsanzeiger 1878 
Nr. 117 veröffentlicht ist, einige Worte hinzuzufugen. 

Das Landes - Oekonomiecollegium hat die Bestimmung, den 
Minister für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten als dessen 
regelmässigen Beirath in der Förderung der Land- und Forst- 
wirtschaft zu unterstützen. Auch ist dasselbe befugt, die Interessen 
der Land- und Forstwirtschaft durch selbständige Anträge an den 
Minister wahrzunehmen. 

Das Landes-Oekonomiecollegium hat seinen Sitz in Berlin. — 
Geschäftslokal: W., Leipziger Platz 8, 9. — Es besteht: 

I. Aus Mitgliedern von den landwirtschaftlichen Centralver- 
einen, welche von 3 zu 3 Jahren gewählt werden. — Die 
jetzige Wahlperiode beginnt vom 1. Januar 1884 an. — 

II. Aus Mitgliedern, welche von dem Minister ernannt werden ; 
die Zahl der letzteren soll die Hälfte der gewählten Mit- 
glieder ad I. nicht überschreiten. 

Nach dem Statut des Deutschen Landwirthschaftsraths vom 
8. April 1882 sind z. Z. 16 landwirtschaftliche Central vereine 
Preussens berechtigt, je ein Mitglied — 3 Vereine je 2 Mitglieder — 
zu dem Landes-Oekonomiecollegium zu wählen. Von diesen Ver- 
einen fallen auf die Provinzen Westpreussen, Posen, Westfalen, 
Hannover , Hessen - Nassau und die Hohenzollernschen Lande je 
1 Mitglied, auf die Provinzen Ostpreussen, Pommern, Brandenburg, 
Schlesien , Sachsen und Rheinland je 2 Mitglieder des Landes- 
Oekonomiecollegiums 

Die von diesen Vereinen gewählten Abgeordneten sind solche 
Herren, welche sich um die Landwirtschaft in der betreffenden 
Provinz hervorragend verdient gemacht haben. 

Von dem Minister für Landwirtschaft sind zu Mitgliedern des 
Landes-Oekonomiecollegiums z. Z. ernannt : 

Wirkl. Geheimrath v. Schumann, Exc., Vorsitzender. 

Geh. Regierungsrath Prof. Dr. Settegast, z. Z. Rektor der land- 
wirtschaftlichen Hochschule Berlin. 




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26 



Kleinere Mittheilungen. 



Geh. Regierungsrath Prof. Dr. Dünkelberg, Direktor der land- 
wirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf. 

Oberforstmeister Dr. Danckelmann, Direktor der Forstakademie 
Eberswalde. 

Oek.- Rath Kiepert, Rittergutsbesitzer auf Marienfelde bei Berlin. 
Dr. v. Miaskowski, Prof, der Staatswissenschaften der Universität 
Breslau. 

Gerke. 



Ueber die Genauigkeit der Winkelabsteckung mit der Kreuzscheibe, dem 
Winkelspiegel und ähnlichen Instrumenten. 

Obgleich der Feldmesser täglich mit diesen Instrumenten arbeitet 
und sich des Grades ihrer Leistungen wohl bewusst ist, können doch 
die Wenigsten eine zahlenmässige Genauigkeitsangabe hiefur machen. 

Als erste Uebung der Genauigkeitsbestimmung durch 'Wieder- 
holung Hess ich daher von Studirenden einige Versuche anstellen 
über die Abweichungen, welche beim Zielen durch Kreuzscheiben- 
spalten, durch Fadendiopter u. s. w. erhalten werden. 

In der Entfernung von 50 Metern von einem solchen Visirin- 
strument wurde ein Maassstab quer gelegt und auf demselben eine 
gewöhnliche weiss-rothe 3 Centimeter dicke Bake durch Handwinken 
eingewiesen. Die Einweisstellen wurden an dem querliegenden Maass- 
stab auf 1 Centimeter genau abgelesen. 

Als Beispiel hierfür dienen die folgenden Versuche bei An- 
wendung einer gewöhnlichen süddeutschen Kegelkreuzscheibe mit 
Visirspalten von 0,4 mm Breite. 6 Beobachter machten die Ein- 
weisungen nach einander und wiederholten dann diese Reihe. Die 
Ablesungen sind : 



l = 


V = 


V 


47 cm 


+ 3 


cm 9 


47 


+ 3 


9 


49 


+ 1 


1 


46 


4- 4 


16 


53 


— 3 


9 


46 


+ 4 


16 


53 


— 3 


9 


52 


— 2 


4 


52 


— 2 


4 


52 


2 


4 


54 


— 4 


16 


49 


+ 1 


1 


Mittel 50 




[t> »J 98 



Mittlerer Fehler einer Einweisung m — I — - = ± 2,98 cm. 



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Literaturzeitung. 



27 



Also bei 50 Meter Entfernung mittlerer Fehler einer Einwei- 



sung in Winkelmaaas m = 



2,98 

5000 



3438 ' = ± 2 , 1 '. 



8 Reihen dieser Art gaben das Folgende, wobei unter ungeübten 
Beobachtern Studirende verstanden sind, welche zum erstenmal die 
Instrumente in die Hand bekamen , während geübte Beobachter 
hier solche Studirende sind, welche bereits ein Jahrgang mit Mess- 
instrumenten zu thun hatten. Die angegebenen Instrumente sind 
ins Wesentlichen die in meinem Handbuch der Verm. I. S. 140 und 
S. 141 gezeichneten. 



Instrument. 

1. Kegelkreuzscheibe 
mit Spalten 

2. Winkelkreuz mit 
Fadendioptern 



Ungeübte 

Beobachter. 

1 m = + 8,8 cm 
} m'= ± 6,0' 

1 m = + 5,3 cm 
(«’= + 3,6' 



Geübte 
Beobachter. 
m = + 3,0 cm 
m'= ± 2 , 1 ' 

m = + 3.3 cm 
m = ± 2,3' 



3. Winkel trommel 
mit Fadendioptern 



m = + 4,4 cm 
m' = ± 3,0' 



m = + 4,1 cm 

m' = ± 2 , 8 ' 



4. Winkelspiegel m = + 3,3 cm 

m' = ± 2,3' 

Da auch bei den Beobachtern, welche hier als »geübte aufge- 
führt sind, mehrere starke Abweichungen vorkamen, kann man hier- 
nach den mittleren Zielfehler dieser Instrumente etwa — + 2' an- 
nehmen, also den mittleren Winkelfehler bei 1., 2., 3., wo zwei Zie- 
lungen zu einem Winkel gehören, — + 2' F2 = 3'. Beim Winkel- 
spiegel stellt m' sofort den Winkelfehler selbst vor. Mit Rücksicht 
auf die Abweichungen , welche bei 4. vorkamen , lässt sich jedoch 
hieraus keine Vergleichung zwischen 1., 2., 3. einerseits und 4. anderer- 
seits ziehen. J. 



Literaturzeitung. 

Die Ausgleichungsrechnung nach der Methode der kleinsten Quadrate in der prak- 
tischen Geometrie von Dr. C. Koppe , Professor der Geodäsie am Polytechni- 
kum in Braunschweig. Nordhausen, Verlag von Julius Koppe. 1885. 
222 S. 8°. 

Dieses Werk ist aus der Praxis hervorgegangen, indem der 
Verfasser früher geodätische Ausgleichungsrechnungen bei der Gott- 
hardbahn und bei den Gradmessungsarbeiten der Schweiz aus- 
geführt hatte, und nun als Professor einer Hochschule Zeit fand, 
seine Erfahrungen zu sammeln und geordnet darzustellen. Aus 
eigener Erfahrung berichtet der Verfasser in der Vorrede: »Die 
Freude an der Anwendung der Methode der kleinsten Quadrate 
steigt in dem Maasse, in welchem man sie selbstständig verwerthen 



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28 



Literaturzeitung. 



lernt. Dem ist ein rein systematischer Gang in einem Lehrbuche 
nicht vorteilhaft, auch scheint mir mehr Gewicht auf die Aus- 
rechnung der Beispiele in sachlicher Form gelegt werden zu müssen. 
Wer hinreichende Uebung besitzt, für den hat der Einwand, die 
Ausgleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate führe zu 
endlosen Rechnungen ohne reellen Werth, stets den Beigeschmack: 
»Der Mann kann nicht rechnen«, und in der That kommt man bei 
zweckmässiger Ausführung bald dahin , lieber einmal streng zu 
rechnen, als herum zu probiren, um schliesslich mehr Zeit zu ver- 
lieren, und doch nicht befriedigt zu sein.« 

Diesen Anschauungen entsprechend hat Verfasser den Schwer- 
punkt in die Ausgleichungsbeispiele gelegt. Die wichtigsten dieser 
Beispiele sind : 

3. Stationsausgleichung mit Winkeln. 4. Vorwärtseinschnei- 
den eines Punktes. 5. Viereck mit 2 Diagonalen, symmetrische 
Richtungsbeobachtungen. 9. Unsymmetrische Richtungsbeobach- 
tungen auf einer Station. 11. Einschaltung zweier Punkte durch 
Richtungsbeobachtungen. 12., 13. Höhennetz mit indirecter Auf- 
lösung der Normalgleichungen. 14. Ausgleichung eines Fünfecks 
mit symmetrischen Richtungsbeobachtungen. 15. Ausgleichung eines 
Vierecks mit Richtungsbeobachtungen von ungleicher Genauigkeit. 
16., 17. Ausgleichungen bei zwei Gotthardtunnel - Absteckungen. 
18. Ausgleichung eines Sechsecks des schweizerischen Gradmessungs- 
netzes nach Bessel’s Methode. 

Bei der praktischen Tendenz des Ganzen wäre es wohl gut 
gewesen, die auf S. 1 — 7 gegebene Theorie der Fehlerwahrscheinlich- 
keitsfunktion ganz fortzu lassen. Die Theorie ist nicht überall er- 
schöpfend, z. B. auf S. 109 wird ein Funktionsgewicht für zwei 
Unbekannte entwickelt und dann kurz gesagt »und analog bei 
mehreren Unbekannten«. Das vorliegende Buch gibt Zeugniss von 
dem praktischen Sinn, den Verfasser auch bei anderen Arbeiten 
bethätigt hat. J. 



Zum Selbststudium und als Leitfaden für Vorträge. Grundriss der Differential - 
und Integral- Rechnung. II. Theil : Integral- Rechnung . Mit besonderer 
Rücksicht auf das wissenschaftliche Bedürfniss technischer Hochschulen 
von Dr. 31. Stegemann, weil. Professor an der Königl. technischen Hoch- 
schule zu Hannover. 4. vollständig umgearheitete und wesentlich ver- 
mehrte Auflage mit 86 Figuren im Texte, herausgegehen von ***. Han- 
nover 1886. Helwing’sche Verlagsbuchhandlung (Th. Mierzinskv, Königl. 
Hofbuchhändler, Schlägerstr. 20). 8°. 448 S. 7 

Durch die Einführung der Methode der kleinsten Quadrate 
in die niedere Geodäsie sind die mathematischen Anforderungen, 
welche hierdurch in neuerer'Zeit an den Landmesser gestellt werden, 
ganz bedeutend erhöht. Dem jüngern Vermessungstechniker wird 
es durch seine akademische Laufbahn sehr leicht gemacht, sich in 
die nothwendigen Disciplinen der höheren Mathematik einzuarbeiten, 
aber der ältere Landmesser, der auf ein mechanisches Arbeiten 



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Neue Schriften über Vermessungswesen. 



29 



Verzicht leistet und der den Ansprüchen der Jetztzeit gerecht und 
vor Allen den jüngeren Kollegen hezw. Untergebenen in den mathe- 
matischen Kenntnissen nicht nachstehen will , bedarf einer sehr 
grossen Anstrengung, um sich den erhöhten Grad mathematischen 
Wissens durch Selbststudium anzueignen. Das oben angegebene 
Werk, welches soeben in seiner neuen Auflage erschienen ist, eignet 
sich für das Selbststudium ganz vortrefflich ; die Lehrsätze sind in 
leicht verständlicher Weise kurz erläutert und durch eine grosse 
Anzahl Beispiele, welche allerdings nicht der geodätischen Wissen- 
schaft entnommen sind, genügend erklärt. Es möge noch besonders 
darauf aufmerksam gemacht werden, dass diese neue Umarbeitung 
die älteren Auflagen bedeutend überflügelt und dass es wünscliens- 
werth erschiene, wenn der I. Theil, die Differential-Rechnung, von 
demselben unbekannten * * * Verfasser einer Umarbeitung unter- 
zogen würde. 

G. 



Neue Schriften über Vermessungswesen.*) 

Tafeln zum Abstecken von Eisenbahn- und Strassen-Kurven , in 
neuer Theilung (Centesimaltheilung) von J. Gysin , Ingenieur, 
vormals Obergeometer der schweizerischer Centralbahn. Liestal, 
Druck und Verlag von Gebrüder Lüdin (vormals Lüdin und 
Walter). 1885. 148 S. 8». 4,50 A. 

Grundzüge der astronomischen Zeit- und Ortsbestimmung von Dr. 
W. Jordan , Professor an der technischen Hochschule zu Han- 
nover. Mit zahlreichen in den Text gedruckten Holzschnitten. 
Berlin. Verlag von Julius Springer. 1885. 364 — |- 26 S. 8®. 10 A 

Die Landmessung. Ein Lehr- und Handbuch von Dr. C. Hohn, 
Professor der Physik und Vermessung an der Königl. Bayr. 
Forstschule in Aschaffenburg. Mit 370 in den Text gedruckten 
Holzschnitten und 2 lithographirten Tafeln. Berlin. Verlag von 
Julius Springer. 1886. 22 A 

Bericht über die Vornahme einer allgemeinen Parzellar- Vermessung 
und über Einführung der Grundbücher an die Direktion der 
öffentlichen Arbeiten des Kantons Zürich und die Kommission 
für Reorganisation des Kataster- und Vermessungswesens, er- 
stattet von der Subkommission derselben. Zürich. Druck der 
Genossenschafts-Buchdruckerei. 1885. 

Die Württembergische Landesvermessung. Vortrag von Obersteuer- 
rath Schlebach auf der XIV. Hauptversammlung des Deutschen 

*) Unabhängig von den kritischen Berichten unserer „Literaturzeitung“ 
werden wir in dieser Abtheilung die Titel neuer Werke, welche uns zur 
Besprechung eingesendet werden, veröffentlichen. Wir bitten bei solchen Ein- 
sendungen immer auch die Preise der Bücher mitzutheilen. Die Bed. 



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30 



Gesetze und Verordnungen 



Geometervereins in Stuttgart 1885. Separatabdruck aus der 
Zeitschrift für Vermessungswesen. Band XIV. Karlsruhe. 
Buchdruckerei von Malsch & Vogel. 1885. 

Peschka, Darstellende und projective Geometrie. Karl Gerold’s Sohn, 
Buchhändler der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, Bar- 
baragasse 2. Wien 1885. 4 Bände mit Atlas 80 Mark, ein- 
zeln: I. Band 18 Mark, II. 17 Mark, III. 24 Mark, IV. 21 Mark. 

Lehrbuch der Landkartenprojektionen von \)v. Norbert Herz, Lehrer 
der von Kuffner’schen Sternwarte in Wien, Mitglied der astro- 
nomischen Gesellschaft, emer. Assistent für Astronomie und 
höhere Geodäsie an der k. k. technischen Hochschule in Wien. 
Leipzig. Druck und Verlag von B. G. Teubner. 1885. 



Gesetze und Verordnungen. 

Circular-Erlass, 

betreffend die Reise- und Umzugskosten der bei den preussischen 
Auseiuandersetzungsbehörden beschäftigten Vermessungsbeamten. 

Berlin, den 15. Juni 1885. 

Nachdem durch Circular-Erlass vom 25. März d. Js. Nr. I. 4434 
unter Nr. XIII. die Reisekosten der bei den Auseinandersetzungs- 
behörden dauernd und ausschliesslich beschäftigten Vermessungs- 
beamten anderweitig regulirt sind, bestimmen wir auf Grund des 
§. 10 des Gesetzes vom 24. März 1873 (G. S. S. 122) und des Ge- 
setzes vom 28. Juni 1875 (G. S. S. 370), sowie der Verordnung vom 
15. April 1876 (G. S. S. 107) und §. 9 des Gesetzes vom 24. Februar 1877 
(G. S. S. 15), dass den genannten Vermessungsbeamten bei Reisen 
in Staatsdienstangelegenheiten und Versetzungen vom Tage dieses 
Erlasses ab diejenigen Tagegelder, Reise- und Umzugskosten zu 
gewähren sind, welche die in der Verordnung vom 15. April 1876 
(G. S. S. 107)*) und dem Gesetz vom 24. Februar 1877 (G.S.S. 15) 
im §. 1 unter V.**) aufgeführten Beamten erhalten. 

Der Minister für Landwirthschaft, Der Finanzminister. 

Domänen und Forsten. gez. Scholz. 

gez. Lucius. 

An sännntliche Königlichen General-Kommissionen. 

Min. f. Landw. I. 6894. I. Angabe. 

Finanz-Min. I. 6859. II. 6689. 

G. 



*) Beamte, welche nicht zu den 5 Rangklassen der Staatsbeamten ge- 
hören und welche früher zu einem Diätensatzo von 1 Th. 20 Sgr., bezw. 2 Th. 
berechtigt waren, erhalten bei Dienstreisen 9 M. Tagegelder. 

**) Beamte, welche nicht zu den 5 Rangklassen der Staatsbeamten ge- 
hören und zu einem Tagegeldersatze von 9 M. berechtigt sind , erhalten bei 
Versetzungen für Umzugskosten eine allgemeine Vergütuug von 240 M. und 
für Transportkosten auf je 10 Kilometer Entfernung ausserdem noch 7 M. 



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Gesetze und Verordnungen. 



31 



Circular-Erlass, 

betreffend die Höhenbestimmungen der Königlich Preussischen 
Landesaufnahme von MüUer-Köpen. 

Berlin, den 11. Oktober 1885. 

Es hat sich herausgestellt, dass von den durch den Ingenieur 
und Landmesser Miiller-Köpen hierselbst herausgegebenen und durch 
meinen Circular-Erlass vom 21. Juni 1880 (111. 9211, II. 7962, 
IV. 3362, I. 3122) zur Anschaffung und Benutzung empfohlenen 
»Höhenbestimmungen der Königlich Preussischen Landesaufnahme« 
das die Provinz Rheinland betreffende Heft fast nur solche Zahlen 
enthält, welche in ihrer endgültigen Feststellung durch die Königliche 
Landesaufnahme einer Abänderung unterzogen worden, mithin für 
den Gebrauch nicht mehr geeignet sind 

Der p. p. MüUer-Köpen hat daher die Höhenbestimmungen der 
Königlich Preussischen Landesaufnahme in der Provinz Rheinland 
in einer zweiten berichtigten und erweiterten Auflage erscheinen 
lassen, welche überall an Stelle der etwa beschafften ersten , nicht 
weiter verwendbaren Auflage zu beschaffen und in Gebrauch zu 
nehmen ist. 

Dieser Fall veranlasst mich im Allgemeinen zu bemerken, dass 
die Königlich Preussische Landesaufnahme eine Gewähr für die 
Richtigkeit der Müller-Köpen’schen Veröffentlichungen nicht über- 
nimmt, vielmehr ausschliesslich die von ihr selbst veröffentlichten, 
in der Hofbuchhandlung vou E. S. Mittler & Sohn hierselbst er- 
scheinenden Höhenbestimmungen als massgebend anerkennt. 

Bei wichtigeren Nivellementsanschlüssen oder bei entstehenden 
Zweifeln wird daher auf die letzteren zurückgegangen werden müssen, 
und bestimme ich , dass , sofern sich hierbei Abweichungen der 
Müller-Köpen’schen Zahlen von den Originalzahlen ergeben sollten, 
mir hierüber unter Angabe der Vorgefundenen Unrichtigkeit An- 
zeige zu erstatten ist. 

Der Minister der öffentlichen Arbeiten. 

Im Aufträge: 
gez. Schulte. 

An 

I. die Königlichen Regierungspräsidenten bezw. Regierungen, 
den Königlichen Polizeipräsidenten und die Königliche 
Ministerial-Bau-Commission hierselbst, 

II. die Königlichen Eisenbahn-Directionen bezw. das Königliche 
Eisenbahn-Commissariat hierselbst, 

III. die Königlichen Oberbergämter, 

IV. die Königliche geologische Landesanstalt hierselbst. 

III. 15320. II. a. 16813. IV. 2016. I. 5541. 



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32 



Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. 



Personalnachrichten. 

Der Kataster-Sekretär Hetze in Stettin ist zum Kataster-Con- 
troleur in Sonderburg und die Kataster-Assistenten Dworeck in 
Oppeln, Meysen in Merseburg und Jakob Müller in Koblenz sind 
zu Kataster-Controleuren in Kupp bezw. Hermeskeil und Ploch be- 
stellt worden. 

Der Kataster-Controleur , Steuer-Inspector Fuchs zu Pless ist 
nach Oppeln, der Kataster-Controleur Wanjura zu Kupp nach Pless, 
der Kataster-Controleur Hansen zu Sonderburg nach Heide und 
der Kataster-Controleur Wels in Heide nach Insterburg versetzt 
worden. 

Dem Kammer-Commissär Peltz, Vorstand der Kameral- und 
Forstvermessung in Schwerin, ist der preussische Adler-Orden vierter 
Classe verliehen, 

den Kataster-Controleuren, Steuer-Inspectoren Ise zu Huenfeld 
und Löwe zu Hersfeld ist bei ihrem Uebertritt in den Ruhestand 
der Charakter als Rechnungs-Rath verliehen. 



Vereinsangelegenheiten. 

Neue Mitglieder. 

Nr. 2283. Schols, Ch. M., Professor am Polytechnikum, Delft, 
Niederland. 

> 2284. Lerm, Felix, Feldmesser, Hameln a. d. W. 

> 2285. Bibliothek der technichen Hochschule in Hannover. 



Diejenigen Mitglieder des Deutschen Geometervereins, welche ge- 
sonnen sind, den Mitgliedsbeitrag von 6 Mark pro 1886 per Postanweisung 
einzuzahlen, werden hiemit ersucht, dieses bis längstens den 8. ?i är* 
188t* zu bewerkstelligen, nach diesem Zeitpunkt aber, um Kreuzungen 
zu vermeiden, keine Einzahlungen mehr zu machen, da nach §. 16 der 
Satzungen sodann der Mitgliedsbeitrag per Postnachnahme erhoben 
werden wird. 

Coburg, 12. Dezember 1885. 

G- Kerschbaum, z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 



Inhalt. 

Grossere Abhandlung : Bericht über die XIV. Hauptversammlung des 

Deutschen Geometervereins (6.-8. August 1885), erstattet von Reich. Kleinere 
Mittheilungen: Flächentheilung, von Voigt. — Berechnung verschränkter Trapeze, 
von Schmeling. — Mittheilungen aus den diesjährigen Berathungen des Königl. 
Preuss. I.andes-Oekonomiecollegiums, nebst Organisation dieser Behörde, von 
Gerke. — Ueber die Genauigkeit der Winkelabsteckung mit der Kreuzscheibe, 
dem Winkelspiegel und ähnlichen Instrumenten, von J. Literaturzeitung : Grund- 
riss der Differential- und Integral-Rechnung, von Stegemann, hesp. vonG. — 
Die Ausgleichungsrechnung nach der Methode der kleinsten Quadrate in der 
praktischen Geometrie, von Koppe, besp. von J. Neue Schriften über Vermessungs- 
wesen. Gesetze und Verordnungen. Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. 

Karlsruhe. Druck von Malsch 4 Vogel. 



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33 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppet, Steuerassessor in München, und 
R. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1886. Heft 2. Baud XV. 

15. Januar. 



Bericht 

über die XIV. Hauptversammlung des Deutschen 
Geometervereins (5. — 8. August 1885). 

(Erstattet vom zeitigen Schriftführer Reich.) 

(Schluss.) 

Nach einer kurzen im Stadtgarten eingenommenen Erfrischung 
fand unter Theilnahme der Damen die Besichtigung des alten 
Schlosses, des Königlichen Residenzschlosses, der öffentlichen Biblio- 
thek und der Bildergallerie unter liebenswürdiger Führung des 
Herrn Hofbaudirectors von Egte und der Herren vom Ortsausschüsse 
statt. Nachmittags 3 Uhr fanden sich die Theilnehmer, die ein- 
schliesslich Güsten auf die stattliche Zahl von ca. 300 angewachsen 
waren , im Saale des Stadtparks zum Festessen zusammen. Die 
Reihe der Trinksprüche eröffnete der Herr Vereinsdirector mit 
einem Hoch auf Ihre Majestäten den König von Württemberg und 
den Deutschen Kaiser, in welches die Festversammlung begeistert 
einstimmte. Ein an Seine Majestät den König nach Friedrichshafen 
vom Vorsitzenden des Ortsausschusses, Obersteuerrath Schlebach , ge- 
richtetes Telegramm berichtete über diese Kundgebung unter Ver- 
sicherung der Verehrung und der Dankbarkeit für die hochherzige 
und gastliche Aufnahme. 

Hierauf brachte Herr Obersteuerrath Professor Schlebach ein 
Hoch auf den am gleichen Kalendertage vor 14 Jahren (6. August 
1871 zu Coburg) gegründeten Deutschen Geometerverein aus, Herr 
Obersteueuerrath Kerschbawn folgte mit einem Trinkspruch auf die 
Königlich Württembergische Staatsregierung, welche den Verein so 
freundlich willkommen geheissen, und der Berichterstatter mit einem 
solchen auf die Stadt Stuttgart und die Direction der Baugewerk- 
schule, welche beide dem Verein die Heimstätte für die Tage des 
Festes gewährt und geschmückt haben. Herr Privatdocent Gerke 
dankte dem Ortsausschuss , Herr Stadtdirectionsgeometer Zoller 

Zoitechrifl für Vermosau»gawea<m. 1886. 2. Urft. 3 



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34 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



(Stuttgart) feierte die Damen, HerrStadtgeometer2?6erAarrf (Tübingen) 
begrüsste die aus weiter Ferne gekommenen Gäste und Collegen in 
einem Trinkspruch und Herr Vermessungsrevisor Fecht pries das Fest 
in schwungvollen Versen. Gute Küche und die feurigen Württem- 
bergischen Weine trugen das Möglichste zur Erhöhung der Festes- 
stimmung bei, so dass der Ortsausschuss um 5 1 ', Uhr mit Nach- 
druck zum Aufbruch nach dem Bahnhofe zur Fahrt nach dem 
Hasenberg mahnen musste. Die Bahn zieht sich stark ansteigend 
am Thalrande oberhalb Stuttgart entlang, so dass der Deberblick 
über die langgestreckte, lieblich gelegene Stadt mit jeder Minute 
der Eisenbahnfahrt wächst. Auf Station Hasenberg angekommen, 
führte ein stetig steigender Fussweg zum sogenannten Jägerhause 
auf dem Hasenberge. Eine letzte Anstrengung, die nach dem 36,5 in 
hohen Aussichtsthurm führende Treppe, galt es, und dem Beschauer 
bot sich eine wunderbare Aussicht über Stuttgart und Cannstatt, 
in’s Neckarthal hinein, westlich und südlich über einen Theil des 
Schwarzwaldes, östlich bis zur schwäbischen Alb reichend. Ein schnell 
heraufziehendes Gewitter machte der Fernsicht ein Ende und fesselte 
die Gesellschaft auf kurze Zeit an das Jägerhaus. Mit der eiu- 
brecheuden Dunkelheit jedoch hörte der Regen auf, so dass Alle 
wohlbehalten in dem von der Museumsgesellschaft freundlichst zur 
Verfügung gestellten »Silberburggarten« anlangten. War auch die 
dem Vernehmen nach beabsichtigt gewesene festliche Beleuchtung 
des Gartens verregnet und gestatteten die tropfenden Bäume den 
Aufenthalt im Freien nicht, so hielt man sich doch durch ein in 
den Gesellschaftssälen in’s Werk gesetztes Tänzchen schadlos, wie 
lange vermag der Berichterstatter nicht anzugeben, da die gebotene 
Pflichterfüllung einerseits und die freiwillig durchkosteten Vergnü- 
gungen andererseits seine Ausdauer völlig erschöpft hatten. 

Am Morgen des 8. August eröffnete der \ ereinsdirector die Ver- 
sammlung wenige Minuten nach 9 Uhr mit der Mittheilung , dass 
gestern Abend noch ehe die Theilnehmer von dem Ausfluge nach 
dem Hasenberg zurückgekehrt seien , folgende telegraphische Ant- 
wort aus dem Kabinet Seiner Majestät des Königs von Württem- 
berg, an Herrn Obersteuerrath Schlebach gerichtet, eingegangen sei: 
»Seine Majestät, aufrichtig erfreut durch das Telegramm 
des gegenwärtig in Stuttgart tagenden Deutschen Geometer- 
vereins, lasseu demselben für die darin ausgedrückten Ge- 
sinnungen gnädigst danken, seinen Verhandlungen günstigen 
Verlauf und besten Erfolg, sowie den Theilnehmern einen an- 
genehmen Aufenthalt m llöchstlhrer Residenzstadt wünschend. 

Auf Höchsten Befehl : 

Der Cabinetschef 
Griesinger .« 

Ich weiss mich, fuhrt der Herr Vereinsdirector weiter aus, mit 
Ihnen einverstanden in dem unterthänigsten Dank für diese huld- 
reichen Worte Seiner Majestät und ersuche Sie dies dadurch zu 
bethätigen, dass Sie mit mir einstimmen in den Ruf: »Seine Majestät 



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2. Verhandlungstag. Vortrag d. Herrn Obersteuerraths Schlebach. 35 

der König, er lebe hoch!« die Versammlung stimmt begeistert in 
den dreimaligen Hochruf ein. 

Demnächst macht der Vorsitzende darauf aufmerksam, dass die 
Wahl der Rechnungs- Prüfungscommission gestern ausgesetzt worden 
sei , bis die Versammlung darüber befunden haben werde, ob die 
genannte Commission für ein oder zwei Jahre zu wählen sei, und dass 
diese Wahl noch erfolgen müsse, am besten am Schlüsse der heutigen 
Tagesordnung. Ferner gibt der Vorsitzende das nach Schluss der 
gestrigen Tagesordnung durch die Stimmzähler festgestellte Ergeb- 
nis der Vorstandswahlen »Wiederwahl der bisherigen Vorstands- 
mitglieder« bekannt. Da die Gewählten sämmtlich in der Versamm- 
lung anwesend sind , können dieselben über die Annahme befragt 
werden und äussern sich zustimmend.*) 

Demnächst ertheilt der Vereinsdirector Herrn Obersteuerrath 
Professor Schlebach das Wort zu dem Vortrage: »Ueber die Ge- 
schichte der Württembergischen Landesvermessung und des Württem- 
bergischen Vermessungswesens« (Punkt 1 der Tagesordnung). Der 
Vortrag ist inzwischen in Heft 22 und 23 der Zeitschrift zum Ab- 
druck gelangt, daher mag hier nur erwähnt werden, dass dem Herrn 
Vortragenden am Schlüsse allseitiger Beifall zu Theil wurde. Der 
Vorsitzende dankte dem Herrn Vortragenden für die aufgewendete 
Mühe und Sorgfalt. 

Professor Jordan schliesst sich diesem Danke an , und knüpft 
daran die Hoffnung, es möchte dieser Vortrag nicht blos, wie sonst 
geschah, gedruckt werden, sondern es möchte der Veröffentlichung 
auch eine Auswahl zinkographirter Facsimile-Proben aus der so in- 
teressanten Sammlung alter Karten und Pläne beigegeben werden. 

Nachdem die bis 1515 zurückgreifende Kartensammlung mit 
so grosser Mühe für die Ausstellung zusammengebracht worden ist, 
wäre es höchst zu bedauern , wenn dieselbe nun wieder zerstreut 
würde, ohne wissenschaftlich ausgenützt zu werden. Da es heutzu- 
tage eine Menge photographischer Verfahren zur Herstellung von 
Facsimile-Abbildungen gibt, würde die Veröffentlichung einer passen- 
den Auswahl wohl ausführbar sein. **) 

*) Das Wahlergebnis ist bereits in Heft 18 Seite 368 v. Jahrgs. der 
Zeitschrift veröffentlicht. 

**) Nachdem der Vortrag des Herrn Obersteuerraths Schlebach bereits in 
unserer Zeitschrift (1885 S. 401, 417, 423, 433) und auch als Separat-Abdruck 
veröffentlicht ist , möchten wir nachträglich noch bitten , dass der genaue 
Katalog des historischen Theils der Ausstellung mit Nachweis der Bibliotheken, 
Behörden und sonstigen Eigenthiimer, welchen die historischen Documente 
gehören, in unserer Zeitschrift veröffentlicht werde. 

Was dann die Veröffentlichung einer Anzahl alter Karten betrifft, so 
wird in einem Lande wie Württemberg, wo die Heimathkunde einer so sorg- 
fältigen Pflege in den Oberamtsbeschreibungen des statistischen Landesamtes 
sich zu erfreuen hat, es vielleicht nur einer Anregung bei dem Herrn Landes- 
Conservator des statistischen Amtes bedürfen, um auch einmal eine Sammlung 
alter Karten herauszugeben , nachdem seit Jahrzehnten alte Kunstwerke und 
zahllose Urkunden aus alter Zeit der Veröffentlichung sich zu erfreuen gehabt 
haben. 



3 . 



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36 XIV. Hauptversammlung des Deutschen .Geometervereins. 

Herr Obersteuerrath Schlebach gibt zu, dass der ausgesprochene 
Wunsch für die Fachgenossen berechtigt ist, und fürchtet nur, dass 
die Befriedigung desselben an dem Kostenpunkt scheitern werde, 
indessen wolle er versuchen , ob sich der Gedanke nicht in irgend 
einer Weise verwirklichen lasse. 

Ueber die Verhandlungen der Commission zur Berathung der 
Vorschläge des Herrn Professors Heinrich (Rostock), Bodenbonitirung 
und Bonitirungskarten betreffend, berichtet Herr Professor Heinrich 
selbst, dass die Commission einmal in Berlin zusammengetreten sei, 
dann die Verhandlungen schriftlich geführt, und zuletzt am 5. Au- 
gust in Stuttgart getagt habe. Der Widerspruch, welchen des Herrn 
Redners auf der Schweriner Hauptversammlung gehaltener Vortrag 
auf jener Versammlung sowohl, als auch von ausserhalb des Vereins 
stehenden Personen, wie in der Commission , erfahren habe , habe 
sich mehr und mehr gelegt. Das Bedürfniss nach einem ander- 
weiten, sichere Ergebnisse liefernden Abschätzungsverfahren sei ein 
allgemein gefühltes , denn wer da wisse , welche grosse Mühe auf- 
gewendet werde, um richtige Flächenangaben zu erhalten , finde es 
eigentlich unbegreiflich, dass die Ermittelung des zweiten Factors für 
die Bestimmung desWerthes von Grundstücken, d. h. die Bonitirung, 
noch heute wie vor Jahrzehnten reine Gefühlssache sei und jeder 
wissenschaftlichen Grundlage entbehre. Wenn man dabei berück- 
sichtigt, welche Vermögensschädigungen durch unzuverlässige Schätz- 
ungen, namentlich im Zusammenlegungsverfahren Vorkommen können, 
müsse man unbedingt eine Werthsermittelung des Bodens auf wissen- 
schaftlicher Grundlage als wünsclienswerth bezeichnen. 

Die Commission erachte daher das von ihm (dem Herrn Redner) 
vorgeschlagene Verfahren eines umfangreicheren Versuches werth 
und empfehle der Versammlung die Annahme folgenden Antrages : 
»Die 14. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins 
ersucht den Vereinsvorstand , in geeigneter Weise dahin zu 
wirken , dass da , wo gegenwärtig oder in nächster Zeit neue 
Bodenschätzungen stattfinden , zunächst versuchsweise und im 
Vergleich mit dem bisher üblichen Schätzungsverfahren das 
von Herrn Professor Heinrich (Rostock) vorgeschlageue auf 
naturwissenschaftlicher Grundlage beruhende neue Schätzungs- 
verfahren zur Anwendung gelangen möge.< 

Darüber, wie dieser Beschluss verwirklicht werden könne, gibt 
Herr Vermessungsrevisor Wolf (Commissionsmitglied) nach kurzer 
Beleuchtung des bisher üblichen Schätzungsverfahrens einige An- 
deutungen und der Hoffnung Ausdruck, dass es gelingen wird, die 
Königliche Generalcommission und den landwirthsehaftlichen Verein 
zu Cassel für die Unterstützung eines derartigen Versuches zu ge- 
winnen. 

Herr Steuerinspector Koch (Königsberg) stellt gleichfalls einige 
Betrachtungen über das bisher übliche Schätzungsverfahren an, 
dessen Nachtheile sich namentlich dann geltend machten, wenn die 
Abschätzungen eines grossen Staatsgebietes in kurzer Frist durcli- 



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Heinrich’sches Verf. z. Bestimmung d. Bodenwerthes; Besprechung. 37 



geführt werden solle, wie das gelegentlich der Preussischen Grund- 
steuer-Veranlagungsarbeiten der Fall war. Es fehle eben dann an 
der erforderlichen Anzahl von theoretisch und praktisch gebildeten 
Landwirthen und man sei häufig genöthigt gewesen, sich mit ledig- 
lich praktisch gebildeten Landwirthen zu begnügen. Die Vorschläge 
des Herrn Professors Heinrich habe er eingehender Erwägung unter- 
zogen, namentlich habe er Bedenken darüber gehabt, in welcher Weise 
die Wassercapacität des Bodens mit der erforderlichen Sicherheit 
bestimmt werden solle. Nachdem ihm aber von Herrn Professor 
Heinrich die bezügliche Aufklärung unter näherer Erläuterung des 
einzuschlagenden Verfahrens geworden sei , habe er sich voll und 
ganz den Ansichten des Herrn Professors angeschlossen. 

Herr Neumann fragt hierauf an, in welcher Weise der Theiler 
e in der von Herrn Professor Heinrich in seinem Vortrage ent- 
wickelten Formel ermittelt worden sei. 

Herr Professor Heinrich erwidert, dass mit c der Einfluss der 
widrigen Verhältnisse bezeichnet sei und dass bei dem Abdruck des 
Vortrages in der Zeitschrift für Vermessungs wesen insofern ein 
Fehler untergelaufen sei, als der Einfluss der widrigen Verhältnisse 
nicht als Theiler in die Formel einzuführen, sondern abzuziehen sei. 

Herr Regierungsrath Zech (Stuttgart) warnt davor , dass man 
aus den geführten Verhandlungen den Eindruck mit hinwegnehme, 
als ob das bisher üblich gewesene Abschätzungsverfälircn ganz und 
gar zu verwerfen sei. Man habe diesen» Verfahren doch recht gute 
Ergebnisse bei Zusammenlegungen zu danken. So seien bei einer 
ihm bekannten umfangreicheren Zusammenlegung in einer Feld- 
mark, deren Bodenwerthe zwischen 4 000 M und 300 JH>. schwankten, 
wenig oder gar keine Beschwerden der Grundbesitzer laut geworden 
und ein Abschätzungsverfahren , welches solche Ergebnisse liefere, 
könne als unzureichend nicht bezeichnet werden. Indessen , fährt 
der Herr Redner fort, würde ein Vergleich sversuch zwischen dem 
von Herrn Professor Heinrich vorgeschlagenen und dem bisher üb- 
lichen Verfahren, in welchem zwar praktische Landwirthe als Schätzer 
wirkten , dem aber wissenschaftliche Grundlage nicht abgesprochen 
werden könne, zu empfehlen sein, wie die vorgeschlagene Resolution 
dies thue. 

Herr Professor Heinrich bestreitet, dass das bisher übliche 
Schätzungsverfahren ein wissenschaftliches genannt werden könne, 
denn in der blossen Untersuchung des Untergrundes , welcher nur 
theilweise von Einfluss auf das Pflanzenwachsthum sei , liege keine 
wissenschaftliche Begründung. Die Beurtlieilung der Ackerkrume, 
von deren chemischen Bestandtheilen und physikalischen Beschaffen- 
heit das Wacbsthum der Pflanzen vorwiegend abhängig ist, sei bis- 
her immer nur, wie dem Herrn Redner sehr viele erfahrene Schätzer 
zugestanden haben, Gefühlssache gewesen. 

Herr Steuerinspector Gottwalt (Lauban) nimmt die Preussische 
Grundsteuerveranlagung gegen den Vorwurf flüchtiger Abschätzung 
durch theilweis unkundige Schätzer in Schutz. Wer da wisse, dass 



iogle 



38 XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometerverein». 

die generellen Grundsteuer-Veranlagungsarbeiten im Wesentlichen 
innerhalb vier Jahren durchgeführt worden seien und berücksichtige» 
dass eine besondere Heranbildung von Hülfskriiften nicht abgewartet 
werden konnte, der müsse die Ausführungsbestimmungen bewundern, 
welche durch Theilung der Arbeit und Heranziehung aller im Lande 
vorhandenen, für die einzelnen Theilarbeiten geeigneten Kräfte ein 
so grosses Werk in so kurzer Zeit gelingen Hessen. 

Habe man doch im Laufe der Arbeiten die Ueberzeugung ge- 
wonnen, dass sogar die Untervertheilung der Steuer auf den einzelnen 
Besitzer gleichzeitig bewirkt werden könne, und den besten Beweis 
für die Vortrefflichkeit der Arbeit liefere die Thatsache, dass der 
Grundsteuerreinertrag den Maassstab bezw. dessen Fünfundzwanzig- 
faches allgemein im Lande die Grenze für die Beleihungsfähigkeit 
eines Grundstücks bilde. 

Herr Vermessungsrevisor Ho/f verwahrt sich dagegen, dass die 
von ihm erwähnten Einzelheiten über Ungenauigkeiten im Schätzungs- 
Verfahren bei der Preussischen Grundsteuerveranlagung einen Vor- 
wurf für die Gesammtveranlagung bilden sollten. 

Der Herr Vereinsdirector Winckel unterzieht demnächst die 
von der Commission zur Beschlussfassung vorgescblagene Gesammt- 
äusserung einer Betrachtung und führt aus, dass wenn dieselbe 
verwirklicht werden solle, der Vereinsvorstand die Mitwirkung 
des Herrn Professors Heinrich nicht werde entbehren können. Er 
frage deshalb den Herrn Professor, ob er geneigt sei, eine Anwei- 
sung für die Durchführung seines Schätzungsverfahrens zu geben, 
damit die Kosten desselben übersehen werden können, und ob der 
Herr Professor einem bezüglichen Versuche selbst beiwohnen wolle 
und könne. Herr Professor Heinrich sagt Beides zu, die Beiwoh- 
nung des Versuches natürlich nur zur Einleitung desselben. 

Hiermit erschien die Besprechung erschöpft ; dieselbe wurde 
geschlossen und nachdem die zur Beschlussfassung vorgeschlagene 
Gesammtäusserung nochmals verlesen worden war, schritt man zur 
Abstimmung, welche die einstimmige Annahme ergab. 

Hierauf wird, dem bei Beginn der Verhandlungen des laufenden 
Tages genehmigten Vorschläge entsprechend, zur Wahl der Rech- 
nungs-Prüfungscommission geschritten *) und erklären sich die ge- 
wählten Herren, in der Versammlung anwesend, zu der Uebernahme 
des Amtes bereit. 

Damit war die Tagesordnung erledigt und da auf eine bezüg- 
liche Anfrage des Herrn Vereinsdirectors aus dem Schoosse der 
Versammlung weitere Anträge nicht gestellt wurden, schloss derselbe 
die Verhandlungen, den Gästen**) und den Mitgliedern für die so 

*) Wahlergebnis» Heft 18 Jahrgang 1885. 

**) Als Gäste nahmen ausser den bereits namhaft gemachten Herren : 
Hofbaudirector v. Egle, Oherbürgermeiser Dr. v. Hack und Regierungsrath Zeeb, 
welche die Versammlung begriissten bezw. in die Verhandlungen eingriffen, 
Theil die Herren : Professor Gross , Oberbaurath v. Ilänel , Baurath Kohler, 
Oberbaurath v. Morlock, Oberst v. Niethammer, Oberbaurath v. Schlierholz, 
Oberfinanzrath v. Stumpf und Präsident v. Werner. 



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Besichtigung der Königlichen Gärten; Abend in Cannstatt. 39 

rege Betheiligung dankend und die weitere Leitung dem Ortsaus- 
schuss überlassend. 

Der Festordnung nach war die Zeit zwischen dem Schluss der 
Verhandlung und dem Nachmittags 3 Uhr anzutretenden Spazier- 
gange dem Besuche der Ausstellung zu widmen. Die Verhandlun- 
gen hatten indess länger gedauert als ursprünglich angenommen 
worden, so dass dem Berichterstatter, welcher durch sein Amt an 
den Verhandlungssaal gebunden war, wenig Zeit übrig blieb Für 
die Besichtigung der Ausstellung, die sowohl bezüglich der Karten- 
werke als der mechanischen Instrumente, wie auch der fachwissen- 
schaftlichen Werke reich beschickt war. Ein flüchtiger Gang durch 
die Ausstellung musste zunächst genügen und erst am Tage nach 
Schluss der Versammlung konnte das Versäumte einigermassen nagfi- 
geholt werden. 

Nachmittags 3 Uhr sammelten sich die Theilnehmer am Hof- 
theater und gingen unter Führung des Ortsausschusses durch die 
Königlichen (Park-)Anlagen nach dein im Style eines italienischen 
Landhauses erbauten , auf einer Anhöhe belegenen Lustschlosse 
Rosenstein, in welchem Herr Hofbaudirector von Eyle wiederum 
den liebenswürdigen Führer machte. Hier theilte sich die Gesell- 
schaft in zwei Theile und suchte auf verschiedenen Wegen jene zu- 
sammenhängenden Gruppen von Gartennnlagen, Pflanzenhäusern und 
im maurischen Style ausgeführten Gebäuden auf, welche unter dem 
gemeinsamen Namen »Wilhelma« weltberühmt geworden sind. Bei 
der Masse von Besuchern konnte die Besichtigung nur eine sehr 
flüchtige sein und musste gewissermassen im Vorübergehen vorge- 
noinmen werden, so dass der Wunsch, diese oder jene Einzelanlage 
genauer zu besichtigen, unterdrückt werden musste. Märchenhaft 
schön aber ist der von dem höchsten Punkte der Anlage aus sich 
darbietende Ueberblick über die Gesammtanlage und, würde man 
nicht durch den durch die Zweige der Bäume blitzenden Neckar 
daran erinnert, dass man sich in Deutschland befindet, man könnte 
annelimen, in die Gärten des Orients versetzt zu sein. 

Gegen 5 Uhr traf die Festgesellschaft in Cannstatt ein, zeitig 
genug, um vor einem starken Gewitterregen Schutz im dortigen 
Kursaale zu finden. Der Abend gestattete wieder den Aufenthalt 
im Freien und wurde am Fusse der von der Stadt Cannstatt zu 
Ehren der Versammlung festlich beleuchteten Kuranlagen (Sulzer- 
rain) in fröhlichster Stimmung verbracht. Die Abendzüge brachten 
die Gesellschaft nach Stuttgart zurück. 

Am folgenden Morgen führte ein Extrazug frühzeitig die hoch- 
interessante Bahnstrecke über Leonberg und Calw (hier mit Böller- 
schüssen begrüsst), das Nagold- und Enzthal entlang nach Wild- 
bad. Auf dem Bahnhofe daselbst von den Vertretern der städtischen 
Behörde empfangen, zog die Festgesellschaft, Musik vorauf, durch 
die überreich mit Fahnen geschmückten Strassen Wildbads nach 
der Trinkhalle am oberen Ende der Stadt, woselbst ein gemein- 
schaftliches Frühstück hergerichtet war und eingenommen wurde. 



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40 



XIV. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins. 



Bei Beginn desselben begrüsste Herr Stadtsehultheiss Bätener die 
Festtheilnehmer und rief denselben ein »Glück auf in Wildbad« zu, 
welcher Wunsch durch ein Hoch auf Wildbad, die Perle des Schwarz- 
waldes, vom Herrn Vereinsdirector erwidert wurde. Nach Aufhebung 
der Tafel wurde ein Spaziergang durch die Enzanlagen unter Füh- 
rung des Herrn Stadtschultheissen und des Herrn Badinspectors 
Mayer unternommen und nach der Rückkehr die Königlichen Hader 
besichtigt. Den Nachmittag verbrachte die Gesellschaft in einzelne 
Gruppen aufgelöst und erst das abendliche Kurconcert vereinte die 
Festtheilnehmer noch einmal fast vollzählig. Abends 8 Uhr wurde 
die Rückfahrt nach Stuttgart wiederum mit Extrazug angetreten, 
leider zu früh, um die von der Stadt Wildbald veranstaltete Be- 
leuchtung der Enzanlagen noch gemessen zu können. Nur diejenigen 
Theilnehmer, welche sich entschlossen, in Wildbad zu bleiben, um 
am folgenden Tage erst die Heim- bezw. die Weiterreise anzutreten, 
konnten von der ergangenen Einladung zur Besichtigung der fest- 
lichen Beleuchtung Gebrauch machen. — Gegen 11 Uhr Abends 
traf der Zug in Stuttgart ein und trennten sich die Theilnehmer 
unter herzlichen Abschiedsworten, einig in der Ueberzeugung, dass 
der Ortsausschuss von Stuttgart das Möglichste gethan habe, um 
die XIV. Hauptversammlung des Vereins nicht nur den voraufge- 
gangenen Versammlungen entsprechend würdig zu gestalten, sondern 
dieselbe, wenn angängig, noch zu übertreffen. 

Es liegt mir nunmehr noch die Pflicht ob, über die mit der 
Versammlung verbundene Ausstellung von Kartenwerken und mecha- 
nischen Intrumenten zu berichten. 

Hinsichtlich der ersteren ist mir meine Pflicht leicht gemacht, 
da der Vortrag des Herrn Obersteuerraths Schlebach (Heft 21/22 
vorigen Jahrganges) den wesentlichen Tlieil der Ausstellung »die 
Darstellung der historischen Entwickelung der Topographie Würt- 
tembergs« unter Namhaftmachung der einzelnen Kartenwerke 
darlegt. 

Wollte ich in eine Beschreibung der Ausstellung von mecha- 
nischen Instrumenten, Zeichengerätheu etc. in dem Maasse eingehen, 
wie die ausgestellten Gegenstände und vor Allem die ausstellenden 
Firmen, welche sich der Mühe der Verpackung etc. unterziehen und 
grössten theils doch ihre Vertreter zur Versammlung entsenden, dies 
verdienen bezw. beanspruchen können, so würde der zur Verfügung 
stehende Raum nicht ausreichen. Es möge nur hier erwähnt sein, 
dass ausser den fast auf jeder unserer Ausstellungen vertretenen Fir- 
men Bamberger (Berlin), Coradi (Zürich), Dennert & Pape (Altona), 
Lüttich (Berlin), Raschke (Glogau), Riefler (Mariarhein), Sickler 
(Karlsruhe), die Firmen Gottschick in Ulm, Sendtner in Müuchen, 
Wolz in Bonn und die Stuttgarter Firmen C. Mollenkopf, 0. Spindler, 
Heinrich Strobel und Ludwig Tesdorpf sich au der Ausstellung be- 
theiligt hatten. Der grosse Ausstellungssaal war vollständig benutzt, 
um die ausgestellten zahlreichen Instrumente und Messwerkzeuge 
von den einfachsten für den Handgebrauch bestimmten bis zu den 



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Kleinere Mittheilungen. 



41 



feinsten für Landesvermessungs- und astronomische Zwecke bestimm- 
ten Winkelinstrumenten unterzubringen. 

Besonders hervorgehoben mögen werden die von der Firma 
Ludwig Tesdorpf ausgestellten Ni vellirinstru mente mit der Wagner’- 
schen Patentspiegelvorrichtung, welche die Stellung der Libelle im 
Fernrohr unmittelbar neben dem Bilde der Latte erscheinen lässt, 
so dass der Beobachter im Augenblicke der Ablesung die Stellung 
der Libelle beobachten und etwaige Ausschläge berücksichtigen 
kann. Herr Katasterkontroleur Kloth in Melle hatte die von ihm 
hergestellten durchscheinenden Tafeln für Flächenberechnung von 
Drei-, Vier- und Vielecken ausgestellt, welche die Flächenberechnung 
wesentlich fördern, die Benutzung von im Felde gefundenen Grund- 
stücksbreiten nicht ausschliessen und in mancher Beziehung den 
Planimetern vorzuziehen sind. 

Die Halberstädter Farbenwerke hatten flüssige Farben jeder 
Gattung , durch welche das langwierige Einreiben erspart wird, 
die Firma Albert Martz in Stuttgart ihre Oel- und Wasserfarben, 
Mal- und Zeichengeräthe ausgestellt. Die Firma C. Wittwer in 
Stuttgart hatte die neueren Werke auf dem Gebiete der Fachlitte- 
ratur, sowie im Buchhandel erschienene neuere Kartenwerke zur 
Ansicht ausgelegt. Wenn ich nun noch kurz eine von Herrn C. Beck 
in Stuttgart ausgestellte verstellbare Luftdruckreliefkarte erwähne, 
von deren Princip der Herr Erfinder hofft, dass es auch zur Dar- 
stellung von Terrain Oberflächen benutzt werden wird, glaube ich 
meiner Pflicht so gut es die kurz bemessene Zeit für die Besichtigung 
der Ausstellung und der Raum für die Berichterstattung zuliess, 
erfüllt zu haben. R. Reich. 



Kleinere Mittlieilungen. 

Ein Arbeitsfeld für Landmesser in Afrika. 

Die Leipziger Zeitung vom 9. September macht folgende Mit- 
theilung: 

Man schreibt von East Griqualund : »Ich möchte behaupten, 
dass viele junge Landmesser sicher nicht wissen, dass hier in diesem 
Territorium nicht ein einziger Landmesser sich befindet , welcher 
Privatpraxis betreibt. Alle sind in Governementsdienst und ist es 
für Privatpersonen schwierig, eine in dieses Fach schlagende Arbeit 
gethan zu bekommen. Da der hiesige Distrikt sehr gross ist, wer- 
den Unterabtheilungen täglich zahlreicher. < — Ich glaube, dass für 
junge deutsche Landmesser mit etwas Sprachkenntnissen in Trans- 
vaal, Oranje Freistaat, den neuen Republiken, Griqualand East, 
Tembuland etc. noch ein Feld für Thätigkeit ist. Die Landmesser 



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42 



Kleinere Mittheilungen. 



in Governementsdiensten werden gut honorirt. Generallandmesser 
A. do Smidt bezieht jährlich 900 Lst. = 18 000 J (>. , der Assistent 
600 Lst. = 12 000 Jüh., Kapitän Risler (Deutscher) 500 Lst. = 10 000 Ji>., 
andere beziehen 450, 400, 350, 300 Lst. jährlichen Gehalt. Doch 
diese Stellen werden von den Inhabern warm gehalten. 

Wir bringen vorstehende Mittheilung, welche durch mehrere 
Zeitungen gegangen zu sein scheint, mit der Bemerkung, dass wir 
zur Vorsicht rathen und besonders darauf aufmerksam machen, dass 
die Anforderungen, welche in jenen Gegenden an den Landmesser 
gestellt werden, meistens bedeutend grösser sind, wie im Allgemeinen 
hier zu Lande ; so gehört beispielsweise eine astronomische Ortsbe- 
stimmung behufs Festlegung der trigonometrischen Punkte zu den 
regelmässigen Vermessungsarbeiten. Cr. 



Verfahren bei Auflassungen in den Grundbüchern. 

Jemehr in der Provinz Hannover das Grundbuchrecht allmählich 
zur Anwendung gelangt, desto mehr treten auch die Abweichungen 
in dem Verfahren in Grundbuchsachen bei den einzelnen Amtsge- 
richten hervor. Es gilt dieses namentlich in denjenigen Fällen, wo 
das Grundbuch nach Formular 1. angelegt ist und nicht , wie in 
Westfalen vorgeschrieben, sämmtliehe Bestandtheile der Güter auf 
dem Titel des Grundbuchblattes eingetragen stehen (Formular II.) 
Nach Bahlmann, Grundbuchrecht, Seite 356 ist im ersteren Falle 
die Besitzung als ein Grundstück zu betrachten und jede Abschrei- 
bung, auch ganzer Parzellen, eine Abzweigung. Dem Ministerial- 
rescripte vom 21. Juni 1885 II. 6733 scheint eine ähnliche Auffassung 
zu Grunde zu liegen , da in demselben ausdrücklich von Abzwei- 
gung ganzer Parzellen die Rede ist, unter Bestimmung der Form 
solcher Auszüge. Von der Beschreibung der Kartenauszüge ist ab- 
gesehen , weil deren Form bekannt ist. Bei einer Abzweigung im 
Sinne des §. 58 der Grundbuchordnung ist stets Auszug und Karte 
erforderlich. Das Verfahren der Gerichte scheint hier sehr ver- 
schieden zu sein , einige Richter verlangen diese , während andere 
davon absehen und die Besitzstücke nach den Grundacten zu er- 
mitteln suchen, was mit der Zeit immer schwieriger werden und zu 
vielen Irrthümern Anlass geben dürfte. 

Es wäre sehr zu wünschen , wenn die Bestimmungen über den 
Eigenthumsübergang einheitliche Behandlung erführen und die Iden- 
tificirung seitens der Fortschreibungsbeamten gemäss §. 58 nicht 
fernerhin als überflüssig betrachtet würde. Landwers. 



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Literaturzeitung. 



43 



Literaturzeifung. 

Lehrbuch der ebenen und tphliritehen Trigonometrie. Mit Anwendungen auf prak- 
tische Geometrie und sphärische Astronomie und zahlreichen Uehungs- 
beispielen. Zum Gebrauch in höheren Lehranstalten und beim Selbst- 
unterricht, bearbeitet von E. Hammer, Professor am Königl. Polytechni- 
kum in Stutgart. Stuttgart. Verlag der J. B. Metzlor’schen Buchhand- 
lung. 1885. 312 S. 8°. 3 M. 20 Pf. 

Als Vorbereitung für praktische Geometrie wüssten wir kaum 
ein besseres Buch als das vorliegende, welches den seit Jahrzehnten 
in der Stuttgarter Schule eingebürgerten Lehrgang zum erstenmal 
der Öffentlichkeit vorführt. Die beiden Zweige der Trigonometrie, 
d. h. die mathematische Deduction und die zahlenmässige Anwen- 
dung sind gleich gut entwickelt. Nach einleitender Definition der 
trigonometrischen Funktionen als Quotienten der Seiten eines recht- 
winkligen Dreiecks folgt die allgemeinere Auffassung dieser Funktionen 
durch Verbindung eines ebenen rechtwinkligen und Polar-Coordi- 
naten-Systems , und ähnlich werden auch die Grundformeln der 
sphärischen Trigonometrie durch räumliche Coordinaten-Transfor- 
mation gewonnen. 

Zu dieser guten theoretischen Entwicklung gesellt sich dann 
ein weites Feld von Anwendungen mit logarithmischen Berechnungen 
aus dem Gebiete der praktischen Geometrie und sphärischen Astro- 
nomie. Die Beispiele über polygonale Züge, Kleintriangulirung, po- 
thenotische Bestimmung etc könneu geradezu als Lehrgang für den 
praktischen Landmesser benützt werden. 

Als Logarithmen-Tafel setzt Verfassereine fünfstellige als Regel 
voraus , doch sind bei den Beispielen aus der höheren Geodäsie 
siebenstellige Logarithmen benützt. 

In seiner Begeisterung für fünfstellige Logarithmen geht Ver- 
fasser zu weit, und die sechsstellige Tafel kommt ganz zu kurz. Die 
technische Hochschule darf sich aber durch den Geldaufwand für 
Anschaffung mehrerer Logarithmentafeln nicht abhalten lassen, den 
abwechselnden Gebrauch der fünf-, sechs- und siebenstelligen Tafeln 
für verschiedene Zwecke zu lehren. 

Wenn wir nun nach Anführung einiger der vielen Vorzüge 
dieses »Lehrbuchs der Trigonometrie« dasselbe den Land- und Feld- 
Messern angelegentlich empfehlen, so können wir doch ein Versehen 
des Verfassers nicht unberührt lassen, das darin besteht , dass er 
versäumt hat, in einem kurzen Citat, sei es in der Vorrede, sei es 
an anderer Stelle, initzutheilen, dass die Behandlung und Darstel- 
lung der Trigonometrie in diesem Werke im grossen Ganzen dieselbe 
ist, wie sie von den Lehrern und Amtsvorgängern des Verfassers, 
den Herren Professoren Dr. von Baur und Dr. von Schoder schon 
seit vielen Jahren an dem Stuttgarter Polytechnikum eingeführt 
ist. Der Referent, selbst Schüler dieser beiden Lehrer, glaubt diese 
Bemerkung diesen schuldig zu sein. Sch. 



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44 



Literaturzeitung. 



Die Berechnung der trigonometrischen Vermessungen, mit Rücksicht auf die sphä- 
roidische Gestalt der Erde, von J. G. F. Bohnenberger. Deutsche Bearbeitung 
der Allhandlung „De computandis etc.“ von E. Hammer, Professor am 
Kgl. Polytechnikum in Stuttgart. Mit 18 Figuren im Text. Stuttgart, 
Verlag der J. B. Metzler’schen Buchhandlung. 1885. 65 S. 8°. 

Der Verfasser, welcher vor Kurzem in die württembergische 
Geodätenreihe Bohnenberger , Pross , Baur , Schoder als jüngstes 
Glied eingetreten ist , hat es unternommen , den Ahnherrn der 
schwäbischen Landmesser, Bolmenberyer, durch Uebersetzung von 
dessen Abhandlung > De computandis dimensionibus trit/onometricis 
in superficie terrae sphaeroidica institutes zu ehren. Obgleich der 
Hauptinhalt der Bohnenberger’schen Schrift, sphäroidische Ueber- 
tragung von Breite, Länge und Azimut durch Normalschnitte auch 
anderwärts schon, wie Verfasser auf S. IV citirt, deutsch zu lesen 
ist, wird doch diese Uebersetzung aus dem Lateinischen ins Deutsche 
Vielen erwünscht sein. 

Die geodätischen Zahlenbeispiele sind vom Verfasser in Bessel’- 
sches Maass umgerechnet worden. 

Zu den auf S. IV erwähnten Druckfehlern können wir nach 
Vergleichung mit unserer Revision noch beifügen , dass in §. 6 
S. 9 im Ausdruck für e unter der Wurzel stehen soll: 

1 — (e 2 sin 2 u statt. 1 — e 2 fe 2 -f- sin 2 u 



Johann Gottlieb Friederich Bohnenberger, von Dr. L. F. Ofterdinger in Ulm. 

Separatabdruck aus Mathem. naturwissenscb. Mittheilungeu II. 1885. Mit 

Bobnenberger’s Bildniss. Tübingen, Verlag und Druck von Franz Fues. 

1885. 15 S. 8”. 35 Pf. 

Der Wunsch, zur Geschichte der süddeutschen Geodäsie, welche 
sich hauptsächlich an die zwei Namen Soldner und Bohnenberger 
knüpft, einen Beitrag zu erhalten, findet in dieser kleinen Schrift 
neue Befriedigung, obgleich uns der Verfasser weniger den Geodäten 
und Astronomen, als den Mathematiker Bohnenberger schildert. 

Bohnenberger stammt aus einer jener Pfarrersfamilien, welche 
eine besondere Zierde des Schwabenlandes sind, Produkte der kosten- 
freien und wissenschaftlich über die Bedürfnisse des Landpfarrers 
hinaus gehenden Erziehung im Tübinger >Stift<. 

Schon der Vater unseres Bohnenberger’s besass als Pfarrer in 
Simozheiin eine mechanische Werkstätte, um physikalische Instru- 
mente, namentlich Elektrisirmaschinen, zu konstruiren, so dass der 
junge am 5. Juni 1765 geborene Johann Gottlieb Friederich B. 
dort schon weit mehr Kenntnisse in der Mathematik und Physik 
erwerben konnte, als beim Eintritt in die Klostersehule verlangt 
wurde. Im Juni 1783 bezog ß. das Stift in Tübingen, wurde 1786 
Magister, und vollendete seine theologischen Studien 1789, worauf 
er, 23-jährig, bei seinem Vater in Altburg Vikar wurde. 



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Literaturzeitnng. 



45 



Nun wurde aber weniger Seelsorge als Astronomie und Geodäsie 
getrieben, und 1793 konnte eine wissenschaftliche Reise nach Gotha 
angetreten werden. 1795 erschien die j A nleitung zur geographi- 
schen Ortsbestimmung« und 1796 wurde B. zum Observator an der 
Sternwarte in Tübingen ernannt mit dem Auftrag, Vorlesungen an 
der Universität zu halten. 1798 erschien das erste Blatt der Karte 
von Schwaben, 1803 wurde B., 38-jährig, ordentlicher Professor, 
1811 gab er seine Astronomie heraus, sowie Anfangsgründe der 
höheren Analysis. Zwei Zeitschrift-Unternehmungen 1815 — 1817 
»Tübinger Blätter für Naturwissenschaften und Arzneikunde«, und 
1816 — 1818 »Zeitschrift für Astronomie und verwandte Wissen- 
schaften« hatten kurze Dauer, was deswegen nicht zu beklagen ist, 
weil 1818 die Württembergiscbe Landesvermessung begann, wobei 
es sich von selbst verstand, dass Bohnenberger in wissenschaft- 
licher Beziehung an deren Spitze gestellt wurde. 

Als wissenschaftliches Produkt der Landesvermessungsthätigkeit 
B.’s haben wir vom Jahre 1826 die Abhandlung: »De computandis 
dimensionibus trigonometricis etc.« Die Landesvermessung lullte 
den Rest von B.’s Leben, er starb 19. April 1831, im Alter von 
66 Jahren, 13 Jahre nach Beginn der Landesvermessung. 

Mit dem Danke für diese biographischen Mittheilungen ver- 
binden wir die Bitte, der Herr Verfasser möge durch weitere 
Forschungen auch die geodätische Thätigkeit Bohnenberger’s, sein 
Verhältniss zu dem Verwaltungsdirigenten der Landesvermessung, 
Obersteuerrath v. Mittnacht u. A., noch weiter aufklären. 

J. 



Johann Oeorg Soldner und sein System der Bayerischen Landesvermessung. Vor- 
trag, gehalten hei der Jaliresschlusafeier der Königlichen technischen 
Hochschule in München am 27. Juli 1885, von Carl Max ron Bauernfeind. 
Mit J. G. Soldner’s Bildniss. München 1885. In Commission der G. Franz- 
schen IIof-Bueh- und Kunsthandlung (J. Rolli). 24 S. 4“. 

Die Geschichte der Deutschen Geodäsie ist noch sehr lücken- 
haft, und es ist daher erfreulich, dass in dem Vaterlande Sold- 
ner’s, des wissenschaftlichen Begründers unserer heute noch nach 
ihm benannten Coordinaten - Systeme , einer der Festtage der 
Münchener technischen Hochschule diesem Manne gewidmet worden 
ist, und dass durch die Veröffentlichung der v. Hauern feind’ sehen 
Festrede auch uns Betheiligung an der Feier gegeben wurde. 

Soldner ist geboren am 16. Juli 1776 als Sohn eines Bauern, 
er starb 13. Mai 1833 als Königlicher Steuerrath. Sein Leben 
war der Geodäsie und Astronomie gewidmet. Er hatte nicht nur 
sich selbst aus niederen Verhältnissen heraufzuarbeiten, sondern er 
hatte auch noch in seinem ehrenvollen Amte jahrelang gegen eine 
»akademische Partei« anzukämpfen, welche gegen den Druck seiner 
astronomischen Beobachtungen unter dem Vorwände ökonomischer 
Erwägungen Anstände erhoben hatte. In solchen Kämpfen theilte 



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46 



Gesetze und Verordnungen. 



Soldner das Schicksal der meisten deutschen Geodäten , weil die 
mathematisch-geodätischen Grundlagen von Landesvermessungen dem 
Publikum ebenso verborgen bleiben, wie das unter der Erde erbaute 
Fundament eines Gebäudes. 

Auch in den Augen von abstrakten Mathematikern erscheint 
Soldner’s Arbeit, welche heute noch seinen Namen trägt, das 
Bayerische Coordinatensystem, wohl kaum rühmeuswerth, denn die 
Grundformeln beruhen lediglich auf Entwickelungen von sin x und 
cos x bis zur dritten Potenz von x. Soldner hatte aber den sicheren 
praktischen Blick, dieses Coordinatensystem an der richtigen Stelle 
anzuwenden. J. 



Kalender für Geometer und Culturtechniker, unter Mitwirkung von Dr. Eb. Gieseler, 
Professor in Poppelsdorf-Bonn, Dr. Ch. A. Vogler, Professor in Berlin, 
M. Sapper, Professor in Stuttgart, Th. Müller, Geometer in Daaden, 
Emelius, Geometer in Coin, Trognitz, Feldmesser in Gotha, herausgegeben 
von IV. Schlebach, Obersteuerrath in Stuttgart. Jahrgang 1S86. Stuttgart. 
Verlag von Konrad Wittwer. 

Unter Hinweis auf die Besprechungen der früheren Jahrgänge 
des vorliegenden Kalenders möchten wir nur in Kürze mittheilen, 
dass auch der neue Jahrgang neben einigen Zugaben zu dem reich- 
haltigen Tabellenwerke mancherlei denkenswerthe Bereicherungen 
erfahren hat. Insbesondere erscheint das Kapitel über Triangulation 
durch Professor Dr. Vogler in leicht fasslicher Weise neu bearbeitet 
und die Kapitel über Wasserbau und Brückenbau (in der Beilage, 
von Professor Sapper) sind erweitert worden. Die Beilage enthält 
ferner Vorschriften über Feldmesserprüfungen und Auszüge aus 
den Gebührenordnungen in den verschiedenen Staaten. Dem als 
zweite Beilage ausgegebenen Personalverzeichnisse ist ein alpha- 
betisches Namensregister beigegeben worden. 

Bei der Sorgfalt, welchen die Herausgeber, wie die Verlags- 
handlung auf die stetige Vermehrung und zweckmässige Gestaltung 
des Inhalts verwenden, wäre es zu wünschen, dass die durch uner- 
wartete Störungen des Drucks veranlasste Verzögerung im Er- 
scheinen des neuen Kalenders dessen Verbreitung nicht nur keinen 
Eintrag thun, dass derselbe vielmehr einen stets weiteren Kreis 
von Abnehmern finden möge. St. 



Gesetze und Verordnungen. 

Ministerial- Erlass, betreffend Anrechnung des Besuchs Preussischer 
Universitäten und technischer Hochschulen auf die Zeit der theore- 
tischen Ausbildung der Landmessercandidaten. 

Berlin, den 14. August 1885. 

Auf den gefälligen Bericht vom 8. Juni d. J. ermächtigen wir 
die Königliche Oberprüfungscommission für Landmesser , auf die 



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Gesetze und Verordnungen. 



47 



für die Zulassung zur Landmesserprüfung vorgeschriebene Zeit 
theoretischer Ausbildung den Besuch Preussischer Universitäten und 
technischer Hochschulen in gleicher Weise anzurechnen, wie dies in 
§. 9 alin. 3 der Landmesserprüfungsordnung vom 4. September 1882 
für den Besuch nicht Preussischer Lehranstalten ihr überlassen ist. 
Der Minister der öffentl. Der Minister für Land- Der Finanzminister. 

Arbeiten. wirthschaft, Domänen I. A. : 

I. A.: und Forsten. gez. Gauss. 

gez. Schulte. I. V.: 

gez. Marcard. 

An die Königliche Oberprüfungscommission für Landmesser. 

Diese dem Correspondenzblatt für Katasterbeamte entnommene 
Mittheilung wird manchem Landmessercandidaten , welcher bisher 
an Universitäten oder technischen Hochschulen studirte und aus 
irgend einem Grunde zum Berufe des Landmessers übertrat, äusserst 
willkommen sein. Es ist dieser Cirkular-Erlass um so mehr er- 
freulich, da nach den bisherigen Vorschriften die Oberprüfungs- 
commission ausser Stande war, diejenigen Bauingenieure, welche 
eine technische Hochschule mit Erfolg absolvirt hatten , zu der 
Landmesserprüfung ohne Weiteres zuzulassen, während andererseits 
dem Bauführer, der die gleiche Ausbildung genoss, die Erlangung 
der Bestellung als Landmesser äusserst leicht gemacht wird, da er 
mit Ausnahme der Anfertigung der Probekarte und der Erfüllung 
der praktischen Arbeiten jeglicher Prüfung überhoben ist. Wenn 
diese letztere Bestimmung auch durchaus gerechtfertigt ist, da der 
als Bauingenieur geprüfte Bauführer in den mathematischen und 
geodätischen Disciplinen eine höhere, mindestens aber eine gleiche 
Ausbildung wie der Landmesser genossen und er nur speciell die 
Kulturtechnik weniger, die Rechtskunde allerdings gar nicht ge- 
trieben hat, so gilt diese berechtigte Gleichstellung aber nur für 
die Bauführer des Bauingenieurfaches. 

Für die als Architekten und Maschineningenieure geprüften Bau- 
führer trifft diese Gleichstellung unserer Ansicht nach nicht zu, da 
die geodätischen Kenntnisse über die Elemente nicht hinausgehen 
und es würde gerechtfertigt erscheinen, diese Herren von den be- 
sonderen Bestimmungen des §. 28 der Landmesserprüfungsordnung, 
welche unter den nach drei verschiedenen Vorschriften geprüften 
Bauführern keinen Unterschied macht, auszuschliessen. Obgleich 
es äusserst selten Vorkommen wird, dass ein für die Architektur 
oder das Mascbinenbauwesen geprüfter Regierungsbauführer die 
Absicht haben wird, sich als Landmesser bestellen zu lassen, so 
ist dieser Fall dennoch nicht ausgeschlossen und nach den beste- 
henden Vorschriften ist die Oberprüfungscommission gezwungen, 
auch diesen Bauführern die schriftliche und mündliche Prüfung zu 
erlassen. G. 



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48 Neue Schriften üb. Vermess. Personalnachrichten. Vereinsangel. 



Neue Schriften über Vennessungswesen.*) 

Ueber den Verlauf der Isogonen im mittleren Württemberg von 
E. Hammer, Professor am Königl. Polytechnikum in Stuttgart. 
Mit 6 Figuren im Text, 1 Karte und 3 Tafeln. Stuttgart, Ver- 
lag der J. B. Metzler’sehen Buchhandlung. 1886. 



Personalnachrichten. 

Professor Helmert in Aachen ist mit der kommissarischen Ver- 
waltung der Präsidialgeschäfte des geodätischen Institutes betraut 
worden. 

Die Kataster-Controleure Luedthc zu Stallupönen, Migula zu 
Rybnik, Mehlisch zu Inowrazlaw, Oswald Müller zu Neu-Ruppin, 
Mündel zu Hultschin, Petras zu Kosel, Schneider zu Wohlau, Schuh 
zu Sigmaringen, Schumann zu Lüneburg, Solms zu Soest und von 
Stemann zu Rendsburg sind zu Steuer-Inspektoren ernannt. 

Den Kataster-Inspektoren Schneider zu Frankfurt a. O. und 
Schön zu Lüneburg ist der Charakter als Steuer-Rath verliehen. 



V ereinsangelegenheiten. 

Neue Mitglieder. 

Nr. 2286. Zein er, Vermessungs-Revisor, Mergelstetten, Württemb. 

» 2287. Campbausen, Kataster- Assistent, Coin am Rhein. 

Diejenigen Mitglieder des Deutschen Geometervereins, welche ge- 
sonnen sind, den Mitgliedsbeitrag von 6 Mark pro 1886 per Postanweisung 
einzuzahlen, werden hiemit ersucht, dieses bis längstens den 8. if lür* 
ISStf zu bewerkstelligen, nach diesem Zeitpunkt aber, um Kreuzungen 
zu vermeiden, keine Einzahlungen mehr zu machen, da nach §. 16 der 
Satzungen sodann der Mitgliedsbeitrag per Postnachnahme erhoben 
werden wird. 

Coburg, 12. Dezember 1885. 

G. Kerschbaum, z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 

*) Unabhängig von den kritischen Berichten unserer „Literaturzeitung“ 
werden wir in dieser Abtheilung die Titel neuer Werke, welche uns zur 
Besprechung eingesendet werden, veröffentlichen. Wir bitten bei solchen Ein- 
sendungen immer auch die RreUe der Bücher mitzutheilen. Die Red. 

Inhalt. 

Grössere Abhandlung: Bericht über die XIV. Hauptversammlung des 

Deutschen Geometervereins (5. — 8. August 1885), erstattet von Reich. (Schluss.) 
Kleinere Mittheilungen : Ein Arbeitsfeld fiir Landmesser in Afrika, von G. — 
Verfahren bei Auflassungen in den Grundbüchern, von Landwers. Literatur- 
zeitung : Lehrbuch der ebenen und sphärischen Trigonometrie, von Hammer, 
besp. von Sch. — Die Berechnung der trigonometrischen Vermessungen, mit 
Kiicksicht auf die sphärische Gestalt der Erde, von J. G. F. Bohnenberger, 
von Hammer, besp. von J. — Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger, von Ofter- 
dinger, besp. von J. — Johann Georg Soldner und sein System der Bayerischen 
Landesvermessung, von v. Bauernfeind, besp. von J. — Kalender für Geometer 
und Kulturtechniker, herausgegehen von Schlebach, besp. von Sts. Neue Schriften 
Uber Vermessungswesen. Gesetze und Verordnungen. Personalnachrichten. Vereinsange- 
legenheiten. 



Karlsruhe. Druck von Malsch A Vogel. 



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ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppet, Steuerassessor in München, und 
B. Qerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. IF. Jordan, Professor in Hannover. 

1886. Seit 3. Band XV. 

1. Februar. 



lieber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser 
erreichbare Genauigkeit und einige Erörterungen 
über die Fehlerursachen desselben. 

Im Jahre 1850 schrieb Professor Decher in Dingler’s Polytech- 
nischem Journal, B. 153, S. 116, einen längeren Aufsatz über den 
Reichenbach’schen Distanzmesser und klagte dabei über die Vernach- 
lässigung desselben durch die Lehrbücher. Heute kann eine solche 
Klage nicht mehr geführt werden ; die neueren Lehrbücher be- 
schäftigen sich eingehendst mit diesem Distanzmesser und widmen 
ihm mitunter ganz ansehnliche Kapitel. Aber immer dürfte noch 
eine andere Klage zu fuhren nöthig sein , nämlich diejenige , dass 
von den Lehrbüchern dem Reich enbach’schen Distanzmesser eine viel 
zu geringe erreichbare Genauigkeit zugeschrieben und er dadurch 
in der Rangliste der Längenmess-Instrumente auf eine etwas zu 
geringe Stufe herabgedrückt wird. 

Diese Unterschätzung dieses Distanzmessers scheint mir dadurch 
veranlasst zu sein, dass man bei den angestellten Versuchen nicht 
recht zweckentsprechende Einrichtungen angewendet hat. Haupt- 
sächlich, vermuthe ich, ist dies bezüglich der angewendeten Distanz- 
latten der Fall. Sodann ist aber auch vielleicht eine etwas zu 
geringe Zahl von Beobachtungen gemacht worden. 

Schon seit Jahren ist mir dieser Umstand als mit meinen 
eignen Erfahrungen nicht im Einklang stehend generell bewusst, 
und ich hatte schon längst die Absicht, mit den von mir selbst 
gehandhahten , als beste bekannt gewordenen Einrichtungen Ver- 
suche über die erreichbare Distanzmesser-Genauigkeit anzustellen, 
ln diesem Frühjahre fand ich jedoch erst genügende Zeit und 
Gelegenheit, dieses Vorhaben ausführen zu können. Nachdem ich 
mehrere Beobachtungsreihen über Zielgenauigkeit schon angefertigt, 
dieselben aber für den angestrebten Zweck der beeinflussenden 

Zeitschrift für Vermessung» weson. 1886. 3. lieft. 4 



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50 Wagner. Ueber die mit dem Reiehenbaeh’schen Distanzmesser erreichbare 

Verhältnisse halber als nicht geeignetjansehen und wieder verwerfen 
musste, wurde mir klar, dass solche Versuche in der beabsichtigten 
Art einen wissenschaftlichen Werth haben und eine Veröffentlichung 
derselben von Nutzen sein würde , und ich habe daraufhin die 
weiteren Beobachtungen diesem Zwecke entsprechend ausgeführt. 

Ehe die Resultate dieser Genauigkeitsversuche vorgeführt wer- 
den, mögen noch folgende Erörterungen, welche die Gesichtspunkte, 
von denen ausgegangen wurde, erläutern, vorausgeschickt werden. — 

Will man einen Einblick in die Genauigkeit haben, welche ein 
Reichenbach’scher Distanzmesser liefern kann, d. h. also in die Genauig- 
keit, Entfernungen mittelst zweier in dem Oculare eines guten Fern- 
rohres befindlicher, parallelen Fäden zu bestimmen, so müssen alle 
sonstigen Operations-Elemente, welche hierzu nicht absolut erfor- 
derlich sind, davon entfernt gehalten werden. So darf also z. B. 
hierbei eine etwaige schief gemessene Distanz nicht erst in die 
Horizontale reducirt weiden, um eine Vergleichung mit einer wirk- 
lich gemessenen , horizontalen Länge zu erhalten. Denn dieses 
Reductions-Verfahren ist abermals, wenn auch unbedeutend, wieder 
fehlererzeugend und diese Fehler vermehren eventuell die Fehler 
des Distanzmessers unnöthigerweise. Wie genau man Höhenwinkel 
messen und mit Hülfe derselben schiefgemessene Entfernungen in 
horizontale Längen verwandeln kann, ist eine ganz andere Aufgabe 
und diese berührt den eigentlichen Reichenbach’schen Distanzmesser 
erst in zweiter Linie. Es handelt sich also zunächst darum, die- 
jenige Genauigkeit zu bestimmen, mit welcher man Distanzen über- 
haupt messen kann, gleichgültig, ob es schiefe oder horizontale sind. 

Ebenso müssen zur Erreichung des genannten Zweckes etwaige 
Fehler in der Constantenbestinmiung, Berichtigung der Fäden und 
Bestimmung der Entfernung des sogenannten anallatischen Punktes 
von der Instrumentsmitte sowohl, als auch Bestimmung der zu 
messenden Distanz mit andern Hilfsmitteln (Messlatten, Ruthen oder 
Messband etc.), ausser Betracht bleiben. Auch für die wirkliche, 
praktische Ausübung des Distanzmessens können Fehler, welche 
durch die Ungenauigkeit der Constanten entstehen könnten, dadurch 
ganz vermieden werden, dass man entweder genau berichtigt, oder 
die Fehlerconstanten genau ermittelt. 

Bekanntlich ist das scharfe Sehen mit blossem Auge und mehr 
noch mit dem Fernrohr in der freien Natur sehr beeinflusst von 
der Beschaffenheit und den Eigenschaften der Luft und der Be- 
leuchtung der betrachteten Gegenstände. Nicht allein dass die Luft 
manchmal mehr oder weniger Dampf- oder Staubtheilcheu enthält, 
welche ihre Durchsichtigkeit stören, so hat sie auch noch eine 
andere Eigenschaft, welche das scharfe Sehen, besonders nahe über 
die Erde hin häufig ausserordentlich belästigt. Es ist dies das so- 
genannte Oscilliren der Lichtstrahlen , welches entsteht , wenn die 
Sonne die Erde grell bescheint und heftig erwärmt und welches 
beim Visiren mit Fernröhren manchmal so stark belästigt, dass auf 
Entfernungen von lüü in und mehr kaum eine Eiuthciiung auf der 




Genauigkeit und einige Erörterungen über die Eelilerursachen desselben. 51 

Latte mehr zu erkennen ist und ein jedes genaue Ablesen auf der- 
selben desshalb zur Unmöglichkeit wird. Zieht dagegen der Visir- 
strahl über bewachsene Flächen hin , z. B. Wiesen , so ist diese 
Lichtstrahlen - Oscillation eine etwas geringere als über kahlen 
Flächen, und je nachdem er in gewisser grösserer Höhe über dem 
Erdboden sich befindet — besonders unmittelbar vor dem Instru- 
mente, — so kann dieselbe für Distanzmessungen manchmal fast 
gar nicht lästig sein, selbst wenn auch die Sonne an Sommertagen 
iD noch so voller Klarheit scheint. 

Ist die Ziellatte zu wenig beleuchtet, so ist auch ihre Ein- 
theilung schwieriger zu sehen. Scheint die Sonne zu grell auf die 
Eintheilung, so ist der Abstich der weissen Farbe gegenüber der 
schwarzen so heftig, dass das Auge belästigt wird, und auch dann 
sind die Lattenablesungen erschwert. Die günstigste Beleuchtung 
entsteht , wenn nur recht leichtes Gewölke den Himmel und die 
Sonne bedeckt, die Visirrichtung aber entgegengesetzt der Sonnen- 
richtung liegt. 

Ein weiteres Hinderniss für fast alle Messungen mit geodätischen 
Instrumenten ist der Wind. Jedoch kann man sich gegen diesen, 
wenn er nicht allzustark weht, mit einem Windschirm schützen. 
Stürmt er aber zu sehr, so müssen eben die Operationen im Felde 
abgebrochen werden. 

Es sind also hauptsächlich die beiden vorerwähnten Punkte: 
die Oscillation der Lichtstrahlen und die Beleuchtung der Ziellatte, 
nebenbei auch trübe Luft (die man mit »Sichtbarkeit der Latte« 
zusammen bezeichnen kann), welche dem Distanzmesser in der freien 
Natur hindernd entgegentreten. Diese Hindernisse treten bald 
mehr, bald weniger auf und können so stark werden, dass sie 
das Ablesen auf der Latte ganz unmöglich machen. Eine Norm 
für diese hindernden Einflüsse, welche in fortwährender wechseln- 
der Veränderung sich befinden, aufzustellen und diese endlich 
sogar in Zahlen auszudrücken , dürfte sehr schwer — und correct 
auszuführen sogar unmöglich sein. Es erschien desshalb zunächst 
geboten, in dieser Beziehung, soweit als dies nur irgend thunlich 
war, die günstigsten äusseren Umstände aufzusuchen und während 
deren Einfluss die Genauigkeitsversuche zu bewirken. Denn nur 
diese »günstigen äusseren Umstände« können einigermassen einen 
festen Maassstab für die erreichbare Distanzmesser - Genauigkeit 
abgeben. 

Ob und inwieweit bei vorhandenen günstigsten Beobachtungs- 
verhältnissen die Luftzustände und die Beleuchtung einen Einfluss 
noch derart ausüben , dass eine grössere Genauigkeit bei kleinen 
Distanzen und eine kleinere bei grossen Distanzen erhalten wird, 
d. h. also, ob und inwieweit die Grösse der Distanz einen Factor 
für den Genauigkeitsgrad abgibt, wie dies schon verschiedentlich 
öffentlich ausgedrückt worden ist, zu untersuchen, musste auch an- 
zustrebendes Ziel sein. 

4 . 



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• * -•’’TJ» * 







52 Wagner. Ueber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser erreichbare 

Nach einer vorhergegangenen flüchtigen Berechnung erschien 
es angezeigt, auf die Entfernungen von 50 — 100 — 150 — 200 — 250 
— 300—400 und 500 m Genauigkeitsversuche über den Distanz- 
messer anzustellen, und zwar für jede dieser Entfernungen in einer 
Anzahl von 24 einzelnen Beobachtungen. Durch diese verschiedenen 
Entfernungen musste sich dann das Verhältniss derselben zur Distanz- 
messergenauigkeit feststellen und sich erweisen , ob letztere durch 
erstere beeinflusst wird. Die Anzahl von 24 Beobachtungen für 
jede einzelne Entfernung erschien noting , um mit genügender Ge- 
nauigkeit sowohl das arithmetische Mittel aus allen Beobachtungen 
bilden, wie auch den mittleren Fehler bestimmen zu können. 

Damit sich auch der Einfluss zeige , welchen die Grösse des 
distanzmessenden Winkels ausübt, waren mit mehreren solcher 
Winkel die Beobachtungen zu machen. 

Betreifs der Lattenstellung ist hervorzuheben , dass bei allen 
Genauigkeitsbeobachtungen die Distanzlatte stets rechtwinklig zur 
Ziellinie gestellt wurde. Hierdurch wird einestheils aus dem abge- 
lesenen Lattenabschnitt direct die wirkliche Entfernung erhalten, 
ohne dass man nöthig hat , mit einem Höhenwinkel eino weitere 
Reduction vorzunehmen, anderntheils halte ich aber auch überhaupt 
auf Grund meiner praktischen Erfahrungen die »schiefe Latten- 
stellung« für entschieden vortheilhafter als die »senkrechte«. 

Ueber die Zweckmässigkeit der »schiefen« oder »senkrechten« 
Lattenstellung sind gegenwärtig noch die Ansichten der Techniker 
getheilt, besonders auch werden die aus der fehlerhaften »schiefen« 
Lattenstellung hervorgehenden Distanzfehler noch theils überschätzt, 
theils unterschätzt. Es würde für die hier gestellte Aufgabe in- 
dessen zu weit ablenken , wenn hierüber weitere Erörterungen ge- 
führt werden wollten; später soll jedoch in einem besonderen Artikel 
dieser Gegenstand noch einmal berührt und auch die Einflüsse der 
fehlerhaften Lattenstellung näher beleuchten werden. Hier möge 
jedoch nur noch bemerkt sein, dass bei dem eingeschlagenen Ver- 
fahren und den gehandhabten Einrichtungen die fehlerhafte Latten- 
stellung auf die Genauigkeit der Beobachtungen keinen , d. h. 
wenigstens nur einen unwesentlichen Einfluss haben ausüben können. — 

Es ist nun das angewendete Instrument und die angewendete 
Distanzlatte zu beschreiben. 

Als Distanzmesser wurde der Tachygraphometer C. Wagner’sclier 
Construction Nr. 10, aus derWerkstätte von O.Fennel in Cassel, benutzt. 

Das Fernrohr dieses Instruments besitzt ein Objectiv von 341 mm 
= 12 V* pariser Zoll Brennweite und einer Oeffnung von 27 mm 
== 12 par. Linien. Das Ocular ist ein orthoskopisch Ramsden’sches 
und hat eine Aequivalent-Brennweite von 6 par. Linien. Die Ver- 
grösserung dieses Fernrohrs ist sonach eine 25fache. 

Das Fadenkreuz besteht aus einem verticalen und 3 horizontalen 
Fäden. Von den 3 letzteren befindet sich der mittlere in der Mitte 
des Gesichtsfeldes. Die Entfernung des oberen vom unteren Faden 
repräsentirt einen distanzmessenden Winkel, dessen Tangente = : /i 00 



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Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehleruraachen desselben. 53 



ist. Die Tangente des Winkels vom obersten zum mittleren Faden 
ist = ^joq. Diese beiden äusseren Fäden sind in ihrer Lage zum 
mittleren berichtigbar. (Die Bemerkung möge hier Platz haben, 
dass nach meiner Erfahrung die Di- 
stanzfäden, welche mit gut construir- Ansicht von vorn, 

ter und gut angefertigter Berichti- Fl S- 



gungs-Einrichtung versehen waren, 
jahrelang ihre genaue Berichtigung 
behalten haben.) 

Alle Fäden sind tadellos rein und 
schwarz und haben im Fernrohre eine 
scheinbare Stärke von etwa 2 */ B — 3 
Secunden. 

Das Fernrohrgesichtsfeld ist etwa 
1° 20" gross. — 

Gelegentlich der Construction seines 
Tachygraphometers construirte im 
Jahre 1868 mein Bruder, C. Wagner, 
eine Distanzlatte und besonders deren 
Zieleinrichtung, welche sich sehr gut 
bewährt hat und von mir angewendet 
wurde. Die nachfolgend beschriebene 
Latte ist in ihren Einrichtungen die- 
selbe, nur sind manche Dimensionen 
etwas andere. 

Die Latte selbst ist 4,5 m lang, 
oben 0,09 m, unten 0,1 m breit und 
0,025 m dick. Auf ihrer Vorderfläche 
hat sie eine Eintheilung, wie solche 
in Fig. 1. ersichtlich ist und deren 
kleinstes Intervall = 0,01 m beträgt. 
Der Nullpunkt befindet sich 1,50 m 
vom unteren Lattenende entfernt. Alle 
0,5 m wechselt die Eintheilung von 
der einen nach der anderen Seite. 
Hierdurch ist es möglich gemacht, 
auch auf grössere Entfernungen, oder 
wenn man die Zahlen infolge un- 
günstiger Beleuchtung der Latte nicht 
mehr erkennen kann , zweifellos die 
Decimetereintheilung leicht und rasch 
abzählen zu können , weil man an 
diesem Wechsel alle '/s m deutlich 
unterscheiden kann. 

Jedes kleinste Eintheilungs-Inter- 
vall von 0,01 m ist in beiden Farben, 
schwarz und weiss vorgesehen ; es ge- 
winnt hierdurch auf grosse Entfer- 
nungen eine scharfe Ablesung an 
Genauigkeit. Bekanntlich erscheinen 
kleine weisse Quadrate aus weiter 
Ferne betrachtet und sobald sie grell 
beleuchtet sind, etwas grösser, als sie 




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54 Wagner. Ueberdie mit dem Reichenbach’sehen Distanzmesser erreichbare 

wirklich sind. Durch 
diese Eintheilungsweise 
wird diesem letztge- 
nannten Uehelstande 
etwas abgeholfen, weil 
auch gleichzeitig im 
schwarzen Intervalle 
abgelesen werden kann. 

Die vom Nullpunkte 
aus nach unten gehende 
Eintheilung hat den 
Zweck, die obere Thei- 
lung in jenen Fällen (in 
geringerer Entfernung 
wenigstens) zu ersetzen, 
in welchen die letztere 
wegen Hindernissen, | 
Blattwerk im Hochwald 
oder in Obstbaumanlagen etc., nicht in genügender Länge ge- 
sehen werden kann. — 

Bereits Professor Declier empfiehlt (Dingler’s Polytechnisches 
Journal Baud 153) den Nullpunkt der Distanzlatte besonders zu 
gestalten und durch einen schmalen weissen Streifen, welcher von 
breiten schwarzen Streifen begrenzt ist, darzustellen. Der Faden 
im Fernrohr erscheint tief schwarz. Wenn derselbe nun beim 
Zielen auf die Mitte eines schmalen weissen Streifens gelegt wer- 
den kann , so verdeckt der Faden einen Theil desselben ; seine 
übrig bleibenden Theile zu beiden Seiten des Fadens müssen nun 
gleich breit erscheinen, wenn der Faden in der Mitte des Streifens 
stehen soll. Ist die scheinbare Breite des weissen Streifens nur 
etwa 2 — 4mal grösser als die Stärke des Fadens, so hat man an 
der Gleichschätzung der Streifenreste zu beiden Seiten des Fadens 
ein Mittel, um mit ausserordentlicher Schärfe seine Einstellung auf 
die Mitte des Streifens beurtheilen zu können. 

Die scheinbare Streifenbreite wird mit der Entfernung eine 
geringere. Will man nun das vorerwähnte Verhältniss, dass diese 
Breite etwa das 2— 4fache der Fadenstärke betrage, einigermassen 
zu benutzen suchen , so muss man für verschiedene Entfernungen 
verschiedene Breiten der Streifen haben. 

Diese Betrachtungen gaben die Veranlassung zur Construction 
des Nullpunkts in Fig. 1. In der Mitte der Latte ist der weisse 
Streifen 2 mm breit und 14 mm lang. Die Verlängerung desselben 
nach beiden Seiten wird nun auf eine Länge von 10 mm — 5 mm breit; 
hieran schliessen sich Stücke von 13 mm Länge und 10 mm Breite und 
daran Stücke von 10 mm Breite und 17 mm Länge. Es ist dies also ein 
4stufiger Nullpunkt, wie er bei den folgenden Messungen angewendet 
wurde. Ein nur 3stufiger Nullpunkt, mit 2 — 8 und 20 mm breiten 
Streifen will mir jedoch genügend und für manche Entfernungen besser 
erscheinen und werde ich künftig nnr noch solche anfertigen lassen. 



Fig. 2. Fig. 3. 

Ansicht von der Seite. Ansicht von hinten. 




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Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen desselben. 55 

Aehnliche Constructionen von Zieleinrichtungen hat mein ver- 
storbener Vater, Revisionsrath Fr. Wagner, schon in den 40er Jahren 
angewendet (vgl. Hunäus, die geometrischen Instrumente 1864, S. 354). 

Unmittelbar neben dem Nullpunkt sind 2 Zielbrettchen (ab cd 
Fig. 2) von 150 mm Länge, 70 mm Breite und 20 mm Dicke so 
angeschraubt, dass die Kanten ab und cd rechtwinklich zur Vor- 
derfläche der Latte stehen. Nach rückwärts stehen die Brettchen 
um 40 mm über die Rückfläche der Latte hinaus. Der hierdurch 
entstehende Zwischenraum zwischen denselben und hinter der Latte 
ist mit einem Holzklotz ( k ) ausgefüllt, in 4 welchem eine Röhren- 
libelle steckt (Fig. 3), die parallel zur Nullpunktslinie und recht- 
winklich zur Lattenachse steht. 

Wird nun, indem man die Latte entsprechend vor- oder rück- 
wärts neigt und seitwärts bewegt, die Kante ab auf das Fernrohr 
des Distanzmessers einvisirt und die Röhrenlibelle zum Einspielen 
gebracht, so steht die Latte zur Ablesung richtig. 

Die Vorderflächen der Zielbrettchen, welche dem Distanzmesser 
zugewendet werden, sind schwarz angestrichen, während die anderen 
Flächen weiss bleiben. Wird nun die Distanzlatte richtig zur Ziel- 
linie gehalten, so darf man mit dem Fernrohr des Distanzmessers 
nur die schwarzen Flächen der Zielbrettchen sehen, wie in Fig. 1 
ersichtlich ist. Sieht man die weissen Seitenflächen hervorblinken, 
so steht die Latte unrichtig. Auf diese Weise ist der Lattenträger 
controlirbar. 

Die Frage, ob die Grösse des benutzten kleinsten Intervalls 
der Distanzlatte einen Einfluss auf die Distanzmesser-Genauigkeit 
ausübt, gab Veranlassung, eine Anzahl Beobachtungsreihen mit einer 
Distanzlatte auszuführen , deren kleinstes Intervall = 1 mm ist. 
(Dieselbe liess ich seinerzeit bei der Aufnahme von schwierigen 
definitiven Püsenbahnquerprofilen auf eine Entfernung bis ca. 90 m 
mit grossem Vortheil anwenden.) Die Einrichtung dieser Latte und 
ihre sonstige Eintheilungsart ist der in F'ig. 1 — 3 gezeichneten gleich, 
nur zieht sich neben der doppelten Centimeterscala noch eine solche 
doppelte, in Millimeter getheilte nebenher, welche eine Gesammt- 
breite von 10 mm hat. Die einfache Millimeterscala ist 5 mm breit 
und es wechselt die Eintheilung alle 5 mm aus der einen verticalen 
Reihe in die andere, wodurch das Abzählen erleichtert ist. 

Es möge nun eine Beschreibung und Motivirung der Operationen 
im Felde folgen. 

Am Rande einer geraden und horizontalen Strasse wurde eine 
Länge von 300 m mit Messlatten genau gemessen und die Entfer- 
nungen 50 — 150 — 200 und 300 m verpflockt. Auf die Entfernungen 
100 und 2Ö0 m wurden die Fäden des Distanzmessers einigermassen 
genau berichtigt, und zwar unter der Berücksichtigung, dass der 
sogen, anallatische Punkt in dem vorderen Brennpunkte des Ob- 
jectives liegt. 

Die Beobachtungen der Reihen Nr. 1, 2 und 3 wurden auf 
dieser Linie vorgenommen. Als jedoch die Oscillation der Licht- 



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56 Wagner. Deber die mit dem Reichenbsch’schen Distanzmesser erreichbare 

strahlen und auch der Wind immer lästiger wurden, suchte ich 
andere günstigere Instrumentsaufstellungen und günstigere Ziel- 
richtungen auf. Wenn auch diese 3 und noch weitere 2 Beobach- 
tungsreihen nicht unter günstigsten Luft- und Beleuchtungsver- 
hältnissen — so, wie es angestrebt war — bewirkt werden konnten, 
so sind dieselben doch hier beigefügt, um einen Ueberblick auch 
über Distanzmesser-Genauigkeit bei weniger günstigen Verhältnissen 
zu geben. 

Bei den Beobachtungsreihen Nr. 4 — 18 sind die mittleren Entfer- 
nungen (50 — 100 — 150 — 200 — 250 — 300 — 400 und 500 m) annähernd 
genau mit dem Distanzmesser bestimmt, also nicht mit Messlatten, 
oder einem anderen Längenmessgeräthe. Wenn nun auch in dieser 
Bestimmung der Entfernung ein kleiner Fehler zunächst vorliegen 
sollte, so kann derselbe keinen schädlichen Einfluss auf die Genauig- 
keitsversuche haben, wenn — wie geschehen ist — aus den consta- 
tirten Längendifferenzen (zwischen den 24 einzelnen Distanzbeob- 
achtungen und den zuerst hingemessenen Entfernungsdifferenzen) 
das arithmetische Mittel genommen wird und erst gegen dieses 
letztere die Distanzfehler gebildet werden. Mit Hülfe dieser Rech- 
nungsweise, welche ja auch durch das Princip der Bildung der 
kleinsten Quadratensumme bedingt ist, eliminirt sich auch der 
Fehler, der etwa noch in der Berichtigung der Distanzfäden zurück- 
geblieben sein sollte. Die Genauigkeit der Fadenberichtigung zu 
prüfen, kann ja hier nicht Aufgabe sein, denn, wie schon erwähnt, 
man kann genau berichtigen oder andernfalls die betreffende Fehler - 
constante genau ermitteln. 

Hätte man alle je 24 Beobachtungen einer einzelnen Reihe 
genau auf eine einzige Entfernung — 50 oder 100 oder 150 m — 
vorgenommen, so würden die Beobachtungsresultate sehr einseitig 
geworden sein, denn der eine Distanzfaden hätte fortwährend eine 
einzige Stelle der Distanzlatte getroffen und noch dazu auf eine 
game Eintheilungsstelle — wenigstens immer ganz nahe an der- 
selben — und wäre niemals auf alle möglichen Bruchtheile des 
kleinsten Intervalls gefallen, wie es in Wirklichkeit in der Praxis 
immer vorkommt. Der sogen. Schätzungsfehler, von welchem später 
noch mehr die Rede sein wird und welcher beim Distanzinessen 
nicht umgangen werden kann, hätte nicht die gebührende Berück- 
sichtigung gefunden. Auch die strenge Unparteilichkeit des Beob- 
achters wäre dadurch etwas beeinflusst worden, dass er Kenutniss 
von dem annähernd abzulesenden Resultat hatte und er würde 
dann unwillkürlich leicht Neigung gehabt haben, grosse Fehler 
etwas kleiner abzulesen, was aber ein richtiges Resultat nicht ge- 
geben hätte. 

Um diesen Uebelständen vorzubeugen, wurde vor und hinter 
die betreffende, bezw. mit dem Distanzmesser annähernd bestimmte 
Entfernung, auf welche eine Beobachtungsreihe sich beziehen sollte, 
ein 3 m langer, in Decimeter eingetheilter Stab gelegt — und zwar 
in die Zielrichtung — , und in jedem einzelnen Meter je 4 Willkür- 




Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachcn desselben. 57 

liehe und zufällige Lattenaufstellungen gemacht. Es fanden also 
3.4 = 12 Aufstellungen vor und 12 hinter dem bezüglichen runden 
Entfern ungsmaass statt. Bei den Entfernungen 400 und 500 m 
wurde statt des 3 m langen Stabs ein solcher von 6 m ange- 
wendet und in jedem Meter 2 Aufstellungen gemacht. Das Ent- 
fernungsmittel aus allen 24 Aufstellungen fällt also wieder annähernd 
auf das runde Entfernungsmaass. Durch dieses Verfahren und die 
angewendete Berechnungsweise konnte ein anderweiter Nachtheil 
nicht entstehen. 

Alle Distanzablesungen auf der Latte sind gemacht worden, 
ehe dem Beobachter die wahre Lattenentfernung bekannt war. Erst 
nachdem die Erstere in das Feldbuch eingetragen war, wurde die 
zugehörige Lattenentfernung beigeschrieben. Bei grösseren Entfer- 
nungen als 100 m konnten die Lattenstellungen sogar erst nach 
Schluss der Messungen eingetragen werden, weil durch Rufen die 
Verständigung vom Instrumente zur Latte nicht mehr unzweideutig 
möglich war. 

Die Distanzlatte war nach ihrer Rechtstellung stets durch 2 
Stöcke (s. Fig. 1—3) unterstützt und festgehalten. 

Die Neigung der Zielrichtung gegen die Horizontale hat bei 
dem eingeschlagenen Verfahren keinen weiteren Werth, jedoch möge 
bemerkt sein, dass dieselbe bei den folgenden Distanzmessungen 
zwischen 0 und höchstens — 3° lagen. 

Die sonst noch wichtigen Verhältnisse sind hier nachfolgend 
erwähnt. Die angegebene Zeit in Stunden bezieht sich auf die 
Dauer der eigentlichen Distanzmessungen von der Ablesung Nr. 1 
bis 24 und die zur Instruments-Aufstellung und -Wegräumung be- 
nutzte Zeit ist darin nicht enthalten. Man kann also aus dieser 
Zeitangabe annähernd beurtheilen, wie viele Minuten zu einer Lat- 
tenaufstellung, Einvisirung und sorgfältigster Ablesung durchschnitt- 
lich benutzt worden sind. 

Ein Windschirm ist bei den Beobachtungen nicht benutzt wor- 
den, weil ein solcher nicht gerade zur Hand war und weil endlich 
auch, als der Wind anting sehr störend zu werden, das Instrument 
in den Windschutz von Gebäuden oder des Waldes gestellt werden 
konnte. Der Wind ist bekanntlich für Beobachtungen am Instru- 
ment ein äusserst lästiger Factor, der besonders die zu erreichende 
Genauigkeit einer Visur ausserordentlich stört. Nur ein verhält- 
nissmässig leichter Wind genügt, das Fernrohr — auch bei stabil- 
stem Stativ und sonstigem solidesten Bau — um 1 — 2 — und sogar 
4" aus seiner Richtung zu bringen, bezw. eine zitternde Bewegung 
hervorzurufen. Dagegen kann die gut unterstützte Distanzlatte 
auch schon etwas stürmischen Wind vertragen. 

Bezüglich der allgemeinen Reinheit der Luft wäre hinzuzufügen, 
dass die Beobachtungen im württembergischen Allgäu in einer 
durchschnittlichen Meereshöhe von ca. 620 m gemacht wurden. 

Folgende Zeichen sind benutzt: 

u = distanzmessender Winkel, 



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58 Wagner, lieber die mit dem Rcichenbach’schen Distanzmesser erreichbare 

d = wirkliche Entfernung von der In tr umentsmitte bis zur 
Distanzlatte, 

J = kleinstes Eintheilungsintervall der Distanzlatte, 

ö = Fehler einer einzelnen Distanzmessung gegen das arith- 
metische Mittel, 

»n— mittlerer Fehler einer einzelnen Distanzmessung, 

f( = mittlerer F’ehler des arithmetischen Mittels, 

M= wahrscheinlicher Maximalfehler in einer Beobachtungsreihe. 

(Siehe Tabelle auf folgender Seite.) 

In gleicher Weise wie die vorstehende Beobachtungsreihe Nr. 2 
wurden im Ganzen 18 Beobachtungsreihen mit je 24 Einzelbeob- 
achtungen ausgeführt und berechnet. Der Raumersparniss halber 
ist hier eine Reihe angeführt und zwar Nr. 2 und nicht Nr. 1, weil 
in letztgenannter Reihe das arithmetische Mittel sich zufällig zu 0 
gestaltete und dadurch die Ausfüllung der Colonne 5 überflüssig 
wird. Die begleitenden Nebenumstände bei den jedesmaligen Reihen 
werden hier mitgetheilt und folgt dann aber eine Zusammenstellung, 
aus welcher die Resultate aller 18 Reihen ersichtlich sind. 

Nur bei den kleineren Entfernungen und zwar in den Reihen 
Nr. 1, 2, 8, 9, 15, 16, 17 und 18 konnte beim Ablesen auf der 
Latte die 2. Decimalstelle noch erhalten werden, bei den weiteren 
Entfernungen war nur die erste Decimalstelle ablesbar. Ferner ist 
bei weiteren Entfernungen in einer Beobachtungsreihe nicht die 
Reihenfolge der Latteustandpunkte insofern eingehalten worden, 
dass am nächstgelegenen Punkte begonnen und am entferntesten 
aufgehört wurde (wie in Reihe Nr. 2 ersichtlich), sondern es wurden 
die Standpunkte ausser dieser regelmässigen Reihenfolge gewählt, 
damit vor der Ablesung dem Beobachter der Lattenstandpunkt in 
jeglicher Beziehung unbekannt blieb. 

Beobachtungsreihe Nr. 1. Den 28. April 1884, Nachmittags 
3 bis 4 Uhr. Mittleres d = 50m. Instrument und Visirlinie wie 
Reihe Nr. 2. Bei Einstellung des Nullfadens auf den Nullpunkt 
der Distanzlatte wird der 5 mm breite Streifen mit Vortheil be- 
nutzt. Himmel, Beleuchtung und Wind wie bei Reihe Nr. 2. 

Beobachtungsreihe Nr. 3. Den 28. April 1884, Nachmittags 

von 5.45 bis 6.20. Mittleres d=150m. Instrument und Visirlinie 
wie Reihe Nr. 2. Der Nulifaden wird in den 5 mm breiten Streifen 
des Lattennullpunktes eingestellt. Himmel, Beleuchtung und Wind 
wie Reihe Nr. 2. 

Beobachtungsreihe Nr. 4. Den 29. April 1884, Vormittags 9 I /«bis 
IOV4. Mittleres ri = 200m. Instrumentsstandpunkt wie Reihe Nr. 1. 
Die Visirlinie liegt in nordöstlicher Richtung seitwärts der Strasse 
über eine ebene Wiese hin. Der Nullfaden wird in den 10 mm 
breiten Streifen des Lattennullpunkts eingestellt. Der Himmel ist 
umwölkt, die Beleuchtung sehr gut. Anfänglich ist geringe, später 
stärkere Oscillation der Lichtstrahlen vorhanden. Der Wind, welcher 
anfangs nur wenig belästigt, wird von etwa Nr. 12 ab sehr störend 
und macht das Instrument fast fortwährend erzittern. 



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Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen derselben. 59 



Versuche über die erreichbare Genauigkeit mit dem Reichenbach’schen 

Distanzmesser. 

Beobachtungsreihe Nr. 2. 

Den 28. April 1884, Nachmittags 4'/« bis fy'ji Uhr. 

Mittleres d — 100 in. (Bezeichnungen s. S. 58.) 

Tang. « = 0,01. 

Das Instrument steht am Rande einer Staatsstrasse. Die Yisir- 
linie liegt am Rande der Strasse in nördlicher Richtung. 

J — 1 cm. Bei Einstellung des Nullfadens auf den Nullpunkt 
der Distanzlatte wird der 5 mm breite Streifen mit Vortheil benutzt. 

Der Himmel ist ganz bewölkt , die Beleuchtung sehr gut. 
Etwas Wind macht das Instrument fast fortwährend leicht erzittern. 



I. 

Nummer 

der 

Beobachtung. 


1. 

Ables. 


3. 

Entf. 


4. 

Differenz. 
“I* 1 — ** 


+ 


5. 

Fehler. 

1 


0. 


1 


cm 

97,10 


m 

97,14 


cm 


cm 

4 




9 


81 


2 


97,30 


97,42 




12 




17 


289 


3 


97,70 


97,70 


0 


0 


. 


5 


25 


4 


97,90 


97,88 


2 






3 


9 


5 


98,20 


98,15 


5 




0 


0 


0 


6 


98,50 


98,43 


7 




2 




4 


7 


98,75 


98.67 


8 




3 




9 


8 


99,00 


98,90 


10 




5 


. 


25 


9 


99,10 


99,10 


0 


0 




5 


25 


10 


99,40 


99,42 




2 


• 


7 


49 


11 


99,80 


99,65 


15 




10 


. 


100 


12 


99,95 


99,90 


0 


. 


0 


0 


0 


13 


100,20 


100.20 


0 


0 


. 


5 


25 


14 


100,50 


100,40 


10 




5 


, 


25 


15 


100.70 


100,62 


8 




3 




9 


16 


100,95 


100,85 


10 




5 




25 


17 


101,20 


101,15 


5 




0 


0 


0 


18 


101,40 


101,38 


2 






3 


9 


19 


101.70 


101,60 


10 




5 


. 


25 


20 


102,00 


101,85 


15 




10 


. 


100 


21 


102,20 


102,15 


5 




0 


o 


0 


22 


102,40 


102,40 


0 


0 




5 


25 


23 


102,70 


102,60 


10 




5 




25 


24 


102,90 


102,88 


2 






3 


9 


Summe 

Arithm. 


Mittel 




129 

5 


18 


53 


62 


893 



m 



1 / 893 

V 24 — 1 “ 



+ 6,23 cm = 



62,3 
100 ' • 



1 

tätig l". 100000 



= + l,29Secund. 



8 — 



6,23 
V 24 



= + 1,27 „ = 0,26 Secunden 



Al (Nr. 2) = 




17 + 1)3 — 13)3 cm = 3,8 Secunden 



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1 



60 Neue Schriften üb. Vermessungswesen. Gesetze u. Verordnungen. 

Beobachtungsreihe Nr. 5. Den 29. April 1884, Vormittags 1 0 ^ 
bis 1 1 Mittleres d = 250 m. Das Instrument steht im Wind- 
schutze eines Waldes. Die Visirlinie geht in nordwestlicher Rich- 
tung über eine ebene Wiese, eine Strasse, einen kleinen Eisenbahn- 
einschnitt und dann wieder eine grössere, fast horizontale und ebene 
Wiese. Der Nullfaden wird in den 20 mm breiten Streifen des 
Lattennullpunktes eingestellt. Der Himmel ist ganz unbewölkt, 
Beleuchtung grell, Wind massig. Anfänglich ist geringe Oscillation 
der Lichtstrahlen vorhanden, gegen Ende der Reihe wird sie so 
stark, dass kaum mehr abgelesen werden kann. 

(Fortsetzung folgt.) 



Neue Schriften über Vermessungswesen. 

Instruktion für neue Katastermessungen in Bayern. Veröffentlicht 
durch höchste Bekanntmachung des K. Staatsministeriums der 
Finanzen vom 25. Juni 1885 Nr. 7583. München. Druck der 
K. Hofbuchdruckerei E. Huber. 

Mittheilungen des Kaiserl. Königl. Militär-Geographischen Institutes. 
Herausgegeben auf Befehl des K. K.Reichs-Kriegs-Ministeriums. 
V. Band 1885. Mit 18 Beilagen. Wien 1885. Verlag des K. K. 
Militär-Geographischen Institutes. In Commission bei R. Lechner, 
K. K. Hof- und Universitäts-Buchhändler in Wien. 

Publication der Königl. Württembergischen Commission für Euro- 
päische Gradmessung. Präcisions-Nivellement. Ausgeführt unter 
der Leitung von Professor Dr. v. Schoder. Ausgeglichen von 
demselben. Stuttgart. Druck der J. B. Metzler’schen Buch- 
druckerei. 1885. 



Gesetze und Verordnungen. 

Verfügung, betreffend die am 1. Februar 1886 in Kraft tretenden Ge- 
bührensätze der bei den preussischen Generalkommissionen beschäf- 
tigten Vermessungsbeamten. 

Auf Grund des §. 14 des Gesetzes vom 24. Juni 1875 (G.-S. 
S. 395) und 3. März 1877 (G.-S. S. 99), sowie des §. 29 des Gesetzes 
vom 17. Januar 1883 (G.-S. S. 7) werden nach Einvernehmen mit 
dem Herrn Finanzminister für die von den Auseinandersetzungs- 
behörden dauernd und ausschliesslich beschäftigten Vermessungs- 



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Gesetze und Verordnungen. 



61 



beamten unter Aufhebung des Circularerlasses vom 25. März 1885*) 
Nr. I. 4434 an Stelle der §§. 37, 39, 40, 41, 43, 47 der unterm 
26. August 1885 **) getroffenen Abänderung des Reglements für die 
öffentlich anzustellenden Land-(Feld-)messer vom 2. März 1871 
(G.-S. 1871 S. 101/112, G.-S. 1885 S. 319) folgende Bestimmungen 
erlassen : 

A. Art der Bezahlung. 

Die Bezahlung der von den vorgedachten Vermessungsbeamten 
in Auseiuandersetzungssachen gelieferten Arbeiten erfolgt bezüglich 
derjenigen unter ihnen, welchen eine etatsmässige Stelle mit Gehalt 
und Wohnungsgeldzuschuss verliehen worden ist, zu einem Theile 
durch diese feste Besoldung und zum anderen Theile ebenso, wie 
bezüglich der übrigen Vermessungsbeamten, sofern nicht besondere 
Entschädigungssätze von der Auseinandersetzungsbehörde festgestellt 
oder von derselben mit dem betreffenden Vermessungsbeamten 
vereinbart sind, nach Tagesdiäten oder jederzeit widerruflichen 
Monatsdiäten. 

B. Etatsmässige Stellen für Vermessungsbeamte. 

Die Anzahl der etatsmässigen Stellen und die Höhe des Gehalts, 
sowie der damit verbundenen Pensionsberechtigung werden durch 
den Staatshaushalts-Etat festgestellt. Die Verleihung der Stellen 
und die Aufrückung der angestellten Vermessungsbeamten in die 
höheren Gehalts- und Pensionsberechtigungsstufen erfolgen von 
hier aus nach Massgabe des Dienstalters und der Tüchtigkeit der 
in Frage stehenden Beamten. 

C. Bezahlung der Vermessungsrevisoren. 

Vermessungsrevisoren werden für Geschäfte und Reisen, welche 
sie behufs Feststellung der Richtigkeit von Feldmesserarbeiten aus- 
zuführen haben, sowie für die ihnen übertragenen Rektifikationen 
als unrichtig anerkannter Arbeiten nach den für die Vermessungs- 
beamten der Auseinandersetzungsbehörden geltenden Bestimmungen 
bezahlt. 

D. Tagesdiäten. 

Die Tagesdiäten betragen : 

1. bei den etatsinässig angestellten Vermessungsbeamten 5 Jk, 

2. bei den nicht etatsmässig angestellten Vermessungsbeamten 
nach den von mir zu treffenden besonderen Bestimmungen bis zu 
8 Jt, im Durchschnitt 7,50 Jk., 

für einen Arbeitstag von 8 Stunden und für jeden Reisetag 
ohne Unterschied, ob an dem letzeren auch gearbeitet worden ist 
oder nicht. 

*) wodurch ebenfalls die Circularerlasse vom 4. Januar 1877, vom 12. October 
1881 (8. 442 Band X. Jahrgang 1881 dieser Zeitschrift), sowie die Verfügung 
vom 7. Juni 1882 aufgehoben sind. 0. Red. G. 

**) Siehe S. 362 Jahrg. 1885 dieser Zeitschrift. 



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62 



Gesetze und Verordnungen. 



Diese Diäten können bei Arbeiten ausserhalb des Wohnorts auch: 

a. für solche Tage, an denen die Witterung das Arbeiten im 
Felde verhindert, sowie 

b. für die zwischen den Arbeitstagen liegenden Sonn- und 
Festtage, mit Ausschluss derjenigen Fälle, in denen ein Sonn- und 
Festtag oder mehrere Festtage unmittelbar aufeinander folgen, liqui- 
dirt werden, insoweit diese Tage von dem Vermessungsbeamten 
ausserhalb seines Wohnorts haben zu gebracht werden müssen, was 
für jeden einzelnen Fall der Prüfung und Entscheidung der Fest- 
setzungs- und Revisionsbehörde unterliegt. 

Dagegen darf neben den Tagesdiäten (für die volle Zeit der 
Kalendertage) eine Bezahlung für Ueberstunden nicht gefordert 
werden, soweit solche nicht in einzelnen Fällen angeordnet oder 
vereinbart ist. 

E. M o n a t s d i ä t e n. 

Den Vermessungsbeamten können an Stelle der zu D. vor- 
stehend aufgeführten Tagesdiäten jederzeit widerrufliche Monats- 
diäten bis zum Betrage von 210 Jk., im Durchschnitt 175 Jk. nach 
den von mir zu treffenden besonderen Bestimmungen bewilligt werden. 

Neben den Monatsdiäten darf eine Vergütung für Ueberstunden 
nicht erfolgen. 

F. Reisekosten. 

Die Vermessungsbeamten erhalten, wenn sie Geschäfte ausser- 
halb des Ortes, an welchem sie ihren Wohnsitz haben, in einer 
Entfernung von nicht weniger als 2 Kilometer verrichten, ein- 
schliesslich der Fortschaffung der Karten und Instrumente folgende 
Reisekosten : 

1. wenn, bezw. soweit die Reise auf Eisenbahnen oder auf 

Dampfschiffen gemacht werden kann, für 1 Kilometer 13 und 

ausserdem für jeden Zu- und Abgang zusammen 3 Jk . ; 

2. wenn, bezw. soweit die Reise nicht auf Eisenbahnen oder 
auf Dampfschiffen zurückzulegen ist, einschliesslich der Auslagen 
für Chaussee-, Brücken- und Fährgelder, für 1 Kilometer 40 ,Sj. 

Haben erweislich höhere Reisekosten, als die vorstehend be- 
stimmten, aufgewendet werden müssen, so werden diese erstattet. 

Die Reisekosten werden, und zwar hei Reisen auf dem Land- 
wege, nach dem nächsten fahrbaren Wege für Hin- und Rückreise 
besonders berechnet. Hat jedoch der Vermessungsbeamte Dienst- 
geschäfte au verschiedenen Orten unmittelbar nacheinander aus- 
gerichtet, so ist der von Ort zu Ort zurückgelegte Weg ungetheilt 
der Berechnung der Reisekosten zu Grunde zu legen. 

Bei Berechnung der auf einer Reise zurückgelegten gesammten 
Entfernung wird jedes angefangene Kilometer für ein Kilometer 
gerechnet. Bei Reisen, bei welchen die zurückgelegte Entfernung 
nicht weniger als 2 Kilometer, aber unter 8 Kilometer beträgt, 
werden Reisekosten, und zwar sowohl für den Hin- als für den 
Rückweg für volle 8 Kilometer gewährt. 



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Gesetze und Verordnungen. 



63 



G. Abzuliefernde Arbeiten. 

Nach Vollendung seiner Arbeiten hat der Vermessungsbeamte, 
sofern nicht bei Ertheilung des Auftrages andere Bestimmungen 
oder Vereinbarungen getroffen worden sind, folgende Gegenstände 
gehörig geordnet abzuliefern : 

1. die bei Ausführung des Geschäfts geführten Akten, welche 
alle auf die Arbeit Bezug habenden Schriftstücke enthalten müssen; 

2. die sämmtlichen im §.13 des Feldmesser- Reglements be- 
zeichnten Vermessungs- und Nivellementsmanuale (Feldbücher), 
überhaupt alle Arbeiten, die zur Auftragung gedient haben, ebenso 
die etwaigen Berechnungen, trigonometrischen Sätze, sowie die 
speziellen Flächenberechnungen, dieselben mögen nach Original- 
oder Cirkelmassen oder mit besonderen zur Flächenberechnung 
geeigneten Instrumenten bewirkt sein ; 

3. sämmtliche Register, das Concept des Vermessungs- und 
Bonitirungsregisters und die Reinschrift desselben, soweit es die 
Vermessung betrifft; 

4. die nach §.16 des Feldmesser- Reglements vorschriftsmässig 
aufgetragene und deutlich gezeichnete Brouillon-(Ur-)Karte; 

5. eine Copie der Brouillonkarte (I. Reinkarte) ; 

6. die polygonometrischen Arbeiten, welche zur Genügung der 
Vorschrift in den §§. 3 ff der Bestimmungen des Centraldirektoriums 
der Vermessungen vom 29. Dezember 1879 über den Anschluss der 
Spezialvermessungen an die trigonometrische Landesvermessung er- 
forderlich sind *) 

Sowohl zur Ur- (Brouillon-), als auch zur Reinkarte muss 
Velinpapier guter Qualität genommen werden, welches auf feine 
Leinwand oder Cattun so lange Zeit vor dem Gebrauch sorgfältig 
aufzuziehen ist, dass ein nachtheiliges Verziehen nicht mehr statt- 
finden kann. 

H. Gebührensätze.**) 

Erfolgt auf Grund einer von der Auseinandersetzungsbehörde 
getroffenen Anordnung oder auf Grund einer von derselben mit 
dem Vermessungsbeamten geschlossenen Vereinbarung die Bezahlung 
der in Auseinandersetzungssachen gefertigten Land-(Feld-)messer- 
arbeiten nach Gebührensätzen, so finden — falls keine Abweichungen 
angeordnet oder vereinbart sind — folgende Bestimmungen An- 
wendung : 

*) Siehe S. 168 Bd. X. Jabrg. 1881 dieser Zeitschrift. 

**) Hierbei ist zu erwähnen, dass die Landmesser und Revisoren auf Grund 
des §. 14 des Gesetzes, betreffend die nach dem Gesetz über das Kostenwesen 
in Auseinandersetzungssachen vom 24. Juni 1875 zu gewährenden Tagegelder, 
Reisekosten und Feldzulagen vom 3. März 1877 (Gesetzsammlung S. 99 pro 1877) 
ausserdem für jeden Kalendertag, welchen sie behufs Erledigung der Geschäfte 
in nicht weniger als 2 Kilometer Entfernung von ihrem gewöhnlichen Wohn- 
ort nothwendig zubringen müssen, noch eine Feld- und Reisezulage von 4,50 .fc. 
erhalten, bei mehrtägiger Abwesenheit dagegen für jeden Tag 6 Jl. liquidiren 
können, gleichviel, ob es sich um Diäten- oder Gebülirentarile handelt. 

Die Red. G. 



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64 



Gesetze und Verordnungen. 



I. Bei Vermessungen, welche den Bedingungen entsprechen, 
die an eine für eine Auseinandersetzungsangelegenheit bestimmte 
Aufnahme gestellt werden müssen, erhalten die Vermessungsbeamten 
für sämmtliche Arbeiten und die nach der Vorschrift unter Lit. G. 
abzuliefernden Gegenstände : 

1. bei ebenem Terrain für jedes in einer besonderen Feld- 
oder Forstabtheilung der vermessenen Fläche liegende, einem Be- 
sitzer gehörige, rings von anderen Besitzständen umgebene Stück: 
a. von 1 Hektar und darunter bis 15 Hektar, pro Hektar 1,00 A 



b. über 15 bis 25 Hektar, pro Hektar 0,60 > 

c. von mehr als 25 Hektar, pro Hektar 0,50 > 



2. bei koupirtem, bergigem oder sonst schwierigen Terrain je 
nach der Beschaffenheit desselben 10 bis 20 Prozent vorstehender 
Sätze mehr; 

3. ausserdem für jedes Stück unter 15 Hektar, welches auf 
der Karte mit einer besonderen Nummer bezeichnet werden musste, 
0,25 A 

II. Die trigonometrischen Arbeiten, welche zur Genügung der 
Vorschriften in den §§. 1 ff. der Bestimmungen des Centraldirek- 
toriums der Vermessungen vom 29. Dezember 1879 über den An- 
schluss der Spezialvermessungen an die trigonometrische Landes- 
vermessung ausgeführt sind, werden in folgender Weise vergütet: 

1. Für die vollständige Ausführung der Triangulation ein- 
schliesslich der dauerhaften Vermarkung der trigonometrischen 
Punkte, insbesondere für die Ausführung der Winkelmessung und 
der hierher gehörigen Centrirungs- und sonstigen Hilfsrechnungen, 
für die Berechnung der Coordinaten der trigonometrischen Punkte 
einschliesslich der Herleitung der rechtwinkeligen Coordinaten aus 
den geographischen Coordinaten, für die aus der Triangulation der 
Landesaufnahme gegebenen Punkte und dergleichen mehr, endlich 
für die Anfertigung der trigonometrischen Netzkarte und für alle 
sonstigen hiernit in Verbindung stehenden Arbeiten können 



für jeden 


trigonometrischen Punkt 


Preis I . 


10 A 


» II . 


15 » 


» III . 


20 . 


» IV . 


25 > 



mit folgenden Massgaben liquidirt werden. 

2. Die Gebühren unter laufender Nummer 1 finden nur An- 
wendung für diejenigen neu bestimmten Punkte, auf welchen eine 
Winkelmessung wirklich stattgefunden hat, während für die ledig- 
lich durch Vorwärtseinschneiden bestimmten Punkte, auf denen die 
Winkel nicht gemessen worden, die Hälfte der gedachten Gebühren 
zu liquidiren ist. 

3. Bis zur Hälfte der Gebühren unter laufender Nummer 1 
kann auch für diejenigen durch eine bereits vorhandene Triangu- 
lation gegebenen Punkte bewilligt werden, welche zur Bestimmung 



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Gesetze und Verordnungen. 



65 



weiter trigonometrischer Punkte gedient haben, falls auf den erst 
gedachten Punkten die Winkel wirklich gemessen sind. 

4. Die Gebühren unter laufender Nummer 1 dürfen für einen 
und denselben Punkt nur einmal zum Ansatz kommen. 

5. Die Anzahl der neu bestimmten Punkte darf in der Regel 
nicht grösser sein, als dass durchschnittlich je ein Punkt im mitt- 
leren Terrain auf eine Fläche von 100 Hektaren, in gebirgigem 
Terrain auf eine Fläche von 75 Hektaren, da aber, wo umfangreiche 
Waldungen oder Haiden zu vermessen sind, namentlich in ebenem 
Terrain, auf eine Fläche von 150 Hektaren entfällt. Ist eine 
grössere Anzahl von trigonometrischen Punkten bestimmt worden, 
so dürfen, falls dieselben überhaupt nothwendig zu bestimmen 
waren, im mindesten Ausmaass 4 neu bestimmte Punkte nach den 
vollen Gebühren zu laufernder Nummer 1, alle übrigen zur Hälfte 
dieser Gebühren vergütet werden. 

6. Von den unter laufender Nummer 1 aufgeführten Preis- 
sätzen dürfen die Preise III und IV nur angewendet werden, wenn 
die Punktenbestimmung durch > Einschneiden« die Regel bildet; 
im Uebrigen sind anzuwenden : 

a. der Preis I bei offenem, übersichtlichen Terrain, in welchem 
die Auslichtung von Visirlinien gar nicht oder nur in ganz ge- 
ringem Maasse erforderlich ist, auch sonstige erschwerende Um- 
stände nicht obwalten ; 

b. der Preis II unter mittleren Verhältnissen, insbesondere 
wenn Auslichtungen von Visirlinien zwar in grösserem Maasse Vor- 
kommen, aber doch nicht sehr zeitraubend sind ; 

c. der Preis III unter schwierigen Verhältnissen, insbesondere 
wenn die Auslichtung der Visirlinien in grösserem Umfange noth- 
wendig wird, oder wenn excentrische Winkelbeobachtungen auf 
Kirchthürmen und dergleichen mehr mit zeitraubenden Hilfs- 
messungen zur Bestimmung der Centrirungselemente in grösserer 
Ausdehnung auszuführen sind; 

d. der Preis IV unter den schwierigsten Verhältnissen, bei 
der Bestimmung von Punkten der dritten oder einer noch höheren 
Dreiecksordnung, insbesondere, wenn kostspielige Signalbauten er- 
forderlich, ferner bei Punkten der vierten Dreiecksordnung, wenn 
sehr zeitraubende Auslichtungen der Visirlinie in Holzpflanzungen 
und dergleichen mehr nothwendig sind oder sonst sehr erhebliche 
Schwierigkeiten obwalten. 

HI. Das Copiren von Karten wird derart bezahlt, dass für den 
zehnten Theil eines Quadratmeters des bezeichneten Raumes, wobei 
die Schrift in mässiger, der Deutlichkeit entsprechenden Grösse 
mitzurechnen ist, gewährt werden : 

bei einem Maassstabe von 

1 / 2500 der natürlichen Grösse 4,30 Ji>. 

1 / 3000 > > > 4,65 > 

1 / 4000 > » > 5,65 > 

1/5000 > > > 6,00 > 

Zeitschrift für Yermessuogswesen. 1886. 3. lieft. 5 

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66 



Gesetze und Verordnungen. 



J. Schlussbestimmungen. 

Soweit im Vorstehenden keine »bändernden Vorschriften ge- 
troffen sind, finden die Bestimmungen der unterm 26. August 1885 
getroffenen Abänderung des Reglements für die öffentlich anzu- 
stellenden Land-(Feld-)messer vom 2. März 1871 (G.-S. S. 319) *) 
auch auf die Auseinandersetzungssacheu Anwendung. 

Diese Verfügung tritt mit dem 1. Februar 1886 in Kraft. 
Berlin, den 8. Januar 1886. 

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. 

(gez.) Lucius. 

An sämmtliche Königliche Generalcommissionen, die 
Regierung zu Wiesbaden und au das Königliche 
Oberlandesculturgericht hier. G. 



Circular-Erlass. betreffend die Veranstaltung besonderer Ausgaben des 
Druckwerks Uber die Landestriangulation. 

Berlin, den 5. Januar 1886. 

Nach einer Mittheilung des Herrn Chefs des Generalstabes 
der Armee sollen von demjenigen Theile des Druckwerkes über die 
Landestriangulation, welcher die Coordinaten und Höhen enthält, 
künftighin Separatabdrücke gemacht werden, um dieses Werk zu 
einem billigem Preise allgemein zugänglich zu machen. Während 
die bisher erschienenen 6 ersten Theile des Werkes, welche die 
Provinzen Ost- und Westpreussen, Pommern und Schleswig-Holstein 
umfassen, nach Meridianen und Parallelkreisen begrenzt wurden, 
sollen in Zukunft in jedem Theil ein oder mehrere Regierungs- 
bezirke in sich abgeschlossen zur Darstellung gelangen. Der jetzt 
nach dieser Neuordnung fertig gestellte Theil VII. behandelt den 
Regierungsbezirk Oppeln. Für das ganze Staatsgebiet sind 24 
solcher Theile vorgesehen. 

Der Vertrieb ist der hiesigen E. S. Mittler ' sehen Hofbuch- 
handlung übertragen und der Preis pro Exemplar auf 2 Jk. fest- 
gestellt worden. 

Der Minister der öffentlichen Arbeiten. 

Im Aufträge: 
gez. Schultz. 

An die Königlichen Regierungspräsidenten u. s. w. 

III. 21 130, II. a. 21 390, I. 6944. 

(Vergleiche die amtlichen Mittheilungen des Centralblattes für Bauver. 
waltung vom 16. Januar 1886, Nr. 3. 0.) 

*) Siehe S. 362 Bd. XIV. Jahrg. 1885 dieser Zeitschrift. 



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Gesetze und Verordnungen. 



67 



Richterliche Entscheidung Uber Miethsteuerzahlung. 

Das Königliche Oberverwaltungsgericht zu Berlin hat am 
14. September d. J. eine Entscheidung getroffen, welche wir ihrer 
Wichtigkeit für eine grosse Anzahl unserer Fachgenossen wegen 
nachstehend in ihrem Wortlaute veröffentlichen. 



Im Namen des Königs. 



In der Verwaltungsstreitsache 

des vereideten Feldmessers N. zu Berlin, Klägers und Revi- 
sionsklägers, 
wider 

den Magistrat der Königlichen Haupt- und Residenzstadt 
Berlin, Beklagten und Revisionsbeklagteu, 
hat das Königliche Oberverwaltungsgericht zweiter Senat, in seiner 
Sitzung vom 14. September 1885, 

an welcher der Senats-Präsident Jebens und die Räthe: Frei- 
herr von Frank, Jacobi, Friedrichs und HahnTheil genommen 
haben, 

für Recht erkannt, 



dass auf die Revision des Klägers die Entscheidung des Be- 
zirksausschusses zu Berlin vom 14. April 1885 aufzuheben und 
der Beklagte in Höhe von 10 Jk. 50 ^ zur Wiedererstattung 



der vom Kläger 



pro 



1. Oktober 1884 
31. März 1885 



gezahlten 



Miethss teuer 



für verpflichtet zu erachten, auch die Kosten beider Instanzen 
— unter Festsetzung des Werths des Streitgegenstandes auf 
10 Jh. 50 — dem Beklagten aufzuerlegen. 

Von Rechtswegen. 



Gründe. 

Der Kläger war pro 1884/85 zunächst mit einer vierteljährlichen 
Miethssteuer (Regulativ für die Erhebung der Haus- und Mieths- 

steuer in der Haupt- und Residenzstadt Berlin vom | ß^ Septembei 

lo. November 

1858) von 5 25 veranlagt; vom 1. Oktober 1884 ab erfolgte 

indess eine Erhöhung dieses Betrages auf 10 Ji>. 50 $ und zwar 
— wie dem Kläger auf eine Rückfrage erwidert wurde — weil er 
nach einer Auskunft des Königlichen Eisenbahnbetriebsamtes Berlin- 
N. nicht zu den in den unmittelbaren Staatsdienst übernommenen 
Beamten gehöre, mithin auf die Steuerbenefizien des Gesetzes vom 
11. Juli 1822 keinen Anspruch habe. Auch auf den hiernächst er- 
hobenen Einspruch des Klägers vom 29. Dezember 1884, in welchem 
derselbe die Eigenschaft eines Staatsbeamten für sich in Anspruch 
nahm, erging unter dem 14. Februar 1885 ein ablehnender Bescheid 
der Steuer- und Einquartierungs-Deputation des Magistrats (Ab- 
theilung I.) und gegen diesen Bescheid richtet sich die vorliegende 
Klage vom 1. — 2. März 1885, deren Antrag dahin geht, 

5 . 



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68 



Gesetze und Verordnungen. 



dass der Magistrat zur Rückzahlung der vom Kläger im 
Steuerjahre 1884/85 zu viel gezahlten Miethssteuer im Betrage 
von 10 JL. 50 verurtheilt werde. 

In erster Instanz ergab sich als unstreitig Folgendes: 

Am 5. Mai 1866 ist dem Kläger, nachdem er als Feldmesser 
von der Königlichen Regierung zu N. bestellt worden war. in deren 
Aufträge von dem dortigen Oberbürgermeister der allgemeine Staats- 
dienereid abgenommen worden — mit den Eingangsworten: 

. . . nachdem ich zum Feldmesser der Königlich Preussischen 
Staaten bestellt worden bin . . . 

Zufolge Vertrages mit der . . . Eisenbahngesellschaft übernahm er 
dann bei dieser eine mit einem fixirten Gehalte verbundene, übri- 
gens der Kündigung binnen 3 Monaten unterworfene Feldmesser- 
stelle. Nachdem weiter der §. 9 des dem Gesetze vom ... Dezember 
1879 beigedruckten Vertrages, betreffend den Uebergang jenes Unter- 
nehmens auf den Staat, bestimmt hatte : 

Das gesammte Beamten- und Dienstpersonal . . . tritt mit 
dem Uebergange des Unternehmens auf den Staat in den Dienst 
der Königlichen Verwaltung über, welche die mit jenem Per- 
sonale zur Zeit bestehenden Verträge zu erfüllen hat, 
lehnte der Kläger zwar die Uebernahme in den unmittelbaren 
Staatsdienst ab ; dagegen wurde er auf Grund des von ihm mit der 
Gesellschaft eingegangenen Vertrages vom Staate übernommen; 
insbesondere bezieht er auf Grund dieses Vertrages für die nun- 
mehr dem Staate geleisteten Dienste seit der Verstaatlichung ein 
fixirtes, in monatlichen Raten zahlbares Jahresgehalt von 4000 ,A 
aus der Staatskasse. Beschäftigt wird er von der Königlichen Eisen- 
bahndirection zu N. beziehungsweise dem Königlichen Eisenbahn- 
betriebsamte Berlin-N. und zwar im Bereiche der früheren . . . . - 
Eisenbahngesellschaft. »Im Interesse des Dienstes< ist er seit dem 
1. März 1884 von N. nach Berlin versetzt. In N. war übrigens bereits 
unter dem 30. März 1880 seine Freilassung von Zahlung des Bür- 
gerrechtsgeldes und seine kostenfreie Eintragung in die Bürgerrolle 
verfügt mit Rücksicht — wie es in dem der Klage beigefügten 
bezüglichen Schreiben des dortigen Magistrats heisst — darauf: 

»dass Sie für den Dienst einer öffentlichen Behörde vereidet 
sind und gegenwärtig im Dienste einer solchen beschäftigt 
werden, also zu den mittelbaren Staatsbeamten gehören«. 
Rechtlich führte zunächst der Kläger in erster Instanz Folgendes 
aus: Schon kraft seiner Vereidigung — als vereidetem Feldmesser 

wohne ihm die Eigenschaft eines Staatsbeamten bei 

(Ministerialrescripte vom 

31. Januar und 26. Oktober 1820 — von Kamptz, Annalen 
Band IV. Seite 7, 699, 

21. Juli 1828 — ebendaselbst Band XII. Seite 277, 

19. Oktober 1863, Ministerialblatt der innern Verwaltung 1881, 
Seite 179) 



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Gesetze und Verordnungen. 



69 



und daraus in Verbindung mit dem Bezüge fixirter Diäten aus einer 
Staatskasse für die nunmehr dem Staate geleisteten Dienste folge 
sein Recht auf die Steuerbenefizien des Gesetzes vom 11. Juli 1822, 
wenn er auch weder auf Staatspension Anspruch habe, noch — 
unbeschadet der Disciplinarbestimmungen des Feldmesserreglements 
vom 2. März 1871 (§.3) — unter dem Disciplinargesetze stehe, noch 
in den unmittelbaren Staatsdienst übernommen worden sei. Erst 
mittelst Entziehung seiner Bestallung im Disciplinarwege würde 
seine Eigenschaft als Staatsbeamter aufhören. 

Andrerseits machte der Beklagte geltend, dass der Kläger zu- 
nächst vor der Verstaatlichung des .... Eisenbahnunternehmens 
keinesfalls Beamter gewesen sei — unmittelbarer Staatsbeamter 
schon deshalb nicht, weil, abgesehen von dem Falle des besonderen 
Eintritts in ein amtliches Verhälltniss, von der Uebertragung der 
Funktionen eines öffentlichen Amts, die Feldmesser — der Vereidi- 
gung und eines gewissen Aufsichtsverhältnisses der Behörde uner- 
achtet — lediglich zu den Gewerbtreibenden gehörten; wie z. B. auch 
die Auktionatoren und die Wäger (§.36 der Reichsgewerbeordnung), 
ebensowenig aber etwa mittelbarer Staatsbeamter (Allgemeines Land- 
recht Theil II. Titel 10 §.69, Allerhöchste Kabinetsordre vom 14. Mai 
1832 — Gesetzsammlung Seite 145), da die genannte Gesellschaft 
eine einfache Erwerbs- (Actien)-Gesellscbaft rein privaten Charakters 
gewesen sei. Nach der Verstaatlichung des gedachten Eisenbahn- 
unternehmens aber habe der Kläger selbst durch Ablehnung der 
Uebernahme in den unmittelbaren Staatsdienst, also der dauerden 
Anstellung und damit auch der Beamteneigenschaft, den Wunsch 
zu erkennen gegeben, in dem bisherigen reinen Vertragsverhältnisse 
- — nunmehr zum Staate - — zu verbleiben, und demgegenüber sei es 
auch von keiner Bedeutung, dass er fortan die früheren fixirten 
Diäten aus der Staatskasse beziehe. Auf einen solchen besonderen 
Fall passe der Ministerialerlass vom 19. Oktober 1863 überhaupt 
nicht. So sehe denn auch die den Kläger beschäftigende Behörde, 
denselben nicht als Beamten, sondern nur als einen in privatem 
Vertragsverhältnisse stehenden Angestellten an. Wenn übrigens 
demjenigen, der mit amtlichen Funktionen betraut werde, während 
der Erledigung eines solchen Auftrages in strafrechtlicher Bezie- 
hung ein besonderer Schutz zukomme, beziehungsweise eine erwei- 
terte Verantwortlichkeit obliege und civilrechtlieh eine grössere 
Glaubwürdigkeit beigemessen werde, so sei das Alles noch nicht 
entscheidend für die Anwendbarkeit des — ohnehin gleich der 
Kabinetsordre vom 14. Mai 1832 strikt zu interpretirenden — Ge- 
setzes vom 11. Juli 1822. Demnach werde die Abweisung der 
Klage beantragt. 

Eben dahin erkannte denn auch der erste Richter, zugleich 
die Kosten — unter Festsetzung des Werths des Streitgegenstandes 
auf noch nicht 20 M* — dem Kläger auferlegend. In den > Grün- 
den < wird ausgeführt: Das Gesetz vom 11. Juli 1822 gewähre sein 
Steuerprivilegium nur den unmittelbaren Staatsdienern, die Aller- 



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Gesetze und Verordnungen. 



höchste Kabinetsordre vom 14. Mai 1832 auch den mittelbaren. 
Zu Unrecht gründe nun der Kläger die Behauptung, dass er un- 
mittelbarer Staatsdiener sei, auf die Thatsachen einmal einer Ver- 
eidigung und daneben des Gehaltsbezuges aus der Staatskasse. Die 
letztere Thatsache sei ganz unerheblich, wie denn auch ein Gehalts- 
bezug aus der Kasse einer Privatgesellschaft die Beamtenqualifika- 
tion noch keineswegs ausschliessen würde. Wie der Staatsdienst 
ein Staatsamt, d. b. eine dauernde Einrichtung zur selbstständigen 
Ausübung eines Regierungsrechts innerhalb eines gewissen Bezirks 
mit einer gewissen Competenz voraussetze, so sei auch nur der mit 
einem selchen Amte durch die Staatsgewalt Betraute ein »Staats- 
diener«. Davon könne aber beim Kläger, der bei der Verstaat- 
lichung der Bahn den Eintritt in den Staatsdienst ausdrücklich 
abgelehnt habe, keine Rede sein. 

Die von ihm zur Zeit geleisteten Dienste seien daher nicht der 
Ausfluss eines ihm übertragenen Staatsamts, sondern contractliche 
Leistungen aus einem civilrechtlichen Vertrage über Handlungen, 
in welchen als Gegeneon trahent nicht etwa der Staat als Träger 
der Staatshoheit, sondern der Fiskus als blos vermögensrechtliche 
Person eingetreten sei. Auf eben diesem Standpunkte stehe übrigens 
auch das Ministerialrescript vom 19. Oktober 1863, insofern daselbst 
hervorgehoben werde, das den vereideten Feldmessern die Benetizien 
des Gesetzes vom 11. Juli 1822 nur insofern zukämen, als sie that- 
sächlich zu den Staatsdienern gehörten. 

Der Kläger hat nunmehr noch das Rechtsmittel der Revision 
eingelegt, mit dem Anträge, 

die Vorentscheidung aufzuheben und dem Klageanträge ge- 
mäss zu erkennen. 

Seine erstinstanzliche Behauptung — so wird zur Begründung 
des Rechtsmittels ausgeführt — sei keineswegs wie der Vorderrichter 
irrthtimlich annehme, dahin gegangen, dass er unmittelbarer Staats- 
• diener sei, sondern — auch die Gegenerklärung des Beklagten be- 
stätige das — nur dahin, dass er Staatsbeamten - Eigenschaft besitze 
und mittelbarer Staatsbeamter sei, wie Solches den früher bereits 
angezogenen älteren Ministerialrescripten entspreche, während aller- 
dings fortan nach einem neueren Rescripte — vom 9. Juni 1883 
( Ministerialblatt der inneren Verwaltung Seite 143) — die geprüften 
Feldmesser erst, sobald sie von einer Staatsbehörde zu dauernden 
amtlichen Funktionen bestellt würden und demgemäss als Beamte 
zu verpflichten seien, mit dem entsprechenden Diensteide belegt 
werden sollten. Weiter stellt nunmehr der Kläger in Abrede, bei 
der Verstaatlichung der . . . Eisenbahn allgemein die Uebernahme 
in den Staatsdienst abgelehnt zu haben ; nur eine specielle ihm an- 
gebotene unmittelbare Staatsbeamtenstelle habe er ausgeschlagen, 
damit aber keineswegs aufgehört, vermöge seines Charakters als 
vereideter Feldmesser mittelbarer Staatsdiener zu sein — umso- 
weniger, als der Staat ihn in der für einen vereideten Feldmesser 
vorgesehenen technischen Eisenbahnsekretärstelledauernd beschäftige. 



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Gesetze und Verordnungen. 



71 



Der Beklagte dagegen bat, indem er die Ausführungen des 
Vorderrichters als zutreffend, die des Klägers aber — zumal hin- 
sichtlich der Begriffe des unmittelbaren und des mittelbaren Staats- 
beamten — als unklar und verfehlt bezeichnet, auf Bestätigung der 
Vorentscheidung angetragen. 

Es war, wie geschehen, zu erkennen. 

Unter dem Gesichtspunkte freilich, von welchem der Kläger 
selbst nunmehr ausgeht, erweist sich die Revision ohne Weiteres 
als unbegründet. Thatsächlich unrichtig ist es zunächst, wenn in 
der Revisionsschrift geltend gemacht wird, der Kläger habe schon 
in I. Instanz behauptet, » mittelbarer Staatsbeamter« zu sein, davon 
ergeben die Akten nichts und insoweit fehlte es auch für den Vor- 
derrichter an jedem Anlass zu einer auf diese Frage gerichteten 
Untersuchung. Weiter bedarf es aber auch nur des einfachen Hin- 
weises auf die für den legal-technischen Begriff des »mittelbaren« 
Staatsdieners massgebenden — bereits oben angezogenen — gesetz- 
lichen Bestimmungen, um ausser allen Zweifel zu stellen, dass die 
Voraussetzung, es gehöre der Kläger zu den dort hezcichneten mit- 
telbaren Staatsdieneru, er stehe — etwa gleich städtischen oder land- 
schaftlichen Beamten — im Dienste »gewisser dem Staate unter- 
geordneter Kollegien, Korporationen und Gemeinen« thatsächlich 
wie rechtlich jeden Anhalts ermangelt, wie denn dem Kläger auch 
die von ihm in Bezug genommenen Ministerialerlasse nach ihrem 
klaren Wortlaute hierin keineswegs zur Seite stehen. Vergeblich 
sucht inan gegenüber diesem, erst neuerlich vom Kläger aufgenom- 
menen rechtlichen Gesichtspunkte nach einer Antwort auf die dabei 
zunächst sich aufdrängende Frage, ivelches »dem Staate untergeord- 
nete Kollegium«, welche derartige »Korporation«, welche »Gemeine« 
es denn sein soll, in deren Diensten der Kläger — wenn er nicht 
eben dem Staate selbst dient — stehen will. Demnach erwächst 
auch daraus dem Kläger ein Grund zur Beschwerde nicht, dass der 
Vorderrichter von Amtswegen keine Veranlassung genommen hat, 
der Frage, ob etwa der Kläger mittelbarer Staatsdiener sei, näher 
zu treten. 

Dagegen konnte bei selbstständiger Prüfung (§. 97 des Landes- 
verwaltungsgesetzes vom 30. Juli 1883) die Vorentscheidung nicht 
aufrecht erhalten werden. 

Vorab sei den vorderrichterlichen Ausführungen gegenüber 
darauf hingewiesen, dass der Kläger in der Vorinstanz nicht erst 
aus dem Zusammentreffen zweier Thatsachen — aus seiner Vereidi- 
gung einerseits und aus dem aus der Staatskasse erfolgenden Ge- 
haltsbezuge anderseits — seine Beamteneigenschaft im Allgemeinen 
herleitete ; diese Folgerung gründete er vielmehr schon allein auf 
die erstere Thatsache und erst für die ebenso unerlässliche weitere 
Voraussetzung des Gesetzes vom 11. Juli 1822 — dass er nämlich 
zu den ybesoldetctu Staatsdienern gehöre (§. 8 daselbst) — berief 
er sich noch auf die zweite Thatsache. Unrichtig ist es auch, wenn 
der Vorderrichter weiter referirt, der Ministerialerlass vom 19. Ok- 



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Gesetze und Verordnungen. 



tober 1863 gestehe die Kommunalsteuerbenefizien den Feldmessern 
nur insoweit zu, als diese >zu den Staatsdienern < thatsäcblich 
gehörten; der Ministerialerlass besagt vielmehr : >zu den besoldeten 
Staatsdienern < und das gibt offenbar einen ganz andern Sinn. 

Rechtlich erregt sodann schon der Satz des Vorderrichters, dass 
die Thatsache des Gehaltsbezuges aus der Staatskasse jeder Be- 
deutung für die Frage nach der Beamtenqualität des Klägers er- 
mangele, wesentliche Bedenken — zumal gegenüber dem die An- 
wendbarkeit des Gesetzes vom 11. Juli 1822 ausdrücklich nur für 
>besoldete< Staatsdiener statuirenden §. 8 daselbst — und vollends 
ist nicht abzusehen, wie dieser Satz daraus folgen soll, dass der 
Kläger, selbst wenn er aus einer Privatgesellschaftskasse sein Ge- 
halt bezöge, Beamter sein könnte. Der letztere in den Entschei- 
dungen des Oberverwaltungsgerichts Band IX. Seite 34 ausgespro- 
chene Satz gestattet keineswegs ohne Weiteres eine solche Umkeh- 
rung, wie sie ihm hier zu Theil geworden ist. 

Eines näheren Eingehens hierauf bedarf es indess nicht. Was 
allein schon die Vorentscheidung unhaltbar macht, sind die folgen- 
den Sätze, die dergestalt mit einander verbunden sind und inein- 
ander eingreifen, dass wenn auch nur ein Glied sich als unhaltbar 
erweist, das ganze Ergebniss zusammenfällt. Diese letztere Kon- 
sequenz erwächst insbesondere auch daraus, dass der Vorderrichter 
es nicht bestimmt zum Ausdruck bringt, welches einzelne oder 
welche mehrere von den als für die Begriffe eines Staatsamtes und 
eines Staatsdieners wesentlich bezeichneten Momenten er bei dem 
Kläger vermisst, dass zum Mindesten die Frage offen bleibt, ob das 
entscheidende Gewicht darauf gelegt werden sollte, dass der Kläger 
kein > Regier ungsrecht< auszuüben habe, oder vielmehr darauf, dass 
er — ohne von der Staatsgewalt mit einem Amte betraut zu sein 
— nur dem Fiskus vertragsmässig bedungene Dienste leiste. Von 
diesen beiden Sätzen ist aber schon der erstere ein solcher, für 
den es an einem solchen gesetzlichen Anhalte überhaupt und zumal 
auf dem Gebiete des Preussischen Rechts in dem »von den Rechten 
und Pflichten der Diener des Staats« handelnden 10. Titel des II. 
Theils des allgemeinen Landrechts fehlt, wie denn auch das Ober- 
verwaltungsgericht schon in einem die Beamtenqualität der fiska- 
lischen Forstbedienstesten betreffenden Endurtheile vom 30. Mai 
1876 die Frage im entgegengesetzten Sinne entschieden hat. (Ent- 
scheidungen Band I. Seite 42.) Worauf der Vorderrichter seine 
Auffassung stützt, erhellt nicht; ebensowenig äussert er sich des 
Näheren darüber, was er unter einem »Regierungsrecht« verstanden 
wissen will ; allein eben deshalb und bei Berücksichtigung des später 
von ihm selbst angedeuteten Gegensatzes darf und muss voraus- 
gesetztwerden, dass er darunter beispielsweise alle diejenigen Funk- 
tionen nicht mitbegreift, bei welchen es in erster Reihe die Erfül- 
lung der grossen, neuerlich mehr und mehr vom Staate als solchem 
übernommenen wirthschaftlichen Aufgaben gilt. Damit aber geht 
der Vorderrichter viel zu weit und trägt er in die Begriffe des 



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Gesetze und Verordnungen. 



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Staatsamtes und Staatsdieners ein dieselben nicht bedingendes Mo- 
ment hinein. Es muss daran festgehalten werden, dass auch der- 
jenige Staatsdiener sein kann, der nicht gerade ein Itegierungsrecht 
auszuüben bat. 

Bei der freien Beurtheilung, in die demzufolge der Gerichtshof 
einzutreten hatte, ist zunächst — um hier noch davon abzusehen, 
ob der Kläger grade zu den > besoldeten < Staatsdienern gehört — 
im Allgemeinen anzuerkennen, dass derselbe bei seiner Anstellung 
die Eigenschaft eines Staatsbeamten erlangt hat. Entscheidend ist 
dabei die Thatsache der Vereidigung in Verbindung mit der Lage 
des objektiven Rechtes, auf Grund dessen dieser Akt erfolgte. 

Nachdem die Ressortminister unter Bezugnahme auf den §.118 
des Gesetzes über die polizeilichen Verhältnisse der Gewerbe etc. 
vom 7. November 1811 (Gesetzsammlung Seite 263) und auf die 
§§. 17 ff. der Instruction vom 29. April 1813 bereits am 31. Januar 
und 26. Oktober 1820 (siehe oben) ausgesprochen hatten : 

die Feldmesser' — nicht nurzur Ausübung ihrer Kunst, sondern 
auch zur Konstatirung der bestehenden Zustände bestimmt und 
demzufolge der auch vom Gesetzgeber ihnen zugedachten Qua- 
lität als öffentlicher Beamter bedürfend — seien nicht als Sach- 
verständige zu verpflichten, sondern mit dem förmlichen Dienst- 
eide zu belegen, 

nachdem ferner das dem Gesetze gleichstehende Feldmesserregle- 
ment vom 1. Dezember 1837 (Gesetzsammlung 1858 Seite 233) im 
§.3 — hinausgehend noch über den entsprechenden §. 3 des Regle- 
ments für die öffentlich anzustellenden Feldmesser vom 2. März 
1871 (Gesetzsammlung Seite 101) — eine Belegung der Feldmesser 
mit Ordnungsstrafen »nach näherer Bestimmung« des die Dienst- 
vergehen der nicht richterlichen Beamten betreffenden Gesetzes vom 
21. Juli 1852 (§§. 19, 21) zugelassen hatte, 

nachdem im Wesentlichen überall eben diese Gesichtspunkte, 



endlich auch noch in den Ministerialerlassen vom 

13. Marz 1858 

(Hübner’s Städteordnung vom 30. Mai 1853 [Ausgabe von 1859] 
Seite 90) und vom 19. Oktober 1863 (Ministerialblatt der inneren 
Verwaltung 1881 Seite 179) eingehend vertreten und zur praktischen 
Geltung gebracht worden waren, wie denn insbesondere an letzterer 
Stelle die Staatsbeamteneigenschaft der geprüften und vereideten 
Feldmesser im Allgemeinen aus den Gründen jenes Erlasses von 
1851/58 als »keinem Zweifel unterliegend anerkannt wird — 

hat der Kläger unter der zeitlichen Herrschaft aller dieser Be- 
stimmungen — am 5. Mai 1866 — den allgemeinen Staatsdienereid 
0 erfassungsurkunde Art. 108) geleistet. Die Abnahme dieses Eides 
kann nicht füglich ohne die Voraussetzung, dass dem Kläger die 
Eigenschaft eines Staatsbeamten zukomme, ohne die Absicht, ihm 
diese Eigenschaft zuzugestehen, erfolgt sein. Jene Vorausetzung 
und diese Absicht entsprachen aber auch nach Obigem dem damals 
allgemein geltenden Rechte, wie solches in den von zuständiger 



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Gesetze und Verordnungen. 



Stelle den unteren Behörden wiederholt ertheilten Weisungen — 
einer in Fragen, wie der vorliegenden besonders bedeutsamen Er- 
kenntnissquelle — anerkannt worden war, für die Vergangenheit 
übrigens auch noch in neuester Zeit wieder anerkannt worden ist, 
so in den Ministerialerlassen vom 31. Januar 1883 (Preussisches 
Verwaltungsblatt Jahrgang IV. Seite 202) und vom 9. Juni 1883 
(Ministerialblatt der inneren Verwaltung Seite 143), an welcher 
letzteren Stelle es heisst : 

Die Feldmesser, welche bisher nach bestandener Prüfung in 
Gemässheit der Rescripte vom 31. Januar und 26. Oktober 1820 
(Kamptz, Annalen 1820, Band IV. Seit“ 7 und 699), sowie der 
Anweisung zur Ausführung der Gewerbeordnung vom 21. Juni 
1869 unter 9 (Anlage A. der Circularverfügung vom 4. Sep- 
tember 1869 — Ministerialblatt Seite 202) mit dem Diensteide 

der Beamten zu belegen waren, sollen fortan 

(Vergleiche auch die Allerhöchste Kabinetsordre vom 19. Januar 
1833 wegen der Executionen gegen die Oekonomiecommissarien, 
Feldmesser und Baukondukteure — Gesetzsammlung Seite 4 — 
und dazu das Erkenntniss des Gerichtshofes zur Entscheidung 
der Compctenzkonflikte vom 8. April 1854 — Justizministerial- 
blatt Seite 355). 

Hat aber einmal der Kläger die Eigenschaft eines Staatsdieners 
erlangt, so bleibt weiter zunächst nur noch zu untersuchen, ob und 
event, wodurch etwa er dieselbe inzwischen wieder verloren hat. 
Dabei scheidet die Zwischenzeit seiner Beschäftigung bei der . . . . 
Eisenbahngesellschaft ganz aus; immerhin mag während derselben 
der Kläger nicht in der Lage gewesen sein, die den Staatsdienern 
au sich zukommenden Vorrechte sämmtlich im vollen Umfange und 
insbesondere nach der hier in Frage stehenden Richtung hin zur 
Geltung zu bringen ; ein über jene Zeit hinausreichender Verlust 
der einmal erlangten Staatsdienereigenschaft dagegen — ein Ver- 
lust auch für die Zeit, da er seine Dienste wieder unmittelbar dem 
Staate selbst leistete — war an sich nicht die Folge der gedachten 
Beschäftigung und konnte sie nach Lage des bestehenden Rechts 
nicht sein. Abgesehen aber hiervon ist die Verneinung der aufge- 
worfenen Frage vollends unbedenklich. Die Tragweite der neueren, 
unmittelbar gesetzlichen und sonstigen Bestimmungen über die 
Rechtsverhältnisse der Feldmesser kommt hierbei nicht allgemein, 
sondern nur in der Beschränkung darauf in Frage, ob durch sie 
in dem aufSeiten des Klägers einmal begründeten Verhältnisse etwa 
eine Aenderung herbeigeführt worden ist — . In Ansehung der Iteichs- 
gewerbeordnung von 1869 (§.36) freilich bedarf es kaum erst dieser 
Beschränkung, wie denn auch die Ausführungsanweisung vom 4. Sep- 
tember 1869 Nr. 9 — obschon nicht speciell in Beziehung auf die 
Frage der Beamteneigenschaft — es zum Ausdruck bringt, dass 
vorläufig keine Aenderung in den bestehenden Verhältnissen der 
Feldmesser eintrete. Keinenfalls hinderte die neue Bestimmung der 
Reichsgewerbeordnung die einzelne Landesregierung, eine Behand- 



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Gesetze und Verordnungen. 



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lung der Feldmesser als Staatsbeamte fortbestehen zu lassen. — 
Auch das neue Reglement für die öffentlich > anzustellenden < Feld- 
messer vom 2. März 1871 liess die Verhältnisse der einmal bereits 
angestellten und vereidigten Feldmesser — soweit es liier darauf 
ankommt — an sich unberührt, entzog diesen nicht die schon 
erlangte Beamteneigenschaft und ebensowenig kann etwa in dem 
Ministerialerlasse vom 9 Juni 1883 — dessen Eingang bereits oben 
mitgetheilt wurde — ein Ausdruck der gegentheiligen Absicht ge- 
funden werden, wenn es daselbst weiter heisst: 

Die Feldmesser . . sollen fortan . . . nur dann mit diesem 
Diensteide belegt werden, wenn sie von einer Staatsbehörde zu 
dauernden amtlichen Funktionen bestellt und demgemäss von 
dieser Behörde als Beamte zu verpflichten sind. 

Anlangend endlich die nach der Verstaatlichung der 

Eisenbahn abgegebene Erklärung des Klägers, er lehne die Ueber- 
nahme in den unmittelbaren Staatsdienst ab, so kann auch sie — 
selbst wenn in solcher und nicht vielmehr in der neuerlich vom 
Kläger behaupteten Gestalt abgegeben — nicht füglich anders als 
im Sinne dieser neueren Behauptung gedeutet werden. Nach Lage 
der Verhältnisse, wie sie für den Kläger aus dem Akte der Ver- 
staatlichung erwachsen waren, streitet von vornherein die Vurmu- 
thung dagegen, dass der Kläger damals auf ein bereits früher er- 
worbenes Recht auf eine ihm bereits beiwohnende Eigenschaft habe 
verzichten wollen, oder dass ihm dies auch nur habe angesonnen 
werden sollen; beiderseits kann — so lange nicht das Gegentheil 
klar erhellt — die Absicht zunächst nur als darauf gerichtet an- 
gesehen werden, an Stelle des bestehenden ein Mebreres oder doch 
ein Anderes treten zu lassen, insbesondere den Erfolg, dass mittelst 
Eintretens der Königlichen Verwaltung an Stelle der bisherigen 
Privatverwaltung sich zugleich eine entsprechende materielle Aende- 
rung der Vertragsverhältnisse vollziehe. Das mag der Kläger ab- 
gelehnt haben, wohingegen es für die Voraussetzung, er habe die 
Uebernahme in den Staatsdienst in einem anderen, den Verlust der 
Staatsdienereigenschaft in sich schliesseuden Sinne >abgelehnt<, nach 
Lage der Sache an jedem zulänglichen Anhalt fehlt. 

1st hiernach im Allgemeinen anzuerkennen, nicht nur, dass der 
Kläger die Eigenschaft eines unmittelbaren Staatsdieners im Sinne 
des Gesetzes vom 11. Juli 1822 erlangt hat, sondern auch, dass er 
gegenwärtig seine Dienste unmittelbar dem Staate selbst leistend 
— jene Eigenschaft an sich noch besitzt, so bleibt endlich zu unter- 
suchen, ob er auch zu den >besoldeten< (§.8 daselbst) Staatsdienern 
gehört. Thatsächlich fest steht in dieser Beziehung, dass er ein 
fixirtes, in monatlichen Raten zahlbares >Jahresgehalt< von 4000 Jh. 
aus der Staatskasse bezieht. Auch- ist die Behauptung der Revi- 
sionsschrift, dass der Kläger »in der für einen vereideten Feld- 
messer vorgesehenen technischen Eisenbahnsekretärstelle< dauernd 
beschäftigt werde, Beklagterseits nicht bestritten worden. Dem- 
gegenüber lässt sich, wenn zunächst der Maasstab des vorgedachten 



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Gesetze und Verordnungen. 



Ministerialerlasses vom 19. Oktober 1863 zu Grunde gelegt wird, 
woselbst »nach eingehender Verhandlung zwischen den betheiligten 
Ministerien« (Erlass vom 6. Juni 1881) schon den auf fixirte, aus 
der Staatskasse gewährte »Diäten« angewiesenen Feldmessern die 
kommunalsteuerlichen Vorrechte »besoldeter« Staatsdiener zuerkannt 
werden, gewiss nicht bezweifeln, dass der Kläger sich in derselben, 
wenn nicht noch in einer günstigeren Lage befindet. Aber auch 
eine hiervon unabhängige Prüfung führt zu keinem anderen Ergeb- 
nisse. Dadurch, dass die Bezüge des Klägers »fixirte« — nicht nach 
seiner jeweiligen Verwendung und Beschäftigung sich bemessende 
— sind und dass seine Verwendung in einer bestimmten Stelle 
dauernd erfolgt, wird nicht nur in Beziehung auf die Beamteneigen- 
schaft des Klägers überhaupt — insoweit dazu noch die Begründung 
eines mehr oder minder dauernden Verhältnisses gehören mag — 
dieses Moment erfüllt, sondern auch speciell in Beziehung auf die 
Besoldungsfrage die Eigenschaft jener Bezüge als eine »Besoldung« 
hinlänglich klargestellt — und dass selbst gegenüber den Thatsachen, 
dass es einerseits ein Vertragsverhältniss ist, auf Grund dessen die 
Gewährung des »Inhalts« erfolgt und andrerseits dieses Verhältniss 
auf dem Wege der Kündigung wieder gelöst werden kann. Es ist 
nicht grundsätzlich ausgeschlossen und zumal nicht bei einem ohne- 
hin schon mit der Eigenschaft eines unmittelbaren Staatsdieners 
ausgestatteten Kontrahenten ausgeschlossen, dass auch im Vertrags- 
wege und unter dem Vorbehalte der Kündigung ein Verhältniss 
mit öffentlich-rechtlichem Charakter — insoweit es eines solchen 
für den Begriff der »Besoldung« bedarf — begründet werde. Unddass 
dies hier geschehen ist, muss nach Lage der Sache in Ermangelung jedes 
sicheren Anhalts für die gegentheilige Voraussetzung angenommen 
werden. Freilich soll das zuständige Königliche Eisenbahnbetriebs- 
amt eine abweichende Auffassung vertreten haben. Die bezügliche 
Aeusserung selbst liegt aber nicht vor und an sich kann jener That- 
sache eine entscheidende Bedeutung bei Beantwortung der hier vor- 
liegenden kommunalsteuerlichen Frage nicht zugestanden werden. 

In Beziehung auf die Differenz der Steuerbeträge besteht kein 
Streit. 

Aus diesen Gründen war in der Hauptsache und gemäss §. 103 
des Landesverwaltungsgesetzes vom 30. Juli 1883 in Ansehung der 
Kosten, wie geschehen, zu erkennen. 

Urkundlich unter dem Siegel des Königlichen Oberverwaltungs- 
gerichts und der verordneten Unterschrift. 

gez. Jebens. 

L. S. 

Damit ist eine Frage, welche bereits viel Staub aufgewirbelt 
hat, zur endgültigen Entscheidung gekommen. 

Aus der Begründung desUrtheils lieben wir als besonders wich- 
tig hervor, dass alle diejenigen preussischen Feldmesser, welche vor 
dem 9. Juni 1883 vereidet sind, durch diese Vereidigung und die 
damit verbundene öffentliche Bestellung die Eigenschaft als >unmü- 



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Unterricht und Prüfungen. Personalnachrichten. 



77 



telbare Staatsbeamte < erlangt haben. Diese Thatsache kann unter 
Umständen — auch abgesehen davon, ob ihnen als >besoldetem 
Staatsdienern die Steuerbenefizien des Gesetzes vom 11. Juli 1822 
zustehen — von wesentlicher Bedeutung sein. 

Die seit dem 9. Juni 1883 vereideten Landmesser, welche nicht 
den Staatsdiener-, sondern den Sachverständigen-Eid geleistet haben, 
sind dagegen nicht ohne Weiteres als Staatsdiener anzusehen. 

L. Winckel. 



Unterricht und Prüfungen. 



Am Schluss des Wintersemesters 1884/85 haben an der König- 
lichen Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin 23 Candidate« 
das Kulturtechniker-Examen bestanden. (25 Caudidaten hatten sich 



gemeldet.) 

1. Barnitzke. 

2. Bartel. 

3. Büttner 

4. Ehrhardt. 

5. Fischer. 

6. Fritz. 

7. Gädtke. 

8. Happel. 

9. Harbert. 

10. Heinrich. 

11. Heise. 

12. Kosswig. 



13. Kukutsch. 

14. Loechner. 

15. Lube. 

16. Müller, Bonislaw. 

17. Peter. 

18. Rosse. 

19. Schmidt, Johannes. 

20. Fetzner I., Paul. 

21. > 11., Emil. 

22. Toellner. 

23. Wellmann. 



Am Schluss des Sommersemesters 1885 bestanden die Kultur- 
techniker-Prüfung sämmtliche 20 Candidaten. 



1. Ammen häuser. 

2. Becker. 

3. Berger. 

4. Blüthner. 

5. Bruckisch. 

6. Dürrling. 

7. Friedei. 

8. Führer. 

9. Grossmann. 

10. Kleist. 



11. Kramer. 

12. Lerm. 

13. Lohnes. 

14. Müller, Paul. 

15. Mathöse. 

16. Quandt. 

17. Streichert. 

18. Sturmat. 

19. Wach. 

20. Ziegelasch. 



Personalnachrichten. 

Die Kataster-Controleure Eschmann in Ziegenhain, Cloeren in 
Bocholt, Streibelein in Goslar , Obermann in Schleusingen , Stoetzer 

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78 



Vereinsangelegenheiten. 



in Berlin, Bauer in Rosenberg W.-Pr., Eisenschmidt in Graudenz 
und Willems in Rotenburg a. W. sind in gleicher Diensteigenschaft 
nach Marburg bezw. Wittlich, Clausthal, Goslar, Schleusingen, 
Graudenz, Strasburg W.-Pr. und Meppen versetzt worden. 

Die Kataster- Assistenten See/ing in Minden, Kraae in Erfurt, 
Orland in Oppeln, Sauer in Stade und Zumpft in Marienwerder 
sind zu Kataster-Controleuren in Bocholt bezw. Ziegenhain, Rosen- 
berg W.-Pr., Rotenburg a. W. und St. Wendel bestellt; der Kataster- 
Sekretär Grossmann in Marienwerder in gleicher Diensteigenschaft 
nach Hildesheim und der Kataster-Controleur Grimsinski in Stras- 
burg W.-Pr. als Kataster-Sekretär nach Stettin versetzt worden. 

Dem Kataster-Controleur Steuer-Inspektor Bubeneer in Hannover 
ist der Charakter Rechnungsrath verliehen. 

Der Rothe Adler-Orden IV. Klasse wurde verliehen an: 
Rieiiow, Steuer-Rath und Kataster- Inspektor in Magdeburg. 

Dr. Joppen, Ober- Vermessungs-Inspektor bei der Kataster-Kommission 
zu Strassburg i. E. 

Heer, Rechnungs-Rath und Kataster-Controleur zu Kassel. 
v. Arnim, Rechnungs-Rath und Kataster-Sekretär zu Oppeln. 
Firmenich, Steuer-Inspektor und Kataster-Controleur zu Merzig. 
Briigmann und Kleeberg, Oekonomie-Kommissionsräthe zu Hildes- 
heim bezw. Kassel. 

Dem Kataster-Controleur Fresenius zu Klausthal ist bei seinem 
Uebertritt in den Ruhestand der Charakter als Steuer - Inspektor 
verliehen. 



Vereinsangelegenheiten. 

Cassenbericht für das Jahr 1885. 

Der »Deutsche Geometerverein< zählte mit Anfang des Jahres 
1885 nach dem im Hefte 4 Seite 75 unseres Vereinsorganes pro 
1885 veröffentlichten Cassenbericht für das Jahr 1884 mit Ein- 
schluss der 12 Zweigvereine 1145 Mitglieder. 

Im Laufe dieses Jahres sind unserem Vereine 44 Mitglieder, 
darunter 1 Zweigverein — der Württembergische Oberamtsgeometer- 
verein — neu beigetreten; gestorben sind 16 Mitglieder; mit der 
Zahlung des Mitgliedsbeitrages im Rückstand geblieben 23 und 
ihren Austritt aus dem Verein pro 1886 haben 31 Mitglieder er- 
klärt; so dass mit Anfang des Jahres 1886 unser Hauptverein nach 
Hinzuzählung der neu eingetretenen und Abrechnung der gestorbenen, 
mit der Zahlung im Rückstand gebliebenen und der ausgetretenen 
1118 Mitglieder zählt. 

Die Namen der Gestorbenen sind: 

Nr. 326. Striebel, Gg., Bezirksgeometer in Münnerstadt. 

» 393. Rottzoll, Paul, verpfl. Feldmesser in Lottyn. 

» 537. Kluss, Franz, Steuerkontroleur in Brumath. 



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Vereinsangelegenheiten, 



79 



Nr. 699. 

> 707. 

> 991. 

> 1087. 

> 1234. 

> 1260. 

> 1377. 
» 1497. 

> 1549. 

> 1841. 
» 1942. 

> 1978. 

> 2170. 



Melsheimer, A., Geometer in Mainz. 

Schule, W., Obergeometer in Stuttgart. 

Pappers, Pli. H„ technischer Eisen bahnsecretär in Köln. 
Pape, Martin, Mechanikus in Altona. 

Knick. Feldmesser in Berlin. 

Woycke, Rechnungsrath in Bromberg. 

Schneider, Kataster-Controleur in Bückeburg. 

Krahmer, Kreisgeometer in Ballenstädt. 

Fillmann, Otto, Vermessungs-Conducteur in Friesoythe. 
Fitzier, Feldmesser in Berlin. 

Büsching, Carl, Regierungs-Feldmesser in Soest i. Westf. 
Litzenberger, Topograph in Berlin. 

Chateau, A., Feldmesser in Goch. 



Die Einnahmen und Ausgaben haben sich viel günstiger ge- 
staltet als vorauszusehen war und zwar ergaben : 



Die Einnahmen: 

I. An Mitgliedsbeiträgen : 

a. 1109 Mitglieder i 6 1 . . . . 6 654,00 A. 

b. 2 > > 6 > 

Nachzahlung pro 1884 . 12,00 > 

c. 43 Mitglieder k 9 A. ... 387,00 » 

II. Ans dem Verlag der Zeitschrift: 

durch Herrn C. Wittwer in Stuttgart für 
224 Exemplare A 4,50 A 

III. An Annoncen-Einnahme 

durch die Buchdruckerei von Malsch & Vogel 
in Karlsruhe 

IV. An sonstigen Einnahmen 



7 053,00 A 

1008,00 > 

791,94 > 
79,10 > 



Summe der Einnahmen 8 932,04 A. 



Die Ausgaben betrugen : 

I. Für die Zeitschrift und deren Verwaltung . . . 6 345,44 A. 

II. > Canzleispesen 251,44 > 

III. > die Generalversammlung 1119,60 » 

IV. > Honorirung der Vorstandschafts-Mitglieder . 611,96 > 

V. > die Bibliothek 32,50 > 

VI. > Deckung des Defizits vom Jahre 1884 . . . 805,12 > 

Summe der Ausgaben . . 9 166,06 A. 



Bilanz. 

Einnahmen .... 8932,04 A. 

Ausgaben 9 166,06 > 

mithin Mehrbedarf . 234,02 A. 

welcher Betrag nach Beschluss der Stuttgarter Hauptversammlung 
aus dem Reservefonds gedeckt wird. 

Es sind daher 571,10 A. von dem Defizit des Jahres 1884 
durch die Einnahmen von 1885 gedeckt worden. 



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80 



Vereinsangelegenheiten. 




Reservefonds. 

Derselbe bestand am 1. Januar 1885 aus: 



a. aus 2000 Jh. 4 °/ 0 Reichsanleihe 2 000,00 Jk. 

b. an Baarbestand 713,75 ß>. 



Hiezu am 1. April Zinsen aus 

den Werthpapieren . . . 40,00 > 

> am 30. Juni Zinsen aus 

dem Baarbestand . . . 6,80 > 

» am 1. Oktober Zinsen aus 

den Werthpapieren . . . 40,00 » 

> am 31. Dezember Zinsen 

aus dem Baarbestand . . 12,82 > 

813,37 ße. 

hievon gingen ab der Mehrbedarf pro 

1885 von 234,02 > 

bleibt demnach . . 579,35 . . 579,35 > 
und beträgt demnach der Reservefonds am 1. Januar 1886 2 579,35 jH. 
Coburg, den 1. Januar 1886. 

G. Kerschbaum , Steuerrath, 
z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins 



Neue^Mitglieder. 

Nr. 2288. Colpa, C. J., Landmeter van het Kadaster, Wolvega, 
Niederlande. 

> 2289. Fuhrmann, Franz, Vermessungs-Ingenieur, Dresden. 

> 2290. R a b a , Georg, technischer Revisor, Bayreuth. 

> 2291. Johannes, Fritz, Messungspraktikant, Bayreuth. 

> 2292. Krause, Julius, k. Geometer, Dresden. 

» 2293. von Liebermann, k. Landmesser, Tilsit. 

> 2294. Weber, Oscar, Geometer, Chur, Schweiz. 

» 2295. Wolters, Fr., Landmesser, Köln a. Rh. 

> 2296. Burkhardt, Carl, Vermessungs-Ingenieur, Augsburg. 

> 2297. Hoffinghoff, Reg.-Landmesser, Minden, Westfalen. 

Diejenigen Mitglieder des Deutschen Geometervereins, welche ge- 
sonnen sind, den Mitgliedsbeitrag von 6 Mark pro 1886 per Postanweisung 
einzuzahlen, werden hiemit ersucht, dieses bis längstens den 8. Jflärz 
188t» zu bewerkstelligen, nach diesem Zeitpunkt aber, um Kreuzungen 
zu vermeiden, keine Einzahlungen mehr zu machen, da nach §. 16 der 
Satzungen sodann der Mitgliedsbeitrag per Postnachnahme erhoben 
werden wird. 

Coburg, 12. Dezember 1885. 

G. Kerschbaum, z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 

Inhalt. 

GrBssere Abhandlung : lieber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser 
erreichbare Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen 
desselben, von Wagner. Neue Schriften Uber Vermessungswesen. Gesetze und Ver- 
ordnungen. Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. 

Karlsruhe. Druck von MaIbcIi 4 Vogel. 



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81 



ZEITSCHRIFT for VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung- von C. Steppe», Steueraasessor in München, und 
B. Oerke, Privatdozent in Hannover, 
herauBgegeben von Dr. IF. Jordan, Professor in Hannover. 

18S6. Heft 4. Band XV. 

15. Februar. 



Ueber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser 
erreichbare Genauigkeit und einige Erörterungen 
über die Fehlerursachen desselben. 

(Fortsetzung.) 

Beobachtungsreihe Nr. 6. Den 30. April 1884, Nachmittags 
4.26 bis 4.54. Das Instrument steht im Windschutze eines Gebäu- 
des, 4 m vor einer 7 m tiefen Böschung. Die Visirlinie geht in 
östlicher Richtung über diese Böschung, sodann über fast ebene 
Wiesen. Der Himmel ist zum Theil mit Wolken bedeckt. Ein Ge- 
witter hat kurz vorher die Luft abgekühlt und gereinigt und steht 
noch in nordöstlicher Richtung. Die Sonne ist mit leichtem Ge- 
wölke verschleiert, die Beleuchtung der Latte sehr gut. Wind weht 
massig. Oscillation der Lichtstrahlen ist nicht bemerkbar. 

Beobachtungsreihe Nr. 7. Den 30. April 1884, Nachmittags 5 
bis 5 V s Uhr. Mittleres d = 250 m. Instrumentsstandpunkt und Vi- 
sirlinie wie bei Reihe Nr. 6; desgleichen der Himmel und die übri- 
gen Witterungsverhältnisse, nur scheint die Sonne manchmal zwi- 
schen dünnem Gewölke frei hindurch. 

Beobachtungsreihe Nr. 8. Den 30. April 1884, Vormittags 9.20 
bis 9.45 Uhr. Mittleres d = 50 m. Das Instrument steht im Wind- 
schutze eines Gebäudes, 2 m vor einer 4 m tiefen Böschung. Die 
Visirlinie geht in südlicher Richtung über diese und dann über 
ebenes sanft ansteigendes Ackerland. Der Nullfaden wird in den 
2 mm breiten Streifen des Lattennullpunktes eingestellt. Der Him- 
mel ist wolkenlos, die Beleuchtung sehr gut. Wind weht massig. 
Oscillation der Lichtstrahlen ist nicht zu bemerken. 

Beobachtungsreihe Nr. 9. Den 29. April 1884, Abends 6.30 bis 
7 Uhr. Mittleres <Z=100m. Instrumentsstandpunkt und Visir- 

ZeiUchrift fur V#rmea«nngs wesen. 1886. 4- Heft. 6 



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< 



82 Wagner. Ueber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser erreichbare 

linie wie Reihe Nr. 8. Der Nullfaden wird in den 2 mm breiten 
Streifen des Lattennullpunktes eingestellt. Der Himmel ist zum 
Theil bewölkt, die Sonne mit leichtem Gewölke verschleiert, die 
Beleuchtung sehr gut. Der Wind weht massig. Oscillation der 
Lichtstrahlen ist nicht bemerkbar. 

Beobachtung sreihe Nr. 10. Den 29. April 1884, Nachmittags 
3 ‘/'s bis 4 Uhr. Mittleres d — 150 in. Instrumentsstandpunkt und 
Visirlinie wie Reihe Nr. 6. Der Nullfaden wird in den 5 mm breiten 
Streifen des Lattennullpuuktes eingestellt. Der Himmel ist fast 
wolkenlos, Beleuchtung sehr gut, Wind massig. Oscillation der 
Lichtstrahlen ist nicht bemerkbar. 

Beubacklungsreihe Nr. 11. Den 29. April 1884, Nachmittags 
4 bis 4.20 Uhr. Mittleres t/ = 200 in. Instrumentsstandpunkt und 
Visirlinie wie Reihe Nr. 6. Der Nullfaden wird in die 5 und 10 mm 
breiten Streifen des Lattennullpunktes eingestellt. Himmel, Beleuch- 
tung und Oscillation wie bei Nr. 10. Der Wind weht kräftig. 

Beobachtungsreihe Nr. 12. Deu 29. April 1884, Nachmittags 4.30 
bis 5 Uhr. Mittleres d — 30Ü m. Instrumentsstandpunkt und Visir- 
linie wie bei Nr. 6. Die einzelnen Centimeter der Latte sind noch 
deutlich sichtbar und beim Ablesen benutzbar. Der Nullfaden wird 
in den 20 mm breiten Streifen des Lattennullpunkts eingestellt. Der 
Himmel hat einzelne Wolken, die Distanzlatte ist manchmal von 
der Sonne beschienen und manchmal im Schatten einer Wolke. Die 
Beleuchtung ist sehr gut. Der Wind weht kräftig. Oscillation der 
Lichtstrahlen nicht bemerkbar. 

Beobachtungsreihe Nr. 13. Den 29. April 1884, Nachmittags 
5.10 bis 5.40 Uhr. Mittleres d— 400 m. Instrumentsstandpunkt und 
Visirlinie wie bei Nr. 6. Die einzelnen Centimeter sind zwar noch 
zu sehen, aber beim Ablesen nicht mehr benutzbar; es wird in 
der Decimetereintheilung abgelesen. Der Nullfaden wird in den 
20 mm breiten Streifen des Lattennullpunktes eingestellt. Der 
Himmel hat einzelne Wolken, die Sonne ist fortwährend leicht mit 
W’olken verschleiert. Die Beleuchtung ist sehr gut und Oscillation 
der Lichtstrahlen nicht bemerkbar. Der Wind weht sehr kräftig. 

Beobachtungsreihe Nr 14. Den 29. April 1884, Nachmittags 
5.50 bis 6.18 Uhr. Mittleres d = 500m. Instrumeutsstaudpunkt und 
Visirlinie wie bei Nr. 6. Die einzelnen Centimeter der Distanzlatte 
sind nur undeutlich sichtbar und können beim Ablesen nicht mehr 
benutzt werden ; es wird in der Decimetereintheilung abgelesen. Die 
Zahlen der Latte sind nicht mehr zu erkennen. Himmel, Beleuch- 
tung und Oscillation der Lichtstrahlen wie bei Nr. 13. Der Wind 
weht sehr kräftig und besonders an dem exponirten Lattenstand- 
punkte. 

Beobachtungsreihe Nr. 15. Den 3. Mai 1884, Vormittags 9.20 
bis 10.05 Uhr. Mittleres d = 50m. Das Instrument steht im Wind- 
schutze eines Waldes. Die Visirlinie geht östlich über eine wenig 



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Genauigkeit und einige Erörterungen über die Febleruraachen desselben. 83 

geneigte, ebene Wiese. Die einzelnen Millimeter der Latte sind 
deutlich sichtbar und 1 l i mm kann scharf abgelesen werden. Der 
Nullfaden wird in den 2 mm breiten Streifen des Lattennullpunktes 
eingestellt. Der Himmel ist nach starkem nächtlichem Regen ganz 
bewölkt, die Beleuchtung gut. Der Wind weht kräftig. Oscillation 
der Lichtstrahlen ist nicht bemerkbar. 

Beobachtungsreihe Nr. 16. Den 3. Mai 1884, Vormittags 10.20 
bis 11 Uhr. Mittleres d = 80 m. Instrumentsstandpunkt und Visir- 
linie wie Nr. 15. Die einzelnen Millimeter der Latte sind zwar noch 
sichtbar, jedoch einzelne Unterabtheilungen derselben nicht mehr 
unterscheidbar. Nullfadenstellung wie Nr. 15. Die Bewölkung des 
Himmels wird lichter, die Sonne ist manchmal nur leicht verschleiert, 
die Beleuchtung sehr gut. Wind weht massig. Am Schlüsse der 
Reihe macht sich eine ganz geringe Oscillation der Lichtstrahlen 
bemerkbar. 

Beobachtungsreihe Nr. 17. Den 3. Mai 1884, Nachmittags 5 
bis 5.40. Mittleres d=100m. Instrumentsstandpunkt und Visir- 
linie wie Nr. 15. Die einzelnen Millimeter der Latte sind noch 
sichtbar, jedoch bei dem Ablesen nicht mehr zu benutzen ; es wird 
in der Centimetereintheilung abgelesen. Der Nullfaden wird in den 
2 mm breiten Streifen des Lattennullpunktes eingestellt. Der Himmel 
ist ganz bewölkt, die Beleuchtung sehr gut. Wind weht massig. 
Oscillation der Lichtstrahlen ist nicht zu bemerken. 

Beobachtungsreihe Nr. 18. Den 3. Mai 1884, Nachmittags 5.50 
bis 6.30. Mittleres d=150 m. Instrumentsstandpunkt und Visir- 
linie wie bei Nr. 15. Die Millimetereintheilung ist beim Ablesen 
nicht mehr benutzbar und wird in der Centimetereintheilung abge- 
lesen. Der Nullfaden deckt den 2 mm breiten Streifen des Latten- 
nullpunktes genau ; zum Einstellen wird der 10 mm breite Streifen 
benutzt. Der Himmel ist zum grösseren Theil bewölkt; manchmal 
scheint die Sonne hell und manchmal ist sie mit lichtem Gewölko 
verdeckt. Die Beleuchtung ist sehr gut. Wind weht mässig. Oscil- 
lation der Lichtstrahlen ist nicht zu bemerken. 



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84 Wagner. Ueber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser erreichbare 



Zusammenstellung der 18 Beobachtungsreihen über Distanzmesser- 

Genauigkeit. 

Eine jede Beobachtungsreihe besteht aus 24 Einzelbeobach- 
tungen. 

Die Fernrohrvergrösserung = 25 fach. 



1 


05 

s 

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5 


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05 3J 

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einflussende 






5 






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m 


äussere 






H 




-2-S 






Sec. 




Sec. 




•O c 




Umstände. 


3 


m 








cm 


© >- 


cm 


cm 


o m |sec 




i 


50 




lcm 


lcm 


4,2 


BE 


1,8 


BES 




8,910,1s 1 3,7 


2,1 


nicht günstig- 


2 


100 








6,2 


0,06 


1,3 


1,27 




18,3 0,18 3,8 


3.0 




3 


150 








8,5 


0,06 


1,2 


1,74 


0.24 


135 


0,14! 2,8 


2,4 




4 


200 








16,4 


Ens 


1,7 


3,35 




35,40,18] 3,7 


9 o 


ungünstig 


5 


250 








13,5 


0,05 


1.1 


2,75 


0.23 


28,8 0,12 2.4 


2.i 




6 


200 








10,9 


0,05 


1,1 


2,22 


0,23 


28,2 0,14! 2,9 


2,6 


sehr günstig 


7 


250 






1 


EE&9 


Eoa 


BE 


E 82 


LED 


MgBBI 


2,9 


♦1 V 


8 


50 


1/200 


1cm 


1 cm 


6,3 


0,13 


1,3 






2,6 


sehr günstig 


9 


100 








n,i 


Lau 


1,2 


EQ2 


25,3 !ü, 25 2,6 


2.3 




10 


150 


n 






15,510,10 


1,1 


3,17 0,22 


34,2 0,23 2,4 


2 2 




11 


200 








13,8 


0,07 0,7 


2,82 0,15 


32,8 0,16 1,7 


2.4 




12 


300 








26,2 


ES 


0,9 


5,35 0,18 


64,40,21 2,2 


2,5 




13 


400 






Ena 


45,3 


0,11 


1.2 


9,24 0,24 


115,2 0,29 3,0 


2,5 




14 


500 


„ 




„ 


45,9 


EPH 


1,0 


9,37 


0,19 


131,4)0,26] 2,7 


2,9 


n r> 


15 


50 


1 100 


1mm 


1 mm 


2,4 


0,05 


EKjC 


MÜJfcHJ 


6,5 0,13; 2,7 


2.7 




16 


80 






n 


4,6 


0,06 


K 


0,94: 0,24 


9,9 0,12' 2,6 


2.2 




17 


100 






1 cm 


4,2 


0,04 0,9 


0,85.0.18 


9.9 0,10 2,0 


2,4 




18 


150 


n 


» 


n 


7,2 


0,05' 1,0 

1 


1,47 0,20 


14, 5 0, 10 2,0 

1 1 


2.0 


n n 



Weil der angestrebte Genauigkeitsmaassstab beiden günstigsten 
äusseren Umständen gefunden werden soll, so bilden wir aus den 
günstigen Beobachtungsreihen Nr. 6 — 18 den mittleren Fehler m d 
und erhalten : 



y l ) l J + l,0 ? -M,3 a +l,2 , -H.l J +0,r+0,9‘+l,2M-l,OM-l,0 , +l,2M-0,9‘-M,0 J 
______ = 



= +1,06 Secunden. 



Der mittlere Fehler aus allen 18 Beobacbtungsreihen berechnet 
sich zu 1,18". 

Die grösseren Schwankungen des mittleren Fehlers (m) in den 
Reihen 1 — 4 sind wohl zweifellos den ungünstigen äusseren Um- 
ständen, unter denen sie erhalten wurden, zuzuschreiben. Von den 
kleineren Schwankungen dieses Fehlers in den Reiheu 6 — 18 lässt 
sich nur vermuthen und annehmen, dass sie allein durch den Ge- 
nauigkeitsgrad, welcher mit der Anzahl von nur 24 Beobachtungen 
zusammenhängt, ihre Begründung haben. Unter dieser Annahme 
muss man zu dem Schlüsse kommen, dass die Genauigkeit des Di- 
stanzmessens bei günstigen äusseren Umständen unabhängig von der 
Entfernung ist. 

Betrachten wir uns die Entstehung und Art der Distanzfehler 
etwas näher. 



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L > “ • 

|V ' ^ • 



Genauigkeit und einige Erörterungen über die Feblerursachen desselben. 85 

Die vorstehend nachgewiesenen mittleren Fehler beziehen sich 
auf beide Fäden des Distanzmessers. Wollte man hieraus auf den 
durch einen Faden erzeugten mittleren Fehler schliessen, indem 

m 

man den Ausdruck bildet, so würde man der Fehlerentstehung 

an beiden Fäden gleiche Werthe beilegen. Es kann aber gar keinem 
Zweifel unterliegen, dass die Einstellung eines Fadens auf einen 
solchen Latten -Nullpunkt mit entschieden grösserer Genauigkeit mög- 
lich ist, als die Ablesung mit dem 2. Faden in der h&tten- Eintheilung. 

Im ersten Falle hat man es mit einem einfachen Zielen 
des Fadens in die Mitte des weissen Streifens zu thun. Im 
zweiten Falle tritt ein etwa ähnliches Zielen nur ein, wenn der 
Faden genau die Mitte eines Intervalles, oder etwa auch genau 
zwischen zwei Intervalle trifft. Nur selten wird dies Vorkommen. 
Meistens wird der Fall sein, dass der 2. Faden ein getroffenes In- 
tervall in irgend einer beliebigen Unterabtheilung schneidet, und 
dann ist die Grösse der beiden, durch den Faden getrennten Theile 
dieses Intervalles mit einander zu vergleichen, um daraus die eigent- 
liche Ablesung (die Länge des durch die beiden Distanzfäden be- 
grenzten Lattenstücks) zu formiren. 

Wir wollen die Fehler, welche mit dem Nullfaden entstehen, 
kurz und einfach mit > Zielfehler <, diejenigen, welche mit dem 
zweiten Faden entstehen, mit > Ablesung sf 'elder < bezeichnen. 

Während der Zielfehler verhältnissmässig einfacher Art ist, kann 
man dies nicht vom Ablesungsfehler sagen. Je nachdem der 2. 
Faden genau zwischen 2 kleinsten Intervallen, oder in der Mitte 
eines solchen, oder auf den Unterabtheilungen 0,1 — 0,2 — 0,3 — 0,4— 
0,6 — 0,7 — 0,8 und 0,9 steht, wird die erreichbare Genauigkeit wahr- 
scheinlich jedesmal eine andere sein. Vermuthlich werden die Ab- 
lesungen auf 0,5 und 0 am genauesten zu machen sein, dann wird 
0,1 und 0,9 folgen, dann 0,4 und 0,6, dann 0,2 und 0,8 und 0,3 
und 0,7 werden wahrscheinlich die geringste Genauigkeit zulassen. 

Das Abschätzen von Unterabtheilungen in einem Intervalle 
hängt übrigens auch von der Uebung des Beobachters ab und zum 
Theil von seiner Beanlagung hierzu. 

Man könnte sogar auch als Frage aufwerfen, ob die Entfer- 
nung auf die relative Genauigkeit dieses Abschätzens auch einen 
Einfluss insofern haben kann, als man auf verschiedene Entfernungen 
ein und dasselbe Eintheilungsintervall der Latte benutzt. Denn es 
will begreiflich scheinen, dass man in einem Intervall von beispiels- 
weise 1 cm auf eine Entfernung von 50 m, woselbst es eine schein- 
bare Grösse von 41,2 Secunden hat, nicht so relativ genau ablesen 
kann, als auf eine Entfernung von 300 m, woselbst es nur 6,9 Se- 
cunden gross erscheint. Gewöhnlich vermag man mit ziemlicher 
Schärfe das Zehntel eines Intervalles abzuschätzen ; es beträgt aber 
dann im ersteren Falle J /io cm = 4,1" und im zweiten = 0,7". 
Wenngleich auch auf 300 m Entfernung die Zehntel eines cm nicht 



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86 Wagner. Ueber die mit dem Reichen bach ’sehen Distanzmesser erreichbare 



mehr mit gleicher Schärfe, wie auf 50 oder 100 m abgelesen werden 
können, so ist doch keineswegs das Verhältniss ein öfaches, wie 
es die Zahlen 0,7 und 4,2 zeigen, sondern sicherlich ein bedeutend 
geringeres. 

Kurz, es erschien mir nicht schwierig, den mittleren Zielfehler 
mit ziemlicher Sicherheit für sich allein zu ermitteln ; dagegen sehr 
schwierig dünkte es mir, den Ablesungsfehler nur einigermaassen 
so correct zu bestimmen, dass sich aus solchen Bestimmungen ein 
allgemeines Gesetz für seine mittlere Grösse erhalten Hesse, weil er 
von so verschiedenen Einflüssen, welche soeben zum Theil ange- 
deutet wurden und welche alle mit ihren Variationen zu einander 
zu untersuchen waren, abhängig ist. 

Wenn es möglich wird, den mittleren Zielfehler des Distanz- 
messer-Nullfadens zu bestimmen und denselben von dem mittleren 
Fehler des Distanzmessers (der vorstehenden Zusammenstellung) zu 
trennen, so musste ja auch der mittlere Ablesungsfehler, der mit 
dem zweiten Faden des Distanzmessers begangen wird, als Rest 
übrig bleiben. Auf diese Weise musste man über die Natur des 
mittleren Ablesungsfehlers wenigstens einigermaassen noch weitere 
Aufschlüsse erhalten. — 

Schon im Jahre 1833 hat Professor Stampfer über die Ge- 
nauigkeit des Zielens mit Dioptern und Fernrohren Versuche ange- 
stellt und das Resultat derselben im 18. Bande der Jahrbücher des 
polytechnischen Instituts in Wien veröffentlicht. Leider hat derselbe 
die einzelnen Beobachtungen nicht, sondern nur die Reihen von je acht 
Stück, welche übrigens von drei Personen (Stampfer, Lemoch und 
König, jede Person acht Beobchtungen) angestellt wurden, mitge- 
theilt und hat, weil wahrscheinlich damals die Methode der kleinsten 
Quadrate noch nicht so allgemein gebräuchlich war, nicht den mitt- 
leren, sondern den durchschnittlichen Fehler berechnet. Hierdurch 
liegt den Stampfer’sohen Versuchen ein Fehlermaass zu Grunde, 
welches heute nicht mehr als präcis genug anerkannt wird. 

Als Zielobjecte hat er kreisrunde, schwarze Punkte angewendet, 
die auf weissen Hintergrund gezeichnet waren und 24 in von dem 
Zielapparat entfernt standen. Bei Versuchen mit Fernrohren von 
5- bis 64facher Vergrösserung hatten diese Punkte einen Durch- 
messer von 4,7 bis 7,8 mm. Diese letzgenannten Thatsachen, die 
runden Zielpunkte und die sehr kurze Zielentfernung, sind eben- 
falls Umstände, welche eine Anwendung der Stampfer’schen Ver- 
suche auf die hier vorliegenden über die Distanzmesser-Genauigkeit 
nicht wohl ohne Weiteres zulassen können ; denn es liegt der Ge- 
danke sehr nahe, dass verschieden geformte Zielobjecte und ver- 
schiedene Zielentfernungen auch verschiedene Fehlerentstehungen 
bedingen könnten. — 

Ich entschloss mich daher, selbst Versuche über die Ziel- 
genauigkeit anzustellen und zwar mit dem gleichen Fernrohre von 
25facher Vergrösserung, mit welchem auch die Distanzmessungen 
ausgeführt worden sind. Versuche über die Grösse des mittleren 




Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen desselben. 87 



Ablesungsfehlers mit dem zweiten Distanzfaden, glaubte ich jedoch, 
zunächst unterlassen zu können, weil ihre sorgfältige Anstellung 
in sehr zahlreiche Combinationen gerathcn lässt und sie desshalb 
eine grosse Arbeit verursacht hätten. — 

Für diese Versuche über Zielgenauigkeit verfertigte ich fol- 
gende Vorrichtung. Zwei im rechten Winkel an einander genagelte 



Fig. 4. Ansicht von der Seite. Fig. 5. Ansicht von vorn. 




Brettchen o — b (Fig. 4 und 5) tragen ein feststehendes Ziel sammt 
einer auf einem vernickelten Messiugstreilen getheilten Millimeter- 
Eintheilung ef. Dieselben werden auf ein Stativ, das am anvisirten 
Orte aufgestellt ist, angeschraubt. Zwei ebenfalls im rechten 
Winkel an einander genagelte Brettchen c- d tragen ein bewegliches 
Ziel und den gleichfalls auf vernickeltes Messing getheilten, >' i0 mm 
direct angebenden Nonius. Die Zielmarke ist ein 50 mm langer, 
weisser Streifen auf schwarzem Hintergründe. Je nach der Entfer- 
nung des Ziels vom Fernrohre sind diese weissen Streifen 2, oder 
8, oder 20 mm breit. 

Bei den angestelitun Zielgenauigkeits-Beobachtungen wurde 
folgendes Verfahren angewendet. Nachdem der Zielapparat in der 
betreffenden Entfernung auf- und die Zielstreifen genau senkrecht 
gestellt waren, wurde der verticale Faden des Fernrohrs auf das 
untere Ziel so scharf als thunlich eingestellt, alsdann durch Winken 
vom Instrumente aus und entsprechendes Bewegen am oberen Ziel 
auch dieses zur genauesten Einstellung auf den Verticalfadeu ge- 
bracht. Nunmehr wurde die Stellung des Nonius </ — h an der 
Eintheilung e — f abgelesen und notirt. Eine jede solche Ablesung 
entspricht also einem zweifachen Zielen. 

Zur genauen Einstellung des Verticalfadens diente eine Diffe- 
rential-Mikrometerschraube, deren einmalige ganze Umdrehung eine 
Winkelbewegung des Fadens von 200" hervorrief. 

Die Witterungs-, Beleuchtungs- und Luftverhältnisse wurden 
wieder so günstig als möglich ausgesucht. 

Auf diese Weise entstanden 6 Beobachtungsreihen über Ziel- 
genauigkeit. Eine jede Beobachtsreihe hat 25 Einzelbeobachtungen. 
Die Entfernung für jede Reihe ist durch den Distanzmesser bestimmt. 



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88 Wagner. Ueberdie mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser erreichbare 

Die angegebene Zeit ist wieder diejenige, welche zur effectiven 
Ausführung der Beobachtungen Nr. 1 bis 25 gebraucht wurde, 
ohne Aufstellen und Wegräuinen des Instrumentes. 

Etwaige Fehler in der senkrechten Stellung der Zielapparate 
und des Fadens im Fernrohr eliminiren sich durch das eingeschla- 
gene Rechnungsverfahron, indem nämlich zunächst aus allen Nonius- 
ablesungen einer Reihe das arithmetische Mittel berechnet und 
erst hiernach der eigentliche Zielfehler einer Doppelvisur als Diffe- 
renz zwischen einer Ablesung und dem arithmetischen Mittel ge- 
bildet wurde. 

Die sämmtlichen Beobachtungen wurden in der Nähe Stutt- 
garts, in etwa 370 m Meereshöhe vorgenommen. 

Die benutzten Zeichen d, #», « und M haben gleiche Bedeutung 
wie die vorn angewendeten (S. 58), nur beziehen sich die 2 ersteren 
hier auf das Zielen, anstatt auf das Distanzmessen. 

Auch hier wird der Raumersparniss halber nur die Beobach- 
tungsreihe Nr. 1 ganz mitgetheilt und von den übrigen, welche 
gleichartig ausgeführt sind, die begleitenden Nebenumstände; da- 
rauf folgt eine Zusammenstellung über die Resultate aller 6 Reihen. 

(Siehe Tabelle auf folgender Seite.) 

Beobachtungsreihe Nr. 2. Den 23. Mai 1884, Nachmittags 

3.25 bis 4.15. Ziel weite = 100 m. Das Instrument steht im Schatten 
eines Hochwaldes vor einer 8 m tiefen Böschung. Die Visirlinie 
geht in nördlicher Richtung über diese und dann über einen Weg. 
Die anvisirten Streifen sind 2 mm breit. Der Himmel ist ganz 
unbewölkt, die Beleuchtung sehr grell. Oscillation der Lichtstrahlen 
ist nicht bemerkbar. Windstille. 

Beobachtunysreihe Nr. 3. Den 26. Mai 1884, Vormittags 

10.20 bis 11.05. Zielweite = 200 m. Das Instrument steht im 
buschigen Niederwald, im Schatten und Windschutz einer einzelnen 
Baumgruppe, in 4füssig nach Nordwesten geneigtem Terrain. Die 
Visirlinie geht nordwestlich über ein 35 m tiefes Thal, zuerst über 
Niederwald, dann Wiesen, Gärten und Weinberge. Die anvisirten 
weissen Streifen sind 8 mm breit. Der Himmel ist nur mit leichten 
Strichwolken bedeckt. Der Sonnenschein wirft kaum sichtbare 
Schatten. Die Beleuchtung ist sehr gut. Wind weht mässig. Die 
Oscillation der Lichtstrahlen ist meistens kaum merklich , tritt 
jedoch manchmal etwas stärker auf, ohne besonders lästig zu werden. 

Beobachfwu/sreihe Nr. 4. Den 23. Mai 1884, Nachmittags 
6.10 bis 6.50. Das Instrument steht in einem nach Osten etwa 4füssig 
geneigten Weinberg und zwar im Schatten des Berges. Die Visir- 
liuie geht in östlicher Richtung über ein 25 m tiefes Thal und 
zwar über Weinberge, Wiesen und dann Niederwald. Die anvisirten 
Streifen sind 20 mm breit. Der Himmel ist unbewölkt, die Beleuch- 
tung sehr grell. Wind weht kaum. Oscillation der Lichtstrahlen 
fehlt anfänglich und ist nur am Schlüsse der Reihe etwas he- 
merklich. 



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Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen derselben. 89 



Versuche über die erreichbare Genauigkeit des Zielens mit einem 
25fach vergrössernden Fernrohre. 

Beobach tungs reihe Nr. 1. 

Den 26. Mai 1884, Vormittags 11.20 — 12 Uhr. 

Zielweite = 50 m. Das Instrument steht 2 m vor einer 6 m 
tiefen Böschung. Die Visirlinie geht nordwestlich hierüber und dann 
über Gartenland. Die anvisirten Streifen sind 2 mm breit Der 
Himmel ist mit leichten Strichwolken bedeckt. Das Sonnenlicht 
wirft noch kaum sichtbare Schatten. Die Beleuchtung ist sehr gut. 
Wind ist kaum bemerklich. Oscillation der Lichtstrahlen ist eben- 
falls nicht bemerkbar. 



Nummer 

der 

Beobachtungen . 


Ablesung 

des 

Nonius. 


+ 


Fehlet 

r 






1 


mm 

100,14 


24 




576 




2 


99,92 


2 




4 


vU f J* 


3 


99,92 


2 




4 




4 


99,88 




2 


4 




5 


99,93 


3 


. 


9 




6 


99,90 


0 


0 


0 




7 


99,90 


0 


0 


0 




8 


99.97 


7 


, 


49 




9 


100,00 


10 


. 


100 




10 


99,93 


3 




9 


i 


11 


99,85 


. 


5 


25 


A'" 


12 


99,80 




10 


100 




13 


99,80 




10 


100 




14 


99,83 




7 


49 




15 


99,98 


8 




64 




16 


99,77 




13 


169 




17 


99,90 


0 


0 


0 




18 


99,90 


0 


0 


0 




19 


99,95 


5 




25 




20 


99,84 




6 


36 


rtV- 


21 


99,90 


0 


0 


0 


- 


22 


99,80 




10 


100 




23 


99,90 


0 


0 


0 


r>$t- 


24 


99,85 




5 


25 




25 


99,90 


0 


0 


0 


Summe 


2497,415 


64 


68 


0.1448 


Arithm. Mittel 


99,90 




4 





0 1448 

■= = Hh 0,055 mm = + 0,23 Sec. 

DU — u 



0 055 

U = = + 0,0078 mm = + 0,032 Sec. 

V 50 

M (Nr. 1) = 0,24 -f 0,01 = 0,3 mm = 1,0 Sec. 

— = 4,5 

m 



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90 Kleinere Mittheilungen. 

Beobachtungsreihe Nr. 5. Den 26. Mai 1884 , Vormittags 
8.40 bis 9.40. Zielweite = 400 m. Instrumentsstandpunkt und Visir- 
linie wie bei Reihe Nr. 3. Die anvisirten weissen Streifen sind 
20 mm breit. Himmel und Beleuchtung wie bei Nr. 3. Der Wind 
weht sehr stark. Oscillation der Lichtstrahlen ist anfänglich wenig 
vorhanden, sie verstärkt sich gegen Mitte der Beobachtungsreihe 
und lässt am Schlüsse wieder nach. 

(Schluss folgt.) 



Kleinere Miltheilungen. 

Oie Thätigkeit der Auseinandersetzungsbehörden in Preussen im Jahre 1884. 

Das Königliche Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und 
Forsten gibt in dem Deutschen Reichsanzeiger vom 17. November 
1885 Nr. 270 eine Zusammenstellung der Resultate der von den Aus- 
einandersetzungsbehörden im Jahre 1884 ausgeführten Regulirungen, 
Ablösungen und Gemeinheitstheilungen mit Hinzurechnung der Re- 
sultate aus den Vorjahren bis Ende 1883, ausserdem eine Zusam- 
menstellung der bei den Auseinandersetzungsbehörden im Jahre 1884 
anhängig gewesenen Geschäfte und der im Jahre 1884 ausgeführten 
Zusammenlegungssachen. Die Mittheilungen sind theilweise nach 
Regierungsbezirken, theilweise nach Provinzen und Generalkommis- 
sionen geordnet. Diesem amtlichen Berichte entnehmen wir folgende 
Werthe, indem wir die Resultate der früheren Jahre nebst unbe- 
deutenden Angaben fortlassen und uns nur auf das Jahr 1884 und 
auf das Endresultat beschränken. 

Bei den Beyulirunyen und Ablösungen sind im Jahre 1884 in 
Preussen 871 Spann- und 3797 Handdiensttage aufgehoben und an 
Entschädigungen 2 091350 Jk. an Kapital und 585039 Jk an Geld- 
rente festgestellt. 

Bei den Begulirungen und Gemeinheitstheilungen sind 57 301 ha, 
welche 11 926 Besitzern zukamen, separirt bezw. von allen Holz-, 
Streu- und Hütungsservituten befreit 39 720 ha wurden zum Zwecke 
der Gemeinheitstheilungen vermessen. Ausserdem wurden auf Grund 
besonderer Staatsverträge mit den Herzogthiimern Sachsen-Meiningen 
und Anhalt, sowie mit den Fürstenthiimern V aldeck- Pyrmont, Schaum- 
burg-Lippe und Schwarzburg-Sondershausen 7886 ha separirt, welche 
3 794 Besitzer hatten. 

Aus den früheren Jahren waren bei den Auseinandersetzungs- 
behörden in Preussen noch 7569 Ablösungen und 3174 Gemeinheits- 
theilungen anhängig , von denen im Jahre 1884 die ersteren um 
2711, die letzteren um 439 vermehrt wurden. In dem Kalenderjahr 
1884 wurden 3* s 90 Ablösungen und 572 Gemeinheitstheilungen er- 
ledigt, so dass Ende des Jahres noch 6390 Ablösungen und 3041 
Gemeinheitstheilungen schwebten. Von den letzteren waren im De- 
cember 1884 2698 Ablösungen und 1200 Gemeinheitstheilungen 



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Literaturzeitung. 



91 



recessreif, oder in der Recessarbeit begriffen, während 316 Ablösungen 
und 592 Gemeinheitstheilungen dem Hauptgegenstande nach ausge- 
fiihrt, aber noch nicht recessreif waren ; in der Vorbereitung dagegen 
waren 3376 Ablösungen und 1249 Gemeinheitstheilungen begriffen. 
Die Zahl der Processe, welche bei den Auseinandersetzungsbehörden 
im Jahre 1884 anhängig waren, betrug 2759, von denen 134 durch 
Entsagung, 204 durch Vergleich und 1076 durch rechtskräftige Ent- 
scheidung erledigt wurden. 

Es wurden Ende des Jahres 1884 121 Specialkommissäre und 
365 Vermessungsbeamte ausschliesslich oder überwiegend von den 
Auseinandersetzungsbehörden beschäftigt; von diesen entfallen auf 
die Generalkommission 

zu Breslau 11 Specialkommissäre und 22 Vermessungsbeamte, 



> Bromberg 


20 


> 


> 25 


> 


» Frankfurt a. 0. 14 


> 


» 10 


> 


» Hannover 


23 


> 


> 54 


> 


» Kassel 


21 


> 


> 123 


> 


» Merseburg 


15 


> 


» 29 


> 


» Münster 


17 


> 


> 86 


> 



Betreffs der im Jahre 1884 ausgeführten Zusammenlegungs- 
sachen sind 30 720 ha bearbeitet, von denen 20 523 ha auf Acker- 
land, 3 849 ha auf Wiesen, 1 13 ha auf Gärten, 3 597 ha auf Hütung, 
256 ha auf Unland und 1 625 ha auf gemeinschaftliche Anlagen 
entfallen. Die Zahl der alten Grundstücke, welche zur Auseinander- 
setzung gekommen sind , betrug 85 702 und die Zahl der neuen 
Pläne 21804. Es kamen im Ganzen 10 520 Interessenten in Be- 
tracht. Gerke. 



Literatürzeitung. 

Badische Landeskultur- und Vermessungsarbeüen in den Jahren 1882 — 1883. 

Als Fortsetzung zu der Mittheilung im XII. Band der Zeit- 
schrift (1883), Seite 326, entnehmen wir aus dem vor Kurzem aus- 
gegebenen »Jahresbericht des Grossherzoglich badischen Ministeriums 
des Innern über den Fortgang des Landeskultur- und Vermessungs- 
wesens in den Jahren 1882 — 1883< Folgendes: 

A. Kulturunternehmungen im engem Sinn. 

Die Verhältnisse der Jahre 1882 und 1883 waren für die Durch- 
führung grösserer Landeskulturunternehmungen nicht günstig, da 
die anhaltend kühle, regnerische Witterung ein geringes Ernteergeb- 
niss verursachte, wozu noch die schädliche Wirkung der wiederholt 
eingetretenen Hochwasser kam. 

Durch das mit Verfügung des Ministeriums des Innern vom 
7. März 1883 eingeführte Schauverfahren ist den Kulturbehörden 
eine weitere, höchst wichtige Aufgabe zugewiesen worden. Die den 
genannten Behörden übertragenen Bachschaucn beziehen sich auf 



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92 



Literaturzeitung. 



die kleineren , vorzugsweise landwirtschaftlichen Zwecken dienen- 
den Gewässer, an welchen im Jahr 1883 schon vielfach Vorkehrungen 
sowohl hehufs der geordneten Instandhaltung der Ufer, des unge- 
hinderten Wasserablaufs und der Beseitigung mannigfacher Miss- 
stände, als auch zur Anregung neuer rationeller Meliorationsan- 
lagen getroffen wurden. 

Ueber die in den 6 Kulturbezirken des Landes in den beiden 
Berichtsjahren ausgeführten, in Ausführung begriffenen und in Vor- 
bereitung befindlichen Kulturunternehmungen gibt die nachstehende 
tabellarische Uebersicht Auskunft. 



Kulturunternehmungen. 


Zahl 

der 

Gemar- 

kungen. 


Zähl 

der 

Unter- 

nehm- 

ungen. 


Fläche 

in 

Hektaren. 


Kosten- 

aufwandin 

Mark. 


I. Ausgeführte Kulturen . . 


76 


78 


245, 80| 


73 194 


II. Zur Ausführung genehmigte 
Kulturen 


64 


64 


418,33 


36 771 


III. Vorarbeiten und Entwürfe 


109 


84 


4584,51 11 423 140 


1882 waren in Behandlung 


249 i 


226 


5248,64 


1 533 105 


I. Ausgeführte Kulturen . . 


126 


116 


1139,28 


241 745 


11. Zur Ausführung genehmigte 
Kulturen 


67 


58 


839,21 


37 738 


III. Vorarbeiten und Entwürfe 


109 


91 


4617,42 


785 669 


1883 waren in Behandlung 


302 


265 


6595,91; 


1 065152 



Seit dem Jahr 1870 wurden an Kulturunternehmungen ausge- 
führt 949 Unternehmungen mit einer Fläche von 8 286 ha, welche 
einen Gesammtaufwand von 2 396 467 Mark erforderten , der aus- 
schliesslich von den betheiligten Grundeigentümern aufgebracht 
worden ist. 

Den 6 Kulturinspectionen waren zur Erfüllung ihrer dienst- 
lichen Aufgaben beigegeben: 7 Ingenieure, 7 Kulturoberaufseher, 
25 Kulturaufseher und 6 Kulturgehilfen. 



B. Feldbereinigungen. 

Der Fortgang der Feldbereinigungsarbeiten der Jahre 1882/83 
ergibt sich aus nachstehender Zusammenstellung: 





Vollendet und 
bestätigt wurden 


~ Ilureh Abstlm^ - 
mung gesichert 
und in Ausführung 
waren 


Im Stadium 
der Vorarbeiten 
begriffen waren 


In der Abstim- 
mungstagfahrt 
abgelehnt wur- 
den 


Jahr. 








Unterneh 


mungen 












2 

3 


Hektar 1 ^ 
bezw. Meter! S 
Weg- ! g 
anlagen. I ° 


'S 

N 


Hektar 
bezw. Meter 
Weg- 
anlagen. 


E 

= 

s 

o 

O 


<5 

s 


Hektar. 


sS 

E 

it 

o 


* 

s 


Hektar. 


i 

3 

a 

• 

o 


1882 


20 


2434,14 20 
2124m 


63 


11257,38 


55' 4 i 

| 


6018,60 


40 


7 


201.50 


7 


1883 


28 


4908,52 28 


! 48 


8395,58 


4339 


4495,00 


39 


4 


601,00 


4 



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Literaturzeitung. 



93 



Hiernach berechnet sich die Gesammtzahl der in Behandlung 
befindlichen Fälle: 

Im Jahr 1882 auf 131 Unternehmungen mit 19 971,62 ha Flächen- 
gehalt und 2124 m Weganlagen. 

Im Jahr 1883 auf 119 Unternehmungen mit 18 400 ha Flächengehalt. 
Die Zahl der Unternehmungen wie der Flächengehalt hat in den 
Jahren 1882/83 abgenommen. 

Was den Kostenaufwand der Feldbereinigungen in den Jahren 
1882/83 betrifft, so fielen zur Last: 



Jahr. 


| Der Staatskasse. 


Den betheiligten Grundeigentümern 


Bezüge 

der Geometer. 


Sonstige Kosten 
ohne Aussteinung. 




A. 


A. 


A. 


1882 


15 720 


80 098 


125 828 


1883 


12 071 


80815 


113835 



Vermessungswesen. 

1. Katastervermessungen. 

Im Jahr 1882 wurde die Ausdehnung der Vermessung für 21 
im Amtsbezirk Eberbach und für 35 im Amtsbezirk Mosbach ge- 
legene Gemarkungen mit einem Gesammtflächengehalt von 23 710 ha 
genehmigt. 

Im Jahr 1883 unterblieb die Ausdehnung auf weitere Ge- 
markungen. 

Am Schluss des Jahres 1881 war das Dreiecksnetz über 1 794 
Gemarkungen mit einem Gesammtflächengehalt von 906 799 ha 
ausgebildet. Im Jahr 1882 geschah dies auf weiteren 27 Gemar- 
kungen mit 12 836 ha und im Jahr 1883 auf 54 Gemarkungen mit 
20516 ha. 

Am Jahresschluss 1883 war daher das Dreiecksnetz im Ganzen 
über 1 875 Gemarkungen mit einem Gesammtflächengehalt von 940 151 
ha ausgebildet. Die Gesammtzahl der Gemarkungen des Grossher- 
zogthums beträgt 2002. 

Die Vermessung wurde im Jahr 1882 von 63 Gemarkungen und 
im Jahr 1883 von 54 Gemarkungen in Akkord gegeben. Am Schluss 
des Jahres 1883 waren die Verträge über die Vermessung von 1634 
Gemarkungen, somit von über 74 Procent abgeschlossen. 

Die Gesammtzahl der in der Berichtsperiode mit der Kataster- 
vermessung betrauten Geometer betrug 75, von welchen 26 gleich- 
zeitig mit der Vermessung auch Feldbereinigungs-Arbeiten zu voll- 
ziehen hatten. Die Zahl der technischen Gehilfen beträgt 35. 

Die Gesammtzahl der Offenlegungen der Vermessungswerke zur 
Einsicht der betheiligten Grundbesitzer ist bis Ende 1883 auf 1426 
oder 65 Procent sämmtlicher Gemarkungen gestiegen. 



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94 



Literaturzeitung. 



Die Gesammtzahl der Schlussverhandlungen zur Anerkennung 
der Vermessungswerke beträgt bis Ende 1883 1 419 oder nahezu 
G9 Procent sämmtlicher Gemarkungen. 

Die Aufstellung der Schlussabrechnung der Gemarkungsver- 
messungen beträgt : 



Im Jahr. 


Vermessungsfläclie. 


Kostenaufwand 
für Vermessung und 
Kartirung. 


Beiträge 

' der Grund- und 
Häuserbesitr.er. 




ha 


JL 




1882 


39 004,58 


469 476,80 


95 252,87 


1883 


26 097,35 


331 604,87 


64 729,91 

1 



Die durchschnittlichen Kosten der Vermessung beliefen sich 
daher im Jahr 1882 auf 12,03 Mark, im Jahr 1883 auf 12,70 Mark 
per ha. 

Die Gesammtzahl der angefertigten lithographirten Gemarkungs- 
Uebersichtskarten im Maassstab von 1: 10000 d. n. G. belief sich 
am Schlüsse des Jahres 1883 auf 1313, somit auf 59,6 Procent 
sämmtlicher Gemarkungen. 

Am Schlüsse des Jahres 1883 sind 1163 Gemeinden (nahe 53 
Procent) in dem Besitz ihres betreffenden Vermessungswerkes. 

Die Fortführung der an die Gemeinden abgegebenen Ver- 
messungswerke, bestehend in Planatlas und Güterzettel, wird von 
27 Bezirksgeometern in 34 Amtsbezirken besorgt. 

Die Aufstellung und Fortführung der Lagerbücher hat im Jahr 
1883 eine Aenderung erlitten. Hiernach erhält das aufzustellende 
Güterverzeichniss eine solche Einrichtung, dass es ohne Weiteres 
als Concept des Lagerbuchs verwendet werden kann. 

Der Lagerbuchsbeamte hat daher nur die Fortführung des 
Güterverzeichnisses und den Eintrag der Grunddienstbarkeiten in 
demselben zu besorgen und kann dann sofort ohne Aufstellung 
eines besondern Concepts zur Fertigstellung des Lagerbuchs durch 
Herstellung einer Copie des fortgeführten und ergänzten Güterver- 
zeichnisses schreiten. 

2. Herstellung einer neuen topographischen Karte des Landes. 

Mit Ausnahme dreier Grenzblätter von geringem Inhalt sind 
die Originale sämmtlicher bis daher noch nicht publicirter Atlas- 
blätter in Bearbeitung weit vorgeschritten ; für mehrere Blätter 
fehlen nur noch die Nachrevisionen, so dass die rechtzeitige Fertig- 
stellung der Originale zum Stich gesichert erscheint. 

Für 30 Grenzblätter wurde das entfallende nicht badische Ge- 
biet rekognoszirt, mit Höhencoten zur Gewinnung von Horizontal- 
curven überzogen und damit in thunlichste Uobereinstimmung mit 
der Ausführung des Inlandes gebracht. 

Publizirt wurden in den letzten beiden Jahren sieben Lieferungen 
zu 6 Blätter = 42 Blatt; ferner 8 Blätter in wohlfeiler Ausgabe 
aus der nächsten Umgebung von Freiburg und Badenweiler. 



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Gesetze und Verordnungen. 



95 



Die Ausgaben für die Herstellung der Karte betrug im Jahr: 

1882 61254,83 Mark, davon für Stich und Druck 29351,51 Mark, 

1883 53 294,24 > > » > » > 26 485,18 > 

Die Einnahmen betrugen: 1882 10683,26 Mark, 

1883 10 792,15 > 

Karlsruhe, November 1885. Dr. M. Doll. 



Gesetze und Verordnungen. 

Circular-Erlass. betreffend die Fortgewährung des Diensteinkommens an 
die zu Militärlibungen einberufenen diätarisch beschäftigten HUIfsarbeiter. 

Berlin, den 27. November 1885. 

Unter Aufhebung des Circular-Erlasses vom 25. Juni 1884*) 
(M. Bl. f. d. i. V. S. 173), betreffend die Fortgewährung der Re- 
munerationen an die zu Militärübungen einberufenen diätarisch be- 
schäftigten Hülfsarbeiter der allgemeinen Bauverwaltung, bestimme 
ich folgendes : 

1. Den gegen fixirte Remunerationen — vergleiche Circular- 
Erlass vom 13. Januar 1885 (M. Bl. f. d. i. V. S. 19) — 
dauernd oder auf unbestimmte Zeit angenommenen Beamten, 
ohne Unterschied , ob sie Oifiziersrang haben oder nicht, 
ist ebenso wie den etatsmässig angestellten Beamten während 
der gewöhnlichen Friedensübungen, einschliesslich der Dienst- 
leistungen zur Darlegung der Qualification als Reserve- und 
Landwehr-Offizier bezw. zur weiteren Beförderung, das Civil- 
diensteinkommen — letzteres jedoch unter Ausschluss der 
etwa zugebilligten Feldzulagen oder sonstigen Entschädi- 
gungen für Dienstaufwand, welche stets in Fortfall kommen 
— ohne Anrechnung der aus Militärfonds zahlbaren Com- 
petenzen zu belassen ; 

2. allen anderen Beamten ist der Regel nach die Civilbesoldung 
neben den Militär - Competenzen nicht fortzuzahlen. Aus- 
nahmen von dieser Regel sind nur unter besonderen Um- 
ständen nach dem pflichttnässigeu Ermessen des Vorgesetzten 
Herrn Regierungs- Präsidenten u. s. w. zuzulassen. 

Der Minister der öffentlichen Arbeiten 
gez. Maybach. 

An die Königlichen Regierungs-Präsidenten u. s. w. 111. 18743. 

Erlass vom 23. Januar 1886, betreffend Rangklasse der Specialkommis- 
sarien der Auseinandersetzungsbehörden. 

Auf Grund des §.10 des Gesetzes vom 24. März 1873 (Gesetz- 
sammlung Seite 122) und des Gesetzes vom 28. Juni 1875 (Gesetz- 
sammlung Seite 370), sowie auf Grund des §. 2 des Gesetzes vom 

*) Zeitschrift f. Yerm. 1881 S. 435. 



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96 



Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. 



12. Mai 1873 (Gesetzsammlung Seite 209) und des §.9 des Gesetzes 
vom 24. Februar 1877 (Gesetzsammlung Seite 15) bestimmen wir 
hiermit, dass den Spezialkommissaren der Auseinandersetzungs- 
behörden und zwar sowohl denjenigen aus der Klasse der Techniker 
(Oekonomie-Kommissare, Oekonomie-Kommissions-Räthe und Regie- 
rungs- und Landes-Oekonomie-Räthe) als auch denjenigen aus der 
Klasse der Assessoren (Gerichts- und Regierungs-Assessoren, Regie- 
rungs- und Geheimen Regierungs- Räthe), mögen sie eine etatsmässige 
Spezialkommissarstelle inue haben oder nicht, ebenso, wie denjenigen 
Vermessungsbeamten, welchen eine etatsmässige Vermessungs-In- 
spektorstelle bei einer Auseinandersetzungsbehörde auf Widerruf 
oder definitiv verliehen worden ist, — für die von ihnen im Staats- 
dienstinteresse ausgeführten Reisen diejenigen Sätze an Tagegeldern 
und Reisekosten und, sofern sie eine etatsmässige Stelle bekleiden, 
auch diejenigen Beträge an Wohnungsgeldzuschuss und Urazugs- 
kostenvergütungen zu gewähren sind , welche den Beamten der 
fünften Rangklasse zustehen. 

Berlin, den 23. Januar 1886. 

Der Minister Der Finanz-Minister, 

für Landwirthschaft, Domänen u. Forsten. Im Aufträge: 

gez. Lucius. gez. von Lentz. 

An säromtliche Königliche General-Kommissionen. 



Personalnachrichten. 

Der Katasterkontroleur, Steuerinspektor Schindowski zu Frank- 
furt a. M. ist zum Katasterinspektor ernannt und demselben die 
Katasterinspektorstelle bei der Königlichen Regierung zu Stade 
verliehen worden. 



Vereinsangelegenheiten. 

Neue Mitglieder. 

Nr. 2298. Güntter, Fr., Geometer, Stuttgart. 

> 2299. Maurer, August, Geometer, München. 

> 2300. Berdel, Adolf, Geometer, München. 



Diejenigen Mitglieder des Deutschen Geometervereins, welche ge- 
sonnen sind, den Mitgliedsbeitrag von 6 Mark pro 1886 per Postanweisung 
einzuzahlen, werden hiemit ersucht, dieses bis längstens den 8. VI sir z 
1886 zu bewerkstelligen, nach diesem Zeitpunkt aber, um Kreuzungen 
zu vermeiden, keine Einzahlungen mehr zu machen, da nach §. 16 der 
Satzungen sodann der Mitgliedsbeitrag per Postnachnahme erhoben 
werden wird. 

Coburg, 12. Dezember 1885. 

G. Kerschbaum, z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 

Inhalt. 

Grässere Abhandlung : Ueber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser 
erreichbare Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen 
desselben, von Wagner. Kleinere Miltheilungen : Die Thätigkeit der Auseinander- 
setzungsbehörden in Preussen im Jahre 1884. Literaturzeitung : Badische Landes- 
kultur- und Vermessnrigsarbeiten in den Jahren 1832—1883, bespr. von Doll. 
Gesetze und Verordnungen. Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. 

Karlsruhe. Druck von Malsch A Vogel. 



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97 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppes, Steueraseeesor in München, und 
R. Qerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1886> Heft 5. Band XV. 

1. März. 



Ueber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser 
erreichbare Genauigkeit und einige Erörterungen 
über die Fehlerursachen desselben. 

(Schluss.) 

Beobachtungsreihe Nr. Q. Den 26. Mai 1884, Vormittags 
6.25 bis 8 Uhr. Zielweite = 500 m. Instrumentsstandpunkt, Visir- 
linie, anvisirter Streifen und Himmel wie bei Reihe Nr. 5. Wind 
weht sehr stark. Oscillation der Lichtstrahlen fehlt anfänglich 
gänzlich und wird nur am Schlüsse der Reihe etwas bemerkbar. 



Zusammenstellung der 6 Beobachtungsreihen über Zielgenauigkeit. 
Eine jede Beobachtungsreihe besteht aus 50 Einzelvisuren. 

Die Fernrohr-Vergrösserung = 25 fach. 



Nr. 

der 

Beob.- 


Ziel- 

weite. 




m 

°joo der 




Jbl 






M 

°/o o der 




M 

m 


Reihe. 


m 


mm 


Länge. 


Sec. 


mm 


Sec. 


mm 


Länge. 


Sec. 




1 


50 


0,06 


0,0011 


0,23 


0,008 


0,03 


0,3 


0,0050 


1,0 


4,5 


2 


100 


0,17 


0,0017 


0,34 


0,024 


0,05 


0,6 


0,0060 


1,2 


3,7 


3 


200 


0,32 


0,0016 


0,33 


0,045 


0,05 


U 


0,0055 


1,1 


3,4 


4 


300 


0,43 


0,0014 


0,30 


0,061 


0,04 


1,5 


0,0050 


1,0 


3,5 


5 


400 


0,51 


0,0013 


0,26 


0,072 


0,04 


1,3 


0,0034 


0,7 


2,6 


6 


500 


0,56 


0,0011 


0,24 


0,079 


0,03 


1,9 


0,0038 


0,8 


3,4 



Der mittlere Zielfehler m, einer einzelnen Beobachtung, ermittelt 
aus allen Beobachtungsreihen (= 300 einzelne Zielbeobachtungen), 
beträgt : 



V 0,23 2 + 0,342 _|_ o,33 2 + 0,30 2 + 0,26 2 + 0,24 2 
6 

= ± 0,287 Secunden oder rund = 0,3" 

Zeit Schrift für Verniesiungswestu. 1886. 5. neft. 7 



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98 Wagner. Ueber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser erreichbare 



Von den hier in dieser Zusammenstellung vorliegenden Schwan- 
kungen des mittleren Zielfehlers lässt sich wohl auch nur annehmen, 
dass sie allein durch den Genauigkeitsgrad, welcher mit der Anzahl 
von 25 Beobachtungen nur erhalten werden kann, begründet sind. 
Auch hier ist man desshalb zu dem Schlüsse berechtigt: dass der 
mittlere Zielfehler von der Entfernung unabhängig ist. — 

Professor Stampfer leitet (S. 230 und 231 Bd. 18 obengenannter 
Jahrbücher) aus seinen Versuchen über die Zielgenauigkeit mit 
Fernrohren folgende Folgerungen ab: 

»Bei guten achromatischen Fernrohren ist unter den günstigsten 
Umständen, und wenn die zwischenliegende Luft keinen stören- 
den Einfluss üben würde, die Genauigkeit der Visur nahe der 
Vergrösserung proportional, vorausgesetzt, dass diese mit den 
übrigen Dimensionen und mit der Vollkommenheit des Objectivs 
in gehörigem Verhältnisse steht, und eher von schwächerem als 
stärkerem Grade ist. 

Man kann also für ein gutes Fernrohr mit mässiger Ver- 
grösserung unter Voraussetzung günstiger Umstände den wahr- 
scheinlichen Visurfehler näherungsweise finden, wenn man den 
Visurfehler des freien Auges unter denselben Umständen durch 
die Vergrösserungszahl dividirt. < 

Diebeigegebene Zusammenstellung der Stampfer’schen Versuche 
(S. 231), auf welche diese Folgerungen zum Theil basiren , repro- 
ducire ich hier mit einigen Ergänzungen. Es bedeutet darin V die 
Fernrohrvergrösserung und t den durchschnittlichen Zielfehler, welcher 
von den 3 verschiedenen Beobachtern in je8Visuren begangen wurde. 
In einer Beobachtungsreihe wurden also im Ganzen 3.8 = 24 
Visuren gemacht. Das Fernrohr bei Nr. 2 war nicht achromatisch. 
Die Zielentfernung betrug 12 Klafter = rund 24 m. 



Tabelle nach Stampfer. 



Nummer 

der 

Beobach- 

tungsreihe. 


Ver- 

grösse- 

rung 

V 


Zielfehler 

t 


Visurfehler 
für dio Ver- 
grösserung 

(t~V) 


0 


1 


2,6 " 


2,6 


1 


5 


0,72 


3,6 


2 


12 


0,54 


6,5 


3 


26 


0,26 


6,8 


4 


28 


0,22 


6,2 


5 


29 


0,26 


7,5 


6 


64 


0,11 


7,0 


8 


13 


0,45 


5,8 



Auf Seite 223 gibt Stampfer die durchschnittlichen Zielfehler, 
welche mit einem Fernrohre ohne Vergrösserung (Objectiv und 
Ocular von gleicher Brennweite) erhalten wurden , zu 2,0 bis 3,1" 



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Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen derselben. 99 



an. Das durchschnittliche Mittel aus den dort angeführten 5 Be- 
obachtungsreihen ist 2,6" und ist oben unter Nr. 0 eingesetzt. 

Mit Ausnahme von Nr. 0 und 1 stimmen die übrigen Be- 
obachtungsreihen recht gut mit einander überein. Bezüglich der 
Beobachtungsreihe Nr. 1 macht Stampfer darauf aufmerksam, dass 
selbst bei den vollkommensten Objectiven die Helligkeit und Prä- 
cision des Objectes mit der Zunahme der Vergrösserung abnehmen 
muss. 

Bilden wir den durchschnittlichen Zielfehler t, . V aus den Stampfer- 
schen Beobachtungsreihen Nr. 3, 4 und 5, welche bezüglich der 
Fernrohrvergrösserung der 25fachen am nächsten liegen, so erhalten 
wir : 






6,8 +6,2 + 7,5 



= 6,8" 



Hiergegen bringen wir unseren mit 25fach vergrösserndem Fern- 
rohre gefundenen mittleren Zielfehler m, = 0,287" auf die Fern- 
rohrvergrösserung == 1, und es entsteht: 

m. . F= 0,287. 25 = 7, 17". 

Dieser mittlere Zielfehler wäre noch , um zu einem besseren 
Vergleiche mit den Stampfer’schen Resultaten zu kommen, in den 
durchschnittlichen Zielfehler V zu verwandeln; man erhält hier- 
für (vergl. Jordan, Handbuch der Vermessungskunde 1877, S. 97): 
t'„.V=:m,.V. 0,798 = 5,7". 

Man könnte einwenden, dieser hier benutzte Coefficient 0,798 
basire auf wahren Fehlern, während Stampfer seine Resultate nach 
Differenzen seiner Beobachtungen gegen das arithmetische Mittel 
berechnet. Wir wollen kurz auch den analogen durchschnittlichen 
Fehler t "„ . V aus unsern einzelnen Beobachtungen berechnen. Der- 
selbe bestimmt sich wie folgt. Für eine Doppel-X isur hat man aus 
allen 6 Beobachtungsreihen einen durchschnittlichen Zielfehler (2) 
t"„ von: 

0,22 + 0,36 + 0,38 + 0,33 + 0,30 + 0,25 



(2 )<"„ = ' 



6 



■ = 0,307" 



Der durchschnittliche Zielfehler t"„ für eine Visur ist: 



t" 



(2)t'\r 

V~2 



= 0,217", 



und dieser stellt sich für die Fernrohrvergrösserung = 1 zu: 

r„.r= 5,4" 

Wir recapituliren die gefundenen durchschnittlichen Zielfehler 
für eine Fernrohrvergrösserung V— 1 : 

t, .V— 6,8" Stampfer 
t' K ■ V—5,7" 
t"„ . V— 5,4" 



Wagner 



* *• Dlgitiieü’by Google 



100 Wagner, lieber die mit dem Reiobenbach’schen Distanzmesser erreichbare 

Professor Stampfer hat somit einen etwas grösseren durch- 
schnittlichen Zielfehler gefunden, als er hier nachgewiesen ist. Eine 
Begründung dafür lässt sich bei den verschieden angewendeten 
Zielobjecten finden; denn es ist ein schmaler, weisser Streifen sicher- 
lich genauer anzuvisiren, als ein runder, schwarzer Punkt. — 

Das reine Ablesen mit einem Nivellirfernrohre auf einer Nivel- 
lirlatte ist bei feststehender Libellenblase ganz dasselbe, was das 
Ablesen mit dem zweiten Faden des Distanzmesserfernrohres auf 
der gleich eingetheilten Distanzlatte ist. 

In der Zeitschrift für Vermessungswesen, Bd. VI. (1877), S. 3, 
führt Dr. Vogler aus, dass sich bei den bayerischen und schweizeri- 
schen Instrumenten (für Präcisionsnivellements) derjenige Theil 
des mittleren Fehlers einer (Nivellements-)Visur , welcher von der 
Entfernung unabhängig ist, nahe genug wiedergegebeu wird durch 
50: v Secunden, worin wieder v die Fernrohrvergrösserung bedeutet, 
und erwähnt Seite 12, dass die bayerischen Präcisionsnivellements 
der Jahre 1870/71 bei einer Zielweite von 25 — 75 m mit Ziellatten 
ausgeführt wurden , deren kleinstes Eintheilungsintervall = 1 cm 

50 

gewesen ist. Wendet man diese Formel m — — auf ein 25fach 

vergrösserndes Fernrohr an, so erhält man für m — 2 Secunden als 
mittleren Fehler für eine Nivellementsvisur. Auf Seite 84 hier, in 
der Beobachtungsreihe Nr. 1, finden wir für eine Entfernung von 
50 m und bei einem kleinsten sichtbaren Intervalle von 1 cm den 
mittleren Distanzfehler zu 1,8" und in der Reihe Nr. 8 zu 1,3" an- 
gegeben. Es ist dies der mit 2 Fäden begangene Fehler. Bringen wir 
hiervon den mit dem Nullpunktsfaden begangenen Zielfehler nachdem 
Fehlerfortpflanzungsgesetz in Abzug, indem wir H,8* — 0,3 2 = 1,8" 
und Vl,3* — 0,3 2 = 1,3" bilden, so finden wir, dass der mittlere Ab- 
lesungsfehler für den zweiten Faden dem mit beiden Fäden erzeugten 
Fehler noch in der ersten Decimalstelle genau gleich bleibt, und 
finden endlich eine Liebereinstimmung mit der Vogler’schen Formel, 
welche, als mit den vorliegenden Umständen angemessen angesehen 
werden kann; — die Vogler’sche Formel begreift ohnedem auch 
den durch die Libelle erzeugten Fehler in sich. — 

Wir wollen nun noch den Zielfehler einer kurzen weiteren Er- 
örterung unterziehen. 

Man kann den Zielfehler allgemein wohl in 2 Theile zerlegen, 
nämlich den > Sehfehler < und den » Schätzungsfehler <. Der erstere 
ist derjenige, welcher von der Güte des Auges, bezw. des Fernrohres, 
von der Zielbeleuchtung und der Beschaffenheit der Luft abhängt. 
Der letztere würde dann von der Form der Ziele und der Gewandt- 
heit des Beobachters im Abschätzen gleicher Theile der Ziele ab- 
hängig sein. 

Der Sehfehler für sich allein lässt sich einer specielleren Unter- 
suchung unterwerfen, dagegen wird es schwer halten, den Schätzungs- 



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Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen desselben. 101 



fehler für sich allein ebenfalls näher zu untersuchen, weil er vom 
Sehfehler nicht abgetrennt werden kann. Wird der Letztere aber 
genau bekannt, so lassen sich weitere Schlüsse auch über den 
Schätzungsfehler ziehen. 

Um den Sehfehler einer Untersuchung zu unterziehen, befestigte 
ich 2 Cartons von je 8 cm Breite und 9 cm Höhe, welche beide 
einen verticalen weissen Streifen von 8 mm Breite und 90 mm Höhe 
enthielten und sonst ganz schwarz gefärbt waren , seitlich auf den 
in Figur 4 und 5, Seite 87, dargestellten Apparat und zwar derart 
den einen Carton an die Vorderfläche des verticalen Brettchens b 
und den anderen an d, dass die verticalen weissen Streifen nahezu 
übereinander coincitirten. Auf eine Entfernung von 10 und 20 m 
mit alleiniger Hülfe des freien Auges und von 200 m mit Hülfe des 
oben mehrfach genannten Fernrohres von 25facher Vergrösserung 
bringe ich nun die beiden weissen Streifen zur genauen Co'incidenz. 
Nach jedesmal befriedigender Einstellung wird dann die Nonius- 
stellung abgelesen und notirt. Es werden wieder Beobachtungs- 
reihen und zwar 3 an der Zahl von je 25 Einzelbeobachtungen ge- 
bildet und günstige äussere Umstände hierfür ausgesucht. 

Der Raumersparniss halber wird nur das Endresultat der 3 ge- 
machten Beobachtungsreihen hier angeführt. 

Die Zeichen m, ^ und M sind dieselben wie früher S. 58, nur 
ist m hier der mittlere Sehfehler. 



Zusammenstellung von 3 Beobachtungsreihen über die Genauigkeit 

des Sehens. 



Eine jede Beobachtungsreihe hat 25 Einzelbeobachtungen. 









102 Wagner. Heber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser erreichbare 

Vergleicht man diese Sehfehler m, und m', mit einander, so 
folgt, dass man mit dem unbewaffneten Auge verhältnissmässig 
genauer visirt, als mit einem Fernrohre, — eine Erscheinung, 
welche Professor Stampfer auch beobachtete; nur fand dieser den 
Unterschied etwas grösser, als ich, was in den verschiedenen Beob- 
achtungsweisen begründet sein mag. — 

Stellt man die mit dem 25fach vergrössernden Fernrohre ge- 
fundenen mittleren Fehler zusammen, so erhalten wir : 

A) den Sehfehler m, (Zielfehler ohne Benutzung eines Fadens) 
= +0,16 Secunden, 

B) den Zielfehler m, (Zielfehler mit einem Faden) = + 0,29 Sec., 

C) den Distanzfehler m,i (Ziel- und Ablesungsfehler mit 2 Fäden) 
= + 1,06 Secunden. 

Mit Rücksicht auf das eingeschlagene Verfahren dürfte nun 
angenommen werden können, dass in dem Sehfehler m, ein Schätz- 
ungsfehler nicht enthalten sei, oder wenn man einen solchen auch 
voraussetzen wollte, derselbe doch seiner geringen Grösse halber 
vernachlässigt werden darf. Unter dieser Voraussetzung lässt sich 
der im Zielfehler w, begangene Schätzungsfehler m, berechnen, weil 
man den Fehler m. als aus dem Sehfehler und einem Schätzungs- 
fehler entstanden ansehen kann. Nach dem Fehlerfortpflanzungs- 
gesetz ergibt sich alsdann dieser Schätzungsfehler zu : 

7n t = Fo,29* — 0,16 a = ;b0,24'' oder zu rund = J / 4 Secunde. 
Dass der Distanzfehler m,i aus dem Zielfehler und Ablesungs- 
fehler zusammengesetzt sein muss, ist bereits früher erörtert. Der 
Erstere wird mit dem Nullpunktsfaden, der Letztere mit dem Ab- 
lesungsfaden begangen. Der mit dem Nullpunktsfaden begangene 
Zielfehler kann aber offenbar dem Zielfehler »n s mit genügender 
Genauigkeit gleichgesetzt werden und es berechnet sich dann der 
mit dem zweiten Faden begangene Ablesungsfehler m a zu: 

m a = Fl, 06 *—0,29 11 = + 1,02" 

Sieht man wieder diesen Ablesungsfehler als aus einen» 
Sehfehler m, und einem Schätzungsfehler m T entstanden an , SO' 
folgt letzterer: 

w»r= F 1,02* — 0,16'- = + 1,01", oder rund = 1 Secunde. 
Vorstehende Folgerungen mögen von streng theoretischem Stand- 
punkte aus theilweise gewagt, wenigstens nicht absolut correct 
erscheinen, indessen dürften dieselben für die Praxis immerhin 
genügend richtige Winke geben und gewiss auch zu den Folgerungen 
berechtigen : 

dass der Schätzungsfehler, welcher an einem Lattenintervalle 
begangen wird, etwa rund viermal grösser ist, als der Schätz- 
ungsfehler im günstigsten Falle beträgt, nämlich wenn die 
Form des Zielpunktes (Nullpunkt) die strengste Co'incidenz des 
Fadens ermöglicht, 

dass die Schätzungsfehler die Hauptrolle spielen und nahezu 
so gross sind als die Gesammtfehler. 



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Genauigkeit und einige Erörterungen über die Fehlerursachen desselben. 1 03 

Es wird endlich auch hieraus hervorgehen, wie wichtig für 
die erreichbare Genauigkeit bei dem Distanzmesser es ist, dass ein 
besonderer Nullpunkt auf der Latte gebildet und dass der Latten- 
eintheilung überhaupt eine Form zu geben gesucht wird, welche 
das Auftreten des Scbätzungsfehlers zu einem Minimum macht. — 
Sodann lassen sich aus dem Vorgetragenen noch folgende all- 
gemeine Schlüsse ziehen : 

1. Der mittlere Fehler des Zielens mit einem guten 25fach ver- 
grössernden Fernrohre ist unter günstigen äusseren Umständen 
unabhängig von der Entfernung und beträgt rund 0,3 Secunden. 

2. Da die von Stampfer aufgestellte Regel, dass die Genauigkeit 
des Zielens mit guten, nicht zu stark vergrössernden Fernrohren 
unter günstigen äusseren Umständen nahezu ihrer Vergrösse- 
rung proportional ist, als genügend richtig angenommen werden 
darf, so kann man den mittleren Zielfehler eines guten, etwa 
10- bis 50fach vergrössernden Fernrohrs annähernd in Secunden 
erhalten, wenn man 8" mit der Vergrösserung des Fernrohrs 
dividirt. (Für Vergrösserungen unter lOfach dürfte derselbe 
um Etwas — ca. 20 bis 25°/ 0 — vermindert werden können.) 

3. Mit einem Reichenbach’schen Distanzmesser, dessen Fernrohr 
eine 25fache Vergrösserung besitzt und dessen Distanzwinkel- 
Tangente = 0,01 ist, lassen sich unter günstigen äusseren 
Umständen Distanzen mit einer solchen Genauigkeit bestimmen, 
dass deren mittlerer Fehler = 0,05 bis 0,06 °/ 0 der Länge gross 
ist. (Wird ein Distanzwinkel gewählt, dessen Tangente = 0,005 
ist, so verdoppeln sich diese mittleren Fehler.) 

Die Grösse der Entfernung hat hierauf keinen Einfluss. 

4. Der Maximalfehler, welcher bei solchen Distanzmessungen be- 
gangen werden kann , ist etwa < dem 3fachen des mittleren 
Fehlers zu setzen. — -- 

Die vorstehenden Resultate über die Genauigkeit des Distanz- 
messens sind, wie erwähnt, aus Beobachtungen erhalten, welche 
unter günstigen äusseren Umständen gemacht worden sind und 
dieselben stehen desshalb gewissermassen an der Maximalgrenze 
hierfür. Wenngleich im Gegensätze hierzu ein bestimmter Maass- 
stab für eine Minimalgrenze wohl viel schwieriger zu erhalten und 
in gleicher Präcision mit der Maximalgrenze nicht zu erhalten ist, 
so ist doch immerhin, wenn auch in grösseren Schwankungen, die 
generelle Feststellung einer solchen Minimalgrenze der Distanz- 
messergenauigkeit denkbar, indem mau absichtlich so ungünstige 
äussere Umstände aufsucht, dass noch gerade ein Ablesen auf der 
Distanzlatte überhaupt möglich ist. Wenn man bei ungünstigem 
Wetter (neblichem , regnerischem , oder bei oscillirendem Licht, 
ungünstiger Beleuchtung etc.) die Entfernung der Latte vom In- 
strumente so lange vergrössert, bis jener Umstand eingetreten ist, 
dass man noch eben ablesen kann, wäre beispielsweise eine solche 
Minimalgrenze bildbar. 



104 



Vogler. Ueber Stative. 




Die Absicht hatte ich, — und ich habe sie auch jetzt noch 
nicht ganz aufgegeben — , zu versuchen, auch eine Minimalgrenze 
der Distanzmesser-Genauigkeit festzustelleu , allein es fehlte mir 
hierzu die nöthige Zeit und Gelegenheit und wird mir dieselbe 
auch demnächst nicht sich bieten können. Die Veröffentlichung der 
bisherigen Beobachtungen glaubte ich aber hiervon nicht abhängig 
machen zu sollen, umsomehr, als zu iioffeu ist, dass hierdurch 
mancher andere Techniker zu ähnlichen Untersuchungen veranlasst 
werden könnte. Es wäre Letzteres gewiss sehr wünschens werth, 
weil sich alsdann aus dem Vergleiche sämmtlicher Beobachtungen 
weit allgemeinere und bestimmtere Schlüsse ziehen lassen, als aus 
solchen, welche nur von einer Person gemacht sind. Namentlich 
würde dies bei der Bestimmung der Minimalgrenze, bei welcher 
man schon auf grössere Fehlerschwankungen gefasst sein muss, der 
Fall sein. Von der Maximalgrenze glaube ich nicht, dass sie von 
anderen Beobachtern wesentlich anders, wie sie vorstehend bestimmt 
worden ist, gefunden werden wird, und zwar stützt sich diese meine 
Ansicht darauf, dass der Schätzuugsfehler den weitaus grössten Ein- 
fluss auf die Genauigkeit hat, sowie dass — wie mir aus früheren 
Vergleichen bekannt ist • — ich weder eine grössere, noch kleinere 
Gewandtheit im Abschätzen, wie auch überhaupt im Sehen besitze, 
als man von einem geübten Techniker voraussetzen darf. 

Stuttgart, im Oktober 1884. 

R. Wayticr, Ingenieur. 

Ueber Stative. 

Der neuerdings oft vernommene Wunsch nach geodätischen 
Aufsätzen rein praktischer Tendenz ermuthigt mich zur Mittheilung 

nachfolgender Studie. Ihr Gegenstand 
ist übrigens dem erfahrenen Geodäten 
nicht gleichgiltig, da die Wirkung fei- 
ner Messinstrumente nicht zum wenig- 
sten von der Standfestigkeit ihrer Ge- 
stelle bedingt wird. 

Die Seiten eines regulären Dreieckes 
abc sollen zugleich die Grundlinien 
der gleichschenkligen, unter sich con- 
gruenten Dreiecke abC, bcA , caB 
und letztere um ihre Grundlinien dreh- 
bar sein. Denkt man sich die Dreiecks- 
spitzen A, B, C in drei verschiedenen 
Punkten des Raumes festgehalten, so 
entsteht der starre, von 8 Dreiecken 
begrenzte Körper A B C a b c. Man 
erkennt in demselben unschwer die 
Grundform eines Stativs, das mit den 
Spitzen seiner Beine (und zwar vermöge 
seines Gewichts und der Reibung) auf 
drei Punkten des Erdbodens feststeht. 



Fig. I. 




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Vogler. Ueber Stative. 



105 



Dreieck abc sei horizontal, Seite b c in m halbirt. Der Punkt 
A lässt sich der Voraussetzung nach um die Dreiecksseite bc als 
Achse drehen, wobei alle übrigen Punkte der Raumligur ABC 
abc ihre Lage behalten; er kann um die Dreieckstransversale am 
rotieren, wobei b und c an der Rotation theilnehmen und nur das 
Dreieck aBC fest bleibt; er kann endlich um BC als Achse einen 
Kreis beschreiben, au welcher Rotation sich auch a, b, c betheiligen. 
Bei der ersten dieser Drehbewegungen blieb abc horizontal, bei der 
zweiten von abc nur solche Linien, welche parallel a m liegen, bei 
der dritten auch diese nicht, so dass die beiden letzten Bewegungen 
der Fläche abc jede beliebige Stellung gegen den Horizont zu 
geben vermögen. Die umgekehrte Anwendung derselben Dreh- 
bewegungen kann die Fläche abc aus jeder beliebigen Stellung 
in die Horizontale überführen. 

Beim Aufstellen eines Statives soll man nach einer alten, aber 
fast vergessenen Regel erst zwei Fussspitzen B und C festdrücken, 
dann das dritte Bein ergreifen, durch Drehen desselben um die 
Transversale am als Achse zunächst die Seite bc wagrecht stellen, 
dann durch Drehen des ganzen Stativs um B C als Achse auch 
am in wagrechte Lage bringen. War BC selbst eine Horizontale, 
so ist jetzt abc wagrecht, war BC geneigt, so musste, während 
oder nach der Rotation um B C, noch eine solche um a m er- 
folgen, damit abc wagrecht wurde. Nun lässt mau die Fussspitze 
A bis zum Erdboden sinken, wobei dieselbe um b c rotirt, und 
drückt sie etwas fest. Muss das Stativ im Ganzen noch seitlich 
versetzt werden, so geschieht dies bei allen drei Fussspitzen im 
gleichen Sinne, worauf sie sämmtlich und möglichst gleichniässig 
ganz festgedrückt werden. Dies pluumässige Verfahren, bei welchem 
jede Hilfe eines Anderen entbehrlich und selbst störend ist, führt 
offenbar schneller zum Ziel, als versuchsweises Versetzen und Nach- 
drücken bald dieses, bald jenes Stativbeines. Bei Längennivelle- 
ments z. B., wo jede Minute Zeitersparniss im einzelnen Stand sich 
täglich 50 bis 60m al wiederholt, kann durch planmässige Auf- 
stellung des Stativs leicht ein Kilometer mehr täglich aufgearbeitet 
werden als sonst. 

Von den Dreiecksflächen der Stativbeine Abc, Bca, Cab 
nehmen wir jetzt nur die drei Seiten als tragfähig an, von abc 
die ganze Dreiecksfläche. ABC und abc seien horizontal, Ab C, 
BcA , CaB vertikal Dann bildet z. B . Ab C einen Träger in 
vertikaler Ebene, den wir ais Sprengwerk auffassen und bezeichnen 
dürfen, mit den Stützpunkten A und C und den Streben A b und 
Cb. Eine in b angreifende Last drückt nur auf diese Streben, 
eine in C vereinigte Last nur auf Ac und B c, eine Last endlich, 
welche in a koncentrirt ist, nur auf Ba und Ca. Dagegen sind 
4 Streben gleichzeitig gedrückt, wenn in einem oder mehreren 
Punkten der Strecke bc Lasten angreifen, und alle 6 Streben zu- 
gleich, wenn innerhalb des Dreieckes abc ein oder mehrere Punkte 
Angriffspunkte von Vertikaldrucken werden. 



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106 



Vogler, lieber Stative. 



Solange der Schwerpunkt einer auf dem Stativ ruhenden Masse 
in das Dreieck abc (oder darüber oder darunter) fällt, bleibt er 
unterstützt, die Figur daher im Gleichgewicht, und die tragenden 
Streben auf Druck beansprucht. Das Gleichgewicht ist aber labil, 
wenn a, b oder c Angriffspunkte der Last sind, weil diese Punkte, 
bei dem geringsten Ueberneigen der Ebenen aBC , bCA, cAB 
nach aussen, nicht mehr unterstützt wären. Wenn daher der An- 
griffspunkt der Last im Dreieck abc beliebig liegen kann, so darf 
die Aufstellung der Stativbeine nicht enger werden, als bis jene 
Ebenen vertikal stehen. 

Auch solange der Schwerpunkt einer das Stativ belastenden 
Masse zwar ausserhalb abc, aber noch über ABC zu liegen 
kommt, bleibt er unterstützt und das Ganze im Gleichgewicht. 
Aber eine Last, welche z. B. in Q auf der Verlängerung von a m 
angreift, wird nicht alle Streben drücken. Denken wir uns a Q 
als starre, tragfähige Linie, so bildet sie einen zweiarmigen Hebel 
mit dem Stützpunkt in »» und Angriffspunkten in Q und a, welcher 
letztere Punkt einen Zug nach oben erleidet, in Folge dessen die 
Streben Ba und Cu mit’ Zug, statt auf Druck beansprucht werden. 
Denken wir uns nun die Verbindung des Hebelarmes m a mit dem 
Sprengwerk a BC in a elastisch oder mit etwas Spielraum behaftet, 
so weicht ma nach oben, mQ nach unten aus, und bei gleichem 
Druck der Last, gleichem Verhältnis der Hebelarme und gleicher 
Nachgiebigkeit der Verbindung um so mehr, je kleinere Dimen- 
sionen das Dreieck abc besitzt. 

Noch in einem anderen Falle können einzelne Streben des 
Stativs auf Zug beansprucht werden. Denken wir uns Kräfte so an- 
greifend, dass sie das Dreieck abc um eine Vertikalachse durch seinen 
Schwerpunkt in azimutalem Sinne zu drehen suchen, so resultiren in 
«, b, c horizontale und den um Dreieck abc beschriebenen Kreis 
berührende Kräfte, welche z. B. in b durch Widerstände in den 
Richtungen A b und b C aufgehoben werden, so dass A b gedrückt, 
bG gezogen wird. Der Widerstand gegen Drehung ist aber um so 
stärker, je weiter die Angriffspunkte u, b, c von der Drehungs- 
achse abstehen. Wäre die Verbindung von abc mit den drei 
Sprengwerken in « , b , c wegen Elastizität oder Spielraum 
etwas nachgiebig, so würde der Winkel der möglichen Azimutal- 
drehung von abc unter sonst gleichen Voraussetzungen um so 
grösser, je kleiner die Dimensionen dieses Dreiecks sind. Man 
denke z. B. an excentrischen Seitendruck gegen eine Messtisch- 
platte, wie ihn selbst vorsichtige Beobachter unversehens ausüben 
können, oder an den irrigen Versuch, eine geklemmte Alhidade zu 
drehen. Neigungen sowohl als Drehungen können unter andern 
durch Winddruck und daraus entstehen, dass unter dem Einfluss 
der Sonne die Stativbeine sich etwas werfen. Die Wirkung muss 
um so kleiner werden, je grösser Dreieck abc. 

Lassen wir alle bisher geltenden Annahmen über die Auf- 
stellung des Stativs bestehen, also die Dreiecke abc und ABC 



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Vogler. Ueber Stative. 107 

horizontal, die Linien a M, b N, cP vertikal, aber die Streben 
jedes Beines einander symmetrisch näher rücken, dann werden die 
Stativgelenke schmäler als die Seiten des Dreiecks abc. Noch 
immer ist jeder Angriffspunkt einer Last innerhalb abc unter- 
stützt, das Gleichgewicht der Figur also gewahrt, aber kleine Nach- 
giebigkeiten der Gelenkverbindung üben grösseren (im Grenzfall 
doppelten) Einfluss, wenn irgend welche Kräfte die Ebene abc zu 
neigen oder zu drehen streben. Man überzeugt sich davon durch 
ähnliche Betrachtungen wie die vorhin angestellten. 

Ein Stativ wird darum noch nicht unbrauchbar, wenn die 
beiden Streben jedes Beines sich zu einer einzigen Strebe mit 
schmalem Gelenk vereinigt haben. Wenn aber die Gelenkmitten 
selbst einander so nahe als möglich rücken und darum abc sehr 
klein wird, dann können aus der Nachgiebigkeit der Verbindungen 
sehr starke Drehungen und Neigungen von abc und jeder damit 
verbundenen Linie hervorgehen. Dies der Grund, warum man bei 
schmalköpfigen Stativen die Gelenkverbindung durch grosse Reib- 
ungsflächen unnachgiebig zu machen sucht. 

Das Zapfenstativ, eine der ältesten Formen*), besteht bekannt- 
lich aus einem dreiseitigen Prisma mit vertikaler Achse ; an die 
Seiten des Prismas leimen sich die Stativbeine in Form hocb- 
kantiger dünner Latten, deren jede durch eine Schraube, die zu- 
gleich Gelenkachse, fest an ihre Prismenfläche gepresst werden 
kann. Trotzdem kann der Stativkopf sich beträchtlich drehen, 
wenn die Beine im Sonnenschein sich werfen. 

Bei den schmalköpfigen englischen Stativen ist, wie die Aus- 
stellung wissenschaftlicher Instrumente zu London 1876 zeigte, 
fast durchweg die Zirkelgelenkform angewandt. Eine cylindrische 
Scheibe dreht sich zwischen parallelen Metallbacken um einen Quer- 
bolzen, welcher Backen und Scheibe durchsetzt. Je kürzer die 
Achse des Cylinders, desto grösser sein Durchmesser und damit 
die Reibungsflächen, mit denen er die Backen berührt. Noch mehr 
als bei Zirkelgelenken ist hier genaue Arbeit erforderlich, weil die 
Backen gar nicht oder kaum elastisch sind. Wenn aber gut ein- 
gepasst, lassen sich die Stativbeine um ihre Gelenke sanft und 
gleichmässig wie Zirkelschenkel drehen, ohne dass man bei jeder 
Aufstellung des Stativs die Beine festklemmen und vor dem Ver- 
lassen des Standes wieder lösen müsste. 

Reichenbach, der die englische Instrumententechnik aus eigner 
Anschauung kannte, suchte seinem Stativ den letzterwähnten Vor- 
theil zu wahren. In der That soll der Mechaniker den Beobachter 
nicht ohne Noth mit so untergeordneten Nebenarbeiten belasten, 
wie das Klemmen und Lösen der drei Stativbeine in jedem ein- 
zelnen Stand des Instruments, deren einmaliges Unterlassen gleich- 
wohl für die Hauptarbeit, die Messung, verhängnissvoll werden 

*) Man verlängere in uuserer ersten Figur die Gelenkachsen ab über b, 
bc über e, ca über a hinaus um gleiche Stücke und lasse abc bis zum 
Verschwinden klein werden, so entsteht die Grundform des Zapfenstativs. 



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108 



Vogler. Uober Statire. 



kann. Reiclienbach’s Stativbeine (Fig. II.) endigen oben in horizon- 
talen Halb- oder Dreiviertel-Cylindern, welche in cylindrische Rinnen 
von gleichem Durchmesser an der Unterseite der Stativscheibe passen. 

Ein Querbolzen durch das Stativbein hat 
mit jenem Cylinder die Achse gemein und 
wird in seiner Mitte von einer Oese um- 
fasst, an welche ein kurzer Zapfen mit 
Schraubenspindel sich anschliesst und die 
Stativscheibe nach oben durchdringt. Die 
zugehörige Schraubenmutter drückt auf die 
Oberseite der Scheibe und presst den Ge- 
lenkcylinder gegen seine Rinne derart fest, 
dass kein Schlottern des Gelenks mehr mög- 
lich ist, sondern nur ein sanfter zirkel- 
artiger Gang desselben übrig bleibt. Da- 
mit die Reibung aber bei jeder Beinstellung 
dieselbe sei, wird erfordert, dass der Halb- 
cylinder des Stativbeines und sein Bolzen- 
locb vollkommen und mit einerlei Achse 
gedreht seien. Minder wichtig ist, dass der Bolzen selbst und die 
Rinne genau passende Cylinder sind. Letztere dürfte z. B. eine 
prismatische Vertiefung sein, wodurch allerdings die Reibungs- 
fläche zwischen Bein und Stativ eingeschränkt würde. Aber es 
kommt offenbar nicht auf starke, sondern auf gleichmässige Reibung 
und Beseitigung jeden Spielraumes an. Wenn in diesem Sinne gut 
gearbeitet, zählen Reichenbach’sche Stative, deren Gelenke ausser- 
dem beliebig breit gemacht werden können, noch jetzt zu den 
besten. Aber trotz ihrer Verbreitung in Deutschland scheint mit 
der Zeit der eigentliche Zweck dieser Bauart vergessen worden zu 
sein. Denn nur auf besondere Bestellung, und auch dann nicht 
von jeder Firma, bezieht man heutzutage Reichenbach’sche Stative 
von so gleichmässigein Gelenkgang, dass der Gebrauch des Schrauben- 
schlüssels von Stand zu Stand wegfallen kann. 



I-'ig. II. 




Fig. III. 




Am nächsten der Grundform des 
Stativs, wie sie unsre erste Figur ver- 
sinnlicht, kommt das Wiener Stativ 
von Starke & Kämmerer (Fig. III.). 
Die Streben der Beine bestehen aus 
Rundhölzern, welche am untern Ende 
durch einen Schuh, am obern durch 
einen Querriegel im Dreieck zusammen- 
gefügt sind. Die Gelenke werden durch 
Spitzenachsen gebildet. Man denke 
sich aus der dreieckigen Scheibe abc 
drei Paare paralleler Flanschen, an 
jeder Seite eines, hervortretend und 
jedes Paar einerseits mit einer Spitze, 
andrerseits mit einer Spitzenschraube 
versehen , während die zugehörigen 
Körner sich in den Querriegeln der 
Stativbeine vorfinden. Ist erst der 



1 



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Vogler. Deber Stative. 



109 



Spielraum, den die Schraube gewährt, geschlossen, dann kann bei 
äusserst leichtem Gang der Gelenke doch von einem Schlottern 
derselben nicht mehr die Rede sein. Gegen elastisches Nachgeben 
der Gelenkverbindungen sichert Stoff, Form und Stärke der Flanschen 
und Schrauben, welche hier durchaus bloss schematisch dargestellt 
wurden, schematisch auch in sofern, als Starke & Kämmerer Kugeln 
und Kugelschalen anstatt der Spitzen und Körner verwenden, und 
dies mit gutem Grunde. Während nämlich die Kegel jedes Spitzen- 
paares einerseits, jedes Körnerpaares andrerseits, gemeinsame Achsen 
haben müssen, giebt es keine solche die Kugeln betreffende Forde- 
rung. Ja selbst derjenige Kugelabschnitt, welcher den Fuss einer 
Schraube bildet, darf excentrisch, d. h. so an dieser festsitzen, 
dass der Kugelmittelpunkt ausserhalb der Schraubenachse liegt. 
Breiteste Stativgelenke bei leichtem Gang derselben ohne irgend 
welchen Spielraum bedingen die vorzügliche Standfestigkeit dieser 
Stative, welche durch starke Streben und einen oder mehrere Quer- 
riegel zwischen Fuss und Gelenk noch unterstützt wird. Diesem 
Vorzug gegenüber ist die bequeme Art, das Stativ in seine vier 
Theile zu zerlegen, von untergeordneter Bedeutung, um so mehr, 
als man ein Reisestativ doch lieber in einer als in mehreren Kisten 
verpacken wird. 



Im Vergleich zu dem Stativ von Starke & Kämmerer stellt das 
Berliner Stativ in der Gestalt, in welcher es hauptsächlich durch 
die Firma Pistor & Martins , während der sechziger Jahre 
über Deutschland verbreitet ward, einen konstruktiven Rückschritt 
dar. Aus der Stativscheibe treten nach aussen oder besser nach 
unten drei vierseitig prismatische Ansätze hervor. (Fig. IV.) Jeder 
derselben wird von den beiden Streben eines Stativbeines um- 
klammert, und ein Metallbolzen, welcher die Enden dieser Streben 
nebst dem Ansatz horizontal durchdringt, 
bildet die Gelenkachse. Der Bolzenkopf 
auf der einen , eine Flügelmutter auf der 
andern Seite fassen die Streben , welche 
die Form dünner, hochkantig gestellter 
Latten haben, zwischen sich und vermögen 
sie fest an den Ansatz zu pressen. Starke 
Reibung ist nöthig, weil der Querbolzen 
nicht frei von Spielraum in den drei 
Löchern sitzt, die er durchdringt. Nach 
angezogener Flügelmutter ist aber bei der 
angegebenen F orm des Ansatzes keine gleich- 
massige Gelenkdrehung mehr möglich und 
in der Regel auch dann nicht , wenn der Versuch gemacht wurde, 
den Reibungsflächen des Ansatzes die theoretisch erforderliche 
Kegelform annähernd zu ertheilen. Also muss bei diesem Stativ 
der Beobachter wieder zu dem lästigen Klemmen und Lockern der 
Stativbeine von Stand zu Stand zurückkehren. Aber man war 
ohnehin , auch bei mangelhaft ausgeführten Reichenbach ’sehen 




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HO Vogler. Ueber Stative. 

Stativen, seit lange daran gewöhnt, und das neue Stativ hatte 
wenigstens den Vorzug der Wohlfeilheit. Der Vorwurf, dass seine 
Beine zu schwach seien und sich im Winde durchbiegen, trifft 
offenbar nicht die ganze Gattung und kann an den Exemplaren, 
für welche er gilt, durch kräftigere Streben, stärkere Divergenz 
und bessere Verbindung derselben untereinander beseitigt werden. 
Denn selten sieht man bei Berliner Stativen die zulässige Gelenk- 
breite ausgenützt. 

Um seinen Stativen auch den zirkelartigeu Gelenkgang zu 
geben , hat Sprenger in Berlin die Reibungsflächen des Ansatzes 
als parallele Ebenen bearbeitet und die Streben des Beines mit 
einem Bruch versehen, so dass ihre oberen Enden einander ebenfalls 
parallel laufen. Der beabsichtigte Zweck wird dadurch wirklich 
erreicht. Soll aber der Spielraum des Gelenkbohens ganz unschädlich 

werden , der beim Auflegen 
Fi K- V. grosser veränderlicher Lasten 

(z. B. auf den Messtisch), bei 
starkem seitlichem Winddruck 
und ähnlichen Umständen nur 
nach gewaltigem Klemmen der 
Flügelmuttern ohne Einfluss 
bleibt, so muss das Berliner 
Stativ, ebenso wie das Wiener 
von Starke & Kämmerer, Ge- 
lenke mit lauter Jeu;/ eiförmi- 
gen Reibung s flächen erhalten. 
(Kegelförmige sind aus dem- 
selben Grunde weniger zu em- 
pfehlen, wie oben Spitzen und 
Körner, doch können Kugelflächen sich an hohlen Kegeln oder 
Trichtern reiben.) 

In dem Ansatz des Stativkopfes liegen (Fig. V.) beiderseits 
hölzerne oder metallene Kugelsegmente in Pfannen , welche als 
Kugelschalen von gleichem Radius (wenn nicht trichterförmig) 
ausgearbeitet sind. Mit kurzen Spitzen drücken sich jene in die 
Streben der Stativbeine ein , wenn die Schraubenmutter des Quer- 
bolzens angezogen wird. Nicht dieser, sondern die Verbindungslinie 
der beiden Kugelcentren ist jetzt Gelenkachse, der Bolzen aber 
einzig dazu da, jeden Spielraum zwischen den Reibuugsflächen zu 
beseitigen. Sein eigener Spielraum kann beliebig gross sein. 

Dies Gelenk mit Kugelreibung giebt dem Berliner Stativ die 
Vorzüge desjenigen von Starke & Kämmerer und vermeidet dessen 
Uebelstände. Da bei letzterem nämlich die Flanschen der Stativ- 
scheibe durch Anziehen der Gelenkschrauben einen Druck nach 
aussen erleiden, so werden sie auf Biegung und die Scheibe selbst 
auf Zug beansprucht. Flanschen und Scheibe müssen desshalb sehr 
stark und am besten aus einem Stück Metall gegossen sein , was 
das Wiener Stativ vertheuert. Bei ihm sitzen die Kugelcentren 




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Vogler. lieber Stative. Ill 

innerhalb der Flanschen, bei dem Berliner der Figur V. etwa in 
den Aussenflächen des Scbeibenansatzes , letzteres kann also bei 
gleichen Dimensionen der Stativscheibe (massgebend ist das Dreieck 
ubc der ersten Figur) die breiteren Gelenke erhalten. Der Schrauben- 
mutter, welche nur selten nachzuziehen ist, werden zur Raum- 
ersparniss die Flügel genommen. 

Fraglich bleibt, ob man auch in Betreff der Verwendung von 
Rundhölzern zu den Beinstrebeu dem Wiener Vorgang folgen oder 
die letzteren gegen Durchbiegung unter dem seitlichen Winddruck 
sichern soll mit Beibehalten ihrer flachen Lattenform. Wie wichtig 
der Schutz gegen Durchbiegung überhaupt ist , kann am besten 
ermessen, wer für längere Zeit genöthigt war, mit sehr dünn- 
strebigen Berliner Stativen Tag für Tag im Freien zu arbeiten 
Schon bei massigem Wind neigt und dreht sich die Stativscheibe, 
kehrt in Augenblicken der Windstille in die Ruhelage zurück, um 
sogleich wieder nach der vorigen Seite hin bald mehr, bald weniger 
auszuweichen , wie man im Fernrohr und an den Libellen des 
Instrumentes erkennt. Wird der Wind stärker, so gesellt sich zu 
diesen langsameren Schwankungen noch heftiges Zittern des Fern- 
rohrs in der Richtung von unten nach oben, wodurch alles genaue 
Einstellen unmöglich wird. Diese misslichen Erscheinungen ver- 
schwinden , sobald man das Instrument hinter einem niedrigen 
Windfang, einem Bretterzäune zum Beispiel, aufstellt, der es nur 
bis zur Höhe des Stativs deckt. Unter solchem Schutze kann man 
dann in aller Ruhe beobachten , und die Messungen verdanken 
vielleicht dem vorher so störenden Winde jetzt den besten Erfolg, 
da erfahrungsgemäss bei frischem Luftzug die Fernrohrbilder 
weniger schwanken als bei Stille, die meist gleichbedeutend ist mit 
dem ungehinderten Einfluss der Bodentemperatur auf die unteren 
Luftschichten. 

Nun zeigen sich die Stative von Starke & Kämmerer auch 
gegen Wind von erfreulicher Standfestigkeit, eine Durchbiegung 
ihrer Streben ist nicht zu bemerken. Dafür sind aber die Metall- 
und Holzverbindungen , welche an den Beinen Vorkommen , nicht 
von der einfachsten Form, und es bleibt zu wünschen, dass die 
Verstärkung der Streben des Berliner Stativs nicht zum Nachtheil 
seiner Einfachheit und billigen Herstell ungs weise geschehe. Mau 
behalte also für die Streben die Form hochkantig gestellter Latten 
bei , vermehre aber die Zahl der Querriegel , die entweder aus 
schmalen Leisten oder Stäben oder aus kleinen Holzklötzen bestehen. 
Ihre grösste Höhe sollen die Streben nicht am Stativkopf, sondern 
etwa in der Mitte zwischen Kopf und Fuss erhalten, woselbst auch 
die Dicke ihr Maximum erreichen muss. Je zwei solche Streben, 
mit ihrer ebenen Innenfläche aneinander gefügt , bilden einen 
kräftigen Träger von Fisch bauchform , der nur wenig an Wider- 
standsfähigkeit dadurch verliert, dass man ihn durch einen Längs- 
schnitt symmetrisch getheilt und die Schnittebenen nur mehr an 
einzelnen Stellen durch Riegel verbunden hat. — Statt die Dicke 



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112 



Vogler. Ueber Stative. 



der Streben gegen ihre Mitte bin zu verstärken, kann man denselben 
durch Ansetzen von Leisten wohl auch T-förmigen oder U-förmigen 
Querschnitt geben, dessen Dimensionen zur Mitte hin wachsen. Bei 
geeigneter Wahl ihrer Form dürften solche Leisten zugleich die 
Querriegel zwischen den Streben vertreten. Schwache Stativbeine 
nachträglich zu versteifen gelingt durch Einfügen neuer Querriegel, 
derart dass die Streben leierartig gebogen werden ; noch einfacher 
durch aufgenagelte Platten von Laubsägeholz, welche den Beinen 
die Form sogenannter Kastenträger gebon. 

Sache des Geodäten ist es, die Forderungen aufzusetzen, welche 
er an sein Messgeräthe zu stellen genöthigt ist, Aufgabe des 
Mechanikers , das vorgelegte Programm mit den Mitteln seiner 
Kunst auf’s Einfachste und Treffendste zu lösen. Hier sollte darum 
keine eigentliche Lösung, sondern nur ein Programm gegeben 
werden , das ich eifrigen Mechanikern empfehlen möchte. Doch 
habe ich in ähnlichen Fällen die Erfahrung gemacht, dass die 
Mittheilung der Art, wie ich mir die Lösung dachte, dazu beitrug, 
den Kern des Programms anschaulich hervorzuheben. 

Berlin, October 1885. 

Ch. August Vogler. 

Nachträglich erfahre ich durch die Firma 0. Fennel in Kassel, 
dass das Berliner Stativ mit kugelförmigen Gelenkenden schon vor 
etwa 6 Jahren durch Ingenieur Carl Wagner, den Konstrukteur des 
Tachygraphometers, vorgeschlagen , aber nebensächlicher Bedenken 
halber nicht ausgeführt worden sei. 

Es soll hier noch eine Abart des Reichenbach’schen Stativs, 
ebenfalls mit kugelförmigen Gelenkenden , vorgeführt werden. Die 
Figur VI. deutet an, wie je zwei benachbarte Kugeln durch untergelegte 
Holzplatten in ihre Lager in der Stativscheibe eingepresst werden. 
Jede dieser Holzplatten ist an einem doppel-T-förmigen Metallstück 
aufgehängt und wird andrerseits durch einen T-förmigen Stift mit 
Schraubenende und Mutter aufwärts gezogen. Die Gelenkbolzen 
dienen blos zur Verbindung der Beinstreben unter sich und mit 
Fig. VL 




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Kleinere Mittheilungen. 



113 



den Gelenkkugeln. Sie haben in der Richtung ihrer Achse weder 
Zug noch Druck auszuhalten, noch soll ihr Umfang sich irgendwo 
reiben, wesshalb für sie flache Rinnen mit dem nöthigen Spielraum 
in der Stativscheibe vorzusehen sind. Gelenkachse ist die Ver- 
bindungsgerade der beiden Kugelcentren am Ende eines Bolzens. 
Man kann ihr eine beträchtliche Länge geben. 

Während nach unseren Figuren die Gelenkkugeln , wie bei 
Reichenbach die Gelenkcylinder, von unten gegen die Stativscheibe 
gedrückt werden , lässt sich auch eine Form denken , wo das An- 
drücken von der Seite erfolgt, d. h. centrisch gegen die Vertikalachse 
des Stativs. Jedoch erscheint es als ein Vorzug der ersten Form, 
dass die Kugeln in demselben Sinne gepresst werden, in welchem 
auch der Angriff der Last über dem Stativ erfolgt. Sie haben 
demnach nur ein geringes Bestreben , aus ihren Pfannen auszu- 
weichen. Im Gegensatz zu Reichenbach’s Gelenkcylindern erfordern, 
da Kugeln leicht mit der nöthigen Genauigkeit zu drehen sind, 
die beschriebenen Gelenkbolzen mit Kugelenden keine peinliche 
Arbeit, die Lager der Kugeln aber noch weniger. Man darf un- 
bedenklich für eine der Kugeln jedes Bolzens eine Rinne, statt einer 
Halbkugel oder trichterförmigen Pfanne in der Stativscheibe vor- 
sehen. 

Nur wenig verschieden von Fig. VI. und VII. ist ein Stativ von 
A. Meissner in Berlin, doch endigen die Gelenkbolzen in cylindrische 
Zapfen statt in Kugeln (Zeitschr. f. Instr.-Kunde, Augustheft 1885). 
Bemerkenswerth ist auch eine Abart des Berliner Stativs von Meissner, 
beschrieben in dem Bericht über die wissenschaftlichen Instrumente 
auf der Berliner Gewerbeausstellung, Berlin 1880. Leierförmig ge- 
bogene Beinstreben besitzt ein kürzlich für die geodätische Samm- 
lung der Berliner landwirthschaftlichen Hochschule bezogenes Stativ 
von Hildebrand & Schramm in Freiberg in Sachsen. 



Kleinere MiUheilungen. 

Gesetze Uber Feldwegregelung und GrundstUckszusammenlegung. 

Im Januar 1886 wird der badischen Ständekammer nach- 
stehender Gesetzentwurf vorgelegt : 

Das Gesetz vom 5. Mai 1856, betreffend die Anlegung, Ver- 
legung oder Abschaffung von Feldwegen, auch die Verlegung oder 
Zusammenlegung von Grundstücken erleidet folgende Aenderungen: 
Artikel 1: Wo es zur Hebung der Landwirtschaft in einer 
Gemarkung von überwiegendem Nutzen ist, kann eine Zusammen- 
legung von Grundstücken selbst gegen den Willen einzelner Eigen- 
tümer derselben stattfinden, wenn 

mehr als die Hälfte der Besitzer der betreffenden Grundstücke 
sich für das Unternehmen erklärt ; die Zustimmenden nach dem 
Steuerkapital zwei Dritttheile der in das Unternehmen fallenden 

Zeitschrift für VermessungsweseD. 1886. 5. lieft. 8 



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114 



Kleinere Mittheilungen. 



Grundstücke besitzen und das Staatsininisterium die Geneh- 
migung zur Ausführung ertheilt. 

Artikel 24: Sämmtliche Bestimmungen des Gesetzes über die 
Zusammenlegung der Grundstücke findet auch auf die Verlegung 
von Grundstücken, sowie auch auf die Veränderung und die neue 
Anlegung von Feldwegen Anwendung. Es genügt jedoch, wenn 
mehr als die Hälfte der Besitzer der betreffenden Grundstücke sich 
für das Unternehmen erklärt und die Zustimmenden zugleich nach 
dem Steuerkapital mehr als die Hälfte der bei dem Unternehmen 
betheiligten Grundstücke besitzen; auch bedarf es nur der Geneh- 
migung der zuständigen Verwaltungsbehörde.*) 

Das Königlich Württeinbergische Staatsministerium legte am 
23. Februar 1885 dem Präsidium des ständischen Ausschusses den 
Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Feldbereiuigung, vor. 

Artikel 12 lautet : Die Feldbereinigung gilt als bei der Abstim- 
mung beschlossen, wenn: 

a. mehr als die Hälfte der betheiligteu Grundeigenthümer zu- 
gestimint hat, beziehungsweise als zustimmend anzusehen 
ist, und 

b. mehr als die Hälfte des Steuerkapitals auf die Mehrheit fällt- 

Diejenigen, welche bei der A bstimmungstagfahrt weder in Person 

noch durch einen seine Vertretungsbefugniss rechtsgültig nachwei- 
senden Vertreter erscheinen, werden als dem beantragten Unter- 
nehmen zustimmend angesehen und von der Theilnahme an der 
Wahl der Mitglieder der Vollzugskommission ausgeschlossen. 

Die obere Leitung der Feldbereinigungen wird von einer Zen- 
tralstelle bethätigt, welche mit der erforderlichen Anzahl theils 
juristisch oder administrativ, theils technisch gebildeter Mitglieder 
besetzt wird. 

Zur Ausführung einer Feldbereinigung wird eine Vollzugkom- 
mission gebildet, welche ausser dem Vorsitzenden aus einem Feld- 
messer und drei Landwirthen besteht. Der Vorsitzende soll ein 
gebildeter Landwirth sein, wozu sich besonders die Landwirth- 
schaftslehrer (? Die Red.) eignen werden. 

Der Königlich bayrischen Kammer der Abgeordneten wurde 
von den Königlichen Staatsmiuisterien am 6. November 1885 der 
Entwurf eines Gesetzes, die Flurbereinigung betreffend, vorgelegt, 
worüber ein Auszug in Heft 23 des Bandes XIV. dieser Zeitschrift 
abgedruckt ist. 

Nach der Genehmigung dieser Entwürfe haben dann die nach- 
stehend angegebenen Staaten ein Gesetz, nach welchem die einfache 
Majorität genügt, um eine Flurbereinigung gegen den Willen der 
Minderheit zur Durchführung zu bringen : 



*) Das Gesetz wurde von den Ständekammern genehmigt. 



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Literaturzeitung. 



115 




Preussen mit Hohenzollern, Bayern, Württemberg, Baden, 
Sachsen, Hessen, Sachsen - Weimar, Oldenburg, Sachsen - Coburg, 
Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Braunschweig und Oester- 
reich. 

Karlsruhe, den 7. Dezember 1885. 

Dr. M. Doll. 



Oeffentliche Prüfungsstellen fUr geodätische Instrumente. 

Ein Saalraum für Ausstellung und Einübung an geodätischen 
Instrumenten soll in Berlin durch einen theilweisen Ausbau des 
Dachgeschosses des Gebäudes der landwirtschaftlichen Hochschule 
gewonnen werden. Die Anlage erfolgt insbesondere zur Befriedigung 
der Bedürfnisse des Unterrichts im Landmessen ; daneben soll die- 
selbe Gelegenheit bieten zur Prüfung von Instrumenten, deren 
Erprobung von Fabrikanten und Eigentümern gewünscht wird, 
insoweit hierin ein öffentliches Interesse vorliegt. Die Kosten im 
Betrage von 16 000 Mark sind in dem Entwurf des Staatshaushalts- 
Etats für 1886/87 aufgenommen. Begründet wird die Forderung 
mit der Thatsache, dass gegenwärtig geeignete freie Plätze in unmittel- 
barer und selbst weiterer Nähe derselben landwirtschaftlichen Hoch- 
schule nicht mehr vorhanden sind. 

(Aus der Deutschen Bauzeitung vom 30. Januar 1886 S. 56 entnommen. G.) 



Liferaturzeilung. 

Grundzüge der astronomischen Zeit- und Ortsbestimmung von Dr. IT. Jordan , 
Professor an der technischen Hochschule zu Haunover. Mit zahlreichen 
in den Text gedruckten Holzschnitten. Berlin. Verlag von Julius Springer. 
1885. 364 + 26 S. 8°. 10 M. 

Durch die deutschen Colonialerwerbungen ist in den letzten 
Jahren das Interesse für die Entdeckungen und Forschungen der 
kühnen Reisenden in fernen Ländern auch in weiteren Kreisen ge- 
weckt worden. Es dürfte daher willkommen sein, die Literatur 
des Vermessungswesens durch das Erscheinen eines Buches vermehrt 
zu sehen, welches die Mittel und Methoden zeigt, wie die geogra- 
phische Lage des zurückgelegten Weges, der überschrittenen Ge- 
birge und durchkreuzten Thäler auf solchen Reisen bestimmt wird; 
zumal der Verfasser des vorliegenden Buches darin seine während 

8 . 



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116 



Literaturzeitung. 



der Rohlfs’schen Expedition nach der libyschen Wüste im Winter 
1873/74 gesammelten Erfahrungen in Bezug auf Beobachtungs- 
und Berechnungsweise niederlegt und letztere durch, aus seiner 
Praxis genommenen, Beispiele erläutert. Der Verfasser berück- 
sichtigt daher, wie er auch im Vorwort bemerkt, im Vergleich mit 
den Werken über die Nautik mehr die Verhältnisse zu Lande und 
setzt für die zu betrachtenden Messungen und Berechnungen eine 
Genauigkeit von höchstens 1 Zeitsecunde fest. Die Beobachtungen, 
welche zur Bestimmung der geographischen Lage eines Orts noting 
sind, beziehen sich daher auch hauptsächlich auf die Sonne, Mond 
und Polarstern, also auf Objecte, welche kleineren Instrumenten 
zugänglich sind und die ohne vorbereitende Rechnungen leicht ein- 
gestellt werden können. Der ganze Inhalt des Buches ist in 2 Ca- 
pitel geteilt. 

Im ersten Capitel wird die allgemeine Vorbereitung der Zeit- 
und Ortsbestimmungsaufgaben möglichst gedrängt auf 36 Seiten 
behandelt ; und zwar sind nach einem kurzen Ueberblick über die 
Gesammtaufgabe (Bestimmung der Zeit, der geographischen Breite 
und Länge und des Azimuts) zunächst die nötigen Formeln der 
sphärischen Trigonometrie zusammengestellt; hierauf folgt die Er- 
klärung einiger geographischer sowie der zum Verständniss der 
Einteilung und Drehung des Himmels notwendigen Begriffe, wie 
Rectascension, Declination, Culmination, Stundenwinkel und Stern- 
zeit, ohne weiter auf die durch Präcession, Nutation und Aberra- 
tion hervorgerufenen Aenderungen einzugehen. Es wird dann das 
sphärische Dreieck zwischen Pol, Gestirn und Zenith eines Beo- 
bachtungsorts behandelt und die Anwendung der trigonometrischen 
Formeln auf dasselbe gezeigt. Hierauf folgt die Betrachtung der 
Sonne als Zeitmesser, die Erklärung der mittleren Zeit, wahren Zeit 
und Zeitgleichung sowie der gegenseitigen Verwandlung der ver- 
schiedenen Zeiten mit Hülfe des astronomischen Jahrbuchs. Die 
drei letzten Paragraphen dieses Capitels handeln von der Refrac- 
tion, von der Parallaxe und scheinbarem Durchmesser und von der 
Kimmtiefe. Für die letzteren Grössen werden die bezüglichen For- 
meln unter Voraussetzung der Kugelgestalt der Erde theoretisch 
entwickelt und Anhaltspunkte für den numerischen Betrag dieser 
Reductionen gegeben ; dagegen wird auf die Refractionstheorie nicht 
weiter eingegangen, sondern nur die praktische Anwendung der 
Relractionstafeln betrachtet. Diese sind in zweifacher Form im 
Anhang enthalten, und zwar in der bekannten Bessel’schen An- 
ordnung, nur mit dem Unterschiede, dass der in die Rechnung ein- 
gehende Barometerstand bereits auf 0° reducirt vorausgesetzt ist, 
und dann in einer für die Rechnung bequemeren Form, welche 
sich auf die Formel J r — r m x -f- r m y stützt, worin die beiden letzten 
Glieder directe Correctionen der mittleren Refraction für Tempe- 
ratur und Barometerstand bedeuten. Diese letztere Form ist aus 
den Bessel’schen Werthen abgeleitet, begeht zwar eine kleine Ver- 
nachlässigung, ist aber, wie der Verfasser nachweist, noch genau 




Literaturzeitung. 



117 



genug, namentlich wenn man in Betracht zieht, wie genau die Re- 
fraction, Lufttemperatur und Barometerstand überhaupt bestimmt 
werden. 

Im zweiten Capitel werden sowol die Aufgaben der geogra- 
phischen Ortsbestimmung behandelt als auch die hiezu in Verwen- 
dung kommenden Instrumente (Theodolite, Uhren, Gnomon und 
Dipleidoskop, Reflexionsinstrumente, künstliche Horizonte) beschrie- 
ben, sowie ihre praktische Anwendung gelehrt, und in letzterer 
Hinsicht viele namentlich für den Anfänger Schützens vverthe Winke 
gegeben. Die Anordnung dieses zu behandelnden Stoffes ist im 
Allgemeinen so getroffen, dass zunächst mit Hilfe von Sonnen- 
beobachtungen die Bestimmung der Ortszeit, der Meridianrichtung 
und der Breite durchgeführt ist ; hierauf folgen die durch Beobach- 
tungen des Polarsterns zu lösenden Aufgaben und schliesslich die 
Bestimmung des geographischen Längenunterschieds mittelst Mond- 
distanzen. Der in Betracht kommende instrumenteile Theil ist 
dazwischen an passender Stelle eingeschaltet. Auf das Einzelne 
übergehend, beginnt das zweite Capitel mit der Beschreibung des 
astronomischen Theodolits und werden hauptsächlich die Unter- 
schiede desselben gegenüber dem Eeldmesstheodolit hervorgehoben. 
Hiezu dürfte wohl die Bemerkung gestattet sein, dass beim ge- 
brochenen Fernrohr es nicht vorteilhaft ist, die Correctur des 
Collimationsfehlers am Prisma vorzunehmen, denn dieses soll seine 
in Bezug auf grösste Helligkeit des Fernrohrbildes günstigste Stel- 
lung beibehalten, und die Einrichtung so getroffen sein, dass der 
Collimationsfehler durch Verschieben des Fadennetzes beseitigt 
werden kann.*) Ferner wäre es bei der Bestimmung der Horizontal- 
axenneigung, statt die Libellenablesungen am »Blasenende links« 
und »rechts« von einander zu unterscheiden, wohl vorzuziehen, 
die Ablesungen für die beiden Libellenlagen je mit dem Vorzeichen 
+ oder — zu versehen, je nachdem die Richtung der Bezifferung 
mit der Richtung der Horizontalaxe nach dem zu betrachtenden 
Axenende zu übereinstimmt oder nicht. Das algebraische Mittel 
drückt dann ohne Weiteres durch sein Vorzeichen eine Erhebung 
resp. eine Senkung des in Betracht genommenen Axenendes aus. 
Nach einer so weit als nötigen Beschreibung der astronomischen 
Uhren und der an den Angaben derselben anzubringenden Stand- 
und Gangcorrectionen folgt die Zeitbestimmung aus einer einzelnen 
Sonnen- oder Sternhöhe. Es wird die Grundgleichung der Zeit- 
bestimmung aus dem astronomischen Dreieck hergeleitet, die üb- 
lichen Umformungen derselben entwickelt und unter Berücksich- 
tigung von zweiten Differenzen berechnet, wie weit für eine Beobach- 
tungsreihe das Mittel der gemessenen Höhen dem Mittel der beob- 
achteten Zeiten entspricht; ferner ist gezeigt, wie für eine grössere 
Beobachtungsreihe bei einer solchen Mittelbildung die dadurch be- 
gangenen Fehler mit Hilfe von beigegebenen kleinen Tabellen 

*) Döllen, Die Zeitbestimmung im Verticale des Polarsterns. 2. Abhand- 
lung Seite 5. 



118 



Literaturzeitung. 



geschätzt und summarisch in Rechnung gezogen werden. Es ist 
dann noch erörtert, dass die Zeitbestimmung im ersten Vertical 
am genauesten wird und auch unabhängig von einem Fehler der 
Breite ist. Als zweite Methode der Zeitbestimmung folgt jene aus 
korrespondirenden Sonnenhöhen. Die durch die Declinationsände- 
rungen der Sonne bedingte Mittags- resp. Mitternachtsverbesseruug 
wird entwickelt, für deren Coefficienten die Logarithmen in einer 
Tabelle des Anhangs mit dem Argument der halben Zwischenzeit 
im Intervall von 10 m enthalten sind. Hieran schliesst sich 
die Meridianbestimmung aus korrespondirenden Sonnenhöhen mit 
der aus gleichem Grunde wie oben nöthigen Meridianverbesserung, 
für welche ebenfalls in einer Tabelle die Coefficienten-Logarithmen 
gegeben sind. Der Verfasser geht dann über zur Beschreibung 
des Passageinstruments und zur Anwendung desselben auf die Zeit- 
bestimmung mittelst Durchgangsbeobachtungen im Meridian unter 
Berücksichtigung der Axenfehler des Instruments. Es folgt die 
Bestimmung der Breite aus Circummeridianhöhen der Sonne. Mit- 
telst graphischer Ausgleichung der gemessenen Höhen wird zuerst 
eine für viele Zwecke hinreichende Lösung gegeben, an welche sich 
die genauere rechnerische anschliesst. Für letztere sind die Cor- 
rectionsglieder sowohl nach Potenzen des Stundenwinkels t als auch 



für Benützung der bekannten Hilfstafeln — . — nach Potenzen 
° sin 1 

von sin 2 >/» t entwickelt ; es wird ferner noch die Frage behandelt, 
bis zu welchem Abstand vom wahren Mittag die Beobachtungen 
ausgeführt werden können, ohne eine bestimmte Genauigkeit zu 
überschreiten. In den folgenden beiden Paragraphen wird unter 
Anwendung der Methode der kleinsten Quadrate ein Verfahren 
gezeigt, die Breite gleichzeitig mit der Ortszeit aus einer grösseren 
Anzahl von Sonnenhöhen zu bestimmen, und zwar zunächst aus 
Mittagshöhen und dann aus beliebig zerstreut liegenden Höhen. 
Was die Bestimmung aus Sonnenmittagshöhen betrifft, so ist zu 
beachten, dass daraus keine gute Zeitbestimmung erwartet wer- 
den kann, und sollte die Sonne zu Zeitbestimmungen in der Regel 
mindestens 3* vom Meridian, in der Nähe des Meridians aber nur 
zur Bestimmung der Breite verwendet werden. In Bezug auf die 
hier gegebenen Beispiele dürfte es fraglich sein, ob bei einer sol- 
chen Genauigkeit, wie sie den Beobachtungen dieser Beispiele zu- 
kommt, eine Ausgleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate 
angezeigt erscheint, ausgenommen wenn es sich darum handelt, die 
Methode zu zeigen oder die Genauigkeit der letzteren zu erproben. 
Bei diesen Beispielen sind die durch die Ausgleichung berechneten 
Verbesserungen der Näherungswerte mit ziemlich beträchtlichen 
mittleren Fehlern behaftet, so dass man bei Beobachtungen dieser 
Art wohl mit gewöhnlicher Mittelbildung sich begnügen dürfte. 
Es folgt dann nach einer kurzen Betrachtung über die Stellung 
des Polarsterns gegen den Pol und über die zur Einstellung im 
Fernrohr nötigen Formeln die Azimut- und Breitenbestimmung 



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Literaturzeitung. 



119 






mit Hülfe des Polarsterns, wofür die Gleichungen in geschlossener 
Form und unter Anwendung von Reihen auch nach Potenzen der 
Poldistanz p des Polarsterns entwickelt werden. Durch die Ver- 
gleichung der Resultate, welche Verfasser während der libyschen 
Expedition aus Polarisbeobachtungen erhielt, mit den aus Sonnen- 
höhen abgeleiteten Breiten derselben Orte, sind schätzenswerte An- 
haltspunkte für die Genauigkeit gegeben, welche man mit ähnlichen 
Instrumenten und unter ähnlichen Verhältnissen erwarten kann. Im 
Folgenden werden zur genäherten Bestimmung der Mittagszeit einige 
einfache Hülfsmittel, wie Gnomon und Dipleidoscop, beschrieben 
und die Theorie der Sonnenuhren erläutert. Die bei der Anlage einer 
solchen vorkommenden Einzelheiten und Berechnungen sind eingehend 
dargestellt und ihre Anwendung an einem Beispiel gezeigt. 

Den Reflexionsinstrumenten (Sextant, Spiegelvollkreis und Spiegel- 
Prismenkreis, Prismenkreis) ist ein grosser Theil des Buches von 
Seite 154 — 276 gewidmet. Die Theorie und der Gebrauch derselben 
sowie die einzelnen Instrumentalfehler sind ausführlich behandelt. 
Es wird das Verfahren gegeben, wie die für ein bestimmtes Instru- 
ment nur ein Mal auszuführenden Untersuchungen der Blendgläser, 
der Spiegel , Prismen und der Excentricität der Sextantenalhidade 
vorzunehmen sind. Ferner ist sowohl für den Sextanten als auch 
für den Pistor’schen Spiegel-Prismenkreis und den Stein heil’schen 
Prismenkreis die Formel für den Einfluss der Fernrohr- und 
Spiegel- resp. Prismenneigungen auf die Winkelmessung in ein- 
facher Weise entwickelt, und gelangt der Verfasser auf denselben 
Ausdruck, welcher von Encke im Berliner astronomischen Jahrbuch 
für den Sextanten zuerst abgeleitet wurde. Für verschiedene Winkel- 
werte und unter der Annahme einer Neigung von _+ 10' für das 
Fernrohr und den Spiegel resp. Prismen ist der Einfluss dieser 
Fehler für jedes der 8 Instrumente berechnet und das Resultat 
erhalten worden, dass in dieser Hinsicht keines der drei Instru- 
mente einen wesentlichen Vorzug verdient. Der Verfasser zeigt 
ferner, wie die Fernrohr- und Spiegel- resp. Prismenneigungen 
mittelst Libelle und Hilfsfernrohr direct, dann durch Messung an 
verschiedenen Stellen des Gesichtsfeldes indirect und für den Sex- 
tanten noch, wie die Fehler überhaupt durch Messung bekannter 
Winkel summarisch bestimmt werden können ; auch wird noch die 
Verwendung des dreifach reflectirten Fadenbildes zur Messung des 
Schärfungswinkels sowie namentlich für die Prüfung und Berichti- 
gung der Fernrohr- und Spiegelneigungen angegeben. Schliesslich 
werden die aus den angestellten Untersuchungen erhaltenen Resultate 
zu einer Vergleichung der verschiedenen Reflexionsinstrumente 
benützt, welche sowol für den Beobachter von Interesse als auch 
namentlich für den Mechaniker sehr beachtenswert ist. An die 
Theorie der Reflexionsinstrumente schliesst sich zunächst ihre An- 
wendung auf die Höhenwinkelmessung und die Bestimmung des 
Azimuts aus Sonnenhöhen, worauf dann schliesslich die Bestimmung 
des geographischen Längenunterschieds mittelst Monddistanzen folgt. 



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120 



Literutnrzeitung. 



So einfach als dieses letztere Problem in seinem Grundgedanken 
erscheint, so ist die strenge Berechnung desselben keineswegs kurz 
und seine Wichtigkeit und häufige Anwendung zur See, wo grosse 
Berechnungen nicht beliebt sind, haben zu zahlreichen Versuchen 
geführt, letztere abzukürzen. In den meisten Fällen sind diese Abkür- 
zungen auf Kosten der Genauigkeit gemacht worden. Im Gegensatz 
zur See aber, wo oft nur eine wenig genauo Längenbestimmung ver- 
langt wird, muss in der .Rechnungsmethode für Beobachtungen auf 
dem Festlande der Fehler in der Rechnung immer bei weitem kleiner 
sein als der Fehler der besten Beobachtung mittelst Reflexions- 
instrumenten. Während bei der strengen Lösung die wahre Distanz 
(vom Erdmittelpunkt aus gesehen) direct mit Hülfe der Formeln 
der sphärischen Trigonometrie abgeleitet wird, wird bei der Näherungs- 
methode der Unterschied zwischen der scheinbaren und wahren 
Distanz mittelst Reihenentwicklung berechnet. In practischer Hin- 
sicht ist die letztere Methode ebenso correct wie die erstere, erfordert 
jedoch weniger Mühe. Der Verfasser entwickelt zunächst die gebräuch- 
lichste Näherungsformel und dann in ausführlicher Weise die Reduc- 
tionen , welche in Folge der Verkürzung der Sonnen- und Mond- 
halbmesser durch Refraction und in Folge des Einflusses der Ab- 
plattung der Erde auf die Mondparallaxe an der gemessenen Distanz 
angebracht werden müssen. Für diese Reductionen sind im Anhang 
Tafeln enthalten, aus welchen dieselben leicht entnommen werden 
können. Nach einer kurzen Einschaltung über die Interpolation 
mit zweiten Differenzen und einigen practiseheu Bemerkungen folgt, 
nachdem alles Nötige zur Rechnung erläutert wurde, die ausführ- 
liche Rechnung einer Monddistanzreduction in einem hiefür ange- 
legten Schema. Der Verfasser untersucht hierauf die Genauigkeit 
der Näherungsformel, indem er die Reihen bis auf Glieder 3. Ord- 
nung inch entwickelt. Die letzteren zeigen, dass die einfache 
Näherungsformel für Distanzen nahezu = 0° oder nahezu = 180° 
ganz unzulässig ist, dass aber unter gewöhnlichen Verhältnissen die 
vernachlässigten Glieder 3. Ordnung weniger als 1" betragen, während 
der mittlere Messungsfehler bei der Freihandmessung auf 5", bei 
der Stativmessung auf 2" — 3" herabgebracht werden kann. 

Es folgt nun eine bemerkenswerte Betrachtung über die Ge- 
schwindigkeit der Monddistanzänderung. In Folge der Mondparallaxe 
und der Refraction ist für die wahre Distanz die Geschwindigkeits- 
änderung, welche aus dem Jahrbuch entnommen werden kann, meistens 
verschieden von jener in der scheinbaren Disfanz ; letztere kann, 
namentlich in Folge der Refraction, beträchtlich kleiner als die erstere, 
sogar ihr entgegengesetzt sein. Der Verfasser entwickelt die Formel 
zur Berechnung des Unterschieds dieser Geschwindigkeiten, und die 
auf Grund derselben angestellten Untersuchungen ergeben die für 
die Praxis wichtige Regel, dass man Monddistanzen, wenn der Mond 
nahe dem Meridian steht, vermeiden und Gestirne nicht benützen 
soll, welche im Auf- oder Uutergehen begriffen sind. Die Geschwin- 
digkeit v' der scheinbaren Distanzänderung steht ferner mit dem 



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Literaturzeitung. 



121 



rTawar-r*: 






Zeitfehler u einer Distanzmessung und dem Distanzfehler m in der 

7H 

einfachen Beziehung v' — — , woraus wt = v'. fi. Wenn nun v' 

berechnet und /i aus den Widersprüchen mehrerer Beobachtungen 
an demselben Orte abgeleitet ist, so kann man hiernach »« bestimmen, 
wie es Verfasser für 20 Fälle unter Zugrundelage von sämmtlichen 
317 auf der libyschen Expedition gemessenen Monddistanzen getan 
hat. Die Rechnung ergibt m = + 22" in befriedigender Ueber- 
einstimmung mit der Noniusangabe des Instruments von 20". Zum 
Schutze gegen grobe Fehler oder um eine genäherte Reduction 
einer Monddistanz rasch erhalten zu können, sind unter Annahme 
bestimmter Verhältnisse im Anhänge Tafeln berechnet, und ist 
hiefür auch die Anwendung von Schichtentafeln, welche den Functions- 
verlauf der Monddistanzreduction graphisch darstellen, gezeigt. 

An einem Beispiel, welches ebenfalls dem Beobachtungsmaterial 
der libyschen Expedition entnommen ist, behandelt der Verfasser 
unter Anwendung der M. d. kl. Qu. die Bestimmung des Chrono- 
metergangs mittelst Monddistanzenmessung au verschiedenen Orten. 
Letzteres Beispiel hat, wie Verfasser bemerkt, noch die Bedeutung 
einer Studie über den relativen Werth von Monddistanzen zu Längen- 
bestimmungen im Vergleich mit Itineraren. Letztere sind nichts An- 
deres als Bussolenzüge, bei welchen die Länge der Seiten aus der 
während des Marsches verstrichenen Zeit und aus der Geschwindigkeit 
der Fortbewegung abgeleitet werden. Der Verfasser berechnete für 
mehrere Orte der libyschen Expedition die geographischen Längen 
auf verschiedene Weise gemäss den verschiedenen Beobachtungsarten 
und in verschiedener Combination derselben nach der M. d. kl. Qu., 
so aus: Monddistanzeu allein, aus Chronometer und Monddistanzen, 
aus Chronometer und Itinerar und aus Chronometer, Monddistanzen 
und Itinerar. Aus der Vergleichung der einzelnen Resultate ist 
ersichtlich , dass die Monddistanzen zu der am Ende erreichten 
Genauigkeit verhältnissmässig wenig beigetragen haben. Der Ver- 
fasser kommt daher zu dem Schluss, dass bei Landreisen ähnlicher 
Art absolute Längenbestimmungen durch Monddistanzen in der Regel 
auf die Hauptstationen beschränkt werden können, und dass die 
dadurch frei werdende Arbeit auf Breiten, Ortszeit. Azimut und Itinerar 
zu verwenden ist. Es dürfte hieran noch die Frage angeschlossen 
werden, ob dann bei den festen Stationen es nicht vorteilhafter ist, statt 
mit Reflexionsinstrumenten und Monddistanzen, die geographischen 
Längen mittelst Theodolit und Mondculminationen oder Mondazimuten 
zu bestimmen? 

Karlsruhe, December 1885. 

Dr. M. Haid. 



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122 



Literaturzeitung. 



Tafeln mm Abstecken von Eisenbahn- und Strassen- Kurven, in neuer Theilung 

(Centesimaltheilunij) von J. Oysin, Ingenieur, vormals Obergeometer der 

schweizerischer Centralbahn. Liestal, Druck und Verlag von Gebrüder 

Lüdin (vormals Lüdin und Walter) 1885, 148 S. 8«. 4,50 M. 

Den auf Seite 396 Jahrgang 1885 der Zeitschr. für Vermessungsw. 
besprochenen Peripherie-Winkel-Tafeln hat der Verfasser nun ein 
zweites entsprechendes Werkchen für neue Theilung nachfolgen 
lassen. 

Tafel I. enthält auf 50 Seiten für Radius 100 die Werthe der 
Tangenten, Bogenlängen und Bogenabstände von 10 zu 10 Minuten 
für Centri winkel von 0 — 150°, und es sind zum leichten und 
schnellen Rechnen von Zwischenwerthen zwischen je zwei lOMinuten- 
werthen die Differenzen beigeschrieben ; unten auf jeder Seite ist 
ähnlich wie in Logarithmentafeln eine Differenztafel für 1 / 8 und 
1 bis 9 Minuten beigefügt, so dass die Zwischen werthe für beliebige 
bis auf Vt Minuten genau bestimmte Winkel leicht im Kopf aus- 
gerechnet werden können. Im Gegensatz zu anderen Tafeln sind 
die Werthe für V» Sehnen- und Pfeilhöhen wuggelassen, weil man 
sie äusserst selten braucht, und solche im Nothfalle mit der erfor- 
derlichen Genauigkeit aus Tafel III. entnommen werden können. 

Tafel II. gibt die Peripheriewinkel- Werthe für Bogenlängen 
von 0- — 109 Meter bezw. 0— 99 Centimeter auf Sekunden genau 
für Radien von 100 — 950 bezw. 10 — 95 und 1000 — 9500. Sie ist 
ebenso angelegt wie die frühere Peripheriewinkel-Tafel in Sexagesimal- 
Theilung, nur hat sie gegenüber dieser noch den Vortheil, dass sie 
bloss halb so viel Platz einnimmt; als Anhang ist eine Tafel zum 
Verwandeln alter Theilung in neue und umgekehrt beigegeben. 

Tafel III. gibt die Werthe der Abscissen und Ordinaten, die- 
selben sind für Bogenlängen von 0 — 20 von Meter zu Meter und 
für Bogenlänge von über 20 von 2 zu 2 Meter berechnet. Die 
Berechnungen erstrecken sich für die Abscissen nicht über eine 
Entfernung von 200 Meter und für die Ordinaten nicht über eine 
solche von 30 Meter hinaus. Denn erfahrungsgeinäss sind , wenn 
die Ordinaten einmal über 20 — 25 Meter lang werden, Hülfs- 
Construktionen nicht nur genauer, sondern auch weniger zeitraubend. 

Es folgt noch Tafel IV., Längen des äusseren und inneren 
Schienenstranges und deren Differenzen von Radius 100 • — 950 
bezw. 10 — 95. 

Von Tafeln für Uebergangscurven hat Verfasser ganz Umgang 
genommen, weil, wie er voraussetzt, jede Bauleitung liiefür beson- 
dere oft sehr verschiedene Formeln in Anwendung bringt. 

Wir empfehlen dieses hübsch ausgestattete Tabellenwerkchen 
für neue Theilung ebenso wie früher das entsprechende für alte 
Theilung. J. 



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I ' - 



* '? 






Literaturzeitung. 123 

Handbuch der niederen Geodiieie von Fr. Härtner, weil. Professor an der k. k. 
technischen Hochschule in Wien. In V. und VI. Auflage bearbeitet und 
vermehrt von Jotef Waetier, k. k. Regierungsrath und o. ö. Professor der 
Geodäsie an der k. k. technischen Hochschule in Graz. VL Auflage mit 
425 Holzschnitten und 2 Tafeln. Wien. Verlag von L. W. Seidel & Sohn. 
1885. 786 S. 8°. 8 Gulden. 

Der Verfasser theilt sein Lehrbuch in zwei Hauptabtheilungen, 
Feldmesskunst und Höhenmesskunst, und bespricht in einem An- 
hänge die Tachymetrie. Bei der ersteren wird mit den Maassen be- 
gonnen und es folgt denselben die Beschreibung der Geräthe und In- 
strumente. Dieses Kapitel ist sehr ausführlich behandelt, auf 200 
Seiten mit 164 Holzschnitten sind besonders die einzelnen Theile 
der bekannten Messinstrumente eingehend besprochen, wobei haupt- 
sächlich der Messtisch eine hervorragende Stellung einnimmt; aber 
trotz der Ausführlichkeit vermissen wir, vor allen bei den Theodolit- 
konstruktionen, manche der neuern bessern Einrichungen, während 
einige älteren Konstruktionen aus den früheren Auhagen des Lehr- 
buches wiederum Aufnahme gefunden haben Die Grundopera- 
tionen und Elementaraufgaben besprechen das Ausflüchten und die 
Messung von Geraden, die Ausführung von Winkelbeobachtungen 
nebst Führung des Winkelregisters. Hierbei fällt uns auf, dass 
der Verfasser bei einfachen Winkelmessungen einen Theodolit mit 
nur einem Nonius verwendet. Seite 276, und bei den mit 2 Nonien 
eingerichteten Instrumenten den Winkel nur in einer Lage des 
Fernrohrs misst, wie aus dem Beispiel Seite 277 hervorgeht. Wenn 
nun auch bei genauem Winkelmessungen, wie beispielsweise bei 
den Triangulationen, nur die Repetionsmethode mitdurchzuschlagen- 
j dem Fernrohr vorgeschrieben ist S. 414, so ist letzteres doch auch 
unbedingt bei den einfachen Winkelmessungen nicht zu übergehen, 
während eine Winkelbeobachtung in einer Lage des Fernrohrs und 
an einem Nonius nach unseren begriffen nur eine Schätzung der 
Winkelgrösse ausmacht. In einem weiteren Kapitel folgen die Ar- 
beiten mit dem Messtische, welche sowohl bei den Detailopera- 
tionen, wie später bei den grösseren und kleineren Aufnahmen, ja 
selbst bei den Triangulationen mit ausserordentlicher Gründlich- 
keit behandelt sind und ein beredtes Zeugniss von der Beliebtheit 
geben, welchen sich der Messtisch zur Zeit noch in Oesterreich 
erfreut. Die meisten officiellen Aufnahmen dürfen nur mit dem 
Messtiscli ausgeführt werden, ja bei der Katasterverwaltung ist 
auch die graphische Triangulation noch gestaltet; aus diesem 
Grunde ist es vollkommen gerechtfertigt, wenn der Verfasser in 
seinem Lehrbuche dem graphischen Verfahren eine so reiche Be- 
achtung schenkt. Die Theodolitaufuahmen finden zwar auch ihre 
Beachtung, doch nicht in dem Maasse, wie man es in Norddeutsch- 
land gewohnt ist. 

Die Triangulationen sind, dem Titel des Lehrbuches ent- 
sprechend, nur solche niederer Ordnung, bei welchen durch den 
Geometer eine besondere Basis gemessen wird ; ihre gesummte An- 



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124 



Literaturzeitung. 



ordnung läuft bei der Detailaufnahme grösstentheils auf die Ver- 
wendung des Messtisches hinaus. Bei der Festlegung der Polygon- 
ziige mittels Theodolitwinkelmessung wäre für den Anfänger etwas 
mehr über den Anschluss der Züge an das trigonometrische Netz 
nothwendig gewesen, auch hätten wir bei der Berechnung der 
Koordinaten der Polygonpunkte gerne einige Angaben über die 
Vertheilung der Winkel- und Liiugenmessungsfehler erfahren, wäh- 
rend uns eine Mittheilung über die gestatteten Fehlergrenzen von 
grossem Interesse gewesen wäre. Wir finden hier nur die preussische 
Anweisung IX. für die trigonometrischen und polygonometrisohen 
Arbeiten vom 25. Oktober 1881 angeführt, deren Vorschriften der 
Verfasser mehrfach erwähnt und eingehend bespricht. Die Anweisung 
IX. wird hierbei durchweg >die Anweisung für das Deutsche Reich< 
genannt, aber leider haben wir in Deutschland noch nicht eine 
solche Einigkeit erzielt, eine gemeinsame Vermessungsinstruktion zu 
besitzen, ein solcher Wunsch wird wohl noch lange unerfüllt bleiben. 
Hierbei mag erwähnt werden, dass vor Kurzem auch in Bayern eine 
neue diesbezügliche Instruktion erlassen ist, welche sich der An- 
weisung IX. theilweise eng anschliesst. Der Verfasser des obigen 
Werkes bemerkt auf Seite 410, dass, obgleich in Oesterreich das 
Metermaass eingeführt sei, die Katastervermessungen meistens noch 
immer nach altem Maass bearbeitet würden, und dass keine Kata- 
stralinstruktion für diese neuen Verhältnisse beständen ; er sagt 
dann: »Wir bemerken, dass eine neue Katastralinstruktion, basirt 
auf das Metermaas, ein dringendes Bedürfniss ist und unsere Legis- 
lative kann nicht früh genug daran gehen, eine solche, eben nach 
dem klassischen Muster der wiederholt erwähnten Anweisungen 
für das Deutsche Reich zu schaffen.« 

Im 6. Kapitel ist die Ausgleichung der unvermeidlichen Be- 
obachtungsfehler behandelt; die Ausgleichungsmethoden direkter, 
vermittelnder und bedingter Beobachtungen sind an vielfachen 
Beispielen erläutert. Ein besonderer Abschnitt ist den Ausglei- 
chungen der Wiukel nach praktischen Regeln gewidmet, welche mehr 
oder weniger sich den genauen Rechnungsmethoden anschliesseu. 

Bei der Berechnung und Theilung aufgenommener Flächen 
ist der Wetli’sche Planimeter, welcher heute wohl kaum noch 
praktisch Eingang finden dürfte, ausführlich beschrieben ; der 
Polarplani meter von Müller & Starke, welcher gleichzeitig mit dem 
Amsler’schen Planimeter erfunden wurde, und der Präcisionsplani- 
meter von Hohmann & Coradi sind eingehend behandelt. Ueber die 
Theilung von Flächen mit und ohne Angabe der Bonitäten ist eine 
grosse Anzahl elementarer Aufgaben gelöst. 

Bei den trigonometrischen Höhenbestimmungen wäre es für 
den Studirenden nicht unangebracht gewesen, wenn der Verfasser 
einige praktische Beispiele unter Berücksichtigung der Erdkrüm- 
mung und der Refraktion der Lichtstrahlen angeführt hätte. 

Das barometrische Höhenmessen und das Nivelliren sind ein- 
gehend besprochen, besonders sind die für untergeordnete Zwecke 




Literaturzeitung. 



125 



verwendeten Nivellirinstrumente ausführlich erwähnt., während die 
Nivellirlatten auffallend kurz behandelt sind. Ilei dem Nivelliren 
aus den Enden ist eine Zielweite von 150 m, wie die Tabelle Seite 
688 diese angibt, zu weit bemessen, dasselbe trifft zu bei einer 
Zielweite von 100 m, die man nach S. 708 bei den Präcisionsnivelle- 
ments annehmen kann. Ebenso dürfte es jetzt wohl zur allgemeinen 
Regel gelten , dass selbst bei einem gewöhnlichen Nivellement das 
Umsetzen der Latte auf einer eisernen Unterlagsplatte geschieht. 
Die tachymetrischen Arbeiten sind in einem Anhänge sehr kurz 
mitgetheilt ohne Angabe der neuern Methode. 

Die vorliegende VI. Auflage des besprochenen Lehrbuches hat 
den früheren Ausgaben gegenüber wesentliche Verbesserungen er- 
fahren, die sich besonders auf den Theodolit und seine Verwendung, 
auf Verbesserungen an Instrumenten und auf die Ausgleichungs- 
rechnungen beziehen. 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass der Verfasser sich vielfach 
auf Mittheilungen der Zeitschrift für Vermessungswesen bezieht 
und Auszüge derselben mittheilt. G. 



Die darstellende und projective Geometrie nach dem gegenwärtigen Stande dieser 
Wissenschaft mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse höherer 
Lehranstalten und das Selbststudium , von Dr. Gust. Ad. Peschka , k. k. 
Regierungsrath und o. ö. Hochschul-Professor an der Technischen Hoch- 
schule in Brünn. 4 Bände nebst Folio - Atlanten. Wien. Verlag von 
Carl Gerold’s Sohn. 1883 bis 1885. 8o. 

Wenn wir an dieser Stelle das benannte Lehrbuch erwähnen, 
so geschieht dieses besonders in Rücksicht auf die Landmesser- 
kandidaten, welche nach den neuen Ausbildungsvorschriften eben- 
falls ein wenig darstellende Geometrie treiben müssen und in dem 
Fache sich einer Prüfung zu unterwerfen haben. Allerdings werden 
von dem Landmesserkandidaten in ganz gerechtfertigter Weise nur 
die Anfangsgründe der Elemente jener Wissenschaft verlangt, aber 
er muss doch über die einschlägige Literatur bewandert sein und 
bei besonderer Neigung zu diesem Studium die betreffenden Lehr- 
bücher zur Hand haben. Hierzu eignen sich die vorliegenden Werke 
nun ausgezeichnet , da dieselben das gesammte Gebiet der dar- 
stellenden Geometrie mit einer Ausführlichkeit behandeln, wie kaum 
ein zweites Lehrbuch dieses Gebietes, wobei ganz besondere Rück- 
sicht auf die mit geringen Vorkenntnissen ausgestatteten Leser ge- 
nommen ist. Aus diesem Grunde erklärt sich auch der grosse 
Umfang des gesammten Werkes. 

Der erste Band — 578 S. u. 34 Tafeln, 18 Mk. — ist ausschliesslich 
der >Methodik< der darstellenden Geometrie gewidmet; er bespricht 
die verschiedenen Abbildungsmethoden, als die Centralprojektion 
mit Anschluss an die projektivische Geometrie der Ebene , die 



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126 



Neue Schriften über Verrnessungswesen. 



klinographische oder schiefe , die orthogonale oder rechtwinklige 
Projektion , sowie die Relief - Projektion. Die einzige Projek- 
tionsart , welche dem Landmesser hei den Tracirungsarbeiten von 
grossem Nutzen sein kann , nämlich die kotirte Projektion (auf 
deren Principien die Schichtenpläne basiren), ist in dem vorliegenden 
Lehrbuche nicht enthalten, sondern in einem besonderen Werke*) 
ausführlich behandelt. 

Der zweite Band — 576 S. u. 11 Tafeln, 18 Mk. — behandelt 
die Kurven und gekrümmten Flächen und zwar enthält derselbe 
die allgemeinen und Fundamental - Eigenschaften , sowie Theorien 
der ebenen algebraischen Curven, die Eigenschaften der Raumkurve 
und ihre Projektion, sowie die Theorie der krummen Flächen und 
Flächensysteme nebst theoretischer Behandlung der Flächen zweiten 
Grades. 

Der dritte Band — 791 S. u. 42 Tafeln , 24 Mk. — ist aus- 
schliesslich den Flächen zweiten Grades gewidmet und zwar den 
windschiefen Flächen , den Nichtregelflächen zweiten Grades , den 
Rotationsflächen und den dreiachsigen Flächen zweiten Grades. 
Von dem Inhalte des gesammten Werkes ist hier dem Geodäten 
das Kapitel über die stereographische Projektion , ihre Verallge- 
meinerung für Flächen zweiten Grades und ihre specielle Anwenduug 
bei Kartenprojektionen von besonderem Interesse. Es wird die Ab- 
leitung der diesbezüglichen Eigenschaften , die Anwendung auf die 
Abbildung der Erdoberfläche, sowie die Konstruktion der Meridian* 
und Parallelkreisnetze für gegebene Fälle besprochen ; so ausführlich 
jedoch das ganze Lehrbuch gehalten ist, so knapp ist gerade dieses 
Kapitel berührt. Die eigentliche Kartenprojektion ist mit einer 
Seite Text davongekommen. 

Der vierte Band — 605 S. nebst 30 Tafeln, 21 Mk. — enthält 
die Theorie der windschiefen Flächen höherer Ordnung, der Rota- 
tions-, Umhüllungs- und Schraubenflächen, nebst erläuternden 
Konstruktionsaufgaben, und ausserdem wird noch in einem Anhänge 
die Konstruktion der Schatten- und Beleuchtungs-Intensitäten be- 
handelt. 

Ein weiteres Eingehen auf den Inhalt des Lehrbuches ist hier 
nicht am Platze. 

Die äussere Ausführung des gesammten Werkes in Papier, 
Druck und Zeichnungen ist ausgezeichnet. 

G. 



Neue Schriften über Vermessungs wesen. 

Procös- Verbal de la 28 e seance de la Commission geodesique suisse 
tenue au Bureau topographique de l’etat-major federal ä. Berne, 
le 28 juin 1885. Neuchätel. Imprimerie Attinger. 1885. 

*) Kotirte Ebenen und deren Anwendung von Professor Peschka, Verlag 
von Buschak und Irrgang in Brünn. 2. Ausgabe 1882. Preis 5,50 Mk., ein 
Lehrbuch, welches den Studirenden sehr zu empfehlen ist. 



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Unterricht und Prüfungen. Personalnachrichten. 



127 



Nouvelle Table des hypotenuses ä quatre figures, basees sur 

indispensable pour la verification instantanee des leves k la 
chaine et ä l’equerre, utile dans une foule d’autres operations 
ä l’usage des Ingenieurs, architectes, calculateurs, geometres, 
constructeurs, artisans etc., calculee et redigee par Just. An dries, 
geometre du cadastre, auteur de divers ouvrages. 1886. Impri- 
merie Ad. Mertens. 12, rue d’or, Bruxelles. 

Basisapparate und Basismessungen. Von Dr. A. Westphal. Separat- 
abdruck aus der Zeitschrift für Instrumenteukunde 1885. (Ver- 
lag von Julius Springer in Berlin N.) 

Die Königlich Preussische Landestriangulation. Abrisse, Koordinaten 
und Höhen sämmtlicher von der Trigonometrischen Abtheilung 
der Landesaufnahme bestimmten Punkte. Siebenter Theil. Re- 
gierungsbezirk Oppeln. Herausgegeben von der Trigonometri- 
schen Abtheilung der Landesaufnahme. Mit 9 Beilagen. Berlin 
1885. Im Selbstverläge. Zu beziehen durch die Königliche Ilof- 
huchhandlung von E. S. Mittler & Sohn, Hochstrasse 69/70. 
411 S. 8°. 2 Mk. *) 



*) Vgl. hiezu den Cirkular-Erlass S. 66 der Zeitschrift. 



Unterricht und Prüfungen. 

Geodätischer Unterricht an der Landwirthschaftlichen Hochschule zu Berlin. 

Aus dem Verzeichniss der Vorlesungen an der Königl. Land- 
wirtschaftlichen Hochschule zu Berlin, Invalidenstrasse Nr. 42, irn 
Sommersemester 1886, entnehmen wir : 6. Geodäsie und Mathematik. 
Professor Dr. Vogler: Traciren. Praktische Geometrie. Zeichen- und 
Rechen-Uebungen. Mess-Uebungen im Freien. — Professor Dr. Börn- 
stein : Analytische Geometrie und Analysis. Mathematische Uebungen. 
— Professor Dr. Reichel : Algebra (Nachträge zur elementaren Al- 
gebra, algebraische Analysis). Geometrie (Nachträge zur Elementar- 
Geometrie, Sphärik, Trigonometrie, Stereometrie, darstellende Geo- 
metrie). Mathematische Uebungen (zur Algebra, algebraischen Ana- 
lysis und darstellenden Geometrie). — Das Sommersemester beginnt 
am 28. April 1886. — Programme sind durch das Secretariat zu 
erhalten. 

Berlin, den 26. Januar 1886. 



Personalnachrichteii. 

Oberlandeskulturgerichtsrath Grein in Berlin ist zum Präsidenten 
der Generalkommission für die Rheinprovinz und die Hohenzollern- 
schen Lande zu Düsseldorf ernannt. G. 



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128 



Vereirmngelegenlicitcn. 



Vereinsangelcgenheiteii. 

Neue Mitglieder. 

Nr. 2301. Harbert, Landmesser und Culturteehniker, Brilon. 

> 2302. Heins.chke, Landmesser, Bromberg. 

» 2303. Rödder, Landmesser, Bromberg. 

> 2304. Wittek, Landmesser, Bromberg. 

> 2305. Timme, Landmesser, Bromberg. 

> 230fi. Fritz, Landmesser und Culturteehniker, Schmalkalden. 

> 2307. Weis, Eduard, Geometer, München. 

> 2308. Wal lisch, Landmesser, Osterode in Ostpreussen. 

> 2309. Kleist, Landmesser, Bromberg. 

> 2310. Ziegelasch, Landmesser, Bromberg. 

> 2311. Brandenburg, A., Landmesser, Köln am Rhein. 



Diejenigen Mitglieder des Deutschen Geometervereins, welche ge- 
sonnen sind, den Mitgliedsbeitrag von 6 Mark pro 1886 per Postanweisung 
einzuzahlen, werden hiemit ersucht, dieses bis längstens den 8. Iflärz 
188<i zu bewerkstelligen, nach diesem Zeitpunkt aber, um Kreuzungen 
zu vermeiden, keine Einzahlungen mehr zu machen, da nach §. 16 der 
Satzungen sodann der Mitgliedsbeitrag per Postnachnahme erhoben 
werden wird. 

Coburg, 12. Dezember 1885. 

G- Kerschbaum, z. Z. Cassirer des Deutschen Geometervereins. 



Inhalt. 

GrBssere Abhandlungen: Ueber die mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser 
erreichbare Genauigkeit und einige Erörterungen über die Kehlerursachen 
desselben, von Wagner. — Ueber Stative, von Vogler. Kleinere Mittheilungen: 
Gesetze über Feldwegregelung und Grundstiickszusammenlegung, von Doll. — 
Oeffentliehe Prüfungsstellen für geodätische Instrumente, mitgetheilt von G. 
Literaturzeitung : Grundzüge der astronomischen Zeit- und Ortsbestimmung, von 
Jordan, bespr. von Haid. — Tafeln zum Abstecken von Eisenbahn- und Strassen- 
Kurven in neuer Theilung (Centesimaltheilung), von Gysin, bespr. von" J. — 
Handbuch der niederen Geodäsie von Fr. Härtner, von Wastlcr, bespr. von G. 
— Die darstellende und projective Geometrie etc., von Peschka, bespr. vonG- 
Neue Schriften Uber Vermessungswesen. Unterricht und Prüfungen. Personalnachrichten. 
Vereinsangelegenheiten. 



Karlsruhe. Druck von Malsch A Vogel. 



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129 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppe t, Steuerassessor in München, und 
B. Qerke, Privatdozent in Hannover, 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1886. Heft 6. Baud XT. 

16. März. 



Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 

Nachdem wir in dieser Zeitschrift 1884 Seite 389 bis 396 über 
die mit dem Cerebotani’schen Instrument auf der Vereinsversamm- 
lung in Schwerin gemachten Messungen einen Bericht veröffentlicht 
haben, welcher die Mängel des damaligen Verfahrens deutlich aus- 
sprach, hat der Verfertiger jenes Instrumentes inzwischen sich 
weiter mit dieser Sache beschäftigt und ein Instrument von Stahl 
mit 1 Meter langer Schiene (gegen 0,5 m bei Schwerin) her- 
gestellt, mit welchem im Herbst vorigen Jahres bei Berlin Ver- 
suche angestellt wurden, die in der Zeitschrift für Instrumenten- 
kunde, Jahrgang 1886, Märzheft, veröffentlicht sind. 

Dabei wurde von der Benutzung der schon in unserem 
Schweriner Bericht als unzulässig bezeichneten Distanztabelle des 
Erfinders ganz Abstand genommen, so dass constante Fehler nun 
wegfielen ; und der unregelmässige Zielfehler, welcher in Schwerin 
etwa + 6,5" betrug, ist nun auf etwa + 2,5 " herabgebracht worden. 

Mit Zustimmung der Redaction der Zeitschrift für Instrumenteu- 
kunde und des Verfassers, Herrn Dr. A. Börsch , Assistent im König- 
lich Geodätischen Institut in Berlin, bringen wir den Hauptinhalt 
der fraglichen Abhandlung vom Märzheft d. J. der »Zeitschrift 
für Instrumentenkunde«, S. 77 — 86, hiemit zum Abdruck: 

Der Cerebotani’sche Distanzmesser 

von 

Dr. A. Börsch, Assistent im Königlichen Geodätischen Institut in Berlin. 

Im Aufträge des Königlich Preussischen Unterrichtsministeriums 
hat Herr Prof. W. Foerster im vergangenen Sommer eine eingehende 
Untersuchung eines Distanzmessers nach Ccrebotani’schem System 
angeordnet, mit deren Ausführung ich betraut war, und deren Er- 
gebnisse ich im Folgenden mittheile. 

Herr Prof. Dr. Jordan hat bereits im Band XIII. (1884) der 
Zeitschrift für Vermessungswesen, Seite 389, die Beschreibung und 

Zeitschrift fur Vermessuugtiweaen. 18S6. 6. Heft. 9 



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130 



Börsch. Der C'erebotani’sche Distanzmesser. 



Theorie dieses Instrumentes gegeben,*) auch einige Versuche, welche 
bei Gelegenheit der 13. Hauptversammlung des Deutschen Geometer- 
vereins 1884 in Schwerin angestellt worden waren, mitgetheilt, 
indess hat die nachfolgende Discussion der diesmal unter günsti- 
geren äusseren Umständen ermöglichten Beobachtungen zu so 
wesentlich besseren Resultaten geführt, dass deren Veröffentlichung 
wünschenswerth erschien. Die von Herrn Prof. Jordan aus den 
Schweriner Versuchsmessungen berechneten, sehr wenig befriedi- 
genden Resultate werden von den Herren Mechanikern Graffy und 
Wadaek in Berlin, welche den Vertrieb des Instrumentes über- 
nommen haben, der Unvollkommenheit des in Schwerin benutzten 
und wahrscheinlich bei der Sendung dorthin in Unordnung gera- 
thencn Exeinplares zugeschrieben. 

In Betreff der Beschreibung und Theorie des Distanzmessers 
kann ich im Allgemeinen auf das von Herrn Prof. Jordan in der 
Zeitschrift für Vermessungsweseu 1884 Seite 390 bis 392 Gesagte 
verweisen. 

Das neue Instrument ist sehr solid und massiv ganz aus Stahl 
construirt und in einem starken Eichenholzkasten eingeschlossen, 
in dem nur für die Objective und Oculare der beiden Fernrohre 
und für die Schraube, welche den Schlitten S bewegt, Oeffnungen 
gelassen sind, während sich vor dem getheiiten Maassstab eine 
Glasscheibe befindet. Bei Nichtgebrauch werden auch die Objective 
und Oculare durch Klappen bedeckt. Alles ist deshalb aus einem 
Metall construirt, um eine Aenderung in der Temperatur des ganzen 
Apparates möglichst unschädlich zu machen. Das Gewicht ist sehr 
bedeutend, nämlich 17 '/* kg. Nach der Meinung des Herrn Graffy 
würde sich dasselbe jedoch, besonders durch Ermässigung des Ge- 
wichtes des Holzkastens, ohne schädliche Folgen für die Leistungs- 
fähigkeit des Instrumentes erheblich verringern lassen. Der Kasten 
wird auf ein stark gebautes Stativ aufgesetzt, welches beliebige 
Drehungen in horizontalem und verticalem Sinne erlaubt, während 
feine Drehungen durch Mikrometerschrauben nach vorheriger Klem- 
mung bewirkt werden. 

Die beiden Fernrohre haben 40"mm Objectivöffnung, 27,5 cm 
Brennweite und ca. 20fache Vergrösserung. Die Bilder sind sehr 
gut, so dass eine grosse Sicherheit in der Pointirung erreicht wird. 
Jedes Fernrohr hat einen horizontalen und zwei verticale Fäden ; 
die Winkeldistanz der letzteren beträgt ungefähr 40”. Um die 
Bilder an beiden Fernrohren gleichmässig am Horizontalfaden sicht- 
bar zu machen, kann das eine Fernrohr (links) etwas um eine hori- 
zontale Axe gedreht werden, während eine seitliche Verschiebung 
des Fadenuetzes am rechten Fernrohr die gewünschte Länge der 

*) Herrn Prof. Jordan, welchem diese Abhandlung Vorgelegen hat, bin ich 
für manuichfache Anregungen zu besonderem Danke verpflichtet; derselbe 
hatte sich auch bereit erklärt, die Arbeit in der Zeitschrift für Vermessungs- 
wesen aufzunehmen, es erschien jedoch in Betracht des grösseren Umfanges 
der gesammten Darlegungen angemessener, dieselben in der Zeitschrift für 
Instruraentenkunde zu veröffentlichen. 



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Borsch. Der Cerebotmii’sche Distanzmesser. 131 

Basislinie zu erlangen erlaubt. Während meiner Versuche war 
insbesondere die letztere Correction niemals nothwendig. 

Dem Instrumente war auch eine aus den a priori angege- 
benen Constanten berechnete Distanztabelle beigegeben, deren Be- 
nutzung jedoch von vornherein ausgeschlossen wurde, da geringe 
Abweichungen bei den Constanten, besonders bei d, bedeutende 
systematische Unterschiede gegen die wahren Entfernungen hervor- 
rufen müssen. Eine zutreffende Distanztabelle ist vielmehr ent- 
weder für jede grössere Messungsoperation unter gleichartigen Um- 
ständen in sehr einfacher Weise aus einer Reihe von Einstellungen 
auf Objecte von bekannten Entfernungen mit Hilfe der hierbei 
erlangten Ablesungen x empirisch durch Interpolation abzuleiten, 
oder es sind, falls das Instrument sich unveränderlich genug ver- 
hält, die Constanten des Apparates aus Einstellungen auf Objecte 
von bekannter Entfernung in einer für längere Zeit gütigen Weise 
nach der Methode der kleinsten Quadrate zu bestimmen, und dann 
erst Distanztabellen in passenden Intervallen für die Ablesungs- 
werthe x zu entwerfen. 

Bei den Beobachtungen wurde das Object zunächst am linken 
Fernrohr mittels der Stativmikrometerschraube eingestellt, hierauf 
am rechten Fernrohr durch Benutzung der Schlittenschraube, wobei 
darauf geachtet wurde, dass, um einen etwaigen todten Gang un- 
schädlich zu machen, die Schrauben bei der letzten Feineinstellung 
stets in demselben Sinn eingedreht wurden ; sodann wurde die Ein- 
stellung links noch einmal controlirt, und endlich die Angabe des 
Nonius in Einheiten des Centimeters abgelesen. Die Bilder wurden 
beim Horizontalfadeu in die Mitte zwischen die Verticalfäden ge- 
bracht, wobei auf die Deutlichkeit der Bilder und die richtige 
Stellung des Fadennetzes die gehörige Rücksicht genommen wurde. 
Nach geringer Uebung waren zu dieser ganzen Operation 40 bis 
45 Secunden erforderlich. 

Die Beobachtungen wurden am 11., 15. und 20. August 1885 
von dem Herrn Mechaniker A. Graffy und mir angestellt, während 
sich an den Controlbeohachtungen vom 14. October noch Herr 
Dr. L. Krüger, Assistent im Königl. Geodätischen Institut, betheiligte. 
Als Beobachtungszeit wurden die Nachmittagsstunden von 3 Uhr 
bis Sonnenuntergang gewählt. Das Wetter war immer ziemlich 
günstig; bei schwachem Wind und wechselnder Bewölkung traf 
zwar der Sonnenschein manchmal das Instrument längere Zeit direct, 
wobei die Temperatur ziemlich bedeutend variirte, doch war der 
Luftzustand günstig und das Zittern der Bilder gering genug, um 
nicht gar zu störend zu wirken. Auch ist noch zu bedenken, dass 
man bei regelmässigem Luftzittern sicherer ein Objekt zwischen 
zwei Parallelfaden einstellen, als die Scale einer Distanzlatte an 
einem Faden ablesen kann. Alle diese Umstände bewirken, dass 
die Beobachtungsresultate als unter günstigen äusseren Verhält- 
nissen erlangte betrachtet werden können. Als geeigneter Ort für 
die Versuche wurde eine Allee in der Nähe von Treptow bei Berlin 

9. 



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132 



Börach. Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 



ermittelt. Daselbst wurde zunächst mit zwei geaichten, hölzernen 
5-Meterlatten eine Entfernung von 600 m zweimal mit Sorgfalt 
gemessen, wobei von 50 zu 50 m starke Holzpfähle eingeschlagen 
wurden. Die Rückmessung gab im Ganzen, wie im Einzelnen, 
keine Abweichung, die 2 cm überschritten hätte. Die gemessenen 
Entfernungen können also für den vorliegenden Zweck als absolut 
genau angesehen werden. Nach je 50 m von 50 m bis 600 m, 
mit Ausnahme der Entfernung 550 in, wurde ein Visirstab (Bake) 
in die Erde gestossen, so dass deren also 11 vorhanden waren. 
Von jedem Beobachter wurden alsdann ein Anzahl Einstel- 
lungen von jeder Bake in bestimmter Reihenfolge gemacht und 
darauf in umgekehrter Reihenfolge wiederholt. Vor jeder neuen 
Einstellung wurde das Instrument aus seiner Lage gebracht und 
öfters vollständig um seine Axe gedreht. Auf eine vorsichtige Be- 
handlung bei dem jedesmaligen Transport des Intrumentes nach 
dem Beobachtungsort und nach Berlin zurück wurde keine besondere 
Rücksicht genommen. Am ersten Tage musste Herr Graffy allein 
beobachten, weil das Ocular des beweglichen Fernrohrs sich nicht 
weit genug einschieben liess, um das Fadenkreuz für mich deutlich 
sichtbar zu machen. Dieser Uebelstand wurde später beseitigt. 
Es mag noch bemerkt werden, dass die nachstehend gegebenen 
Beobachtungen vollständig sind, dass also Ausschliessungen nicht 
stattgefunden haben. 



Treptow, den 11. August 1885. 



Nr. 






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13 


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— 


— 


— 


11 



*) Bake IV war schlecht einzustellen. 



i 

i 

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Börsch. Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 



133 



Treptow, den 15. August 1885. 



Nr. 

der 

Beob.| 


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44 


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1 53,975 


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20 | 


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9 


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— 


— 


— 


— 


44 






— 


— 



Treptow, den 20. August 1885. 



Nr. 

der 

Beob. 


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IV 

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ir: Graffy. 


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cm 


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84 


— 


7 








Bec 


115 

ibachte 


r : Bors 


ich. 










1 


15,505 


i 25,43 


32,20 I 


37,15 


41,00 144,11 


46,55 


48,52 


50,31 


51,73 


54,085 


2 


50 


42 


18 


105 


03 


10 


52 


69 


28 


82 


13 


3 


50 


44 


20 


17 


00 


15 


62 


67 


235! 


86 


09 


4 


50 


43 


20 


165 


02 


08 


525 


565 


25 


79 


085 


5 


— 


— 


24 


19 


01 


— 


— 


— 


— 


73 


I 


6 


— 


— 


17 


— 


00 j 


— 


— 


— 


— 


69 


— 


7 


— 


— 


— 


— 


40,99 





— 


— 


1 


— 


— 



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134 



Börsch. Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 



Treptow, den 14. October 1885. 



Nr. 

der 

Beob. 


II 

10« m 


Bake 

IV 

anom 


VI 

300 m 


II 

100 m 


Bake 

IV 

21X11)1 


VI 

8)10 m 


II 

100 m 


Bake 

IV 

200 m 


VI 

3«0m 




cm 


cm 


cm 


cm 


cm 


cm 


era 


cm 


cm 




Beobachter: Graffy. 


Beobachter: Börsch. 


Beobachter: Krüger. 


1 


25,50 


37,22 


44,095 


25,45 


37,125 


44,115 


25,45 


37,13 


44,10 


2 


51 


235 


125 


48 


14 


08 


45 


09 


09 


S 


50 


225 


12 


46 


16 


09 


46 


13 


OS 


4 


50 


24 


11 


44 


13 


135 


45 


10 


07 


5 


54 


25 


15 


47 


14 


085 


43 


12 


06 


6 


50 


20 


10 . 


47 


16 


025 


49 


20 


05 


7 


53 


225 


10 


42 


15 


10 


46 


15 


08 


8 


515 


20 


00 


45 


20 


02 


50 


15 


06 


9 


51 


21 


10 


45 


13 


.03 


45 


10 


05 


10 

u 


505 


225 


15 


44 


21 


14 

10 


46 


12 


07 


12 


— 


— 


— 


— 


— 


01 


— 




- 



Bei der Discussion vorstehender Beobachtungen sind die vom 
14. October als Controlbeobachtungen zunächst nicht berücksichtigt 
worden. Man sieht aber sofort, dass sich im Allgemeinen- das 
Instrument gut gehalten hat. 

In der Tabelle auf folgender Seite sind die Resultate über- 
sichtlich zusammengestellt. Da sich zwischen den Beobachtungen 
des Herrn Graffy und den meinigen systematische Unterschiede 
zeigten, sind die Ergebnisse nicht nur im Ganzen, sondern auch 
für jeden Beobachter gesondert behandelt worden, und zwar enthält: 
Spalte 1. Die Nummer der Bake und ihre Entfernung. 

» 2. Für jede Entfernung in erster Linie das Gesammt- 

mittei aller Scalenablesungen, in zweiter Linie das 
Mittel der Beobachtungen des Herrn Graffy und in 
dritter Linie das Mittel meiner Beobachtungen. 

> 3. Die mittleren Fehler der vorigen Mittelwerthe. 

> 4. Den mittleren Fehler einer einzelnen Bestimmung. 

> 5. Die Aenderung JE der Entfernung für 1 mm Aen- 

derung in der Scalenablesung der Spalte 2. (Der 
Distanztabelle entnommen.) 

> 6. Den mittleren Fehler einer einzelnen Distanzbestim- 

mung in Metern. 

> 7. Deu mittleren Fehler einer einzelnen Distanzbestim- 

mung, ausgedrückt in Procenten der Entfernung. 

> 8. Den mittleren Fehler einer einzelnen Parallaxen- 

bestimmung in Bogensecunden, berechnet nach der 



Formel dp — ^ bn. 



> 9. Den Unterschied e — e 0 der gemessenen Entfernung e 

und der aus der vorhandenen Distanztabelle für die 
Angabe der Spalte 2 entnommenen e 0 . 

Aus dieser Uebersicht geht zunächst der erwähnte systema- 



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Borsch. Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 



135 



tische Unterschied zwischen den Resultaten des Herrn Graffy und 
den ineinigen hervor, und zwar ist für: 

Bake I II III IV V VI VII 
G. — B.: +0,00 +0,02 +0,04 +0,06 +0,08 +0,06 +0,14 cm 

Bake VIII IX X XI 
G. -B.: +0,09 + 0,05 + 0,10 + 0,10 cm. 

Da ich die Ursache dieser Unterschiede nicht sicher ermitteln 
konnte, will ich keine Hypothese darüber aufstellen. Jedenfalls geht 
daraus hervor, dass für die feinste Anwendung des Instrumentes jeder 
Beobachter für sich eine besondere Distanztabelle berechnen müsste. 



1 . 


2. 


3. 


4. 


5. 


6. 


7- 


8. 


9. 




cm 


cm 


cm 


m 


m 


> 


" 


m 


Bake I 


15,503 


+ 0,001 


+ 0,007 


+ 0,41 


+ 0,029 


+ 0,06 


+ 2,4 


+ 0,22 


50 m 


504 


0,002 


0,007 




0,029 


0,06 


2,4 


0,21 




500 


0,001 


0,004 




0,016 


0,03 


1.3 


0,23 


Bake II 


25,451 


0,003 


0,018 


+ 0,61 


0,110 


0,11 


2,3 


+ 0,03 


100m 


457 


0,003 


0,014 




0,085 


0,08 


1.8 


0,00 




438 


0,006 


0,019 




0,116 


0,12 


2,4 


0,11 


Bake III 


32.234 


0,005 


0,032 


+ 0,85 


0,272 


0,18 


2,5 


+ 0,64 


150 m 


250 


0,006 


0.027 




0,230 


0,15 


2,1 


0,51 




208 


0,005 


0,020 




0,170 


0,11 


1,6 


0,87 


Bake IV 


37,168 


0,010 


0,060 


+ 1,14 


0,684 


0,34 


3,5 


+ 1,89 


200 m 


189 


o.oii 


0.054 




0,616 


0,31 


3,2 


1,66 




126 


0,015 


0051 




0,581 


0,28 


3,0 


2,37 


Bake V 


41,062 


0,009 


0,055 


+ 1,47 


0,809 


0,32 


2,7 


+ 1,69 


250 m 


091 


0,008 


0.040 




0,588 


0,24 


1,9 


1,26 




008 


0,009 


0,034 




0,500 


0,20 


1,7 


2,47 


Bake VI 


44,109 


0,008 


0,047 


+ 1,83 


0,865 


0,29 


2,0 


+ 1,87 


300m 


125 


0,008 


0,038 




0,695 


0,23 


1.6 


1,58 




070 


0,014 


0,045 




0,824 


0,27 


1,9 


2,58 


Bake VII 


46,524 


0,021 


0,110 


+ 2,23 


2,453 


0,70 


hl 


+ 3,19 


350 m 


599 


0,023 


0,077 




1,717 


0,49 


2,9 


1,52 




461 


0,023 


0,081 




1,806 


0,53 


3,0 


4,59 


Bake VIII 


48,569 


0,020 


0,088 


+ 2,68 


2,358 


0,59 


3,0 


+ 3,41 


400 m 


614 


0,026 


0,081 




2,171 


0,54 


2,8 


2,20 




525 


0,024 


0,075 




2,010 


0,50 


26 


4,58 


Bake IX 


50,26-4 


0,013 


0,062 


+ 3,15 


1,953 


0,43 


2,0 


+ 4,31 


450 m 


29t) 


0,017 


0,057 




1,796 


0,40 


1,8 


3.49 




239 


0,018 


0,059 




1,859 


0,41 


1,9 


5,10 


Bake X 


51,730 


0,021 


0,106 


+ 3,67 


3,890 


0,78 


3,2 


+ 4,51 


500 m 


779 


0.017 


0,060 




2,202 


0,54 


1,8 


2,70 




680 


0,032 


0,115 




4,221 


0,84 


3,5 


6,34 


Bake XI 


54,094 


0,018 


0,081 


+ 4,61 


3,896 


0,65 


2,2 


+ 4,84 


600 m 


146 


0,023 


0,072 




6,463 


0,58 


2,0 


2,33 




042 


0,017 


0,053 


- 


2,469 


0,41 


1,4 


7,36 



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136 



Börsch. Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 



Die bedeutsamsten Resultate geben die Spalten 6, 7 und 8. 
Sie zeigen, wie der mittlere Fehler einer Beobachtung mit der Ent- 
fernung wächst, dass er jedoch bei dem untersuchten Instrument 
und für einen bestimmten Beobachter bei 600 m Distanz nur etwa 
0,5 °l 0 erreicht. Da ferner die Spalte 8 gar keinen regelmässigen 
Gang zeigt, so kann man annehmen, dass der Pointirungsfehler 
oder der Fehler der Parallaxenbestimmung für alle Entfernungen 
gleich ist, die Fehler der Distanzbestimmung also wirklich nach 
der Formel (3) Zeitschrift für Vermessungsweseu 1884, S. 390, nämlich : 

Ej_ dj^ 

b p 



dE = 



wachsen, und andere störende Fehlerursachen keine Rolle spielen. 
Der mittlere Pointirungsfehler ergiebt sich 

1. aus der Gesammtheit der Beobachtungen: dp=+_ 2,7" 

2. aus den Beobachtungen des Herrn Graffy : dp — + 2,2" 

3. aus meinen Beobachtungen : rfp = +2,2". 

Hiernach würde man für einen bestimmten Beobachter einen 

Pointirungsfehler von +2,2" annehmen können, so dass für ein 
Instrument von 1 m Basis bei einer Entfernung von 

1000 in ein mittlerer Fehler von 10,7 in oder von 1,07 °/ 0 , 

2000 m > > > » 42,7 m > > 2,14°/ 0 , 

3000 m > > > > 96,0 m > > 3,20% 

bei einer einzelnen Messung zu befürchten wäre. Diese Zahlen 
zeigen, dass selbst dann, wenn der günstige Werth dp — + 2,2" 
auch für grössere Entfernungen als 600 m bestehen bleiben sollte, 
die Distanzbestimin ungen doch bald unbrauchbare Resultate geben 
würden. Die möglichen Grenzen der Verkleinerung dieser Fehler 
durch Vervielfältigung der Anzahl der Messungen werde ich später 
besprechen. 

Für manche praktische Arbeiten, wie z. B. für Eisenbahn- 
tracirungen, wird somit der Cerebotani’sche Distanzmesser bis zu 
gewissen Entfernungen, je nach dem Grade der verlangten Genauig- 
keit, mit Nutzen und Zeitersparniss zu gebrauchen sein. So weit ich 
habe Nachforschungen halten können, habe ich kein Beispiel eines 
andern Distanzmessers ohne Latte von ähnlichen Dimensionen 
und ähnlicher Einfachheit in der Behandlungsweise auffinden können, 
welcher innerhalb derselben Entfernungsgrenzen so gute Resultate 
gegeben hätte. Da das Instrument zugleich als Messtisch benutzt 
werden kann, indem die hierzu erforderlichen Zusätze sich leicht 
anbringen lassen und auch schon construirt und ausgeführt sind, 
so würde es sich zu Aufnahmen in coupirtein oder sonst schwie- 
rigem Terrain in den Fällen wohl eignen, wenn das Umherschicken 
eines Arbeiters mit der Distanzlatte misslich oder zu zeitraubend 
wird. Eine Vergleichung mit dem Reichenbach’schen Distanzmesser 
wird hier nicht beabsichtigt, auch glaube ich kaum, dass in der 
praktischen Geometrie der Cerebotani’sche Distanzmesser die An- 
wendung des Theodoliten und der Kippregel in Verbindung mit 
der Distanzlatte in irgend nennenswerther Weise zu verdrängen im 



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Börsch. Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 



137 



Stande sein wird ; seine Anwendung wird immer auf besondere 
Fälle, wie die oben erwähnten, beschränkt bleiben, in diesen aber 
von schätzenswerther Nützlichkeit sein können. 

Der Distanzmesser muss aber jedenfalls von dem betreffenden 
Beobachter in vorstehender Weise genau untersucht werden, worauf 
eine Distanztabelle abzuleiten ist Will der Beobachter sein Instru- 
ment von Zeit zu Zeit prüfen, so braucht er nur eine bestimmte 
Entfernung (100 m oder 200 m) genau mit Latten zu messen und 
zu untersuchen, ob und wie sich die Ablesungen hierfür gegen 
früher geändert haben. Als Beobachtungsobject ist natürlich jeder 
Gegenstand, der eine scharfe Einstellung ermöglicht und leicht zu 
erkennen ist, geeignet. Versuche mit Baunmsten u. s. w. haben 
die obigen Resultate nur bestätigt. Sollten einstellbare Objecte 
nicht vorhanden sein, dann ist überhaupt auch nichts aufzunehmen. 

Aus den wachsenden Werthen der Spalte 9 geht hervor, dass 
die Constanten dieses Exemplares des Distanzmessers in der That 
nicht die beabsichtigten Werthe haben. Weiter unten werde ich 
die wirklichen Constanten des Instrumentes abzuleiten versuchen. 

Zuvörderst will ich indess noch etwas auf die Controlbeobach- 
tungen vom 14. October eingehen ; aus ihnen ergeben sich für die 
drei Beobachter die untenstehenden Mittel werthe M nebst ihren mitt- 
leren Fehlern und die mittleren Fehler m einer Einzeleinstellung. 

Diese Bestimmungen sind mit Ausnahme der des Herrn Graffy 
für Bake II mit den früheren in einer solchen Uebereinstimmung, 
wie man es nach Maassgabe der mittleren Fehler nicht besser 
erwarten konnte (siehe die Zusammenstellungen auf Seite 135 Spalte 3). 
Die mittleren Fehler m der Einzelbestimmungen sind sogar eher 
etwas kleiner ausgefallen, als in der Spalte 3 der Zusammenstellung 
auf Seite 135. Die persönliche Differenz zwischen den Bestimmungen 
des Herrn Graffy und den mehligen tritt auch hier wieder scharf 
hervor, während bei Herrn Dr. Krüger und mir etwas Aehnliches 
nicht zu constatiren ist. 



Be- 


Bake 11, 100 m 1 


Bake IV, 200 m 1 




obachter 


M 




31 


<» 


M 


i ro 




cm 


cm 


cm 


cm 


cm 


cm 


Graffy . 


25,511 +0,004 


+ 0,014 


37,223 + 0,005 


+ 0,016 


44,111 +0,009 




Börsch . 


26,453 + 0,006 


COM3 


87,155 + 0,010 + 0,032 






Kriiger . 


25,460 + 0,007 


±0,021 


37,129 ±0,010 


±0,032 


44,071 ± 0,005 





(Schluss folgt.) 



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138 



Deubel. Beitrag zur Prüfung des Winkelprismas. 



Beitrag zur Prüfung des Winkeiprismas. 

In den mir vorliegenden Lehrbüchern über Instrumentenkunde 
wird bezüglich der Prüfung des zur Absteckung rechter Winkel 
sehr gut verwendbaren Prismas nur gesagt, dass dieselbe ebenso 
vorzunehmen sei, wie bei der Kreuzscheibe und dem Winkelspiegel. 
Demgemäss wurde bei der ersten Benutzung eines Prismas in der 
bekannten Weise verfahren, dass der Winkel einmal nach rechts 
und dann nach links genommen wurde. Die Bilder deckten sich 
sehr gut mit dem Object und dennoch musste später constatirt 
werden, dass die in der Folge immer nur von einer Seite mit diesem 
Instrumentchen abgesteckten Winkel bald mehr bald weniger von 
90° abwichen. 

Zur Aufklärung dieses Widerspruches hat Verfasser, nach einer 
wissenschaftlichen Correspondenz mit Herrn Professor Jordan fol- 
gende Betrachtung angestellt. 

Wir legen der folgenden Entwicklung zunächst ein Prisma zu 
Grunde, welches weder genau rechtwinklig noch genau gleichschenklig 
ist, unter Beibehaltung der in Jordans Vermessungskunde Seite 144 
zur Anwendung gebrachten Bezeichnungen. 

(Vgl. die folgenden Fig. I. und Hg. II.) 

I u. 





Zunächst gelten die Brechungsgleichungen: 
sin u = u sin ß 
sin f = g sin S 

Ferner wird aus der Figur I. abgeleitet: 

45° + f + r + 90° + y-f / J=180° 

45°-f ! + r + 90° — >- + 90— 3=180° 



0 ) 

( 2 ) 



Digitized by 



Googli 

- ■ * J 



Deubel. Beitrag zur Prüfung des Winkelprismas. 



139 



X + 2x-\-ß = 8 (3) 

Diesen Werth von S in 61. 2 eingesetzt ergibt: 

X 

sin e = ti sin (jS-fx + 2r); --f T = (T 
sin e = ii sin (ß+2 a) 

Da nun die Fehler zundr als sehr kleine Winkel zu behandeln 
sind, so ist 

sin e = fi ( sin jS 4- 2 neos S) (4 ) 

und durch Combination mit Gl. (1) 

sin a — sin e = — 2 uacos ß (5) 

Da bei einem fehlerfreien Prisma a = e ist, so kann hier 
näherungsweise gesetzt werden 

sin a — sin t = (a — e) cos u (6) 

Mithin aus Gl. (5) und (6) a — 1 = — 2 ft o ~~~ = — 2 u -f- r ) (7) 

COS tt \Jt / cos u, 

oder nach weiterer Umformung und Combination mit Gl. (1) 

a — e== — 2^-j-T^^l — l)sec*« (8) 

Denkt man sich nuu durch den Scheitel des Winkels A eine 
Parallele zu dem ein- und austretenden Strahl gezogen, sowie die 
Schenkel des Winkels A über den Scheitel verlängert, so ergibt sich 
aus der Figur I.: 

90°— u + <i 4 90° — x — (90° — t) — 180° 

if, = 90° -(- x 4- « — * (9) 

oder den Werth iür « — t nach Gl. (8) eingesetzt 

9 , = 90°-(-j: — 2[|4-rj» / l -f («* — l)sec*u (10) 

Entsprechend ergeben sich für den von der entgegengesetzten Seite 
eintretenden Strahl (Fig. II.) die Gleichungen: 

= 4- 2 »<r —-4 (11) 

cos a K ' 

<p — 90° +x 4-2^4- rjKl -f- («* — l)sec*«' (12) 

Aus den Gleichungen (10) und (12) geht hervor: 
dass der abgesteckte Winkel <(■ abhängig ist 

1. von den constanten Fehlern x und r des Prismas, 

2. von dem variablen Winkel «, welchen der eintretende Strahl 
mit dem Einfallslothe bildet. 

Von einem solchen Prisma erzeugte Bilder können nicht genau 
zur Deckung gebracht werden. 

Nehmen wir dagegen an, dass das fehlerhafte Prisma zwar 
rechtwinklig , aber nicht gleichschenklig ist , so wird in obigen 
Gleichungen a;=0 und dieselben gehen über in: 



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140 Jordan. Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer pothenotischen Bestimmung. 



rf = 90° — 2 t Fl -|- (« a — 1) sec * (t (13) 

cp' — 90° + 2 r Kl 4- (j.f—^sec *«' (14) 

Wird also der Winkel «==«', so ergänzen sich die Winkel <p 
und (p zu 180°; die Bilder decken sich mit dem direct gesehenen 
Object. Da aber bei der Drehung des Prismas in der Hand dieser 
Fall jederzeit eintreten kann, so ist bewiesen, dass die Deckung der 
Bilder entgegengesetzter Signale mit dem Object allein nicht zur Fest- 
stellung der Richtigkeit eines Prismas genügt. Es wird vielmehr 
durch sorgfältige Beobachtung während der Drehung des Instrumentes 
zu constatiren sein, ob das Prisma einen wirklich fasten, von dem 
Winkel u unabhängigen Strahl hat. 

Deubel , Landmesser. 



Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer pothenotischen 
Bestimmung. 

Ueber diese Frage hat Gauss in dem > Briefwechsel zwischen 
Gauss und Schumacher, herausgegeben von Peters, Altona 1861 <, 
III. Band S. 46 — 50 einige Erörterungen gegeben, welche auch in 
des Verfassers Handbuch der Vermessungskunde I. S. 321 citirt sind. 
Hierauf nimmt eine von unbekannter Hand aus Paris erhaltene 
Zusendung Bezug, welche wir, weil sie die Sache in sinnreicher 
Weise klar legt, hier zum Abdruck bringen, um auch unsererseits 
noch einige Bemerkungen beizufügen. 

Es handelt sich darum, ob eine pothenotische Berechnung mit 
willkürlich angeschriebenen Winkeln, welche zu drei gegebenen 
Punkten gehören sollen, möglich oder unmöglich ist. 

Aus eigener Erfahrung, welche uns auf die vorliegende Frage 
aufmerksam machte, können wir mittheilen, dass zu einer Uebungs- 
rechnung die Coordinaten dreier Zielpunkte nebst zweien Staud- 
punktswinkeln willkürlich angeschriebeu wurden und dass die Rech- 
nung auf eine negative Strahlenlänge führte, folglich unmöglich wurde. 
Dass man die Zahlen nicht schlechthin willkürlich anschreiben darf, 
kann an dem Beispiel dreier Punkte in einer Geraden gezeigt wer- 
den: Nimmt inan hiezu drei Strahlen mit Winkeln von je 120°, so 
existirt kein Punkt, von dem aus diese Strahlen nach den gegebenen 
Punkteu möglich wären. 

Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. 




Digitized by 



Coy, tim 



Jordan. Mögliohkeit oder Unmöglichkeit einer pothenotischen Bestimmung. ]4] 



Unsere Pariser Zusendung sagt hierüber: 

Um das Kriterium der Möglichkeit einfach darzustellen, nenne 
ich das gegebene Dreieck ABC Fig. 1. und Fig. 2. und zugleich sollen 
die Winkel dieses Dreiecks bezeichnet werden: 

BAC=A CBA = B ACB=C 
doch muss noch der Drehungssinn festgesetzt werden, damit diese 
Winkel eindeutig bestimmt seien. Dieser Drehungssinn für die 
Winkelmessung soll so angenommen werden, wie der Sehstrahl PB 
beim Uebergang nach PC gedreht werden muss, ohne PA zu treffen, 
ln diesem Sinne sei nach Fig. 3.: 

Winkel BPC—u 
> CP A — ß 

‘> A PB = y 

Die Winkel u,ß, y werden hiernach zwischen 0° und 360° liegen, 
und es ist 

«+ß+Y= 360° 

Was anderseits die Winkel A, B, C betrifft, so sieht man leicht, 
dass sie entweder das sind, was man schlechterdings unter Winkeln 
eines Dreiecks versteht, so dass 

A-\- B C= 180° 

oder es sind A,B,C Winkel, welche, zu den gewöhnlichen Winkeln 
des Dreieckes addirt, jedesmal 360° geben, und dass 
A + B+C= 900°. 

Der erste Fall trifft dann ein, wenn der Drehungssinn der 
Winkel mit dem des Dreiecks ABC übereinstimmt, der zweite Fall 
tritt ein, wenn dies nicht der Fall ist. Was hiernach unter Drehungs- 
sinn eines Dreiecks ABC zu verstehen ist, wird einleuchtend sein. 

Fig. 1. hat negativen Drehungssinn, Fig. 2. hat positiven 
Dehnungssinn. 

Nach diesen Festsetzungen betreffs der Winkel 

ff, ß , r, A, B, C 

kann man Folgendes sagen : 

Die pothenotische Aufgabe ist physisch möglich oder unmög- 
lich, je nachdem von den 3 Differenzen 

a — A, ß—B, y — C 

eine gerade (0 oder 2) oder eine ungerade (1 oder 3) Anzahl 
negativ ist. 

Sollte eine der Differenzen « — A,ß — B, y — C Null sein, so 
ist die Aufgabe unmöglich (selbst nach Vertauschung einer Richtung 
mit der entgegengesetzten), sind zwei Null, so ist die Aufgabe gänz- 
lich unbestimmt , und der gesuchte Punkt kann willkürlich auf 
einem Bogen des um ABC beschriebenen Kreises genommen werden. 
(Alle drei Differenzen können nicht Null werden, da ihre Summe ja 
keinesfalls =0 ist.) 

Die Bestimmung der W'inkel A,B, C wird zweideutig, wenn die 
3 Punkte ABC auf einer Geraden liegen. Nehmen wir z. B. für 
B den mittlern Punkt, so findet man in diesem Fall : 



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142 Jordan. Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer pothenotischen Bestimmung, 



entweder .4 = 0° oder 41 = 360° 

P=180° B = 180° 

C= 0° C = 360° 



entsprechend der Unbestimmtheit des Dehnungssinnes des Dreieckes 
ABC. Diese Zweideutigkeit hat jedocli keinen Einfluss auf das 
angegebene Kriterium, denn man hat zu untersuchen : 

« oder u — 360° 

(8—180° ß — 180° 

Y j 360° 

und da «>0, r>°. « — 360° < 0, y— 36O°<0, 

so findet man in dem einen wie in dem anderen Falle immer, dass 
die Aufgabe . 

möglich für ß > 180° 
unmöglich für ß <[180° ist, 



Fig. <. 



wie auch leicht unmittelbar einzusehen ist. 

Die vorstehende wissenschaftliche Darlegung, deren unbekannten 
Einsender wir auf diesem Wege um persönliche Mittheilung bitten, 
hat uns zu der folgenden, von etwas anderem 
Standpunkt ausgehenden Betrachtung Veran- 
lassung gegeben: 

Wenn das Strahlensystem B AC Fig. 4. 
in das Punktsystem A BC Ifig. 5. pothenotisch 
eingepasst werden soll, so muss zunächst jedem 
Punkt ABC ein Strahl eugetheilt werden, 
was durch die Bezeichnungen ABC ausge- 
drückt sein soll. 

Die 3 Winkel, welche die Strahlen unter 
sich bilden, nenne man ußy, und die 3 Winkel 
des Dreiecks entsprechend : A B C in gewölm- 
lichem Sinn. Dann ist jedenfalls: 




A+B+C= 180° 

<‘ + ß+r = 360° 



( 1 ) 

( 2 ) 




Um das Dreieck ABC be- 
schreibe man einen Kreis Fig. 6., 
und nun ist zuerst zu entschei- 
den , ob der geometrische Ort 
des Punktes vermöge eines der 
gegebenen 3 Winkel, etwa ver- 
möge ß, innerhalb oder ausser- 
halb dieses Kreises fällt, den wir 
zur Unterscheidung von dendurch 
P gehenden Kreisen den Grund- 
kreis neunen wollen. So lange 
ß zwischen den Grenzen B und 
180° liegt, liegt P im Innern des 
Dreiecks A BC, und folglichauch 
im Innern des Grundkreises. Die 



Fig. 6. 

P. 




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Jordan. Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer pothenotischen Bestimmung. 143 



Bedingung, dass P nicht gegen P 0 hin aus dem Kreise hinaus- 
rückt, ist 

ßi> B ( 3 ) 

Wenn P aus dem Dreieck ABC über AG hinaus gegen P a 
hinrückt, so wird ß grösser als 180°, und die Bedingung, dass P 2 
noch innerhalb des Kreises, also nicht gegen P 3 hin fällt, ist: 

360° — ß t -fß>l 80° 

oder (360° — ß f ) > (180° — B) (4) 

Als Bedingung, dass der Punkt P im Innern des Kreises liegt, 
hat man also nach (3) und (4) 

wenn /S< 180° ß~G> B (5) 

wenn ß > 1 80° (360° — ß) > ( 1 80° — B) (6) 

Wenn die potlienotische Bestimmung überhaupt möglich sein 
soll, so müssen alle 3 Winkel « ß y die Punktlage entweder inner- 
halb oder ausserhalb verlangen. 

Wir müssen zunächst zwei Fälle unterscheiden : 

Fall I. «<180° 0<18O° y < 180° (7) 

Fall II. ein Werth a, ß oder y ist > 180° (8) 

Im ersten Fall hat man die Bedingung für innerhalb 

« > A ß ;> B j ' > C (9) 

Eine Punktlage ausserhalb gibt es hierbei überhaupt nicht, was 
man entweder geometrisch einsehen oder auch darnach beurtheilen 
kann, dass die drei Bedingungen für Punkt innerhalb des Kreises, 
nämlich : 

u<A ß<B y < C 

in ihrer Summen mit den Summen (1) und (2) nicht verträglich 
wären. 

Als ein Beispiel dafür, dass ewei Bedingungen von den dreien 
unter (9) angegebenen nicht genügen zur Entscheidung, betrachten 
wir den Fall: 



« = 170° .4 = 75° « — A>0 

ß— 170° B = 75° ß — B > 0 

= 20° (7= 30° y— C <0 



( 10 ) 



Diejenigen Theile der zwei Kreise für « und ß, welche für die 
Punktlage massgebend sind , liegen bei der Annahme (10) beide 
im Innern des Grundkreises, sie schneiden sich aber nicht im Innern. 

Uebergehend zum II. Fall (s o. (8)) wollen wir annehmen, es 
seien « und ß beide kleiner als 180°, dagegen y grösser als 180°, 
dann gelten für u und ß die Bedingungen von der Form (5), dagegen 
iür y eine Bedingung von der Form (6), also zusammen : 
für Punkt innerhalb: für Punkt ausserhalb: 



a ~> A 
ß>B 

360° — r >i80°— C 



ccCA 

ß<B 

360° — yC 180°- C 



( 11 ) 



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144 Jordan. Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer pothenotischen Bestimmung. 

Hier ist je die dritte Bedingung überflüssig, denn sie ist vermöge (1) 
und (2) bereits iu den zwei ersten enthalten. 

Wenn also von den 3 Winkeln u ß y einer überstumpf (> 180°) 
ist, so braucht man nur die beiden anderen hohlen «180°) Winkel 
in Betracht zu nehmen, und hat als Möglichkeitsbedingung, dass 
« — A und ß — B beide gleiches Zeichen haben, und nebenbei hat 
man mit « — A ^0 entschieden, ob der Punkt innerhalb oder 
ausserhalb des Grundkreises fällt. 

Um beide Fälle thunlichst zusammen zu fassen, schreiben wir 

nun: 

I. «<180° ß<. 180° y<180° 

« — ^4>0 ß ■ — P>0 y — O 0 gibt den Punkt P innerhalb 

des Grundkreises. Wenn auch nur eine der Differenzen « — A, 
ß — B, y — C negativ wird, so ist die Lösung unmöglich. (Ausser- 
halb des Grundkreises kann der Punkt P im Falle 1. überhaupt 
nie liegen.) 

II. «<180° ß < 180° y > 1 80° 

ce—A>0 ß—B>0 (360° — y) > ( 1 80° — C) gibt den Punkt 

innerhalb 

«— A<0 ß—B< 0 (360° — y)<180° — C) gibt den Punkt 

ausserhalb. 

Sind die Vorzeichen dieser 3 Differenzen nicht gleich, so ist die 
Lösung unmöglich. 

Wenn man es mit gemessenen Winkeln zu thun hat, so ist 
niemals Veranlassung zu der Anstellung einer solchen Untersuchung 
vorhanden, denn die Tbatsache der Messung beweist ja schon, dass 
die Winkel existiren, also möglich sind. 

Die ganze Untersuchung hat also lediglich theoretisches Interesse, 
das nur etwa bei Uebungsrechnungen, wie Eingangs angedeutet, 
in Frage kommen kann. 

Wenn man trotz der Unmöglichkeit der Aufgabe die Rechnung 
nach den gewöhnlichen pothenotischen Formeln beginnt, so wird 
man auf eine negative Strahlenlänge PA, PB oder PC geführt, 
und rechnet man mit dieser negativen Entfernung weiter, so stimmen 
die Schlusscoordinaten in den getrennten Rechnungen wieder überein. 
Diese Coordinaten gehören aber zu einem pothenotischen Punkt, 
von dessen Bestimmungsstrahlen PA, PB, PC einer die entgegen- 
gesetzte Richtung hat im Vergleich mit dem entsprechenden Strahl 
der unmöglichen Combination. Umgekehrt werden die unter sich 
verträglichen Elemente unverträglich, wenn man einen der Bestim- 
mungsstrahlen in Betreff der Richtung umkehrt. 

Zum Schluss kann man noch bemerken , dass auch bei der 
gewöhnlichen Triangulirungsberechnung etwas Aehnliches stattfindet, 
was sich allerdings hier viel leichter überblicken lässt: Wenn von 
zweien Festpunken A und B ein dritter Punkt P vorwärts einge- 
schnitten werden soll, so ist zunächst der Schnitt fur P unbestimmt, 
wenn P mit A und B auf einer Geraden liegt ; das entspricht dem 



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Wagner’s Interpolationstafel für Horizontalkurven etc. 145 

schädlichen Grundkreis ABC der pothenotischen Bestimmung. 
Unmöglich wird der Vorwärtsschnitt P, wenn man, nicht nach 
Messung, sondern willkürlich zwei Winkel BAP und ABP an- 
schreibt, welche beide grösser oder beide kleiner als 180° sind. 
Diese Winkel sollen consequent von der Basis aus im positiven 
Sinn gegen P hin gezählt sein, und ergeben daher, wenn sie beide 
grösser als 180° oder beide kleiner als 180° sind, zwei Strahlen 
auf verschiedenen Seiten der Basis. Dieses entspricht der vor- 
stehenden Möglichkeitsfrage bei pothenotischer Bestimmung. 

Jordan. 



C. Wagner’s Interpolationstafel für Horizontal- 
kurven etc. 



Diese äusserst einfache, vor längerer Zeit von dem Unterzeichneten 
konstruirte Interpolationstafel besteht aus drei aneinander gereihten 




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146 



Wngner’a Interpolationstafel für Horizontalkurven etc. 



Skalen' (gerade parallele Linien in gleichen Abständen), welche auf 
gut durchsichtiges Pauspapier oder auf Pausleinwand , Gelatine etc. 
gezogen, bezw. gedruckt sind. Die untenstehende Figur zeigt den 
vierten Theil einer solchen Tafel in natürlicher Grösse; es hat nämlich 
jede Skala etwa doppelt so viel Intervalle, und diese sind ungefähr 
doppelt so lang, als die nebenstehende Figur angibt. Grössere Dimen- 
sionen sind wohl statthaft, jedoch für den hauptsächlichsten Zweck der 
Tafel erfahrungsmässig nicht nothwendig. Die Intervalle der Skala 1. 
haben je 1 mm, diejenigen von II. je 2 mm und die von III. je 
4 mm Breite. Es können hiefür auch andere Wertho angenommen 
werden ; in jedem Falle ist aber zweckmässig, die Intervalle II. 
doppelt so breit als I., und diejenigen von III. wieder doppelt so 
breit als II. zu wählen , damit leicht in eine Nachbarskala über- 
gegriffen werden kann, wenn bei aussergewöhnlich grosser Ent- 
fernung der Endpunkte eine Skala nicht ausreichen sollte. 

Der Gebrauch dieser Tafel ist ebenso einfach, als ihre Ein- 
richtung, und lässt sich an einem Beispiele erklären. Zu diesem 
Zwecke wird angenommen: zwischen zwei Höhenpunkten A und B, 
welche auf dem betreffenden Situationsplan 37 mm von einander 
entfernt liegen und durch eine feine, gerade Bleilinie mit einander 
verbunden sind, seien die Kurvenpunkte von Meter zu Meter an- 
zugeben ; der erstere Punkt liege 88,5 m und der andere Punkt 
81,2 m über dem Generalhorizont. Ein flüchtiger Versuch — 
auf den wir zurückkommen werden — lehrt sofort, dass Skala III. 
anzuwenden ist und dass den einzelnen Intervalllinien folgende 
Höhenwerthe beizulegen sind : 

a = 80m, ft — 81m A; = 89m und I = 90m. 

Man schiebt nun die Tafel auf den Situationsplan, bis Punkt 
A — an beliebiger Stelle auf der rechten Seite der Skala — dem 
Augenmass nach in die Mitte zwischen die Linien i und k zu liegen 
kommt; sodann hält man diesen Punkt mit der rechten Hand 
mittelst einer leicht aufgesetzten Pikirnadel fest und dreht mit der 
linken Hand die Tafel, bis Punkt B schätzungsweise um 0,2 Intervall 
über der Linie ft sichtbar wird. Da alsdann, der Annahme gemäss, 
Punkt A nach der Skala die Höhe 88,5 m und Punkt JE# = 81,2 in 
zeigt, so entsprechen die Schnittpunkte der Skalalinien c, d, 
e, fi h und * mit der Verbindungslinie A B den gesuchten 
Höhenpunkten für volle Meter, was eines näheren Beweises nicht 
bedarf. Man hat folglich nur noch nöthig, die Tafel in dieser Lage 
mit der linken Hand festzuhalten und mit der rechten Hand die 
Schnittpunkte durchzustechen. 

An den Skalalinien Buchstaben oder Höhenzablen anzuschreiben, 
wie dies zur Erläuterung des Beispieles geschehen ist, wird in der 
Praxis nicht erforderlich. Das Einschalten der Kurvenpunkte setzt 
nämlich voraus, dass die Höhen der aufgenommenen Punkte in dem 
Situationsplan in Blei oder Tusche eingeschrieben sind und da diese 
Zahlen durch die durchsichtige Tafel gesehen werden, so ist man 



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Wagner’s InterpolationBtafel für Horizontalkurven etc. 



147 



liber die den Intervalllinien beiznlegenden Werthe stets orientirt. 
Ausserdem gestatten die in den Skalen hervorgehobenen Fünfer- und 
Zehnerlinien ein sicheres und rasches Abzählen der Intervalle. 

Theoretisch betrachtet könnten alle Einschaltungen dieses Sy- 
stems mit einer einzigen Skala von engen Intervallen, etwa mit I., 
bewirkt werden. Alsdann würden aber häufig allzu schiefe Schnitte 
Vorkommen und in solchen Fällen eine genügend scharfe Bestimmung 
der geometrischen Orte der Schnittpunkte mindestens zweifelhaft 
erscheinen. Wollte man z. B. die oben gestellte Aufgabe mit der 
Skala II. oder I. lösen, so würden die Endpunkte nach und B t , 
bezw. nach A 2 und B 2 , fallen und die Verbindungslinien dieser 
Punkte sich mit den Skalenlinien wesentlich schiefer schneiden, als 
in Skala III. Solche schiefe Schnitte würden aber offenbar die Ge- 
nauigkeit oder bei Anwendung einer Lupe die Raschheit des Ver- 
fahrens beeinträchtigen ; um beides zu umgehen , sind drei ver- 
schiedene Skalen angeordnet, wodurch man in den Stand gesetzt 
ist, Schnitte unter 30 Grad Schiefe zu vermeiden. 

Die zweckmässigste Skala ergibt sich für jeden Einzelfall sofort, 
indem mit Skala II. entweder ein annähernder Einschaltungsversuch 
gemacht und dabei die Schnittschiefe schätzungsweise beurtheilt wird, 
oder strenger: wenn man die Entfernung der beiden Höhenpunkte 
mit dieser Skala flüchtig misst und hierbei beachtet , dass die abge- 
lesene Anzahl der Intervalle > als der einfache Höhenunterschied 
und < a/s der doppelte Höhenunterschied der Endpunkte, bezw. der 
Anzahl der einzuschaltenden Punkte, sein soll. Erscheinen auf die 
eine oder andere Weise die Intervalle II. zu gross, so muss selbst- 
redend Skala I. benutzt und im umgekehrten Falle auf III. über- 
gegangen werden. 

Es bedarf kaum eines Hinweises, dass für verschiedene Masse, 
Massstäbe und den verlangten Höhenabständen der Horizontal- 
kurven auch den Intervallen verschiedene Einheitswerthe zu unter- 
legen sind. Am häufigsten kommen die Werthe 1,0 m und 0,1 m 
(bezw. Fuss) vor, seltener 10 m und 0,01 m. Auch können bei 
Skala I. bisweilen Einheitswerthe von 2,0 m und 0,2 m vortheilhaft 
sein, nämlich w r enn die Horizontalkurven weniger als 1 mm oder 5 bis 
10 mm horizontalen Abstand von einander erhalten. Nachdem aber 
Kurvenabstände von weniger als 1mm selten zweckmässig erscheinen 
und Abstände von 5 bis 10 mm auch mit Skala III. eingeschaltet 
werden können, so ist das Vorkommen der Einheitswerthe von 2,0 m 
und 0,2 m nur als eine Ausnahme von der Regel zu betrachten. 

Sollte die Entfernung der Endpunkte grösser als die zu benutzende 
Skala sein, so sind eine entsprechende Anzahl Intervalle von der 
Nachbarskala zu Hilfe zu nehmen. Auch kann in extremeren Fällen 
es rathsam sein , die betreffende Entfernung zunächst zu halbiren 
und den Halbirungspunkt, dessen Höhe gleich dem arithmetischen 
Mittel aus den Endpunktshöhen zu setzen ist, als aufgenommenen 
Punkt zu behandeln. 



>ogIe 



10 . 



148 



Wagner’s Interpolationstafel fur Horizontalkurven etc. 



Die Tafel kann auch zu anderen Zwecken, z. B. zum Eintheilen- 
von geraden Linien in eine bestimmte Anzahl gleicher oder ungleicher 
Theile etc. Verwendung finden. Hierbei bleibt das Verfahren dem 
oben Beschriebenen im Allgemeinen gleich ; im Speciellen empfiehlt 
sich aber dabei thunlichst Bruchtheile von Intervallen zu vermeiden, 
was bei rationellen Theilungsverhältnissen häufig möglich sein wird.. 

Ein Beispiel dürfte das Gesagte näher erläutern. Angenommen, es 
sei eine gerade Linie von 51 mm Länge in 5 Theile zu theilen, die 
sich, der Reihenfolge nach, wie 1:3: 5:3:1 zu einander verhalten. 
Diese Aufgabe ist gleichbedeutend mit derjenigen , welche eine 
Eintheilung in 1 -f- 3 -J- 5 3 — |- 1 = 13 gleiche Theile verlangt, 

mit der einzigen Abweichung, dass nicht alle Theilungspunkte, 
sondern nur der lte, 4te, 9te und 12te Punkt markirt werden sollen. 
Damit nun Bruchtheile von Intervallen vermieden werden, muss die 
Anzahl der zur Verwendung gelangenden Intervalle durch 13 theilbar 
sein, mithin 13 oder 2ß oder 39 etc. betragen. Ein Versuch lehrt, 
dass 39 Intervalle der Skala I. für den verlangten Zweck am vor- 
theilbaftesten sind. Es ist daher diese Skala so auf die einzu- 
theilende Linie zu schieben, dass der eine Endpunkt mit der Anfangs- 
oder Nulllinie und der andere mit der39ten Intervalllinie zusamtnen- 
trifft, worauf, mit Rücksicht auf die dreifach genommene Anzahl 
der Intervalle, der Reihenfolge nach das Pikiren des 3ten, 12ten, 
27ten und 36ten Schnittpunkts zu geschehen hat. 

Diese Aufgabe ist an der Linie CD praktisch durchgeführt. 
Da aber in der Figur von der Skala I. nur 30 Intervalle dargestellt 
sind, während 39 erforderlich waren, so mussten 9 Intervalle I. = 4‘/* 
Intervalle der Skala II. hinzugezogen werden , womit zugleich ein 
Beispiel über die Zuhilfenahme einer Nachbarskala gegeben ist. 

Die Genauigkeit dieser Interpolationsmethode ist, unter der 
Voraussetzung, dass die Tafel selbst fehlerfrei sei, von der Genauig- 
keit abhängig, mit welcher einentheils die Einschätzung der End- 
punkte in den Intervallen erfolgt und anderntheils die Schnittpunkte 
pikirt werden. Beide Operationen können bei angemessener Uebung, 
die bei jedem Techniker vorausgesetzt werden darf, mit genügender 
Schärfe und auch sehr rasch ausgeführt werden. Viele dieserhalb 
angestellten Versuche haben ergeben, dass bei raschem Verfahren 
der bei einem einzuschaltenden Punkt zu befürchtende mittlere 
Fehler zu + 0,15 bis + 0,2 mm und der nur selten vorkommende 
Maximalfehler etwa zu rund + 0,5 mm zu veranschlagen ist. Diese 
Genauigkeit erscheint für alle Zwecke vollständig ausreichend und 
wird dieselhe von anderen Verfalirungsarten auch nicht übertroffen. 
Ueberdies lässt sich bei Schnitten von geringer Schiefe, sowie bei 
besonders sorgfältigem Verfahren noch eine wesentlich grössere 
Genauigkeit erzielen. 

An Uebersichtlichkeit und Raschheit in der Ausführung dürfte 
diese Interpolationsmethode aber alle anderen Verfalirungsarten 
bedeutend übertreffen. Ersteres bedarf keines besonderen Nach- 
weises, dagegen ist in letzterer Beziehung noch anzuführen, dass. 



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Kleinere Mittbeilungen. 



149 



selbst bei massiger Uebung die Auswahl der zweckrnässigsten Skala 
und das genaue Aufschieben der Tafel auf die betreffenden Höhen- 
punkte zusammen nicht mehr als etwa 20 bis 30 Sekunden und 
das Pikiren eines jeden einzuscbaltenden Punktes nur 2 bis 3 Sekunden 
Zeit in Anspruch nimmt. Die oben gestellte erste Aufgabe, nach 
welcher zwischen den Punkten A und B sieben Punkte einzuschalten 
sind , lässt sich ohne Ueberstürzung in 35 bis 50 Sekunden lösen. 

Ein weiterer Vortheil dieser Interpolationstafel dürfte noch 
darin zu finden sein, dass jeder Techniker sich solche selbst anfertigen 
kann. Allerdings muss dies mit grosser Sorgfalt geschehen, weil 
jeder dabei begangene Fehler sich bis zu seiner doppelten Grösse 
auf die Einschaltungen übertragen und somit deren Genauigkeit 
beeinträchtigen könnte. Früher sind auch alle Exemplare per Hand 
hergestellt worden. Erst in neuerer Zeit wurde, dem Wunsche vieler 
Fachgenossen entsprechend, dieseTafel mit der erforderlichen Genauig- 
keit dureh Trockendruck auf bestes Pauspapier mechanisch verviel- 
fältigt. Für diejenigen Techniker, die dieselbe zu beziehen wünschen, 
also sich die Mühe der Selbstanfertigung ersparen wollen, dürfte 
schliesslich die Notiz von Interesse sein, dass 2 Tafeln zu 60 Pfennig 
und 4 Stück zu 1 Mark, franko gegen franko, von dem Unter- 
zeichneten abgegeben werden. Zu bemerken ist dabei , dass der 
Bezug einzelner Exemplare mit Rücksicht auf Porto und Ver- 
packungskosten unökonomisch wäre ; ausserdem darf die Lebens- 
dauer einer Tafel bei regem Gebrauche nicht hoch veranschlagt 
werden, weil infolge zahlreicher Nadelstiche die Deutlichkeit der 
Linien und auch die Durchsichtigkeit des Papiers allmählich abnimmt. 
Bei sachlicher Behandlung können indessen mit einer Tafel immer- 
hin etwa 3000 bis 5000 Einschaltungen bewirkt werden, ehe eine 
Erneuerung sich als nothwendig erweist. Bis dahin hat aber das 
verbrauchte Exemplar viele gute Dienste geleistet und sich dadurch 
hundertfältig bezahlt gemacht. 

Wiesbaden. 

Carl Wagner, Ingenieur. 



Kleinere Mittheilungen. 

Reymanns topographische Spezialkarte von Mittel-Europa, im Massstabe 

1:200 000 .*) 

Im Anschluss an die diesseitige Anzeige vom 14. April v. J. 
wird hierdurch bekannt gemacht, dass ferner nachstehend genannte 
Sektionen: U 3 . Treiden, U*. Löser, T*. Rieshiza, 173 F. Brody, 
192 E. Mikolajow, 192 F. Brzezany, 212 A. Dreux, 243. Winterberg, 
265 A. Auxerre, 275. Wels und 276. Steyr durch die Kartographische 
Abtheilung bearbeitet und dem Debit übergeben worden sind. 

*] Vergl. Literaturbericht pro 1885. 



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150 



Literaturzeitung. 



Die Expedition der Karte erfolgt durch die Amelang’sche Buch- 
handlung in Berlin, Leipzigerstrasse 133, von welcher jede Sektioa 
zum Preise von einer Mark zu beziehen ist. 

Berlin, den 8. Februar 1886. 

Königliche Landes-Aufnahme. Kartographische Abtheilung, 
(gez.) Steinhausen, 

Oberst-Lieutenant und Abtheilungs-Chef. 



Literaturzeitung. 

Bericht über die Vornahme einer allgemeinen Parzellarvermeemng und über die 
Einführung der Grundbücher an die Direktion der öffentlichen Arbeiten 
des Kantons Zürich und die Kommission für Reorganisation des Kataster- 
und Vermessungswesens, erstattet von der Subkommission derselben. 
Zürich. Druck der Genossenschalts-Bucbdruckerei. 1885. 

Für den Kanton Zürich ist das Bedürfnis einer Parzellarver- 
messung nach einheitlichen Grundsätzen aufgetreten. Es wurde 
daher eine Subkommission zusammengesetzt, welche eine Vorlage 
zur Begründung einer allgemeinen Landesvermessung bearbeitet 
hat, die allen an die Resultate einer Vermessung zu stellenden 
Anforderungen entsprechen und die Erstellung von Grundbüchern 
auf der Basis der Realordnung ermöglichen soll. 

Mit Ausnahme von Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus und Zug, 
welche nur mangelhafte Vermessungen oder nur schätzungsweise 
Angaben der Flächen der einzelnen Grundstücke besitzen , wurden 
in den übrigen Kantonen in derZeit zwischen 1830 — 1870 Kataster- 
vermessungen grösstentheils mit dem Messtisch ausgeführt, welche 
aber mehr dem Zweck der Regulirung der Grundsteuer dienten. 

Nach Abschluss eines Konkordats, betreffend die Freizügigkeit und 
gemeinschaftliche Prüfung der Geometer, welches von den Ständen 
der Kantone Zürich, Bern, Luzern, Solothurn, Baselstadt, Schaff- 
hausen, St. Gallen, Aargau und Thurgau angenommen und vom 
Bundesrath am 20. Januar 1868 genehmigt wurde, erhielt die Ver- 
markung der Eigenthumsgrenzen und die polygonometrische Detail- 
vermessung eine amtliche Anerkennung in diesen Kantonen. 

Nach diesen Konkordatsbestiminungen sind aber eigentlich nur 
im Kanton Zürich 19 Gemeinden vermessen und anerkannt worden. 
Ferner wurden die grösseren Städte Zürich, Bern, Basel und St. Gallen 
aufgenommen. 

Als Zweck und Nutzen einer allgemeinen Vermessung soll die- 
selbe nach dem Bericht nicht nur den Katasterzwecken entsprechen, 
sondern auch allen Anforderungen der Neuzeit ^genügen, indem die 
Resultate derselben für die verschiedensten Aufgaben die Grundlage 
bilden sollen, nämlich: 



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Literaturzeitung. 



151 



1 . Zur Befriedigung wissenschaftlicher Bedürfnisse (Arealstatistik, 
Darstellung der Hagelstriche, Meteorologie, Geologie, päda- 
gogische Zwecke). 

2. Zur Sicherung der Eigenthumsgrenzen und Feststellung des 
Grundbesitzes jedes Einzelnen überhaupt. 

3. Zu baulichen Zwecken (Eisenbahn-, Strassen- und Kanalan- 
lagen, Flussregulirungen). 

4. Zur Land- und Forstwirtschaft : Zu rationeller Feldein- 
theilung, Anlegung zweckmässiger Feldwege, Ent- und 
Bewässerung, Forstwirt hschaftspläne. 

5. Zur Verwendung in der Rechtspflege: Für technische Expertisen 
im Zivil- und Kriminal prozessen sollen die erforderlichen 
geometrischen Erhebungen bereits vorliegen und dadurch 
eine raschere und billigere Erledigung solcher Rechtsgeschäfte 
herbeigeführt werden. 

6. Zur Sicherung, Vereinfachung und Klarstellung des Hypo- 
thekarwesens. 

Gleichzeitig mit der Horizontalaufnahme soll auch eine genügende 
Anzahl Höhen bestimmt werden zum Einträgen von Horizontal- 
kurven im Abstand von 1, 2 und 5 Meter, um die Anlage für Ent- 
und Bewässerungen behufs Steigerung der Ertragsfähigkeit des 
Bodens und für zweckmässige Feldeintheilung ohne weitere Vorar- 
beiten projektiren zu könnon. 

Die Vorschläge zur Ausführung einer kantonaten Parzellen- 
vermessung betreffen: 

1. Die Vermarkung der Gemeindegrenzen , 

> Gewannengrenzen und 

> Eigenthumsgrenzen 

mit Steinen, wobei das Setzen der Eigenthumsgrenzmarken inner- 
halb der Gewanne nach geraden Steinlinien erfolgeu soll. 

2. Die Triangulation wird sich auf die Bestimmung von Dreiecks- 
punkten 1., II. und III. Ordnung ausdehnen, wobei unter den Punkten 
I. Ordnung nur die durch die Gradmessung bestimmten Punkte 
Rigi, Lägern, Hörnle und Hohentwiel zu verstehen sind. 

Die systematische Triangulirung IV. Ordnung soll erst dann in 
Angriff genommen werden, wenn die obligatorische Katasterver- 
messung im Prinzip beschlossen ist ; die Ausführung erfolgt durch 
besonders hiefür angestellte Trigonometer. 

3. Die Vermessungsmethode. 

In Uebereinstimmung mit der Konkordatsinstruktion sollen die 
Messungen so ausgeführt werden, dass die bestimmenden Elemente 
in Zahlen gegeben sind, so dass man im Stande ist, jederzeit aus 
den Aufnahmeresultaten Pläne in jedem gewünschten Maassstabe 
auftragen zu können, um sie für technische Zwecke, Eisenbahn- und 
Strassenbauten, Kulturverbesserungen etc. zu verwenden. In hügeligem, 
gebirgigem Terrain oder in solchem von geringem Werthe kann unter 
Umständen zur Verminderung der Kosten die Aufnahme mit dem 



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152 Literaturzeitung. 

tachymetrischen Theodolit und durch Messung von Bussolenzügen 
stattfinden. 

4. Detailvermessung und damit zusammenhängende Arbeiten. 

Was die Polygonmessung betrifft, so soll dieselbe der Detail- 
aufnahme vorangehen und soweit beendigt sein, dass die Polygon- 
punkte in die Handrisse mittelst ihrer Koordinaten eingetragen 
werden können. Zu Polygonpunkten sind womöglich Gewanngrenz- 
steine zu wählen, und es sollen auf eine Hektare mindestens 2 Punkte 
kommen. Das Netz der Aufnahmelinien ist so zu legen, dass jeder 
Grenzpunkt auf einfache ungekünstelte Weise ohne komplizirte 
Linearkonstruktion auf dasselbe bezogen und dessen Lage direkt 
oder indirekt kontrolirt werden kann. 

Als Aufnahmelinien sollen dienen die Polygonseiten und die 
direkte Verbindung derselben. Weitere Einschaltungen sind zu 
vermeiden. 

Die Handrisse sind nach bestimmten Normen und vorgeschriebenen 
Mustern anzufertigen. Diese Originaldokumente sollen vervielfältigt 
werden. 

Die Verwertlibarkeit der Operate namentlich zu kulturtechnischen 
und baulichen Zwecken bedingt auch eine ausgedehnte, viele Quoten 
liefernde genaue Höhenaufnahme , welche sich an das Präzisions- 
nivellement anzuschliessen hat. 

Die sämmtlichen trigonometrischen und polygonometrischen 
Punkte sind durch rechtwinkliche Koordinaten auf den Berner Meridian 
entweder nach der Gauss’schen Projektionsmethode der Hannoverschen 
Landesvermessung oder nach Soldner (sphärisch) zu beziehen. 

Bei Entscheidung der Frage, nach welchem System der Blatt- 
abschluss zu erfolgen habe, soll in Betracht gezogen werden, dass 
für Katasterzwecke im Allgemeinen der Abschluss der Pläne nach 
Gewannen und natürlichen Grenzen sich empfiehlt; für Einzeich- 
nung von Bauprojekten, in welchen Fällen gewöhnlich mehrere Blätter 
aneinander gestossen werden müssen, der Abschluss nach Netzlinien 
vorzuziehen ist. 

Die Originalien und allfällige Lithographien wären in letzterem 
Falle mit einem Quadrat von 0,5 m Länge und 0,1 m Rand ab- 
zugrenzen. 

Die Pläne sind in Original und einer Kopie (Reinplan) aus- 
zuarbeiten. Die Originale werden dem Katasterführer, die Kopien 
dem Notar zugestellt. 

Ausserdem ist noch abzuliefern : 

1. das Güterverzeicbniss, welches noch weiter enthält: die 
Angabe der Assekuranznummer, der Pfandrechte, der Grund- 
dienstbarkeiten etc., ferner eine Kolonne für Verweisungen 
auf das Grundprotokoll; 

2. das Besitzstandsregister ; 

3. die Güterzettel. 

Alle Flächen sollen mit dem Planimeter nachgerechnet werden. 

lieber die Offenlegung, Aufbewahrung und Anerkennung der 



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Literaturzeitung. 



153 



Operate durch die Grundeigentümer und die Dokumentirung der 
amtlichen Glaubwürdigkeit durch den Staat sind genaue Vorschriften 
zu erlassen. 

4. Die Fortführung der Vermessunqswerke. Die zu den Fort- 
führungen nothwendigen Feldaufnahmen haben vom Regierungs- 
rathe ernannte, patentirte Geometer, welche den Titel »Kataster- 
führer« tragen, zu besorgen. Sie haben über die Veränderungen 
zu Händen der Notare Messurkunden zu erstellen, welche in Zeich- 
nung und Zahlen die erhobenen Resultate, ferner den alten und 
neuen Zustand enthalten und von den betheiligten Eigentümern 
zu unterschreiben sind. Periodisch sollen auch diese Nachträge in 
Ergänzungsplänen dargestellt werden ; in dem Exemplar der Nota- 
riatskanzlei genügt es, den alten Bestand zu löschen und den neuen 
an dessen Stelle mit zugehöriger Nummer einzutragen. Der Kataster- 
führer hat auch sämmtliche vom Notar ausgefertigten Titel, Ser- 
vitute etc. naehzutragen. Die durch Grenzänderung, Theilung oder 
Zusammenziehung neu entstandenen Grundstücke sind mit neuen 
fortlaufenden Nummern zu versehen. 

Die Nivellirungen der Bauinspektorate sind zur Eintragung in 
die Pläne der Katasterdirektion mitzutheileu. 

Vorschläge zur Einrichtung und Führung des Katasters und Lager- 
buchs auf Grund einer allgemeinen Furzellarvermessung. 

Hand in Hand mit den Vermessungen sollen auch die Grund- 
protokolle, wo dieses noch nicht geschehen ist, bereinigt werden. 

Was die Servitute anbelangt, so können dieselben auf der 
vierten Seite der Güterzettel oder in einem besondern Protokoll 
notirt werden. 

Sind die Güterzettel respektive die Kopien derselben alpha- 
betisch geordnet und zusummengebunden, so erhält mau ein Liegen- 
schaftsverzeichniss — das Lagerbuch — , welches der »matrice de 
rolet in Frankreich, der »Mutterrolle« in Preussen, dem »Gatastre« 
in Waadt, Freiburg und Neuenburg und zum Theil dem »Personal- 
register« in Basel entspricht. 

Dem Katasterführer, welcher vornehmlich mit den Grundstücken 
zu thun hat, übertragen wir die Führung des Katasters. 

Jedem Grundstück wird in der Regel ein Blatt eingeräumt. 

Der Geschäftsgang, welcher bei Errichtung und Legalisation 
■der Urkunden einzuschlagen ist, hätte sich folgendermassen zu 
gestalten : 

a. Findet ein blosser Eigentbumswechsel statt, so haben wie 
bisher die Notare die amtliche Fertigung vorzunehmen; sie besorgen 
sodann die Eintragungen in extenso im Grundpi otokoll und in das 
als Materialregister dienende Lagerbuch. Die Materialien werden 
von dieser Amtsstelle aus dem Katasterführer zur Einschreibung in 
den Kataster zugestellt, welcher dann in denselben diesen Akt der 
Einschreibung in genau vorgeschriebenerWeise bescheinigt und die 
Dokumente hierauf dem Notar zu Händen der Interessenten zurück- 
sendet. 



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154 



Literaturzeitung. 

b ; Verändern sich die Grenzen der Grundstücke, so haben die 
Beteiligten vererst ein Mutationsplänchen und eine Messurkunde 
vom Katasterführer anfertigen zu lassen, welcher auch die ver- 
änderten Parzellen im Kataster und für das Lagerbuch neu nume- 

■ AU L Gl Und d . ieser Ausweise die Fertigung vorzunehmen 
und im Weiteren wie bei a. zu verfahren. 

c. Werden nur Hypotheken errichtet oder gelöscht, so sind 
diese Akte wieder nicht nur im Lagerbuch und Grundprotokoll, 
sondern auch im Kataster und in den Urkunden durch den Ka- 
tasterführer vorzumerken. 

Organisation des Vermessungstcesens. 

Die Leitung und Ueberwachung der Vermessungsarbeiten soll 
einem vom Regierungsrath zu ernennenden Katasterdirektor über- 
tragen werden, welcher der Direktion der öffentlichen Arbeiten 
untergeordnet ist und unmittelbar mit derselben verkehrt, ihm 
liegt die Lntwerfung der Reglements und Instruktionen, die Veri- 
fikation der Vermessungsoperate, sowie die Ausführung der Detail- 
triangulation ob. 

Zur \ orberatliung der Geschäfte soll vom Regierungsrath eine 
Katasterkommission ernannt werden, welche auch die Anträge über 
Vergebung der Vermessungen zu stellen und als Experten-Kom- 
tnission zu funktioniren hat. 

Sämmtliche Vermessungen sollen nur durch Konkordatsgeometer 
ausgeführt werden ; die Bezahlung in der Regel pro Hektare und 
rai Zeilenzahl und überhaupt nach einem bestimmten Akkordpreise 
erfolgen, weil man dabei erfalirungsgemäss bei gleichen Leistungen 
wesentlich billiger zu stehen kommt, als bei der Honorirung mit 
aggeldern. Um den Schattenseiten, welche das Akkordsystem mit 
sich bringt, zu begegnen, wird die Vergebung der Vermessungen 
durch den Staat vorgeschlagen. 

Die Techniker,^ welche mit der Fortführung der Vermessungs- 
operate und der Führung des Katasters betraut werden, müssen 
ebenfalls das Geometerpatent besitzen und haben ihr Domizil im 
centrum des ihnen zugewiesenen Wirkungskreises zu nehmen, damit 
die Mutationsgeschäfte an den verschiedenen Orten rasch ausge- 
uhit werden können und der Verkehr zwischen ihnen, den Notaren 
und den Grundeigentümern möglichst erleichtert werde. 

Die vorliegende Schrift enthält ausser diesem Auszug über die 
v oi schlage zur Ausführung einer kantonalen Parzellarvermessung 
eine Kritik bereits ausgeführter Vermessungen, sowie der auf Um- 
gehung einer obligatorischen Vermessung hiuzielenden Vorschläge ; 
einer das Gesetz über die Vornahme einer allgemeinen Vermes- 
sung und über die Einführung von Grundbüchern im Kanton Zürich, 
sowie eine übersichtliche Zusammenstellung der Vermessungen in 
den verschiedenen Kantonen der Schweiz und den deutschen 
Staaten. 

Aus dem sehr schätzbaren Bericht ersieht man, dass die Sub- 
kommission zur Feststellung der Prinzipien für eine Parzellarver- 



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Literaturzeitung. 



155 



messung die Erfahrungen, welche bei den bis jetzt ausgeführten 
Katastermessungen gemacht wurden, mit Vortheil benützt hat, und 
dass ferner allen Anforderungen für die verschiedensten Aufgaben 
des Vermessungswesens, welche neben der Parzellarvermessung auf- 
treten können, entsprochen ist, so dass bei der Durchführung der 
in dem Berichte gemachten Vorschläge eine Mustervermessung 
erhalten wird, wie sie bis jetzt noch nicht zustande kam. 

Durch die enge Verbindung der Führung des Grundbuchs mit 
dem Hypothekenwesen wird auch diesem Theil in der zweckmäs- 
sigsten Weise entsprochen werden. 

Karlsruhe, Februar 1886. 

Dr. 31. Doll. 



Sammluny yeometriicher Instrumente, deren Zweck, Construction und Oebrauch. 

Als Beigabe zum Kalender für Messknnde, herausgegeben von Max Clouth, 

Geometer. Trier 1884. Selbstverlag des Verfassers. 

Obgleich die mathematischen Werkstätten heutzutage fast alle 
ausführliche Preisverzeichnisse mit Abbildungen geodätischer Instru- 
mente veröffentlichen und diese häufig trefflich ausgestatteteu Hefte 
jedem Fachmann, der darum bittet, sogar kostenfrei überlassen, ist 
das hier neu auftretende Unternehmen, welches gewissermaassen 
einen Universalkatalog der bekannten deutschen Mechaniker liefert, 
doch für viele Zwecke sehr erwünscht. 

Der Herausgeber hat einige hundert Cliches gesammelt von 
Bamberg in Berlin, Baudermann in Berlin, Breithaupt in Kassel, 
Bennert & Bape in Altona , Ertel & Sohn in München , Gott- 
schick in Ulm, Kraft & Sohn in Wien, Linyke & Comp, in Frei- 
berg, Meisner in Berlin, 3Ii/ler in Innsbruck, Ott in Kempten, 
Reichel in Berlin, Schmidt (Nockler) in Halle, Sichler in Karlsruhe, 
Sprenger in Berlin, Tesdorpf in Stuttgart, Weber in Leipzig u. A. 

Da überall die Preise angegeben sind, auch die nöthigsten An- 
merkungen über Theilungen u. s. w. beigesetzt sind, eignet sich 
dieses Clouth’sche Work sehr gut zur Orientirung bei Anschaffung 
von Instrumenten. 

Nicht zu billigen aber ist es, dass der Herr Verfasser seinen 
Sammeleifer auch auf geodätische Lehr- und Handbücher erstreckt 
hat, und noch weniger zu billigen ist es, dass, wie wir erfahren, 
die Verleger solcher Werke Cliches verkauft haben, ohne die Ur- 
heber der Zeichnungen vorher zu fragen. 

Sehen wir von diesem Umstande und auch davon ab, dass 
Verfasser seine Quellen nicht genügend angibt, so müssen wir die 
Clouth’sche Clicliö-Sammlung als ein für viele Zwecke nützliches 
Unternehmen bezeichnen. J. 



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1 56 Literat urzeit u ng. 

Miäheilungen aus dem Markscheidewesen. Vereinschrift des Rheinisch-Westfalischen 

Markscheider-Vereins. Im Auftrag und unter Mitwirkung des Vereins- 

Vorstandes herausgegeben von H Werneke , Schriftführer des Vereins. 

Heft I. Freiberg in Sachsen. Graz und Gerlach (Joh. Stettner). 1885. 

Der Rheinisch-Westfälische Markscheider- Verein hat seit Jahren 
in stiller Abgeschlossenheit für sich gearbeitet, ohne dass über 
die Vereinsthätigkeit Wesentliches in die Oeffentlichkeit gedrungen 
ist, und doch war die Thätigkeit eine rege, da die Förderung der 
Wissenschaft in den Vordergrund trat. Im Jahre 1884 wurde von dem 
Vorsitzenden des Vereins, Herrn Markscheider Ilotnaun in Dortmund, 
im Aufträge der Vereinsmitglieder eine 40 Seiten (8°) haltende mathe- 
matische Abhandlung »Grundzüge der höheren Analysis nebst Fehler- 
ausgleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate« verfasst. 
Der Verein beschloss in der 14. Hauptversammlung (alljährlich 2), 
welche am 8. August v. J. in Arnsberg stattfand, ein Vereinsorgan 
in’s Leben zu rufen, welches stets eine grössere fachwissenschaftliche 
Abhandlung enthalten solle, daneben kleinere Mittheilungen, Literatur- 
berichte, Gesetze und Verordnungen, welche das Markscheiderwesen 
betreffen, zum Abdruck bringe. Das erste Heft dieser Zeitschrift 
ist nun soeben erschienen und enthält zunächst die zweite ver- 
besserte und erweiterte Auflage der oben genannten mathematischen 
Abhandlung des Herrn Homann, welche nunmehr betitelt ist »Die 
wissenschaftliche Fehlerausgleichung in der Markscheidekunst, nebst 
entsprechend ausgewählten Abschnitten aus der höheren Analysis«. 
Diese 56 Seiten enthaltende Allhandlung bringt zunächst die Grund- 
züge der Differential- und Integralrechnung und behandelt dann 
die Methode der kleinsten Quadrate. Durch die zahlreichen der 
Praxis entnommenen Beispiele wird das Studium wesentlich erleichtert. 
Es ist ein äusserst lobenswerther Schritt des Rheinisch- Westfälischen 
Markscheidervereins, eine solche Abhandlung , welche lediglich nur 
für das Studium bestimmt ist und als Lehrbuch für sich aufzufassen 
ist, an die Spitze ihrer neu begründeten Vereinsschrift zu setzen. Der 
Verein dokumentirt hierdurch, dass er die Wissenschaft als die 
Grundlage seines Strebens ansieht und tritt dadurch den Anschau- 
ungen vieler Landmesser entgegen, welche eine Vereinsschrift mehr 
als Unterhaltungsblatt betrachten. 

Das erste Heft vorliegender Zeitschrift bringt ferner einen 
Literaturbericht markscheiderischen Inhalts, eine Bergpolizeiver- 
ordnung und ausserdem die Ziele der Vereinsschrift nebst Statuten 
des Vereins. — Die Zeitschrift erscheint in zwanglosen Heften und 
i6t auch durch den Buchhandel zu beziehen. Es sei noch bemerkt, 
dass dieselbe in Deutschland das erste markscheiderische Fachblatt 
ist. G. 



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Literaturzeitung. 



157 



Die Festlegung der Büschungtschnittkurve mittelst kotirter Projection als Beitrag 
zu den Tracirungsarbeiten von R. Oerke , dipt. Ingenieur und Privatdozent 
der technischen Hochschule zu Hannover. Für Bau-Ingenieure und Land- 
messer. — Mit 8 autographirten Beilagen. — Hannover. Schmorl und 
von Seefeld. 1885. 8°. 34 S. 2 A *) 

DasWerkchen verdankt seine Entstehung dem Wunsche des Ver- 
fassers, die Grundprincipien der kotirten Projection zur Bestimmung 
der Böschungsschnittkurve als eines bewährten Hülfsmittels bei Tra- 
cirungsarbeiten einmal in weiteren Kreisen bekannt zu machen, 
sodann aber den Landmessern bei ihren akademischen Studien ein 
billiges Iliilfsmittel an die Hand zu geben , da , wie bekannt , die 
kotirte Projection als Zweig der darstellenden Geometrie in den 
Lehrplan des Landmessercurses Aufnahme gefunden hat. Wer aus 
Erfahrung weiss, wie mühsam unter Umständen bei generellen Pro- 
jecten die Grenzen aus den Querprofilen hergeleitet werden , dem 
wird die Anwendung einer Methode nicht unwillkommen sein , die 
rascher zum Ziele führt und namentlich bei geneigten stark coupirten 
Terrainverhältnissen genauere Resultate erzielt, obgleich, wenn es 
sich um genaueste Bestimmung der Grenzen eines Projectes zwecks 
definitiven Grunderwerbs handelt, — wie dies bei den speciellen Vor- 
arbeiten der Fall ist — , die ausreichende Anwendung der Quer- 
profile nicht zu entbehren sein wird. — Das oben erwähnte Werk 
umfasst ausser der Einleitung 5 Paragraphen, von denen 
§. 2 die Grundprincipien der kotirten Projection, 

§. 3 die praktische Anwendung der Grundsätze über Ebene 
und Gerade, 

§. 4 die topographischen Flächen, 

§. 5 die Grundsätze der kotirten Projection bei den topo- 
graphischen Flächen, 

§. 6 die Anwendung der kotirten Projection auf praktische 
Beispiele der Tracirung 

behandelt. — Druck und Zeichnungen lassen an Deutlichkeit nichts 
zu wünschen übrig. H — r. 



Die Feldmesskunde für den Unterricht in Landunrthschaftsschulen. Als Leitfaden 
bearbeitet von Ohr. Nielsen, dipl. Ingenieur, Lehrer für Mathematik und 
landwirthschaftliche Technik an der Landwirthschaftsschule in Varel 
a. d. Jade. Mit 21 lithographirten Tafeln. Varel. Verlag von Bültmann 
& Gerriete Nachfolger. 1886. 8°. 74 S. 2 A 

Der Unterricht in der Feldmesskunde umfasst an den Land- 
wirthschaftsschulen die elementarsten Arbeiten des Feldmessers. 
Die Zeit, die dem betreffenden Lehrer zur Ertheilung des Unter- 
richts sowohl in theoretischer wie praktischer Hinsicht gewährt wird, 
ist meistens so bemessen, dass die Einführung eines Leitfadens bei 
einigermassen erspriesslichem Erfolg nothwendig ist. Das vorliegende 

*) Für ein eingehenderes Studium der kotirten Projection ist „Kotirte 
Ebenen und deren Anwendung von Prof. Peschka, Brünn. 2. Aull. 5,50 A“ 
zu empfehlen. Q- 



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158 



Neue Schriften über Vermessungs wesen. 



Werk, welches sich dieses Ziel gesteckt hat, enthält in ebenso klarer, 
wie leichtfasslicher Art und Weise die Beschreibung derjenigen feld- 
raesserischen Arbeiten, die der gebildete Landwirth kennen muss. 
Dasselbe umfasst die Horizontalaufnahme einzelner und mehrerer 
zusammenhängender Grundstücke, deren Kartirung, Berechnung, 
Theilung und Zusammenlegung ohne Anwendung von Winkelmess- 
oder Winkelzeicheninstrumenten. Ein Leitfaden über Nivelliren folgt 
nach. Selbstredend werden die Detailsarbeiten eingehend beschrieben 
und an vielen Beispielen erläutert, die dann theilweise für den Unter- 
richt in der Trigonometrie verwendet werden können. — Für den 
entsprechenden Kreis ist vorliegendes Werk sehr zu empfehlen. 

Gr. 

Neue Schliffen über Vermessungs wesen. *) 

Lehrbuch der ebenen und sphärischen Trigonometrie mit Uebungs- 
Aufgaben für höhere Lehranstalten von Dr. Th. Spieker, Professor 
am Realgymnasium zu Potsdam. Mit in den Text gedruckten 
Holzschnitten. Potsdam 1885. Verlag von Aug. Stein. 134 S. 
8°. 1 Ms. 40 

Englisches Vokabular. Mit Bezeichnung der Aussprache. (Separat- 
abdruck aus der 4. Auflage von Englisch Vocabulary and Englisch 
Pronunciation.) Von Albert Beneeke, Direktor der Sophienschule 
zu Berlin. Fünfte veränderte und vermehrte Auflage. Potsdam 
1885. Verlag von Aug. Stein. 159 S. 8°. 1 M>. 20 ,S|. 
System der Arithmetik und Algebra als Leitfaden für den Unter- 
richt in den höheren Schulen. Von Dr. Hermann Schubert, 
Oberlehrer an der Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. 
Potsdam, 1885. Verlag von Aug. Stein. 222 S. 8°. 1 M. 80 d\. 
Aufgaben aus der analytischen Geometrie der Ebene mit den Resultaten 
für höhere Lehranstalten und für den Selbstunterricht von Dr. 
Oskar Janisch, weil. Direktor des Realgymnasiums zu Landeshut 
in Schl. Herausgegeben von Dr. H. Funcke, Oberlehrer an der 
Ober-Realschule in Potsdam. Potsdam 1886. Verlag von Aug. 
Stein. 200 S. 8». 3 Ms. 

Die analytische und die projektivische Geometrie der Ebene, die 
Kegelschnitte auch nach den Methoden der darstellenden und der 
elementar-synthetischen Geometrie mit Uebungsaufgaben für 
höhere Lehranstalten und für den Selbstunterricht bearbeitet 
von Dr. Heinr. Funcke, Oberlehrer an der Ober-Realschule in 
Potsdam. Potsdam 1885. Verlag von Aug. Stein. 108 S. 8°. 
1 Ms. 40 

*) Wir bringen die Titel dieser zur Besprechung eingesendeten Bücher hie- 
mit zur Veröffentlichung, da jedoch die Beziehungen dieser Schriften zum 
Vermessungswesen theilweise nur lose sind, können wir kritische Besprechungen 
aller solcher Schriften nicht unbedingt Zusagen. Die Bed. 



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Patentliste. Personalnachrichten. 



159 



Patentliste von Yerrnessungsinsfrunienfen. 



Verzeichntes der in den Klassen 19 und 42 angemeldeten, 
ertheilten und erloschenen Patente. 

Zusammengcstellt im internationalen Patent- und technischen Bureau von C. L. 
Th. Müller, Civil-Ingenieur in Berlin, Horn-Strasse 3. 



Angemeldete Patente.*) 

Für die angegebenen Gegenstände haben die Nachgenannten 

die Ertheilung eines Patentes nachgesucht. Der Gegenstand der 

Anmeldung ist einstweilen gegen unbefugte Benutzung geschützt. 

K. 4590. Neuerung an Schublehren, Stangenzirkeln und ähnlichen 
Messinstrumenten. — Ferd. Koch und Ernst Wagner in 
Hannover. 

G. 1813. Winkelmess- und Nivellir-Instrument mit Reflektor- 
Spiegeln. — Alfred Alexandre Couterau in St. Cloud, 
Frankreich. 

B. 6118. Nautischer Registrirapparat. — Emanuel Berg in Ber- 
lin W., Matthäikirchstr. 18 III. 

St. 1473. Neuerung an dem durch das Patent Nr. 34328 ge- 
schützten zerlegbaren Thermometer. — Steinle & Har- 
tung in Quedlinburg. 

B. 6379. Neuerung an Quecksilberthermometern mit eingeschmol- 
zenem Anzeigedraht. — Gustav Binter und Julius Schwager 
in München, Corneliusstr. Nr. 5. 



Personalnachrichten. 

Dem Vermessungsrevisor Gellhorn zu Brilon ist der Charakter 
als Rechnungsrath verliehen. 

(Bayern.) Steuerassessor Fraasu wurde zum Steuerrath beim 
Königlichen Katasterbureau befördert, 

die Stelle eines Conservators beim Katasterbureau dem Ober- 
geometer Vogt in München verliehen, 

Bezirksgeometer Fitrof in Rothenburg a. T. wurde seiner Funk- 
tion enthoben und 

der Vermessungsbezirk Rothenburg dem technischen Revisor 
der Regierungsfinanzkammer von Niederbayern Haussig in Lands- 
hut verliehen. 



*) Auszüge ans den Patentanmeldungen sind durch das Patent- und tech- 
nische Bureau von C. L. Th. Müller, Civilingenieur in Berlin, Horn-Strasse 3, 
»um Preise von 1 — 3 M., je nach Umfang, zu beziehen. Mitglieder des Deutschen 
Geometervereins erhalten daselbst jede gewünschte Auskunft in ausführlichster 
Weise gratis. 



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160 



Vereinsangelegenheiten. Berichtigung. 



Bezirksgeometer Küreinger in Miinchberg wurde seiner Funk- 
tion wegen Krankheit vorläufig auf die Dauer von zwei Jahren 
enthoben und 

der Messungsbezirk Münchberg dem technischen Revisor der 
Regierungsfinanzkammer von Mittelfranken Karl Wagner in Ansbach 
verliehen. 



Vereinsangelegenheite». 

Neue Mitglieder. 

Nr. 2312. Wernicke, Katastersupernumerar, Stade, Hannover. 

» 2313. Müller II, Paul Jul., Landmesser und Culturtechniker, 
Cassel. 



Berichtigung. 

Im 3. Heft der Zeitschrift für Vermessungswesen d. J. bei der 
Aufzählung derjenigen Candidaten, welche bis zum Schluss des 
Wintersemesters 1884/85 in Berlin das Kulturtechniker- Examen 
bestanden haben (Seite 77 > ), ist ein Druckfehler zu berichtigen. Unter 
Nr. 20 und 21 sind an der genannten Stelle als Kulturtechniker 

Fetzner I. Paul 1 aufgeführt. Es muss aber beide MaleTetzner heissen. 
» II. Emil I 



Inhalt. 

Grossere Abhandlungen : Der Cerebotanische Distanzmesser, von Börsch. — 
Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer pothenotischen Bestimmung, von Jordan. 
— Beitrag zur Prüfung des Winkelprismas, von Deubel. — Interpolationstafel 
für Horizontalkurven etc., von Wagner. Kleinere Mittheilung : Key man n 's topo- 
graphische Spezialkarte von Mitteleuropa, im Massstabe 1 : 200000. Literatur- 
zeitung : Bericht über die Vornahme einer allgemeinen Parzellarvermessung 
und über die Einführung der Grundbücher an die Direktion der öffentlichen 
Arbeiten des Kantons Zürich, besp. von Doll. — Sammlung geometrischer 
Instrumente, deren Zweck, Construction und Gebrauch, von Clouth, besp. von 
J. — Mittheilungen aus dem Markscheiderwesen, von Werneke, besp. v. G. — 
Die Festlegung der Böschungsschnittkurve mittelst kotirter Projection etc., von 
Gerke, besp. von H — r. — Die Feldmesskunde für den Unterricht in Landwirth- 
schaftsschulen, von Nielsen, besp. von G. Neue Schriften Uber Vermessungswesen. 
Patentliste. Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. Berichtigung. 



Karlarulte. Druck von Malsch k Vogel. 



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161 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins 

Unter Mitwirkung von C. Steppet, Steuerassessor in München, und 
li. Gerte, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herauagegeben von Dr. W. Jordan, Profeaaor in Hannover. 

1886. Heft 7. Hau«! XV. 

1. April. 



Die Katasterverwaltung in der Provinz Hannover 
nach der Durchführung der allgemeinen Ver- 
waltungsreform vom I. April bezw. I. Juli 1885.*) 

Die anderweitige Organisation der Verwaltungsbehörden in der 
preussischen Provinz Hannover, welche auf Grund des Gesetzes über 
die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883, sowie der Kreis- 
ordnung vom 6. Mai 1884 mit dem 1. Juli bezw. 1. April 1885 
ins Leben getreten ist, hat auch für die Katasterverwaltung inner- 
halb der Provinz nicht unwesentliche Aenderungen zur Folge ge- 
habt, welche nicht allein die Abgrenzung der Katasterämter, sondern 
auch die der Inspektionsbezirke betreffen. 

Zugleich mit der Verwaltung der direkten Steuern , Domänen 
und Forsten ist die Verwaltung des Katasters seither der Königl. 
Finanzdirektion in Hannover, als Provinzialbehörde, unterstellt 
gewesen. Der Personalbestand umfasste 3 Katasterinspektoren, 5 
Katastersekretäre, 6 Katasterassistenten und 12 Katastersupernume- 
rare, ausserdem die erforderliche Zahl vonHülfsarbeitcrn, während 
die Zahl der Katasterämter sich auf 39 belief. Auf Grund des 
oben gedachten Gesetzes vom 30. Juli 1883 ist die Königliche Fi- 
nanzdirektion mit dem 1. Juli 1885 aufgehoben und es sind die 
Befugnisse derselben auf die 6 neuen Regierungen, zu welchen 
die bisherigen Landdrosteien in Hannover , Hildesheim , Lüneburg, 
Stade, Osnabrück und Aurieh erweitert sind, übergegangen. In 
Folge dessen haben die früheren 3 Katasterinspektionen um 3 neue 
vermehrt werden müssen. Die anderweitige Abgrenzung und er- 
hebliche Vermehrung der Kreise nach Massgabe der Kreisordnung 
vom 6. Mai 1884 hat ferner die Bildung von 10 neuen Kataster- 



*) Durch ein Versehen der Druckerei kommt diese Mittheilung etwas 
verspätet zum Abdruck. Die inzwischen eingetretenen Personal-Veränderungen 
sind nach den zeitigen Verhältnissen abgeändert. D. Red. G. 



Zeitschrift für VerinosHungswesen. 1886. 7. 



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11 




162 Gerke. Die Katasterverwaltung in der Provinz Hannover nach der 



ämtern noth wendig gemacht, welche am 1. Mai 1885 in Bassum, 
Hannover (Katasteramt III.), Alfeld, Duderstadt, Peine, Burgdorf, 
Lüchow, Geestemünde, Buxtehude und Wittmund eingerichtet wor- 
den sind. 

Die nunmehrige Abgrenzung der Katasterinspektionen und 
Katasterämter, sowie die Besetzung der einzelnen Dienststellen er- 
gibt sich aus nachstehender Uebersicht: 

I. Verzeichniss der Katasterinspektoren und der 

Beamten der Katasterbureaus bei den mit dem 

1. Juli 1885 eingerichteten König], Regierungen. 

I. Königliche Regierung in Hannover. 

Katasterinspektor: Steuerrath Ulrich, Sekretär : Steuerinspektor 
Steinbrück, Assistent: Wiedemann, Supernumerare: Murtfeldt, An- 
acker, Detzner. 

II. Königliche Regierung in Hildesheim. 

Katasterinpektor: Steuerrath Kosack, Sekretäre: Jahr und Gross- 
mann , Assistent: Ruschick, Supernumerare: Lülfing, Schmittdiel, 
Lokold. 



III. Königliche Regierung in Lüneburg. 

Katasterinspektor: Steuerrath Schoen, Sekretär: Meiners, Assi- 
stent: Gruihn, Supernumerare: Broil, Ma)'er, Becker. 

IV. Königliche Regierung in Stade. 

Katasterinspektor: Schindowski, Sekretär: Imgart, Assistent: 
frei, Supernumerare: Helmer, Weniger. 

V Königliche Regierung in Osnabrück. 

Katasterinspektor: Steuerrath Weiser, Sekretär: Antoni, Assi- 
stent: Selbach, Supernumerare: Deiters, Keienburg. 

VI. Königliche Regierung in Aurich. 

Katasterinspektor: Probst, Sekretär: Reich, Supernumerar : 
Jarosch. 



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Durchführung d. allg. Verwaltungsreform v. 1. April bezw. 1. Juli 1885. 163 



II. Abgrenzung und Besetzung der Katasterämter 
seit dem 1. Mai 1885. 



! Nr. 


■ 

Katasteramt 

(Stationsort). 


Name des 

Katasterkontroleurs. 


Der Katasteramtsbezirk 
umfasst den Kreis bezw. 
die Kreise. 




I. Regierungsbezirk Hannover. 


1 . 


Bassum 


Rohrecht 


Syke. 


2. 


Diepholz 


Fetz 


1. Diepholz. 

2. Sulingen. 


3. 


Hameln 


Zyska 


Hameln. 


4. 


Hannover I. 


Bubenzer, R. R. 
Sieben hüner 


Hannover Stadt. 


5. 


Hannover II. 


1. Linden. 

2. Springe. 


6. 


Hannover 111. 


Clotten 


1. Neustadt a. R. 

2. Hannover Land. 


7. 


Hoya 


Wickel, St.-I. 


Hova. 


8. 


Nienburg 


Landwers 


1. Nienburg. 

2. Stolzenau. 

1 




II. Regierungsbezirk Hildesheim . 1 


1 . 


Alfeld 


Baenitz 


1. Gronau. 

2. Alfeld. 


2. 


Clausthal 


Streibelein 


Zellerfeld. 


3. 


Duderstadt 


Zindler 


Duderstadt. 


4. 


Goslar 


Obermann 


Goslar. 


5. 


Göttingen 


Debray 


1. Göttingen Stadt. 

2. Göttingen Land. 


6. 


Herzberg 


Otte 


Osterode. 


7. 


Hildesheim I. 


Rettberg, St.-I. 


1. Hildesheim Stadt. 

2. Hildesheim Land. 


8. 


Hildesheim II. 


von Wedell 


Marienburg. 


9. 


Münden 


Teubner 


1. Münden. 

2. Uslar. 


10. 


Northeim 


Lauff 


1. Einbeck. 

2. Northeim. 


! li. 


Feine 


Grasshoff 


Peine. 


1 12> 


Nordhausen *) 


Spitzner, R. R. 


Theil von Ilfeld (das 
frühere Amt Hohn- 
stein). 


1 13. 


Wernigerode*) 


Lengsfeld 


Theil von Ilfeld (das 
frühere Amt Elbin- 
gerode). 




*) Zu den Katasterämtern Nordhausen 


und Wernigerode in der 


I Provinz Sachsen gehören die hier angegebenen Theile der rrovinz Han- 
nover (Kreis Ilfeld). 



li. 



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164 Gerke. Die Katasterverwaltung in der Provinz Hannover etc. 



Nr. 


Katasteramt 

(Stationsort). 


Namo des 

Katasterkontroleurs. 


Der Katastoramtsbezirk 
1 umfasst den Kreis bezw. 
die Kreise. 




III. Regierungsbezirk Lüneburg. 


1. 


j Burgdorf 


Holste 


Burgdorf. 


2. 


1 Celle 


Heyer, St.-I. 


1. Celle Stadt. 

2. Celle Land. 


I 3. 


Dannenberg 


Assemann 


1. Bleckede. 

! 2. Dannenberg. 


4. 


Fallingbostel 


Dickob 


; 1. Fallingbostel. 
2. Soltau. 


5. 


Gifhorn 


Soenderop, R. R 


, 1. Gifhorn. 

2. Isenhagen. 


1 6. 


Harburg 


Richter, R. R. 


1. Harburg Stadt. 

2. Harburg Land. 


7. 


Lüchow 


Dettmering 


Lüchow. 


8. 

i 


Lüneburg 


Schumann, St.-I. 


1. Lüneburg Stadt. 

2. Lüneburg Land. 

3. Winsen a. L. 


! 9- 


Uelzen 


Zimmermaun 


Uelzen. 




IV. Regierungsbezirk Stade. 


1. 


Buxtehude 


Koehr 


1. Jork. 

2. von Stade die zum 
Amtsgericht Buxte- 
hude gehörigen Ge- 
meinden. 


2. 


Geestemünde 


Iloegg 


Gestemünde. 


3. 


Lehe 


Matthiae 


Lehe. 


4. 


Neuhaus a. 0. 


Claussen 


1. Neuhaus a. 0. 

2. Hadein. 


5. 


Osterholz 


Roth, R.-R. 


1. Blumenthal. 

2. Osterholz. 


6. 


Rotenburg 


Sauer 


1. Rotenburg. 

2. Zeven. 


7. 


Stade 

1 


Krüger 


1. Bremervörde. 

2. Kehdingen. 

3. Stade m. Ausschluss 

der zum Amtsgericht 

Buxtehude gehöri- 
gen Gemeinden. 


8. 


Verden 


Vogel 


1. Achim. 

2. Verden. 




V Regierungsbezirk Osnabrück. 


; 1. I 


Bentheim 


Nacke 


Grafschaft Bentheim. 


9 


Bersenbrück 


Wiendieek 


Bersenbrück. 


1 3. 


Lin gen 


Blickwcde 


Lingen. 


4. I 

1 


Melle 

1 


Kloth 


1. Iburg. 

2. Melle. I 



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Literaturzeitung. 



165 



Nr. 


Katasteramt 

(Stationsort). 


Name des 

Katasterkontroleurs. 


Der Katasteramtsbezirk 
umfasst den Kreis bezw. 
die Kreise. 




V. Regi erun gsb ezirk Osnabrück. 


! 5 - 


Meppen 


Willems 


Meppen. 


1 6. 


Osnabrück 


Reimerdes, St.-l. 


1. Osnabrück Stadt. 








2. Osnabrück Land. 








3. Wittlage. 


7. 


Papenburg 


Coenen 


1. Aschendorf. 








2. Hümmling. 




VI. Regierung sb ez irk Aurieli. 


1. 


Aurich 


Ulrichs 


Aurich. 


2. 


Emden 


frei 


1. Emden Stadt. 








2. Emden Land. 








3. Norden. 


3. 


Leer 


Mordhorst 


1. Leer 








2. Weener. 


1 4. 


Wittmund 


Goetze 


Wittmund. 



Hannover, im Juli 1885. 

GerJce. 



Literaturzeitung. 

C. Bohn, Die Lanchneuung. Gr. 8°. XII und 761 S. Mit 370 Holzschnitten 
und 2 Tafeln. Berlin 1886. Preis 22 Mk. 

»Neben den bestehenden deutschen geodätischen Werken ist 
noch Raum und Bedürfniss für ein in Auswahl und Behandlung 
des Stoffes abweichendes Lehr- und Handbuch. 

»Hauptthema ist die Aufstellung, Besprechung und Lösung der 
mannigfachen Aufgaben der praktischen Geometrie, von den ein- 
fachsten, mit den wenigsten und bescheidensten Hülfsmitteln voll- 
führbaren bis zu den grössten und schwierigsten, die grossen geräth- 
schaftlichen und mathematischen Aufwand erheischen.« 

Wenn dies auch das Hauptthema jedes Lehrbuchs dergesammten 
Geodäsie sein wird, so ist doch anzuerkennen, dass dem Verfasser 
die Ueberwindung der Schwierigkeiten, welche einer zweckmässigen 
Anordnung des Lehrstoffs entgegenstehen, im Ganzen gut gelungen 
ist und dass er grossen Fleiss auf vollständige Sammlung des zer- 
streuten Materials verwendet hat. Einzelnes in Beziehung auf An- 
ordnung und Vollständigkeit wäre aber doch vielleicht anders zu 
wünschen. Der Verfasser hat »Anschluss gesucht an die amtlichen 
Vorschriften« in Preussen und Bayern, was man billigen kann. 



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166 



Literaturzeitung. 



Die Vorschriften setzen aber die Bekanntschaft mit der Methode 
der kleinsten Quadrate bis zu einem gewissen Grad voraus, wenn 
der Landmesser sich nicht zum rein Schablonen massigen Arbeiten 
verstehen will. Es erscheint desshalb auffällig, dass die Theorie 
der Ausgleichungsrechnung in den Anhang versetzt ist, zumal der 
Verfasser auf Seite 2 einen wahrscheinlichen Fehler anfiihrt, über- 
dies in einer Weise, die nicht geeignet sein dürfte, einem Anfänger 
zu richtigen Begriffen zu verhelfen. Die Absteckung von Kurven 
wird auf 2 1 /, Seiten abgehandelt, die mir ausserdem nicht an der 
richtigen Stelle zu stehen scheinen. Man vergleiche damit die Ab- 
steckung einer Geraden durch Einweisen mit freiem Auge, die mehr 
als 4 Seiten in Anspruch nimmt. Dass Verfasser auch hier offenbar 
darnach strebt, »persönliche Unterweisung im Felde und am Instru- 
ment« entbehrlich zu machen, halte ich für völlig verkehrt, um so 
mehr, als hier z. T. (Beisp. S. 23 die geodätische Linie) fernliegende 
Begriffe in die allerelementarsten Dinge hereingezogen werden, 
während z. B. eine scharfe Definition einer Geraden im Sinne der 
praktischen Geometrie nicht gegeben wird. In der Vorführung der 
verschiedenen Konstruktionen der Messinstrumente ist Verfasser 
offenbar zu weit gegangen. Er gibt z. B. 20 perspektivische Ab- 
bildungen von Theodoliten und 24 von Nivellir-Instrumenten (im 
engeren Sinn), nebst ausführlicher Beschreibung derselben. Es 
wäre hier gewiss vorzuziehen gewesen, wenige Typen der Instru- 
mente abzubilden (z. T. schematisch) und zu beschreiben. Dadurch 
können dem Lernenden leicht genügende Anhaltspunkte geboten 
werden, mittelst deren er sich an jedem anderen Instrument zurecht- 
findct. Das beste Buch und sogar der beste Vortrag über Instru- 
mentenkunde und die besten Abbildungen werden niemals die 
Demonstration der Instrumente selbst und ihrer Theile zu ersetzen 
im Stande sein, von der Handhabung der Messwerkzeuge natürlich 
ganz abgesehen. Gerade bei den Elementen der praktischen Geometrie 
halte ich zweckmässiges Ineinandergreifen des Vortrags und der 
praktischen Unterweisung am Instrument für unerlässlich. 

Ueber die Illustrationen des Buches ist dabei noch zu bemerken, 
dass dieselben, soweit sie vollständige Instrumente betreffen, den 
Preisverzeichnissen der mechanischen Werkstätten entnommen sind ; 
ein grosser Theil der übrigen Abbildungen sind alte Bekannte aus 
andern Lehr- und Handbüchern (Jordan, Hunäus, Gretschel). ln 
der Auswahl der Figuren ist Verfasser nicht immer glücklich ; z. B. 
sollten die Höhenkurvenkarten der S. 454 und der folgenden Tafel 
(preussische Landesaufnahme, beziehungsweise Generalstab), auf 
welchen die bekannten »Nullflächen« mehrfach zu sehen sind, durch 
bessere ersetzt werden. Endlich sind sehr wünschenswerthe Figuren 
(Rechenschieber, Rechenmaschine, Legebrett, Schraubenmikroskop, 
Heliotrope u. s. f.) nicht vorhanden. 

Eiue weitere Bemerkung allgemeiner Art betrifft die Zahlen- 
rechnungen des Buches, die fast durchaus mit fünfstelligen Loga- 
thmen geführt sind, auch dort, wo diese Tafeln nicht mehr aus- 



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Literaturzeitung. 



167 



reichen. Anderseits wird ein Beispiel einer Pothenot’schen Bestim- 
mung mit Ausgleichung 7stellig gerechnet, während die 7stellige 
Tafel auf die Rechnungen der höheren Geodäsie beschränkt bleiben 
sollte. Verfasser hat die alte Schreibweise der negativen Loga- 
rithmenkennzitfern wieder eingeführt, was ich gegenüber der jetzt 
üblichen »mit blos gedachtem Zusatze minus 10< für keine Ver- 
besserung halten kann. Auch sonst findet sich im Zahlenmaterial 
für ein Lehrbuch Bedenkliches: gelegentlich wird z. B. die Ablesung 
an einem Schraubenmikroskop auf 0,001" angeschrieben u. s. w. 

Ich habe nicht die Absicht, alle Stellen aufzuführen, welche 
Berichtigung erfordern, sondern muss mich auf die folgenden Be- 
merkungen zu einigen wenigen Kapiteln beschränken : 

Bei der Ausgleichung der Polygonzüge wird die Vorschrift des 
bayrischen Katasters (von Franke), welche an sich nicht frei von 
Willkürlichkeiten ist, mangelhaft wiedergegeben. 

Man kann (Kap. XIV.) dem Verfasser zugeben, dass »viel un- 
nötige Spielerei < mit den Eintheilungen der Nivellirlatten getrieben 
■wird, müsste dann aber erwarten, dass er selbst eine zweckmässigere 
Theilung vorschlägt, als er es thut. Verfasser empfiehlt die Latte 
nicht breit zu machen und eine Verstärkungsrippe wegzulassen. 
Ueber das Fussende wird nur gesagt, dass es metallbeschlagen sei; 
von dem am Fuss zweckmässig angebrachten Stollen und der Boden- 
platte erfährt der Leser erst beim Präcisionsnivellement. Schon 
bei einer Länge von 4 m soll die Latte zum Zusammenklapppen 
in der Mitte eingerichtet werden (!). Verfasser nennt bei einem 
vollkommenen Nivellirinstrument Bremse und Mikrometerwerk für 
die Drehung um den Zapfen entbehrliche Zugaben (!). Das »forst- 
liche Messinstrument nach von Dorrer« ist eine geringe Abänderung 
eines englischen Modells, welche von Gebrüder Zimmer in Stutt- 
gart ausgeführt wurde. Das über die Ausgleichung der Nivelle- 
ments Gesagte düifte kaum hinreichend sein. Die Abhandlung 
über die barometrische Höhenmessung (Kap. XVI.) muss, obgleich 
sie 30 Seiten füllt, als ungenügend bezeichnet werden ; Niemand 
wird an der Hand der S. 592 gegebenen Notizen ein Federbaro- 
meter zu untersuchen iui Stande sein. Nirgends sind Versuchs- 
messungen zur Beurtheilung der Genauigkeit angeführt, sondern 
die letztere wird auf Grund von theoretischen Erörterungen geschätzt. 
Verfasser gibt zwar zu, dass man »sogar« schon »mit leidlichem 
Erfolg« Höhenkurven aus Barometerbeobachtungen abgeleitet habe, 
spricht sich aber sehr ungünstig über die barometrischen Höhen- 
messungen aus. 

Auch beim letzten Kapitel (XIX., Kartenprojektionen) scheint 
mir Verfasser nicht das Praktische im Auge behalten zu haben, 
wie er im Vorwort für alle Abtheilungen des Buchs gethan zu 
haben versichert. Ausserdem leidet dieses Kapitel an einer ziem- 
lichen Vernachlässigung der Systematik : S. 680 hat es den Anschein, 
als ob es keine perspektivische Abbildung gebe, die zugleich kon- 
form sei ; die sogenannte Bonne’scbe Projektion, die man trotz 



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168 



Literaturzeitung. 



ihrer Flächentreue nach der von Tissot geübten Kritik der Abbil- 
dungsmethoden kaum mehr mit dem Verfasser eine zweckmässige 
wird nennen können, ist zweimal aufgeführt, das erste Mal als 
modificirte Flamsteed’sche Projektion, das andere Mal als äquivalente 
Bonne’sche Projektion ; ebenso die Flamsteed’sche (Sanson’sche) 
Abbildung. 

Im Anhang ist ausser dem schon oben erwähnten Abriss der 
Methode der kleinsten Quadrate eine mathematische Formelsamm- 
lung gegeben und den Schluss des ganzen Werks bildet ein sorg- 
fältig gearbeitetes Register. 

Bei aller Anerkennung des Fleisses und dem Interesse an der 
Sache, mit denen das Buch bearbeitet ist, kann Referent doch 
nicht umhin, auszusprechen, dass vielfach das Werk seinem aus- 
gesprochenen Zweck nicht ganz wird gerecht werden können ; 
namentlich konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass 
Verfasser nicht mit allen den von ihm vorgeführten Instrumenten 
selbst praktisch gearbeitet habe. 

Stuttgart, 1 886. Februar 18. 

Hammer. 



Das Kataster der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, mit 7 Plänen, 1885. 4° 

590 S. Verlag von R. Lechner. Wien. 15 Gulden. 

Der grosse Zuwachs an Gebäuden und Baustellen in der Stadt 
Wien, sowie die vielen Veränderungen, welche im Laufe der Zeit 
entstanden waren, bedingten das Bedürfniss nach einem neuen 
Kataster. Mit der seinerzeit durchgeführten Neuanlage des Grund- 
buches von Wieu war die Einiührung einer neuen Bezeichnung aller 
Parcellen verbunden. Die Aenderungen und neuen Anordnungen 
sind nun dem Publikum durch obige Veröffentlichung zugängig 
gemacht. 

Das mit grosser Sorgfalt und Aufwand vieler Mühe zusammen- 
gestellte Werk enthält zwei Abtheilungen. In der ersten werden in 
schematischer Form, nach Bezirken geordnet, in alphabetischer 
Reihenfolge der Strassennamen die einzelnen Objekte angeführt. 
Der Leser erfährt aus den ausgestellten Rubriken die Orientirungs- 
Nummer des Objektes, die alte Einschreibungs-Nummer, die Bezeich- 
nung derGrundbuchseinlage-Nummer,Parcellen-Nummer, das Flächen- 
mass der I’arcelle in Quadratmetern und zwar wie viel von der- 
selben bebaut und unbebaut ist, den richtig gestellten Betrag der 
Steuer, wie lange eine etwaige Steuerfreiheit noch dauert und in 
welchem Umfange, endlich die Zahl der Stockwerke und Wohnungen, 
das Erbauungsjahr und den Namen des Eigenthümers. Alle diese 
w’issenswerthen Daten wurden für 13 000 Häuser und 30 000 in 
Wien befindliche Parcellen amtlich erhoben. In der zweiten 
Abtlieilung findet man die Objekte nach den neuen Grundbuchs- 



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Litoraturzeitung. 



169 



einlagen, unter Hinzufügung der neuen Einsehreibungs- und Orien- 
tirungs-Nummer, der Namen der Strassen und aller Neugebäude 
geordnet. In den Plänen sind sämmtliche bereits genehmigten und 
begonnenen Bauten bezeichnet, auch ist für die projektirten Strassen 
ein besonderer Plan beigelegt. 

Indem wir bemerken, dass obige Mittheilungen dem >Bau- 
techniker< Wien 1885 S. 68 im Auszuge entnommen sind, fügen 
wir hinzu, dass derartige Veröffentlichungen in grösseren Städten 
Deutschlands nicht allein für die Privatlandmesser, sondern auch 
für jeden, der sich für das Bauwesen innerhalb der Stadt direkt 
oder indirekt interessirt, von grösstem Nutzen ist, so dass wir nur 
den Wunsch aussprechen können, dass von denjenigen grösseren 
Städten Deutschlands, denen eine rationelle Vermessung zu Grunde 
liegt, auch dergleichen Veröffentlichungen, wie die obengenannte der 
Stadt Wien, geschehen möchten. G. 



Ueber den Verlauf der Ieogonen im mittleren Württemberg, von E. Hammer, Pro- 
fessor am königlichen Polytechnikum in Stuttgart. Mit 6 Figuren im 
Text, 1 Karte und 3 Tafeln. Stuttgart. I. B. Metzler. 1886. 

Das vorliegende geophysikalische Werk ist zunächst aus dem 
praktischem Bedürfnisse hervorgegangen, für geodätische Messungen 
mit der Bussole die magnetische Deklination in wünschenswerther 
Schärfe zu erhalten. Ein allgemeineres Interesse gewinnt es jedoch 
dadurch, dass in einer durchaus klaren und leichtverständlichen 
Weise auseinander gesetzt ist, wie man mit den einfachsten Hülfs- 
mitteln die Isogonen ausreichend genau bestimmen kann. 

Statt des üblichen Lamont’schen magnetischen Reisetheodolits 
ist eine grössere Breithaupt’sche Bussole benutzt, deren Construc- 
tion und Untersuchung mitgetheilt wird. Nach einer eingehenden 
Besprechung der geodätischen Grundlagen und Berechnungen, wobei 
zur Emittelung der Richtungswinkel aus Soldner’schen Coordinaten 
bequeme Diagramme für die Correctionsglieder gegeben werden, 
schildert alsdann der Verfasser ausführlich die Methoden, welche 
bei den Bussolenbeobachtungen auf 38 Stationen des mittleren 
Württembergs, sowie bei den in Stuttgart angestellten correspon- 
direnden Beobachtungen au dem Gauss’schen Unifilar-Magnetometer 
angewandt wurden. 

Die Isogonenkarte, welche auf Grund dieses Messungsmaterials 
ausgearbeitet ist, bezieht sich auf den Zeitpunkt : Anfang Oktober 
1885, 10 h. a. m. Die Isogonen sind von 5' zu 5' gezeichnet, wobei 
die mittlere Unsicherheit der Lage derselben durch schraflirte 
Streifen zur Anschauung gebracht ist. 

Die Bestimmung der Säcularabnahme, deren Betrag sich im 
Mittel zu 7,0' ergibt, bildet den Schluss der verdienstlichen Arbeit, 



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170 



Neue Schriften über Vermessungswesen. 



welcher noch ein Anhang, die praktische Verwendung der Isogonen- 
karte betreffend, zugefugt ist. 

Endlich möge nicht unerwähnt bleiben, dass der Verfasser eine 
Ausdehnung der magnetischen Aufnahme auf ganz Württemberg 
und die Wiederholung der Messungen in geeigneten Zeiträumen 
zur genaueren Bestimmung der säcularen Variationen in Aussicht 
stellt. 

Privatdocent Pattenhausen. 

Auf Seite 26 dieser Schrift ist der mittlere Coordinatenfehler der Wiirt- 
tembergischen Triangulirung zu + 0,5 m angenommen, worüber eine kritische 
Erörterung aus Württemberg im nächsten Heft der Zeitschrift sich aussprechen 
wird. D. Red 



Neue Schriften über Vermessungs wesen. 

Uitkomsten van de in het tweede gedeelte van 1883 en in 1884 
uitgevoerde Nauwkeurigheids-Waterpassing. XXVII. Huis de 
Noorden- Leeuwarden. — XXVIII. De Lemmer-Stavoren. — XXIX. 
Leeuwarden-Harlingen. — XXX. Leeu warden-Groningen. — 
XXXI. Buitenpost-Holwerd. — XXXII. Grijpskerk-Zoutkamp. 
— XXXIII. Groningen-Winschoten. — XXXIV. Scheemda- 
Delfzijl. — XXXV. Nieuwe Schans-Statenzijl. — XXXVI. Gro- 
ningen-Assen. Leiden, ’s Gravenhage, Augustus 1885. H. G. van 
de Sande Bakhuyzen, G. van Diesen. 28 S. 2° und 2 Karten 
(autographirt). 



Patentlisfe von Vermessungsinsfrumenten. 

Verzeichniss der in den Klassen 19 und 42 angemeldeten, 
ertheiltcn und erloschenen Patente. 

Zusammengcstellt im internationalen Patent- und technischen Bureau von C. L. 
Th. Müller, Civil-Ingenieur in Berlin, Horn-Strassc 3. 

Angemeldete Patente.*) 

Für die angegebenen Gegenstände haben die Nachgenannten 
die Ertheilung eines Patentes nachgesucht. Der Gegenstand der 
Anmeldung ist einstweilen gegen unbefugte Benutzung geschützt. 

*) Auszüge aus den Patentanmeldungen siiul durch das Patent- und tech- 
nische Bureau von C. L. Th. Müller, Civilingenieur in Berlin, Horn-Strasse 3, 
zum Preise von 1 — 3 *#., je nach Umfang, zu beziehen. Mitglieder des Deutschen 
Geometervereins erhalten daselbst jede gewünschte Auskunft in ausführlichster 
Weise gratis. 



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Patentliste. Personalnachrichten. 



171 



W. 3901. Neuerung an dem unter Nr. 28391 patentirten Apparat 
zum Verändern der Grössenverhältnisse der Conturen von 
Musterzeichnungen ; Zusatz zu dem Patente Nr. 28391. 

Ertheilte Patente. 

Auf die hierunter angegebenen Gegenstände ist den Nachge- 
nannten ein Patent vom angegebenen Tage ab ertheilt. Die Ein- 
tragung in die Patentrolle ist unter der angegebenen Nummer erfolgt. 
Nr. 34574. Verfahren, die Grösse der Luftblase einer Libelle durch 
Anwendung von Druck zu verkleinern. — G. P. Evelyn, 
Honorary Colonel in Pall Mall, Middlesex, England. 
Vom 12. Mai 1885 ab. 

> 34578. Entfernungsmesser. — P. Seile, Kammergerichts-Refe- 

rendar in Berlin SO., Engelufer 3 II. Vom 25. Juli 1885 ab. 

> 34583. Unveränderlicher Maassstab. — Dennert& Pape in Altona. 

Vom 25. Juni 1885 ab. 



Personalnachrichten. 

Der Katasterkontroleur Haffner in St. Goarshausen ist nach 
Frankfurt a. M. versetzt worden. 

Die Landmesser Eckardt und Weitemeyer in Rinteln sowie 
Breme in Münster, bei den Generalkommissionen Kassel, beziehungs- 
weise Münster angestellt, sind zu Vermessungsrevisoren ernannt. 



Personalveränderungen 

bei der Königlich Preussischen Landesaufnahme. 

v. Schmid, Hauptmann und Compagniechef vom Infanterieregi- 
ment Nr. 70, unter Stellung ä la suite des Generalstabes der Armee, 
behufs Verwendung als Vermessungsdirigent bei der trigonometri- 
schen Abtheilung der Landesaufnahme, ist in den Nebenetat des 
Grossen Generalstabes versetzt worden, ferner 

Gaede, Hauptmann ä la suite des Generalstabes der Armee 
und vom Nebenetat des Grossen Generalstabes, unter Entbindung 
von dem Verhältniss als Vermessungsdirigent bei der trigonometri- 
schen Abtbeilung der Landesaufnahme, als Compagniechef in das 
Infanterieregiment Nr. 70, 

Blauel, Premierlieutenant vom Feld-Artillerieregiment Nr. 11 
und commandirt zur Dienstleistung bei der trigonometrischen Ab- 



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172 



Vereinsangelegenheiten. 



theilung der Landesaufnahme, unter Stellung k la suite des General- 
stabes der Armee, behufs Verwendung als Vermessungsdirigent bei 
der gedachten Abtheilung, in den Nebenetat des Grossen General 
stabes, versetzt. 

de Graaff, Premierlieutenant vom Ulanenregiment Nr. 10, Mat- 
thiass, Premierlieutenant vom Infanterieregiment Nr. 44, deren Com- 
mando zur Dienstleistung bei der trigonometrischen Abtheilung der 
Landesaufnahme vom 1. April er. ab um ein Jahr verlängert. 

v. Ditfurth , Secondelieutenant vom Infanterieregiment Nr. 15, 
vom 1. April er. ab auf drei Jahre zur Dienstleistung bei der tri- 
gonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme commandirt. 

v. ßernhardi, Hauptmann k la suite des Generalstabes und vom 
Nebenetat des Grossen Generalstabes, unter Entbindung von dem 
Verhältniss als Vermessungsdirigent bei der topographischen Ab- 
theilung der Landesaufnahme und unter Ueberweisung zum General- 
stabe der 15. Division, in den Generalstab der Armee einrangirt. 

v. Zieten J., Premierlieutenant vom Husarenregiment Nr. 3 und 
commandirt zur Dienstleistung bei dem Grossen Generalstabe, 
unter Stellung ä la suite des Generalstabes der Armee, behufs 
Verwendung als Vermessungsdirigent bei der topographischen Ab- 
theiluug der Landesaufnahme, in den Nebenetat des Grossen General- 
stabses versetzt. 



Vereiiisangelegenlieiteii. 

Bericht Uber die 13. Hauptversammlung des Mecklenburgischen Geometer- 
vereins zu Schwerin 

am Sonnabend, den 13. Februar 1886, erstattet von dem Schriftführer F. Günther. 

Im Gegensatz zur früheren Theilnahme und namentlich seit der Ver- 
schmelzung der beiden bisher bestandenen Vereine am 19. Januar 1881, hat 
sich erfreulicher Weise ein regerer Besuch der Versammlungen herausgestellt. 
So war auch die gegenwärtige 13. Hauptversammlung recht gut besucht, wenn 
auch nicht unbemerkt bleiben mag, dass die Herren aus den Districten sich 
hätten zahlreicher einfinden können. 

Folgende Mitglieder waren zur diesjährigen Winterhauptversammlung 
erschienen : 

1. Kammeringenieur Brennicfa-Schwerin, 2. Oekonomierath iir ««soie-Sch weri n , 
3. Districtsingenieur Erdmann-Giislrow, 4. Kammeringenieur Güu/Aer-Schwerin, 
5. Kammeringenieur J/auei-Schwerin, 6. Kammeringenieur Mi fei m ann-Sch werin , 
7. Forstgeometer J/ii/deniriicA-Schwerin, 8. Forsttaxalor AV/ee-Schweri n, 9. Di- 
strictsingenieur Benanf-Grabow, 10. Kammeringenieur S'cAitemann-Schwerin, 
11. Bürgermeister 7oatert-Schwerin, 12. Forstinspector Taciert-Schwerin, 13. Ver- 
messungsingenieur «--Schwerin, 14. Districtsingenieur r<w»-Lübz, 15. Kam- 
meringenieur Voss-Schwerin, 16. Kammeringenieur lFö/ifer-Sohwerin, 17. Districts- 
ingenieur Zander- Crivitz. 

Da der erste Vorsitzende, Districtsingenieur t\ Haften, durch Krankheit 
am Erscheinen behindert war, bo übernahm Kammeringenieur Müffdmann, 



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Vereinsangelegenheiten. 173 

als dessen Stellvertreter, den Vorsitz, eröffnete mit einigen begrüßenden 
Worten um S ’/* Uhr die Versammlung und trug zunächst zu 

Punkt 1 der Tagesordnung, 

Bericht des Vorstände» über Vereinsangeleyenheiten , betreffend das altgelaufene Halbjahr, 
Folgendes vor : 

Die wöchentlich wiederkehrenden Abendversammlungen des Vereins 
habeu am 20. October v. J. begonnen und sind bis heute 17 solcher Versamm- 
lungen abgehalten worden. An 2 Abenden sind Vorträge gehalten und zwar 
einmal vom Collegen Günther, der ausführlich über die von ihm ausgeführten 
Nivellements- und Vermessungsarbeiten an der Ostseeküste berichtete, und 
das andere Mal von Müffelmann, der über die von Bosse- Wien in Vorschlag 
gebrachten Reformen zur Maass-, Gewichts- und Zeiteintheilung referirte; die 
übrigen Vereinsabende sind ausgefüllt durch Vorlesungen aus Zeitschriften 
oder in freier Discussion über Fachangelegenheiten, wozu meistens Anfragen 
aus dem Fragekasten Anregung gaben. 

An dem Austausch unserer Vereinsschriftstücke mit andern, auswärtigen 
Geometervereinen hat sich nichts geändert. Abonnirt ist von Vereinswegen 
seit Juli v. J. auf das 2mal monatlich erscheinende „Correspondenzblatt für 
Katasterbeamte etc.“ und seit Beginn dieses Jahres auf die „Landescultur- 
zeitung“, welche alle Woche erscheint, und für die Bibliothek sind neu angc- 
schafl't : 

1. Reisebericht über Landescultur in verschiedenen Ländern, von Schlebach ; 

2. Festlegung der Böschungsschnittkurvo von Gerke und 

3. Broschüre von Schlebach : Die Württembergische Landesvermessung. 

Die Mitgliederzahl — 39 — ist seit voriger Hauptversammlung dieselbe 

geblieben. 

Schliesslich hat noch der Vorstand contractlich die Pflicht zu erfüllen, 
die „Allgemeine Versorgungsanstalt in Karlsruhe“ zum Abschluss von Lebens- 
und Rentenversicherungen zu empfehlen und auf die — den Vereinsmitgliedern 
— gewährten besonderen Vergünstigungen hinzuweisen. 

In Hinblick auf die vom Deutschen Geometerverein angeregto und auch 
auf der letzten Versammlung des Deutschen Geometervercins in Stuttgart 
berathene Frage, betreffend „Festsetzung von allgemeinen Normen für Bezah- 
lung von Vermessungsarbeiten nach Accordsätzen“, will ich nicht unterlassen, 
auf eine Schlussfolgerung des Kasseler Geometervereins hinzuweisen, welche 
bezüglich eines dort gehaltenen Vortrages über oben angeführtes Thema gefasst 
wurde ; sie lautet : 

Ein richtiger Maassstab zur Beurtheilung des Verdienste» für geometrische 
Arbeiten ist nur der wirklich geboten gewesene Zeitaufwand , wesshalb 
auch icahrlich kein Grund vorhanden ist, diesen Maassstab durch einen 
anderen , mit allerlei dehnbaren, deutbaren und schwankenden Betim- 
mungen zu ersetzen — 

ein Votum, das also alle Accordarbeiten verwirft und als einzig richtig und 
zutreffend Diätensätze an deren Stelle gesetzt wissen will, und dem sich 
gewiss alle unsere Mitglieder von ganzem Herzen anschliessen. 

Im Weiteren kann ich hierbei auch der erfreulichen Thatsache Erwäh- 
nung thun, dass das preussische Ministerium der öffentlichen Arbeiten unterm 
20. März und 26. August v.J., für die bei den Staats- nnd Auseinandersetzungs- 
behörden beschäftigten Landmesser deren Bezahlung vorzugsweise nachTages- 
resp. Monatsdiäten geregelt hat. 

Nachdem sich zum ersten Punkte der Tagesordnung Niemand zum Worte 
gemeldet hatte, ging man nunmehr über zu : 

Punkt 2 der Tagesordnung. 

Beelmungsablage des Cassiers. 

Die Cassenverhältnisse gestalteten sich folgendermassen : 

I. Einnahme: 

Uebcrnommen am 21. Februar 1885: 



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174 



Vereinsangelegenheiten. 



Vereinscasse (Vereinsbeiträge) 8 A. 41 -S) 

Delegirtencasse 180 „ 36 „ 

Bibliothekcasse 50 „ 72 „ 

Gratification der Karlsruher Versorgungs- 
anstalt 16 „ — „ 

Zusammen 261 >6. 49 ,J| 

Hierzu pro Vereinsjahr 1885 / 80: 

Zur Vereinscasse 117 A. — ,3) 

Zur Delegirtencasse 84» — » 

Zur Bibliothekcasse (Ueberschuss einer Samm- 
lung) 2 » 25 „ 

Zusammen 203 „ 25 „ 
Ergiebt Einnahme 464 A. 74 3) 
II. Ausgabe: 

Aus der Vereinscasse (Hauptversammlung, 



Auslagen und Druck etc.) 163 A. 40 ,3) 

Aus der Delegirtencasse 200 „ — „ 

Aus der Bibliothekcasse 17 „ — „ 



Ergiebt Ausgabe 380 „ 40 „ 

Bleibt jetziger Cassenbestand 84 A. 34 3i 

Die Abrechnung war zur allgemeinen Einsicht ausgelegt. 

Nachdem die beiden schon zu Anfang der Versammlung ausersehenen 
Cassenrevisoren, Kammeringenieur Wühler und Vermessungsingenieur Vogeler, 
die Rechnung revidirt und bis auf einen geringfügigen Posten von 2 ,3), welcher 
bei einem Portoverlag zu wenig in Rechnung gebracht, und der sofort aus 
der Gasse bestritten wurde, moniturfrei befunden hatten, ward dem Cassier 
von der Versammlung Entlastung ert, heilt. 

Der Cassier, Districtsingenieur Erdmann, theilte darauf mit, dass nach 
einem Schreiben der Karlsruher Versorgungsanstalt Lebensversicherungs- 
Abschlüsse im abgelanfenen Rechnungsjahre nicht erfolgt wären. 

Weiter ging aus demselben Schreiben hervor, dass eine von der Ver- 
sorgungsanstalt im vorigen Jahre übermittelte Vergütung von 16 A. auf eine 
Lebensversicherung, welcher Betrag derzeit zur Vereinscasse geflossen, auf eine 
von einem Nichtmitgliede des Mecklenburgischen Geometervereins abgeschlossene 
Versicherung gezahlt sei, und beantragte der Cassier daher die Gratification 
von 16 A. der Versorgungsanstalt zurückzuzahlen. 

Diesem Anträge wird von der Versammlung beigestimmt und hiermit 
Punkt 2 der Tagesordnung verlassen. 

Punkt 3 der Tagesordnung. 

Heu wähl der Voretandechafl. 

Obwohl die Versammlung sehr geneigt war, es bezüglich des Vorstandes 
beim Alten bewenden zu lassen und überhaupt in eine Wahl nicht einzutreten, 
konnte doch nach §. 6 der Statuten und den Umständen, dass unser allver- 
ehrter bisheriger Vorsitzende, Districtsingenieur v. Hofften, wegen Geschäfts- 
überhäufung, eine etwaige Wiederwahl im Voraus abgelehnt hatte, diesem Ver- 
langen nicht Folge geleistet werden. 

Das Resultat der darauf vorgenommenen Wahl war folgendes: 

1) I. Vorsitzender: Districtsingenieur /vVdmaim -Güstrow. 

2| Stellvertret. Vorsitzender: Kammeringenieur J/ü^cZmonn-Schwerin. 

3) I. Schriftführer: Kammeringenieur Gü'n</ter-Sehwerin. 

4) Stellvertret. Schriftführer: Forstgeometer J/üMenirueA-Schwerin. 

5) Cassier : Vermessungsingenieur PbjeZer-Schwerin. 

Sämmtliche Gewählte nahmen die auf sie gefallene Wahl mit Dank an. 

Der Sitz des Vereins ist somit zur Zeit: Oiletrow. 

Nunmehr ertheilte der Vorsitzende dem Districtsingenieur i?enard-Grabow 
das Wort zu 



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Vereinsangelegenheiten. 



175 



Punkt 4 der Tagesordnung. 

Vortrag über Moordammculturen. 

Redner stützte seinen interessanten Vortrag auf Erfahrungen einer Reise, 
welche er vor Kurzem nach Cunrau in der Altmark zur Besichtigung der 
dortigen Moordammculturen des Herrn Rittergutsbesitzer Rimpau gemacht 
hatte. 

Nachdem er zunächst einen generellen Ueberblick über das zwischen der 
Aller und der Ohre belegene, c. c. 400 Quadratkilometer grosse Moorterrain, 
„Drömling“ genannt, gegeben hatte, führte er sodann an, dass schon zu 
Friedrichs des Grossen Zeit eine Urbarmachung dieses damals vollständig ver- 
sumpften Moorterrains, freilich ohne nennenswerthen Erfolg, durch Flusscorrec- 
tionen etc. versucht sei. 

Viel später, ungefähr Mitte unseres Jahrhunderts, sei dann durch ratio- 
nelle Entwässerung der Aller und Ohre das Drömlingsmoor in Folge der ein- 
getretenen erheblichen Senkung des Grundwassers zugänglich und theilweise 
urbar gemacht, doch sei ein wirklicher Erfolg für die Landwirthschaft kaum 
erzielt. Erst Herr Rimpau hätte sich, gestützt auf seine chemischen Kennt- 
nisse und begünstigt durch seine sorgfältigen Beobachtungen, die eigenthüm- 
lichen Verhältnisse im Drömlingsmoor zu Nutz gemacht, indem er sein Moor 
in Dämme gelegt und so bereits über 300 Hektar nutzbaren Ackers gewonnen 
habe; Rimpau sei mit Recht als der Vater der Moordammcultur zu betrachten. 

Nunmehr ging Redner zur eigentlichen Methode der Moordammcultur 
über, indem er einen ausführlichen Bericht über seine in Cunrau gesammelten 
Kenntnisse und eine nähere Beschreibung der ganzen Bewirtschaftung des 
dortigen Bodens gab. 

Bedauerlichst konnte College Renard seinen Vortrag nicht zur Verfügung 
der Berichterstattung stellen ; es wird indessen nicht versäumt hinzuweisen 
auf die schätzenswerthen Vorträge, welche die Collegen Harme und Renard 
bereits in früheren Versammlungen über die Moordammculturen gehalten 
haben. 

Cfr. Bericht über die erste Hauptversammlung des Mecklenburgischen 
Geometervereins am 13. Juli 1875 nebst Ergänzung pag. 75 und Bericht über 
die 4. Hauptversammlung desselben Vereins am 26. und 27. Juli 1878. 

Schliesslich legte Renard besonders den Collegen aus den Districten die 
Cultivirung der Rimpatt’schen Methode warm an’s Herz, da auch in Mecklen- 
burg so manches Terrain jetzt unbrauchbar daliege und sich wohl zur Anlage 
von Moordämmen eigne, und schloss an seinen Vortrag noch einige Reflectionen 
über die augenblickliche trostlose Lage unserer Landwirthschaft und deren 
Aufbesserung durch rationelle Wirthschaft, Meliorationen und Aneignung und 
Ausnützung der Entdeckungen und des Fortschritts besonders in der Agri- 
culturchemie ; er bat die Collegen dem Landmann dabei mit Roth und That 
zur Seite stehen zu wollen. 

Der Dank der Versammlung wurde dem Redner für seinen lehrreichen 
und sorgfältigen Vortrag ausgesprochen. 

Eine eigentliche Debatte schloss sich nicht an, da alle Punkte iu dem 
Thema erschöpfend und präcise gehalten waren , vielmehr entspann sich eine 
allgemeine Unterhaltung über obigen Gegenstand und ein gegenseitiger Aus- 
tausch von gesammelten Erfahrungen und Meinungen. 

Der Schluss der Versammlung fand am 6 Uhr statt, doch blieben die 
meisten der Collegen noch lange über diese offieielle Zeit hinaus in gemüth- 
lichem Beisammensein vereint. 



°8 le 



176 



Redactionsangelegenheit. Berichtigung. 



Veränderung in der Redaction. 

Der zeitige Mitredakteur der Zeitschrift für Vermessungswesen, 
Gerke, Privatdocent der technischen Hochschule zu Hannover, ver- 
legt seinen Wohnsitz und bittet seine geehrten Correspondenten, 
Briefe und andere Postsendungen ihm in Zukunft unter der Adresse: 

Gerke, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.) 

zukommen lassen zu wollen. 



Berichtigung. 

Die Entwicklung der Formeln zu »Beitrag zur Prüfung des 
Winkelprismas < in Heft 6 der Zeitschrift für Vermessungswesen 
bedarf insofern der Berichtigung, als der in das Prisma eintretende 
Strahl (Fig. I.) unter dem Winkel ß-\-x und nicht unter dem 
Winkel ß reflectirt wird. 

Es wird daher weiter aus der Figur I. abgeleitet: 

45° + 1 + r -+- 90° + y + ß + x = 1 80° 

und ist somit in Gleichung (3) zu setzen : 

2 x statt x und weiter x-j- r = <r . 

In den Gleichungen (7), (8), (10) und (12) ist x statt ~ zu 

schreiben, so dass die Schlussgleichungen lauten : 

^ = 90 o + x— 2 (*-f-r) Vl +(^2—1) sec*« 
y’ = 90° + x + 2 (x -F r) Vl + (u^T) sec* a' 

Deubel, Landmesser. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlung : Die Katasterverwaltung in der Provinz Hannover 
nach der Durchführung der allgemeinen Verwaltungsreform vom 1. April bezw. 
1. Juli 1885, von Gerke. Literaturzeitung: Die Landmessung, von Bohn, besp. von 
Hammer. — Das Kataster der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, bespr. 
von G. — Ueber den Verlauf der Isogonen im mittleren Württemberg, von 
Hammer, bespr. von Pattenhausen. Neue Schriften Uber Vermessungswesen. Patent- 
liste. Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. Redactionsangelegenheit. Berich- 
igung. 



Karlsruhe. Druck von 31nlsch A Vogel. 



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177 



ZEITSCHRIFT for VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppes, Steuerassessor in München, umi 
R. Gerke, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1880. Heft 8. Band XT. 

Io. Ajjril. 



Ueber die Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in 
Württemberg. 

Von Vermessungskommissär Steiff, Trigonometer des Königl. Katasterbureaus 

in Stuttgart. 

In der Schrift »Ueber den Verlauf der Isogonen im mittleren 
Württemberg von E. Hammer, Professor am Königl. Polytechnikum 
in Stuttgart« (1886, Verlag der J. B. Metzler’schen Buchhandlung 
in Stuttgart), schreibt der Verfasser Seite 25 und 26: 

»Zu dieser konstanten Komponente des mittleren Gesamtfehlers 
(der mittleren Unsicherheit der Bestimmung einer Richtung mit 
der Bussole bei Benützung Einer Hire im Betrag von +0,67' Alte Th.) 
kommt nun noch diejenige variable Komponente hinzu, welche aus 
den mittleren Fehlern der Koordinaten der benützten Punkte sich 
ergiebt.« »Es ist nicht leicht, sich zuverlässigen Aufschluss über die 
mittleren Fehler der Koordinaten der Eckpunkte des württem- 
bergischen Dreiecksnetzes zu verschallen. Die bei der vorliegenden 
Arbeit benützten Punkte sind zum grössten Teil aus Dreiecken 
untersten Ranges hervorgegangen , in welchen nur zwei Winkel ge- 
messen sind: ich habe deshalb den hier in Betracht kommenden mitt- 
leren Fehler der Koordinaten eines der benützten Punkte zu + 0,5m 
angenommen.« ln Anmerkung wird hiezu gesagt: »Dieser Betrag ist, 
da es sich nur um relative nicht absolute Koordinatenfehler handelt, 
sehr hoch. Ich möchte aber nur auf die lange Zeit hinweisen, die 
seit Beendigung der Triangulirung verflossen ist. Mancher Kirch- 
tburmhelm mag sogar ohne Anzeige baulich verändert sein, wäh- 
rend die alten Koordinaten, die doch auch nicht fehlerfrei gewesen 
sein werden, ‘noch gelten sollen’. Ausserdem sind mit der obigen 
Annahme gröbere Unsicherheiten in den Aufstellungspunkten (Beisp. 

3, 6, 8 u. s. f.) und in den anzuvisierenden Punkten der als Miren 
benützten Türme berücksichtigt.« Nachdem die Art der Berech- 
nung des mittleren Richtungsfehlers e aus dem mittleren Koor- 
dinatenfehler entwickelt ist, nämlich s = + - - ^ ? 3438 in Minuten 

e 

Zeitschrift für VermossungHweson. 188fi. 8 . lieft. 12 

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178 Steift'. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 

alter Th., wo e die Entfernung beider Punkte beträgt, fährt Ver- 
fasser auf Seite 26 fort: 

>lst z der mittlere Fehler des au6 den Koordinaten berechneten 
Richtungswinkels in Minuten, so ist mit Berücksichtigung der kon- 
stanten Komponente der mittlere zufällige Gesamtfehler des aus 
der betreffenden Visur erhaltenen Deklinationswerts in Minuten 
gegeben durch 

±Vo,45-f e*. 

»So lange z gross ist, d. h. bei kurzen Visuren wird die kon- 
stante Komponente 0,57' zurücktreten gegen die von z herrührende, 
bei grossen Entfernungen aber wird die Hinzuziehung von z nicht 
mehr viel an dem Betrag von 0,67' verändern. < 

»In der nachfolgenden Tabelle sind für einige Entfernungen die 
Werte von z unter der obigen Annahme berechnet, ebenso die 
Werte der mittleren zufälligen Gesamtfehler und die entsprechenden 
Gewichte der Visuren. 



Tafel der Gewichte. 





Entfer- 
nung in 
Metern. 


Z. 


Zufälliger 

Gessmt- 

febler. 


Gewicht. 


(1) 


1 000 


2,43’ 


2,52' 


10 


(2) 


2 000 


1,22 


1,39 


46 


(3) 


3 000 


0,81 


1,05 


60 


(4) 


4 000 


0,61 


0,91 


70 


15) 


5 000 


0,49 


0,83 


76 


(«) 


101)00 


0,24 


0,71 


89 


(7) 


15 000 


0,16 


0,69 


92 


(8) 


20 000 


0,12 


0,68 


93 


(9) 


30 000 


0,08 


0,68 


93 


j (10) 


40 000 


0,06 


0,67 


94 



Auf Seite 27 heisst es weiter: 

»Dass die oben gemachten Annahmen den thatsächlichen Ver- 
hältnissen ungefähr entsprechen, ergiebt sich aus den folgenden 
Zahlen. Für den mittleren Fehler e der Beobachtung vom Gewicht 
1 und den mittleren Fehler der Beobachtung vom Gewicht 10 
(d. h. der Visur von der Länge 1 km) finden sich aus Beobachtungen 
der Standpunkte 1, 2, 3, 4, 5, 8, 9, 10 die folgenden Werte: 





Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 179 

Deklinationsbestimmung, deren Einzelwerte keine oder keine zuver- 
lässige Bestimmung des mittleren Fehlers gestatten, den letzteren 
schätzen dürfen.« 

Diese Mitteilungen sind geeignet, eine irrige Ansicht von der 
Genauigkeit des württembergischen Detaildreiecksnetzes zu verbreiten. 
Indem ich mich hinsichtlich der von mir ermittelten Genauigkeits- 
verhältnisse auf die nachfolgenden Ausführungen beziehe , muss 
ich schon hier bemerken, nachdem ich mich mit der Wiederher- 
stellung und Ergänzung unseres Dreiecksnetzes nun schon 8 Jahre 
hindurch beschäftigt habe, dass ein Dreiecksnetz, dessen mittlerer 
Koordinatenfehler = + 0,5 m betragen würde, nicht entfernt den An- 
spruch einer auch nur mittelmässigen Brauchbarkeit machen dürfte. *) 

Jeder praktische Geometer oder Trigonometer, der je mit Tri- 
angulierung oder Zugmessung zu thun gehabt hat, hat wohl beim 
Lesen jener Genauigkeitsschätzung + 0,5 m auf einen Blick gesehen, 
dass es sich hier um einen Irrtum oder um eine missverständliche 
Auffassung oder Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse handeln 
muss; und ich würde daher kaum, nötig haben, die Unrichtig- 
keit jener Annahme + 0,5 m näher zu beweisen; es gibt mir dies 
aber Veranlassung , über die Genauigkeit der teilweise über- 
schätzten , teilweise auch zur Ungebühr geschmähten württem- 
bergischen Landestriangulierung eine Zahl von zuverlässigen Genauig- 
keitsnachweisen aus der trigonometrischen Praxis der letzten 8 Jahre 
zu veröffentlichen , indem ich von der Anschauung ausgehe, dass 
nichts den Wert einer Vermessung mehr erhöhen kann, als klare 
Erkenntnis dessen, was man von derselben verlangen kann und was 
nicht von derselben erwartet werden darf. 

Vor allem stelle ich die Litteratur über Württembergische 
Geodäsie zusammen : 

a. Württembergische Jahreshefte für vaterländische Geschichte, Jahrgang 
1822 bis 1826. h. Bohnenberger, De computandis dimensionibus trigonometricis, 
Tübingen 1826, übersetzt von Professor Hammer, Stuttgart 1835. c. Lehrbuch 
der praktischen Geometrie von Friedrich Pross, Stuttgart 1838, S. 212 — 316. 
d. Die trigonometrische Aufnahme eines Landes. Von L. W. Klemm, Stutt- 
gart 1842. e. Die Landesvermessung des Königreichs Württemberg von C. 
Kohler, Stuttgart 1858. f. Gutachten der württembergischen Kommission für 
die europäische Gradmessung im Generalbericht der europäischen Gradmessung 
1869, S. 68 und 1871 S. 67, von den Herren v. Baur, v. Schoder und v. Zech, 
g. Abhandlungen von Professor Dr. v. Zech in „Jahreshefte des Vereins für 

') Wenn man nach den Entwicklungen in der Zeitschrift für Vermessungs- 
wesen BandjVIII. (1879 Seite 352 ff.) annimmt, dass der Grenzf elder ungefähr das 
Sfache des mittleren Fehlers beträgt, so ergäbe dies unter Annahme des mitt- 
leren Koordinatenfehlers von +0,50 m beziehungsweise des mittleren Punkt- 
fehlers von + 0,71 = + 0,5 12 einen Maximalfehler von +2,1 m. Da nun Herr 
Professor Hammer jenen relativen mittleren Koordinatenfehler von +0,5 m 
schon bei Punkten von 1 000 m Entfernung annimmt, so wäre hiemit gesagt, 
dass in manchen Fällen bei Anschlüssen von 1 000 m langen Polygonzügen an 
trigonometrische Punkte Differenzen von 2 m Vorkommen können, welche nicht 
etwa in unrichtiger oder ungenauer Aufnahme des Polygonzuges ihre Ursache 
finden, sondern einzig und allein in der Unsicherheit der zu Grunde liegenden 
Koordinaten. 



12 . 



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180 Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 

vaterländische Naturkunde in Württemberg“, Stuttgart 1871 (Band XXYII.) I 
S. 51—58. h. Das deutsche Vermessungswesen von Jordan, Steppes, Stuttgart I 
1882 Band I. und II., je Kapitel III. (In diesem Werke ist insbesondere ein 1 
Gutachten des Herrn Professor Dr. v. Baur über die wiirttembergische Landes- fl 
triangulierung verwertet.) i. Das Vermessungswesen in Württemberg von ] 
Gehring, Stuttgart 1884. k. Die württembergische Landesvermessung, Vortrag I 
von Oborsteuerrat Schlebach auf der XIV. Hauptversammlung dos Deutschen | 
Geometervereins, Stuttgart 1885, Zeitschrift für Vermessungswesen Band XIV. I 
1885, S. 401, 427, 413, 433. Separatabdruck Karlsruhe 1885. 

Die württembergische Triangulierung wurde in der Zeit von 
1818 bis 1839 ausgeführt und zwar in 3 Stadien: a. der Bestim- 
mung der Punkte I. Ordnung auf Grund der Basis Solitude-Lud- I 
wigsburg und des Azimuts Tübingen-Kornbühl ; b. der Sekundär- I 
triangulierung und c. der Detail- (Tertiär-)Triangulierung. Die Win- I 
kelmessung zur Bestimmung der Punkte erster Ordnung wurde 
1818/25 meist von Professor Bohnenberger, teilweise auch von Tri- 
gonometer Brigel, von 1825/33, d. h. bis zum Abschluss, von den 
Trigonometern Brigel und Kohler ausgeführt, während die sphä- 
rische Berechnung und Ausgleichung dieser Punkte allein von 
Bohnenberger selbst besorgt wurde. Leider sind diese Berechnungen 
nach dem Tode Bohnenbergers zum grössten Teil verloren gegangen. I 
Die Aufnahme der Sekundärpunkte geschah durch die Trigonometer, 
deren sphärische Berechnung in der ersten Zeit (etwa bis 1823) I 
durch Bohnenberger, später aber, ebenfalls sphärisch, durch die 
Trigonometer. Die Aufnahme und ebene Berechnung sämtlicher 
Tertiärpunkte (des Detaildreiecknetzes) 2 ) wurde von 8 Trigonometern 
ausgeführt. 

Hiezu möchte ich hier sogleich anfübren, dass bei der Detail- I 
triangulierung die Berechnung von wichtigeren Punkten aus 3 bis I 
6 Dreiecken mit Mittelung des Koordinatenwertes , diejenige der I 
übrigen Punkte in der Regel je aus 2 Dreiecken unter Ausgleichung 
des Azimuts und der gemeinschaftlichen Dreiecksseite geschah, und I 
dass kaum 2 °/ 0 sämtlicher Punkte nur aus 1 Dreieck berechnet 
worden sind. Jedenfalls kann ich auf Grund jahrelanger Erfah- 
rung bei Benützung der alten Berechnungshefte mit Sicherheit I 
behaupten, dass nicht 1 °/ 0 sämtlicher Punkte nur aus je 1 Dreieck, I 
in welchem nur 2 Winkel gemessen sind, berechnet wurde. 

Auf diese Weise wurden in der obigen Zeit für das 19 504 qkm 
umfassende Gebiet Württembergs im ganzen bestimmt 29 244 
Signalpunkte (Gebäudepuukte und Bodenpunkte), so dass durch- 
schnittlich auf 1 qkm 1,5 Punkte und auf 1 Messtischplatte (15572 I 
Platten je zu 1,31 qkm) 1,9 Punkte kommen. Dieselben sind jedoch 
über das Land nicht ganz gleichmässig verteilt, was sich durch die 
Verschiedenheit der Terrain Verhältnisse, des Anbaues (Wald etc.) und 
der Parzellierung erklärt und auch darin seinen Grund findet, dass 
sich im Verlaufe der Landesvermessung die Zweckmässigkeit und I 
Notwendigkeit der dichteren Gestaltung des Detaildreiecksnetzes I 
ergab. Dementsprechend enthalten auch die in der ersten Zeit 

■) Von Prof. Hammer „Punkte aus Dreiecken untersten Kangs kervor- 
gegangen“ genannt. 

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v-r v - /*> 



Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 181 

vermessenen beziehungsweise triangulierten Bezirke der Alb und 
Oberschwabens durchschnittlich 1,0 Punkte auf den qkm, während 
in den zuletzt vermessenen Bezirken Spaichingen und Tuttlingen 
durchschnittlich 2,3 Punkte auf den qkm fallen. 

Der Umstand, dass die Detailaufnahme (Kleinvermessung) des 
Landes zugleich mit der trigonometrischen Aufnahme begonnen 
wurde, sowie dass dem Professor ßohnenberger zur Ausführung 
der Haupttriangulierung neben seinem akademischen Lehramte nur 
verhältnismässig wenig Zeit zur Verfügung blieb, hatte die Folge, 
dass es nicht möglich wurde, die Triangulierung erster Ordnung 
über das ganze Land in einem Guss auszuführen und auszugleichen, 
bevor die Einschaltung der Punkte zweiter und dritter Ordnung geschah. 
Es musste vielmehr zum grossen Teil die Aufnahme und Berechnung 
der Punkte zweiter und dritter Ordnung unmittelbar nach der Fest- 
legung (Berechnung) der für sie nötigen Punkte erster Ordnung 
geschehen, da auch die Koordinaten der Detaildreiecksnetzpunkte 
zum Zweck der Aufnahme der einzelnen Messtischplatten öfters 
dringend benötigt wurden. 

Da in dieser Abhandlung nur die Kleintriangulierung besprochen 
werden soll, so kann hier über Unsicherheiten in Angabe der Basis- 
länge beziehungsweise der Länge der Basismessstangen unter Hin- 
weis auf die vorstellenden Litteraturangaben weggegangen weiden. 

Die Festlegung der Dreiecksnetzpunkte, der sogenannten trigo- 
nometrischen Signalpunkte, auf dem Felde geschah, soweit solche 
nicht schon durch Gebäudeteile (Kirchturmspitzen, Wetterfahnen, 
Blitzableiter etc.) gegeben war, durch Vermarkung mittelst Signal- 
steinen. Letztere, 3' = 0,86 m lang, l' = 0,28 m allweg stark, oben 
sauber behauen und auf einer Seitenfläche glatt und mit einem 
vertieft eingehauenen Dreieckzeichen versehen, wurden so gesetzt, 
dass die mit dem Zeichen versehene Fläche unmittelbar an die 
Signalstange, deren Mitte den Signalpunkt bezeichnete, gestellt wurde. 
Die Vermarkung geschah ungefähr für die Hälfte sämtlicher 
Punkte durch ein und dieselbe Persönlichkeit (Geometer Raisig), 
für die andere Hälfte durch die ständigen Gehilfen der Trigono- 
meter. Wenn hie und da schon Zweifel verlautbar wurden, ob 
diese Vermarkung auch mit der nötigen Sorgfalt ausgeführt wurde, 
so glaube ich denselben kein grosses Gewicht beilegen zu müssen. 
Ich habe stets gefunden, dass Signalsteine, welche zweifellos noch 
an der ursprünglichen Stelle waren, auch mit der durch die vor- 
geschriebene Vermarkungsart zulässigen Genauigkeit gesetzt waren. 8 ) 
Zweifellos wäre es für die Sicherheit der Festlegung empfehlens- 
wert gewesen, die Vermarkung der Signalpunkte vor deren Aufnahme 
vorzunehmen, dies hätte aber ungemein grosse Weiterungen gebracht, 

a ) Schon in vielen Fällen (namentlich im Lehmboden) habe ich noch 
einen Rest der früheren Signalstange an dem richtigen Ort (Stangenmitte 0,04 m 
bis 0,05 m vor der mit dem Dreieckzeichen versehenen Steinfläche) gefunden. 
Es wurde nämlich beim Steinsatz die Signalstange stehen gelassen, der Stein 
an die Stange gerückt und erst nach vollzogenem Steinsatz, wenn nicht etwa 
später, die Stange entfernt. 



lf»A" V- ' 



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182 Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 

da die Anzahl der benötigten Signalsteine, wie ihr Standort, doch 
erst nach der Rekognoscierung (Signalisierung) angegeben werden 
konnte. In den 20er Jahren lag zwischen der Aufsteckung (Signa- 
lisierung) und Vermarkung der Signalpunkte ein Zeitraum von 1 
bis 2 Jahren (in einigen Anstaudsfallen auch von mehr Jahren); 
dass dies für die Sicherheit der Vermarkung der Punkte nicht 
fordernd war, ist erklärlich. In den 30er Jahren jedoch wurde die 
Vermarkung der Punkte bald nach ihrer Aufnahme ausgeführt. 

Die Festlegung der Signalpunkte (3ter Ordnung) durch excen- 
trische Vermarkung bietet ihre Vorteile und Nachteile, gegenüber 
derjenigen durch centrische Vermarkung. Ihr grosser Vorzug be- 
steht darin, dass die Aufsteckung des Signalpunkts bei späteren 
Vermessungen auf ganz einfache und genügend zweckmässige Weise 
geschehen kann.*) Dagegen hat sie den grossen Nachteil im Ge- 
folge, dass, wenn das Dreieckzeichen abwittert, oder der Stein mit 
den Zeichen abbricht, der Signalpunkt nahezu verloren ist, indem 
dann nicht mit Sicherheit angegeben werden kann, vor welcher 
Steiufläche der Signalpunkt sich befindet. Während nämlich ander- 
wärts bestimmte Vorschriften für die Lage des excentrischen Signal- 
punkts neben dem Stein gegeben sind, 5 ) war in Württemberg für 
die Stellung der Dreieckseite nach einer bestimmten (Himmels-) 
Richtung keine Vorschrift gegeben, wohl aus dem Grunde, weil bei 
dem damaligen Fehlen der Flurkarten die Himmelsrichtung öfters 
(z. B. bei Nebel) durch die mit der Vermarkung Beauftragten 
(Messgehilfe etc.) nicht sicher angegeben werden konnte. 

Für die sichere Festlegung der Punkte hätte es auch genügt, 
die Beschreibung der Dreieckseite des Signalsteins nach der Himmels- * 
richtung oder nach einem sonstigen immer erkennbaren Gegenstand 
(Ortschaft etc.) aufzubewahren. Dies geschah aber leider nicht und 
wird erst jetzt, durch einen Erlass Königlichen Steuerkollegiums 
vom Jahr 1881 vorgeschrieben, nachgeholt. 6 ) Freilich sind in der 
Zwischenzeit aus oben erwähntem Grunde schon viele Signalpunkte 
verloren gegangen. Bei Wiederbestimmung solcher Signalpunkte, 
bei welchen sich noch der Rest des Signalsteins im Boden befindet, 
handelt es sich jedoch nur um die Untersuchung: neben welcher 
Steinfläche befindet sich der Signalpunkt? also um die Entscheidung 
zwischen 4 Punkten, welche mindestens 0,27 m von einander ent- 
fernt sind. Dies kann in sehr vielen F'ällen sicher an der Hand 
_________ I 

4 ) Es ist keine excentrische Aufsteckung oder zeitraubende Verstrebung 
der Signalstange nötig. Der Einwand, dass die Stangen nicht gleich stark 
sein werden, dürfte, da es sich bis zur Stangenmitte um Differenzen von 
höchstens 0,03 m handelt, kein grosses Gewicht verdienen. Der Umstand 
dagegen, dass einzelne Steine gefunden werden, welche statt ander das Dreieck 
tragenden Fläche durchweg glatt behauen zu sein, Bossen bis zu 0,1 m tragen, 
ist schon eher bedenklich. Doch finden sich solche Steine in verhältnismässig 
kleiner Zahl nnd stammen zumeist aus der Zeit nach der Landesvermessung. 

5 ) In Baden besteht die Vorschrift: Steinnordfläche: l' = 0,30 m südlich 
vom Signalpunkt. 

°) Diese Notierung mache ich schon seit dem Jahre 1878 bei allen von 
mir anlässlich meiner Aufnahmen besichtigten Signalsteine. 



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Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 183 

der Landesvermessungsbrouillons, also auf geometrische Art ohne 
Benützung des Theodolits, durch Wiederherstellen der Aufnahms- 
linien etc. der Landesvermessung im Anschluss an die Grundstücks- 
vermarkung geschehen. 7 ) Seit Ausgabe der neuen technischen An- 
weisung vom Jahre 1871 wurde auch in Württemberg zur centri- 
schen Festlegung des Signalpunkts (durch die Mitte des Signal- 
steins) übergegangen, welche aber den Nachteil hat, dass eine Auf- 
steckung des Signalpunkts selbst nur mittelst der schon ziemlich 
zeitraubenden Verstrebung der Signalstange möglich ist; es wird 
deshalb bei Anschlüssen von Ergänzungs- und Detailtriangulierungen 
der Signalpunkt zumeist excentrisch aufgesteckt, wodurch aber eine 
direkte Vergleichung der gemessenen Winkel mit früheren Winkel- 
beobachtungen unmöglich wird. Der Umstand jedoch, dass wegen 
(seit der ersten Triangulierung) entstandener Hindernisse (Bäume, 
Gebäude etc.) in sehr vielen Fällen excentrisch aufgesteckt werden 
muss, lässt obigen Nachteil nicht so schwer empfinden. 8 ) Bei An- 
schluss von Polygonzügen an derart festgelegte Signalpunkte lässt 
sich meist auf einfachere Weise (Aufhalten eines Stabes während 
der Beobachtung der wenigen Anschlusswinkel etc.) helfen. 

Die Zeit von 1840 — 1871 war, wie für die Fortführung der 
Parzellarvermessung (der Flurkarten und Primärkataster), so auch 
für die Erhaltung des Dreiecknetzes nicht gerade von günstigem 
Einfluss. In dieser Zeit wurde insbesondere die für die Fortführung 
des Vermessungswerks nötige Registrierung der Signalpunkte und 

’) Wenn freilich die Angabe des Herrn Prof. Hammer mit +0,5 m richtig 
wäre, so wäre es reine Zeitvergeudung in obigen Fällen die Dreieeklage wieder 
zu bestimmen, wie dies vorgeschrieben ist. Es würde dann vollauf genügen, 
die alte Steinmitte wieder festzulegen, da hiedurch ein Fehler von nur + 0,19 m 
begangen würde. 

8 ) In manchen Fällen (z. B. bei der Nähe eines Baumes) ist es möglich, 
den Signalpunkt wohl centrisch aufzustecken und die Signalstange (vielleicht 
ganz unter oder über Mannshöhe) von benachbarten Punkten zu pointieren ; 
dsgegen erscheint eine Winkelmessung, wenigstens für alle zu beobachtenden 
Richtungen, unmöglich. In diesen Fällen ziehe ich es meist vor, statt blos 
die Winkel excentrisch zu messen, den Signalpunkt auch excentrisch aufzu- 
stecken, wobei es mir dann möglich wird, einen für alle Richtungen günstig 
gelegenen Punkt auszuwählen. Solange die Excentricität (Richtung und 
Distanz) auf dieselbe Genauigkeit gemessen werden kann, wie der Signalpuukt 
überhaupt aufgesteckt werden kann (0,02 — 0,04 m), solange wird auch durch 
diese excentrische Aufstellung keine weitere Fehlerquelle (abgesehen von 
groben Fehlern) in die Beobachtungen getragen. Da die Messungen auf den 
excentrischen Punkt zur Erhebung der Centrierungs- (Berechn ungs-) Elemente 
vollständig genügen, ist der bei Benützung des exceutrischen Punkts nötige 
Mehraufwand an Zeit nahezu = Null. Bei den Berechnungen ziehe ich es aber 
vor, die Koordinaten für diesen excentrischen Punkt als Hilfspunkt von den 
gegebenen des Signalpunkts abzuleiten und alle weitere Berechnungen auf 
diesen Hilfspunkt zu gründen. Das ist bei Benützung von mehr als 3 Rich- 
tungen zweifelsohne weniger zeitraubend, als das Centrieren der Winkel bozw. 
Richtungen. 

Auf dieselbe Weise ist Herr Professor Hammer bei seinen excentrischen 
Aufstellungen verfahren; es hätte sich aber sicherlich empfohlen, in §. 12 
auch die Koordinaten des Signalpunkts selbst anzugeben, da ausser letzteren 
alle weiter benützten Werte angegeben sind. 







184 Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 

Signalsteine nach Oberämtern und Markungen ausgeführt. Die 
Ergänzung gänzlich fehlender Signalsteine unterblieb aber im all- 
gemeinen, und es wurde beim Ersatz abgebrochener oder verwitterter 
Steiue nicht mit der hiezu nötigen Strenge auf Einhaltung der 
richtigen Signalpunkt-(I)reieck-)Lage gesehen. Da ausserdem ver- 
schiedene, nicht mehr bei der Landesvermessung in Verwendung 
gewesene, Geometer, aus Unkenntnis die Steinmitte statt den seit- 
lichen Signalpunkt bei Aufnahmen, Einmessungen etc. benützten, 
so ist den in dieser Zeit ergänzten Signalsteinen und den betref- 
fenden Einmessungen der Punkte stets mit einem gewissen Miss- 
trauen entgegeuzukommen. Zur Erklärung dieses Übelstandes 
möchte ich aber nicht unterlassen darauf hinzuweisen, dass während 
dieser Periode in Württemberg, wie nahezu allerwärts, aus Mangel 
an Erfahrung die Fortführung der Landesvermessung graphisch 
stattfand und daher eine eingehende kostspielige Erhaltung des 
trigonometrischen Netzes nicht dringend nötig erschien. 

Durch Erscheinen der neuen technischen Anweisung für die 
Erhaltung und Fortführung der Flurkarteu und Primärkataster 
(erlassen vom Königlichen Steuerkollegium den 30. Dezember 1871) 
wurde das bisherige graphische Verfahren der Fortführung der 
Katastervermessung in das zahlenmässige übergeführt. Im Verfolg 
dieses Prinzips wurde auch der Messtisch verlassen und der Theodolit 
unter die obligatorischen Instrumente des Geometers aufgenommen. 
In der Einleitung dieser Anweisung ist ein Überblick über die 
Grundlage der Landes- (Kataster-) Vermessung gegeben und ist 
dort auch die Art der Festlegung (Vermarkung) der Signalpunkte 
erläutert. In der Anweisung selbst (insbesondere in den §§. 5, 7, 
12 und 14) ist der Anschluss jeder grösseren Vermessung an die 
Grundlage der Landesvermessung, an des Dreiecknetz, vorgeschrieben 
und zwar sollen die Hauptpunkte der grösseren Aufnahmslinien 
(oder wenn dies unthunlich, benachbarte von diesen Aufnahmslinien 
aus eingemessene Punkte) so aufgenommen werden, dass ihre 
Koordinierung auf die Landesvermessungsaxe auf einfache und prob- 
mässige Weise bewerkstelligt werden kann. Die Art der Aufnahme, 
ob auf trigonometrischem oder polygonometrischem Weg, ist dem 
praktischen Ermessen des Geometers anheimgestellt. Wenn es 
schon in der Natur der Fortführung einer Vermessung liegt, vor 
(beziehungsweise bei) Benützung von alten Punkten zum Anschluss 
neuer Aufnahmen diese alten Punkte einer Untersuchung dahin zu 
unterwerfen, ob dieselben nicht inzwischen eine Ortsveränderung 
erlitten haben, so verbreitet sich noch §. 6 der technischen An- 
weisung im besonderen hierüber, indem er lautet: 

»Bevor jedoch die für die Aufnahme massgebenden trigonome- 
trischen Punkte von dem Aufnahmsgeometer benützt werden, hat 
er die Signalsteine auf dem Felde mittelst des Originalbrouillons 
oder durch Ablesen von Azimuten genau zu prüfen. Hiebei hat 
derselbe zu untersuchen, ob die Signalsteine nicht verrückt worden 
sind, auch hat er sich zu erkundigen, ob die festen trigonometri- 



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Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 185 

sehen Punkte, wie z. B. Gebäude und Türme, durch Umbau nicht 
verändert sind. Sind wirklich Veränderungen vorgekommen, so hat 
der Aufnahmsgeometer dem Oberamt und dieses dem Steuerkolle- 
gium sogleich Anzeige hievon zu machen, damit das Geeignete ein- 
geleitet wird. < 

Durch die Erlasse des Königlichen Steuerkollegiums vom 8. Juli 
1873 und 26. August 1874 wurden noch besonders die Gemeinden 
und die Oberamtsgeometer verpflichtet, von jeder seit der Landes- 
vermessung vorgekommenen oder später vorkommenden baulichen 
Änderung an den trigonometrisch bestimmten Gebäudeteilen, der 
Vorgesetzten Behörde, dem Königlichen Steuerkollegium, Anzeige zu 
erstatten. Dementsprechend wurde auch schon von einer grossen 
Anzahl von Gebäudepunkten die Anzeige baulicher Veränderung 
gemacht und sind dieselben zumeist schon trigonometrisch neu 
bestimmt. Möglich ist es freilich, dass noch weitere Punkte seit 
der Landesvermessung eine bauliche Veränderung erlitten haben, 
ohne dass hierüber die vorgeschriebene Anzeige gemacht wurde; 
an diesem Missstand tragen aber die Vorschriften keine Schuld. 9 ) 

Durch den Normalerlass Königlichen Steuerkollegiums vom 
16. Juni 1881 erhalten die Oberamtsgeometer den Auftrag, alljährlich 
in einer Anzahl Gemeinden die Besichtigung sämtlicher Signal- 
steine und Signalpunkte (Gebäudepunkte) vorzunehmen, derart, dass 
zu hoffen steht, dass jeder Oberamtsgeometer von dem Zustand 
sämtlicher Signalsteine und Gebäudepunkte binnen eines nicht 
zu langen Zeitraums (circa binnen 10 Jahren) durch eigene An- 
schauung Kenntnis erhält. Hiebei ist die Signalpunkt-(Dreieck-) 
Lage zu notieren, kleinere Defekte (z. B. schiefe Stellung der Steine, 
undeutliches Dreieckzeichen) sind zu heben, grössere Defekte aber, 
wobei Neuanschaffung von Steinen und trigonometrische Punkt- 
bestimmung in Frage kommen, sind dem Königlichen Steuerkolle- 
gium zur Anzeige zu bringen. Für jede Gemeindemarkung ist ein 
Verzeichnis der auf derselben befindlichen Signalpunkte mit ihren 
Koordinaten etc. aufzustellen und in der Gemeinderegistratur bei 

•) Diese Vorschriften über die Anzeige baulicher Veränderung von trigono- 
nutriseh bestimmten Gebäudeteilen und die hierauf erfolgende Behand- 
lung dieser Punkte habe ich deshalb oben so ausführlich gegeben, weil Herr 
Professor Hammer an verschiedenen Stellen seiner Schrift, wie z. B. in der 
oben (Seite 177) wörtlich angeführten Note sich dahin ausspricht, dass mancher 
Kirchturmhelm baulich verändert sein wird, während die alten Koordinaten 
„noch gelten sollen“. Hiemit würde der mit der Erhaltung des Dreiecksnetzes 
in Württemberg beauftragten Behörde ein ungerechtfertigter Vorwurf gemacht. 
Es können diese Aussprüche nur dadurch erklärt werden , dass Herrn Prof. 
Hammer die gegebenen Vorschriften unbekannt sind. Ich bin fest überzeugt, dass 
noch von keiner berufenen Seite behauptet wurde, es seien die alten Koordinaten 
von nachweislich baulich veränderten Gebäudepunkten noch in Geltung. 
Ich habe auf Befragen die Antwort gegeben, dass, solange nicht eine Anzeige 
baulicher Veränderung nach den gegebenen Vorschriften cingekommeu sei, 
ein jeder Gebäudepunkt als unverändert angenommen beziehungsweise ver- 
mutet werden müsse. Diese Annahme erscheint wohl jedermann als nach der 
Sachlage vollauf begründet. 



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18C Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 

den Katasterakten aufzubewahren zum Gebrauch für die Interes- 
senten ; ein Duplikat hievon befindet sich bei der Oberamtsgeometer- 
stelle; weiter ist eine Übersichtskarte über die Signalpunkte und 
über die anlässlich grösserer Vermessungen entsprechend den Vor- 
schriften bestimmt werdenden Punkte IV. Ordnung und Polygon- 
punkte, sowie ein zugehöriges Koordinatenverzeichnis anzufertigen 
und zwar ebenfalls für jede Gemeinderegistratur und im Duplikat 
für die Oberamtsgeometerstelle. Auf diese Weise wird bis zum 
Jahr 1890 ein vollständiger Überblick über den derzeitigen (Ver- 
markungs- etc.) Zustand des ganzen württembergisclien Dreiecks- 
netzes gegeben sein ; insbesondere ist zu hoffen, dass auch dann 
alle oder doch nahezu alle baulichen Veränderungen an Gebäude- 
signalpunkten zur Kenntnis der zuständigen Behörde kommen. 

Bald nach Erscheinen der technischen Anweisung von 1871 
wurden von verschiedenen Orten Defekte an Signalpunkten zur 
Anzeige gebracht, deren Untersuchung und Erledigung an Ort und 
Stelle zumeist von Herrn Professor Dr. v. Baur geschah, welcher 
sich hiebei zugleich auch persönlich Kenntnis von der Beschaffen- 
heit des Dreiecksnetzes verschaffte. Zugleich wurden in einzelnen 
Bezirken durchgreifende Besichtigungen und Erhebungen hinsichtlich 
des Zustandes der Signalsteine und Gebäudepunkte angeordnet, 
wobei in den einzelnen Bezirken verschiedene zum Teil beträcht- 
liche Mängel in dem Vermarkungszustand des Dreiecksnetzes kon- 
statiert wurden ; mit Untersuchuug und Hebung dieser Mängel 
wurde ich zunächst in provisorischer Weise und unter der Leitung 
des Herrn Professor Dr. v. Baur beauftragt. Seit Sommer 1878 
bin ich nun mit Aufnahmen und Berechnungen zur Untersuchung, 
Ergänzung und Vervollständigung des trigonometrischen Landes- 
netzes ständig beschäftigt. 

Auf Grund der Vorgänge behandelte ich in der ersten Zeit 
meiner Aufnahmen die Winkelbeobachtungen durch Messen ein- 
zelner Winkel mit Repetition. Versuchs- und Vergleichsmcssungen 
zeigten mir aber bald, dass bei Detailtriangulierungen Winkelmes- 
sungen nach Art der Richtungsbeobachtungen bei gleichem Zeit- 
aufwand günstigere Resultate als Repetitionsbeobachtungen ergeben, 
beziehungsweise dass bei gleicher Genauigkeit Richtungsbeobach- 
tungen weniger Zeit erfordern als Winkel-(Repetitions-)Beobach- 
tungen. Dementsprechend behandle ich schon seit 1879 die Winkel- 
messungen nach Art der Richtungsbeobachtungen. 

Bei der in Frage stehenden Ergänzung des württembergischen 
Detaildreiecksnetzes handelt es sich vor allem darum, einen ver- 
änderten beziehungsweise neu zu bestimmenden Punkt möglichst 
sicher gegenüber sämtlichen ihn nahe umgebenden Signalpunkten 
festzulegen. Nun kann aber von keinem der letzteren bestimmt 
angegeben werden, dass er noch mit dem s. Z. koordinierten Punkt 
völlig identisch ist; es ist im Gegenteil zu vermuten, dass zu der 
schon bei der erstmaligen Triangulierung dem Punkte zukommenden 
Unsicherheit noch die meist beträchtlichere Unsicherheit durch die 



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Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 187 



Vermarkung der Punkte, durch teilweise öfteres Umsinken und 
Wiederaufrichten der Signalsteine im Verlauf von 50 — 60 Jahren, 
durch geringe Neigung der Türme etc. hinzukommt. 10 ) Es empfiehlt 
sich deshalb, dass zu guter Bestimmung eines Punktes möglichst 
viele der benachbarten Punkte zugezogen werden, so dass zu hoffen 
ist, dass bei entsprechender Ausgleichungsmethode sich die ver- 
schiedenen Unsicherheiten im Resultate der Punktbestimmung mög- 
lichst ausgleichen. Dies führte mich auf die (nunmehr nahezu 
überall eingeführte) Methode der Punkteinschaltung unter Benützung 
möglichst vieler Strahlen. Diese Methode, seit 1879 von mir ange- 
wandt, erzeigte sich mehr und mehr als die für die gegebene Sach- 
lage zweckentsprechende. Unten ist der nähere Nachweis geliefert, 
dass die Anzahl der Bedingungsgleichungen bei diesen Punktein- 
schaltungen durchschnittlich 8 (im Maximum 17, sehr oft aber 10) 
beträgt, während zur Berechnung der Koordinaten 2 beziehungs- 
weise 3 genügen, ln einzelnen wichtigen Fällen beziehungsweise 
wo ein solches Verfahren bessere Resultate versprach, wurden auch 
zwei Punkte zugleich ausgeglichen. Die Berechnung beziehungs- 
weise Ausgleichung geschah, insbesondere in den ersten Jahren 
1878/83, unter Bevorzugung der Methode der kleinsten Quadrate 
mit Benützung der Quadrattafel, weiterer Hilfstafeln, des Rechen- 
schiebers etc.; in der letzteren Zeit wende ich aber auch mit Vorteil 
sehr oft die graphische Ausgleichung an. Hierüber folgt unten 
eine Übersicht. 

Ein Umstand ist hier noch anzuführen, welcher diese Ergän- 
zungstriangulierung zeitraubend und schwierig macht : die in jedem 
einzelnen Fall notwendig werdende kritische Untersuchung einer 
etwaigen Ortsveränderung der grundlegenden Punkte. Im Laufe 
der durchschnittlich 50 Jahre seit Vermarkung der Signalpunkte 
mögen wohl manche Signalsteine herausgerissen und von unbe- 
rufener Seite wieder eingesetzt worden sein. In vielen Fällen, wenn 
der Stein längere Zeit herausgerissen am Boden lag, wurde derselbe 
so weit von seinem alten Standort entfernt wieder eingesetzt, dass 
sich die Ortsveränderung schon bei einfacher Untersuchung mittelst 
der Karte beziehungsweise bei Besichtigung zeigt. In manchen Fällen 
scheint aber ein solcher Stein wieder in die alte Stufe, aber nicht 
mehr genau richtig eingesetzt worden zu sein. Beträgt die Orts- 
veränderuug mehr als 0,25 m, so ist dieselbe meist bald entdeckt, 
sinkt sie aber unter diese Grenze, so ist die Entscheidung schwie- 
riger. Dieser Umstand weist darauf hin , die sonst so äusserst 
empfehlenswerte, weil bei gleich günstigen Resultaten am wenigsten 
Zeit erfordernde Methode des Rückwärtseiuschneidens nicht aus- 
gedehnt anzuwenden, sondern auch die zum Anschluss benützten 
Punkte durch Winkelmessungen auf ihnen oder durch Anschneiden 
von verschiedenen Punkten aus, zu kontrollieren. 

,0 ) Sach vorstehendem ergiebt sich, dass ich mit den Erwägungen, welche 
Herrn Professor Hammer bei seiner Schätzung des mittleren Fehlers geleitet 
haben, einverstanden bin, unsere Meinungsverschiedenheit liegt nur in der 
Grosse dieses mittleren Fehlers. 




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18S Steiff. Genauigkeit dee L’etaildreieeksnctzes in Württemberg, 



Nachdem in vorstehendem der Zustand des württembergischen 
Detaildreiecksnetzes und die Art seiner Ergänzung etwas näher be- 
schrieben worden ist, gehe ich zu dem Nachweis der bei letzterer 
gefundenen Genauigkeitsverhältnisse des Netzes über. 11 ) Hiebei muss 
ich noch bemerken, dass ich in diesen Zusammenstellungen selbst- 
verständlich sämtliche Differenzen, wie sie sich nach den end- 
giltigen Ausgleichungen jeweils ergaben, ohne jegliche Auslassung 
(etwa grösserer Werte) aufgenommen habe. Die Winkelmessung 
geschieht zumeist mit 0,175 m Limbusdurchmesser haltenden 100- 
teiligen Theodoliten mit Nonienablesung (Noniuseinheit 50“). Da 
mir die’ Berechnung des mittlerem Fehlers aus den Dreieckssummen- 
widersprüchen in diesem Fall für das zweckentsprechendste er- 
scheint, indem hierin sämtliche unvermeidlichen Fehler (ausser 
den eigentlichen Beobachtungsfehlern auch die Centrierungsfehler 
des Instruments und der Signalfahnen) enthalten sind, so habe ich 
den mittleren Winkelmessungsfehler stets aus den Dreieckssummen- 
widersprüchen bestimmt (vergl. hierüber Ausspruch von Herrn Pro- 
fessor Helmert in dieser Zeitschrift Bd. V. [1876] S. 149). Die 
Summe der Dreieckswidersprüche w ergab sich 

bei 379 Dreiecken w (positiv) -j- 8686" tv (negativ) — 7451“ 
zusammen [je] = + 16137" 

Weiter berechnet sich [w ie| = -j- 1086 404. 

Hieraus ergibt sich 

mittlerer Dreieckswiderspruch [te] — 4- 53, 5 1 '' 
mittlerer Winkelfehler m =_+30,9 ca 

mittlerer Fehler einer Richtung ^— + 21,9" 

(Der Maxi mal widerspruch ergab sich in einem Dreieck mit 
Seiten von beziehungsweise 280 m, 400 m und 500 m in einem 
Waldthal zu w max — 185", springt hernach aber sogleich auf 114" 
zurück.) 

Ein Einblick in die Genauigkeitsverhältnisseeines Dreiecksnetzes, 
d. h. ein Aufschluss über den durchschnittlichen relativen mittleren 
Koordinatenfehler der einzelnenen Punkte lässt sich auf zweierlei 
Art gewinnen : 

1. Durch Zusammenstellung der bei rechnerischer Ausgleichung 
(nach d. Meth. d. kl. Quadrate) gewonnenen mittleren Koordinaten- 
fehler des neu berechneten Punktes. Eine solche Zusammenstellung 
habe ich deshalb in nachstehender Tafel I. aus sämtlichen von mir 
im Laufe der Jahre ausgeführten Ergänzungstriangulierungen ge- 
fertigt (mit Ausnahme weniger nur einzelne Punkte betreffender 
Triangulierungen, deren Berechnung mir zur Zeit nicht vorliegt). 

”) Wenn Herr Prof. Hammer sagt: „es ist nicht leicht sich zuverlässigen 
Aufschluss über die mittleren Fehler der Koordinaten der Eckpunkte des 
württembergischen Dreiecknetzes zu verschaffen“, so muss ich demgegenüber 
bemerken, dass ich schon im Jahre 1880 eine ähnliche Zusammenstellung wie 
in Tafel I. gefertigt habe und dass bei der Ausstellung anlässlich der XIV. 
Generalversammlung des Deutschen Geometervereins in Stuttgart 1885 ver- 
schiedene Koordinatenberechnungen aus alter und neuer Zeit zu Jedermanns 
Einsicht aufgelegt waren. 



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SteifF. Genauigkeit dos Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 189 




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I. Zusammenstellung der mittleren Koordinatenfehler rechnerisch ausgeglichener Punkte. 



190 Steiß'. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 



In vorstehender Tafel ergiebt sich somit als Durchschnitt aus 
210 Werten der mittlere Fehler eines mit 8 Bedingungsgleichungen 
berechneten Punktes 

M x = ± 0,05 m M,j = ± 0,05 m 

(und füge ich den unter vorstehenden 210 Werten angefallenen 
Maximalfehler bei: 

M r = ± 0,206 m M,j = ± 0, 1 06 m). 

Vorstehende mittlere Koordinatenfehler eines ausgeglichenen 
Punktes können und sollen nun freilich nicht für diejenigen der 
Punkte des Dreiecksnetzes im allgemeinen genommen werden. Schon 
der Umstand, dass mit zunehmender Anzahl der Bedingungs- 
gleichungen das Gewicht entsprechend grösser und damit der mittlere 
Koordinatenfehler kleiner wird, was sich auch in vorstehender Tafel 
deutlich zeigt, lässt eine solche Annahme im allgemeinen nicht zu. 
Es lässt sich jedoch von vorstehenden mittleren Koordinatenfehlern, 
welche mit dem von Herrn Professor Hammer auf Seite 26 seiner 
Schrift (vergl. oben S. 178) angenommen und dementsprechend auch 
im weiteren Verlauf dieses Aufsatzes berechneten mittleren Fehler 
M der Koordinaten nicht identisch sind, folgendermassen näherungs- 
weise schliessen : Aus dem Werte M x als mittlerer Abscissenfehler 
eines aus 8,1 Bedingungsgleichungen (Strahlen) berechneten Koor- 
dinatenmittels ergiebt sich näherungsweise der mittlere Abscissen- 
fehler eines Punkts bei einem Strahl 

n\ = ±0,054 V8,I — 2 = ±0,134m 
bezw. W 2 = ± 0,054 f 8,1 — 3 = ±0,122 m 

Es berechnen sich die Werte W t beziehungsweise W 3 je nach- 
dem angenommen wird, dass die 210 Punkte, aus welchen sich der 
Wert - 0,054 bestimmte, nur durch Vorwärtseinschneiden beziehungs- 
weise Rückwärtseinschneiden bestimmt wurden ; da nun hiebei beide 
Fälle ziemlich gleich oft (eher der letztere öfters) vorkamen, so kann 
das Mittel genommen werden 

W = ±0,128 m 

In W ist nun sowohl der mittlere Koordinatenfebler M der 
Ausgangspunkte als der Fehler der neuerlichen Winkelmessung ent- 
halten ; den Anteil des letzteren an W schätze ich zu ungefähr 
± 0,02 m und finde hieraus den mittleren Koordinatenfehler 

J/ = ± 0,108 m 

oder den zugehörigen mittleren Punktfehler 

= ±0,15 m 

2. Zweckmässiger wird man sich bei Untersuchung des relativen 
mittleren Koordinatenfehlers der nach der Ausgleichung noch übrig 
bleibenden Ilichtungs- (bezw. Winkel-) Fehler bedienen. Ich habe 
nun zwar vor 1882 wohl auch die übrigbleibenden Fehler und ihro 



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Steiff. Genauigkeit des Detaildreiccksnetzes in Württemberg. 191 



Quadrate zur Kontrollierung der Rechnung benützt, dagegen habe 
ich eine förmliche Zusammenstellung derselben unterlassen. Erst 
seit Erscheinen der Anweisung (IX.) vom 21. Oktober 1885 für die 
trigonometrischen und polygonometrischen Arbeiten bei Erneuerung 
■der Karten und Bücher des Grundsteuerkatasters in Preussen be- 
nütze ich mit Vorteil verschiedene der dort bezeichneten Formulare 
und insbesondere Formular 5 (den »Abriss«). Dieser Abriss giebt 
nun in seiner Spalte 9 (Verbesserung v der Richtungen = Differenz 
der endgültigen und endgültig orientierten Richtungen) für die 
Untersuchung der Genauigkeit eines trigonometrischen Netzes die 
erwünschten Daten, wenn zugleich noch die mittlere Strahlenlänge 
erhoben wird. In der nachstehenden Tafel habe ich nun die Summe 
der »Verbesserungen« der einzelnen Koordinatenberechnungen zu- 
sammengestellt, wozu ich noch zu bemerken habe, dass in den- 
selben auch teilweise die für Berechnung der Werte M x und M y 
massgebenden Werte d inbegriffen sind, da die Tafeln I. und II. 
teilweise auf dieselben Koordinatenberechnungen sich beziehen. 



II. Tafel der Ubrigbleibenden Richtungsverbesserungen. 



* Laufende Nr. | 


Aktennach- 

weis. 

Koordinaten- 

berechnung 

von 


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i. 


2. 


3. 


4. 


5. 


6. 


7. 


8. 


9. 


10. 


li. 


12. 


13. 


i. 


Stuttgart 






















Vcrgl. : 




Amt 1882 


45 


178 


4 365 


161 


4 231 


7,5 


22,5 


26.1 


760,5 


2.25 


Taf.I.Nr.4 


2. 


Vaihingen 


























188183 


35 


105 


3 973 


97 


3 406 


5,8 


37.8 35,1 


340,2 


1,69 


W 


3. 


Brackenheim 


























1882/83 


23 


87 


2 220 


91 


1 949 


7,7 


25,521,3 


468,6 


2.61 


n n v 6 


4. 


Gmünd 


























1883/84 


77 


2(12 


9 255 


273 


9 309 


6,9 


35,334,1 


1 163,1 


2,18 


„ „ „ T 


5. 


Spaichingen 


























1884/85 


51 


19(1 


6 571 


193 


6 254 


7,6 


33.5 


32.5 


535,8 


1,38 




6. 


Tuttlingen 


























1885 


47 


147 


5 495 


118 


■l 598 


6,3 


37,4 31,1 


345,6 


1,18 


„ » „ » 






27S 


975 


31 879:963 


29 747 


7,0 


32,7 30,9 


3 613,81 1,87 
















Durchschnitt 31,8” 









Es ergibt sich sonach als Durchschnittswert der an den ein- 
zelnen Richtungen nach der Ausgleichung sowohl auf unveränderten 
als neu bestimmten Standpunkten anzubringenden Verbesserungen 
aus 1938 Werten: 

« = ± 31 , 8 « 

Da nach der Wahrscheinlichkeitsfunktion der mittlere Fehler 
= l,2533njal durchschnittlicher Fehler ist, berechnet sich hieraus 
die Grösse m der mittleren Verbesserung rund: 




192 Steift'. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 

m = 1,25 v — _ 39,8" 

= 4-40" rund. 12 ) 

Aus vorstehendem mittleren Richtungsfehler m nach der Aus- 
gleichung und dem oben (Seite 9) berechneten mittleren Richtungs- 
fehler f.i der Beobachtungen berechnet sich nach Jordan, Handbuch I., 
§. 118 der mittlere von den Koordinaten herrührende Richtungs- 
fehler 

c= + Vwt*— = F4Ö"»"— Ü2 2 

= ±33,4" 

Aus dem Werte c berechnet sich der lineare mittlere Koordi- 
natenfehler für die in Spalte 12 der Tafel II. nachgewiesene mittlere 
Strahlenlänge = 1,87 km nach der Beziehung 

QQ 4 

M -636 iräÖ 1870 = - 0,099 m 

Als Mittel dieses und des oben (S. 190) zu +0,108 gefundenen 
Wertes kann hienach rund angenommen werden 
für den mittleren Koordinatenfehler M = + 0,10 m 

also für den mittleren Punktfehler M 1 = + 0,14 m 

Die Vergleichung der Werte c = + 33" und « = + 22" zeigt, 
dass die von mir erstrebte und erzielte Genauigkeit der Winkel- 
beobachtungen unter den vorliegenden Verhältnissen genügend ist 
und dass eine mit grösserem Zeitaufwand weiter getriebene Ge- 
nauigkeit der Winkelmessung zwecklos wäre. Selbstverständlich 
wird bei grösseren Stralenlängen ein weit kleinerer mittlerer Fehler 
u durch öftere Beobachtungen erzielt 

Es ist nun zunächst meine Aufgabe, die Unrichtigkeit des Be- 
weises des Herrn Professor Hammer, welcher in den Worten besteht: 
»Dass die gemachten Annahmen den thatsächlichen Verhältnissen 
ungefähr entsprechen, ergiebt sich aus den folgenden Zahlen etc.« 
(vergl. hiezu oben S. 178), dar zuthun. An und für sich dürfte es 
ein wohl unwidersprochener Satz in der Beobachtungswissenschaft 
sein, dass die Genauigkeit von Messungen nur durch solche, welche 
auf mindestens ebenso genaue Weise, wie sie selbst ausgeführt 
werden, untersucht werden kann. Es wird d esshalb auffallen, dass 
die Genauigkeit eines mit ziemlich grossen (Szölligen) Theodoliten 
ausgeführten Dreiecksnetzes mittelst einer Bussole (deren Ablesung 
einen mittleren Fehler = ±0,G7' = + 40" = + 124" zeigt) unter- 
sucht wird, und wird desshalb die Vermutung nicht unbegründet 
sein, dass ein auf Grund solcher Untersuchungen gefolgerter Schluss 
notwendigerweise unrichtig sein muss. 

1J ) Nach §. 22 der obenerwähnten Anweisung (IX.) darf der Betrag » 
bei den trigonometrischen Punkten IV. Ordnung (deren Entfernung unter 
3000 m beträgt) den Betrag von 75" nicht übersteigen. Wenn dieser Betrag 
bei der Ergänzungstriangulierung des Unterzeichneten in einigen von den 
1938 Fällen die Grösse zwischen ICO'* und 200" erreichte, so war dies stets nur be- 
Entfernungen zwischen 300 und 1000 m der Fall, in den allermeisten Fällen 
wurde die Grenze 75" nicht überschritten. 



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Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 193 

Ich habe nun für die von Herrn Professor Hammer auf S. 27 
seiner Schrift (vergl. oben S. 178) angeführten Stationen 1 bis 5 und 
8 bis 10 folgendes berechnet: 

1. die Mittelwerte der magnetischen Deklination (Winkel) und 
deren mittlere Fehler unter Annahme sämtlicher Gewichte =1, also 
unter der Hypothese, dass die Koordinatenfehler auf die vorliegenden 
Beobachtungen mit der Bussole von keinem Einfluss sind; 

2. die Mittelwerte der magnetischen Deklination (Winkel), deren 
mittlere Fehler und die mittleren Fehler für das Gewicht 1 
beziehungsweise 10, unter gegenseitiger Vertauschung der Gewichte 
in der Berechnung von g. 13 der Schrift des Herrn Professor 
Hammer derart, dass an Stelle des grössten das kleinste, an Stelle 
des zweitgrössten das zweitkleinste Gewicht etc. und umgekehrt 
tritt. Diesem Vorgang würde ungefähr die Hypothese entsprechen, 
dass die nächst gelegenen Punkte den kleinsten relativen mitt- 
leren Fehler (nahezu ^0,00) zeigen, dass jedoch mit der Grösse 
der Entfernung dieser mittlere Fehler in so starker Progression 
wachse, dass z. B. für die Entfernung 20000 m (vergl. Heuholz- 
Spreitbach in untenstehender Tafel) der mittlere relative Fehler 
mehr als mehr +15,0 m betrage. Dass diese Hypothese somit rein 
unmöglich ist, erscheint unbestreitbar. 

In nachstehender Tafel HI. S. 194 habe ich nun die Resultate 
zusammengestellt für folgende Annahmen : 

Hypothese (I) des Herrn Professor Hammer (Berücksichtigung 
eines mittleren Koordinatenfehlers =+ 0,5 m), 

Hypothese (II) gleiches Gewicht sämmtlicher Beobachtungen ; 
vergl. oben Ziffer 1. 

Hypothese (III) Vertauschung der Gewichte von (I); vergl. oben 
Ziffer 2; 

unter Benützung der Standpunkte 1 bis 5 und 8 bis 10 
in §. 13 der Schrift des Herrn Professor Hammer. 

(Tabelle siehe nächste Seite.) 

Aus Tafel III. ist vor allem zu ersehen, dass die Verschieden- 
heit der Mittelwerte in Spalte 5 und 9 weit innerhalb der Grenzen 
der betreffenden mittleren Fehler sich bewegt und dass dies auch 
noch für die Spalten 5 und 12 zutrifft mit Ausnahme bei Standpunkt 
3, wo nach der Bemerkung des Herrn Professor Hammer in Note ^ 
Seite 34 für die Steinmitte, welche als Signalpunkt angenommen 
wurde, die Koordinaten des Signalpunkts, welcher sich nach einer 
in der Zwischenzeit stattgefundenen Untersuchung 0,19 m nord- 
östlich von der Steinmitte befand, genommen wurde. Weiter er- 
geben sich die Durchschnitte der mittleren Fehler in Spalte 6, 10 
und 13 für sämmtliche 3 Hypothesen = + 0,44' beziehungsweise 
+ 0,42', also nahe gleich. 

Wenn Herr Professor Hammer auf Seite 27 seiner Schrift 
(vergl. oben S. 178) aus der Thatsache, dass der durchschnittliche 
mittlere Fehler einer Beobachtung von Gewicht 10, = 2,4' nahe 

gleich der Annahme 2,5' wird , den Schluss zieht , dass seine 

Zeitschrift für Yermft»«tingawesftn. 188(5. 8. lieft. 13 



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194 Steiß". Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 

Hypothese (I) richtig ist, so könnte mit ebenso grosser Sicher- 
heit aus der Thatsache, dass bei Hypothese (III) der durchschnitt- 
liche mittlere Fehler einer Beobachtung vom Gewicht 10 oben = 2,3' 
also nahe = 2,4' beziehungsweise = 2,5' wird, gefolgert werden, dass 
Hypothese (III) den thatsächlichen Verhältnissen ungefähr ent- 
spricht. Da aber wohl niemand behaupten wollen wird, dass letz- 



Tafel III. 



Standpunkt. || 


Zielpunkt. 


Winkel. 


£ 

- 


Sei Hypo 
ergieht 

Mittel. 


these 

sich 

mitt- 

lerer 

Fehl. 

des 

Mit- 

tels 

± 


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Fehl. 

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1. 

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± 


II r 

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Fehl, 
bei 1 
Ge- | 
wicht 
1. 
i 


1. 


2. 


3. 


4. 


5. 


6. 


7. 


8.| 


9. 


10 


n.i 


12. 


13. 


14. 




Wi 


13° 4,0" 


65 






1 






701 








! l. 


We 


4,0 


20 






1 






80 








Ot. 


Ge 


3,8 


80 








1 






20 










Ha 


5,4 


70 








1 






65 










Sch. 


3,5 


70] 13° 4,15' 


0,35 


6,14 


1 


13° 4,14' 


0,33 


70’ 


13° 4,18' 


0,33 


5,78 




Mu. 


13° 8,7" 


70 








1 






80 








2. 


Jg- 


11,1 


80 








1 






70 








Kl. 


Ob. 


9,1 


70 








1 






70 










St.. 


8.9 


15 








1 






80 










H. 


7,4 


b(] 


13° 9,08 


0,67 11,86 


1 


13° 9,04' 


0.59 


15 


13° 9,32' 


0.51 


9,02 




•Jjr. 


13° 11,2' 


90 






1 






60 








3. 


Mo. 


11.6 


ßU 






1 






90 








He 


Sp. 


9,4 


90 






1 






5 










ifo. 


10,0 


90 






1 






90 










Es. 


11.7 


5|13° 10,47’|0,44 


7,99 


1 


13° 10,78' 


0,46 


90 .13*11,09' 


0,36 


6,57, 




Kö. 


13° 16,0' 


75 i 






1 






75 








4. 


Sch. 


17,0 


90 






1 






70 








Jp. 


Zö. 


16,8 


70 






1 






80 










Zi. 


18,7 


SC 








1 






70 










Go. 


16,6 


70 13° 17,05' 


0,46 


8,93 


1 


13°, 17, 02' 


0,44 


90 


13*17,00' 


0,44 


8.59 


5. 


De. 


13° 15,0' 


60 J 






1 






80 








Ho 


He. 


14,2 


so 






1 






60 








Rö. 


15,3 


80 13° 14,82' 


0,34 


5,06 


1 


13° 14,83' 


0,33 


80; 13° 14,80' 


0,33 


4,89 




Ul. 


13° 8,8' 


65 1 






1 






35 








1 «• 


Ha. 


11,3 


HO 






1 






25 








Fr. 


De. 


9,1 


251 






1 






80 










Ju. 


11,1 


3ö| 13° 10,19 


0,67 


9,61 

1 


1 


13° 10,08 


0,65 


65[13° 10.00' 


0,62 8,87 




Re. 


13° 2,5' 


10 






1 






90] 






9. 


To. 


4,5 


90 






1 






40 






St. 


As. 


4.5 


80 






1 






50 








Le. 


5,3 


70 






1 






70; 








Su. 


4,9 


50 13° 4,49 


0,40 


7,29 


1 


13° 4,34 


0,48 


80 


13° 4,16 


0,52 9.40 




Ho. 


13° 3,7' 


8o| 






1 






80 








10 


Be. 


3,5 


90 






1 






65 








G! 


Ha. 


4,3 


65 






1 






91 










To. 


3,2 


SO 13° 3,64 


0,22 


3,91 


1 


13° 3,67 


0,23 


80 


13° 3,70 


0,24 


4,28 












3,55 


60,7! 






[3,51 






3,35 57,40, 










Durch- 




























schnitt, 


0,44 


7,60 






10,44 






0,42 


7,17 








mittlerer Fehler 


















| 








f. Gew. 10 


2,4 














2,3 I 






Steif}'. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 195 



teres der Fall ist, so ist hiemit unzweideutig der Beweis geliefert, 
dass die Schlussfolgerung des Herrn Professor Hammer ganz un- 
richtig ist 

Die Uebereinstimtnung der Werte 2,4' beziehungsweise 2,3' 
für den mittleren Fehler einer Beobachtung von Gewicht 10 mit dem 
der Gewichtsberechnung zu Grunde gelegten Wert 2,5' beweist nur, 
dass der mittlere Fehler einer Beobachtung mit der Bussole im 
Betrag von +0,67' a priori gut angenommen wurde. 

Das Resultat der nahezu vollständigen Uebereinstimmung der 
mittleren Fehler bei siüumtlichen 3 Hypothesen konnte wohl voraus- 
gesehen werden, da die Bussolenmessung eben nicht derart genaue 
Resultate liefern kann, dass sich bei derselben die mittleren Koor- 
dinatenfehler des trigonometrischen Netzes überhaupt bemerkbar 
machen können und dieses Resultat ist zugleich der Beweis, dass 
die mittleren Koordinatenfehler nicht so gross sind, dass hiedurch 
Richtungsfehler über 0,67' = 40" = 124" entstehen. 

Auf Grund der vorstehenden Entwicklungen bin ich somit 
vollauf berechtigt, zu behaupten, dass der relative mittlere Koor- 
dinatenfehler des Detaildreiecksnetzes in Württemberg beträgt: 

M =+ 0,10 m 

Es erübrigt mir nun, noch nachzuweisen, dass ein Detaildrei- 
ecksnetz, dessen durchschnittlicher relativer mittlerer Koordinaten- 
fehler + 0,10 m beträgt, für die praktische Landmessung vollstän- 
dig genügt, dass jedoch letzteres bei einem Betrage dieses mittleren 
Fehlers von + 0,50 m durchaus nicht mehr der Fall wäre. 

Abgesehen von Zwecken der wissenschaftlichen Untersuchungen 
über Grösse, Figur und Dichte der Erde, welche unstreitig genauere 
Messungen erfordern, dieut ein Dreiecksnetz zur Grundlage für Par- 
zellar- (Kataster-), topographische und etwa (wie im vorliegenden Fall) 
magnetische Aufnahmen. Es wird aber keines weiteren Beweises 
bedürfen, dass, wenn ein Dreiecksnetz den Anforderungen der Par- 
zellarvermessung entspricht, dies auch für topographische Vermes- 
sungen der Fall ist ; weiter habe ich oben nachgewiesen, dass für 
magnetische Aufnahmen ein mittlerer Koordinatenfehler von +0,10 m 
von keinem Einfluss ist. Die württembergische Landestriangulierung 
wurde aber für Zwecke der Parzellar-(Kataster-)Vermessung aus- 
geführt, und soll nur solchen, nicht auch Gradmessungszwecken dienen. 

Für Parzellar-(Ivataster-)Vermessungen wird nun ein Detail- 
dreiecksnetz als Grundlage dadurch verwertet, dass dasselbe zum 
Anschluss von Polygonzügen dient, nachdem etwa noch weitere 
Punkte niederer Ordnung (Beipunkte) zwischen das gegebene Netz 
trigonometrisch eingeschaltet worden sind. Man wird deshalb an 
ein Detaildreiecksnetz die Anforderung zu stellen haben, dass die 
grösste relative Unsicherheit benachbarter Signalpunkte kleiner ist, 
als die grösste zulässige Abweichung zweier Messungen ihrer Ver- 
bindungslinie beziehungsweise als der höchste zulässige lineare Fehler 
eines sie verbindenden Polygonzugs. 



13 . 



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196 Steiff. Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in Württemberg. 



Bei einer Anzahl von 1,5 Signalpunkten auf den qkm wie solche» 
in Württemberg zutrifft (vgl. oben S. 180) berechnet sich die durch- 
schnittliche Entfernung eines Signalpunkts gegen seine 8 Nachbarn 
zu 985 m 

rund 1 000 m, 

welches auch im allgemeinen die mittlere Entfernung eines engen 
Detaildreiecksnetzes sein dürfte. 

Für diese Entfernung von 1 000 m geben die verschiedenen 
deutschen Vermessungsanweisungen als höchste zulässige Abweichung 
unter günstigen Verhältnissen die Grösse + 0,85 m. 

Aus den mittleren Koordinatenfehlern M z = M v — + 0,10 m 
findet sich der mittlere Punktfehler + 0,10 V2 == + 0,14m; 
nach den in Note >) näher nachgewiesenen Ermittelungen beträgt 
der Maximalfehler das 3fache des mittleren Fehlers, somit 

= ± 0,42 m 

somit die Hälfte obiger zulässsigen Abweichung. 

Hiebei ist jedoch zu berücksichtigen, dass der Wert d max unter 
Annahme des Zusammentreffens sämtlicher ungünstiger Fälle be- 
rechnet ist, während die zulässige Abweichung bei günstigen Ter- 
rain-Verhältnissen gilt, und für ungünstige Verhältnisse letztere 
sich nahezu verdoppelt. 

Hiedurch ist somit nachgewiesen, dass ein Detaildreiecksnetz, 
dessen relativer mittlerer Koordinatenfehler +0,10 m beträgt, für 
die praktische Landmessung recht wohl noch brauchbar ist, indem 
bei dem jetzigen Zustand unserer Längenmesswerkzeuge durch 
den Anschluss der damit ausgeführten Messungen an Punkte des 
Dreiecksnetzes das Messungsresultat nicht nur kontrolliert, sondern 
auch durch Ausgleichung verbessert wird. 

Hiemit ist nicht gesagt, dass nicht auch ich mit Vielen den frommen 
Wunsch hege, es möchte das württembergische Detaildreiecksnetz, 
welches einen relativen mittleren Koordinatenfehler von +0,10 m 
hat, einen geringeren etwa halb so grossen besitzen. Die Herbei- 
führung dieses Zustandes wäre jedoch nur durch eine Neutriangu- 
lierung möglich. Bedenkt man aber, dass die erste Triangulierung 
300000 Jk. kostete und eine jetzige neue Triangulierung wegen der 
veränderten Geldverhältnisse sich etwa auf das 1 Vs fache beliefen, 
so ist nach dem Vorgetragenen nicht zu verwundern, dass noch von 
keiner Seite, insbesondere aber auch nicht meinerseits, ein Antrag 
auf Neutriangulierung gestellt wurde.. 

Bei der Notwendigkeit, die Signalpunkte örtlich festzulegen und 
für den sicheren Bestand dieser Festlegung für einen längeren Zeit- 
raum zu sorgen, was bei einem Detaildreiecksnetz im allgemeinen 
wohl nicht zweckmässiger als mittelst Steinen und etwaiger unter- 
irdischer Versicherung geschehen kann, wird eine grössere Genauig- 
keit, als solche durch einen mittleren Koordinatenfehler von ^0,03 m 
bezeichnet ist, wohl nicht für die Dauer zu erhalten sein. 



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Schreiber. Sinus- und Cosinus-Qnadrant. 197 

Anders würde die Sache liegen bei einem mittleren relativen 
Koordinatenfehler von +0,5 m. In diesem Falle würde sich der 

mittlere Punktfehler d' = + 0,71 m 
und der Maximalfehler d' mal = + 2,1 m berechnen. 

Hier würde also schon der mittlere Koordinatenfehler nahezu 
die Grenze der zulässigen Abweichung erreichen, in vielen Fällen 
würde aber diese Grenze überschritten, teilweise bis zu dem 2 V, fachen 
Betrag der zulässigen Abweichung. Es würden somit die an das 
Detaildreiecksnetz anzuschliessenden Folygonzugs-(Detail-)Messungen 
nur teilweise kontrolliert, durch Ausgleichung auf die Resultate der 
Grundlage würden sie aber in sehr vielen Fällen nicht verbessert, 
sondern verschlimmert. 

Wie schon anfangs S. 179 erwähnt wurde, haben wir die zahl- 
reichen Citate der Ilammer’schen Schrift >Ueber den Verlauf der Iso- 
gonen etc.« und der daseihst Seite 26 gemachten Schätzung eines 
mittleren Koordinatenfehlers == + 0,5 m weniger zur Kritik jener 
Schätzung gemacht, als vielmehr daraus Veranlassung genommen, 
unsere nun 8jährigen Erfahrungen über die Genauigkeit der württem- 
bergischen Triangulierung mit Zahlennachweisen zu veröffentlichen, 
und dadurch zur richtigen Würdigung unserer Landesvermessung, 
welche seit Jahrzehnten der Stolz unserer Behörden war, und bei 
richtiger Fortführung auch bleiben wird, auch für weitere Kreise 
das Unsrige beizutragen. 

Stuttgart, Januar 1886. Steiff. 



Sinus- und Cosinus-Quadrant. 

Entworfen von C. Schreiber, Landmesser und Bergingenieur. 
Bekanntlich kommt wohl die Bestimmung des Sinus und Cosinus 
resp. der Seigerteufen und Sohlen am häufigsten bei Aufnahmen 
von Grubengebäuden vor, insofern mit Kompass und Gradbogen 
gezogen wird. Seither wurden beim Markscheiden in der Kegel 
die Seigerteufen und Sohlen durch eigens zusammengestellte Tafeln 
bestimmt; eine allgemein gebrauchte mechanische Vorrichtung zur 
Ermittelung obiger Zahlen ist mir nicht bekannt geworden. Durch 
die in Folgendem näher beschriebene Construction habe ich es 
daher ermöglicht, auch durch eine einfache mechanische Vorrich- 
tung die Seugerteufen und Sohlen zu bestimmen. 

Im Wesentlichen dürften die Vorzüge dieser Einrichtung gegen 
die bis jetzt gebräuchlichen Tabellen folgende sein : 

I. Die gewöhnlichen Markscheidertafeln zeigen die Tonnlage 
einer gespannten Messkette höchstens von 5 zu 5 Minuten, während 
mit dem vorliegenden Quadranten sich noch einzelne Minuten ein- 
stellen lassen, und 30 Sekunden durch Abschätzen. Derartige 



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198 



Schreiber. Sinus- und CosiDus-Quadrant. 



Resultate kann man nur durch Benutzung einer Sstelligen Loga- 
rithmentafel erhalten. 




II. Druckfehler etc. sind in den gewöhnlichen Tafeln nicht 
ausgeschlossen ; bei diesem Instrumente hat man aber mit einer 
geringen Anzahl Theilstriche zu thun und kann nach dem gegen- 
wärtigen Stande der Mechanik überzeugt sein, dass Fehler in der j 
Theilung von irgend welcher Bedeutung ausgeschlossen sind. 

III. Ist mit Hilfe dieses Instrumentes die Tonnlage und flache 
Länge eingestellt, die Nonienschlitten vorgeschoben, die Abnahme 
der Seigerteufen und Sohlen ausgeführt und niedergeschrieben, so 
kann von Neuem die Einstellung übersehen werden, und man ist auf 
diese Weise vor Irrthümern stets gesichert. Bei den Sinus- und 
Cosinustafeln ist indessen ein zweites Nachschlagen nöthig, welches 
erhebliche Zeit in Anspruch nimmt. 

IV. Der neue Sinus- und Cosinus-Quadrant ist nicht allein 
angenehmer im Gebrauche, sondern es wird auch ganz erhebliche 
Zeit gegen die üblichen Markscheider- und östelligen Logarithmen- 
tafeln gewonnen. Gegen eine ostellige Logarithmentafel wird mehr 
als die Hälfte der Zeit gespart, die Controlablesung mit einbe- 
griffen. 

V. Es wird nur eine mässige manuelle Fertigkeit verlangt, um 
mit dem Instrumente arbeiten zu können. 

Beschreibung. 

Der Sinus- und Cosinus-Quadrant besteht aus dem starken aus 
Stahl gearbeiteten Winkel A A, dem Kreisbogen B B der Al- j 
hidade G C und dem Sinus- und Cosinus-Dreieck I) D ; die Figur 



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Schreiber. Sinus- und Cosinus-Quadrant. 



199 



zeigt das Instrument in */b der natürlichen Grösse. Ersichtlich 
wird die Oeffnung des Winkels durch den Kreisbogen B B ge- 
schlossen, dessen Theilung bis zu sechstel Graden geht ; mit Hilfe 
des Nonius an der Alhidate C lassen sich noch '/» Minuten durch 
Abschätzen bestimmen. 

Das Sinus- und Cosius-Dreieck Dl) wird an den Enden durch 
Leisten F F getragen resp. gleitet auf denselben und steckt in 
der Spitze auf einem conischen Zapfen, der mit dem Schlitten G 
fest verbunden ist. Die Kanten der Stäbe D D sowie die der 
Alhidade sind getheilt und lassen sich durch die Schlittennonien 
G, ferner durch die Nonien E E, Stellungen von >/ 40 bis l /so nim 
abnehmen. 

Unter allen Umständen ist es erforderlich, dass das Instru- 
ment sehr exakt gearbeitet ist, insbesondere müssen die Leisten 
F F zu einander eine genaue rechtwinklige Lage haben, ein 
Gleiches gilt für die beiden Sinus- und Cosinus-Stäbe DD. 

Um den Stäben DD bei einer jeden beliebigen Lage der 
Alhidade C zu den Leisten FF eine genaue rechtwinklige Lage 
geben zu können, ist der eine Nonius E verlängert. Deckt sich 
die Stabkante D mit der des Nonius E zu einer feinen Linie, so 
ist eine genaue rechtwinklige Lage zu den Leisten F vorhanden; 
dieselbe Lage trifft dann auch für den andern Stab zu. 

Sollen mit dem Instrumente Sinus- und Cosinus-Bestimmungen 
vorgenommen werden, so ist es zunächst erforderlich, dass das 
Instrument auf einer gut geebneten Tischfläche steht und gegen 
den Beschauer die Lage der Zeichnung hat. Sodann führe man 
die beiden Schlittennonien EE au die Enden der Leisten zurück, 
erfasse mit den Händen die Stützenfüsse H H und stelle den 
Nonius des Schlittens G auf die gemessene Länge ein, wozu man 
auch die angebrachte Lupe benutzen kann. Nach Ausführung 
dieser Arbeit ist die Alhidade zu klemmen, die Schlittennonien EE 
vorzuschieben, der eine Stab rechtwinklig zu stellen und die Sinus- 
und Cosinus-Abnahme vorzunehmen. 

Nachstehend führe ich auch eine Anzahl mit einem derartigen 
Instrumente ausgeführter Sinus- und Cosinus-Bestimmungen auf, 
welche zeigen, dass das Instrument nicht allein der markscheide- 
rischen Praxis vollständig genügt, sondern auch einer grösseren 
Anzahl anderer Anforderungen entspricht. (S. 200.) 

Die Bezifferung des Kreisbogens ist derart, dass ohne weitere 
Umstände die Zahlen gewonnen werden können , um nach Länge 
und Breite zulegen zu können, insofern der zum Ziehen benutzte 
Kompass eine Theilung nach Graden besass. 

Der rühmlichst bekannten Firma F. W. Breithaupt & Sohn 
in Cassel habe ich die Anfertigung des Quadranten übertragen, 
derselbe ist von diesem Institute in vorzüglichster Ausführung, sammt 
Zubehör in Mahagonikasten, zum Preise von 340 Mk. zu beziehen. 
Ausserdem wird jedem Instrumente eine ausführliche Gebrauchs- 
anweisung beigegeben. 



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■W j‘- ^ry^m - arsp t^T 



JGO Schreiber. Sinus- und Cosinus-Quadrant. 



Fluche 

Längen. 


Tonnlage. 

°l '1 ' 


Mit dem Quadranten 
bestimmte Seigerteufen j 
und Sohlen. 


Mit einer 5stelligen 
Logarithmentafel 
bestimmte Seigerteufen 
und Sohlen. 


44.4 


1 2 


0.79 


44.39 


0.8007 


44.40 


88.4 


1 10 


1.80 


88.38 


1.80 


88.38 


99.2 


5 20 


9.23 


98.77 


9.221 


98.77 


88.3 


5 43 


8.80 


87.86 


8.795 


87.86 


50.2 


6 2 ! 


5.27 


49.92 


5.276 


49.92 


44.3 


7 4 


5.44 


43.97 


5.450 


43.96 


50.3 


20 6 


17.29 


47.23 


17.29 


47 23 


77.2 


29 14 


37.51 


67.48 


37.51 


67.48 


SO.« 


30 6 


40.44 


69.73 


40.42 


69.73 


100.0 


45 0 


70.71 


70.71 


70.71 


70.71 


84.4 


50 1 


64.65 


54 23 


«4.67 


54.23 


87.« 


«6 2 


80.01 


35.56 


80.04 


35.58 


188.25 


9 9 


29.95 


1 85.85 


29.935 


185.86 


194.35 


80 4 


191.40 


33.50 


191.40 


33.525 


18.455 


10 1 « 


3.289 


18.158 


3.2892 


18.159 


19.435 


11 20 1 


3.822 


19.054 


3.419 


19.056 


18.465 


10 4 jj 


3 220 


18.179 l! 


3.227 


18.18 


0.45« 


18 4 


0.1412 


0.4335 


0.1414 


0.4335 


12.465 


80 44 


12.298 


2.001 


12.30 


2.0007 


59.44 


66 2 


54.30 


24.140 


54.31 


24.145 


60.32 


58 I 14 ! 


51.27 


31.75 


51.28 


31.75 


70.44 


70 I 10 


66.26 


23.88 


66.26 


23.90 


92.44 


89 19 


92.42 


1 .08 


92.43 


1.1025 


88.32 


85 6 ä 


87.98 


7.54 


87.99 


7.544 


0.94« 


18 I 20 


0.2978 


0.8979 


0.2976 


0.8980 


0.432 


12 14 


0.0915 


0.4222) 


0.09154 


0.4222 


0.746 


12 I 20 


0.1594 


0 7287 


0.1594 


0.7288 


1.988 


LS 4 


0.6165 


1.890 


0.6165 


1.890 


1.644 


17 2 


0.4815 


1.57201 


0.4816 


1.572 


1.322 


20 12 


0.4555 


1.2405! 


0.4565 


1241 | 


1.166 


12 50 


0.2585 


1.13701 


0.2590 


1.135 


1.462 


10 4 


0.2550 


1.4395 


0.2556 


1.440 


1.315 


9 3 1 


0.20C5 


1.295 


0.2069 


1.299 | 


1.111 


6 2 ! 


0.1162 


1.145 i 


0.1168 


1.105 ! 


1.642 


89 2 


1.6412 


0.275 1 


1.642 


0.2770. 



Grombach bei Siegen, den 23. Februar 18SG. 



C. Schreiber, Landmesser und Bergingenieur. 



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Kleinere Mittheilungen. 



201 



Kleinere Mittheihingen. 

Oie Vorstandschaften der Zweigvereine des Deutschen Geometervereins. 

Von Gerke. 

Es ist mehrfach der Wunsch geäussert, die Vorstandschaften 
der Zweigvereine des Deutschen Geometervereins in der Zeitschrift 
für Vermessungswesen mitzutheilen. Indem wir diesem Wunsche 
nachkommen, bitten wir die Zweigvereine, die Zusammenstellung 
ihrer Vorstandschaften uns nach stattgehabter Wahl baldmöglichst 
mittheilen zu wollen. 

Der Deutsche Geometerverein hat 13 Zweigvereine. 

Die Neuwahlen der Vorstandschaften aller nachstehender Ver- 
eine erfolgen in der Regel jährlich. 

1. Brandenburgischer Geometerverein. Wahl am 27. 

Februar 1886. Sämmtliehe Vorstandsmitglieder haben ihren 
Wohnsitz in Berlin. Vorsitzender: Obergeometer Dross, Alvens- 
lebenstrasBe 13. Stellvertretender Vorsitzender: Landmesser 

Ottsen (Stadtvermessung). Schriftführer : Landmesser Tasler. 
Stellvertretender Schriftführer: Landmesser und Kulturingenieur 
Scholz (Stadtvermessung). Rechnungsführer: Technischer Eisen- 
bahnsekretär Baluscheck. 

2. Gasse 1 e r G e o m e t er v er e i n. Wahl am 19. Juli 1885. Vor- 
sitzender: Vermessungsrevisor Vogel. Stellvertretender Vorsitzen- 
der: Feldmesser Werner. Erster Schriftführer : Regierungssekretär 
und Feldmesser Bunge. Zweiter Schriftführer und Bibliothekar: 
Vermessungsrevisor Wolff. Kassirer : Vermessungsrevisor Baenitz. 
Sämmtliehe Vorstandsmitglieder haben ihre Wohnsitze in Cassel. 

3. Elsass-Lothringischer Geometerverein. Wahl am 
7. Juni 1885. Vorsitzender: Steuerkontroleur Bauwerker in 
Strassburg. Stellvertretender Vorsitzender: Geometer Ehrhardt 
in Harskirchen. Schriftführer: Geometer und Kulturtechniker 
Mezger in Colmar. Stellvertretender Schriftführer: Kataster- 
supernumerar Blum in Hatten. Kassirer: Steuerkontroleur Kremer 
in Strassburg. 

4. Hannoverscher Landmesserverein. Wahl am 14. März 

1886. Vorsitzender: Steuerrath Ulrich in Hannover, Volgers- 
weg 14. Stellvertretender Vorsitzender: Vermessungsdirektor 

Gerke in Altenburg (S.-A.). Schriftführer und Bibliothekar: 
Technischer Eisenhahnsekretär Hölscher in Hannover, Gretchen- 
strasse 15. Stellvertretender Schriftführer: Katastersekretär Jahr 
in Hildesheim. Kassirer: Eisenbahnlandmesser Kühne in Hannover. 
Stellvertretender Kassirer: Landmesser Hammer, Vorsteher des 
städtischen Vermessungsamts in Hannover. 

5. Mecklenburgischer Geometerverein. Wahl am 13. Fe- 
bruar 1886. Vorsitzender: Distriktsingenieur Erdmann in Güstrow. 
Stellvertretender Vorsitzender: Kammeringenieur Müffelmann in 
Schwerin. Schriftführer : Kammeringenieur Günther in Schwerin. 



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202 



Kleinere Mittheilungen. 



Stellvertretender Schriftführer: Forstgeometer Mühlenbruch in 
Schwerin. Kassirer: Vermessungsingenieur Vogeler in Schwerin. 

6. Ost- und Westpreussischer Geometerverein. Die 
Vorstandschaft ist seit dem 12. August 1883 dieselbe geblieben. 
Vorsitzender: Steuerinspektor Kohmann zu Königsberg i. Pr. 
Schriftführer: Katasterassistent Schneider in Königsberg i. Pr. 
Kassirer: Katasterassistent Giese in Gumbinnen. 

7. Pfälzischer Geometerverein. Wahl am 28. Februar 
1886. Vorsitzender: Bezirksgeometer Wagner in Speier. Kassirer: 
Bezirksgeometer Hoiderer in Neustadt. Schriftführer : Bezirks- 
geometer Bosch in Winnweiler. 

8. Rheinisch -W estfälischer Feldmesserverein. Wahl 
am 13. Juli 1885. Vorsitzender: Stadtgeometer Heidenreich in 
Essen. Stellvertretender Vorsitzender: Eisenbahnlandmesser Mer- 
tins in Essen. Schriftführer: Landmesser Hofacker in Düssel- 
dorf. Stellvertretender Schriftführer: Landmesser Westerhoff in 
Haspe. Kassirer: Eisenbahnlandmesser Schubbeus in Elberfeld. 

9. Württembergischer Oberamtsgeometerverein. 
Wahl Juli 1885. Vorstand: Oberamtsgeometer Beutler in 
Göppingen. Schriftführer und Kassirer: Oberamtsgeometer Bode 
in Nürdingen ; sowie die Ausschussmitglieder: Oberamtsgeometer 
Gehring in Blaufelden, Oberamtsgeometer Hornung in Heilbronn, 
Oberamtsgeometer Hörz in Waiblingen, Oberamtsgeometer Braun 
in Ravensburg, Oberamtsgeometer Fuchs in Gmünd. 

10. Mittelrheinischer Geometerverein. Wahl am 11. Februar 
1883, welche zurZeit noch giltig ist. Vorsitzender: Vermessungs- 
revisor Kreis in Wiesbaden. Schriftführer: Revisionsgeometer 
Bergauer in Darmstadt. Kassirer: Scklag, Geometer I. Klasse 
in Bingen. 

(Fortsetzung folgt.) 



Verhandlungen Uber Photogrammetrie 

im Preussischen Abgeordnetenhaus, 42. Sitzung vom 16. März. 

Aus der Nationalzeitung vom 16. März Nr. 179 entnehmen wir 
hierüber Folgendes : 

Titel 60. (Für Anwendung und Ausbildung des photogranme- 
trischen Aufnahmeverfahrens.) 

Abg. Goldschmidt bedauert die Forderung von 20000Mk. nicht be- 
willigen zu können, so warm er sich auch im vergangenen Jahre für die 
damalige Forderung von lOOOOMk. ausgesprochen habe, und so sehr 
er die Bestrebungen der königlichen Staatsregierung anerkenne, der 
Photographie neue Wirkungskreise zu eröffnen. Sowohl die vor- 
jährigen Ausführungen des Herrn August Reichensperger, als meine 
eigenen sind missverstanden worden. Auch ich wünsche, dass der 



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Kleinere Mittheilungen. 



203 



Sinn und das Interesse für unsre alten Baudenkmäler in unsrer 
Heranwachsenden Jugend mehr gehegt und gepflegt werde, als es 
bisher geschehen, und wenn der Herr Unterrichtsminister einmal 
eine Summe fordert zur Vertheilung guter und billiger Photogra- 
phien jener ehrwürdigen Baudenkmäler, an denen unsere Vorfahren 
mit Liebe hingen, und welche die Neuzeit, nicht immer pietätvoll, 
niederreisst, in unseren Schulen, ich würde ihm gern eine solche 
bewilligen. Aber diese photographischen Architekturaufnahmen, 
welche dem Laien ein Bild des aufgenommenen Gegenstandes geben 
sollen, haben mit der Photogrammetrie gar nichts zu tliun. Die 
Photogrammetrie dient der Messung. Hier ersetzt die Photographie 
das langwierige Abmessen an den Gebäuden selbst mit Zollstock 
und Winkelmass. Und ferner bezweckt die Photogrammetrie die 
Aufnahme von Landschaften behufs Anfertigung topographischer 
Karten. Es liegt mir daran, hier aufmerksam zu machen, dass 
das photogrammetrische Verfahren nach diesen beiden Richtungen 
hin schon seit längerer Zeit auch von anderer Seite gepflegt wird, 
und das mit unbestrittenem Erfolg, und ohne dass man dafür An- 
forderungen an den Staat stellt. Dr. Jordan an der technischen 
Hochschule zu Hannover, der die Jiohlfs ' sehe Sahara-Expedition 
mitgemacht, hat nach photogrammetrischen Aufnahmen von RemeU, 
eines Schülers unserer technischen Hochschule, jene bekannte Karte 
der Oasen-Stadt Gassrwachel in der libyschen Wüste angefertigt. 
Unsere Berliner technische Hochschule besitzt einen Dozenten für 
Photogramraetrie. Der Architekt lies, ebenfalls ein Schüler unserer 
technischen Hochschule, hat mit eigenem Apparat den Dom zu 
Offenbach aufgenommen und in fast metergrossen, geometrischen 
Zeichnungen alle Masse und Konsruktionsverhältnisse des herrlichen 
Bauwerks niedergelegt. Derselbe Architekt weilt gegenwärtig in 
Kleinasien, um im Aufträge der Akademie der Wissenschaften die 
dortigen Kunstdenkmäler aufzunehmen. Sie sehen also, dass ein 
Theil der Arbeit auf privatem Wege gethan wird. Dazu kommen 
die vielfachen Publikationen auf diesem Gebiet aus der Feder hoch- 
verdienter Männer. Ich würde mich freuen, wenn die Kommission 
zur Erhaltung der Kunstdenkmäler eine Summe erhalten würde, 
damit auch Bauwerke, welche die Privatthätigkeit nicht aufnimmt, 
durch photogrammetrische Aufnahmen auch in ihren Massen fest- 
gehalten werden. Ich muss aber wiederholen, dass der Zweck, zu 
dem wir im vergangenen Jahre eine Summe bewilligt haben, nicht 
erreicht werden kann. Den Zwecken, welche das hohe Haus im 
Auge hatte, dient am besten der photographische Kunsthandel. 
Von ihm wird fast Alles, was an Baudenkmälern nennenswerth ist, 
aufgenommen und, durch die Konkurrenz gezwungen, auch billig 
in den Handel gebracht. Aufgabe der Photogrammetrie aber ist 
es nicht, gefällige Blätter für das Laien-Publikum zu liefern. Der 
Herr Minister hatte im vergangenen Jahre uns einige Blätter photo- 
grammetrischer Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Ich habe hier 
die Nikolai-Kirche zur Hand. Ich kann nur sagen, dass diese in ihren 



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204 



Kleinere Mittheilnngen. 



übertriebenen, wenn auch zweifellos geometrisch richtigen Verhältnis- 
sen wohl dem Zwecke der Messung dienen, aber dem Laien kein an- 
schauliches Bild dieser ältesten Kirche Berlins geben. Könnte ich 
meinen Wünschen folgen, so würde ich die eine Hälfte der gefor- 
derten Summe der Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler, 
eie andere Hälfte den technischen Hochschulen in Berlin und Han- 
nover zur Verbesserung und zur Neuanschaffung ihrer photogram- 
metrischen Apparate bewilligen. Eine solche Vertheilung einer im 
Etat geforderten Summe widerspricht aber der Praxis dieses Hauses, 
und so muss ich mich auf die Bitte beschränken, die Forderung 
von 20000 Mk. abzulehnen. 

Minister Dr. von Gossler : Ich hätte mich sehr gefreut, wenn 
ich vor drei Jahren eine so warme Befürwortung der Photogram- 
metrie in diesem Hause getroffen hätte. Damals trat man ihr 
kühl gegenüber. Wenn der Vorredner seine Kritik auf eine spezielle 
Seite der Frage gerichtet hat, so kann ich hervorheben, dass ich 
sehr eingehende Versuche habe anstellen lassen, um den Werth 
der Photogrammetrie festzustellen und dieselbe zu verbreiten. Dass 
zwei Lehrstühle der Photogrammetrie bestehen, ist nicht richtig; 
die Lehrer der Geodäsie haben dieselbe nur zu meiner Freude in 
ihre Vorlesungen aufgenommen. Wir sind mit unseren Versuchen 
über die Photogrammetrie noch lange nicht zu Ende; leugnen 
lassen sich die grossen Fortschritte derselben nicht. Das Ziel, 
welches wir erreichen wollen, ist, dass es uns gelingt, Aufnahmen 
herzustellen, welche bis in die kleinsten Einzelheiten sämmtliche 
Verhältnisse der aufgenommenen Gebäude wiedergeben. Wir ver- 
suchen die Apparate immer mehr zu vereinfachen. Ich kann ver- 
sichern, dass wir die Feldmesskunst dabei hinter die Aufnahme der 
Gebäude nicht zurücksetzen werden. 

Abg. Goldschmidt (persönlich) weist darauf hin, dass bereits 
bei Gelegenheit der libyschen Expedition im Jahre 1873 — 1874 in 
■der von ihm geschilderten Weise vorgegangen sei. 

Der Titel wird bewilligt. 

Es ist uns inzwischen der stenographische Bericht jener Verhandlung im 
Abgeordnetenhause, abgedruckt in den) photographischen Wochenblatt “ 1. April 
1886, Nr. 13, zugeschickt worden. Auf die daselbst S. 101-102 zugefügten 
Bemerkungen werden wir vielleicht gelegentlich antworten. J. 



Topographische Spezialkarte (Reymann) von Mittel - Europa im Mass- 
stabe 1:200 000. 

Die Sektionen der Topographischen Spezialkarte von Mittel- 
Europa im Massstabe 1:200000 sind einer Umnumerirung unter- 
zogen worden. Ein bezügliches neues Uebersichts- Blatt ist an- 
gefertigt und kann von der Amelang’schen Sortiments-Buchhandlung 



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Literaturzeitung. Personalnachrichten. 



205 



hierselbst (Leipzigerstrasse 133), durch welche die Expedition der 
Karte erfolgt, kostenfrei bezogen werden. 

Berlin, den 19. März 1886. 

Königliche Landesaufnahme. Kartographische Abtheilung, 
(gez.) Steinhausen , 

Oberst- Lieutenant und Abtheilungs-Chef. 



Personalnachrichten. 

Steuerrath Vorländer f. 

Minden, den 12. März. Einer der besten Veteranen unserer 
Wissenschaft, Herr Steuerrath Vorländer, ist vorgestern in dem 
hohen Alter von 87 Jahren aus dem Leben geschieden. Fast ein 
Vierteljahrhundert gehörte der Entschlafene dem Stadtverordneten- 
beziehungsweise dem Magistratskollegium in Minden an. ln beiden 
Ehrenstellungen hater stets zum Wohle der Stadt rastlos, undohne 
Aufsehen zu machen, gewirkt. Steuerrath Vorländer hatte ursprüng- 
lich die Absicht, sich dem Forstfache zu widmen, liess sich indess 
aus Vorliebe für mathematische Wissenschaften bestimmen, bei der 
Bildung der Kommissionen für die Ausführung der Katasterver- 
messung in den Provinzen Rheinland und Westfalen bei der des- 
fallsigen Kommission in Arnsberg 1820 als Mitglied einzutreten. 
Als Vermessungsrevisor ernannt, leitete er von da ab die Vermes- 
sungen im Regierungsbezirk Minden, wobei er zugleich.' die ihm 
übertragene Triangulation höherer Ordnung daselbst mit solchem 
Eifer ausführte, dass er, um möglichst genaue Resultate zu erzielen, 
zu diesem Zweck in der Werkstatt der Mechanikers Breithaupt in 
Cassel einen grossen Theodoliten auf eigene Kosten anfertigen liess, 
womit er die sorgfältigsten Winkelmessungen auslührte. Nach 
Vollendung der Katastervermessung im Jahre 1834 wurde derselbe 
bei der Königlichen Regierung zu Minden, wo inzwischen die Ver- 
messungsakten für den Regierungsbezirk niedergelegt waren, als 
Katasterinspektor mit der Fortführung des Katasters betraut und 
zugleich als Mitglied der Prüfungskommission für die F’eldmesser- 
kandidaten ernannnt. Unter seiner Mitwirkung wurden in den 
Jahren 1840 bis 1850 die Vermessungen der Landeshoheitsgrenzen 
zwischen dem Königreiche Preussen einerseits und dem Königreiche 
Hannover, Herzogthum Braunschweig und Fürstenthum Waldeck 
ausgeführt, und die Anfertigung der Specialkarten von den Kreisen 



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206 



Personalnaehrichten. 



ties Regierungsbezirks Minden und eine Uebersichtskarte des Regie- 
rungsbezirks besorgt. Sodann unterzog er sich auf Ansuchen der 
Weserufer-Staaten der Anfertigung der Specialkarten und der Ueber- 
siehtskarte des Weserlaufs vom Zusammenfluss der Werra und Fulda 
bis zur Mündung der Weser in die Nordsee. Seine umfangreiche 
Wirksamkeit wurde von den Kronen Preussen und Hannover sowie 
von den Fürsten zu Waldeck, Lippe und Lippe-Schaumburg durch 
Verleihen von Orden gewürdigt. Bis zur Zeit seiner Pensionirung 
war er bestrebt, sich auf der Höhe der Wissenschaft für das Ver- 
messungswesen zu halten. Jeder Fortschritt in der Theorie desselben 
sowie in der Anfertigung vervollkommneter Instrumente erweckte 
sein Interesse und er suchte letztere durch Erläuterungen für die 
Praxis nutzbar zu machen. Zahlreiche wissenschaftliche Beiträge 
für die Zeitschrift für Verinessungswesen geben Zeugniss von 
seinem rastlosen Bestreben. Von der Liebe und Verehrung, die 
er sich bei den ihm untergeordneten Beamten erworben hatte, 
zeugt es, dass ihm bei seinem 50jährigen Dienstjubiläum ein pracht- 
volles Album und eine kostbare Tafeluhr von denselben gewidmet 
wurde, und seine Verdienste um das städtische Gemeinwohl in der 
Stadt Minden wurden von der Bürgerschaft durch Uebertragung 
mehrerer Ehrenämter anerkannt. 

Ueber die geodätischen Einzelheiten von Vorländers Thätigkeit 
haben wir schon früher in dem Werke »Deutsches Vermessungs- 
wesen« von Jordan und Steppes Seite 17 berichtet. 

Wir kounten damals des Verstorbenen Verdienst in die Worte 
zusammen fassen : 

So verdanken wir also die Begründung eines Triangulirungs- 
netzes erster Ordnung im Preussisehen Regierungsbezirk Minden 
dem wissenschaftlichen Privatinteresse eines Beamten, welcher nach 
dem Schlüsse der Katastervermessungen noch nachholte, was von 
Amtswegen vorher hätte geschehen sollen. 



Nachruf. 

Einen schweren Verlust hat unser Verein durch den am 23. 
d. M. eingetretenen Tod des lieben Kollegen, 

Katasterkontroleur Martin Clotten 

hierselbst, erlitten, welcher als eifriges Mitglied und als stellver- 
tretender Vorsitzender seit dem Bestehen des Vereins sich grosse 
Verdienste um denselben erworben hat. 

M. Clotten wurde 1842 zu Boppard a/Rh. geboren, widmete 
sich dem Katasterfache und machte im Jahre 1862 das Feldmesser- 



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Personal nach richten. 



207 



examen. Dann war derselbe zunächst bis 1865 bei den Grund- 
steuerveranlagungsarbeiten im Regierungsbezirk Stettin thätig, ge- 
nügte seiner Militairpflicht, wurde 1866 Katastersupernumerar in 
Posen, ging im Jahre 1868 zu den Grundsteuerregulirungsarbeiten 
des Regierungsbezirks Cassel über und machte im Jahre 1870 den 
Feldzug gegen Frankreich mit. Glücklich zurückgekehrt, wurde 
derselbe im Jahre 1871 zu den Grenzregulirungsarbeiten zwischen 
Deutschland und Frankreich verwendet und nach Beendigung dieser 
Arbeiten nach Hannover versetzt, wo er zuerst als Katatersekretär 
und seit Mai v. J. als Katasterkontroleur mit Erfolg thätig ge- 
wesen ist. 

Auch in wissenschaftlicher Hinsicht hat sich der Verstorbene 
vielfach ausgezeichnet ; nicht nur, dass er an unserer Vereinsschrift 
ein fleissiger Mitarbeiter war, sondern auch in der Zeitschrift für 
Vermessungswesen hat er eine grosse Anzahl Aufsätze veröffentlicht, 
von denen besonders die Geschichte des Vermessungswesens im 
ehemaligen Königreich Hannover und die Ausgleichung der Polygon- 
züge hervorzuheben sind. Auch an dem Werke »Das deutsche Ver- 
messungswesen von Jordan und Steppes< hat er als Mitarbeiter 
gewirkt. 

Clotten zeichnete sich nicht nur durch Fleiss und Tüchtigkeit 
in seinem amtlichen Berufe aus, sondern vornehmlich durch seinen 
braven und edlen Sinn, durch sein treues herzliches und kolle- 
gialisches Wesen, und erwarb sich hierdurch einen grossen Kreis 
von Freunden, welche mit uns das frühe Dahinscheiden des ver- 
ehrten Kollegen tief bedauern und ihm ein dauerndes Andenken 
gewiss bewahren werden. 

Hannover, Ende März 1886. 

Der Vorstand des Hannoverschen Landmesservereins. 



Der Katasterkontroleur, Steuerinspektor Ludwig Schule in 
Breslau ist zum Katasterinspektor ernannt und demselben die Ka- 
tasterinspektorstelle bei der Königlichen Regierung zu Stralsund 
verliehen worden. 

Der Vermessungsrevisor Niemeyer ist zum Yermessungsinspektor 
bei der Generalkommission in Hannover, und 

der Vermessungsrevisor Ruckdeschel zum Vermessungsinspektor 
bei der Generalkommission in Düsseldorf ernannt worden. 

Diiher , Katasterkontroleur in Emden, und Clotten , Kataster- 
kontroleur in Hannover, sind verstorben. 

Dem Katasterassistent Gleininger bei der Regierung zu Arns- 
berg ist zum 1. Mai unter Beförderung zum Katasterkontroleur das 
Katasteramt Wolfhagen, Regierungsbezirk Cassel, übertragen. 



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208 



Personalnachrichten. Briefkasten. 



Der Katasterkontroleur Steuerinspektor Besig von Lissa ist der 
Charakter als Rechnungsrath verliehen worden. 

Der Katasterassistent George in Gumbinnen ist zum Kataster- 
sekretär daselbst befördert, 

der Katastersekretär Tschersich in Gumbinnen in gleicher Dienst- 
eigenschaft nach Posen versetzt und 

der Katastersekretär Konkiel in Breslau zum Katasterkontroleur 
für das Katasteramt Breslau I. ernannt worden. 



Dem Markscheider Ewald Overhoff aus Holzen, Kreis Dort- 
mund, ist von uns heute die Koneession zur Verrichtung v on Mark- 
scheiderarbeiten für deu Umfang des preussischen Staats ertheilt 
worden. 

Klausthal, den 19. März 1886. 

Königliches Ober-Bergamt. 

(gez.) Achenbach. 



Briefkasten. 

An den Thüringischen Geometerverein ! 

Ihre Mittheilung wird im nächsten Hefte der Zeitschrift abge- 
druckt werden. Es ist Vorsorge getroffen, dass künftig alle Vereins- 
angelegenheiten und Mittheilungen von Zweigvereinen stets im 
nächsten Hefte nach der Einsendung zum Abdruck gebracht werden. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlungen : lieber die Genauigkeit des Detaildreiecksnetzes in 
Württemberg, von Steiff. — Sinus- und Cosinus-Quadrant, von Schreiber. Kleinere 
Mittheilungen: Die Vorstandschaften der Zweigvereiue des Deutschen Geometer- 
vereins, von Gerke. — Verhandlungen über Photogrammetrie im Preussischen 
Abgeordnetenhaus, 42. Sitzung vom IG. März. — ßeymann’s Topographische 
Spezialkarte von Mittel-Europa im Maassstabo 1:200000. Personalnachrichten. 
Briefkasten. 



Kttrisrulie. Druck von MaUch & Vogel. 



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r > 



209 

ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppe», Steuerassessor in München, und 
li. OerJce, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1886. Heit 9. Band XT. 

1. Mai. 



Die Neuvermessung der Stadt Berlin. 

Schon im Jahrgang 1881 der Zeitschrift S. 11 — 21 ist ein 
Bericht über die auf der Berliner Gewerbeausstellung vom Jahre 
1879 ausgelegenen Vermessungswerke der Neuvermessung von Berlin 
veröffentlicht worden , von welchem wir hier die Zeichnung des 
Triangulirungsnetzes nochmals hersetzen. 




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210 Klinkert. Die Neuverraessung der Stadt Berlin. 



Coordinate n: 



Rathhausturm 


+1 1 
II 

5sv 


0,000 


x = + 


0,000 


Marienthurm 


113,922 


+ 


228,810 


Raueuberg 


— 


2852,675 




7405,558 


Charlottenburg 


— 


7639,309 


+ 


270,798 


Kahlenberg 


— 


5156,279 


+ 


5384,764 


Heinersdorf 


+ 


1368,613 


+ 


5354,701 


Hohenschönhausen 


+ 


5451,982 


+ 


3187,515 


Friedrichsfelde 


4 * 


7622,639 


— 


644.761 


Britz 


+ 


2773,894 


— 


7070.443 



Nachdem nun das Vermessungswerk erheblich weiter fortge- 
schritten ist, dürfte es von Interesse sein, hierüber weiter zu 
berichten. 

Einsender dieses Berichtes (Mitglied des Berliner Neuvermes- 
sungs-Personals) hat vor Kurzem einen Vortrag über die Neuver- 
messung und das Nivellement von Berlin gehalten, dessen Haupt- 
inhalt hier, unter Verweisung auf die schon in der Zeitschrift 1881 
S. 11 — 21 veröffentlichten Theile mitgetheilt wird: 

Das Nivellement zur Bestimmung fester Höhenpunkte in den 
Strassen der Stadt ist im Anschluss an die Seitens der Königlichen 
Landesaufnahme durch geometrische Präcisionsnivellements bestimm- 
ten Höhenfestpunkte ausgeführt worden. Alle Nivellementszüge sind 
zweimal durch verschiedene Techniker mit anderen Instrumenten 
und Lattenpaaren von gleicher Construktion (aus der Werkstatt des 
Mechanikers Karl Bamberg in Berlin) nivellirt worden. Die Fernrohre 
mit 30maliger Vergrösserung, 37™ Brennweite und 35 mm Oeffnung, 
mit festverbundenen Libellen von 10 Sek. Angabe versehen, können 
in den Lagern umgelegt werden. Die Latten sind in Doppelniilli- 
meter eingetheilte Reversionslatten von 3 1 " Länge. Die Bezifferung 
wächst (in Doppeldecimetern) auf der Vorderseite aufwärts von 0 
bis 15, auf der Rückseite abwärts von 15 bis 30. Die Theilung der 
Rückseite ist gegen die der Vorderseite um ein Doppelmillimeter 
derartig verschoben, dass 1,500 der Vorderseite 1,501 der Rückseite 
entspricht. Alle Höhenbeobachtungen haben von der Mitte aus mit 
Zielweiten von 20 — 80, im Durchschnitt 50 Metern, mit doppelten 
Wechselpunkten stattgefunden. 

Das Nivellement wurde begonnen mit der Bestimmung von 
Höhenfestpunkten in der sogenannten Schleife um Berlin, in welcher 
von der Landesaufnahme in grösseren Entfernungen Nivellemeuts- 
fixpunkte gesetzt waren. Im Anschluss an diese Schleife wurde 
zunächst durch 10 grosse Nivellementszüge ein Fixpunkt im Zentrum 
der Stadt (Treppenstufe am Denkmal Friedrich Wilhelm des Dritten 
im Lustgarten) sehr genau bestimmt. 

Die grösste Differenz, welche hierbei zur Ausgleichung gekommen 
ist, beträgt 7,4 lm " auf einen Zug von 3600'“ Länge. Durch diese 
10 Hauptzüge wurde die innere Stadt in 10 Polygone zerlegt, welche 
wiederum , entweder durch Verknotung mehrerer Züge innerhalb 
des Polygons, in kleinere Polygone getheilt worden sind, oder durch 





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Klinkert. Die Neuvermessung der Stadt Berlin. 211 

Züge von einem bekannten Punkt zum andern. Die Feststellung 
der Höhe der Knotenpunkte ist nach Massgabe der Gewichte der 
einzelnen Züge, welche aus den reciproken Werthen der Länge der- 
selben, und der Anzahl der Instrumentenaufstellungen gebildet sind, 
geschehen. Die Fehler in den einzelnen Zügen sind den Aufstellungen 
proportional vertheilt worden. Oftmals sind Züge, namentlich 
Hauptzüge, welche bereits zur Bestimmung eines Knotenpunktes 
gedient haben, zerlegt, und bevor eine F’ehlervertheilung stattgefunden, 
zur Bestimmung eines zweiten Knotenpunktes verwendet, und darnach 
erst ausgeglichen worden. 

Auch ausserhalb der Schleife um Berlin wurden die Fixpunkt- 
nivellements an die auf den Chausseen errichteten Höhenfestpunkte 
der Landesaufnahme angeschlossen, in Polygonen, Knotenpunkten 
oder einzelnen Zügen ausgeglichen, ganz, wie innerhalb der Schleife. 

Die nach der Instruktion für Ausführung des Fixpunktnivellements 
grössten zulässigen Differenzen sind folgende: 



2>uin 


bei Strecken bis 


zu 50 m Länge. 




3 > 


> 


> 


von 


50— 100“ 


Länge. 


4 » 


> 


> 


> 


100— 250» 


> 


5 > 


> 


> 


> 


250— 500 > 


> 


6 » 


> 


> 


> 


500 — 750 > 


> 


7 > 


> 


> 


> 


750- 1000» 


> 


8 > 


> 


> 


> 


1000— 1500» 


> 


9 » 


> 


> 


> 


1500— 2000 > 


> 


10 » 


> 


> 


> 


2000— 2500 > 


> 


11 > 


> 


> 


> 


2500— 3000 > 


> 


12 > 


> 


> 


> 


3000- 4000» 


> 


13 » 


> 


> 


> 


4000— 5000 > 


> 


14 » 


> 


> 


> 


5000— 6000» 


> 


15 > 


> 


> 


> 


6000— 7000 > 


> 


16 > 


> 


> 


> 


7000— 8000 > 


> 


17 » 


> 


> 


> 


8000— 9000 > 


> 


18 » 


> 


> 


> 


9000—10000 > 


> 


19 > 


> 


> 


> 


10000—11000» 


> 


20 > 


> 


> 


> 


11000—12000» 


> 



Die Fixpunkte bestehen zum grössten Theil aus eisernen Bolzen, 
welche in Mauern und Gebäuden eingelassen, und durch Cement 
befestigt sind. Im freien Felde sind l' k "‘ starke und l ra lange eichene 
Pfähle vergraben und festgerammt, auf deren oberer Fläche ein 
Kupfernagel mit hohem Kopf den Fixpunkt markirt. Bis jetzt sind 
rund 4000 Fixpunkte durch das Präcisionsnivellemcnt bestimmt, 
und durch Druck veröffentlicht. 

Die Fortschreibung. 

Jedes Vermessungswerk wird in Folge der fortwährenden Ver- 
änderungen, denen eine Feldmark durch Anlage von Wegen und 
Eisenbahnen etc., durch Parcellirungen, Culturanlagen, Erbauen von 
Gebäuden u. s. w. ausgesetzt ist, einer von Zeit zu Zeit eintretenden 




• TTfr-r»- tkj 

212 Klinkert. Die Neuvermessung der Stadt Berlin. 

Berichtigung oder Fortschreibung bedürfen, wenn es seinen Zweck, 
immer ein richtiges Bild von der Oertlichkeit zu geben, erfüllen solL j 
In einer so verkehrsreichen Stadt wie Berlin, wo Alles in fortwähren- 
dem Wandel begriffen ist, ist die F ortschreibung ein doppelt schwieriges J 
Werk, und es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, dass dieselbe j 
mit derselben Schärfe und Genauigkeit ausgeführt werden muss, 
als die erste Aufnahme. Es wird desshalb jede Fortschreibungs- 
messung nur direct von Polygonseiten oder Constructionslinien, 
niemals im Anschluss an andere, schon aufgenommene Objecte aus- 
geführt, und der betreffende Techniker hat mit viel Umsicht, erst 
durch mehrfache , sichere Controlen sich zu überzeugen, ob die 
Marken der zu benutzenden Constructionslinien und Polygonseiten 
auch noch ihre alte Lage haben , und wenn dies nicht der Fall, 
dieselben erst zu berichtigen. Für etwa neu zu bestimmende Polygon- 
punkte gelten die für Längen- und Winkelmessung, Coordinaten- 
berechnung etc. bei der Stückvermessung und deren Revision getroffenen 
Bestimmungen. Ueber die ausgeführte Fortschreibungsmessung werden 
Ergänzungshandrisse, in welchen die alte Situation in feinen schwarzen 
Linien dargestellt ist, und Alles neu aufgenommene mit den darauf 
bezüglichen Messungselementen roth eingetrageu wird, angefertigt. 
Alsdann erfolgt die Berichtigung des Specialplanes und des Ueber- 
sichtsplanes ebenfalls in Roth mit Kassirung des nicht mehr Gültigen 
in feinen rothen Kreuzen, und ebenso die Berichtigung des Flächen- 
inhaltsregisters nach einer vorhergegangenen Berichtigungsrechnung. 

Das Fixpunktnivellement wird in der Weise fortgeschrieben resp. 
berichtigt, dass auf Grund der im Vermessungsbureau eingegangenen 
Mittheilungen von Behörden und Privatpersonen über die etwaige 
Veränderung oder Beseitigung von Höhenfestpunkten genaue Unter- 
suchungen angestellt werden. Die neu ermittelten Ordinaten, bezsr. 
die neu bestimmten Höhenfestpunkte werden dann in Nachträgen 
zu den Verzeichnissen fester Höhenpunkte publicirt. Es werden 
desshalb alle Mittheilungen, welche zur Richtigstellung der Nivelle- 
mentsfestpunkte beitragen, mit Dank entgegengenommen. 

Der Druck der Uebersichtspläne und die Anferti- 
gung von Auszügen u. s. w. 

Die Uebersichtspläne im Maassstab 1 : 1000 werden durch 
Kupferstich vervielfältigt und diese Druckpläne dem Publikum 
gegen eine Gebühr von 5 Mark in Schwarz-, und eine solche von 
7 Mark in Buntdruck pro Exemplar zur Verfügung gestellt. 

Bei der Anfertigung dieser Druckpläne wird ebenfalls mit der- 
selben Schärfe , wie bei Herstellung des ganzen Vermessungs- 
werkes verfahren, und es werden, besonders bezüglich der maass- 
stäblichen Genauigkeit die denkbar grössten Anforderungen gestellt 
Es wurde, lediglich aus letzterem Grunde, der Druck direkt vou 
den Kupferplatten aufgegeben, weil das dabei nöthige Anfeuchten 
des Papieres die Genauigkeit erheblich störte. 

Das neuerdings augewandte Verfahren besteht in der Ueber- 



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Klinkert. Die Neuvermesaung der Stadt Berlin. 



213 



tragung der Zeichnung auf die Kupferplatte und von dieser auf 
Stein, von welchem der Druck auf trocknem Papier ausgeführt 
wird. Die Uebertragung der Zeichnung auf die Kupferplatte ge- 
schieht vermittelst sogenannten Gelatine-Papiers, auf welchem die 
Zeichnung mit einer Nadel fein eingerissen wird, in Quadraten von 
1 dem Grösse. 

Die Kupferplatte ist mit einem feinen Wachsüberzug bedeckt, 
auf welchem das Quadratnetz in feinen Linien dargestellt ist, und 
es wird die mit Graphitstaub auf der Gelatineplatte eingeriebene 
Zeichnung durch Druck auf dieselbe quadratweise übertragen und 
eingeschnitten. 

Die Uebertragung von der Kupferplatte auf den Stein ist Ge- 
schäftsgeheimniss der Firma Straube in Berlin, welche die Anfer- 
tigung der Druckpläne übernommen hat. Jeder erste Abzug wird 
im Vermessungsbureau einer eingehenden Revision unterzogen und 
erst nach Beseitigung der hierbei gefundenen Mängel darf der 
Druck der übrigen Exemplare erfolgen. Bis jetzt sind 29 Ueber- 
sichtspläne vervielfältigt und 2 in Herstellung begriffen, so dass 
mit Abschluss des Etatsjahres, am 1. April 1886, 31 Uebersichts- 
pläne durch Druck veröffentlicht sind. 

Auch in anderer Weise stehen die Vermessungswerke dem 
Publikum zur Verfügung und zwar durch Anfertigung von Aus- 
zügen aus den Specialplänen und den Flächenregistern. Die Copieen 
werden je nach Wunsch auf Zeichenpapier oder Leinwand in jedem 
beliebigen Maassstab geliefert, und es ist für die Bezahlung der von 
der städtischen Baudeputation festgesetzte Gebührentarif mass- 
gebend. 

Kosten der Arbeiten und Zusammenstellung des 

beschäftigten Personals, sowie Angabe der be- 
wältigten Arbeiten. 

Zum Schluss dürfte es vielleicht noch von Interesse sein, über 
die Kosten der Neuvermessung, die Stärke des dabei beschäftigten 
Personals und den gegenwärtigen Stand der Arbeiten Folgendes 
mitzutheilen : 

Die durch die jährlichen Etats zur Verfügung gestellten Sum- 
men betragen : 

in Summe für die Neuvermessung = 812 000 Mark, 

> > > das Nivellement = 20 400 > 

> > »die Fortschreibung = 81 700 > 

> > > Auszüge . . . . = 12 600 > 

> > > den Druck . . . = 33 000 > 

Zusammen . = 959 700 Mark. 

Die Bezahlung der Arbeiten geschieht mit Ausnahme der Stück- 
Vermessung und Flächeninhaltsberechnung, welche nachAccordsätzen 
bezahlt werden, in Diäten. 



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214 



Börsch. Der Cerebotani’scbe Distanzmesser. 



Beschäftigt waren im Durchschnitt die Jahre hindurch: 
10 Feldmesser, 

21 Gehülfen und 
3 Eleven. 

Fertig gestellt waren am 1. Januar 1886: 



1. Triangulation I. — IV. Ordnung . . . 6000 Hectar, 

2. Polyg. Vorarbeiten 3 670 > 

3. Stückvermessung 2617 > 

4. > 13 929 Grundst. 

5. > 29 139 Parz. 

6. > 27 995 Gebäude. 

7. Polyg. Arbeiten innerhalb der Blöcke . 2 517 Hectar. 

8. Kartirung, a. 1 : 250 resp. 1 : 500 . . 2 291 > 

9. b. 1:1000 1984 > 

10. Flächeninhaltsberechnung 1 085 > 



Das Berliner Weichbild enthält nach dem Jahrbuch der Stadt 
Berlin vom Jahre 1883 : 

in Summa 6 325,20 Hektar 
51 966 Gebäude, 

25 355 Parzellen oder Grundstücke. 
Mithin sind fertiggestellt: 

1. Triangulation I. — IV. Ordnung . . . 95°/ 0 der Fläche. 

2. Polygon. Vorarbeiten 58% > > 

3. Stückvermessung 41% > > 

4. > 55% der Grundstücke. 

5. > 54% der Gebäude. 

6. Polygon. Arbeiten innerhalb d. Blöcke 40% der Fläche. 

7. Kartirung, a. 1:250 resp. 1:500 . . 36% > > 

8. b. 1 : 1000 30% > > 

9. Flächeninhaltsberechnung 17% > > 

Berlin, April 1886. 

Feldmesser KHnkert. 



Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 

Auszug aus der Abhandlung von Dr. A. BSrsch, Assistent im Königlichen 
Geodätischen Institut in Berlin, 

in der Zeitschrift für Instrumentenkunde 1886. Heft: April, S. 125—134. 
(Schluss von S. 137 der Zeitschrift für Vermessungswesen.) 

Bei der Bestimmung der Constanten des Instrumentes aus den 
Beobachtungen, zu der ich nun übergehe, will ich nur meine eigenen 
Beobachtungen verwerthen, jedoch die vom 14. Oktober mitnehmen. 
Hiernach sind an Stelle der betreffenden Werthe in den Spalten 2 
und 3 der Uebersichtstabelle auf Seite 135 die nachfolgenden zu 
setzen : 



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• • • 



Börsch. Der Cerebotani’sche Distanzmesser. 215 



Für Bake II : 25,446 + 0,004 cm 

> > IV: 37,139 + 0,009 

> > VI: 44,074 ± 0,009. 

Die entsprechenden Werthe von e — e 0 in Spalte 9 sind dann 
beziehungsweise + 0,06 m, -f- 2,22 m, -f- 2,51 m. 

Bezeichnet man die Scalenablesung, ausgedrückt in Metern, 
mit a, so soll sein 

b Da 

e ~~d D—a 

Setzt man ferner 



1 

D 



= Y, 



T = X 

so geht die Gleichung über in 

wo X und F die aus den Beobachtungen zu bestimmenden Grössen 
sind, welche ungefähr die Werthe 250 und — haben. Hierbei ist 



zunächst vorausgesetzt, dass die Ablesungen keiner gemeinsamen 
Correction wegen einer unrichtigen Lage des Nullpunktes der Scale 
bedürfen. Diese Annahme darf aber deshalb gemacht werden, weil 
die Nullpunktscorrection mit leichter Mühe in geringen Grenzen 
gehalten werden kann , wenn man die Entfernung zwischen dem 
Drehpunkte des Fernrohres rechts und der Berührungsstelle des 
Schlittens mit dem Hebel, welche beide Punkte scharf und sicher 
markirt sind, direct misst und darauf durch seitliches Verschieben 
des Maassstabes die Ablesung des Nonius mit dem Ergebniss dieser 
Messung in Uebereinstimmung bringt. Im übrigen wird die aus 
einem kleinen übrigbleibenden Nullpunktsfehler entspringende Fehler- 
quelle bis zu 600 m Entfernung gerade so wirken, als wenn X und Y 
gewisse andere Werthe erhielten , so dass sich derselbe auch nur 
mit sehr geringer Sicherheit aus den Beobachtungen bestimmen lässt. 

Jede der elf gemessenen und beobachteten Entfernungen gibt 
eine Gleichung von der obigen Form, deren Gewicht aus der Ueber- 
einstimmung der Einzelablesungen jeder Reihe bestimmt werden kann. 

Eine hierauf gestützte Ausgleichung gab : 

x = 250 + x r= Y+y 

x= + 0,901 y = -f- 0,00418 
+ 0,199 +0,00199. 

Der sich aus der Ausgleichung ergebende mittlere Fehler der 
Gewichtseinheit ist + 0,732 ; dieses ist zwar 7mal grösser als der 
bei der Bestimmung der Gewichte zugrunde gelegte Werth 0,1, 
indess haben die übrigbleibenden Fehler v, mit Ausnahme der zweiten 
und vierten Gleichung, solche Werthe, wie sie kleiner bei den mittleren 
Fehlern der rechten Seiten der Gleichungen nicht zu erwarten waren. 
Lässt man daher die beiden fraglichen v weg, so ergibt sich bereits 
weit günstiger: «' = + 0,264. 



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216 



Fenner. Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 



Im Anschluss hieran werden noch weitere Constantenbestimmungen 
und Fehleruntersuchungen ausgeführt, worauf endlich folgende Be- 
trachtung folgt: 

Schliesslich wäre noch zu erwägen, ob sich der Cerebotani’sche 
Distanzmesser nicht noch dadurch verbessern liesse , dass man die 
beiden Visuren durch Spiegelungen in eine einzige vereinigt. Ich 
glaube jedoch kaum, dass hierdurch ein Vortheil erreicht werden 
würde; nach meinen Erfahrungen mit einem derartig construirten 
Instrument geht erstens sehr viel Licht verloren, und zweitens lässt 
sich der Moment, wenn sich das directe und das gespiegelte Bild 
decken, nicht genau feststellen, weil die beiden Bilder zu einem 
ineinander fliessen, das bei seiner Verschwommenheit trotz relativ 
bedeutender Verschiebungen keine Aenderung erkennen lässt. Den 
letzteren Uebelstand könnte man bei gut einstellbaren und scharf 
markirten Objecten vielleicht dadurch beseitigen, dass man im Fern- 
rohr zwei Paare verticaler Fäden anbringt, zwischen welche man 
gleichzeitig das directe und das gespiegelte Bild des Objectes vor und 
nach der Deckung bringt, so dass das Mittel zwischen den beiden 
dazugehörigen Scalenablesungen den richtigen Werth geben würde. 



Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 

Kurze Entwicklung der Theorie und Untersuchung des Einflusses etwaiger 
Abweichungen von dem der Theorie zu Grund gelegten Konstruktionsprinzip 
(vergl. die Aufsätze von F. Lorler in der Zeitschr. d. Oesterr. Ingenieur- und 
Architekten-Vereins 1884 S. 185 und von F. B. Seitz, Zeitschr. f. Verm. 1834 
S. 479, wo auch Beschreibungen des Instruments gegeben sind). 

Wir setzen zunächst ein richtig konstruirtes und justirtes In- 
strument voraus, d. h. die Bewegung der Laufrollenachse 
(Fig. 1) sei lediglich eine Translation senkrecht zu ihrer Richtung, 

die Achse der Integrir- 
rolle B sei parallel dem 
Fahrarm DF und die 
Ebene ihres Rollen- 
randes gehe durch den 
Drehpunkt!) des Fahr- 
arms, welcher ebenso 
wie der Scheibenmittel- 
punkt C sich senkrecht 
über der Laufrollen- 
achse befinde. Wir wer- 
den später sehen, dass 
nicht alle diese Bedin- 
gungen streng erfüllt 
sein müssen, setzen sie 
aber gleichwohl zu- 
nächst voraus, um die 
Theorie des Instruments in einfachster Weise ab leiten zu können. — 




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Fenner. Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 



217 



Wir beziehen die auszumessende Fläche auf ein rechtwinkliges 
Koordinatensystem, dessen F- Achse mit der Achse der Laufrollen 
in ihrer Anfangslage R 0 11 „ Zusammenfalle, und dessen X-Achse die 
dazu Senkrechte durch den Drehpunkt D„ sei. Das Wegelement 
äs des Fahrstifts F zerlegen wir parallel den Koordinatenachsen in 
die Komponenten dx und dy ; während dx ein Fortrollen des Instru- 
ments parallel zur X-Achse um dx' und damit eine Drehung der 
Scheibe A sowie der Integrirrolle B veranlasst, bewirkt dy ausserdem 
eine Aenderung des Abstandes e der Integrirrolle B vom Scheiben- 
mittelpunkte G und somit eine Grössenänderung des bei gleichen 
dx von der Integrirrolle abgewälzten Bogenelements du. Man erkennt 
also, dass der beim Befahren eines Kurvenstücks s mit dem Fahr- 
stifte F von der Integrirrolle abgewälzte Bogen u eine Funktion 
von x und y ist, die wir zunächst aufsuchen wollen. Da andrerseits 
auch die Fläche zwischen der X-Achse und der Kurve s eine Funk- 
tion von x und y ist, so können wir alsdann das Verhältniss »Bogen 
zu Fläche< ermitteln und werden die Planimeter-Konstruktion eine 
richtige nennen dürfen, wenn sich dasselbe für eine geschlossene 
Kurve als konstant erweist. 

Bewegen sich die Laufrollen um dx' parallel zur X-Achse 
fort, so legt, wie man leicht einsieht, der Berührungspunkt B 
zwischen der Integrirrolle und der Unterlagsscheibe A den Weg 



dr== f -k Ax ‘ 



zurück. Der dadurch von der Integrierrolle abgewälzte Bogen ist 
dann offenbar (Fig. 2.) 

du = dr cos (90 — [u -f- ß]) = p 2 P e sin (« -f- ß) äaf. 

iii Bs 

Nach dem Sinussatz ist aber im Dreieck BCD'. 



somit 



e sin (u ß) = ci sin u 




du =■ • ■£— sin u dx' . . (1) 

B\ •**» 

Hierin ersetzen wir nun rechts die 
Veränderlichen x' und «, welche die Be- 
wegung des Instruments bestimmen, durch 
die Koordinaten x und y der Bahn des 
Fahrstifts F mittelst der Beziehungen 

sina = -K (2) 



und x' = x — f cos u 

oder dx' = dx -\-fsin a da (3) 



Bezeichnen wir überdies mit C den konstanten Faktor 



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/ Google 




218 



Fenner. Beitrag zur Theorie des RollplanimeterB. 



« —r 

R, R a /~ lj 

so folgt 

du — C(y dx sin a u du) (4) 

Die Integration beiderseits ergibt 

fdu = c{fydx +/* f st» 2 « du } 

und wenn wir die dem einmaligen Umfahren einer geschlossenen 
Figur entsprechenden Grenzen einführen, wonach das 2. Integral 

/ ' . d 1 

s in i u da = - — — sin 2 « verschwindet, 



u—Cx Fläche, (5) 

unter « den ganzen an der Integrirrolle abgewälzten Bogen und 
unter > Fläche < den Inhalt der mit dem Fahrstift umfahrenen Figur 
verstanden. Unter den gemachten Voraussetzungen ist also die 
Konstruktion des liollplanimeters eine richtige, denn es sind gemäss 
Gleichung (5) 



Bogen und Fläche einander proportional. 

Ist der Umfang 2,-rB* der Integrirrolle in q Theile getheilt, 
2,tJ? 

also die Ableseeinheit und entspricht dem Bogen u die Diffe- 

renz n zwischen Anfangs- und Endablesung, so ist 



Wir setzen 



u—n = Cx Fläche 
Fläche = K.n . . 



( 6 ) 



und finden den Werth der Instrumentalkonstanten 



„ / 2.7 Ri II 3 R j ^ 

K= \ q r % ~r) f ' 






dieselbe ist unabhängig von dem Abstand D B zwischen Fahrarm 
und Integrirrolle, aber wie beim Polarplanimeter proportional der 
Länge f des Fahrarms. 

Wir wollen nun im folgenden untersuchen, welche von den 
Eingangs vorausgesetzten Konstruktiousbedingungen nothwendig er- 
füllt sein müssen und inwieweit Abweichungen von denselben, unbe- 
schadet der richtigen Wirkungsweise des Instruments, gestattet sind ; 
offenbar gehören zu letzteren alle diejenigen Abweichungen in der 
Konstruktion, welche entweder ganz ohne Einfluss auf das Resultat 
der Flächenmessung sind oder nur eine Aenderung der Iustru- 
mentalkonstanten zur Folge haben. 

I. Die Ebene des Laufkreises der Integrirrolle gehe nicht 
genau durch den Drehpunkt D, sondern im Abstand c vorbei, sei 
aber zum Fahrarm senkrecht gerichtet (Fig. 3). 



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Kleinere Mittheilnngen. 



219 



Es ändert sich daun gegen früher nichts, als dass an Stelle von 




e sin (u -j- ß) — a sin u = B E 
jetzt zu setzen ist: 

e sin (a J rß) — T>'E — a sin « -f -c 
a i 

Thun wir dies, so wird aus Glei- 
chung (1) 

du — Cy dx' 4- -=/\, - c dx' 

■“1 -'*3 

und nach der Integration : 



u = Cx Fläche -f- C'f dx’ 

Der Werth von J dx' ist aber Null, sobald der Fahrstift bezieh- 
ungsweise der Drehpunkt D in die Anfangslage zurückgekehrt ist. 

Eine Verschiebung der Integrirrolle auf ihrer Achse hat hier- 
nach keinen Einfluss auf das Ablesungsresultat. 

(Schluss folgt.) 



Kleinere Mittlieilungen. 

Personalbestand der preussischen Katasterverwaltung. 

In Nr. 11 des Correspondenzblattes für Katasterbeamto u. s. w. 
ist der Personalbestand der Beamten der Katasterverwaltung in 
Preussen mitgetheilt, wie derselbe am 1. F'ebruar d. J. sich ergab. 
Aus dieser nach Regierungsbezirken geordneten Zusammenstellung 
entnehmen wir. dass zur Zeit das Personal der Katasterverwaltung 
besteht aus : 

32 Kataster-Inspectoren, von denen 29 den Charakter als Steuerrath 
besitzen (3 Kataster-lnspektoren-Stellen sind zurZeit unbesetzt). 
59 Kataster-Sekretäre, von denen 7 den Charakter als Rechnungsrath 
und ebensoviel den Charakter als Steuer- Inspektor haben. 

75 Kataster-Assistenten. 

114 Kataster-Supernumerare. 

535 Kataster- Ivontroleure, von denen 1 den Charakter als Steuerrath, 
45 als Rechnungsrath und 176 als Steuer- Inspektor besitzen. 

4 Bezirks-Geometern. 

Hiernach ergibt sich , dass die Katasterverwaltung aus 819 
Beamten besteht, von denen 30 den Charakter als Steuerrath, 52 als 
Rechnungsrath und 183 als Steuer-Inspektoren haben. 



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220 Neue Schrift über Vermessungswesen. 

Trigonometrische Messungen im Königreich Sachsen. 

Der grosse Generalstab kommt nach Sachsen. Er will Mitte 
April in den Regierungsbezirken Leipzig und Zwickau trigonometrische 
Arbeiten vornehmen. Die betheiligten Grundstücksbesitzer, übrig- , 
keiten und Verwaltungsstellen werdenSeitens des KöniglichSächsischen 
Ministeriums aufgefordert, sowohl die nöthigen Hilfsarbeiten zu 
gewähren, als die Ausführung der beregten Arbeiten thunlichst 
fördern zu helfen. (Mitgetheilt von L. in N.) 



Neue Schrift über Verraessungswesen. 

Verdeutschungs-Wörterbuch von Otto Sarrazin, Regierungs- und 
Bau-Rath im Königl. Preussischen Ministerium der öffentlichen 
Arbeiten. 14 Druckbogen. Preis : geheftet 4 M. 60 Pf., geh. 
in Leinwand 5 M. 60 Pf. 



Gesetze und Verordnungen. 

Kataster-Revisionen in Baden. 

Karlsruhe, 16. April 1886. Mit Wirkung vom heutigen 
Tage sind die bisherigen Katasterrevisionen von Mannheim, Karls- 
ruhe und Freiburg aufgehoben und als Katasterinspektion zur Beauf- 
sichtigung des direkten Steuerwesens bei der Steuerdirektion vereinigt. 



Unterricht und Prüfungen. 

Königliche Landwirthschaftliche Akademie Poppelsdorf. 

Die nach Schluss des Wintersemester 1885/86 in das cultur- 
technische Examen eingetretenen Studirenden haben dasselbe bestan- 
den. Ebenso werden 7 Geodäten ihre Staatsexamen vor Ostern 
erledigen. Die Direktion. 



Personalnachrichten. 

Herr Professor Dr. Helmert an der technischen Hochschule in 
Aachen , dem seit 1. Januar d. J. die Leitung des Königlichen 
geodätischen Instituts in Berlin übertragen worden ist, siedelt Anfang 
Mai d. J. von Aachen nach Berlin über. 

Dem Dirigenten der Moorversuchsstation, Dr. Max Fleischer in 
Bremen, ist das Prädikat Professor verliehen worden. 

Bayern. Vom 1. April 1886 ab ist der geprüfte Geometer 
Josef Amunn zum Katastergeometer beim königlichen Kataster- 
bureau und 



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-TV* ' 



Vereinsangelegenheiten. 



221 



der geprüfte Geometer Wilhelm von Landgraf zum technischen 
Revisor bei der königlichen Regierungsfinanzkammer von Nieder- 
bayern (in Landshut) ernannt worden. 

DieStelleeinestechnischenRevisorsbei der königlichen Regierungs- 
finanzkammer von Mittelfranken (in Ansbach) ist vom 1. Mai 1886 
an dem geprüften Geometer Michael Spanl , 

die gleiche Stelle bei der königlichen Regierungsfinanzkammer 
von Schwaben (in Augsburg) dem geprüften Geometer Ernst Freiherr 
von Lützelbwrg verliehen worden. 



Vereinsangelegenheiten. 

ThUringer Geometerverein. *) 

In dem Nachstehenden erlaube ich mir, soweit wie es mir mög- 
lich gewesen ist, Erhebungen stattfinden zu lassen, die Resultate 
der in den einzelnen Versicherungs-Abtheilungen bezüglichen Geo- 
metervereinen erzielten Resultate betreffs von Versicherungen mit- 
zutheilen. 

Hierbei sei bemerkt, dass die Vereine Elsass-Lothringen und 
Mecklenburg keine Versicherungs-Abtheilungen besitzen und dass 
die von der Karlsruher Gesellschaft gezahlten Bonifikationen in die 
Vereinskasse fliessen. 


















222 



Vereinsangelegenheiten. 



Speziell den Thüringer Geometerverein anlangend, so gestaltet 
sich dessen Bestand wie folgt für die Zeit bis ult. 1886 : 

Vorstehende Sa. ist angelegt mit: 
280.04 M. Sparkasse Weimar, 
448.72 „ „ Karlsruhe, 



414.67 „ an die Mitgl. ausgeliehen, 
39.94 „ rückständige Zinsen, 
71.38 „ haar. 



Incasso-Provision .... 370.63 M. 

Einmalige Kostenbeiträge . 200.00 „ 

Abschluss-Provision . . . 597.00 „ 

Schenkungen 35.00 „ 

Zinsabwurf 182,56 „ 

Hinterlassene Geseh.-Anth. 20.00 „ 

1 405.19 M. 

Hiervon ab (10 M. Verwalt.- 
Kosten und Abgang der 

Kontis 13. 18. 20 . . . _156.44_„ 

Summa . . 1 248.75 Ji. | Sa. 1 248.75 Jt 
Aus dem Vorstehenden ist zu entnehmen, dass die Yersiche- 
rungs-Abtheilungen sich auch dieses Jahr eines Zuwachses zu erfreuen 
haben. — 

Wenn nun auch hieraus sich constatiren lässt, dass durch die 
erwähnte Zunahme die qu. Versicherungs-Abtheil ungen »nur sehr 
langsam und stetig vorwärts schreiten, wenn nun auch weiter aus 
diesem folgt, dass die in den einzelnen Versicherungs-Abtheilungen 
angesammelten Gelder keineswegs schon jetzt einen solchen hohen 
Betrag erreicht haben, dass grössere Unternehmungen z. Z. nicht 
damit bestritten werden können, so lässt sich doch jetzt schon mit 
Gewissheit annehmen, dass durch fortgesetztes zähes und festes 
Aushalten in der Sache dereinst das erreicht wird, was die Grün- 
dung der qu. Abtheilungen veranlasst hat: »durch die Letzteren 
ein Mittel zur Bildung eines allgemeinen Fonds für hilfsbedürftige 
Geometer, deren Berufsgenossen, Wittwen und Waisen zu schaffen«. 
Ebenso lässt sich auch weiter folgern, dass aus der Mitte der qu. 
Versicherungs- Abtheilung, welche als die d. Z. Träger der noch 
ungelösten Versorgungsfrage anzusehen sind, diese Frage dermal- 
einst zur endgültigen Lösung kommt. — 

Es ist nicht Sache dieser Zeilen, auf die zu verschiedenen Malen 
erörterte Versorgungsfrage speziell einzugehen — sie ist sattsam 
und genug bekannt, aber wohl ist es am Platze bei Veröffent- 
lichung der obigen Resultate diese Frage aufs Neue ins Gedächt- 
niss zu rufen. — 



Ich glaube, dass falsche Scham uns nicht erröthen zu lassen 
braucht, wenn wir uns eingestehen müssen, dass gerade unser Stand 
derjenigen sehr viele zählt, die lediglich nur auf den Verdienst ihrer 
Hände angewiesen, ohne feste Stellung und bestimmtes Einkommen, 
im Krankheit- und Nothfalle nur zu oft gezwungen sind, die »öffent- 
liche« Mildthätigkeit und Hilfe in Anspruch zu nehmen : es ist eben 
nackte Wirklichkeit, dergleichen Fälle stehen nicht vereinzelt da. 

Nichts liegt unter solchen Umständen näher, als dass man in 
der Fülle seiner Arbeitskraft und seines Schaffens für eventuelle 
Fälle für einen Spar- und Zehr-Pfennig sorgt, um in Zeiten der 
Noth hiervon zu zehren , nichts näher, als sich bei Zeiten auch 
solchen Sammel- und Hilfsstätten zuzuwenden, welche eintretenden 
Falles berufen sind, gegen fremde Noth und Elend zu steuern. — 



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Vcreinsangelegenheiten. 



223 



Dieses Bestreben lag der Gründung der Versicherungs-Abthei- 
lungen zu Grunde. — Man erkannte an, dass nur in Anlehnung an 
ein grösseres Geld-Institut die Mittel geschafft werden könnten, um 
auf dem Gebiete der eigenen Hilfe etwas zu leisten. — 

Die Versicherungs-Abtheilungen, wie sie d. Z. bestehen — nament- 
lich die im Thüringer Geometerverein — sollen den Zweck haben : 

1. den Einzelnen durch Eingehung eines Lebensversicherungs- 
vertrags, sei es ein solcher auf abgekürzte Dauer, sei es 
auf den Todesfall , zu veranlassen, für seine eigene Person 
im eingetretenen Alter bezüglich im Alter eingetretenen 
Arbeitsunfähigkeit in erster Linie, in zweiter Linie durch 
diesen Vertrag für seine event. Hinterbliebenen zu sorgen ; 

2. die Ansammlung eines Ponds herbeizuführen, welcher ent- 
steht durch diejenigen Mittel, welche die Anstalt, mit der 
die Versicherungs-Verträge abgeschlossen sind, für die in 
denVereinen übernommene eigene Selbstverwaltung gewährt 
und denjenigen Geldern, welche aus den Zinsen der erwähnten 
Mittel, verabreichten Darlehen, Bonifikationen, freiwilligen 
Beiträgen u. s. w. entstehen ; 

3. mit diesen Geldern in erster Linie: 

bei eingetretener vorübergehender Zahlungsunfähigkeit der 
Einzelnen fällig gewordene Prämienzahlungen in Form von 
Darlehen zu decken und hierdurch zu verhindern, dass ab- 
geschlossene Verträge durch Nichtzahlung von Prämien hin- 
fällig werden und 
in zweiter Linie 

dem Hilfsbedürftigen Gewährung einmaliger oder wiederholter 
Unterstützungen zu geben. — 

Diese unter Ziffer 1 bis 3 bezeichneten Punkte bilden die Grund- 
lage, auf welcher die Versicherungs-Abtheiluug namentlich im Thü- 
ringer Geometerverein aufgebaut ist. 

Aus dem Rechenschaftsbericht pro 1885 lässt sich nun aller- 
dings entnehmen, dass die bis jetzt angesammelten Gelder — 1248 M. 
— bei Weitem nicht ausreichen, um allen den oben genannten Vor- 
aussetzungen zu genügen, wohl aber kann mit ehrlichem Gewissen 
konstatirt werden, dass, so klein auch der derzeitige Fonds des 
Vereins ist, derselbe doch von Seiten der Mitglieder eifrig in An- 
spruch genommen wird und somit auch jetzt schon seinen wohl- 
thätigen Einfluss geltend macht. Man vergleiche nur den Nach- 
weis über ausgegebene Darlehen und den Zinsenposten. — 

Endlich sei noch erwähnt, dass die angesammelten Gelder theils 
bei der Sparkasse zu Weimar, theils bei der Versorgungs-Anstalt 
zu Karlsruhe verzinslich angelegt sind, dass die Rechnungen der 
Versicherungs-Abtheilung jährlich durch eine im Geometerverein 
ernannte Kommission geprüft werden und dass die derzeitige Kom- 
mission der qu. Abtheilung ausser dem Unterfertigten als Vor- 
sitzenden, aus dem Kollegen Geometer Zopf als Kassirer, dem Kol- 



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224 



Vereinsangelegenheiten. 



legen Geometer Holl, sämmtlich zu Weimar, und den Kollegen 
Geometer Brückner und Ingber, beide zu Eisenach, besteht. — 

Ich schliesse hiermit diese Zeilen, unterlasse aber nicht, den- 
jenigen beiden Faktoren, welche zu den bis jetzt in unserem Verein 
erzielten Erfolgen beigetragen haben, unseren aufrichtigsten Dank 
hierfür auszudrücken. Es betrifft dies das eine Mal die Vereins- 
mitglieder selbst, welche durch treues Ausharren nicht zum Wenigsten 
beigetragen haben, eine gute Sache zu fördern — das andere Mal 
aber die Allgemeine Versorgungs-Anstalt im Grossh. Baden zu Karls- 
ruhe, welche in humanster und weitgehendster Weise die Bestre- 
bungen der Versicherungs - Abtheilungen unterstützt ; dieselbe sei 
allen Kollegen und Berufsgenossen aufs Wärmste empfohlen. — 
Da der mit genannter Anstalt abgeschlossene Vertrag finanziell den 
Beitritt sehr erleichtert, so richte ich an alle meine Kollegen und 
Berufsgenossen die dringende und ergebenste Bitte 

unserer oder einer der Eingangs genannten Versicherungs- Ab- 
theilungen baldigst beizutreten. — 

Durch diesen Beitritt und durch den Beitritt Vieler wird eben 
das erreicht werden, was der Wunsch, das Bestreben des Thüringer 
Geometervereins von jeher gewesen ist : Schaffung eines allgemeinen 
Fonds zur Linderung unverschuldeter Noth einzelner Vereinsmit- 
glieder. 

Man lächle nicht über die bis jetzt erzielten kleinen Ergebnisse 
der Vereine, man halte die gesammelten kleinen Summen nicht für 
zu gering, um mit denselben grössere Erfolge zu erzielen, man lächle 
auch nicht über das angewandte Mittel, um ans Ziel zu kommen, 
man halte auch nicht zurück mit dem Vorsatze, wenn der geeignete 
Zeitpunkt erscheint, dem grossen Ganzen sich anzuschliesen — 
sondern man helfe schon jetzt mit bauen und fördern an einem 
Werke, das nur dem Allgemeinen, dem Besten dienen soll und sei 
eingedenk dessen, was mancher grosse Hilfs verein als Devise im 
Wappen führt 

Viele wenig machen viel! 

Weimar im März 1886. 

G. Schnaubert, 

in V. der Versicherungskommission. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlungen: Die Neuvermessung der Stadt Berlin, von Kliukert. 
— Der Cerebotani’sche Distanzmesser, von Börsoh (Schluss.) — Beitrag zur 
Theorie des Rollplanimeters, von Fenner. Kleinere Mittheilungen: Personalbestand 
der preussischen Katasterverwaltung. — Trigonometrische Messungen im König- 
reich Sachsen, mitgetheilt von L. in N. Neue Schrift Uber Vermessungswesen. 
Gesetze und Verordnungen. Unterricht und Prüfungen. Personalnachrichten. Vereins- 
angelegenheiten. 



KnrlRnibe. Druck von Malsch & Vogel. 

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225 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppes, Steuerassessor in München, und 
R. Gerke, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1886. Heft 10. Band XT. 

16. Mai. 



Entwurf zu einem Gebiihrentarife für geometrische 

Arbeiten. 

Bearbeitet vom Hannoverschen Landmesserverein. 

Zosammenge8tellt mit Hinzufügung einer Einleitung von Gerke, Vermessungs- 
Direktor in Altenburg. 

Entstehungsgeschichte des Entwurfes. 

Der Verband der Deutschen Architekten- und Ingenieurvereine 
beschloss in der im Jahre 1884 zu Stuttgart stattgefundenen Abge- 
ordneten -Versammlung eine Norm für die Bezahlung von Arbeiten 
des Bauingenieurs auszuarbeiten, ähnlich wie dieselbe bereits für die 
Architekten und Ingenieure des Maschinenbaufaches besteht. Er 
ging hierbei keineswegs von dem Grundsätze aus, für Äkhord- 
arbeiten einzutreten, im Gegentheil, man sprach sich entschieden 
für diätarische Beschäftigung aus. Der aufzustellende Gebührentarif 
soll hauptsächlich nur bei Kostenanschlägen benutzt, sowie bei 
richterlichen Entscheidungen empfohlen werden und erst in letzter 
Linie soll er denjenigen Verwaltungen und Privaten, welche durchaus 
nach Akkordsätzen arbeiten lassen wollen, und denjenigen Ingenieuren, 
welche derartige Arbeiten übernehmen, einen Anhalt geben. 

Der Verband der Deutschen Architekten- und Ingenieurvereine, 
welcher 27 Vereine mit über 6700 Mitglieder umfasst, übertrug die 
erste Ausarbeitung dieser Honorarnorm dem Architekten- und 
Ingenieurverein zu Hannover, welcher sämmtlichen Zweigvereinen 
des Verbandes bis zum 15. April 1885 die Resultate seiner Durch- 
arbeitungen einzusenden hatte ; diese sollten dann im Laufe der nächsten 
Monate von den verschiedenen Vereinen geprüft und in der im 
August desselben Jahres zu Breslau stattfindenden Abgeordneten- 
Versammlung des Verbandes durchberathen werden. Als Correferent 
wurde der Architekten- und Ingenieurverein zu Frankfurt a. M. 
bestimmt. 

Zeitschrift für Vermessungswesen. 1886, 10. Heft. 15 



-j». * » 



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•J 



226 Gcrke. 



Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbei 




Der Hannoversche Architekten- und Ingenieurverein erwählte 
zur Aufstellung des Tarifs eine lOgliedrige Kommission, welcher 
auch der Unterzeichnete angehört und ersuchte gleichzeitig den 
Deutschen Geometerverein, die Aufstellung der Tarifsätze für geo- 
metrische Arbeiten, welche man anzugeben für nothwendig erachtete, 
eventuell in Berathung zu ziehen. In Folge dieses Schreibens erliess 
die Vorstandschaft des Deutschen Geometervereins den Aufruf auf 
Seite 72 Band XIV. Jahrgang 1885 dieser Zeitschrift, nach welchem 
die Vereinsmitglieder gebeten wurden, ihre Erfahrungen und An- 
sichten dem Unterzeichneten mitzutheilen. Der Architekten- und 
Ingenieurverein zu Hannover bat ebenfalls den Hannoverschen 
Landmesserverein , ihn bei der Aufstellung dieses Gebühren tarifs 
unterstützen zu wollen. 

Bei den diesbezüglichen Berathungen in dem Hannoverschen 
Landmesservereine wurden die gesammten Bedenken, welche über- 
haupt gegen die Aufstellung einer solchen Honorarnorm sprachen, 
hervorgebracht und eingehend besprochen. Man wies nicht allein 
auf die grosse Schwierigkeit hin, einen für alle Verhältnisse allge- 
mein gültigen Gebührentarif aufstellen zu können, da nicht nur die 
Bodengestaltungen äusserst verschieden, sondern auch öfters während 
der Arbeit sich Schwierigkeiten herausstellten, welche vorher nicht 
hätten übersehen werden können, sondern man betonte auch aus- 
drücklich, dass der Landmesser zu sehr vom Wetter abhängig sei 
und daher die Kosten seiner Arbeiten vorher nicht anzugeben ver- 
möge. Vor allem wurde aber erwähnt, dass der Deutsche Geometer- 
verein bereits 1881 auf seiner Hauptversammlung in Karlsruhe aus- 
drücklich erklärt habe, sich gegen jede Akkordarbeit aussprechen 
zu müssen, zumal da die Bezahlung nach Gebühren einen ungünstigen 
Einfluss auf die Qualität der Arbeit ausübe. 

Diese Bedenken theilte der Unterzeichnete im Hannoverschen 
Architekten- und Ingenieurverein mit und schlug vor, für die geo- 
metrischen Arbeiten die von dem Deutschen Geometerverein ange- 
nommenen Bedingungen für Ausführung und Bezahlung von Privat- 
messungen (Zeitschr. f. Verm. 1881, X. Bd. S. 349) unter eventueller 
Modifikation der festgesetzten Sätze acceptiren zu wollen. Die 
Ingenieure erklärten , dass dem Verbände der Architekten und 
Ingenieure mit einem ZV/esdiätensatze nichts gedient sei, da man 
hiernach, entsprechend dem Zwecke der gesammten Honorarnorm 
für Ingenieurarbeiten, keinen Kostenanschlag aufzustellen vermöge; 
man hob hervor, dass doch sicherlich die Aufstellung der Kosten 
eines grösseren Brückenprojekts, einer Strassen- oder Eisenbahnan- 
lage mit den gesammten Bauwerken, einer Flusskorrektion u. s. w. 
bedeutend schwieriger sei , wie ein Anschlag über die Kosten der 
geometrischen Arbeiten ; man erwähnte , dass Gebührensätze für 
manche geometrische Arbeiten in den meisten Staaten bereits 
existirten und dass viele Staatsbehörden seit Jahrzehnten nur nach 
Gebührensätzen die geometrischen Arbeiten ausführen Hessen. 

Referent wiess auf die Unzulänglichkeit dieser bestehenden 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 227 

Gebührensätze im vorliegenden Falle hin, und erwähnte, dass die 
Landmesser, welche beispielsweise nach dem Gebührensätze der 
preussischen Generalkommissionen arbeiteten, ausser den angegebenen 
Sätzen Feldzulagen bezögen u. s. w. 

Der Hannoversche Architekten- und Ingenieurverein erklärte, 
dass er gezwungen sei, auch für die geometrischen Arbeiten einen 
Gebührentarif auszuarheiten und dem Verbände vorzulegen habe, 
er bedauerte, wenn er auf die Unterstützung der Feldmesservereine, 
deren Mitgliedern die reichsten Erfahrungen zu Gebote ständen, 
wegen eventueller Nichtbetheiligung Verzicht leisten müsste und 
er sei dann leider in die Lage versetzt, zunächst diejenigen Gebühren- 
tarife, wenn auch unter Modifikationen, anzunehmen, welche von 
Staatsbehörden bereits eingeführt seien; nothwendige Uebelstände, 
welche im Laufe der Zeit hervorträten , müssten dann bei einer 
späteren Revision, wie diese ja überhaupt bei dem Gebührentarife 
für Ingenieurarbeiten in einigen Jahren eintreten müsste, abgeändert 
werden. Dem Referenten, welchem in dem Hannoverschen Architekten- 
und Ingenieurverein bei der Arbeitsvertheilung die Ausarbeitung des 
Gebührentarifs für geometrische Arbeiten zugefallen war, blieb es 
nun überlassen, die diesbezüglichen Vorschläge zu machen. Der- 
selbe befand sich nun in keiner angenehmen Lage ; auf der einen 
Seite war er zur Aufstellung der Honorarnormen gezwungen, während 
auf der andern Seite viele Fachgenossen auf die Unmöglichkeit 
eines solchen Gebührentarifs hinwiesen. 

Bei dem Ansehen, welches der Verband der Deutschen Architekten- 
und Ingenieurvereine geniesst, erblickte der Unterzeichnete eine 
grosse Schädigung des ganzen Feldmesserstandes darin, wenn die 
Ingenieure ohne Mitwirkung der Landmesser eine Honorarnorm für 
geometrische Arbeiten aufzustellen für gut befunden hätten, und auf 
seinen Antrag erwählte der Hannoversche Landmesserverein eine 
7gliedrige Kommission behufs Ausarbeitung des betreffenden Ge- 
bührentarifs. 

Diese Kommission, welche sich der ihr übertragenen Arbeit sehr 
eifrig widmete, suchte sich vor allem möglichst viel Material zu ver- 
schaffen und wandte sich um Auskunft an Behörden und diejenigen 
bekannten Fachgenossen, denen eine grosse Praxis in dem einen 
oder andern Zweige des Vermessungswesens zu Gebote stand. In 
Folge dieser Schreiben und des oben erwähnten Aufrufs des Deutschen 
Geometervereins liefen vielfache Gutachten ein, die der Kommission 
sehr werthvoll ‘waren und von derselben einer eingehenden Prüfung 
unterzogen wurden, besonders stand uns von einer Behörde die durch- 
schnittliche Tagesleistung sehr umfangreicher Arbeiten der Klein- 
Triangulation, Polygonisirung und Stückvermessung zu Gebote. Hier- 
bei ist zu bemerken, dass es äusserst wünschenswerth wäre, wenn die 
Fachgenossen bei der Veröffentlichung der Ausführung ihrer Arbeiten 
auch die zur Vermessung gebrauchte Zeit, respektive die Kosten der- 
selben angeben wollten. Weder in irgend einem Lehrbuche über 
Vermessungskunde noch in den verschiedensten Zeitschriften über 

15 . 



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228 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 

Vermessungs wesen finden sich mit ganz geringen Ausnahmen dies- 
bezügliche Angaben. Unter Berücksichtigung der aus den eingelaufenen 
Schreiben gewonnenen Resultate und der Erfahrungen, die die 
Kommissionsmitglieder theilweise durch sehr grosse , langjährige 
Praxis sich angeeignet hatten, entstand der erste Entwurf zu einem 
Gebührentarife für geometrische Arbeiten, welcher in Nr. 4 der 
Vereinsschrift des Hannoverschen Feldmesservereins am 8. April 
1885 veröffentlicht wurde. 

Dieser Entwurf wurde nicht nur sämmtlichen Zweigvereinen 
des Deutschen Geometervereins und allen denjenigen Fachgenossen 
zugesandt, welche uns mit ihren Erfahrungen unterstützt hatten, 
sondern auch der Hannoversche Architekten- und Ingenieurverein 
erhielt eine grössere Anzahl von Abzügen, um dieselbe den einzelnen 
Vereinen des Verbandes der Deutschen Architekten und Ingenieure 
mit den übrigen inzwischen abgeschlossenen Entwürfen für Honorar- 
normen der Ingenieurarbeiten zur Begutachtung einzusenden. Die 
Endresultate dieses Gebührentarifs sind in einer gedruckten Broschüre 
zusammengestellt, welche betitelt ist: »Verband Deutscher Architekten- 
und Ingenieurvereine. Honorarnormen für Ingenieurarbeiten. Entwurf 
des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover im April 1885. 
8°. 10 Seiten«. 

Von den 10 Arten der Ingenieurarbeiten sind unter Nr. 1 die 
Vermessungsarbeiten nach den Beschlüssen des Hannoverschen Feld- 
messervereins vom 8. April 1885 aufgeführt. 

In Folge dieser Veröffentlichungen liefen im Laufe der Sommer- 
monate tbeils bei dem Hannoverschen Feldniesserverein, theils bei 
dem Architekten- und Ingenieurverein zu Hannover vielfache Ver- 
besserungsanträge ein und besonders waren es zwei durchaus neu 
bearbeitete Tarife, welche von Seiten des Rheinisch-Westfälischen 
Feldmesservereins und des Brandenburgischen Geometervereins aus- 
gearbeitet wurden. Der erstere ist in der Zeitschrift des betreffen- 
den Vereins, 5. Jahrgang Nr. 3, am 15. Juni 1885 Seite 53 bis 71 
veröffentlicht, der zweite ist durch Autographie vervielfältigt und 
im Juli 1885 zum Abschluss gebracht, er umfasst 82 Seiten Schreib- 
Folio-Format. 

Der Deutsche Geometerverein hatte zu der im Anfang August 
zu Stuttgart stattfindenden Hauptversammlung »die Berathung und 
Festsetzung von allgemeinen Normen für Bezahlung von Vermessungs- 
arbeiten nach Akkordsätzen« auf die Tagesordnung gestellt. Hierzu 
lagen die drei vorhin bezeichneten Entwürfe des Hannoverschen, 
Rheinisch- Westfälischen und Brandenburgischen Feldmesservereins vor. 

Bei den diesbezüglichen Verhandlungen traten sehr verschiedene 
Meinungsäusserungen über den Werth eines solchen Gebührentarifs 
und über die eventuelle Betheiligung des Deutschen Geometervereins 
beider Aufstellung desselben zu Tage. Besonders war es der Delegirte 
des Casseler Geometervereins, welcher auf die uns wohl bekannten 
Sckwierigkeiten eingehend hinwies und durch einige gleichwertige 
Zusammenstellungen aus den drei vorliegenden Entwürfen auf die 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 229 

grosse Verschiedenheit der Ansätze aufmerksam machte, wie diese 
in dem Protokolle über die VIII. Hauptversammlung des Casseler 
Geometervereins am 19. Juli 1885 Seite 7 — 14 ausführlich mit- 
getheilt sind. Er hob die Unzulänglichkeit eines solchen Gebühren- 
tarifs hervor und empfahl im Aufträge des Casseler Geometervereins 
folgende Resolution zur Annahme: >Der Deutsche Geometerverein 
hält die Bezahlung der geometrischen Arbeiten nach Akkordsätzen 
für nachtheilig, sowohl für den Auftraggeber, als auch für den 
Landmesser, da sie flüchtige Arbeiten begünstigt und Veranlassung 
zu Streitigkeiten oder pecuniären Verlusten gibt. Der Deutsche 
Geometerverein empfiehlt desshalb, allen künftigen Vertragsverhält- 
nissen den Diätentarif vom 5. Juni 1881 (Zeitschrift für Vermessungs- 
wesen 1881 Seite 349) eventuell unter Modifikation des Diätensatzes 
zu Grunde zu legen <. 

Wie der Bericht über diese Verhandlungen der Versammlung 
auf Seite 15 Heft 1 dieser Zeitschrift besagt, machte der Referent, 
Delegirte des Hannoverschen Feldmesservereins, darauf aufmerksam, 
dass es sich in dem vom Verein Deutscher Architekten und Ingenieure 
ausgegangenen Vorschläge weniger um die Sätze für die Bezahlung 
als um solche für die Veranschlagung geometrischer Arbeiten handle 
und dass das Bedürfniss von Sätzen für die Veranschlagung derartiger 
Arbeiten nicht geleugnet werden könne. Was der Delegirte des 
Casseler Vereins den drei Ausarbeitungen zum Vorwurf mache, dass 
dieselben zu sehr verschiedenen Sätzen für dieselbe Arbeit gelangten, 
sei ein Beweis für die Schwierigkeit des Stoffes, welches der Refe- 
rent für einen grossen Vorzug der Ausarbeitungen halte, denn der 
unbefangene Beurtheiler aller drei Ausarbeitungen würde da, wo 
grosse Abweichungen in den einzelnen Sätzen beständen, auf die 
Nothwendigkeit besonders reiflicher Prüfung der Anschlagssätze hin- 
gewiesen. Man könne sich zwar grundsätzlich gegen die Bezah- 
lung geometrischer Arbeiten nach Gebühren aussprechen, ohne dess- 
halb Sätze für die Veranschlagung der Kosten derartiger Arbeiten 
von der Hand zu weisen. 

Nach mehrfachen Erörterungen nahm die Versammlung folgen- 
den Beschluss an : 

a. > Der Deutsche Geometerverein empfiehlt, allen künftigen Ver- 
tragsabschlüssen über die Ausführung von geometrischen 
Arbeiten den Tagegeldtarif vom 5. Juni 1881 (Zeitschrift für 
Vermessungswesen Jahrgang 1881 Seite 349) eventuell unter 
Modifikation der Tagegeldersätze zu Grunde zu legen <, 

b. »die zur Sache beschafften Ausarbeitungen der Zweigvereine 
über die Bezahlung geometrischer Arbeiten dem Verbände 
der Deutschen Architekten- und Ingenieurvereine unter Dar- 
legung der Entstehungsgeschichte und unter Hinweis auf 
den Beschluss zu a. zur eventuellen Benutzung zu über weisen <. 

Referent kann sich vom Standpunkte des Deutschen Geometer- 
vereins mit diesem Beschlüsse nur einverstanden erklären, da der 




230 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 



Verein hierdurch die Schwierigkeit der Aufstellung eines solchen 
Tarifs dokurnentirt und sich gegen jede Akkordarbeit ausspricht. 

Nach obigem Beschlüsse gelangten nun die drei betreffenden Ent- 
würfe an den Verband der Architekten und Ingenieurvereine. 

Ende August 1885 fand in Breslau die Abgeordneten- Versammlung 
des Verbandes der Deutschen Architekten und Ingenieure statt, welche 
unter Anderm auch die Honorarnorm für die Ingenieurarbeiten zu 
berathen sich vorgenommen hatte. Aber wie bei den Verhandlungen 
über die Landmesserarbeiten im Deutschen Geometerverein schon 
sehr verschiedene Ansichten zu Tage traten, umsomehr zeigten sich 
bei den gesammten Ingenieurarbeiten principielle Verschiedenheiten 
und das Resultat der diesbezüglichen Besprechungen der Abgeordneten- 
Versammlung lief darauf hinaus, die betreffende Verhandlung über 
die Honorarnorm noch ein Jahr hinauszuschieben und den Hanno- 
verschen Architekten- und Ingenieurverein zu beauftragen, die in- 
zwischen eingegangenen Abänderungsvorschläge nochmals durchzu- 
arbeiten und Verbesserungsanträge der im August 1886 zu Frankfurt 
a. M. stattfindenden Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen 
Architekten- und Ingenieur vereine wiederum vorzulegen. 

Hiernach gelangten die drei Entwürfe der Gebührentarife für 
geometrische Arbeiten an den Architekten- und Ingenieurverein zu 
Hannover. Der Kommission dieses Vereins war nun mit drei Entwürfen 
keine grosse Freude bereitet, da, wie bereits erwähnt, bei einzelnen 
Ansätzen sich mehr oder weniger grosse Differenzen zeigten. Der 
Architekten- und Ingenieurverein wandte sich daher im September 
1885 an den Hannoverschen Landmesserverein und bat denselben, 
die drei vorliegenden Entwürfe zu einem Ganzen umzuarbeiten, einer 
Bitte, welcher sich der Verein unmöglich entziehen konnte. 

Die frühere Kommission des Hannoverschen Landmesservereins 
trat im Oktober vorigen Jahres nun wiederum in die Berathuugen 
ein ; da aber einzelne Mitglieder in Folge der Aufhebung der Finanz- 
direktion der Provinz Hannover nach Hildesheim versetzt waren, 
so wurden zwei Abtheilungen gebildet, von denen die eine in Hannover, 
die andere in Hildesheim tagte. Jede dieser Abtheilung verstärkte 
sich durch ortsansässige Fachgenossen und hielt bis zum Schlüsse 
des Jahres annähernd wöchentlich eine Sitzung ab. Die Vermittlung 
beider Abtheilungen übernahm der Unterzeichnete, welcher an beiden 
Sitzungen Theil nahm. Der Kommission lagen ausser den drei Ent- 
würfen des Hannoverschen, Rheinisch- Westfälischen und Branden- 
burgischen Feldmesservereins die Gutachten und Verbesserungsvor- 
schläge nicht nur vieler Fachgenossen vor, sondern es hatten auch 
mehrere Vereine des Verbandes der Deutschen Architekten- und 
Ingenieurvereine ihre Ansichten unumwunden mitgetheilt. Besonders 
waren der WürttembergerVerein für Bankunde (zu dessen Mitglied 
der betreffenden Kommission Herr Obersteuerrath Schlebach gehört), 
die Architekten- und Ingenieurvereine zu Hamburg, Breslau, Aachen 
und Darmstadt und der Architektenverein zu Berlin, welche mehr 
oder weniger Verbesserungsvorschläge zu dem ersten Entwurf des 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 231 

Hannoverschen Landmesservereins gestellt hatten. Die Architekten- 
und Ingenieurvereine zn Leipzig, Strassburg, Magdeburg, Karlsruhe, 
Danzig, Braunschweig nahmen theils die Vorschläge des Architekten- 
und Ingenieurvereins zu Hannover, beziehungsweise des Hannoverschen 
Landmesservereins unumwunden an, respektive lehnten eine ßetheili- 
gung an der Aufstellung einer Honorarnorm für Ingenieurarbeiten ab. 

Auf Grund des vorliegenden Materials und der fortwährenden 
Erkundigungen bei den einzelnen Fachgenossen ist nun der nach- 
folgende Entwurf für die Bezahlung der geometrischen Arbeiten 
entstanden. — Wir erwähnen zu demselben, dass es selbstredend 
nicht möglich war, den verschiedensten Ansichten gerecht zu werden. 
Besonders zeigten sich noch immerhin Differenzen mit den beiden 
Entwürfen des Rheinisch- Westfälischen und des Brandenburgischen 
Vereins. Soweit eine Vergleichung unseres jetzigen Entwurfes mit 
den beiden oben erwähnten Entwürfen möglich ist, fügen wir die- 
selben hinzu. In dem Hannoverschen Architekten- und Ingenieur- 
verein war beschlossen, dass bis Mitte März d. J. ein neuer Entwurf 
für die Honorarnorm der Iugenieurarbeiten beendet sein, dass jedoch 
nur die Endresultate der einzelnen Arbeiten zunächst zusammen- 
gestellt werden sollten. In Folge dessen lieferte der Hannoversche 
Landmesserverein Mitte Februar von dem nachfolgenden Entwürfe 
eine Zusammenstellung der Endresultate ab und sandte dieselben zur 
Begutachtung nicht nur an die gesammten Kommissionsmitgliederder 
beiden obengenannten Landinesservereine , sondern auch an alle 
diejenigen Fachgenossen, welche bisher in irgend einer Art sich an 
dem betreffenden Gebührentarif betheiligt hatten. Die hierdurch 
erfolgten Anstände wurden von der Kommission des Hannoverschen 
Landmesservereins wiederum berücksichtigt, so dass dem Architekten- 
und Ingenieurverein zu Hannover Mitte März eine neue Zusammen- 
stellung der Endresultate überreicht werden konnte, welche darin 
gipfelte, dass nicht wie in dem nachfolgenden Entwürfe für die Arbeit 
eiuer bestimmten Klasse nur eine Zahl angegeben wurde, sondern 
dass man das Intervall des neuen Entwurfes des Hannoverschen Ver- 
eins und der Entwürfe des Rheinisch- Westfälischen, beziehungsweise des 
Brandenburgischen Vereins angab. Diese Zusammenstellung nahm 
der Hannoversche Architekten- und Ingenieurverein an und wird die- 
selbe, hinweisend auf die ausführliche nachfolgende Bearbeitung, den 
einzelnen Vereinen des Verbandes der Deutschen Architekten- und 
Ingenieurvereine demnächst zukommen lassen. 

Zu der Ende August d. J. zu Frankfurt a. M. stattfindenden Haupt- 
versammlung des Verbandes der Deutschen Architekten- und Ingenieur- 
vereine wird diese Honorarnorm nun einer eingehenden Berathung 
unterzogen werden. Abänderungsvorschläge des vorliegenden Ent- 
wurfes können immerhin noch berücksichtigt werden und so bitten 
wir die gesammten Fachgenossen, welche irgend welche Anstände von 
Bedeutung haben, dem Referenten (Adr. : Vermessungsdirektor Gerke, 
Alteuburg [S.-A.]) baldmöglichst mittheilen zu wollen. Wir erlauben 
uns jedoch hierbei zu bemerken, dass uns mit einer blosen Mit- 



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232 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 

theilung, der eine oder andere Satz sei zu hoch oder zu niedrig, 
wenig gedient ist, sondern wir bitten auf die Tagesleistungen zurück- 
zugehen und uns diese angeben zu wollen. Hierbei fügen wir hinzu, 
dass eine mittlere Tagesleistung unter normalen Witterungsver- 
hältnissen zu Grunde gelegt ist. Den Ruhm, in einem Tage möglichst 
viel zu arbeiten, wie dieses aus manchen eingelaufenen Schreiben 
und Gutachten hervorgeht, wollen wir den Herren Kollegen selbst 
überlassen, ebenso wie wir andrerseits auch nicht zu geringe Tages- 
leistungen annehmen können. Vor allem würden wir denjenigen 
Kollegen, welche in Folge ihrer Stellung lange Jahre hindurch die 
Leistungen einer grossen Anzahl Fachgenossen zu beurtheilen im 
Stande sind, durch die Angabe der betreffenden Durchschnittswerthe 
zu ganz besonderem Danke verpflichtet sein. 

Wir bitten, den nachfolgenden Entwurf nicht einer zu scharfen 
Kritik zu unterwerfen, sondern die Schwierigkeiten, die die Auf- 
stellung desselben hervorrief, zu bedenken und hierbei in Betracht 
zu ziehen , dass , wie aus den obigen Mittheilungen ersichtlich , die 
Kommission des Hannoverschen Landmesservereins keine Arbeit 
gescheut hat, um den Ansprüchen möglichst gerecht zu werden, dass 
sie aber hierbei betont, die nachstehenden Zusammenstellungen für da 
zu nehmen, was sie sind, für einen Entwurf. Wir fügen hinzu, 
dass der Hannoversche Architekten- und Ingenieurverein in seinen 
ersten Mittheilungen , die er den Mitgliedern des Verbandes der 
Deutschen Architekten- und Ingenieurvereine macht, Folgendes sagt: 
»Das Gelingen der Aufstellung einer Norm für die Honorarzahlung, 
welche jeden einzelnen Fall völlig zutreffend deckt, erscheint uns 
von vorn herein unmöglich. Trotzdem wird eine auf Grundlage 
der gewöhnlich vorkommenden Aufgaben des Ingenieurs aufgestellte 
Norm für die Summe der Einzelfälle verwendbar sein, weil sie bald 
etwas zu hohe, bald etwas zu niedrige Ergebnisse liefert, und so 
bei längerer Thätigkeit Schaden und Vortheil des Ingenieurs aus- 
gleichen wird. Ebenso wenig ist zu erwarten, dass schon der erste 
Versuch der Aufstellung einer solchen Norm für die gewöhnlichen 
Arbeiten ein nach allen Richtungen befriedigendes Ergebniss haben 
wird, da das vorliegende Material nicht genügt, um die grosse Zahl 
völlig verschiedenartiger Fälle zutreffend beurtheilen zu können; 
aber gerade desshalb empfiehlt es sich, baldigst den weitesten 
Kreisen der Ingenieure einen ersten Versuch zur Verfügung zu 
stellen, damit dessen Mängel bald erkannt und verbessert werden 
können«. 



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v ■ ■ 

Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 233 



Inhalt des nachfolgenden Entwurfes. 

Seite 

§. 1. Allgemeines und Annahme der Jahreseinnahmen 233 

fi. 2. Eisenbahn-Vorarbeiten ; generelle und specielle 235 

§. 3. Eisenbahn-Vermessungen 238 

A. Parcellar-Aufnahmen für den Grunderwerb vor Beginn des Baues 238 

B. Schluss-Vermessungen 239 

C. Vermessungen während des Betriebs 241 

1. Längenmessungen, behufs Kilometer-Stationirung 241 

2. Bahnhofs-Aufnahmen 257 

§. 4. Vorarbeiten für den Wegebau 260 

§. 5. Präcisions-Nivellements 262 

{5. 6. Nivellements in Städten und kleinen Ortschaften 263 

§. 7. Flussaufnahmen ; Peilungen und Meliorations-Nivellements . . . 265 

§■ 8. Triangulation und Polygonisirung 269 

§. 9. Stück-Vermessung 273 

§. 10. Kartirung 275 

§. 11. Kopierung vorhandener Karten 276 

§. 12. Flächeninhaltsberechnungen 276 



§. 1. Allgemeines und Annahme der Jahreseinnahmen. 

In den nachfolgenden Zusammenstellungen ist eine Tagesleistung 
von acht Arbeitsstunden angenommen und ferner vorausgesetzt, dass 
der Landmesser mit den Arbeiten vollständig vertraut ist. Die Ent- 
schädigung für die Hinreise nach dem Orte der Arbeit und für die 
Rückreise ist in den nachstehenden Bezahlungssätzen nicht einbe- 
griffen, dieselben werden nach den vom Deutschen Geometervereiu 
(Zeitschrift für Vermessungswesen 1881 S. 341) normirten Sätzen*) 
bestimmt; dagegen enthält der Entwurf die Entschädigung für das 

*) Bezüglich der Vergütung von Reise- bezw. Transportkosten etc. gilt 
der allgemeine Grundsatz, dass dieselben, unter Berücksichtigung der wirklich 
erforderlichen, voll zurückerstattet werden. Hiernach ist in allen ausserge- 
wöhnlichen Fällen der durch besondere Umstände verursachte Aufwand nach- 
zuweisen. Für gewöhnlich ist die Anwendung folgender Sätze statthaft: 

A. Bei Reisen von mehr als 2 km von dem Wohn- bezw. Abgangsorte, 
welche nicht auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen zurückgelegt werden 



können, für jedes km 0,50 M. 

Entfernungen zwischen 2 und 10 km können mit dem Maxi- 
malsatze von 10 km oder 5,00 „ 

berechnet werden. 



Dagegen sind die Entfernungen unter 2 km sowie die inner- 
halb einer Tagesarbeit für dasselbe Vermessungsgeschäft zurück- 



gelegten Wege in der Regel nicht als Reise zu betrachten. 

B. Bei Reisen mittelst Eisenbahnen und Dampfschiffen : 

a. für jedes km der wirklichen Fahrt 0,13 „ 

b. für jeden Zu- und Abgang nach und von der Verkehrsstation 

zusammen 3,00 „ 



Wenn der wirkliche Kostenaufwand die unter A und B normirten Sätze 
überschreitet, so ist das Erforderniss glaubhaft nachzuweisen. 

Die vorstehenden Beträge dürfen für eine und dieselbe Reise nur einmal 
berechnet werden, auch wenn die ausgeführten Arbeiten auf Geschäfte für 
verschiedene Interessenten sich erstrecken. Im letzteren Falle ist die Vertheilung 
nach Maassgabe des Umfanges der verschiedenen Arbeiten zu empfehlen. 

Für die zu Reisen aufgewendete Zeit finden die Tagegebührensätze An- 
wendung. 




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234 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 

Vorhalten der Instrumente, für Papier, Schreib- und Zeichenutensilien. 
Für sonstige Materialien sind die haaren Auslagen zu vergüten. 

In Ansehung der Verschiedenheit der örtlichen und sachlichen 
Verhältnisse, von welchen die Arbeitsleistung und die Bezahlungs- 
sätze abhängen, sind nachstehend drei Grade unterschieden und zwar 
bezeichnet die Ziffer I günstige, II mittlere, III schwierige Ver- 
hältnisse bezw. bei Ortslagen einen geringen, mittleren und lebhaften 
Verkehr. Es wird dabei angenommen, dass je nach der Lage der 
Verhältnisse Zwischensätze der Tarife I und 11 bezw. II und III, 
sowie bei besonders schwierigen Verhältnissen Prozentzuschläge 
zu Tarif III zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart 
werden und dass Arbeiten, für welche der besonderen Umstände 
wegen die erforderliche Arbeitszeit nicht vorher taxirt werden kann, 
nicht in Accord, sondern nur in Diäten nach den unten angegebenen 
Sätzen ausgeführt werden. 

Die Angaben über die Art der Ausführung, wie dieselben in 
dem Entwürfe angenommen wurden, sind möglichst kurz gehalten, 
da dieselben als bekannt vorausgesetzt werden. Schlägt man zur 
Erreichung eines und desselben Zieles andere Wege ein, wie die 
angenommenen, so ändern sich dem entsprechend die Kosten. Bei- 
spielsweise kann man zu Konstruktion der Höhenkurven bei generellen 
Vorarbeiten, ausser der Festlegung und Aufnahme von Querprofilen, 
die Höhenlagen verschiedener Punkte durch barometrische oder 
tachymetrische Aufnahmen bestimmen ; bei der letzteren kann man 
ein graphisches Verfahren (Benutzung des Messtisches) einschlagen 
oder die einzelnen Punkte durch verschiedene Hülfsmittel berechnen 
und hierdurch auftragen. Sämmtliche Feldbücher und Berechnungen 
sind abzuliefern. 

Die Jahreseinnahme des Landmessers muss der Ausbildung und 
dem Stande gemäss unter Berücksichtigung der Altersversorgung 
sich auf mindestens 3 600 belaufen. Das Kalenderjahr kann unter 
Berücksichtigung der Sonn- und Feiertage und der Witterungsver- 
hältuisse nur zu 240 Arbeitstagen gerechnet werden. Dies gilt auch für 
die häusliche Arbeit, weil während des Winterhalbjahres alle Zeichen- 
arbeit durch die Kürze der Tagesdauer ganz erheblich behindert ist. 

Hiernach beträgt die Tagesgebühr*) 



a. für Feldarbeiten 20 Jk. 

b. < Hausarbeiten 15 > 



*) Der Rheinisch-Westfälische Entwurf hat dieselben Annahmen, die auch 
von den gesammten oben angegebenen Architekten- und Ingenieurvereinen 
für zutreffend erklärt wurden. Der Brandenburger Entwurf nimmt dieselben 
Jahreseinnahmen an, rechnet aber 300 Arbeitstage und setzt in Anbetracht 
der Feldzulage für die Feldarbeiten 18 für die Hausarbeiten 12 M. an. Durch 
diese Differenz, welche der Brandenburger Entwurf mit dem nachfolgenden 
Hannoverschen Entwürfe schon bei der Annahme der Grundlage hat, lässt sich 
eine Vergleichung beider Entwürfe nicht direkt angeben. Wenn wir beide 
Tarifsätze in der Folge trotzdem miteinander vergleichen, so geschieht dieses 
nur, um die Endresultate neben einander zu stellen, wobei dann zu berück- 
sichtigen ist, dass der Brandenburger Entwurf nach den von dem Hannoverschen 
und Rheinisch-Westfälischen Entwürfe angenommenen Tagesgebühren zu gering 
veranschlagt ist. 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 235 



Bei Festsetzung des Tagelohnes der Arbeiter ist zu berück- 
sichtigen, dass die Arbeiter gar viele Tage fast nichts leisten können 
und doch bezahlt werden müssen; es sind daher als Lohn für einen 

Arbeiter — oder rund 3 M. anzusetzen. 

240 



§. 2. Eisenbahn-Vorarbeiten. 





Tagesleistung 


Arbeitszeit 






n km. 


dto km 


A. Generelle Eisenbahn-Vorarbeiten. *) 


Richtung der 
Bahnaxe. 


ir 


Tagen. 


I. Feldarbeiten. 


I 


ii 


III 


i 


II 


in 


1. Recognoscirung 

2. Abstecken der Bahnlinie nach un- 


8 


5 


2 


0,13 


0,20 


0,50 


gefahren Angaben 

3. Stationirung bei einfacher Längen- 


6 


5 


2 


0,17 


0,20 


0,50 


messung 


7 


5 


3 


0,14 


0,20 


0,33 


4. Einfaches Längennivellement . . 

5. Querprofile, bezw. Nivellements: 


7 


5 


3 


0,14 


0,20 


0,33 


Pro km Bahnlänge sind annähernd 
erforderlich : 














ad I 10 Profile ä.500 m =5 km 
» II 20 > ä.300 > =6 » 

> III 30 > ä250 > = 7,5 














An Querprofilen sind täglich bei 














I 10, bei II 5, bei III 2 km 
aufzunehmen 


2 


0,8 


0,27 


o 

© 


1,20 


3,80 


6. Geringe Ergänzungen der Situa- 






tion u. s. w 


5 


3 


2 


0,20 


0,33 


0,50 


Im Ganzen . . 











1,28 


2,33 


5,96 


rund 


— 


— 


— 


1,3 


2,3 


6,0 


II. Hausarbeiten. 














1 . Kopie der Kataster karte auf Trans- 














parentpapier 500 m breit , 1 km 
lang. Maassst. 1 : 2500 .... 


3 




2,5 


0,33 




0.40 


2. Reduktion der Karte 1:1000. . 

3. Ausrechnen der Querprofile, Auf- 


5 





4 


0,20 


— 


0,25 


tragen derselben und Einzeichnen 
der Horizontalkurven 


1 




0,6 


1 




1,66 


4. Anfertigung des Planes nach mi- 












nisteriellen Vorschriften .... 


1 


— 


0,6 


1 




1,66 


Im Ganzen . . 











2,53 





3,97 


rund 


j 




— 


2,5 


3,3 


4,00 



*) Kostenangaben über barometrische und tachymetrische Aufnahmen 
sind sehr erwünscht. 




236 Gerke. Entwarf zu einem Gebührentarifo für geometrische Arbeiten. 

Demnach betragen die Kosten eines Kilometers der generellen 
Eisenbahu- Vorarbeiten : 



Feldarbeiten. 


Hausarbeiten. ; 


-7 


Für den Land- II 


pro Tag 1 

15 A 


Im Ganzen. 


messer pro Tag ; hür b Arbeiter | 
20 .« ä Tag 3 Ji 



i ii I irr » i | u 1 m i! i 1 ii m 


1 


11 


III 


26 46 120 11,7] 20,7 j 54, oj 37,5 49,5 60 


75,2 


116,2 


234 


rund . . . . j 


1 75 


120 


235 l 


Rh. W. E. *) . 


77 


136 


241 


Br. E. . . . 


60 ; 




120 



Der Rh. W. E. schliesst die Auftragung des Längenprofils zu 
4 II aus und setzt voraus, dass die Eisenbahn-Verwaltung das 
Projekt durch ihre Ingenieure oder Landmesser aufstellen lässt und 
nur die Unterlagen hierfür zu schaffen sind. 

Der Br. E. schliesst ausserdem eine Massen- und Flächenberech- 
nung in sich. 



B. Spezielle Eisenbahn-Vorarbeiten. 

I. Feldarbeiten. 

1. Recognosciren 

2. Abstecken der Bahnlinie und Fest» 

legen derselben 

3. Kurvenabsteckung und Winkel- 
messung. 

Auf 1 km Bahnlänge sind bei I 
0,2 , bei II 0,5 , bei III 0,6 km 
Kurvenlänge anzunehmen . . . 

4. Stationiren mit doppelter Längen- 
messung 

5. Doppeltes Längennivellement mit 
Anschluss an die Höhenmarken . 

6. Einmessung der Winkel- und Fix- 
punkte 



Tagesleistung 
in km. 
Richtung der 

Bahnaxe. 

1 


Arbeitszeit 
pro km 
in Tagen. 


I 


II 


III 


I 


II 


III 


8 


6 


4 


0,13 


0,17 


0,25 


1 5 


4 


2 


0,20 

' 


0,25 


0,50 


2 


1 


0,3 


0,50 


1,0 


3,33 


4 


2 


1 


0,25 


0,50 


1,00 


2,5 


2 


1 


0,40 


0,50 


1,00 


6 


4 


2 


0,17 


0,25 


0,50 








1,65| 2,67 


6,58 



*) Rh. W. E. bedeutet der oben bezeichnete Entwurf des Rheinisch- 
Westfalischen Feldmesser-Vereins, und 

Br. E. der oben angegebene Entwurf des Brandenburgischen Geometer- 
Vereins, während unter 

H. E. der hier vorliegende Entwurf des Hannoverschen Landmesser- 
Vereins verstanden sein soll. 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebiihrentarife für geometrische Arbeiten. 237 





Tagesleistung 
in km. 


Arbeitszeit 




Richtung der 




pro km 




Bahnaxe. 


in lagen. 




I 


1 11 


1 111 


i 


a 


1 111 


7. Querprofile: Uebertrag . 








1,65 


2,67 


o 

Ql 

00 


1 II III 














Durchschnittliche 
Länge der Profile 100 80 60 m 
Anzahl der Profile 40 50 100 
Tagesleistung . . 8 5 1,5 km 


2 


1,25 


0,25 


0,50 


0,80 


4,00 


8. Geometrische undnivellitische Auf- 










nähme der Wege und Wasserläufe 
9. Ermittlung der Ilochwasserstände, 


1,5 


1,0 


0,5 | 


0,66 


1,0 


2,0 


Aufnahme der Brücken, Durch- 














lässe, Mühlen, Meliorationsanlagen 
und dergleichen 


4 


3 


2 


0,25 


0,33 


© 

o 


Im Ganzen . . 











3,06 


4,80 


13,08 


Mithin kann man für den Landmesser 








auf die Strecke von 1 km an Feld- 
arbeitstagen rechnen rund . . . 








3,0 


4,8 


13 


und unter der Annahme von 3Arbeitern 












an Lohntagen 

annehmen. 


— 


' 


— ■ 


9,0 


14,4 


39 





Tagesleistung 


Arbeitszeit 




in km. Richtung j 


pro km 




der Bahnaxe. 


in 


Tage 


n. 


II. Hausarbeiten. 


i 


II 


III 


i 


1 II 


1 in 


1. Kopie des vollständigen Situations- 
planes 


1 1,5 




1,5 


0,66 




0,66 


2. Einträgen der Bahnaxe, Wege und 
Wasserläufe 


4 




1,0 


j 

0,25 




1,0 


3. Aufträgen der Querprofile, Berech- 
nung derselben und Einrechnen 
der Horizontalkurven, sowie Ein- 
zeichnen und Ausziehen derselben 


0,5 




0,16 


2 




6 


4. Aufträgen des Längenprofils . . 


0.33 


— 


0,25 


3 


— 


4 


5. Einträgen des Projekts in das 
Längenprofil und in den Situations- 
plan 


0,5 


— 


0,3 


2 




3,3 


Im Ganzen . . 


_ 


, 




7,91 


, J 


14,96 


Mithin kann man für den Landmesser 
an Hausarbeitstagen annehmen rund 


— 


— 


! 


8 


12 


| 15 

1 



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Feldarbeiten. 


Hausarbeiten. 

pro Tag 
15 M. 


Im Ganzen. 


Für den Land- I 
messer 

pro Tag 20 Jt. 1 


Für 3 Arbeiter 
ä Tag 3 M. 


I 


II 


1 III 


I 


II 


1 III 


I 1 II | III 


I 


1 II 1 HI 


60 


96 


260 


27 


43,2 


117 

i 

1 


120 180 225 
[rund 


207 

210 


319,2 

320 


602 

600 


Der Rh. W. E. hält es für nothwendig, 
vor Beginn der eigentlichen speziellen Vor- 
arbeiten noch Schichtenpläne , sogenannte 
Studienpläne anzufertigen, unter deren Hin- 
zufügung die Kosten sich belaufen auf. . 

Der Br. E. gibt die Kosten zu ... . 
und unter Annahme besonderer Schwierig- 
keiten, beispielsweise bei bewaldetem Ter- 
rain zu 


202 

190 

190 


445 

425 


857 

575 

820 



Hieraus ergaben sich die Gesammtkosten der Eisenbahn- 
Vorarbeiten zu: 





A. 

Generelle 

Vorarbeiten. 


B. 

Spezielle 

Vorarbeiten. 


A. und B. 
Im Ganzen. 

1 




1 I 


II 


III 


I 1 II 


III 


I 


II 


ui 


Hannover’sch. Entwurf 


75 


120 


235 


21 0 1 320 


600 


285 


440 


895 


Rhein.-Westf. Entwurf 


77 


136 


241 


202 445 


857 


279 


581 


1098 


Brandenburg. Entwurf 


60 


— 


190 


190! — 


575 


250 


— 


765 


und unter schwierigen 
Verhältnissen . . . 


— 






190 425 

I 


820 


250 


550 


1010 



§. 3. Eisenbahn-Vermessungen. 

A. Parzellar-Aufnahmen fiir den Grunderwerb vor Beginn des Baues. 

Diese Aufnahmen werden ausgeführt, wenn keine genügenden 
Karten vorhanden sind. Die Aufnahme erfolgt zu 100 m nacli 
beiden Seiten der Bahnaxe. 

Die Bahnhofslängen sind doppelt zu nehmen, da die Breite der 
aufzunehmenden Fläche entsprechend grösser sein muss. Es wird 
vorausgesetzt, dass etwa vorkommende Grenzbestimmungen, welche 
nur nach Gebühren auszuführen sind, ausgeschlossen werden. 

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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 239 





Tagesleistung 


Arbeitszeit 




i 


in km. 


eines km. 




i 


I II 


III 


I i 


l II 


III 


Es erfordert: 












1 


die Vermessung 


0,3 


0.2 


0,1 


3,33 


5,0 


10,0 


die Kartirung, inch Beschreiben . . 


0,25 


0,2 


0,15 


4,0 


5,0 


6,66 



Hierbei wird vorausgesetzt, dass nur die Bahnaxe und nicht 
das Projekt in die Karten eingetragen wird. 



Es betragen die Kosten der Aufnahme und Kartirung eines 
Kilometers : 





Feldarbeiten. 




Hausarbeiten. 


f 






Für den Land- 


Für 3 Arbeiter 


pro Tag 


Im Ganzen. 


messer 20 Jt. 


k 3 M. 


15 M. 










I 


II 


in ! 


i 


II 


m 


I 


II 


III 


I 


II 


Ill 


67 


100 


200 


30 


45 


90 


60 


75 


100 


157 


220 


390 












rund 






160 


220 


390 












Rh. W. E. 


. 


160 


245 


440 












Br. E. 


. 




130 


— 


350 



B. Die Schluss-Vermessungen. 

Diese werden während und nach Ausführung des Baues vor- 
genommen. Im ersten Falle ist es unmöglich, einen Kostenanschlag 
auch nur annähernd aufstellen zu können, da durch den Bau 
unberechenbare Störungen entstehen, so dass im Folgenden ange- 
nommen wird, der Bahnkörper sei bereits fertig gestellt. 

Sind ausreichende Karten vorhanden , so beziehen sich die 
Schlussvermessungen nur auf den Bahnkörper und dessen Anlagen. 

Die Aufnahme ist auf eine Breite von je 100 m zu beiden Seiten der 
Bahnanlagen, mindestens aber bis an natürliche Grenzen (Flüsse, 
steile Bergabhänge, geschlossene Orts- und Stadtlagen etc.) auszu- 
dehnen. Die Tunnels kommen in Wegfall, wenn das Terrain ober- 
irdisch nicht erworben wird, dagegen wird bei Anfertigung der 
Spezialpläne für die Aufnahme 25 Prozent der Kosten in Anrech- 
nung zn bringen sein. 



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240 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 





Tagesleistung 


Arbeitszeit 




in km Dichtung 


1 eines km 




der Bahnaxe. 


j in 


Tagen. 




I 


11 


III 


1 


II 


III 


1. Begrenzung des Bahnkörpers durch 
Steine, wobei die ursprünglichen, 
durch den Bahnbau verdunkelten 
Grenzen vorher gegen Diäten herzu - 
stellen sind. Das Setzen der Steine 
übernimmt der Landmesser. . . 


0,3 


0,2 


0,1 


3,33 


5 


10 


2. Vermessung 


0,4 


0.3 


0,2 


2,5 


3.33 


5 


3. Kartirung und Fertigstellung der 
definitiven Parzellarkarte . . . 


0,25 


0,22 


0,2 


4,0 


4,5 


5 


4. Doppelte Flächenberechnung und 
Aufstellung des Vermessungs- 
Registers 


0,5 


0,33 


0.2 

0,5 


2,0 


3,0 


5,0 


5. Definitive Regulirung des Grund- 
erwerbs 


1 


0,66 


1,0 

3 


1,5 


2,0 


6. Unterlage für Fortschreibung des 
Katasters 


0,33 


0,25 


0,15 


4 


6,6 


Im Ganzen ergibt sich für den Land- 
messer: an Feldarbeitstagen , . 


- 






5,8 


8,3 


15 


an Hausarbeitstagen . . 


— 




— 


10 


13 


18,6 


Für 3 Arbeiter erhält man an Lohn- 
tagen im Ganzen 








- 


17.5 


25 


45 



Hiernach betragen die Kosten für die Schlussvermessungen 
einer Bahnstrecke von 1 km Länge : 





Feldarbeiten. 


Hausarbeiten. 








Für den Land- 


Für 3 Arbeiter 


pro Tag 


Im Ganzen. 


messer 20 A 




■ 


15 A 










I 


II 


EB 




3 


I | II 


III 


i 


II 


III 


116 


166 


300 1 52,5 


i 

75 135 


1 

150| 195 


289 


318,5 


436 


724 










oder H. E. rund 




320 


440 


725 










Rh. W. E. . . . 




315 


455 


750 


Fallen die Fortschreibungsarbeiten ad 6 








fort, so 


gibt der 11. E. . . 






275 


380 


625 








Rh. W. E. 






270 


380 


615 








Br. E. . 






210 


1 


570 



Die Bahnhofsaufnahmen gibt der H. E. unter C. 2 an, während 
der Rh. W. E. die Bahnhofslängen doppelt berechnet. 



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r»*r "V ' 



Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 241 
Der Rh. W. E. fügt hinzu: 

»Werden ausser den definitiven Grunderwerbsplänen noch 
besondere Specialpläne verlangt, welche alle ober- und unterirdischen 
Anlagen enthalten sollen, so ist, unter der Voraussetzung, dass 
dem Landmesser die Handrisse über die unterirdischen Anlagen 
(welche wärend der Bauausführung seitens der Bauverwaltung auf- 
zunehmen sind) übergeben werden, der Satz ad 2 um 50°/ o zu erhöhen, 
so dass die Mehrkosten betragen : 





in Mark 




I 1 


ii 


III 


a. 50% der Kosten ad 2 rund 


35 


50 


75 


b. Für Herstellung des Spezialplanes 

I 


1 30' 


40 


50 


Im Ganzen . . 




65 


90 


125 


Mithin belaufen sich die Gesammtkosten in diesem 
Falle zu 


380 


545 


875 


oder bei Wegfall der Fortschreibungsarbeiten zu . 


1 335 

1 


470 


740 

1 



C. Vermessungen während des Betriebes. 

I. Längenmessung mit Anfertigung der graphischen 
Darstellungen. 

Es bedeutet: I eine Strecke ohne Zwischenpunkte, sodass nur 
die Hektometer- und Kilometerstationen angegeben werden ; II 
Strecken mit einigen Objekten ; III Strecken mit vielen oder 
schwer zu bestimmenden Objekten. 





Tagesleistung 


Arbeitszeit 




in km. Kichtung 


eines km 




der Bahnaxe. 


1 ir 


i Tagen. 




I 


1 II 


1 ui 


j I 


i II 


1 III 


1. DoppelteLängenmessungunter An- 
gabe der Schnittpunkte aller Bau- 
werke und der Fusspunkte der Per- 
pendikel für Gebäude, Neigungs- 
zeiger, Wärterbezirke , Gemar- 
kungsgrenzen u. s. w 


6 


4 


3 


0,17 


0,25 


' 0,34 


2. Aufträgen — auf Schreib-Folio- 
Format- Papier 


12 


8 


4 


00 

o 


0,13 


0,25 



Zeitschrift für VcrmeftflnitRSweftcn. 18 S 6 . 10. Heft. 



16 



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242 Fenner. Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 



Demnach betragen die Kosten eines Kilometers Längenmessung : 



Feldarbeiten. 


Hausarbeiten 1 

! pro Tag | 

15 M. 




Im Ganzen. 
Mark. 


Für den Land- 
messer 20 Ji. 

i 


Für 8 Arbeiter 
ä 3 A. 


I | II i 


III 


I | II | III 


; I I II I III 


I 


II 


III 


3,4 | 5,0 


6,8 


1,5 2,3 j 3,0 


| 1,2 1,9 | 3,8 


6,1 


9,2 


13,6 






rund .... 




6 


10 


14 






Vergleiche Br. E. mit . 


14,5 


— 


27 



In dem Br. E. ist das Setzen der Steine und die Vervielfältigung 
der graphischen Darstellungen durch Umdruck einbegriffen. Beide 
Arbeiten dürften indess von der Verwaltung zu bewirken sein. 

Der Rh. W. E. enthält die Kostenanschläge von C. gar nicht. 
(Schluss folgt.) 



Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 

(Schluss.) 

II. Einer der Drehpunkte C oder D sei nicht genau senkrecht 
über der Achse der Laufrollen angeordnet, oder allgemeiner gespro- 
chen, die Ebene der Drehachsen C und D bilde mit der Laufrollen- 
achse Eil einen kleinen Winkel e (big. 4). 




In diesem Fall nehmen wir 
die Anfangslage von D G als I- 
Achse, die Senkrechte durch D 0 
als X-Achse, so dass letztere mit 
der Bewegungsrichtung D 0 X' des 
Drehpunkts D den Winkel e ein- 
schliesst. Nach wie vor besteht 
dann die Beziehung (1) 

d u = a sin udx', (1) 

zwischen x' und a einerseits, x 
und y andrerseits gelten dagegen 
die neuen Gleichungen 

sin u = • • (2*) 

x' = sec e (x — f cos u) 
wenn y' die Ordinate und x' = L 



den Weg des Drehpunkts D bedeutet. Es folgt hieraus 

dx' — sec e (dx -f -fsin a da) (3*) 



1 



i 

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Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 243 

In (1) eingesetzt erhält man 

du = C sec e (y dx — y' dz -f-/ 2 sin 2 a da) . . . (4*) 
und nach der Integration, da das 3. Integral wie früher verschwindet, 

m = C {Fläche — Jy' d x } (5*) 

Diese Gleichung zeigt, dass unter der Annahme II. nicht mehr 
die umfahrene, sondern eine andere Fläche dem abgewälzten Bogen 
an der Integrirrolle proportional ist. Denn betrachten wir y' als 
die Ordinate des Punktes S, der Projektion des Drehpunkts D auf 

die Ordinate des Fahrstifts, so stellt offenbar f y' dx nichts anderes 
dar, als die von der Gesammtheit der Punkte S umschlossene 
Fläche X. Die Kurve der S besteht, entsprechend dem Hin- und 
Hergang von D auf D 0 X' aus 2 Theilen, die aber, wie wir zeigen 
werden, im allgemeinen nicht zusammenfallen, so dass die Fläche 
X in der That einen von Null verschiedenen Werth hat. Denken 
wir uns nämlich (s. Fig. 5) für dieselbe Lage von D die beiden 
Stellungen DF l und DP, des Fahrarms, so werden die Ordinaten 
von Fi und F t im allgemeinen verschiedene Lagen haben und 
daher auf jeder Projizirenden DS zwei getrennte Kurvenpunkte 
und S t liegen, von denen die ersteren den einen, die letzteren 
den andern Kurventheil bilden, welche die Fläche 2 zwischen sich 
einschliessen ; nur im Fall die X-Achse oder näherungsweise die 
Senkrechte D U X' zur Rollenachse Symmetrielinie für die umfahrene 
Figur ist, fallen beide Kurventheile zusammen und nimmt 2 den 
Werth Null an. 

Diese Fläche X — wir wollen sie die fehlerzeigende Figur nen- 
nen — repräsentirt also den Fehler, mit welchem die Angabe des 
Planimeters behaftet ist, sofern die Ebene der Drehachsen G und 
D der Achse der Laufrollen RR nicht parallel ist.*) Man bemerkt, 
dass es auf den Abstand des Drehpunktes D von RR selbst gar 
nicht ankommt, sondern lediglich auf die Neigung e von CD gegen 
RR] es wird daher die Flächenmessung nicht fehlerhaft, so lange 
die Laufrollenachse RR der Ebene der Drehachsen C und D 
parallel ist. 

Auf die Kurve der Punkte S werden wir im folgenden zurück- 
kommen. Wir erwähnen noch, dass die Instrumentalkonstante K 
gegen den normalen Fall im Verhältniss cos e : 1 verkleinert ist. 



*) Nach Gleichung (4*), wenn darin das 3. Glied weggelassen wird, kann 
man sich vorstellen, dass bei der mechanischen Integration mit einem in dieser 
Beziehung fehlerhaften Planimeter die Ordinaten der umfahrenen Figur nicht 
von der „Y-Achse aus, sondern von dem Umfang der Kurve S ab gerechnet 
werden. 

16. 



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244 



Fenner. Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 




f* 9" 



III. Hiernach wollen wir nun 
untersuchen, in welcher Weise das 
Messungsergebnis des Rollplani- 
meters beeinflusst wird, wenn die 
Achse der Inteyrirrolle dem Fahr- 
arm nicht parallel ist. 

Die Ebene der Integrirrolle 
DB bilde also mit dem Fahrarm 
DF den Winkel 90-f-e (Fig. 5). 
Behalten wir die früheren Bezeich- 
nungen bei und legen auch das 
Koordinatensystem durch die An- 
fangslage D 0 von D derart, dass 
der Fahrarm den Winkel BDC=u 
mit der X-Achse, d. h. letztere den 
Winkel e mit der Bewegungsrich- 
tung D 0 X' (senkrecht zu RR) 
einschliesst, so bleibt erstens das 
zwischen du und dx' gefundene 
Verhältniss (I) ungeändert und zweitens gelten zwischen x' und a 
einerseits, x und y andrerseits genau wieder die für Fall II. auf- 
gestellten Beziehungen (2*) und (3*). In Bezug auf die Fehler- 
wirkung sind daher die beiden Fälle ganz identisch und bei einer 
Prüfung des Instruments wird sich nur die resultirende Wirkung 
beider Fehlerursachen zu erkennen geben. 

Was nun die Möglichkeit anlangt, das Instrument auf die 
unter II. und III. betrachteten und als schädlich erkannten Kon- 
struktionsungenauigkeiten zu prüfen, so beruht dieselbe darauf, 

dass der Werth des Integrals J'y' dx d. i. die Fläche X der fehler- 
zeigenden Figur verschiedenes Vorzeichen annimmt, je nachdem 
die umfahrene Fläche rechts oder links von der Geraden D 0 X' 
sich befindet, in der sich der Drehpunkt D des Fahrarms bewegt. 

Man erkennt dies sofort aus der 




6 



nebenstehenden Figur 6 ; beim 
Umfahren des Kreises ist die vom 
Planimeter gemessene Fläche 
bei Lage I. (links) 

So Fq F} Fs St Si • — So F 0 7' 3 7- 2 S a 
also um X’ kleiner als die Kreis- 
fläche 

bei Lage II. (rechts) 
SoFo'Ft’Ft' S % S X 
— S 0 F 0 'I lt ’F,’S t S i 

also um X grösser als die Kreis- 
fläche. 

Die Differenz der Resultate 
in Lage I. und II. entspricht dem 
doppelten Neigungsfehler e und das arithmetische Mittel derselben 
ist frei von diesem Fehlereinfluss. 




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Fenner. Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 



245 



Man kann daraus die Regel ableiten, die sich für alle Fälle 
als gültig erweist, dass der Winkel zwischen dem Fahrarm und 
der Ebene des Rollenrandes zu verkleinern oder zu vergrössern ist, 
je nachdem bei >Figur links< oder bei »Figur rechts< die kleinere 
Fläche erhalten wird. Für den Gebrauch aber entspringt hieraus 
die Vorschrift, das Instrument so aufzustellen, dass die Bewegungs- 
richtung von D möglichst Sgmmetrielinie der auszumessenden Figur 
sein soll. 



Fig. 7 





IV. Wir machen jetzt die Annahme, die Translationsbewegung 
des Instruments erfolge nicht genau rechtwinklig , sondern unter dem 
Winkel 90 — t gegen die Achse der Laufrollen RR gerichtet. 

Der Drehpunkt D (Fig. 7) be- 
wege sich also etwa in der Geraden 
DoX' statt auf der X-Achse Z> 0 X. 
Damit dies möglich sei, müssen die 
Laufrollen R zunächst um dx' pa- 
rallel zur X-Achse rollend, sodann 
parallel zur X-Achse um den Betrag 
dt/ gleitend sich fortbewegen. Da 
sich aber nur die Bewegungskom- 
ponente dx' auf die Integrirrolle 
überträgt, so bleibt 

du — « sin u dx 

R\ X 13 

Auch ist wie früher zu setzen 

V — y' 

smu — - y - 

x' = x — f cos « 
dx' = dx -\-fsin a du 




woraus folgt 



J'd u = «= C j Fläche — j'y’ dx 



Abgesehen von dem Werth der Konstanten, der unverändert 
geblieben ist, sind wir also zu demselben Resultat wie bei An- 
nahme II. gelangt und hieran wird offenbar auch dann nichts 
geändert, wenn sich der Drehpunkt D auf einer beliebigen Kurve 
bewegt , sofern nur die Achse der Laufrollen sich stets parallel bleibt. 

Falls daher (etwa in Folge schräger Riffelung der Laufrollen) die 
Achse R R der Laufrollen eine schiefe oder in ihrer Richtung ver- 
änderliche Translationsbewegung macht, so wird der Fehler der 
Planimeterangabe durch eine fehlerzeigende Figur -i' dargestellt, 
welche sich aus der Bahn von D genau so konstruirt, wie cs unter 
II. gezeigt wurde, nämlich durch eine zu R R senkrechte Projektion 
von D in allen seinen Lagen auf die jeweilige Ordinate des Fahr- 
stifts F; hierbei ist nicht ausgeschlossen, dass D beim Hin- und 
Rückgang verschiedene Bahnen durchläuft. 



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246 



Fenner. Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 



V. Wir gehen nun noch einen Schritt weiter und betrachten 
den Fall, dass die Rollenachse RR ausser einer beliebig gerichteten 
Translation noch eine Drehung erfährt, dass also der Drehpunkt D 
eine beliebige Kurve beschreibe, zu der die Rollenachse stets senk- 
recht gerichtet bleibe.*) 



F,?. 3 




Die Anfangslage R 0 R 0 der Lauf- 
rollenachse (Fig. 8) sei wiederum die 
T-Achse, die Senkrechte durch D 0 die 
X-Achse. Die Elementarbewegung der 
Rollenachse aus der Lage RR in die 
nächstfolgende R t R , können wir uns 
entstanden denken aus einer Translations- 
bewegung im Betrage da in der Rich- 
tung der Kurvensehne D Z>, , d. i. recht- 
winklig zur Rollenachse, und durch eine 
Drehung im Betrage des Kontingenz- 
winkels dy um den Punkt D l . Bei 
dieser Drehung kann offenbar nur ein 
Gleiten und kein Wälzen der Laufrollen 
stattfinden, da ja beide Rollen im ent- 
gegengesetzten Sinne zu rollen streben. 
Die Translationsbewegung dagegen be- 
wirkt von den Laufrollen die Abwälzung 



eines Bogens 




cos y 



unter y den Winkel verstanden, den die Rollenachse in der belie- 
bigen Lage R R mit ihrer Anfangslage R 0 R 0 bildet. 

Nach dem früheren ist der entsprechende von der Integrier- 
rolle abgewälzte Bogen 

du — Cf sin ads — Cf S *' w a d x'. 

J J COSy 



Zwischen x' und x besteht in diesem Fall die Beziehung 



und 

daher wird 



x' =x — fcos(ct-\-y) 
dx' — dx +fsin (« -)- y) d (« -f- y ) ; 



du = C\ dx +/* Sm - sin (« + ;-) d(a + y) 

'• cos y •'cosy v v ' ' 



*) Es wird dieser Fall eintreten können, wenn beide Laufrollen nicht 
genau gleichen Durchmesser haben, oder wenn die Drehachse des Fakrarm 8 
nicht durch den Schwerpunkt des Instruments geht und die Riffelung der 
Laufrollen keinen hinreichenden Widerstand gegen den exzentrisch aasge- 
übten Zug des Fahrarms darbietet; vermuthlich mit aus diesem Grund bringt 
der Verfertiger in neuerer Zeit auf der Seite der weniger belasteten Laut' 
rolle ein Gegengewicht an. 



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Fenner. Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 



247 



Das Integral des 2. Gliedes wird Null, sobald seine beiden 
Grenzen gleich werden ; somit wird 




sin a 
cos y 



dx. 



/ 

sein. 



cos ■ 



9 



Um das Integral auszuwerthen, müsste die Beziehung zwischen 
und x, d. h. die Gleichung der Bahn des Drehpunkts D bekannt 
Aber auch ohne das lässt sich wenigstens die geometrische 

Bedeutung dieses Integrals leicht erkennen ; es ist nämlich f 

dasjenige Stück der Fahrstiftordinate y, welches wir in Fig. 9 

mit FS — y" bezeichnet haben. S ist 
der Schnittpunkt der Senkrechten zur 
Rollenachse, d. i. der Bahntangente in D 

mit der genannten Ordinate. f——dx 
° J COSy 

ist somit das (in der Fig. 9 schraffirte) 
Element einer Fläche, welche einerseits 
von der mit dem Fahrstift umfahrenen 
Kurve, andrerseits von einer Kurve 
iS 0 SS' begrenzt wird, welche aus der Ver- 
bindung aller Schnittpunkte S der Bahn- 
tangente mit der jeweiligen Ordinate des 
Fahrstifts entsteht. 




Wollten wir nun auch die Annahme gelten lassen, dass das 
Instrument bei der rückläufigen Bewegung nach und nach genau 
wieder in die früheren Lagen zurückkehre, dass insbesondere der 
Punkt D genau dieselbe Bahn D' I) D 0 rückwärts durchlaufe (eine 
Annahme, die bei den als Ursache einer Drehbewegung angeführten 
Konstruktionsmängeln kaum gerechtfertigt erscheint), so entsprächen 
doch, wie wir bereits früher sahen, derselben Lage von D und DS 
ganz verschiedene Lagen des Fahrstifts F (s. Fig. 10) und somit auch 
verschiedene Kurvenpunkte S, so dass die beiden beim Hin- und 
Hergang des Instruments von S erzeugten Kurventheile nicht zu- 
sammenfallen, sondern wiederum die fehlerzeigende Figur JS um- 

/ Sift (t 

f dx den In- 

COS y 

halt der umfahrenen Fläche, nach Abzug der fehlerzeigenden 
Figur JS, welche aber auch negativ sein kann, so dass wir setzen 
können : 



u = C j Fläche + — ’ j 



Unsere Untersuchung hat uns also zu folgendem Resultat 
geführt: Erfährt beim Umfahren einer Fläche die Achse der Lauf- 
rollen des Rollplanimeters in Folge von /deinen Konstruktionsmängeln 
eine Drehung , so subtrahiert das Planimeter algebraisch von dem 
Inhalt der auszumessenden Fläche den der fehler zeigenden Figur IS. 



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248 



Fenner. Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters. 



Erweitern wir den gewöhnlichen Begriff des Projizirens dahin, 
dass wir für die Projektionsrichtung eine gesetzmässige Veränder- 
lichkeit zulassen, so lässt sich die Entstehung der fehlerzeigenden 
Figur 2 genau so wie in den Fällen II. bis IV. definiren, nämlich , 
durch Projektion von D, senkrecht zu R h\ auf die jeiveilige Ordinate 
des Fahrstifts, oder allgemeiner auf eine feste Richtung durch den 
Fahrstift, parallel zu einer beliebigen Lage der Laufrollenachse. 

Dass die Grösse von 2 im vorliegenden Falle im allgemeinen 
weit grösser sein wird als in den Fällen II. bis IV. lässt sich schon 
daran erkennen, dass der Raum zwischen den in Fig. 10 diver- 
genten Projizierenden D S, welche die Figur einschliessen, viel 
grösser ist als zwischen den parallelen Projizirenden der Fig. 6; 
im übrigen wechseln Form und Grösse von 2 mit der Stellung des 
Instruments gegen die zu messende Fläche; ein Minimum wird 2, 
wenn die Senkrechte auf die Laufrollenachse die umfahrene Fläche 
in zwei symmetrische Hälften theilt. 

Um eine Vorstellung von dem 
allgemeinen Charakter der Fläche 
2 zu geben, haben wir dieselbe 
in Fig. 10 für den Fall kon- 
struirt, dass die Bahn des Dreh- 
punkts D ein flacher Kreisbogen 
und die auszumessende Fläche 
gleichfalls ein Kreis sei. 

Bei andern Stellungen des In- 
struments gegen den Kreis als die 
gezeichnete kann 2 auch die aus- 
geprägteren Schleifenformen a)und 
b) Fig. 10 annehmen, von denen 
«) die günstigere wäre, weil die 
beiden Schleifen verschiedenes Vor- 
zeichen haben und 2 daher nur 
aus der Differenz beider besteht. 

Zusammenfassung der Resultate. 

Ueberblicken wir nun zum Schluss nochmals die unter I. bis V. 
gewonnenen Resultate, so ist daraus hervorzuheben, dass eine Ab- 
weichung e vom Parallelismus sowohl zwischen der Integrirrollen- 
achse und dem Fahrarm als auch zwischen der Laufrollenachse 
und der Ebene der Drehachsen C und 1), endlich aber auch eine 
Abweichung t der Translationsrichtung des Instruments von der 
Senkrechten zur Laufrollenachse, in ganz gleicher Weise einen 
Flächenfehler 

2= f g' d x = ejx' d x 

erzeugen, dessen Grösse einestheils der Abweichung * proportional 
ist, übrigens aber ganz wesentlich von der Form der umfahrenen 
Fläche und ihrer Lage zum Instrument abhängt. Eliminirt wird 
dieser Fehler entweder durch Messung der Fläche in den beiden 



■Fey. 40 




Digitized by Goagla, 




Kleinere Mittheilungen. 249 

Lagen »Figur links« und »Figur rechts« und Mittelbildung, oder 
dadurch, dass man das Instrument in diejenige Stellung bringt, bei 
der der Drehpunkt D in einer Symmetrielinie der Figur liegt und 
die Laufrollenachse dazu senkrecht steht. 

Ein ähnlicher, jedoch im allgemeinen viel beträchtlicherer 
Fehler der namentlich beim Ausmessen langgestreckter Flächen- 
stiicke mit dem Rollplanimeter sich geltend machen muss, entsteht, 
wenn die Laufrollenachse nicht absolut genau parallel geführt wird, 
sondern eine kleine Schwenkung ausführt und vielleicht nicht einmal 
mehr in die Anfangslage zurückkehrt. Die Elimination, so weit 
möglich, erfolgt auf genau dieselbe Art wie oben. In welcher Weise 
das Instrument in Bezug auf diesen Kunstruktionsmangel zu unter- 
suchen ist, bedarf keiner Erklärung. Nach den bisher bekannt ge- 
wordenen Erfahrungen und den freilich nicht zahlreichen eignen 
Versuchen des Verfassers scheint die vom Erfinder gewählte Riffe- 
lung der Laufrollen allerdings zu genügen, um bei ganz gleicheu 
Durchmessern die genaue Parallelbewegung ihrer Achse zu sichern ; 
indessen wird das Augenmerk des Mechanikers auf diesen Punkt 
ganz besonders gerichtet bleiben müssen und es ausserdem mehr als 
bei andern Planimetern darauf ankommen, dass die Fläche langsam 
und stetig umfahren wird. 

Aachen im Januar 1886. 

P. Fenner. 



Kleinere Mittheiluiigen. 

Etat der Kataster-Verwaltung pro 188687. 

ln den Etatsentwurf pro 1886, 1 87 sind für die Verwaltung des 
Grund- und Gebäudesteuerkatasters aufgenommen: 

36 Katasterinspektoren mit 3 600 — 4 800 Mark, im Durchschnitt 
4 200 Mark; 

594 Katastersekretaire und Controleure mit 2100 -3 000 Mark, 
im Ganzen 1 497 300 Mark, ausserdem pensionsfähige Zu- 
lagen von je 600 Mark, im Ganzen 35 400 Mark für 59 
Katastersecretaire und eine pensionsfähige FunctionBZulage 
von 600 Mark für einen Katastercontroleur für Wahrneh- 
mung der Katasterinspektionsgeschäfte in den Ilohenzol- 
lernschen Landen ; 

74 Katasterassistenten mit 1800 — 1 950 Mark, im Durchschnitt 
1 875 Mark ; 

4 Bezirksgeometer in den Hohenzollernschen Landen mit höch- 
stens 960 Mark, im Durchschnitt 840 Mark, 
zusammen 1826 610 Mark gegen 1810 391 Mark im Vorjahre, mit- 
hin 16 219 Mark mehr pro 1886/87. 



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250 



Kleinere Mittheilungen. 



Dieses Mehr entsteht: 

a. durch die Errichtung von 5 neuen Katasterämtern, von 
denen 3 und zwar je eins auf die Kreise Düsseldorf Stadt, 
Düsseldorf Land und Solingen, ferner Cleve, Maers und 
Geldern, sowie Kempen und M. Gladbach entfallen und 2 
resp. in Niedeggen, Reg.-Bez. Aachen und Frankfurt a. M. 
errichtet werden, in Folge dessen als Besoldung für 5 neue 
Katastercontroleurstellen nach dem Durchschnittssatze von 
2550 Mark eine Mehrausgabe von 12 750 Mark in Zugang 
kommt; 

h. durch die anderweite Verrechnung der Gehalte für 3 Ka- 
tasterinspectoren, 1 Katastersecretair und 1 Katasterassi- 
stenten aus der Provinz Hannover, wonach sich eine Mehr- 
ausgabe von 3 469 Mark ergiebt. 

An Amtskostenaversen für die Katastercontroleure und die Be- 
zirksgeometer weist der Etatsentwurf 532 220 Mark gegen 503 720 
Mark im Vorjahre, mithin für 1886/87 28 500 Mark mehr nach. 

Nach den dem Etatsentwurfe beigegebenen »Erläuterungen« er- 
gibt sich diese Mehrausgabe dadurch, dass 

a. in Folge der Errichtung von 5 neuen Katasterämtern die 
Amtskostenaversen für diese Aemter von durchschnittlich 
900 Mark mit 4 500 Mark in Zugang zu stellen sind und 

b. bei den Amtskostenaversen für die Katastercontroleure und 
Bezirksgeometer eine Erhöhung des in dem Staatshaus- 
haltsetat pro 1885/86 als Mehrausgabe in Ansatz gekom- 
menen Pauschalbetrages von 26000 Mark um 24000 Mark 
eingetreten ist. 

Der für 1885/86 bewilligte Pauschalbetrag von 26000 Mark 
hat sich nicht als ausreichend erwiesen, um auch nur die besonders 
dringenden Fälle des Missverhältnisses zwischer den gewährten 
Aversen und den wirklich zu bestreitenden Amtskosten der Kataster- 
kontroleure und Bezirksgeometer zu erledigen. 

(Aus dem Correspondenzblatt fdr Katasterbeamte u. s. w. 8. 168.) Q. 



Die Vorstandschaften der Zweigvereine des Deutschen Geometervereins. 

Von Gerke. 

(Fortsetzung und Schluss von S. 202.) 

11. Thüringischer Geometerverein. Wahl Januar 1886. 
Vorsitzender: Geometer G. Schnaubert in Weimar. Erster 
Schriftführer: Geometer Brückner in Eisenach. Zweiter Schrift- 
führer: Geometer Holl in Weimar. Kassirer: Geometer Zopf 
in Weimar. 

12. Bayerischer Bezirksgeometer verein. Wahl am 
17. April 1886. Vorsitzender: Josef König, Bezirksgeometer in 
Landshut (Niederbayern). Stellvertreter: Wilh. Schott, Bezirks- 
geometer in Rosenheim (Oberbayern). Redakteur und Schrift- 
führer : Emeran Stöber, Bezirksgeometer in Freising (Oberbayern). 



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Kleinere Mittheilungen. 



251 

Stellvertreter: Willi. Düll, Bezirksgeometer in Bayreuth (Ober- 
franken). Kassier: Adalbert Dihm, Bezirksgeometer in München. 
Stellvertreter: Quirin Linder, Bezirksgeometer in München. 

13. W ürttembergischer Geo m eter verein. Wahl am 
26. April 1886. Vorstand: F. Widmann, Stadtgeometer in Stutt- 
gart. Stellvertreter: Eberhardt, Stadtgeometer in Tübingen. 
Schriftführer: F. Günther. Geometer in Stuttgart. Stellvertreter: 
Kayser, Geometer in Stuttgart. Kassier: G. Ensslin, Geometer 
in Cannstatt. 



Berichtigung zu Nr. 8, Seite 202: 

Rheinisch - Westfälischer Feldmesserverein. Stell- 
vertretender Schriftführer ist zur Zeit Landmesser Betz in Hagen, 
Kassirer : Eisenbahn-Landmesser Tuschick in Elberfeld. 

Eisenbahn-Landmesser. 

Nr. 33 der Deutschen Bauzeitung vom 24. April d. J. bringt 
eine Abhandlung über die gegenwärtige Lage der im Staatsdienst 
beschäftigten Landmesser, insbesondere der Eisenbahn-Landmesser. 
Der Verfasser führt auf Grund eingehender Zusammenstellungen 
den Nachweis, dass die bei den Staats-Eisenbahnen beschäftigten 
Landmesser am ungünstigsten gestellt sind, denn das Verhältniss 
der etatsmässig angestellten zu den ausseretatsmässig beschäftigten ist: 

im Finanzministerium etwa 7:9 

im Ministerium für Landwirtschaft 1:2 

im Eisenbahnministerium 1:4 

Es kommt also nur der vierte Theil der bei den Staats-Eisen- 
bahnen beschäftigten Landmesser zur besten Anstellung, die übrigen 
haben mit wenig Ausnahmen Tagesdiäten, welche in Krankheits- 
und Urlaubsfällen in Fortfall kommen. Bei Versetzungen werden 
Umzugskosten nicht gewährt, die Feldzulagen sind, namentlich bei 
Reisen von kurzer Dauer, durchaus ungenügend. Ob der am Schlüsse 
der Abhandlung ausgesprochene Wunsch, dass seitens der Staats- 
Eisenbahn- Verwaltung eine ausreichende Zahl etatsmässiger Stellen 
für Landmesser geschaffen werden möge, in Erfüllung geht, scheint 
bei der geringen Beachtung, welche man dort dem Yermessungs- 
wesen schenkt, sehr fraglich. 

Die vorstehend erwähnte Abhandlung kann den preussischen 
Landmessern, namentlich den jüngern, welche Beschäftigung suchen 
und sich darüber klar werden müssen , welchem Zweige des Ver- 
messungsweseus sie sich zuwenden wollen, nur dringend empfohlen 
werden. 

D., den 2. Mai 1886. M. 



Bayerisch-WUrttembergische Grenz-Regulirung. 

Nürnberg, 2. Mai. Der unterfränkische Reg.-Rath v. Hörmann 
ist vom bayer. Staatsministerium als bayer. Grenz regulirungs- 



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252 



Literaturzeitimg. 



kommissär gegen Württemberg ernannt worden. Der Kom- 
mission, welche nächsten Monat ihre Thätigkeit in Isny und dann 
in Lindau beginnen wird, gehört von Bayern noch Bezirksgeometer 
DHU in Bayreuth an. J. 

Literaturzeitimg. 

Coordinaten und Höhen der Landesaufnahme. 

Vor Kurzem ist ein neuer, siebenter Band der Resultate der 
Landesaufnahme herausgegeben worden, welcher nach Form und 
Inhalt eine neue Erscheinung ist, über welche wir unseren Lesern 
zu berichten haben. 

Es veranlasst dieses, auch die älteren Bände nochmals vorzu- 
führen, weshalb wir hiermit deren vollständige Titel nebst Angabe 
■der Umfänge und der Preise hersetzen : 

Die Königlich Preussische Landes-Triaugulation. Polar-Coordinaten, geogra- 
phische Positionen und Höhen sämmtlicher vom Bureau der Landes- 
Triangulation bestimmten trigonometrischen Punkte. Erster Theil. Von 
38° der Länge östlich bis zur Landesgrenze. Herausgegeben vom Bureau 
der Landes-Triangulation. Mit 20 Beilagen. Berlin 1874. Im Selbstver- 
läge. Druck von Trowitzsch und Sohn. 552 Seiten. Preis 15 Mark. 

Die Königlich Preussische Laudes-Triangulation. Polar-Coordinaten, geogra- 
phische Positionen und Höhen sämmtlicher von der Trigonometrischen 
Abtheilung der Landesaufnahme bestimmten Punkte. Zweiter Theil. Von 
36° bis 38° der Länge und von 53° der Breite bis zur Ostsee. Heraus- 
gegeben von der Trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme. Mit 
10 Beilagen. Berlin 1875. Im Selbstverläge. Druck von Trowitzsch und 
Sohn. 388 Seiten. Preis 15 Mark. 

Die Königlich Preussische Landes-Triangulation. Polar-Coordinaten, geogra- 
phische Positionen und Höhen sämmtlicher von der Trigonometrischen 
Abtheilang der Landesaufnahme bestimmten Punkte. Dritter Theil. Von 
34° bis 36° der Länge und von 53° der Breite bis zur Ostsee. Heraus- 
gegeben von der Trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme. Mil 
10 Beilagen. Berlin 1876. Im Selbstverläge. Druck von Trowitzsch und 
Sohn. 443 Seiten. Preis 15 Mark. 

Die Königlich Preussische Laudes-Triangulation. Polar-Coordinaten, geogra- 
phische Positionen und Höhen sämmtlicher von der Trigonometrischen 
Abtheilung der Landesaufnahme bestimmten Punkte. Vierter Theil. Provinz 
Schleswig-Holstein, Grossherzoglich Oldenburgisches Fürstenthum Lübeck, 
Freie und Hanse-Stadt Lübeck. Herausgegeben von der Trigonometrischen 
Abtheitung der Landesaufnahme. Mit 14 Beilagen. Berlin 1873. Io 
Selbstverläge. Zu beziehen durch die Königliche Hofbuchhandlung von 
E. S. Mittler und Sohn, Kochstrasse 69/70. 408 Seiten. Preis 15 Mark. 

Die Königlich Preussische Landes-Triangulation. Polar-Coordinaten, geogra- 
phische Coordinaten und Höhen sämmtlicher von der Trigonometrischen 
Abtheilung der Landesaufnahme bestimmten Punkte. Fünfter Theil. ' on 
32° bis 34° der Länge und von 53° der Breite bis zur Ostsee. Heraus- 
gegeben von der Trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme. Mit 
8 Beilagen. Berlin 1882. Im Selbstverläge. Zu beziehen durch die König- 
liche Hofbuchhandlung von E. S. Mittler und Sohn, Kochstrasse 69 / 70. 

308 Seiten. Preis 15 Mark. 

Die Königlich Preussische Landes-Triangulation. Polar-Coordinaten, geogra- 
phische Coordinaten und Höhen sämmtlicher von der Trigonometrischen 
Abtheilung der Landesaufnahme bestimmten Punkte. Sechster Theil- 
Regierungsbezirk Stralsund und der westlich vom 32. Längengrad gelegene 

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Uoborsiclitskarto clor IVoussisohon Landosaufnalimo. (F7f nthoilung nach Bünden mit Coordinator! und Höhen). 







Literaturzeitung. 



253 



Theil vom Regierungsbezirk Stettin. Ilerausgegeben von der Trigono- 
metrischen Abtheilung der Landesaufnahme. Mit 8 Beilagen. Berlin 1884. 
Ira Selbstverläge. Zu beziehen durch die Königliche Hofbuchhandlung von 
E. S. Mittler u. Sohn, Kochstrasse fi9 / 70. 173 Seiten. Preis 10 Mark. 

Die Königlich Preussische Landes-Triangulation. AhriBsc, Coordinaten und 
Höhen sämmtlicher von der Trigonometrischen Abtheilung der Landes- 
aufnahme bestimmten Punkte. Siebenter Theil. Regierungsbezirk Oppeln. 
Herausgegeben von der Trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme. 
Mit 9 Beilagen. Berlin 1883. Im Selbstverläge. Zu beziehen durch die 
Königliche Hofbuchhandlung von E. S. Mittler und Sohn, Kochstrasse 
69/70. 411 Seiten. Preis 10 Mark. 



254 



Literaturzeitung. 



Die Anordnung und Eintheilung des Gesammtwerkes ist aus 
obenstehender Uebersichtskarte (Verkleinerung der Beilage zu Band 
VI. und VII.) zu ersehen. 

Das Vorwort vou Band VI. Seite IV. sagt hiezu : 

Während bisher die einzelnen Theile dieses Werkes (I., II., 
III. , V.) nach Meridianen und Parallelkreisen , mit Ausnahme 
von Schleswig-Holstein (IV.), und in Abtheilungen von je einem 
Längen- und einem halben Breitegrad getheilt, in jeder Abtheilung 
aber die Punkte nach fallender Breite geordnet worden sind, sollen 
in Zukunft in jedem Theil ein oder mehrere Regierungsbezirke zur 
Darstellung gebracht und die Punkte durch das ganze Gebiet nach 
wachsender Breite geordnet werden. Zu dieser dem praktischen 

Bedürfniss mehr als die frühere ent- 
gegenkommenden Anordnungist mitdem 
VI. Bande der Uebergang gemacht. 

Um einen Ueberblick über den Inhalt 
des VII. Bandes zu geben, haben wir 
in nebenstehender Figur ein Dreieck 
herausgezeichnet, welches zu diesem 
Bande gehört, und schreiben alles her- 
aus, was sich auf dieses Dreieck be- 
zieht : 



Fig. l. 

Sacro//.1930. 




Nr. 1240 (S. 348—349). 

I. Ordnung Annaberg r J p = 50°27' 26,6275” ?. = 35°50' 18,3424' 

z = — 238 364,429 y = -f 343 473,234 



Nr. 1648 (S. 366— 367). 

I. Ordnung Winau r f = 50°38' 20,9767" /. = 35°34' 4,1059 

x — — 219378,122 y = + 323023,766 



Nr. 1930 (S. 378— 379). 

I. Ordnung Sacrau y = 50°46' 48,2345 ). = 35° 54' 2,2198 

x = — 202 210,355 y = + 345 509,010 



Abrisse. 



log 8 


Ausgeglichen 


Beobachtet 


Nr. | 


Richtung nach 






1 1 





1240. Annaberg (S. 120—124). 





— 3° 44’ 5,262" 




1 1 


Norden 


4.558 2125 


3° 13' 53,64" 


3° 13’ 53,87" 


1 1 930 


Sacrau. 


4.445 0822 


312 52 46,75 


| 312 52 45,97 


|1648 


Winau. 



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Literaturzeitung. 



255 




log S 


I 

j Ausgeglichen 


Beobachtet 


Nr. 


Richtung nach 




1648. Winau (S. 161). 






4.451 0359 
4.445 0822 


j —3° 32' 4,99" 
52° 38' 30,47 
132 52 14,76 


52° 38' 30,77" 
132 52 14,86 


1930 

1240 


Norden 

Sacrau. 

Annaberg. 




1930. Sacrau (S. 189). 






4.5582125 

4.4510359 


— 3° 48' 1,30” 
183° 12' 50,65" 
232 38 1,44 


183° 12’ 49,99" 
232 38 0,82 


1240 

1648 


Norden 

Annaberg. 

Winau. 



Zum Verständniss dieser Zahlen erwähnen wir Folgendes: 

Die geographischen Coordinaten rp und A beziehen sich auf 
das seit 1865 angenommene System der Landesaufnahme mit dem 
Ausgangspunkt Berliner Sternwarte (p = 52° 30’ 16,680" und 
). = 31° 3' 41,25" und Annahme der .BessePschen Erddimensionen. 

Die rechtwinkligen Coordinaten x ij beziehen sich auf ein System, 
welches sich über ganz Preussen erstreckt. Der Ursprung hat die 
Breite 52° 42' 2,53251" nach der Annahme von Gauss in den 
»Untersuchungen über Gegenstände der höheren Geodäsie< (ent- 
sprechend rund 52° 30’ sphärische Breite) und die Länge rund 
31° 0' 0". 

Dieses Coordinatensystem ist durch conforme Projection des 
Ellipsoids auf eine Kugel, und von da auf die Ebene, entstanden. 

(Näheres hierüber haben wir in dem Werke Jordan- Steppes, 
Deutsches Vermessungswesen I. S. 252 u. ff., mitgetheilt.) 

Leider sind nun die Coordinaten xy, wegen des weiten Umfangs 
des Systems, sehr verzerrt und für Kataster- etc. Zwecke nicht zu 
gebrauchen; z. B. in unserem Falle (Schlesien) haben wir: 

log s — log S = 0.0005921 

d. h. die Verzerrung erstreckt sich bereits auf die vierte logaritli- 
raische Stelle der Entfernungen. 

Auch die Verdrehung des Systems gegen Nord ist sehr be- 
deutend, z. B. — 3° 44' 5,262" für den Punkt Annaberg, indem der 
mit der Benennung »Nord« am Anfang jedes Abscisses gesetzte 
Werth die Meridianconvergenz des Systems xy in dem betreffenden 
Punkte ist. 

Ueberblicken wir das in trefflicher Ausstattung gedruckte Zahlen- 
material dieses neuesten Bandes der Landesaufnahme, so können 
wir nicht umhin, der Bewunderung des Umfanges, der Sicherheit 
und der Schärfe Ausdruck zu geben, welche unsere Landesaufnahme 
vor allen anderen Staaten Deutschlands und ganz Europas aus- 
zeichnet. Wir haben den ganzen Gang der Vermessung, von den 
Originalmessungen bis zu den Sclilussergebnissen vor uns, Distanzen, 
Azimute und Coordinaten in zweifacher Form, sind durch die Aus- 
gleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate so scharf unter 
sich in Uebereinstimmung, dass jeder Landmesser, der Gebrauch 

• 



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256 



“*fc 

V« 



Neue Schriften über Vermessungswesen. 

davon machen will, alle diese Elemente seinen eigenen weiteren 
Messungen und Berechnungen wie fehlerfrei zu Grunde legen kann. 

Wer, wie z. B. Keferent, trigonometrische Messungen in einer 
Gegend macht, wo nur alte Anschlusspunkte und Coordinaten von 
geringer Sicherheit in qualitativer und quantitativer Beziehung vor- 
handen sind, wo daher die Untersuchung und Auswahl der An- 
schlusspunkte oft mehr Mühe verursachen, als die gesammte Neu- 
messung und Neuberechnung, wer solche Verhältnisse wiederholt 
zu behandeln hatte, der wird beim Anblick des neuesten Bandes der 
»Abrisse, Coordinaten und Höhen« denken: Es müsste eine wahre 
Freude sein, in einer Provinz aufzunehmen, für welche ein solcher 
Band vorliegt. 

Und doch können wir Angesichts des Umstandes, dass nur 
wenige Landmesser mit den Coordinaten rp und xxj der Landes- 
aufnahme umzugehen wissen, dass die Katasterverwaltung wieder 
ihre besonderen 40 Coordinatensysteme hat, und dass die Topographie 
heutzutage fast nur mit den Coordinaten <p ). arbeitet, die Hoffnung 
nicht unausgesprochen lassen, es möchte in der Weiterentwicklung 
der theoretisch und praktisch so wundervoll angelegten Preussi- 
schen Landesaufnahme noch eine Form gefunden werden, in welcher 
die Triangulirung (I. Ordnung, die Topographie und das Kataster, 
gemeinsam zu einheitlichen rechtwinkligen Coordinaten gelangen 
möchten. J. 



Neue Schriften über Vennessungswesen. 

Dr. Hermann Wagner’s Tafeln der Dimensionen des Erdsphäroids, auf 
Minuten-Decaden erweitert, von A. Steinhäuser, k. k. Regierungs- 
ratb. Wien 1885, Eduard Hölzel. — 2 M. 

Handbuch der physikalischen Maassbestimmungen. Von Dr. B. 
Weinstein, Privatdocent an der Universität zu Berlin und Hilfs- 
arbeiter bei der Kaiserlichen Normal-Aichungs-Commission. ln 
zwei Bänden. Erster Band: Die Beobachtungsfehler, ihre 
rechnerische Ausgleichung und Untersuchung. Berlin, Verlag 
von G. Springer. ■ — Preis 14 M. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlungen : Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische 
Arbeiten, von Gerke. — Beitrag zur Theorie des Rollplanimeters, von Fenner. 
Kleinere Miltheilungen : Etat der Kataster-Verwaltung pro 1886/87, von G. - 
Die Vorstandschaften der Zweigvereine des Deutschen Geometervereins, von 
Gerke. — Eisenbahn-Landmesser, von M. Literaturzeitung : Coordinaten und 
Höhen der Landesaufnahme. Neue Schriften Uber Vermessungswesen. 




Karlsruhe. Druck von Malnch <k Vogel. 



257 



ZEITSCHRIFT fur VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppet, Steuerassessor in München, und 
R. Gerke, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herausgegeben von Dr. IT. Jordan, Professor in Hannover. 

1880. Heft 11. Baud XV. 

1. Juni. 



Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische 

Arbeiten. 



Bearbeitet vom Hannoverschen Landmesserverein. 
Zusammengestellt von Gerke, Privatdozent der Technischen Hochschule zu 

Hannover. *) 

(Fortsetzung.) 

II. B a h n h o f s a u f n a h m e n. **) 



Die Bedeutung und der Umfang eines Bahnhofes, beziehungs- 
weise Haltestelle, ergiebt sich mehr oder weniger aus der Länge 
und Breite. Demnach sind 5 Arten derselben zu unterscheiden: 



1. Haltestellen 

2. Bahnhöfe 

3. > 

4 . > 

5. Centralbahnhöfe 



von 0,4bis0,8 km Länge und bis 50 m Breite 



> 0,8 > 1,2 > > 

> 1,2 > 1,6 > » 

> 1,6 > 2,0 > > 

> 4,0 > > 



> 50 > 75 > > 

> 75 » 150 > » 

> 150 > 200 » > 

» 200 > 400 > » 



Im Nachstehenden ist angenommen, dass die Bahnhofsgrenzen 
einer gründlichen Regulierung und Prüfung zu unterziehen sind. Wo 
die Grenzen bereits bestimmt sind, ist die unter > Grenzregulirung < 
angegebene Position von dem Gesammtbetrage abzusetzen. 



Zur Aufnahme aller Objekte gehört die Feststellung sämmtlicher 
Geleise mit Herzstücken und Weichen , die Einmessung der ge- 
sammten Gebäude, mit Perrons, der optischen und elektrischen 
Signale, der Brunnen- und Wasserkrähne, Drehscheiben, Feuergruben, 
Grenzen u. s. w. Die Parzellengrenzen der benachbarten Grund- 
stücke sind den Katasterkarten zu entnehmen ; fehlen dieselben, so 
geschieht ihre Aufnahme nach den Sätzen der Polygonisirung. 



*) Zur Zeit Vermessungs-Direktor in Altenburg. 

**) Den nachfolgenden Anschlag hat der H. E. einschliesslich eingeführt, ist 
weder in dem Rh. W. E. noch dem Br. E. enthalten. Der Anschlag beruht auf 
einseitiger Beurtheilung , so dass gerade hierüber Begutachtungen äusserst 
willkommen sind. 



I 



Zeitschrift für VermossuiigsweBfii. 1880. 11. Heft. 



17 



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258 Gerke. Entwurf zu einem Gebülirentarife für geometrische Arbeiten. 







Zeit- 


Kosten pro 
Bahnhof. 






Tages- 

leistung. 


Arbeit 
in Tagen 

Feld | Bans 


Für den 
Feld- 
messer 

Faid 1 Hans 
20.« 15.« 


Für 3 
Ar- 
beiter 

u 3.*. 


Ma 

Einzeln. 


rk. 

Im 

Ganzen. 


I. Haltestellen von 0,4 bis 
0,8 km Länge; 50 m Brei te. 

A. bei 0,4 km Gänge, 
a. Grenzregulirung. Es wird 
angenommen , auf 100 m 
kommen 8 Grenzsteine . . 


10 Steine 


3,2 




61 




28,8 


92,8 




b. Konstruktion des Linien- 
netzes und Aufnahme 
sämmtlicher Objekte . . 

c. Aufträgen des Gemessenen 
und Auszeichnen der Pläne 


150 m 


2,6 




52 




23,4 


75,4 




200 m 




2 


— 


30 


— 


30 




Im Ganzen . . 






















198,2 


rund .... 






- 


— 


— 


— 


— 


200 


B. bei 0,8 kmLänge und 50 m 
Breite 


2 x 


A = 


- 


- 


— 


— 


— 


400 


II. Hali n h ü f e von 0,8 — 1,2 km 
Länge; 50 — 75 m Breite. 


















A. 0,8 km Länge und 50 m 


















Breite nach 1 B . . . . 























400 


B. 1,2 1cm Länge und 75 m 
Breite. 

a. Greuzregulirung auf 100 m 
8 Steine 


10 Steine 


9,6 

S 




192 




86,4 


278,4 




b. Abstecken des Liniennetzes 


400 m 





00 


— 


27 


87 




c. Aufnahme der Objekte 


150 m 


8 


— 


160 





72 


232 




d. Aufträgen des Gemessenen 
und Aufträgen der Pläne 


200 m 




6 


— 


90 


— 


90 




Im Ganzen . . 


— 



















687,4 


rund .... 




— 


— 


— 


— 


— 


— 


700 


III. Bahnhöfe vonl,2-l,6km 
Länge u. 75-150 m Breite. 


















A. 1,2 km Länge und 75 m 


















Breite nach 11 B. . . . 


— 


— 
















700 


B. 1,6 km Länge und 150 m 
Breite. 

a. Grenzregulirung auf 100 m 
10 Steine 


8 Steine 


20 




400 




180 


580 


b. Abstecken des 1 .iniennetz.es 


400 in 


4 


— 


8<) 





36 


116 




c. Aufnahme der Objekte 


1(10 m 


16 


— 


320 


— 


144 


464 




d. Aufnahme des Planes . . 


150 m 




10,0 


— 


159 


— 


159 




Im Ganzen . . 


— 


— 


! 


— 









1319 


rund . . . .! 


— 


— 


_ | 


— 




— 




1320 



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Qerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 259 







Zeit- 
dauerder 
Arbeit ' 
in Tagen! 

Fold | Haue 


Kosten pro ! 
Bahnhof. ; 


Summen. 

Mark. 

| Ira 

Einzeln. 1 Ganzeu. 




Tages- 

leistung. 


F j‘ r '] en | Für 3 | 
Feld- Ar- 1 

messer. beil - 
Feld Haus 


IV.Bahnhöfe ton 1,6— 20km 






l 












La nge u. 160— 200m Iireite. 


















A. 1,6 km Länge und 150 m 


















Breite nach III B. . . . 


— 




— 


— 


— 


— 


— 


1320 


B. 2,0 km Länge und 200 m 
Breite. 


















a. Grenzregulirung auf’ 100 m 
10 Steine 


8 Steine 


25 


_ 


600 




225 


725 




b. Polygonisirung , etwa 50 
Punkte : 

«. Auswahl der Punkte . 


25 Punkte 


2 




40 




18 


58 




/S. Winkelbeobachtung . . 


15 Punkte 


3,8 


— 


66 


— 


29,7 


95,7 




y. Zweimalige Seitenmes- 
sung, ungefähr 6000 m 


2000 m 


2,5 





50 




22,5 


72,5 




c. Auswahl der Messungslinie ' 
u. Konstruktion des Linien- 
netzes 


100 m 


6 




100 




45 


145 




d. Aufnahme der Objekte ; 

in der Bahnaxe 


100 m 


20 




400 




180 


580 




e. Berechnung der Polygon- 


















punkte 


15 Punkte 




3,3 


— 


50 


— 


50 




f. Aufträgen und Auszeichnen 


















der Plane, in derBahnaxe 


80 m 


— 


2,5 


— 


375 




375 




Im Ganzen . . 








— 





— 




_ 


2071 


rund . . . 


— 


_ 


— 


— 


— 




— 


2100 


V. Centralbahnhöfe bis 


















4 km Länge und 400 ni 
Bre i te. 


















a. Grenzregulirung auf 100 m 
10 Steine 


8 Steine 


50 


— 


1000 




450 


1450 




b. Triangulation , etwa 6 


















Punkte : 

«. Auswahl der Punkte , 


6 Punkte 


2 




40 




18 


58 




fi. Markirung derselben . 


G Punkte 


i 


_ 


20 


— 


9 


i 29 




y. Beobaehtungder Winkel 


3 Punkte 


2 


— 


40 


— 


18 


68 




c, Polygonisirung, etwa 100 


















Punkte: 

a. Auswahl der Punkte . 


25 Punkte 


4 




80 




36 


116 




iS. Markirung derselben . 


25 Punkte 


4 


— 


80 


— 


36 


I 116 




y. BeobachtungderWinke! 


15 Punkte 


6,6 


— 


132 


— 


59,1 


191,4 




i. Doppelte Messung der 
Polygonaeite,etwa<J000m 


2000 m 


1 4,5 




90 




40,5 


I 130,5 




d. Konstruktion des Linien- 
netzes 


400 m 


10 




200 




90 


290 




e. Aufnahme sämmtlieherOb- 
jekte; in der Bahnaxe . . 


00 m 


66,6 




1332 




599,4 


1931,4 




f. Berechnen der Dreiecks- 
punkte 


. 

; 2 Punkte 




3 




45 




45 




g. Berechnen der Polygon- 
punkte ’ 


16 Punkte 




6,6 




99 




99 




h. Aufträgen u. Auszeichnen ; 

in der Bahnaxe 


^ 70 m 


1 — 


57,1 


— 


857 


— 


S57 




Im Ganzen . . 


— 















1 _ 


5370 


rund . . . . 






_ 




— 


— 


1 — 


6400 



IT. 

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CH 4^ 




260 Oerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 



§. 4. Vorarbeiten für den Wegebau. 



I. Feldarbeiten. 

1. Besichtigung der Bodenbeschaffen- 
heit 

2. Abstecken der Mittellinie, Markiren 
derselben, wobei zu beachten, dass 
hierbei eventuell zu nivelliren ist 

3. Stationiren der Strecke , doppelte 

Längenmessung und Kurvenab- 
steckung 

Doppeltes Längennivellement . . 
Querprolile von 100 m Länge pro 
km 20, 35, 45 Profile erforderlich 

6. Parzellen-Aufnahme vor dem Bau. 
Diejenigen Parzellen, welche gemäss 
§. 37 der preuss. Kataster-Anwei- 
sung II vom 31. März 1877 ganz 
zu messen sind, werden vollständig 
aufgenommen, im Uebrigen ist die 
Vermessung nur so weit auszu- 
dehnen, dass sämmtliche in die 
Chaussee oder den Communalweg 
fallenden Grenzpunkte und die 
kleineren links- oder rechtsseitigen 
Kestparzellen gemessen und die 
sonstigen in der Kataster-Anwei- 
sung II, insbesondere §§. 13 und 14 
vorgeschriebenen Aufnahmen und 
Anschlüsse bewirkt werden . . . 

7. Abgrenzung der Chaussee oder des 

Communalweges nach dem Bau, 
wobei die in §. 3 zu B. I gesagten 
Voraussetzungen und Bedingungen 
auch hier gelten 

8. Schlussvermessung des Weges nach 

dem Bau 



Im Ganzen . . 
rund 



Tagesleistung 
in km. 


Arbeitszeit eines 
km in Tagen. 


| I 


II 


1 111 


I 


1 n 


III 


j 8 


6 


4 


0,13 


0,17 


0,25 


6 


5 


2 


0,17 


0,20 


0,50 


! 4 


2 


1 


0,25 


0,50 


1,0 


3 


2 


1 


0,33 


0,50 


1,00 


! 2 


1 


0,33 


0,50 


1,0 


3,0 














1,0 


0,5 


0,2ö' 


1,0 


2,0 


4,0 


0,5 


0,4 


0,2 


2,0 


2,50 


5,00 


0,6 


0,4 


0,35 


1,66 


2,25 


4,00 








; 


6,04 


9,12 


18,75 






1 


6 


9 


19 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 261 





Tagesleistung 


Arbeitszeit 






in km. 


eines km. 


II. Hausarbeiten. 


I 


II 


i «I 1 


I 


1 11 


1 111 


1. Copie der Katasterkarte auf Paus- 














papier in einer Breite von 250 m 
2. Verkleinerung der Karte in 1:1000 


3 


2 


1,5 


0,33 


0,50 


0,66 


bezw. 1 : 500 in Ortschaften und 
Zeichnen eines vollständigen Situa- 
tionsplanes unter Benutzung der 
Parzellen-Aufnahme 


1 

1 

0,6 


0,45 


0,33 


j 1,66 


2,22 


3,00 


3. Berechnen der Querprofile , Auf- 


tragen derselben, Konstruktion und 
Zeichnen der Horizontalkurven und 
Eintragung des Projekts in die 
Querprofile und von diesen in die 














Situation 

4. Aufträgen des Längenprofils. Län- 
gen 1 : 2500 , Höhen 1 : 250 und 
Reinzeichnen desselben .... 


h 


0,75 


0,5 


1,00 


1,33 


2.00 

1,66 












1,0 


0,8 


0,6 


1,0 


1,25 


5. Anfertigung der Karte nach der 


definitiven Vermessung .... 
6. Flächeninhaltsberechnung und Re- 


1,0 


0,8 


0,33 


1.0 

1 


2,00 


3,00 


gulirung des Grunderwerbs. . . 
7. Unterlagen für Fortschreibung des 


1,0 


0,75 


0,5 1 

i 


1,0 


1,33 


2,00 


Katasters 


1,0 


0,50 


0,33 


I 1 ’ 0 


2,00 


3,00 


Im Ganzen . . 


1 






!e,99 


10,63 


15,32 


rund 


1 


1 ' 




7 

I 


10,6 


15,4 



Demnach betragen die Kosten eines km Wegbau, einbegriffen 
der Parzellen-Aufnahme : 



Feldarbeiten. 


Hausarbeiten 

pro Tag 
15 M. 


Im Ganzen. 
Mark. 


Für den Land- 
messer 20 A. 


Für 3 Arbeiter 
ä 3 M. 


I | II | III 


I | II | III 


I | II | III 


I 




III 


120 180| 380 


54 81 171 


10ö! 159 231 


279 


420 


782 




runc 




280 


420 


780 




Rh. 


W. E. *) . . 


300 


460 


840 


Fallen die Fortschreibungsarbeiten ad II 7 








fort, so betragen die Kosten rund . . 


265 


400 


720 






Rh. W. E. 


280 


425 


7S0 



*) Der Br. E. gibt nur die Vorarbeiten für Kunetstrassen an, welche 80 
bis 205 A. veranschlagt sind. 



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262 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten, 



§, 5. Präzisions-Nivellement. 

A. Auf Landwegen und Eisenbahnen. 

Es bedeutet I Nivellement ohne Zwischenpunkte (Anschluss- 
Nivellements), II mit wenigen Zwischenpunkten (wie bei Eisen- 
bahnen), beziehungsweise Steigung bis 1:60, III unter schwierigen 
Verhältnissen, beziehungsweise Steigung über 1 : 60. 

Die Festpunkte haben durchschnittlich ungefähr 500 m Ent- 
fernung. 





Tagesleistung 


Arbeitszeit eines 




i 


n km. 


1 km 


in Tagen. 




i 


II 


1 111 


> I 


1 u 


1 111 


1. Auswahl und Markiren der Fest- 














punkte ... 

2. Ausführung eines einmaligen Ni- 


10 


8 


6 


0,1 


0,13 


1 0,16 


vellements 


4 


3 


2 


— 


— 


— 


und eines doppelten Nivellements 
3. Ausgleichung des Zuges und Be- 


2 


1,5 


1 


0,5 


0,66 


1,0 


rechnung der Zwischenpunkte . . 
4. Auftragung des Längenprofils. 

1 Blatt von 7,5 km nimmt 2,5 bis 
4 Tage in Anspruch, mithin . 


20 


10 


5 


0,05 


0,1 


0,2 


3,0 


2,5 


! 1,8 


0,33 


0,4 


0,55 


Für den Landmesser: 














An Feldarbeitstagen (1 und 2). 


— 





— 


0,6 


0,78 


1,16 


An Hausarbeitstagen (3 und 4) 
An Lohntagen sind zu rechnen : 


— 


— 


— 


0,38 


0,5 


0,75 














zu 1 — 2 Arbeiter mit . . . 


— 


— 


— 


0,2 


0,26 


0,32 


zu 2 — 3 Arbeiter mit . . . 


— 


— 


— 


1,5 


2 


3 


Lohntage rund . . 


— 


— 


— 


1,7 


2,3 


3,3 



Es betragen die Kosten eines Kilometers Doppelt-Nivellements: 



Feldarbeiten. 


Hausarbeiten 
15 M. 


Im Ganzen. 
Mark. 


Für Landmesser 
20 M. 


Für Arbeiter 
k 3 M. 


I | II | III 


I 


ii 


in 


I 


II 


m 


I 


n 


in 


12,0! 15, 6| 23,2 


5,1 


6,9 


10 


5,7 


7,5 


11,3 


22,8 


30,0 


44,5 










rund 


. , 


1 23 


30 


45 










Br. E. 




23 


27 


36 


Der Rh. W. E. schliesst die Auftragung des 








Längenprofils aus und gibt die Kosten 


| 






an zu . . 


• • 


• • 


• • 


• 


. 




15—25 


30—40 


— 



wobei unter II das Eingraben und Einmeisseln von Fixpfählen, das 
Abschneiden derselben auf die definitive Schienenhöhe und das 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 263 

Einraeisseln der Schienenoberkanten-Marken an Bauwerken einbe- 
griffen ist, mithin speziell für Eisenbahnzwecke veranschlagt wurde. 

B. In Ortslagen. Siehe §. 6. 

§. 6. Nivellements in Städten und kleinen Ortslagen. 

Es bedeutet I Vorstädte mit geringem Verkehr, Flecken oder 
Dörfer, 

II kleine Städte mit massigem Verkehr, 

III Städte mit lebhaftem Verkehr. 



A. Präzisionsnivellement behufs Festlegung der Festpunkte. 

Es wird angenommen, dass durchschnittlich auf je 100 m Ent- 
fernung ein Festpunkt angebracht wird. 





Tagesleistung. 


Arbeitszeit 


pro 




Anzahl d. Punkte .1 


Punkt in Tagen. 




I 


l u 


ui 


I 


H 


1 111 


1. Auswahl der Festpunkte. . . . 


40 


40 


I 

40 


0,025 


0,025 


0,025 


2. Herstellung der Festpunkte , Ein- 
lassen der Bolzen durch einen 














Steinhauer 


8 


8 


8 1 


0,13 


0,13 


0,13 


3. Einmessung der Festpunkte und 








Eintragung derselben in die Karte 


45 


35 


25 


0,022 


0,28 


0,040 


4. Doppelt ausgeführte Nivellements 


15 


10 


6 i 


jO, 066 


0,10 


0,17 


5. Eintragung der Nivellementszüge 
in einen vorhandenen Situations- 
plan, Ausgleichung des Netzes, Auf- 














tragung des Längenprofils . . . 


15 


15 


15 


0 066 


0,066 


0,066 


Es ergeben sich für den Landmessei 
an Feldarbeitstagen nach 1 und 4 


im 


Ganz 


en . 


i 

0,09 


0,13 


02 


an Hausarbeitstagen nach 3 u. 5 im Ganzen rund 


0,09 


!o,i 


0,11 





Lohntage 
pro Punkt. 






11 


III 


An Lohntagen ist zu setzen: 

ad 1 mit 2 Arbeitern 

ad 2 des höhern Lohns (von 4,5 Jk.) zu 1,5 

Arbeiter ! 

ad 3 und 4 mit 3 Arbeitern rund ’ 


0,05 

0,20 

0,27 


0,05 

0,20 

0,39 


0,05 

0,20 

0,63 


Im Ganzen . . 


0,52 


0,64 


0,88 



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264 Gerke. Entwurf zu einem Gebiihrentarife für geometrische Arbeiten. 



Demnach betragen die Kosten der Festlegung und Höhen- 
bestimmung eines Punktes: 



Feldarbeit. 


1 Hausarbeit. 

1 


Im Ganzen. 

| 

Mark. 


Für den Land- 
messer 20 M. 


Für 3 Arbeiter 
ä Tag 3 M. 


I 


1 11 1 111 


mn 


III 


I | II 


1 1,1 


I 

i 


I n | 


ill 


1,8 


2,6 1 4,0 


1,6 


1,9 


2,7 


1,8 1,5 


1,7 


4,7 


6,0 


8,4 










rund . . , 


. 


5.0 


6,0 


8,5 










Rh. W. E. 


. 


— ; 


5.5 


6,5 










Br. E. . . 




3,8 


4,7 


6,5 



Für die Anschluss-Nivellements beziehungsweise die Festlegung 
der Punkte ausserhalb der Stadt gelten die Angaben unter A. §.5. 



B. Strassen-Nivellements. 

Es ist einzunivelliren : Strassenmitte, die beiderseitigen Rinnen 
und Trottoirbordsteine , Einfahrten zu Hofräumen , Thorfahrten, 
Eingänge der Häuser, Kellerlichter, Hydranten u. s. w. 





Tagesleistung 


Arbeitsleistung 




pro km. 


eines km 




I 


II 


m 


I 


II 


III 


1. Einfaches Nivellement unter An- 














Schluss an sämmtliche Festpunkte 
2. Ausrechnen der Ordinaten , Ein- 
trägen verschiedener Punkte in die 
Karte, Aufträgen der Längenpro- 
file und Aufstellen von Höhenver- 


2,5 


2 


1 


0,4 


0,5 


1,0 


zeichnissen 


1,5 


1,5 


1,5 


0,66 


0,66 


0,66 



Demnach kostet 1 km Strassen-Nivellement : 



Feldarbeit. 


Hausarbeit 
ä 15 


Im Ganzen. 
Mark. 


Für den Land- ■ 
me8ser 20 M, 


Für 

i 


3 Arbeiter ' 
i 3 M. 


I | II | III 


i 1 


n 


III 


I 


1 II 1 I« I 


| I 


II 


III 


8 ; 10 20 


3,6 


4,5 


9,0 


10 


10 1 10 


1 1 

21,6 


24,5 


39,0 








rund . 




22 


25 


40 








Rh. W. 


e.' ! ! 


20 


25 ! 


40 








Br. E. . 


. . . 


| 14 


19 


27 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 265 



C. Flächen-Nivellement ausserhalb der Stadt 

behufs Aufstellung des Bebauungsplanes nach dem Rh. W. E. 



/ 



1. Nivellement mit Anschluss an die Fixpunkte. 

Tagesleistung bei 1 = 5, II = 3,3, III = 2 ha, 
mithin Kosten für Landmesser und 3 Messgehilfen 
pro ha 

2. Ausrechnen der Ordinaten, Einträgen der Punkte 

in die vorhandene Karte und Konstruktion der 
Horizontalcurven , Tagesleistung bei I =3, 
II = 2, III = 1 ha, mithin 



Im Ganzen . . 
rund 



I Kosten pro ha 
Mark. 


1 I 


1 « 


HI 


5,8 


8,7 


14,5 


5 


7,5 | 


15 


10,8 


16,2 


29,5 


10 

1 


16 


30 



§. 7. Flussaufnahmen , Peilungen und Meliorations-Nivellements. 

Es wird dem Zwecke entsprechend, brauchbares Kartenmaterial 
vorausgesetzt. Für eventuelle Neuaufnahmen finden die Sätze §§. 8 
und 9 über Triangulation und Polygonisirung, sowie über Stück- 
vermessung Anwendung. 




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268 



Einiges über die Ausrüstung und die Arbeiten des 
Landmessers. 

Vom Landmesser von Schmeling in Stommeln b. Köln. 

I. Die Ausrüstuny des Landmessers im Felde 
verlangt eine besondere Sorgfalt, denn, ist er einmal draussen, so 
gilt auch für ihn das Wort des Dichters: 

»Es steht kein Andrer für ihn ein, 

»Auf sich selber steht er da ganz allein.« 

Um das Alltägliche vorerst zu nehmen, betrachten wir die 
Fussbekleidung ; dieselbe muss derart sein, dass sie ihn in der 
Marschfähigkeit nicht behindert. Schwere, hohe Stiefel sind in sehr 
seltenen Fällen angebracht, sie ermüden durch ihre Last und ver- 
anlassen zuweilen Erkältungen. Nach meiner Erfahrung haben sich 
am besten bewährt die sogen, westfälischen Jagdschuhe. Es sind 
doppelsohlige , bis an die Waden hinaufreichende Schnürschuhe, 
an denen das unter dem Schnürsehnitt befindliche Leder von drei- 
eckiger Form bis auf etwa Handbreite erweitert und mit den 
zwei anliegenden Kanten innerhalb des Schuhes hinter den Schnür- 
löchern an das Oberleder festgenäht ist. Beim Anziehen des Schuhes 
ist dieses Leder gespannt, darnach wird es in glatten Falten unter 
den Schnüren zusammengelegt. Der Schuh schliesst also so hoch, 
als er reicht, stehendes Wasser vom Fusse ab. Dazu thun bei reg- 
nigtem Wetter der kalten Jahreszeiten leichte Gamaschen gute 
Dienste, die eventuell bis über die Kniee hinaufreichen. 

Gute Schuhe können durch schlechte Behandlung verdorben, 
schlechte Schuhe durch richtige Behandlung verbessert werden. Um 
das Leder weich zu erhalten , darf man Schuhe nicht am Ofen, 
sondern nur an einem luftigen Ort im Zugwinde trocknen lassen, 
darf dasselbe Paar Schuhe nicht zwei Tage hinter einander tragen 
und muss die Schuhe »schmieren« lassen. Die beste Schmiere für 
Schuhe erhält man, wenn man Thran mit Rindertalg und etwas 
Wachs erwärmt und mit etwas Schwärze verrührt. Die Schuhsohlen 
gewinnen an Haltbarkeit bedeutend, wenn man sie zuweilen mit Oel 
tränkt. 

Die sonstige Bekleidung des Landmessers muss möglichst eng 
anliegend sein, sie darf dem Winde kein Spiel bieten. Eine reich 
mit Taschen versehene Juppe aus einem Stoff, der der Jahreszeit 
angepasst ist, wird immer die bequemste Tracht sein. 

Auf die Wahl der Messgehilfen ist bisher der nöthige Werth 
nicht immer gelegt worden, da wir sonst ausgebildete Berufsmess- 
gehilfen haben würden. Unsere älteren Berufsgenossen haben viel- 
fach den Fehler begangen, ihre Messgehilfen zu »Geometern« avan- 
ciren zu lassen, und sie mit allen in unser Fach schlagenden Ar- 
beiten zu betrauen. So erlebte ich auf dem Centralbureau einer 
Eisenbahngesellschaft, deren Obergeometer sich rühmte, in sechs 
Wochen aus jedem Schiveinehirtcn einen tüchtigen Geometer heran- 



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v. Scbmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 269 

bilden zu können, dass solche Geometer, nachdem sie ihre Messungen 
fertig kartirt hatten, aus alten Karten ausgeschnittene Transversal- 
massstäbe mit der Copirnadel auf ihre soweit fertigen Karten über- 
trugen. Da der Werth der angewandten Constructionen dem Werth 
des Maszstabes entsprach, konnte ich der Arbeitsweise das Rationelle 
nicht absprechen. 

Man wähle zu Messgehilfen kräftige Leute mit lebhaften Augen. 
Die brauchbarsten Messgehilfen habe ich unter den Zimmerleuten 
und den Metzgern, die unbrauchbarsten unter den Fabrikarbeitern, den 
Schneidern, Schuhmachern und ländlichen Arbeitern gefunden. Man 
behandle die Messgehilfen freundlich und menschenwürdig, dann 
wird man sie auch willig und hilfbereit finden. 

Bei grösseren Arbeiten ist der geübte Messgehilfe von unschätz- 
bar höherem Werthe als der ungeübte. 

Die gewöhnlichen Messgeräthschaften, Baken*) und Messlatten 
sollen handlich, aber stark sein, sie müssen aus nordischem ast- 
freiem Fichtenholz geschnitten sein und in gerader Lage aufbewahrt 
werden. 

Die Baken, 2 m lang, 25 mm dick, rund, tragen einen 230 
Gramm schweren Schuh mit Stahlspitze. Der obere Theil des 
Schuhes, 80 mm lang, ist am bequemsten von einem Gasrohr zu 
nehmen. Das eine Ende dieses Stückes Gasrohr wird zur Aufnahme 
des Holzes etwas konisch ausgehämmert, in das andere Ende wird 
die Stahlspitze, 95 mm lang, gelöthet, welche, um auch in gefrorenem 
Boden Halt finden zu können, vierkantig auslaufen muss. Um den 
Schuh an das Holz festnageln zu können , sind seitlich Löcher in 
das Rohr gebohrt, dieselben dürfen nicht einander gegenüberstehen, 
auch nicht zu nahe der oberen Kante des Rohres sein , damit das 
eingepresste Holz nicht geschwächt wird und dann ausbricht. Das 
oberste Nagelloch muss 15 mm von der oberen Kante abstehen. 
Das Holz muss durchaus trocken sein, wenn es in dem Schuh be- 
festigt wird, ausserdem muss zwischen dem Holz und dem Boden 
des Rohres ein Spielraum, mindestens 10 mm, bleiben. Ist eine 
Bake über dem Schuh abgebrochen, so darf für seine weitere Ver- 
wendung der Schuh nicht etwa in Feuer gelegt werden, bis das in 
ihm zurückgebliebene Holz verbrannt ist, weil er dadurch zu sehr 
leidet, sondern es wird ein starker Draht glühend gemacht, und 
mit diesem ein Loch in die Längsachse des Holzes gebohrt, wobei 
es so schwindet , dass es leicht aus dem Schuh entfernt werden 
kann. Nur gut im Anstrich gehaltene Baken sind auf weite Ent- 

*) Verfasser schrieb ursprünglich „ PUcei “ als Bezeichnung der Stäbe, 
welche in Süddeutschland Fluchtstab, Bichtstab oder schlechtweg Stab oder 
Stange, in Norddeutachland Bake genannt werden. Wir haben uns erlaubt, 
durchaus das Wort Bake anzuwenden, das zwar in Süddeutschland ganz un- 
bekannt ist, aber in der SchifiTahrts-, Volks- und Schriftsprache längst die ein- 
gebürgerte Bedeutung eines senkrecht aufgerichteten Zeichens zur Bestimmung 
einer Richtung hat. 

Nach diesem Vorgang der Schifffahrtssprache wird das kurze und bezeich- 
nende Wort Bake sich wohl auch bald bei der Landmessung allgemein ein- 
bürgern. D. Bed. J. 



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270 v. Scbmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 

fernungen zu sehen. Von diesen Baken wird eine so weit zurück- 
geschnitten, dass sie, in den Boden gesteckt, dem Landmesser bis 
zum Kinn reicht. Die 5 m langen Messlatten (der Bequemlichkeit 
im Transport wegen kürzere zu wählen, ist durchaus verwerflich, 
da die Uebersicht beim Zählen dadurch beeinträchtigt würde) werden 
am besten aus gradfaserigen Bohlen geschnitten, die etwas über 
30 mm stark sind. Man lasse aus solchen Bohlen Latten von je 
45 mm Breite schneiden und diese so abarbeiten, dass sie in der 
Mitte die volle Breite bei abgerundeten Kanten behalten, an den 
Enden aber rund und auf eine Dicke von 25 mm auslaufen. Die 
beiden Kopfenden einer Messlatte sind mit Schuhen versehen , die 
am bequemsten, wie jene zu den Baken , von Gasrohr geschnitten 
sind. Das eine Ende des 50 mm langen Stückes Gasrohr wird zur 
Aufnahme des Holzes etwas konisch ausgehämmert, das andere 
Ende wird durch eine genau senkrecht gegen die Längsachse stehende 
eingelöthete Stahlplatte abgeschlossen. Zwischen dieser Platte und 
dem eingesetzten Holz muss ein Zwischenraum von nahezu 5 mm 
bleiben. Sobald das Holz gegen die Platte stösst, bricht es über 
dem Schuh ab. Was bei der Beschreibung der Baken von der 
Trockenheit des Holzes und von den Nagellöchern gesagt ist , gilt 
auch hier. Wenn der Schuh an seiner obern Kante über das Holz 
hinausragt, so bleibt er leicht überall hängen, und verursacht sehr 
unangenehme Störungen, er verschiebt z. B. beim Aufnehmen der 
hinteren Latte die vordere. Da Messlatten bei längerem Gebrauch 
gewöhnlich zuerst dicht an den Schuhen abbrechen, so ist es ge- 
rathen, einige längere Schuhe vorräthig zu halten, die in sich das 
fehlende Stück an der Länge ergänzen. Auf ihre Länge werden die 
Messlatten geprüft auf ebenem Boden und durch zwei Normalmeter- 
stäbe*), die an ihren Kopfenden scharfkantig auslaufen. Durchaus 
verwerflich ist es, dazu jene Meterstäbe zu nehmen, welche die 
Händler zum Messen der Zeuge brauchen. Hat die Controle er- 
geben, dass eine Messlatte zu lang ist , so wird der Schuh nicht 
etwa mit einem Hammer weiter auf das Holz getrieben , sondern 
man stösst mit der Latte senkrecht auf ein untergelegtes Holz. 

Je zwei Messlatten müssen durch ihre Farbe auffallend von 
einander verschieden sein, es wird daher die eine meterweise schwarz 
und weiss, die andere roth und weiss gestrichen. Wenn dann 
darauf gehalten wird, dass allemal die schwarz- weisse Ruthe im 
Nullpunkt der Messlinie angelegt wird, so ist das Ablesen der 
Masze wesentlich erleichtert, weil man sicher ist, am Ende der 
rothen Latte volle mal 10 m zu haben. 

Uebrigens sind auf den Messlatten die ganzen Meter durch 
grössere, die Decimeter durch kleinere gelbe Stifte abgetheilt. 
Dieselbe Theilung ist auf einer dritten einfarbigen Messlatte an- 
gebracht, welche, während jene beiden zum Messen der Abscissen- 
linien gebraucht werden , in Verbindung mit einer von ihnen zum 

*) Ueber die amtlichen Vorschriften, betreffend Normalmaasse für Mess- 
latten und Messbänder, s. Zeitschr. f, Verm. 1884 S. 160. 



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v. Schmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 271 



Messen der Ordinaten gebraucht wird, während die andere der beiden 
zweifarbigen Latten in ihrer richtigen Lage in der Abscissenlinie 
liegen bleibt. 

Die Anwendung der Messbänder mit Kettenstöcken, auch wenn 
die letzteren mit Libellen versorgt sind, scheue ich, weil sie sowohl 
auf sehr losem, als auf sehr festem Boden leicht unbrauchbare 
Resultate liefern. 

Zur deutlicheren Markirung fern abliegender Punkte im Felde 
wende ich eine Art Fahnen oder Scheiben an, welche ich bei einem 
sächsischen Collegen kennen gelernt habe. Während nämlich eine 
gewöhnliche Fahne, wenn sie an eine Bake gebunden ist, nur 
sehr mangelhaft den besteckten Punkt bezeichnet, ist mit der er- 
wähnten Scheibe erreicht, dass sie durch eine scharf markirte Linie 
die Mittellinie der Bake anzeigt. Es sind zwei gleichschenklige, 
stumpfwinklige Dreiecke von 40 cm Basis und 10 cm Höhe, das 
eine aus rothem, das andere aus weissem Baumwollenzeug an ihrer 
Basis an einander genäht, so dass sie zusammen ein Trapez bilden, 
ihre stumpfen Ecken sind durch eine kleine Ruthe auseinander gehalten. 
Zur besseren Haltbarkeit, wenn man sie straff ausspannen will, ist 
diese trapezförmige Scheibe mit Band eingefasst und zwar so, dass 
von den spitzen Ecken je zwei Enden des Bandes frei bleiben, mit 
denen das Ganze in zwei Punkten an die Bake angebunden wird. 
Die weithin sichtbare Scheitellinie zwischen dem rothen und dem 
weissen Dreieck liegt dann vor und parallel der Längsachse der 
Bake. 

Das Abstecken von rechten Winkeln im Felde und das Auf- 
suchen der Ordinatenfusspunkte sollten nach Erfindung des un- 
vergleichlich besseren Bauernfeind’schen Prismenkreuzes nicht mehr 
mit dem Winkelspiegel ausgeführt werden. Winkeltrommel und Kreuz- 
scheibe sind, da sie unvergleichlich mehr Zeit rauben, nur an Ab- 
hängen, wo die Reflexionsinstrumente den Dienst versagen, an- 
zuwenden. Die Construction des Prismenkreuzes und anderer 
complicirter Instrumente anzugeben, liegt ausserhalb meiner Auf- 
gabe. Ich wünsche nur, meine jüngeren Collegen darauf aufmerk- 
sam zu machen, dass sie gut thun, etwaige Informationen nicht ledig- 
lich aus einem Lehrbuch zu schöpfen. 

Wie der Landmesser selbst , muss auch jeder der Messgehilfen 
mit einem Loth ausgerüstet sein. Für die Messgehilfen genügt 
eine an einer glatten Schnur befestigte Bleikugel von 250 Gramm 
Gewicht. 

Bei der Aufnahme von fertigen Eisenbahnanlageu ist es nöthig, 
zur Bestimmung der Winkelpunkte der Geleise, sowie der Curven- 
Anfangs- und Endpunkte und der Curvenhöhen die Mittellinie des 
Geleises mit Baken zu besetzen. Es würde sehr zeitraubend sein 
und schliesslich ungenaue Resultate liefern, wenn man jedesmal wollte 
die Messlatte über das Geleise' legen und nach ihr die Mitte ab- 
stecken. Man mache daher an einer Latte zwei Absätze , welche 
die Spurweite des Geleises halten (die Normalspurweite ist 1,435 m) 
und in deren Mitte einen Einschnitt von der Weite, dass er eine 



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272 v. Schmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 

Bake bequem aufnehmen kann, und lege diese Latte jedesmal auf 
das Geleis, um die Mitte zu bestimmen. 

Zur Versicherung der Polygonpunkte im Felde und auch zur 
Sicherstellung von Grenzzeichen werden, nach Angabe der neueren 
Kataster-Anweisungen , mit gutem Erfolge senkrecht in den Boden 
und möglichst tief unter dessen Oberfläche Drainröhren gesetzt. 
Zur Herstellung des Loches im Boden wird der Erdbohrer benutzt, 
da ein tiefes Loch mit dem Spaten herzustellen zu viel Zeit in 
Anspruch nehmen würde. Der Bohrer muss um ein Geringes weiter 
sein, als das betreffende Drainrohr. 

Bei der Führung des Feldschreibbuchs benutze ich als Unter- 
lage für das Papier ein leichtes Brett, auf welchem jenes mit star- 
ken Gummibändern festgehalten wird. Das Ganze wird durch einen 
Umschlag von Wachstuch gegen Nässe geschützt. Ich sehe einen 
grossen Vortheil darin, maszstäblich zu zeichnen und benutze dazu 
ein Lineal, auf dessen abgeschrägter Kante der Maszstab eingeritzt 
ist. Bei Aufnahme von Gärten und Gebäuden wende ich den Masz- 
stab I : 500 an, im freien Felde je nach Bedarf einen kleineren. 
Das maszstäbliche Zeichnen hat den Vortheil, dass gemachte Ver- 
sehen sofort in die Augen fallen und behoben werden können. 

Um etwa erforderliche Nachmessungen oder Anschlussmessungen 
zu erleichtern, ist es nothwendrg, die abgesteckten Messlinien durch 
Markirpflöcke zu erhalten und dieses namentlich in den Einbinde- 
punkten. Ich lasse ein festgeschnürtes Bund NpaZierlatten mit der 
Säge auf Stücke von 3 — 4 dm Länge zerschneiden und die gewon- 
nenen einzelnen Stäbchen an dem einen Ende lang auslaufend zu- 
spitzen, an dem andern leicht glätten und flüchtig mit weisser Oel- 
farbe bestreichen. Wenn solche auch nur wenig über den Boden 
hervorragen, sind sie doch immer leicht wieder zu finden und ge- 
statten ausserdem das Aufschreiben des Längenmaszes, an welchem 
sie in der Linie stehen. Die Spitzen der Pfählchen dürfen nicht 
schief sein, ebensowenig die Kopfflächen. — 

Wenn schon bei polygonometrischen Arbeiten es vortheilhaft 
ist , einen Schirm über dem Instrument halten zu lassen , so ist 
dieses ganz nothwendig bei nivellitischen Arbeiten, sobald die Sonne 
scheint. 

Um sich davon zu überzeugen, welchen Schwankungen im 
Freien aufgestellte Instrumente, wie Theodolit und Nivellir-Instru- 
ment, ansgesetzt sind , richte man das Fernrohr auf einen scharf 
markirten fernen Zielpunkt und sehe von Zeit zu Zeit zu , welche 
Stellung das Fadenkreuz gegen das Object einnimmt. Wenn schon 
die Feuchtigkeit des Bodens sehr störend wirkt durch Verziehung 
der einzelnen Stativtheile, so wirkt noch viel mehr die Sonne. Man 
wähle desswegen auch nicht schwarze, sondern hellfarbig lackirte 
Stative. 

Am wenigsten dem Verziehen unterworfen ist dasjenige Holz, 
welches von Bäumen herrührt, die bei strengem Winter im 
Monat Januar gefällt sind. Wenn man nun sieht, dass Bäume zur 
Gewinnung von Nutzholz vielfach im Sommer geschlagen werden, 



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T. 









Schmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 273 

kann man sich leicht erklären , wesshalb unsere Stative uns die 
Arbeit erschweren.*) 

Das Verziehen des Holzes auf dem Stamm macht sich sehr 
bemerklich, wenn man eine im Herbste durch einen Wald geschnittene 
Linie im Frühjahr wieder aufsucht, bevor noch das Laub aus den 
Knospen getreten ist. Man möchte seiner eigenen Arbeit miss- 
trauen, da man die Linie vollständig versetzt findet. 

Es ist nothwendig, dass jeder Arbeiter ausser dem Loth ein 
kräftiges Taschenmesser mit Säge bei sich führt. Der Landwirth, 
auf dessen Felde wir beim Durchfiuchten von Linien Büsche weg- 
zuschneiden gezwungen sind, verlangt mit Recht, dass die stehen- 
bleibenden Stümpfe glatt, nicht zu spitz und auch nicht gespalten 
sind und nur wenige Centimeter über den Boden ragen. Es ist 
bekannt, dass man ein Holz leichter durchschneidet, wenn man cs 
biegt und das Messer auf der konvexen Seite der Biegung ansetzt. 
Wird diese Manipulation aber langsam ausgeführt, so spaltet das 
Holz gleichzeitig. Geschieht aber das Biegen schnell und stossartig 
a tempo mit dem Druck des Messers, so wird die verlangte Wirkung 
mit auffallender Leichtigkeit erreicht. Eine geübte Hand schneidet 
auf diese Weise einen Stamm von 3 cm Durchmesser mit einem 
Schnitt spielend ab. 

Stärkere Hölzer werden mit dem Beil resp. der Axt zu fällen 
sein. Das Beil tragen die Messgehilfen ausser dem Gebrauch auf 
dem Rücken schräg in den Leibgurt geschoben. Ist man gezwungen, 
die Axt anzuwenden und stärkere Bäume fällen zu lassen, so achte 
man darauf, dass der Baum von der Seite in Angriff genommen 
wird , auf welcher er den grössten Winkel mit der Horizontalen 
bildet , damit er nicht den Arbeiter befällt. Auch soll ein Baum 
möglichst niedrig am Boden abgeschnitten werden. Die Schläge 
mit der Axt werden abwechselnd horizontal und unter etwa 60° 
geführt. Lange Bäume brechen beim Fall auf den Boden leicht 
durch, man verhütet es, indem man ihnen während des Falles einen 
Schlag mit der Rückseite der Axt in der Längsachse gibt. Zur 
Vermeidung des Spleissens ist es übrigens vortheilhaft , zu Anfang 
den Baum rundum zu schwächen. 

Zum Einschlagen der Markirpfähle gehört ein eiserner Hammer 
von 1,5 bis 2 Kilogramm Gewicht, zum Einschlagen grosser Pfähle 
ein hölzerner Hammer von 10 bis 15 Kilogramm Gewicht. 

II. Der Gebrauch der landmesserischen Gerüthe. 
a. Der Gebrauch der Baken. 

Eine Bake steht senkrecht, wenn sie in zwei unter einem rechten 
Winkel zu einander stehenden Richtungen gesehen, einer ruhig 
hängenden Lothschnur parallel erscheint. Eine solche Aufstellung 



*) Ob genauere Untersuchungen über die Eigenschaft des Holzes in der 
Richtung seiner Verwendung zu unsern Stativen gemacht sind, ist mir leider 
unbekannt, andernfalls möchte ich voraussetzen, dass da noch Verbesserungen 
zu erwarten sind. Die Zusammensetzung des Holzes, wie sie bei dem Billard- 
queue angewandt ist, das immer im Trockenen aufbewahrt wird, eignet sich 
nicht ohne Weiteres für unsere Stative. 

Zeitschrift für VermessungswMen. 1886. 11. Heft. 18 



18 




274 v. Schmeling. Einiges überd. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 



der Bake zu geben, ist verhältnissmässig mühsam und zeitraubend, 
weil dieselbe , während man sie in der einen Richtung der Loth- 
sclinur parallel bringt, sich in der andern Richtung leicht wieder 
verschiebt. Diese genau senkrechte Stellung einer Bake ist aber auch 
nur dann nöthig, wenn sie aus verschiedenen Richtungen als Ziel 
dienen soll, also auf Polygonpunkten und in Einbindepunkten. 
Wird eine Messlinie mit Baken ausgesteckt, so genügt es, diese so 
aufzustellen, dass sie, in der Richtung der Mcsslinie gesehen, der 
Lothschnur parallel erscheinen. 

Die Arbeit des Eiufluchtens der Baken in eine Gerade zwischen 
2 gegebenen Punkten wird unter Voraussetzung einer guten Sehkraft 
des Landmessers in Linien unter 500 m Länge noch mit dem blossen 
Auge ausgeführt werden können. Zu dem Zweck wählt der Land- 
messer , wenn möglich , zum Punkt der Aufstellung für sich den- 
jenigen Endpunkt der Linie, in welchem er die Sonne im Rücken 
hat, erstens, damit er durch in die Augen fallende Sonnenstrahlen 
nicht im Sehen gestört wird, zweitens, damit er die einzurichtenden 
Baken von der beleuchteten Seite sieht. Den andern Endpunkt der 
Linie hat er durch eine lothrechte Bake mit Fahne besetzen zu 
lassen. Um dem visirenden Auge eine Stellung in der Linie selbst 
zu geben, besetzt er den Endpunkt der Linie, in welchem er selbst 
steht, mit der oben S. 270 erwähnten kürzeren Bake lothrecht und 
hält dicht über dieser das visirende Auge. Darauf lässt er einen 
Gehilfen, der mit einer Bake etwa 50 m in der Richtung der Link- 
vorgetreten ist, zum genaueren Einrichten Stellung nehmen. Der 
Gehilfe kehrt das Gesicht dem Landmesser zu, hält die Bake seit- 
wärts von sich ab, indem er sie möglichst hoch und nur mit zwei 
Fingern fasst, damit die durch ihren Schuh beschwerte Bake loth- 
recht und nahe am Boden hängt. Während der Landmesser über 
seine kleine Bake hinweg nach der Bake im andern Endpunkt der 
Linie visirt, weist er durch Winken mit der Hand den Gehilfen dahin, 
dass dessen Bake genau die hintere deckt, was um so schneller erreicht 
wird, je ruhiger die Bewegungen des Gehilfen sind. Dieser lässt jetzt 
seine Bake zwischen den Fingern zu Boden gleiten und auf dem 
hier gefundenen Punkte stösst er sie in den Boden ein. Ungeübte 
Gehilfen halten die Bake beim Einstossen in den Boden schräg 
von sich ab, und verschieben dadurch den Punkt der Aufstellung 
Es ist daher nothwendig, dass der Gehilfe zu der letzt beschriebenen 
Ilantirung seine Stellung wechselt und (die Front dem Landmesser 
zukehrend) in die Linie tritt, weil die fragliche Verschiebung dann 
nur in der Richtung der Linie geschieht. Jetzt berichtigt der Ge- 1 
hilfe die gerade Aufstellung der Bake nach der Lothschnur und 
tritt darnach aus der Linie hinaus , damit der Landmesser durch 
nochmaliges Visiren die Aufstellung der Bake prüfen kann. Ist 
dies geschehen und ein etwaiger Fehler verbessert, so ersetzt der 
Landmesser seine kleine Bake durch eine grössere, der Gehilfe tritt 
mit einer neuen Bake wieder etwa 50 m vor, der Landmesser setzt 
seine kleine Bake an Stelle der vorher eingerichteten und das vor- 
hin beschriebene Verfahren wird wiederholt bis zum Schluss der I 

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v. Schmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 275 

Linie. Mit geübten Gehilfen ist die Arbeit schnell ausgeführt und 
lohnt die verwandte Mühe. 

Das Durchfluchten von Linien mit Baken , welche nicht nach 
der Lothschnur aufgestellt sind, und das Visiren an der Seite der 
Baken her ergeben schon im ebenen Felde Abweichungen von der 
Geraden bis zu 0,5 m, in noch nicht sehr unebenem Felde ermittelte 
ich bei Gelegenheit der Schlussvermessung eines Bahnhofes an einer 
zur Parzellaraufnahme abgesteckten Geraden Abweichungen bis zu 2 m. 

Beim Aufheben der Bake aus dem Boden muss darauf geachtet 
werden, dass das Loch, in welchem sie gestanden, nicht verdorben 
wird. Man erreicht dieses dadurch, dass man die Bake um ihre 
Längsachse dreht, während man sie in die Höhe zieht. 

Beim Durchfluchten kurzer Linien in der Ebene bleibt der 
Landmesser während der ganzen Arbeit des Durchfluchtens in dem 
einen Endpunkt der Linie stehen, richtet aber die fernste Bake 
zuerst ein, und nacheinander die näheren, weil die nähere Bake 
eine grössere Breite im Gesichtsfelde verdeckt als die fernere. 

Die gleiche Reihenfolge wird beobachtet beim Durchfluchten 
mit Hilfe des Theodolits. Hiebei ist angezeigt, die Stellung des 
Faden hreuzes gegen die Bake im andern Endpunkt der Linie wiederholt 
zu prüfen. Mit dem Theodolit wird das Fussende der Bake anvisirt 
resp. eingerichtet. 

Ist die Linie so lang oder der Hintergrund so ungünstig, dass 
der Messgehilfe das Winken des Landmessers nicht deutlich sehen 
kann, so lässt dieser einen zweiten Gehilfen, den Träger des Theo- 
dolits, die Zeichen mit einer Bake ausführen, an welche eine Fahne 
(die Visirscheibe) gebunden ist. 

Das Durchfluchten gerader Linien ohne Theodolit in unebenem 
Feld erfordert eine besondere Sorgfalt. Wenn irgendwo so muss 
hier die Aufstellung einer jeden Bake nach der Lothschnur geprüft 
werden, weil die Neigung des Bodens das Augenmass sehr täuscht. 
Ist der anzuvisirende Endpunkt der Linie nicht so hoch gelegen, 
dass er von jedem Punkt der Linie aus gut gesehen werden kann, 
so besetzt man ihn bei ruhigem Wetter mit einer Messlatte statt 
der Bake. Man fluchtet darauf nacheinander die Punkte ein, die 
so hoch liegen, dass von den daraufgesetzten Baken immer noch 
ein wesentliches Stück das hinterste Zeichen deckt. Sobald eine 
Bake so niedrig steht, dass sie die hintere nicht mehr deckt, ist 
keine Controle für ihre richtige Aufstellung vorhanden. 

Das Durchfluchten der Linie durch die Bodensenkungen, Thal- 
gründe, geschieht darauf besonders zwischen den schon besetzten 
Punkten und nach dem schon oben angegebenen Verfahren in solchen 
Abständen, dass die zuletzt eingerichtete Bake immer noch etwa 
im oberen Viertel die hintere deckt. Je abschüssiger die Thal- 
wände verlaufen, um so kürzer werden natürlich die Abstände der 
Baken von einander sein. Man wird gut thun, Linien in unebenem 
Felde mit dem Theodolit durchzuflucliten. 



276 v. Schmeling. Kiniges über d. Ausrüstung u..d. Arbeiten d. Landmessers. 



Bei der Aufnahme grösserer Flächen steckt man Transversalen 
ab in solcher Lage, dass sie möglichst viele Aufnahmspunkte be- 
rühren. Von einem Endpunkte aus lässt sich ihre Lage und 
Richtung nicht bestimmen, weil da meist die Uebersicht fehlt, viel- 
mehr bestimmt man sie von einem Punkt aus der Mitte, wo die 
Uebersicht leichter ist, indem man drei Baken versuchsweise auf- 
stellt und dann vorwärts und rückwärts die Richtung verfolgt, die 
sie angeben. Man achtet dabei darauf, dass man Gebäude, Bäume, 
Büsche, einzelne Zaunpfähle vermeidet, Wasserläufe, steile Böschungen, 
Hecken nicht in der Längsrichtung schneidet, dass man der Mehrzahl 
der aufzunehmenden Objecte möglichst nahe vorbeikommt. Beim 
Ausstecken solcher Linien werden also nicht wie vorher beschrieben 
die Baken zwischen zwei Endpunkten zwischengefluchtet, sondern sie 
werden in die Verlängerung der in der Mitte ausgesteckten Baken 
eingefluchtet, bis sie in die Umfassungslinien einmünden. 

Hiebei ist die oben erwähnte kurze Bake von wesentlichem 
Nutzen, ohne Anwendung derselben wird die Linie in verschiedenen 
Windungen, aber nicht in einer Geraden abgesteckt. Der Land- 
messer hält sie an der Spitze zwischen zwei Fingern unter das 
visirende Auge, lasst sie auf den Boden hinuntergleiten, wenn er 
sein Auge genau in die Verlängerung der aufgestellten Baken gebracht 
hat, stösst sie auf dem gefundenen Punkt in den Boden, revidirt 
ihre Stellung zuerst nach der Lothschnur, darauf durch nochmaliges 
Visiren und ersetzt sie nun durch eine grosse Bake. Etwa alle 
50 m wird das Verfahren wiederholt, wobei darauf zu achten ist, 
dass im ferneren Verlauf die Verlängerung über mindestens immer 
drei Baken genommen werde. Verhindert dieses ein ungünstiger 
Wechsel des Gefälles, so lässt man einen möglichst fern zurück- 
liegenden Punkt der Linie mit einer Messlatte lothrecht besetzen. 

Das eben beschriebene Verfahren beim Rückwärtseinrichten einer 
Linie wird angewandt bei der Bestimmung einzelner Punkte in der 
Linie während der Einzelaufnahme sowohl, als bei Bestimmung der 
Einbindepunkte für ein Liniennetz. Ist eine Transversale so weit I 
durchgerichtet, dass sie in die Nähe einer der Umfassungslinien 
reicht, so gilt es, eine Bake so aufzustellen, dass sie zugleich in der 
geraden Richtung der ersteren wie der letzteren steht, d. h. den 
Schnittpunkt der beiden Richtungen oder den Einbindepunkt angibt. 

Der Landmesser verfährt mit seiner kleinen Bake so lange annährungs- 
weise, bis er den Punkt gefunden; hat er einen zuverlässigen Gehilfen, 
so wird die Arbeit dadurch gefördert, dass dieser seine kleine Bake, 
welche der Landmesser unterdessen immer in der Richtung der I 
Transversalen hält, in die Richtung der Umfassungslinie einfluchtet. 

Bei der Einzelaufnahme wird das oben angegebene Ver- 
fahren angewandt, wenn in den Abscissenlinien die Fusspunkte der 
Ordinaten bezeichnet werden sollen. Wenn auch das Loth, welches 
der Landmesser unter dem richtig geführten Prismenkreuz hängen 
hat, auf den Punkt allemal genau hinweist, so ist doch mancher 
kleine Umstand im Wege, der das Erkennen des Punktes verhindert. j 



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v. Schmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 277 



Da ist vielleicht gerade ein hartes Kraut oder die schräge Wand 
einer Scholle, die das Loth abgleiten lässt, oder es ist Wind, der 
das Loth hin und her schwanken lässt, so dass man gezwungen 
ist, allein auf die richtige Ablesung des Abscissenmaszes zu achten, 
oder der Boden ist sumpfig, so dass man das Loth da nicht hin- 
aufsetzen mag, endlich aber muss so wie so ein fester Nullpunkt 
für die Ordinate zum Anlegen der Messlatte geschaffen werden. 

Allemal ist es angezeigt, im Fusspunkt der Ordinate die kleine Bake 
einzurichten und vorwärts und rückwärts zu kontroliren. Hat man 
sich an ein solches Verfahren gewöhnt, so ist es schnell ausgeführt 
und lohnt die Mühe. Die Redensart von der »hinreichenden 
Genauigkeit«, welche sich sogar in manche Lehrbücher verlaufen 
hat, verleitet Anfänger zu jener Schluderei, deren Ergebnisse wir 
in vielen Karten schwer tragen. Es ist allerdings gleichgiltig, ob 
eine Wiesenecke in der Karte 2 dm oder 5 dm anders liegt als in 
der Wirklichkeit, da sie nach der nächsten Ackerbestellung doch 
schon wieder eine andere Form hat; es ist aber nicht gleichgiltig, 
ob ein Grenzstein oder eine Gebäudeecke um einige Decimeter falsch 
eingemessen sind, und wenn sich der Anfänger erst einmal an eine 
gleichgiltige, Arbeitsweise gewöhnt hat, so behält er sie auch sonst 
bei. Allemal, wo es heisst, »es ist so genau genug«, wird der Masz- 
stab für die Genauigkeit aus der Hand gegeben. 

Ist eine Messlinie ungenau ausgerichtet, sind dann in ihr die 
Ordinatenfusspunkte ungenau abgesteckt, so sind, wo die Fehler sich 
summiren, statt sich auszugleichen, leicht Differenzen von 1 m in den 
Breiten möglich. Sollen nachher im Anschluss an so fehlerhafte 
andere Messungen ausgeführt werden, dann zeigt sich der negative 
Werth jener Arbeiten. 

b. Das Abpfählen der Linien. 

Bei grösseren Aufnahmen ist es von Vortheil, eine Arbeits- 
theilung in der Weise einzurichten, dass man zuerst das Liniennetz 
ganz fertig stellt und darnach mit der eigentlichen Messung beginnt. 

Um das Liniennetz zu erhalten nicht nur für die erste Messung, 
sondern auch für eine etwaige Nachtragsmessung, werden die vorher 
gesteckten Baken durch Markirpflöcke ersetzt. Die Mittellinie einer 
projectirten Eisenbahn wird durch starke Pfähle von mindestens 
1 dm Durchmesser markirt, welche in Abständen von wenigen 
hundert Meter in Grenzraine, Grabenkanten, Wegekanten geschlagen 
werden. 

Jeder Markirpflock oder Pfahl soll in dem angezeigten Punkt 
senkrecht im Boden stehen. Um das zu erreichen, ist es nicht nur 
nothwendig, dass der Pfahl eine gerade Spitze und gerade Kopf- 
fläche hat, es muss auch der Hammer gerade geführt werden, d. h. 
die ganze Kopffläche des Pfahles treffen. Aber wenn auch diese 
Bedingungen erfüllt sind, ist es leicht zu beobachten, wie ein Pfahl 
unter jedem Schlage des Hammers in der Richtung nach der Hand, 
die den Hammer führt, hinübergezogen wird, und zwar so beträchtlich, 

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278 v. Schmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 

dass z. B. starke Pfähle unter dem schweren Hammer um mehr 
als 2 dm ihre Stellung ändern. 

Um diese Verschiebung zu verhüten resp. unschädlich zu machen, 
hält man darauf, dass beim Einschlagen der kleinen Markirpflöcke 
der Messgehilfe den Hammer in der Richtung der Linie führt. Wo 
grosse Pfähle eingeschlagen sind, da markirt man den Punkt am 
Boden zuerst genau durch >Abschnüren<, d. h. man spannt zwischen 
vier Pfählen oder Baken zwei Schnüre so gegeneinander rechtwinklig 
aus, dass der behandelte Punkt unter ihrem Schnittpunkt liegt. 
Nach Entfernung der Schnüre wird der Pfahl unter Anwendung 
der Vorsicht eingeschlagen, dass der Messgehilfe zu jedem ferneren 
Schlage weiter um den Pfahl herumtritt. Ist der Pfahl auf solche 
Weise in den Boden geschlagen, so wird seine Stellung durch die 
wieder übergespannten Schnüre controlirt. Gewöhnlich ist es möglich, 
eine dennoch eingetretene Verschiebung dadurch wieder zu ver- 
bessern, dass man mit dem Hammer dicht neben dem Pfahl, und 
an der Seite, nach welcher er ausgewichen ist, den Boden bear- 
beitet. In hartem steinigem Boden wird das allerdings vergebens 
sein und nichts übrig bleiben, als die Arbeit von Neuem zu machen. 
Nachdem der Pfahl glücklich eingeschlagen ist, wird unter dem 
Kreuzpunkt der Schnüre ein Loch senkrecht in ihn hineingebohrt 
zur Aufnahme einer Bake bei späteren Messungen. Schon gebohrte 
Pfähle spleissen unter dem Hammer. 

c. Der Gebrauch der Messlatten. 

Es ist nützlich, zum Legen der Messlatten immer denselben 
Lattenleger zu verwenden, damit dessen langsam gewonnene Uebung 
dem Landmesser zu Nutzen komme. Der Lattenleger führe die 
Latten immer allein mit der rechten Hand. Das Führen der Latten 
mit beiden Händen sieht nicht nur ungeschickt aus, sondern es 
ermüdet eher, weil es die Brust in der freien Athmung behindert. 

Zum Beginn der Messung einer Linie halte der Lattenleger 
die schwarz-weisse Latte in der Mitte mit der rechten Hand gefasst 
und stehe an der linken Seite der Anfangs-Bake, die Front in der 
Richtung der Linie. Während er nun mit dem rechten Fuss vor- 
tritt , schwingt er die Latte in der Richtung der Linie voran, 
bis er das Ende der Latte in der Hand fühlt. Dieses hält er fest 
und legt es sorgsam an den Nullpunkt der Linie. Darauf tritt 
er fünf Meter vor und macht dieselbe Manipulation mit der roth- 
weissen Latte. Es sollen nun die Kopfenden der beiden Latten 
hart gegen einander gebracht werden, ohne dass die hintere durch 
den Stoss der vorderen verschoben wird. Bei aufmerksamer Be- 
handlung wird das erreicht, ohne dass die hintere Latte festge- 
halten wird (was nur auf Schnee und Eis und beim Staffeln nöthig 
ist). Der Messgehilfe schiebt oder zieht die Latte, indem er sie 
dicht am Schuh festhält, nahe über der vorhergehenden hin, bis 
er sieht, dass die beiden gegeneinander zu bringenden Kopfflächen 
(aus seiner Stellung gesehen) eine gerade Linie bilden, dann streicht 



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v. Schmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 279 

er mit der Kopffläche der zweiten Latte an der der ersten hinunter. 
Es wird dadurch zugleich etwa angeklebte Erde von den Kopf- 
flächen entfernt. Ungeübte Gehilfen werfen die Latten nicht genau 
in die Richtung der Linie, sondern seitwärts hinaus. Um ihre 
Lage zu berichtigen, sollen sie nicht etwa jedesmal an das obere 
Ende der Latte laufen, um es zurecht zu legen, vielmehr sollen sie 
in ihrem Standort stehen bleiben und indem sie das untere Ende 
der Latte am Schuh in der Hand halten, durch Schwenken das 
obere am Boden liegende Ende in die richtige Lage bringen. 

Der Lattenleger hat jetzt 10 Meter gelegt und steht bei 5 Meter. 
Er hebt nun ohne seine Stellung zu ändern die hinter ihm liegende, 
jetzt die schwarz-weisse Latte am oberen Ende auf, schwingt sie 
in der Richtung der Linie voran, bis er ihre Mitte in der Hand 
fühlt, hält sie da fest und in möglichst wagrechter Stellung und 
nun erst tritt er 5 Meter vor und wiederholt die vorher angegebene 
Manipulation. 

Unordentliche Lattenleger lassen die Latte nachschleppen und 
verschieben damit leicht die folgende Latte , so dass Messfehler 
entstehen, die die ganze Arbeit werthlos machen können. 

Es ist bekannt, dass unsere Messungen in der Projection auf 
die Horizontale ausgeführt werden müssen. Sobald eine Messlinie 
in bemerkbarem Gefälle liegt, ist es unzulässig, die folgende Latte 
gegen die vorhergehende zu legen, und es beginnt das Staffeln, d. h. 
diejenige Hantirung mit dem Loth, durch welche die Lage des 
Endpunktes der vorhergehenden horizontal gehaltenen Latte auf 
den niedrigeren Boden für das Anlegen der folgenden Latte über- 
tragen wird. Der Messgehilfe hält die vorhergehende Latte hori- 
zontal am Kopfende, während er mit dem Daumen gegen dasselbe 
die Lothschnur drückt, die er mit der linken Hand in ruhige Lage 
bringt, visirt längs der ruhig hängenden Lothschnur auf den Boden, 
während ein zweiter Messgehilfe die folgende Messlatte in der 
Richtung der Linie und horizontal mit dem hinteren Ende vor den 
Füssen des ersteren auf dem Boden auflegt. Durch Zurufen > rück- 
wärts, vorwärts« lenkt darauf der erste Messgehilfe die folgende 
Latte in die richtige Stellung unter sein Loth, drückt sie hier 
mit dem Fuss in den Boden, prüft ihre Stellung und bedeutet jetzt 
den zweiten Gehilfen, dass er die Latte nicht mehr mit der vollen 
Faust halten darf, sondern auf der offenen Hand ruhen lassen soll. 
Darauf tritt er 5 Meter vor, fasst hier die von dem zweiten Gehilfen 
so lange gehaltene Latte am oberen Ende und wiederholt das 
beschriebene Verfahren. 

Beträgt das Gefälle mehr als Mannshöhe auf 5 Meter Horizontal- 
entfernung, so muss in kürzeren Intervallen gestaffelt werden. 

Aehnlich ist das Verfahren, wenn eine bemerkenswerthe Steigung 
in der Messlinie überwunden werden soll. Hier gilt es, die Lage 
des Endpunktes der vorhergehenden Latte aufwärts zu übertragen. 
Während der zweite Messgehilfe die hintere Latte, deren vorderes 
Ende auf dem steigenden Boden aufliegt, horizontal auf der flachen 



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280 v. Schmeling. Einiges über d. Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 

Hand ruhen lässt, hält der erste Gehilfe das Loth über ihrem vor- 
deren Ende, immer nach unten visirend, und drückt mit der linken 
Hand den hinteren Kopf der folgenden Latte gegen seine Loth- 
schnur. Jetzt muss ein dritter das aufliegende Ende der eben 
bestimmten Latte in den Boden treten, oder mit der Hand da fest- 
drücken, und nun erst verlässt der zweite Gehilfe seinen Platz und 
unterstützt diese Latte mit der offenen Hand. Dadurch wird der 
erste Gehilfe von seinem Platz erlöst und kann wieder 5 Meter 
voi treten, um das Verfahren zu wiederholen. Mit geübten Gehilfen 
ist die Arbeit schneller ausgeführt als beschrieben, mit ungeübten 
muss sie häufig zum zweiten und dritten Mal gemacht werden, 
wesshalb es vortheilhaft ist, vor Beginn des Stafl'elns einen Markir- 
pflock in der Linie einzumessen. 

Zur Erleichterung der Uebersicht in den Maszen muss der 
Lattenleger bei jedem Aufheben der hinteren Latte die Anzahl 
der gehobenen Meter, also 5, 10, 15 laut und deutlich rufen. Bei 
diesem Zählen ist ein Versehen um 5 Meter nicht gut möglich, 
aber wenn das Lattenlegen durch häufiges Ordinatenmessen unter- 
brochen wird, kommen Versehen um 10 Meter vor, die dann als 
10 Meterfehler sich beim Kartiren der Messung bemerklich machen, 
falls nicht der Landmesser sein Feldbuch maszstäblich führt, so 
dass der Irrthum sich gleich auf frischer That bemerklich macht. 

Es ist nothwendig, dass der Landmesser in den Hantirungen, 
welche er von den Messgehilfen verlangt, selbst durchaus geübt ist, 
andernfalls er falsche und zu hohe oder zu niedrige Anforderungen 
an sie stellt, sich dadurch in ihren Augen lächerlich macht und 
die Autorität einbüsst. Er muss, im Falle ein Messgehilfe wider- 
spenstig wird, zeigen können, dass er desswegen nicht in Verlegen- 
heit geräth, und für den liest des Tages dessen Arbeit selbst aus- 
führen. Zwischen häufig rohen Leuten auf weitem Felde allein 
muss er durch das Uebergewicht in der Leistung einen moralischen 
Druck auf sie ausüben können. 

c. Der Gebrauch des Prismenkreuzes. 

Das Bauernfeind’sche Prismenkreuz ist dem Winkelspiegel des- 
wegen weit vorzuziehen, weil es dem beobachtenden Auge die Mess- 
linie sowohl aufwärts als abwärts zu gleicher Zeit zeigt, während 
der Winkelspiegel sie nur entweder aufwärts oder abwärts zeigt. 

Es gestattet dadurch eine bedeutend genauere Bestimmung der 
Ürdinatenfusspunkte als sie mit dem Winkelspiegel erreicht wird. 

Ich habe mit meinem Prismenkreuz Perpendikel von 75 Meter Länge 
abgesteckt, sie mit dem Theodolit geprüft und keine Abweichung 
gefunden. Es wird Niemand behaupten können, dass er ein solches 
Resultat mit dem Winkelspiegel erreichte. 

Es sind nun aber beide Instrumente nur für die Ebene berechnet, 
und sobald eine der Baken, welche man in den drei Richtungen 
(Linie aufwärts, Linie abwärts, Kopfpunkt der Ordinate) durch das 
Spiegelinstrument anvisirt, namhaft niedriger oder höher steht als 

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v. Schmeling. Einiges über die Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 281 



das Instrument selbst, so versagt dieses seinen Dienst, und inan 
möchte geneigt sein, zu den primitiver construirten Winkeltronnneln 
oder Kreuzscheiben zu greifen, weil sie eine namhafte Steigung in 
der Yisur gestatten. Aber zu unserm Zweck, dem Aufsuchen der 
Ordinatenfusspunkte, eignen sich die Winkeltrommeln sehr schlecht, 
da sie hier ein langwieriges annäherndes Verfahren erforderlich 
machen. Sie müssen zuerst lothrecht genau in der Messlinie da 
aufgestellt werden, wo man nach Schätzung mit dem Augenmass 
den Ürdinatenfusspunkt vermuthet. Schon eine einzelne solche Auf- 
stellung ist sehr umständlich, diese ist aber nur der Vorläufer von 
mehreren Aufstellungen, bis die richtige gefunden ist. (Demi ich 
halte es für unstatthaft, die erste Aufstellung zum Abstecken einer 
parallelen Ordinate zu benutzen und nachher den rechtwinkligen 
Abstand des einzumessenden Objectes von dieser dem Masz in der 
Abscissenlinie zu- oder abzuschreiben, weil es neue Fehlerquellen 
in die Arbeit hineinträgt.) Ich meine, dass man die Winkeltrommel 
da lassen soll, wo sie hingehört, auf die Arbeitsstelle des Maurers, 
der von gegebenen Punkten kurze Visuren mit ihr ausführt. Es ist 
übrigens auch zu bedenken, dass die Winkeltrommel viel sorgsamer 
gearbeitet und viel sorgsamer aufgestellt sein muss, wenn eine Visur 
in steigender oder fällender Linie, als wenn sie in der Horizontalen 
genommen werden soll. — Nach dieser Betrachtung scheint es er- 
wünscht, sich mit dem Prismenkreuz auch auf unebenem Felde 
durchzuhelfen, und es geht in der That schneller und besser als 
mit der Winkeltrommel, wenn man die durch die Umstände gegebenen 
günstigeren Verhältnisse benutzt. Man wird z. B. mit dem Prismen- 
kreuz ein annäherndes Verfahren dadurch ausführen, dass man auf 
der dem einzumessenden Zielpunkt gegenüberliegenden Seite der 
Abscisse ein Bake rechtwinklig einrichtet, hinter welcher ein Gehilfe 
über das Prismenkreuz wegvisirt und angibt, wie weit ungefähr 
die Visur an dem Zielpunkte vorbeiläuft. Das Verfahren wieder- 
holt man, bis der Gehilfe angibt, dass die Visur auf das Object 
trifft. Die Stellung wird man dann prüfen und eventuell berichtigen. 
Häufig wird es helfen, wenn man in dem anzumessenden Punkte 
statt einer Bake ein§ Messlatte lothrecht aufstellen lässt. In jedem 
Falle wird man mit dem Prismenkreuz schneller und besser zum 
Ziele gelangen als mit der Winkeltrommel. 

111. Die Construction der Messlinien sum Liniennetz. 

Eine jede landrnesserische Aufnahme beginnt mit der Umfassung 
des aufzunehmenden Feldes durch ein mehr oder weniger compli- 
cirtes Polygon, innerhalb dessen durch Transversalen die Lage der 
aufzunehmenden Objecte bestimmt wird, so dass ein Netz von Linien 
über das ganze Feld gelegt wird. 

Auf die Frage: »welches ist die beste Construction eines 

Liniennetzes?« antworte ich: »es ist diejenige, welche die geringste 
Anzahl von Messlinien erfordert«. 

Bei der kartographischen Eintragung eines jeden Linienend- 
punktes für ein Liniennetz ist ein constanter Fehler wahrscheinlich, 



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282 v ' Schmeling. Einiges über die Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 

dessen Grösse von der Gewandtheit und dem guten Auge des Kar- 
tirenden abhängt, und den ich erfahrungsmässig auf 0,1 bis 0,3 mm 
sehr niedrig schätze. Es ist natürlich, dass, sofern die Linien in 
Abhängigkeit von einander stehen, dieser Fehler, wenn er sich auch 
stellenweise ausgleichen wird, stellenweise auch wieder, wo er sich 
summirt, arge Verschiebungen zur Folge haben muss. Es stimmt 
damit die häufig gemachte Beobachtung überein, dass in einem 
Liniennetz immer die kurzen Linien am schlechtesten stimmen, denn 
sie hängen von mehr vorhergehenden Linien ab, als die langen. 

Nach dieser Anschauung entstehen also um so mehr Fehler in 
einer Karte, je mehr Messlinien für ihre Kartirung gebraucht 
werden. 

Die durch die Katasterneumessung weiter verbreitete Arbeits- 
weise in Transversalen, welche bedingt, dass eine jede Messlinie 
in einen festen Rahmen gespannt wird, und welche aus dem Grossen 
in’s Kleine arbeitet, steht im schroffsten Widerspruch mit jener 
Arbeitsweise, welche aus dem Kleinen in’s Grosse arbeitet. Nach 
der ersteren bekommen die Linien eine sichere, nach der letzteren 
eine unsichere Lage in der Karte. Nach der ersteren werden die 
beiden Endpunkte einer Linie unabhängig von einander auf der 
Karte bestimmt, ehe die Linie gezeichnet wird, nach der letzteren 
wird der eine Endpunkt abhängig von dem andern in der bereits 
gezeichneten Linie bestimmt, ln dieser werden Messlinien zu 
Figuren zusammengestellt und übereinandergethürmt, so dass die 
oberen nach dem Gesetz des Hebels um ein Bedeutendes verschoben 
werden, wenn die unteren nur eine geringe Verschiebung bei der 
Kartirung erlitten haben. Es hängt also ferner die Möglichkeit, 
eine richtige Karte herzustellen, ab von der Art, wie die Messlinien 
im Felde gelegt sind. 

Ist nun durch Anwendung der Vorschrift, dass die Messlinien 
Transversalen sein sollen, kein grosser Spielraum mehr für ihre 
unrichtige Legung gelassen, so ist doch dabei noch Eins zu berück- 
sichtigen : Es muss jede Transversale so gelegt werden, dass sie 

keinen zu spitzen Winkel mit der Linie bildet, in welche sie ein- 
gebunden wird. Denn es ist im Felde schwer, auf einige dm genau 
den Schnittpunkt zweier unter sehr spitzem Winkel sich schneiden- 
der Linien zu bestimmen und die Messung wird leicht ein falsches 
Längenmass für die Linien ergeben, das dann im Widerspruch mit 
der Kartirung steht. 

Das Polygon, welches die Umfassungslinien für die Aufnahme 
grösserer Felderkomplexe abgibt, und durch mühsame Winkel- und 
Seitenmessung hergestellt ist, schrumpft bei der Aufnahme kleiner 
Ackerparzellen in ein mit dem Winkelspiegel abgestecktes Rechtek 
oder den Theil eines Rechteckes zusammen. Für die Parzellar- 
aufnahme und die Schlussvermessung von Strassen und Eisenbahnen 
gibt die abgesteckte Mittellinie den Anhalt für die Legung der 
Messlinien. Man legt hier, wenn möglich, parallel mit der Mittel- 
linie resp. mit den Tangenten der Curven die Umfassungslinien 
durch Verbindung von Perpendikeln, die etwa alle 300 bis 500 Meter 



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v. Schmeling. Einiges über die Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 283 

wiederholt sind. Die Wiederholung der Perpendikel ist notlwendig 
für die Controle über die richtige Messung in den einzelnen Theilen 
der langen Umfassungslinien. 

IV. Die Controlemessungen. 

Wenn eine Messlinie längs eines Kopfraines gelegt ist, und es 
sind in ihr die Masze der einzelnen aufstossenden Grenzen fort- 
laufend notirt, so ist die Möglichkeit vorhanden, dass in einem oder 
dem andern Masz ein Ablese- oder Schreibfehler gemacht ist, des- 
wegen besteht die Vorschrift, dass die Breiten der einzelnen Besitz- 
stücke ausserdem jede besonders für sich nachgemessen werden 
sollen. 

Ist eine Messlinie neben einer gebrochenen Grenze hergelegt, 
und sind die einzelnen Brechpunkte der Grenze durch ihre recht- 
winkligen Abstände von der Messlinie bestimmt, so ist die Controle 
durch die Zwischenmasze, das heisst durch die Masze der Entfer- 
nungen der Brechpunkte von einander, nicht hinreichend, denn es 
wird auf der Karte häutig gar kein Widerspruch mit den Zwischen- 
maszen sich bemerkbar machen, wenn ein Perperdikel zu lang oder 
zu kurz angegeben ist. Es ist daher eine Controle der Perpendikel 
durch Messung von Hypothenusen hier ebenso nothwendig, wie in 
allen Fällen, wo Perpendikel für die Legung von Umfassungslinien 
kleinerer Flächen angewandt werden. Ja, es darf sogar eher die 
Bestimmung der Zwischenmasze unterbleiben, als dieHypothenusen- 
messung, weil durch die letztere Lage und Länge der Perpendikel 
controlirt werden. 



V. Zu den Kartirungsarleiten. 

Die erste Arbeit bei Inangriffnahme einer Kartirung soll die 
sein, den Maszstab auf die Karte zu zeichnen. Das Kartenpapier 
hat bekanntlich die Eigenschaft, in feuchter Luft sich auszudehnen, 
in trockener sich znsammenzuziehen. Wenn also während der 
Kartirungsarbeit der Feuchtigkeitsgehalt der Luft wechselt , so 
haben diejenigen Linien, welche vor dem Wechsel eingetragen sind, 
einen andern Maszstab, als diejenigen , welche nach dem Wechsel 
eingetragen sind, sobald auf die Ausdehnung oder Zusammenziehung 
des Papieres keine Rücksicht genommen ist. 

Ich habe im Sommer im Laufe eines Tages an einem What- 
manbogen eine Veränderung von 1 / 300 linearer Ausdehnung beobach- 
tet, eine Grösse, welche , unbeachtet gelassen , hinreicht , die ganze 
Arbeit zu verderben. Ilat man nun von vornherein den Maszstab 
auf die Karte gezeichnet, so kann man sich jederzeit während der 
Arbeit Ueberzeugung verschaffen, ob ihr Maszstab mit dem metal- 
lenen Original noch übereinstimmt, und die etwaige Differenz bei 
Eintragung der Längen in Rechnung bringen. 

Die Anwendung des Kartirungsinstrumentes gestattet die Her- 
stellung eines sehr guten Transversalmaszstabes , der frei ist von 
Stichen mit der Copirnadel, in Zeit einer Viertelstunde. 



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284 v. Schmeling. Einiges über die Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 

Ich setze voraus, dass der Zirkel bei Kartirnngsarbeiten nicht 
mehr im Gebrauch ist, und will daher die Vorzüge jenes Instru- 
mentes vor Zirkel und Dreieck hier nicht besonders aufzählen. 

Die erste Bedingung für die richtige Anwendung des Kartirungs- 
instrumentes ist die, dass der Kartirende beim Abstecken derMasze 
mit der Copirnadel das Auge in die Richtung der bestimmenden 
Theilstriche stellt, welche auf den abgeschrägten Kanten des Instru- 
mentes angebracht sind. Die Copirnadel (die feinste Perlnadel Nr. 12 
ist die beste) muss senkrecht geführt werden , denn je schräger 
sie gehalten wird, um so mehr werden die Masze verschoben. Die 
Tischplatte, auf der das Kartenblatt liegt, muss gut eben und am 
besten aus Lindenholz gearbeitet sein. Sie darf nie nass gescheuert 
werden. Die Stellung des Tisches gegen das Fenster muss so ge- 
wählt werden, dass dem Arbeitenden das Licht von der linken Seite 
zukommt. 

Man kartirt auf nicht unterklebtem Papier, weil das Unter- 
klebte noch mehr als jenes dem Verziehen unterworfen ist. Die 
unter dem Kartirungsinstrument hergestellte Karte, die Original- 
oder Brouillonkarte, darf mit keinerlei Farbe bemalt werden, wieder 
aus dem Grunde, damit sie durch die Nässe nicht verzogen werde, 
dagegen werden in sie die Messlinien mit Carmin und die Mess- 
zahlen nach dem Feldbuch eingetragen. Die Conturen der Cultur- 
und Besitzstückc werden mit schwarzer Tusche so ausgezogen, dass 
die durch die Nadel markirten Brechpunkte von der Tusche frei 
und deutlich erkennbar bleiben. 

Anders werden jene Karten behandelt, die unter dem Namen 
Reinkarten für den Gebrauch der Nicht-Landmesser bestimmt sind 
und, von jenen mit der Nadel copirt, nicht den gleichen Grad der 
Genauigkeit erhalten. Ihre Herstellung erfordert eine besondere 
Uebung , die mit der sonstigen landmesserischen Thätigkeit nichts 
gemein hat. 

Das für sie verwandte Papier ist unterklebt. Zu Ministerial- 
Vorlagen von Kisenbahn-Projecten das .Bmiol-Papier (das durch 
Zusammenkleben und Zusammenpressen von mehreren Whatman- 
bogen gewonnen wird) in Blättern von 67 cm Höhe und 49 cm 
Breite, deren 2 bis 3 als Klappen aneinander geklebt werden. Die 
Vorschriften für die Ausstattung dieser und anderer Pläne sind 
enthalten in den »Bestimmungen über die Anwendung gleichmässiger 
Signaturen für topographische und geometrische Karten, Pläne und 
Risse. Berlin , li. v. Decker's Verlag, Marquardt cf' Scheuch. 

Auf das Ausziehen der Conturen mit schwarzer Tusche muss eine 
besondere Sorgfalt in der Richtung verwandt werden , dass die 
Striche beim späteren Anlegen der Karte mit Farben nicht verlaufen. 
Man erreicht das durch die Behandlung der schwarzen Tusche. 
Wird diese auf einer harten Unterlage, einem Porzellanschälchen, 
in Wasser verrieben , so werden Partikelclieu von ihr abgerissen, 
die mit dem Wasser sich nicht gehörig vermischen und nachher 
das Verlaufen verursachen. Deswegen reibe man sie auf der ge- 



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v. Schmeling. Einiges über dieAusriistung u. d. Arbeiten d. Landmessers. 285 

nässten Fingerspitze, von der man dann das Erhaltene in das Tusch- 
näpfchen abstreicht und nach Bedarf verdünnt. Gut eingeriebene 
Tusche ist dünnflüssig und im Striche schwarz. Ausserdem ge- 
brauche man die Vorsicht, täglich frische Tusche einzureiben und 
vor jedesmaligem Eintauchen der Ziehfeder diese von etwa ange- 
trockneter Tusche durch ein feuchtes Läppchen zu reinigen. 

Uebrigens erhalten die Farben Schwarz und Zinnober durch 
einen geringen Zusatz von Essig die Eigenschaft, dass sie unter 
dem nassen Pinsel nicht verlaufen. Ich habe das aber nur in 
seltenen Fällen angewandt, weil ich fürchte, durch den Essig die 
Ziehfeder zu schädigen. Die neuerdings in den Handel gekommenen 
flüssigen Farben habe ich noch nicht versucht. Durch den Zusatz 
lichtempfindlicher Chemikalien zu der schwarzen Tusche entstehen 
braune Bänder an den ausgezogenen Strichen. 

Für die Aufnahme der Tusche wird die Ziehfeder durch An- 
hauchen oder durch Durchfahren mit einem feuchten Läppchen 
empfänglicher gemacht. Zur Herstellung reiner Striche ist es noth- 
wendig , dass die beiden Spitzen der Ziehfeder durchaus conform 
geschliffen sind, wovon man sich mit der Lupe überzeugen muss. 
Man drücke die Ziehfeder nicht schwer auf das Papier, sondern 
lasse sie leicht darüber hingleiten und halte sie so, dass ihr Schnitt in 
der Richtung der Linie steht und beide Spitzen gleichmässig das 
Papier berühren. 

Ist das Ausziehen der Conturen mit schwarzer Tusche ge- 
schehen, so thut es dem Blatte gut, wenn cs gewaschen wird, ob- 
gleich es nicht gerade nothwendig ist, wenn das Blatt soweit mit 
Sorgfalt behandelt ist. Man führt das Waschen mit einem feinen, 
weichen Schwamm aus, der wiederholt tüchtig genässt wird und 
natürlich nicht hart aufgedrückt werden darf. Einzelne Blätter 
setzt man darauf mit Vortheil dem vollen Strahl der Pumpe aus. 
Die Fassung muss überall eine gleichmässige sein. Darauf heftet 
man das Blatt an den Ecken auf ein Heissbrett und stellt es auf- 
recht gegen die Wand, staubfrei und nicht gerade in die Nähe 
eines heissen Ofens. Ist das Blatt trocken und nicht mehr wollig, 
so werden die einzelnen Culturarten mit Farben bemalt. Zu dem 
Zweck wird jede Fläche, bevor sie ihre Farbe erhält, mit dem 
Pinsel gleichmässig wieder angefeuchtet, jedoch so, dass das Wasser 
nicht blank auf dem Papier steht. Die feuchte — wohl gemerkt 
nicht nasse — Fläche nimmt schnell und gleichmässig die auf- 
getragene Farbe an. Die betreffende Farbe sei wieder auf dem 
Finger eingerieben und stark verdünnt , auf einem andern Pa- 
pier versucht und, falls sie sich körnig zeigt, durch einen leinenen 
Lappen geseiht. Es ist namentlich Anfängern zu empfehlen , dass 
sie die Farben eher zu dünn als zu dunkel einrühren, denn es ist 
leichter, eine gleichmässige Färbung mit zu dünner Farbe zu er- 
zielen, die man dann zweimal aufträgt. Der benutzte grosse Pinsel, 
vorher gut ausgewaschen und mit der Farbe gehörig durchtränkt, 
werde von links nach rechts geführt, da diese Führung für eine 
schreibegewohnte Hand die geläufigste ist. Wo der Pinsel über die 



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286 v. Schmeling. Einiges über die Ausrüstung u. d. Arbeiten d. Landmesser»; 

Conturen hinausgegangen ist, wird die Farbe mit Löschpapier auf- 
genommen. bevor sie angetrocknet ist. Uebrigens hält sich ein 
guter weicher Pinsel bei vorsichtiger Führung leicht an den immer- 
hin etwas erhabenen Conturen. 

Nachdem die grösseren Flächen mit den stark verdünnten Far- 
ben bemalt sind , folgt das Einträgen der dunkleren Farben für 
Gebäude etc., das Ausziehen von Horizontalcurven, das Einzeichnen 
von Projecten mit Zinnober und schliesslich das Beschreiben der 
Karte in den verschiedenen Farben. 

Ist aus irgend einem Grunde innerhalb einer bereits mit Farbe 
angelegten Fläche eine Radirung ausgeführt, so entsteht die Aufgabe, 
auf der radirten Stelle den Farbenton der Umgebung wieder her- 
zustellen. Versucht man das mit einem nassen Pinsel , so bilden 
sich sehr hässliche Ränder, desswegen drücke man den Pinsel, nach- 
dem man ihm die betreffende Farbe, wieder gehörig verdünnt, ge- 
geben hat , tüchtig aus , so dass er vollkommen trocken zu sein 
scheint und betupfe mit ihm die radirte Stelle. Er wird dabei 
immer noch so viel Farbe abgeben, dass der verlangte Ton all- 
raälig hervortritt, ohne fleckig zu erscheinen. 

Zum freihändigen Ausziehen der Horizontalcurven hatte ich 
mir an der Ziehfeder, um ihr einen mehr sicheren Gang zu geben, 
und um zugleich ihren zirkelartigen Gebrauch zu ermöglichen, einen 
zweiten Arm angebracht, der, von ihrer halben Höhe ausgehend, 
unten in eine kleine Hülse auslief, in welche ein angespitztes Kork 
Stückchen geklemmt war. Der Abstand der Korkspitze von der 
Spitze der Ziehfeder betrug 8 mm. Die Länge des angeklemmten 
zweiten Armes war so berechnet, dass die Ziehfeder auf dem Papier 
gerade gehen musste, wenn sie zugleich mit der Korkspitze auf- 
gesetzt wurde. Diese gestattete ein glattes Hingleiten über das 
Papier, sie gab aber auch einen nach Belieben verschiebbaren Stütz- 
punkt für einen Zirkelschlag mit der Ziehfeder. Ich habe später 
erfahren , dass besondere Curven-Ziehfedern im Handel existiren. 
Ihre Construction ist darauf gestützt, dass die Ziehfeder, wenn sie 
etwas flach geführt wird, einen sichereren Gang im freihändigen 
Gebrauch hat, als wenn sie mit der scharfen Spitze aufgesetzt wird, 
desswegen sind sie in der Richtung der Spalte säbelförmig gebogen. 
Ausserdem sind sie mit dem Stiel nicht steif, sondern derart verbunden, 
dass sie eine spielende Drehung um ihre Längsachse gestatten. 

Die letzte Ausstattung der Karte ist die Schrift. Zur Erlang- 
ung einer guten Handschrift gilt die Regel , dass man die Feder 
richtig halten solle. Es sollte besser heissen, >dass man die Feder 
richtig stellen solle< , denn von der Stellung der Feder gegen das 
Papier hängt die Reinheit der Striche und ihre gleiclimässige Lage 
ab. Die Feder muss gegen das Papier so gestellt werden, dass ihre 
beiden Spitzen beim Schreiben einen gleich starken Druck erhalten. 

Stommeln bei Cöln, Februar 1886. 

v. Schmeling, Landmesser. 



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Kleinere Mittbeilungen. Unterricht und Prüfungen. 



287 



Kleinere Mittheilungen. 

Trigonometrische Messungen im Königreich Sachsen (Berichtigung). 

Die betreffende Mittheilung auf S. 220 erweckt den Anschein, 
als wenn der grosse Generalstab, welcher mit der Preussischen Landes- 
aufnahme identisch ist, im Königreich Sachsen umfangreiche trigono- 
metrische Messungen ausfuhren würde, welche — wie in Preussen — 
die Grundlage zu event, später auszuführenden Stückvermessungen 
bilden würden. Dieses ist aber keineswegs der Fall. Die Preussische 
Landesaufnahme führt zur Zeit den Anschluss des Thüringischen 
trigonometrischen Netzes an die Sächsische und Bayerische Triangu- 
lation aus und berührt hierbei die Dreieckspunkte Leipzig, Böden, 
Reust, Kuhberg, Stelzen, bezw. Döbra, Coburg, Gleichberg und 
Kreuzberg; von diesen liegen nur die beiden Punkte Leipzig und 
Kuhberg im Königreich Sachsen, auf welche jene Mittheilung S. 220 
Bezug hat. Zur Zeit wird die Bebauung des Thüringischen Netzes 
ausgeführt, während die Beobachtungen voraussichtlich erst 1888 
beginnen werden. Die betreffende Aufforderung an die betheiligten 
Grundbesitzer u. s. w. ist nicht allein von dem Königlich Sächsischen 
Ministerium, sondern von allen betheiligten Staaten — wie in Preussen 
auch stets üblich — erlassen worden. Seit einigen Jahren — dem 
Beginne der Rocognoscirungen — ist jene Aufforderung durch die 
betreffenden Amtsblätter im Frühjahr stets veröffentlicht und wird 
auch noch einige Jahre bis zur Beendigung der Feldarbeiten bekannt 
gemacht werden. G. 



Unterricht und Prüfungen. 

Königliche Landwirthschaftliche Hochschule in Berlin. 

Im Ostertermin 1886 haben 6ich die Landmessercandidaten 
Eite, Fischer , Freude, Helmerick, Mendelssohn, Ney und Sewig der 
Landmesserprüfung unterworfen. Sämmtliche Candidaten haben die 
Prüfung bestanden. Zwei derselben — Freude und Helmerich — 
haben sich ausserdem dem culturtechnischen Examen unterzogen. 

Bei dieser Gelegenheit dürfte noch zu erwähnen sein, dass die 
Bestimmungen des s. Z. auch in der »Zeitsclir. f. Vermesssw. 1885 S. 59 < 
abgedruckten Rescripts der drei Ressortminister vom 13. November 
1884 über die Zulassung von Nichtpreussen zur Landmesserprüfung 
bei obiger Prüfung zuerst Anwendung gefunden haben, indem einem 
Candidaten , welchem die Mecklenburgisch - Schwerinsche Staatsan- 
gehörigkeit beiwohnt, die Bestallung als Landmesser ertheilt worden 
ist, nachdem er die letztere bei der Königlichen Ober-Prüfungs- 
commission für Landmesser nachgesucht und die Bedingungen des 
vorbezeichneten Rescripts erfüllt hat. 



288 



Personalnachrichten. 



Personalnachrichten. 

Baden. Seine Königl. Hoheit der Grossherzog haben dem Geh. 
Rath F. J. Bär, Vorstand der Oberdirection des Wasser- und 
Strassenbaues , und des Vermessungswesens , das Grosskreuz des 
Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. (Karlsr. Zeitung.) 

Der Kataster-Controleur, Steuer-Inspektor Neukirch in Garde- 
legen ist zum Kataster-Inspektor ernannt und demselben die Kataster- 
Inspektorstelle bei der Königlichen Regierung in Stettin verliehen 
worden. 

Die Kataster-Sekretäre Lammert in Kassel und Herrling in 
Frankfurt a. 0. sind in gleicher Diensteigenschaft nach Münster 
bezw. Breslau versetzt, der Kataster-Assistent Fraeder in Köslin 
ist zum Kataster-Sekretär in Frankfurt a. O. und die Kataster- 
Assistenten Wolff in Liegnitz, Gruihn in Lüneburg, Kohts in Düssel- 
dorf, Selbach in Osnabrück, Buth in Düsseldorf, Forder in Frank- 
furt a. 0. sind zu Kataster-Controleuren in Much, Lüdinghausen, 
Xanten, Herborn, St. Goarshausen bezw. Nideggen befördert. 



Dem Markscheider-Kandidaten Ernst Fleischer ist die Konzession 
zum Betriebe des Markscheider-Gewerbes von uns ertheilt worden. 
Derselbe wird zunächst in Waldenburg, vom 1. Oktober d. J. ab 
aber in Nieder-Hermsdorf bei Waldenburg seinen Wohnsitz nehmen. 
Breslau, den 7. Mai 1886. 

Königliches Ober-Bergamt. 
(gez.) Althans. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlungen: Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische 
Arbeiten, von Gerke. — Einiges über die Ausrüstung und die Arbeiten des 
Landmessers , von v. Schmeling. Kleinere Mittheilungen : Trigonometrische 

Messungen im Königreich Sachsen (Berichtigung). Unterricht und Prüfungen. 
Personalnachrichten. 



Karleruhe. Druck von Malsch & Vogel. 



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289 



ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN, 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppes, Steuerassessor in München, und 
It. Oerie, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herausgegeben von Dr. TT. Jordan, Professor in Hannover. 



1886 . 



Heft 13. 

Io. Juni. 



Band XV. 



Ein Vorschlag zur Organisation des culturtechnischen 
Dienstes in Preussen.*) 

Von Roedder, Regierungslandmesser und Culturingenieur in Bromberg. 

Am 9. Mai v. J. hatte ich die Ehre, über dieses Thema im 
»Akademisch-Landwirthschaftlichen Verein zu Poppelsdorf-Bonn< 
einen Vortrag zu halten, der lediglich den Austausch von Ideen 
zum Zwecke haben sollte und, wie ich mir schmeichle, mit Beifall 
aufgenommen wurde. 

Von verschiedenen Seiten aus angeregt und in der Hoffnung, 
vielleicht einen kleinen Beitrag zu liefern zu der endlichen Lösung 
dieser die gesammte Landwirtschaft und Culturtechnik unverkenn- 
bar hochinteressirenden Frage, gestatte ich mir, diesen Vortrag, 
mit Ausschluss der damit verknüpft gewesenen persönlichen Be- 
merkungen und mit Hinzufügung einiger weiteren Reflexionen zu 
veröffentlichen und dabei nur noch zu bemerken, wie ich die Idee 
zu diesem Vortrage lediglich auf der Basis der an der Akademie 
zu Poppelsdorf und einer zehnjährigen Praxis als Feldmesser und 
Meliorationstechniker empfangenen Eindrücke aufgebaut habe.**) 

A. Im Allgemeinen. 

Drei Cardinalpunkte der Organisation des culturtechnischen 
Dienstes gestatte ich mir, an die Spitze meines Vorschlages zu 
stellen u. z. 



*) Cfr. Zeitschr. f. Verm. Bd. V. pag. 18, 91, 179, 883; VI. pag. 435; VII. 
pag. 101, 443, 477 etc. 

**) Durch den Abdruck der vorliegenden Abhandlung will die Redaction 
selbstverständlich nicht ihr volles Einverständniss auch mit allen Einzelvor- 
schlägen bekunden. Sie glaubte aber dem Wunsche, durch den Abdruck eine 
neue Anregung in dieser hochwichtigen Frage zu geben , entgegenkommen 
zu müssen. Die Red. St». 

Zeitschrift für Vermessung* wesen. 1886. 12. Heft. 19 



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290 



Roedder. Ein Vorschlag zur Organisation des 



A. Der gesammte culturtechnische Dienst werde der Auseinan- 
dersetzungsbehörde überwiesen ; 

B. jedem Culturtechniker möge die Aussicht auf Anstellung im 
Staatsdienste gewährleistet werden ; 

C. der Culturtechniker dürfe aus Gründen, die ich hei Erörte- 
rung von dessen Obliegenheiten privativer Natur erläutern werde, 
niemals als Unternehmer bei solchen Meliorationsarbeiten auftreten, 
zu denen er selbst das Project aufgestellt hat. (Welcher Punkt 
übrigens fortfällt, sobald der Culturtechniker Beamter ist.) 

Was die Ueberweisung des culturtechnischen Dienstes an die 
Auseinandersetzungs- (besser Landescultur-) Behörde betrifft, so 
hebe ich hervor, dass ja diese Behörde — durch die Verdienste 
der grossen Reformatoren von Stein, von Schön , von Hardenberg 
und Albrecht Thaer in’s Leben gerufen — lediglich die Herbeifüh- 
rung einer rationellen Landwirthschaft durch Aufhebung von Ge- 
meinheiten, Ablösung von Servituten, wirthschaftliche Zusammenleg- 
ung, verbunden mit Einrichtung zweckmässiger Wegenetze, Ent- und 
Bewässerungsanlagen, also in der Hauptsache die Melioration länd- 
licher Grundstücke schon bezwecken soll. Wenn nun daserwünschte 
Resultat, namentlich in früheren Jahren durch die Separationen 
oder Zusammenlegungen nicht immer erreicht worden ist, so 
hat dies theils darin seinen Grund, dass die Interessenten selbst 
zu wenig aufgeklärt waren und die Behörde nicht gern Zwangs- 
massregeln in Anspruch nehmen wollte, theils in der verschiedenen 
Interpretation der Ausführungsbestimmungen Seitens der mass- 
gebenden Factoren, vornehmlich aber darin, dass diese Bestimmungen 
der Behörde zu wenig Machtbefugnisse bezüglich durchzufüh- 
render ubso/uter Meliorationen zuertheilt haben, wobei freilich nicht 
zu verkennen ist, dass in dem engen Rahmen dieser Befugnisse im- 
merhin schon nennenswerthe relative Meliorationen hätten ausgeführt 
sein können, u. z. namentlich dadurch, dass zweckmässige Wege- 
und Grabennetze nicht nur projeciirt und örtlich abgestcckt, sondern 
auch unter technischer Leitung behördlicher Organe eingerichtet und 
unterhalten worden wären. 

Seitdem nun jedoch klar erkannt worden ist, dass zur Her- 
beiführung einer positiven dauernden Besserung der herrschenden 
wirthschaftlichen Calamitäten die Landwirthschaft nicht nur nach 
aussen hin gegen zu grosse Concurrenz zu schützen, sondern auch 
bei Durchführung von Meliorationen möglichst zu unterstützen sei, 
wie die neuere Agrargesetzgebung evident beweist ; seitdem der 
Culturtechniker geschaffen wurde und die Qualification als solcher 
von jedem Auseinandersetzungsfeldmesser obligatorisch verlangt 
wird : seitdem scheint mir die Auseinandersetzlingsbehörde dasjenige 
Hauptorgan im grossen Staatskörper zu sein, welches die gesammten 
Functionen des culturtechnischen Dienstes zu übernehmen und zu 
pflegen am ehesten berufen und im Stande ist. 

Gehen wir nun etwas näher auf die Materie ein, so erscheint 
es nothwendig, dass von Hause aus zwei verschiedene Grade der 



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culturteehnischen Dienstes in Preussen. 



291 



Qualification des Culturtechnikers geschaffen würden, u. z. die hö- 
here mit der Anwartschaft auf einen erweiterten Wirkungskreis 
und etwa den Titel »Culturinspector< , die abhängig zu machen 
entweder von einem erweiterten Studium der Landwirthschaft, oder 
wenigstens dem zu führenden Nachweis einer mehrjährigen land- 
wirthschaftlichen Paxis, während die definitive Ertheilung der Qua- 
lification zum Culturinspector jedoch erst nach einer zweiten Prü- 
fung, die frühestens in fünf, spätestens in zehn Jahren nach der 
ersten stattzufinden hätte, zu verleihen wäre. 

Wie bereits durch Rescript des Herrn Ministers für Landwirth- 
schaft, Domainen und Forsten vom 19. Februar er. bestimmt wor- 
den, wird vom 1. April c. ab, ohne Benachtheiligung der Ancienni- 
tätsverhältnisse, eine periodische Abcommandirung von Culturtech- 
nikern der Auseinandersetzungsbehörde zur geologischen Landes- 
anstalt erfolgen. Aehnliche Abcommandirungen an anderen Anstal- 
ten, wie landwirtschaftlichen Versuehsa nstalten, Moorversuchsstation, 
dann zu Behörden und einzelnen Beamten, als Meliorations- respec- 
tive Wasserbauinspectoren, könnten nicht allein behufs weiter- 
gehender Verwertung und Verbreitung der culturteehnischen Ideen, 
sondern auch zur Erweiterung der Kenntnisse und des Gesichts- 
kreises des Culturtechnikers, nach Bedürfniss ausgedehnt werden. 

B. Ln Speciellen. 

I. In jedem Kreise werde je ein Culturtechniker als Vorsteher 
eines »Culturamtes« stationirt; 

II. je 6 bis 10 Culturämter, je nach Flussgebieten oderTheilen 
von solchen gruppirt, bilden zusammen eine Culturinspection ; 

III. als oberste culturtechnische Instanz werde jeder General- 
Commission ein »Laudesculturinspector», welcher entweder aus der 
Reihe der Culturinspectoren oder der culturtechnisch gebildeten 
Meliorationsbauinspectoren, der Provinzen, respective Wasserbauin- 
spectoren hervorgehen soll, beigegeben; 

. IV. werde für Heranziehung eines geeigneten Hilfspersonals 
Sorge getragen. 

Hierbei möchte ich einschalten, dass, wo nicht das Gegenteil 
besonders bemerkt wird, unter >Culturtechniker< hier immer ein 
solcher verstanden wird, der gleichzeitig Landmesser ist. 

Wenden wir uns nun zu den einzelnen Functionen dieser ver- 
schiedenen Categorien, also zunächst 

ad I. eu den Vorstehern der Culturämter , 
so wären vorab zu unterscheiden : 

a. Obliegenheiten dienstlicher Natur. 

1. Erledigung der Vermessungsarbeiten in Auseinandersetzungs- 
sachen des Kreises, mit denen culturtechnische Massnahmen be- 
kanntlich sich am leichtesten verbinden lassen ; 

2. die Projectirung und Durchführung der mit Auseinandersetzungs- 
sachen verknüpften, sowie der kleineren fiscalischen Meliorations- 

19 . 



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292 



Roedder. Ein Vorschlag zur Organisation des 




anlagen; Beaufsichtigung respective technische Administration 
sämmtlicherdurchgefiihrten Meliorationen innerhalb des Kreises, 
welche den bestehenden Gesetzen gemäss bisher schon dauernd 
einer sachverständigen Controle unterworfen sind, wobei in 
diesen beiden Fällen eine strenge Einhaltung der Kreisgrenzen 
weder möglich, noch nothwendig sein wird; 

3. die Sammlung fachwissenschaftlichen statistischen Materials 
bezüglich der örtlich klimatischen, geographischen und hydro- 
logischen Verhältnisse, basirend auf Beobachtung von Thermo-, 
Barometer, Regenmesser, Geschwindigkeits- und Consumtions- 
messern, Sorge für Beobachtung der vorhandenen beziehungs- 
weise noch zu setzenden Pegel etc., sowie endlich Sammlung 
von Material über die allgemeinen land- und volkswirtschaft- 
lichen Verhältnisse des Kreises. 

Die Beobachtung des Thermo-, des Barometers, sowie des Regen- 
messers wird, trotz der öfters nothwendig werdenden Abwesen- 
heit von Hause, um so weniger schwierig sein, als der Cultur- 
techniker theils ein- amtliches, theils ein privates Hilfspersonal 
zu halten beziehungsweise auszubilden haben wird. Bei den 
Pegelbeobachtungen werden ihm die Herren Lehrer auf dem 
Lande, eventuell gegen Remuneration bereitwilligst zur Hand 
gehen. 

b. Obliegenheiten privater Natur : 

1. Die Meliorationsgenossenschaften haben nach den bezüglichen 
Gesetzen behufs Genehmigung ihrer Statuten beziehungsweise 
zur Erlangung von Darlehen aus Landesculturrentenbanken 
ein von einem qualificirten technischen Beamten (respective 
Techniker) aufgestelltes, die Rentabilität klar nachweisendes 
Project vorzulegen. Diese Genossenschaften, wie auch die ein- 
zelnen landwirtschaftlichen Grundbesitzer würden sich gewiss 
mit Vorliebe zu ihren Zwecken des angestellten Bezirkscultur- 
technikers bedienen. Nur die grösseren Projecte dieser Art 
wären dem Culturinspector vorzubehalten, während dem Melio- 
rationsbauinspector der Provinz und den Wasserbauinspectoren 
dann lediglich die sogenannten > relativen < Meliorationen, die 
in grossen Zügen, im Interesse der Landescultur, der Industrie 
und Schilffahrt ins Leben zu rufenden, verbleiben würden. 

Wie die Erfahrung gelehrt hat, ist ein nicht zu kleiner Theil 
des in landwirthschaftlichen Kreisen noch bestehenden Miss- 
trauens gegen Melioratiansanlagen darauf zurückzuführen, dass 
der Projectant öfters gleichzeitig Unternehmer war, wie wenig 
Berechtigung einem gewissenhaften Culturtechniker gegenüber 
dieses Misstrauen auch haben sollte. 

Da nun ferner der directe pecuniäre Verkehr zwischen dem 
Beamten und dem Publicum oft zu Unzuträglichkeiten führt 
und meist ein complicirtes Liquidationsverfahren erfordert, so 
würde sich die Erledigung der dem Beamten von Seiten der 
Genossenschaften, wie des Publicums zugehenden Aufträge 



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cultnrtechnischen Dienstes in Preussen. 



293 



am besten wohl nach einem Modus empfehlen, wie er ähnlich 
für die Fortschreibungsarbeiten in Geltung ist. Der Cultur- 
techniker hätte dann derartige Aufträge gleichfalls ex officio zu 
erledigen und würde von der Behörde dafür entsprechend, viel- 
leicht auch nach Tantiemen remunerirt werden, ihr aber auch 
allein gegenüber verantwortlich sein, während die Behörde nach 
einem bestimmten Tarife von den Interessenten die Rosten für die 
durch den Beamten geleistete Arbeit eineiehen Hesse. Hierbei 
ist gleichzeitig zu erwähnen, dass auch für die Auseinander- 
setzungsgeschäfte durch das Kostengesetz vom 24. Juni 1875 
nicht die wirklich entstandenen, sondern die Kosten nach Pau- 
schalsätzen aufgebracht werden. 

Dieses System hat ausser dem Angeführten noch den nicht 
hoch genug anzuschlagenden Vortheil für sich, dass das Publi- 
cum einerseits nicht mehr den geringsten Grund hätte eine 
Uebertheuerung durch den Techniker zu furchten, während 
andererseits gewissermassen die Behörde die Garantie für eine 
gute Ausführung der Project e übernähme, und endlich, dass 
die Arbeiten dem Auftraggeber sicher billiger zu stehen kom- 
men würden. Das Publicum wird also von vornherein dem Be- 
amten mit ungleich mehr Vertrauen gegenüberstehen als bisher. 

2. Ganz besonders aber dürfte der Culturtechniker (dem übrigens, 
sofern er gleichzeitig Landmesser ist, auf Grund seines akade- 
mischen Studiums, das ihn über kurz oder lang statt 4, mit 
Rücksicht auf das zu bewältigende Arbeitspensum, jedenfalls 6 Se- 
mester wird in Anspruch nehmen, wohl auch der Titel >Cul- 
turingenieur« gewährt werden könnte) zum weiteren Ausbau, 
wie zur Verwaltung des Kreiswegenetzes sich eignen, nachdem 
in den östlichen Provinzen seit mehreren Jahren schon die 
Kreisverwaltungen bei eintretenden Vacanzen fast durchweg 
und mit gutem Erfolge — wie mir von competenter Stelle aus 
bestätigt wird — Feldmesser, selbst ohne culturtechnische Qua- 
lification als »Kreisbaumeister<, wie sie dort meistens genannt 
werden, engagirt haben. 

Wenn also Feldmesser selbst ohne culturtechnische Ausbil- 
dung sich als Kreisbaumeister bewährt haben, so erscheint mir 
dies mit derselben, unter sonst gleichen Verhältnissen, ausser 
allem Zweifel. 

Andererseits würden die Kreis- resp. Provinzial- Verwaltungen, 
welche jetzt z. B. in Ostpreussen dem Kreisbaumeister für die 
Verwaltung der Chausseen etc. durchschnittlich 2 400—3 600 
Mark Gehalt nebst Wohnungsgeldzuschuss, Bureau- und Reise- 
kostenentschädigung bis zu 1 200 Mark und die Pensions- 
berechtigung gewähren, durch Abgabe der Chausseeverwaltung 
an die Auseinandersetzungbehörde pccuniär ganz bedeutend 
günstiger abkommen, wenn ihrerseits vertragsmässig jährlich 
etwa ein Pauschsatz von 3000 Mark pro Kreis für die Wahr- 
nehmung der Geschäfte an die genannte Behörde gezahlt würde. 




294 



Roedder. Ein Vorschlag zur Organisation des 



3. Eine fernere Thätigkeit privater Natur würde sich dem Cul- 
turtechniker als technischer Lehrer an Landwirthschafts- resp. 
landwirtschaftlichen Winterschulen darbieten müssen. 

4. Er würde ferner fungiren als Boniteur, gerichtlicher Sachver- 
ständiger, als Mitglied derjenigen Commissionen, welche neue 
Verkehrsstrassenprojecte hinsichtlich des dabei in Frage kom- 
menden Landesculturinteresses zu prüfen hätten, insbesondere 
behufs Erwägung, inwieweit bestehende, oder etwa später in’s 
Leben zu rufende Meliorationsanlagen durch das betreffende Pro- 
ject alterirt würden (ferner als Mitglied der Waldschutzgerichte 
etc.). Auch zur Herstellung kleinerer Wasserleitungen zum häus- 
lichen Bedarf wäre der Culturtechniker berufen. 

5. Schliesslich fielen ihm im Notfälle noch Privatarbeiten in 
seiner Eigenschaft als Landmesser zu. 

Auf diese Functionen amtlicher und privativer Art, die ich 
»objective« nennen möchte, für welche der Culturtechniker remu- 
nerirt wird, darf sich seine Thätigkeit jedoch nicht beschränken, 
vielmehr bleibt ein nicht zu unterschätzender, wenn auch nicht in 
bestimmten Ziffern zum Ausdruck zu bringender »subjectiver« Theil 
seiner Culturmission — der als Berather — ganz besonders her- 
vorzuheben. Als Berather: im landwirtschaftlichen Verein, dessen 
geborenes Mitglied er sein müsste, in Gemeindeversammlungen, sowie 
einzelnen Personen gegenüber, sei es auf dem Felde, der Baracke, 
im Salon, oder auf der Reise, sei es im schriftlichen Verkehr, oder 
durch die Presse dem grossen landwirtschaftlichen Publikum gegen- 
über — ohne sich lediglich auf das Predigen absoluter Meliorationen 
zu beschränken, indem er oft genug Gelegenheit haben wird, dabei 
die Forderungen der öffentlichen Gesundheitspflege, wie der Landes- 
verschönerung gebührend zu berücksichtigen. 

Ein von seiner Mission durchdrungener Culturtechniker wird 
dieses Theiles seiner hohen Aufgabe sich gewiss stets bewusst bleiben. 

c. Besoldunysverhältnisse. 

Was diesen Punkt anbetrifft, so dürfte, unter der Annahme, 
dass als Vorsteher eines Culturamtes nur ein bereits definitiv an- 
gestellter, pensionsberechtigter und besonders dazu qualificirter Ver- 
messungsbeamter berufen würde, nur noch ein äquivalenter Zuschuss 
zu seinem fixirten Einkommen — entsprechend seinem vermehrten 
Dienstaufwande — erforderlich sein. 

ad II. Vorsteher der Culturinspection. 

Der Stationsort des Culturinspectors sei möglichst der Wohn- 
ort eines Wasser- resp. Meliorationsbauinspectors, bei welchem die 
culturtechnischen Interessen gelegentlich zu vertreten wären. 

Dieser Culturinspector wäre gleichzeitig Vorsteher des Cultur- 
amtes des betreffenden Kreises, und würden ihm ausser den mit letz- 
terem verbundenen noch folgende Obliegenheiten ex officio zufallen: 

1. Sichtung und Sammlung, sowie Ergänzung des in bestimmten 
Terminen von den zugehörigen Culturämtern eingehenden sta- 



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culturtechnischen Dienstes in Preussen. 



295 



tistischen Materials; Weiterreichung desselben an den Laudes- 
culturinspector resp. Meliorationsbauinspector der Provinz ; 

2. die Projectirung und event. Durchführung der grösseren im 
Bereiche der Inspection vorkommenden Meliorationsanlagen. 
Die Besoldung des Culturinspectors würde sich wie die der 
Culturtechniker je nach dem Dienstalter regeln. 

ad III. Der Landescultur inspector. 

Ist derselbe aus der Reihe der Culturinspectoren hervorgegangen, 
so könnte er gleichzeitig die Functionen eines Vermessungsinspectors, 
wie er bei einigen Generalcommissionen bereits eingeführt ist, mit 
ausüben. Ihm fiele die Prüfung aller Meliorationsprojecte von 
nennenswerthem Umfange im Bereiche der Generalcommission zu, 
sowie die Bereisung der ausgeführten Anlagen ; er hätte im Connex 
zu bleiben mit dem Meliorationsbauinspector und den Wasserbau- 
inspectoren des Bezirkes und endlich die Directiven zu geben zu 
einem systematischen Vorgehen behufs Erzielung zuverlässigen und 
vollständigen statistischen Materials. 

ad IV. Hilfspersonal. 

Was das Hilfspersonal anbetrifft, das für alle genannten drei 
Stellen nothwendig sein dürfte, so wären in erster Linie die jün- 
geren Culturtechniker dazu berufen, die gleichzeitig, je nach Lage 
der V erhältnisse, auch mit Vermessungsarbeiten beschäftigt werden 
könnten ; andererseits könnten als solche aber auch diejenigen Cul- 
turtechniker fungiren, welche nicht gleichzeitg Landmesser sind. 
Letztere könnten gleichzeitg, wie Eingangs erwähnt, fest angestellt 
und namentlich zum Verwalten grösserer genossenschaftlicher Melio- 
ration san lagen au Stelle der aussterbenden Wiesenbaumeister ver- 
wandt werden. 

Schlussbetrachtungen. 

So würde dem Culturtechniker auf einem relativ kleinen Raume 
eine seiner Ausbildung entsprechende, vielseitige Tliätigkeit zuge- 
wiesen werden, ohne dass der Staat nennenswerthe pecuniäre Opfer 
zu bringen hätte, jedenfalls nur Opfer, die zum Heile der Land- 
und Volkswirtschaft gebracht, nicht in’s Gewicht fallen dürfen. 

Andererseits muss noch als besonders wichtiger Vortheil einer 
solchen Organisation hervorgehoben werden, dass die Auseinander- 
setzungsarbeiten in denjenigen Landestheilen, in denen verhältniss- 
rnässig nur noch wenige derselben zu erledigen, wo daher die Ver- 
messungsbeamten z. Z. in grossen Entfernungen von einander statio- 
nirt sind, schneller ausgeführt und grosse Ersparnisse an Reise- 
kosten erzielt werden könnten, wenn nun in jedem Kreise mindestens 
ein Culturtechniker anzutreff'en wäre. 

Schliesslich bleibt nur nochmals hervorzuheben, dass es zur 
Verwirklichung der vorstehend entwickelten Idee der Begründung 
einer neuen Centralbehörde nicht bedarf, da eine solche bereits 
besteht, dass es aber zur Erweiterung ihrer Competenz und zur 
Aufnahme des organisirten culturtechnischen Dienstes allerdings 



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296 



Roedder. Kin Vorschlag zur Organisation des 



eines Ergänzungsgesetzes bedürfen würde, das zu erstreben nun 
unser nächstes Ziel sein muss. 

»Prüfet Alles und behaltet das Beste.« 

Hierzu will ich mir heute noch einige erläuternde Bemerkungen 
gestatten, um die in Vorstehendem skizzirten Vorschläge auch in 
Beziehung zu bringen zu den mir erst nachträglich bekannt gewor- 
denen Erwägungen des Laudesökonomiecollegiums, welches bereits 
in der Sitzung vom 4. März 1884 und später sich mit dieser Materie 
beschäftigt und damit dem wohlwollenden Interesse, das Se. Excel- 
lenz der Herr Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten 
allen die Förderung der Landescultur betreffenden Fragen stets 
zugewandt hat, nur entgegengekommen ist. 

Bekanntlich ist seit Schöpfung der Culturtechnik die gesanmite 
Hydrotechnik in die beiden Hauptgruppen, die eigentliche Hydro- 
technik und die Culturtechnik gespalten worden. Erstere dient den 
Zwecken der Schifffahrt, der Industrie und der Landwirthschaft 
insofern es sich um die Verhütung verheerender Ueberschwemmungen 
oder um sonstige rrelativec Meliorationen mit Bezug auf grosse 
Länderstriche handelt, wobei es sich also nur um Vermehrung der 
Pfianzenproduction auf der Flächeneinheit ohne Rücksicht auf die 
gleichzeitige Vermehrung des Reinertrages handelt — »Landesmelio- 
rationen«, welche oft Vorbedingung der letzteren sind. Letztere 
steht ausschliesslich im Dienste der Landwirthschaft und bezweckt 
durch die zu schaffenden »absoluten« Meliorationen die Vermeh- 
rung der Pfianzenproduction auf der Flächeneinheit hei gleichzei- 
tiger Vermehrung des Reinertrages , ohne sich dabei lediglich auf 
hydrotechnische Massnahmen zu beschränken. 

Naturgemäss interessirt dieser letztere Theil, also die Cultur- 
technik den producirenden Landwirth in erster Linie, und dürfte 
ihm, namentlich dem Kleingrundbesitzer, dem Gros der Landwirtke, 
nach dieser Richtung hin mit verhältnissmässig geringen Opfern 
staatlicherseits die segensreichste Unterstützung zu Theil werden 
können, und dies nur wieder zum Wöhle des ganzen Staates. 

Unter diesem Gesichtspunkte, und da sich die Organisation des 
hydrotechnischen Dienstes meiner Beurtheilung im Detail entzieht, 
habe ich mich in meinem Vorschläge lediglich mit der Organisation 
des culturtechniscben Dienstes beschäftigt, ohne übrigens den noth- 
wendigen Connex zwischen Meliorations- resp. Wasserbauinspector 
und dem Culturtechniker ausser Acht zu lassen. Andererseits wird 
das culturtechnischerseits gesammelte statistische Material durch 
das Vorgesetzte Ministerium für Landwirthschaft , Domänen und 
Forsten auch der Hydrotechnik zu ihren Zwecken zugänglich ge- 
macht werden können. 

Ohne die bestehenden Selbstverwaltungsgesetze würde die Or- 
ganisation des culturtechnischen Apparates gewiss bedeutend leichter 
in’s Werk zu setzen sein; andererseits dürfte aber sicher auf aus- 
reichendes Entgegenkommen Seitens der Selbstverwaltungsorgane. 



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culturtechnischen Dienstes in Preusaen. 



297 



die ja zur Majorität durch Landwirthe repräsentirt werden, gerechnet 
werden können. 

Wie schon kurz angedeutet, wäre die Competenz der Ausein- 
andersetzungsbehörde, die sich bislang nur in dem engen Rahmen 
der Verordnungen vom 20. Juni 1817 — besonders gemäss §§. 21 
und 22 — und derjenigen vom 30. Juni 1834 — besonders gemäss 
§.8 — bewegt hat, zum Zwecke der Uebernahme des ganzen cultur- 
technischen Dienstes in angedeuteter Richtung zweckentsprechend 
durch ein besonderes Ergänzungsgesetz zu erweitern, wobei beson- 
ders hervorzuheben, dass die Competenz bezüglich der bei Separa- 
tionen, Zusammenlegungen und Consolidationen geschaffenen Melio- 
rationsanlagen nach Bestätigung des Rezesses für alle Zeit fixirt 
werde, ähnlich wüe die Gesetze vom 6. Juli 1875, betreffend Schutz- 
waldungen und Waldgenossenschaften, sowie das Gesetz vom 1. April 
1879, betreffend die Bildung von Wassergenossenschaften, die staat- 
liche Aufsicht festsetzen. 

Vom Standpunkte des Laien lässt sich nicht absehen, dass dem 
Zustandekommen dieses Ergänzungsgesetzes Schwierigkeiten ent- 
gegenstehen könnten , und dürfte es möglich und lohnend sein, 
noch bevor das in Aussicht stehende neue »Wasserrecht< geschaffen 
wird, hiermit vorzugehen. Bei einiger Umsicht Seitens des Cultur- 
technikers und genügender Unterstützung desselben Seitens der 
Landwirthschaft bieten die bestehenden Gesetze : Vorfluthgesetz vom 
15. November 1811, Benutzung der Privatflüsse vom 28. Februar 1843, 
Aufgebot etc. bei Entwässerunganlagen vom 23. Januar 1846, Ent- 
schädigung bei Bewässerungsanlagen vom 26. Juli 1876, das oben 
erwähnte Gesetz vom 1. April 1879 u. A., immerhin Raum genug für 
den Anfang zu weitgehender Ausnutzung des fliessenden Wassers. 
Ausserdem dürften sich von den zahlreichen Culturhindernissen an 
unseren kleinen Flüssen und Bächen, den kleineren Wassermühlen mit 
ihren Privilegien aus der »guten, alten Zeit* und ihrem melancholischen 
Getriebe, kaum noch eine nennenswerthe Anzahl in das zwanzigste 
Jahrhundert hinüberretten, vielmehr dürften dieselben erliegen in 
dem Concurrenzkampfe mit den grösseren Etablissements, die mit 
allen Verbesserungen der neueren Technik versehen, mit Intelligenz 
und Capital geleitet werden, und die dennoch — den schlechten 
Conjuncturen des Weltmarktes unterworfen — selbst nur sehr ge- 
ringe Zinsen tragen. Wir werden uns daher nicht zu sehr zu 
beeilen brauchen mit der Enteignung dieser kleinen im Niedergange 
begriffenen Wassermühlen, sie vielmehr im Laufe der Zeit billigen 
Vergleichen geneigt finden. 

Auch gedenke man der einer grossen Zukunft entgegengehenden 
Moorculturen, die erst nach erfolgter Organisation des culturtech- 
nischen Dienstes mit der nothwendigen Energie und in wünschens- 
werthem Umfange werden gefordert werden können — behufs »Colo- 
nisation im Innern«. 

Nur verlange man nicht, dass diese Organisation mit einem 
Schlage durchgeführt werde. Das Ergänzungsgesetz möge vielmehr 




298 Gcrke. Entwurf zu einem Gebühren tarife für geometrische Arbeiten. 

die Bestimmung trefl'en, dass zur Vermeidung von grösseren Kosten 
und von Missgriffen des zum grossen Theile praktisch noch unge- 
schulten Personals nach dem Bedürfnisse der betreffenden land- 
wirtschaftlichen Bezirke und der Disponibilität des Personals vor- 
zugehen sei. Kein gewissenhafter Culturtechniker wird unmittelbar 
nach absolvirtem Examen von sich sagen wollen, dass er nun jeder 
eulturtechnisclien Aufgabe gewachsen sei, er wird vielmehr nur 
dann erst seiner selbst sicher sein dürfen, wenn er bereits vorher 
Gelegenheit hatte, sich gründlich praktische Kenntnisse , — dabei 
die rein landwirthschaftlichen nicht übersehen — , zu erwerben, oder 
er wird diese nach dem Examen erst zu erringen suchen müssen. 

Da bis zur Zeit im Ganzen kaum soviel absolvirte Culturtech- 
niker als Kreise im Staate vorhanden, viele von ihnen aber nicht 
auch Landmesser sind, und viele von denen , die sonst berufen 
wären, einem Culturamte vorzustehen, dafür nicht incliniren, viel- 
mehr die reine Geodäsie vorziehen, so könnte das Bedürfniss an 
geeignetem Personal im Bereiche des ganzen Staates z. Z. wohl 
überhaupt noch nicht gedeckt werden. 

Man wird mir nun vielleicht den Vorwurf machen, dass die 
projectirte Stellung des Culturtechnikers gegenüber dem Staate, den 
Communen, Genossenschaften und Privaten eine sehr schwierige sein 
würde, worauf ich dann nur entgegnen möchte, dass andere Beamte 
in ähnlicher Stellung, sofern sie nur die nothwendige Liebe zur Sache 
und das nöthige Geschick haben, sich durchaus bewähren. 

Auch möchte ich die Uebernahtne der Chausseebauverwaltung 
durch die Auseinandersetzungsbehörde nicht als ein »conditio sine 
qua uon< bezeichnet haben, vielmehr noch hinzufügen, dass das 
Culturamt auch ohnedies ein mehr als genügendes Arbeitspensum 
zu bewältigen haben würde. 



Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische 

Arbeiten. 

Bearbeitet vom Hannoverschen Landmesserverein. 

Zusammengestellt von Gerke, Privatdozent der Technischen Hochschule zu 

Hannover. *) 

(Schluss.) 

II. Hausarbeiten. 

• Die Kosten für die Hausarbeiten kann man für A. und B. den 
speciellen Eisenbahn- Vorarbeiten §. 2 B. II. gleich setzen, während 



*) Zur Zeit Vermessungs-Direktor in Altenburg. 



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'■.'■TI ■* ' 



r~w. -- v.i,--* — • 



Gerke. Entwurf zu einem Gebiihrentarife für geometrische Arbeiten. 299 

man für 0. hiervon 60 Procent annehmen kann ; für D. sind die 
Sätze der Hausarbeiten bei generellen Eisenbahn- Vorarbeiten §. 2 A. II. 
in Anschlag zu bringen. 

Es kostet demnach die Aufnahme von 1 km Wasserlauf in der 
vor bezeichnet en Ausdehnung : 



A. 

B. 

C. 

D. 



Feldarbeiten. 


Haus- 

arbeit. 


Im Ganzen. 


Km- .lf.ii ; Arbeit*- 
La u l ln | lohn pro 

,11.. Tug ai 51.,; Tag 3 M. 


Nach 

Rechnung. 


Rund. 

Mark. 


II I 1 II 1 III ii 1 


11 111 


I i II | III 


1 1 ii 


ml 


1 | II | III 


Mittlere Flussbreite 












500 m 1 5-Sl 90 2001 35 


54120 


120 180 225 213 324 


545 


210 325 550 


Mittlere Flussbreite 




! 








50— 150 m . ... 52 78154 31 


47, 92 


120 180 225 203 305 


471 200 300 470 


Mittlere Flussbreite 












unter 50 in . . . 32 48 SS! 19 


29 53 


72 108 135 123 185 


276,125 190 275 


Bliche und Gräben. 20 38! 74, 12 

II 1 1 ll 


17 33 

1 


40 50 1 60 


78 115 


167 


80 115 170 

1 1 



Bei Flussbauten zwischen 150 und 500 m sind proportionale 
Sätze anzunehmen. Die baaren Auslagen für Miethe sänimtlicher 
bemannten Fahrzeugen und allen Peilgeräthsehaften , für Pfähle, 
für Beschädigungen in Flur und Wald, für Reisen und Transport 
der Geräthe und für Unvorhergesehenes (z. B. mehr Arbeiter in 
Weidenanlagen und Holzungen , in Sümpfen und zum Brücken- 
transport) sind besonders zu vergüten. 

Der Rheinisch- Westfälische Entwurf fügt noch die Horizontal- 
aufnahme — Bühnen, Kolke, Flussbauten, seitliche Anlagen, Deiche 
und Grenzen u. s. w. — hinzu und setzt hiefür bei A,, B., und C 
2, bezw. 4, bezw. 10 Arbeitstage für einen km Wasserlauf an. Zieht 
man — zum Vergleich mit dem Hannoverschen Entwurf — die hier- 
durch entstehenden Mehrausgaben in Betracht, so ergibt der Rheinisch- 
Westfälische Entwurf den Kostenanschlag; 





Ohne 






Mit 






Horizontal- 


Horizontal- 




aufnahme. 


aufnahuie. 




Mark. 






Mark. 




I 1 II 


III 


I 


II 


III 


A. Mittlere Flussbreite 500 m . . 


197 1 307 


535 


255 


425 


825 


B. > > 50 — 100 m . 


162 259 


445 


220 


375 


735 


C. > unter 50 m . 


112| 184 


325 


170 


300 


615 


D. Bäche und Gräben 


85 130 


235 


85 


130 


235 



Der Brandenburgische Entwurf enthält die Kostenangabe für 
die gesammten Horizontal- und Höhenaufnahmen des engeren Strom- 
gebietes unter Zugrundelegung der von dem Deutschen Geometer- 

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300 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 



verein aufgestellten Normen für die Herstellung hydrographischer 
Karten (Zeitsc.hr. für Verm. Band XIV. 1885 S. 353) und umfasst 
folgende Arbeiten : Vorbereitende Arbeiten, Triangulation, Polygoni- 
sirung und Stückvermessung, die Ausführung eines Präcisions- und 
gewöhnlichen Längennivellements , Aufnahme der Querprofile und 
Peilungen , sowie des Normal Wasserspiegels. Bei der Herstellung 
der Karten sind Uebersichtspläne (1:25000), Stromkarten (1:5000) 
und Specialpläne (1 : 2000), sowie die Auftragung aller Profile in 
Uebersichts- und ausgearbeiteten Plänen und die Auftragung der 
Bauwerke vorgesehen. Bei den kleinen Aufnahmen fallen die nicht 
nothwendigen Sätze fort. 

Die Resultate der Kostenveranschlagung bei 1 km Stromlänge 
ergeben bei: 





I 


II 


III 


400 m Strombreite 


M. 

1250 


M. 

1510 


M. 

1860 


300 > > 


1050 


1275 


1590 


200 > > 


I 880 


1080 


1360 


150 > > 


810 


1000 


1260 


100 > > 


755 


925 


1170 


50 > > 


700 


860 


1090 


30 > > 


460 


560 


700 


10 — 15 m breiter Wasserlauf. . . . 


150 


176 


230 



Die Aufnahme und das Nivellement von 100 ha Ueber- 



schwemmungsgebiet kostet : 


I 


III 


III 


bei vollständiger Aufnahme der Einzelheiten 


570 


800 


1 160 A 


bei Benutzung vorhandener Karten .... 


340 


445 


595 » 



§. 8. Triangulation und Poh/gonisirung. 
I. Trigonometrische Arbeiten. 



Es kommen liier nur trigonometrische Punkte IV. Ord. und trigono- 
metrische Beipunkte in Betracht. 



Tab. 1. 


: Anzahl der täglich zu 
i bearbeitenden trig«- 
inometrischeu Punkte. 




i 


II 


III 


1. Recognoscirung, Auswahl und Vermarkung der 
trigon. Punkte ; 3 Arbeiter 


1 4 


2,5 


1,5 


2a. Winkelmessung; 2 Arbeiter 


3 


2,5 


1,5 


2b. Berechnung des Winkelregisters und sämmtliche 
Nebenrechnungen 


3 


2,5 


1,5 


3. Berechnung der Koordinaten 


2 


1,5 


1 


4. Anfertigung der trigon. Netzkarte. (Benutzung j 
von Millimeterpapier) 


50 


40 : 


30 



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„ Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife fiir geometrische Arbeiten. BOI 





Es kommen 
auf 100 ha 




. I 


1 II 


\ III 


Tab. 2 

5. Die Anzahl der trigon. Punkte richtet sich nach 
der Anzahl der Polygonpunkte. Unter der An- 
nahme , dass auf 6, bezw. 4, bezw. 2 ha je ein I 
Punkt fällt, beträgt die Anzahl der Polygonpunkte 


17 


25 


50 


Auf je 25 Pol.-P. kann man einen trig. Punkt 
rechnen, so dass die Anzahl der trig. Punkte . 


0,68 


1,00 


2,00 


6. Zur Ergänzung des trig. Netzes ist ferner auf je| 
'10 Pol.-P. ein trig. Beipunkt erforderlich, mithin 1 
beläuft sich die Anzahl der trig. Beipunkte auf . 


| 

1,70 


2,50 

1 


5,00 


Demnach kommen auf 100 ha 











Für den Landmesser 


Lohntage der 

Arbeiter. 

1 


Feldarbeitstage. 


Hausarbeitstage. 


; i 


! ii 


1 III 


1 | II | III I 


1 I 


1 11 


1 III 


Tab. 3 






| 










zu 1 I 


0,17 


0,40 


1,33 


_ _ _ 


0,51 


1,20, 


3,99 


>2 .... 


0,23 


0,40 


1,23 


0,23 0,40 1,33| 


0,44 


0,80 


2,66 


>3 


— 


— 


— 


0,34j 0,67 2,00 




— 


— 


>4 





— 


— 


0,01 0,03| — 




— 


— 


Im Ganzen . . 


0,40, 0,80 

i 1 


2,66 

1 


0,58; 1 , 10i 3,40, 
I 1 1 


0,95, 


2,00 


6,65 



Hiernach betragen: 



I Für deu Landmesser. 

Feld- | Haus- I 
l'arbeitstage. 'arbeite tage. 

i ! i 1 nlml i Inliii 



Arbeit*- 
Ibhne 
3 M. 
per Tag. 



Mark nach |j 
Rechnung | 



Mark 

rund. 



I Ul ITf| I 





II 


III 


<1 


ul 


III 


20 


39 


124 


20 


40 


125 


2!) 


39 


62 


30 


40 


60 


20 


26 


42 


20 


25 


40 


34 


65 


210 


- 


65 


210 


54 


104 


334 


55 


105 


335 



Tab. 4 

a. die Kosten der Triangu- 



16 53 



9 



17 51 



latiou auf 100 ha 

b. die Kosten für einen trigonora. Punkt IV. Ordnung 

c. fiir einen trigonom. Beipunkt ist */a der Sätze für 

einen trig. P. IV. Ordnung in Rechnung zu bringen, 
sodass derselbe kosten wird 

d. Mithin betragen die Gebühren der trigonom. Bei- 
punkte auf 100 ha. (s. o. Tabelle 2) 

a. und d. ergeben die Kosten der gelammten Tri- 
angulation auf 100 ha zu 



. 2tJ 



Unter besondere schwierigen Verhältnissen, namentlich für die 
Ortslagen grösserer Städte, sind die Preissätze den Schwierigkeiten 
entsprechend zu erhöhen. 

Der Rh. W. E. stimmt mit dem H. E. vollkommen überein, der Br. E., 
welcher viel zu grosse Tagesleistungen angenommen hat, erhält für 
a und d die Sätze zu 45 bezw. 81 bezw. 222 JH>. 



k 



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302 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 



II. Polygono metrische Arbeiten. 





Tagesleistung. 






1 1 


II 1 


III 


Tab. 5. 

la. Feststellung und Vermarkung der 
Grenzen der Gemarkungen bezw. 
der Gemeindebezirke etc. 2 Arbeiter 


500 ha 


; 375 ha 


250 ha 


lb. Die Anfertigung der Skizzen etc. 
erfordern 1,5 Tage Hausarbeit, also 


330 > 


250 > 


166 > 


2a. Streckenmessung (einmalige) . . 


7000 m 


5500 m 


4000 m 


2b. Mittelung der Ergebnisse aus der 
ersten und zweiten Streckenmessung 
nehmen 0.2 Tage Hausarbeit in 
Anspruch 


35 km 


•• 

27,5 km 


20 km 



Die Arbeit unter 1 und 2 wird zu der ersten Streckenmes- 
sung gerechnet, während zu der zweiten Messung lediglich 
2 a. gehört. 



3. Es wird angenommen, dass auf 100 ha an Strecken messun gen 
auszuführen sind , bei I 3500 m , bei II 4500 m und bei III 
6000 in. 

Es entfallen daher auf 100 ha: 



1 Für den Landmesser. 



| Feldarbeit«* 
tage. 


Hausarbeit«- ; 
tage. 


Im« i m 


1 ! u 


in 1 



Lohntage 
der Arbeiter. 



i ii ui 



Tab. 6 I 

f zu 1 Tab. 55|0,2 0,3 
> 2 > 5 0,5|0,8 



Für die erste Streckenmessg 

| Im Ganzen|!0,7|l,l 
FürdiezweiteStreckenniessg.zu2aTab.5|jO,5|o,8 

Es betragen die Kosten der Streckenmessungen auf 
100 ha: 



0,4 0,3 0,4 0,6 0,4 
1,5 0,1 0,2 0,3 j 1,0 

b9'^4|Ö,6Ä9 mS|3^8 
1,5_|— I— |l,0|l,6i3,0 



0.6 0,8 
1, 6:3,0 





Für den Landmesser. 


Arbeitslohn 
3 M. 
pro Tag. 


Im Ganzen. 


Feld- 

larbeitatage. 
20 M. 


Haus- 

arbeitstage. 

| I» M. 


Nach Rechg 5 
Mark. | 


Bnnd. 

Mark. 


I 1 


11 |iii| 


1 1 11 |iii 


1 


II |III 


III« 


m 


1 |ii|m 


Tab. 7.1 

Für die erste Streckenm. 14 
> > zweite < 10 

Für beide Streckenmess. 24 
B.E. erzielt n. d. Berechn.il— 


22 38 
16|30 
3868 


1 ! 

_6 SW 
6 j 9 14 


4 

3 

7 


sin: 
5| 9 
1320 


| I 
i 

|24 37 
13 21 
|37|58 


62 

39 

101 


25 40 60 
1520 40 

BÖ 00: 100 

125441 87 



Digitized by Google 








Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 308 



Hiernach ergeben sich die Koste n der 


Nach Rechnung. 
Mark. 


Rund. Mark. 


Streckeniuessung auf 100m Länge: 

1 


I I 


II 


I in 


j I | I! | HI 


Tab. 8. 






1 


j ‘ 


Für die erste Streckemnessung . . i 


0,68 


0,82 


1,03 


0,70 0,80 1,05 


> j zweite » . . 


0,37 


0,47 


0,65 


0,35! 0,50; 0,65 


Für beide Streckenmessungen . . . 


1,05 


1,29 


1,08] 


1,05 1,30 1,70 

| 


Der B. E. hat nach der Berechnung 


die Angabe 1 


.I 1 


— 


— ! 


0,85j 1,10; l- 45 



Fortsetzung von Tab. 5. 

* 


Anzahl d. täglich 
zu bestimmenden 
| Polygon punkte. 

I | II | III 


4. Entwerfen und Abstecken des Polygonnetzes. 








2 Arbeiter und 0,13 Hausarbeit 


55 


40 


25 


5. Winkelmessung einschliesslich der Berechnung des , 








IViukelregisters ä 0,25 Tage Hausarbeit 2 Arbeiter 


30 


25 


20 


6. Berechnung der Koordinaten 


30 


25 


20 


7. Anfertigung der Polygonnetzkarte, unter Benutzung 








von karrirtem Papier 


240 


220 


200 


8. Nach5Tab.2S.270entfall.auf 100ha: 17, bezw.25, bezw.50Poly.- 


Pkte. 



Es sind hiernach erfor- 



Für den Landmesser an : 



Feldarbeitstage. Hausarbeitstage.' 



Lohntage. 





! 1 


II 


m J 1 


11 | III |j 


I 


11 


III 


Tab. 


9. 








1 








zu 4 




0,31 


0,63 


2,Oot 0,84 


0,08 0,26 


0,62 


1,26 


4,0 


>5 


. 


0,57 


1,0 


2,5 0,14 


0.25 0,62 


1,14 


2,00 


5,0 


>6 




— 




- 0,57 


1,00 2 , 50 ! 






— 


>7 




— 


— 


— 0,07 


0,12; 0,25|j 


— 




— 


Im Ganzen . 


. 


0,88 


1,63 


4,50; 0,82 


1,45] 3,63|j 


1776 


3,26 


IbÜÜ 



tage. 



I : II III 



Haus- 
arbeitstage. 

TI ii | in t! T 



Arbeits- 

lohn. 



Im Ganzen. 

Mark, || Kund. Mark. 



I 

1 


II | III 


I 


]S5 


i 

1 

62 172 


35 




—1 — 


41 


2,0 2,5 3,4 


2,0 



ii in 



Tab. 10. |j 
Die Kosten der Polvgon- 

Jtunkte 100ha betragen : 17,6 32,6 90, 0 12, 3 21,8|54,5| 
Die Kosten eines Pöly- 1 
gonpunktes sind unter j 
Bezugnahme auf 8 . . !j — j — I — ! — j — 



(5,3 



7,8' 27 
Br. E 



00!l70 
7 1 ! 1 84 



Die K osten der gesammten polygonome- 
Irischen Arbeiten betragen pro 1 00 ha : Tab, n. 



I 

M. 



II 

M. 



III 

M. 



a. für die Streckenmessungen nach Tab. 7 . 

b. für das Polygonnetz nach Tab 10 , . . . 

Im Ganzen 
B. E. *) . . 



40 

35 

75 

58 



60 100 
60] 170 
120' 270 
104' 260 



*) Der Rh. W. E. stimmt mit dem H. E. vollkommen überein. 



Digitized by CjOO^Ic 



304 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 



Gesammtkosten der trigon. und polyg. 

Aufnahmen pro 100ha: Tab. 11. 


I 


11 

*« 


111 


1. die trigonometrischen Arbeiten Tab. 4 . . . . 

II. die polygonometrischen Arbeiten Tab. 11 . . . 

Im Ganzen . . 

B. E.*) . . . . 


55 105 335 
75' 120| 270 
130 225 605 
103 185! 482 



§. !). Stückvermessung. 

a. Kleinere Aufnahmen, welche sich auf einfache 
Linie nkonstruktion stützen. 

Bei diesen ist für jede Aufnahme ein Pauschquantum von 10 Jk. 
zu liquidiren und ausserdem für jede aufzunehmende Parzelle resp. 
Gebäudefläche 



a. 


bis zu . . 0,10 ha Parzellengrösse 


2 A. 


b. 


von 0,10 bis 0,20 > 


> 


3 > 


c. 


> 0,20 > 0,50 > 


> 


4 > 


d. 


> 0,50 » 1,00 > 


> 


5 > 


e. 


> 1,00 > 2,00 > 


> 


6 > 




Für jedes weitere Hektar mehr . . 


1 > 



Wird eine polygonometrische Aufnahme nothwendig, so fällt das 
Pauschquantum fort. 

b. Grössere zusammenhängende Aufnahmen, für welche 
eine Triangulation und Polygon isirung voraus- 
gesetzt wird. 



Feldarbeiten. 


Tagesleistung. 


Arbeitszeit 
pro 100 ha 
in Tagen. 

I 1 11 1 HI 


I 

ha mit 
Parzellen. 


II 

ha mit 
Parzellen. 


III 

ha mit 
Parzellen. 


Parzellen von 0,2 — 0,5 ha 


12—30 


6-16 


3—12 


8,3 


16,6 


33,3 


> > 0,5 — 1 » 


16-18 


8—10 


4 — 6 


6,2 


12,5 


25 


> >1 — 5 » 


22 — 6 


14 — 5 


8 — 4 


4,6 


7,1 


12,5 


> >5 — oo > 


33-4 


24 — 3 


15 — 2 


3 


4,2 


6,6 



Die Hausarbeiten bestehen in dem Auszeichnen der Feldbücher 
und nehmen die Hälfte der Arbeitszeit der Feldarbeit in Anspruch. 
Hiernach belaufen sich die Kosten der Stückvermessung auf 100 ha: 



Parzellen- 

grösseinha 


Feldarbeiten. 


Haus- 

arbeiten. 


Im Ganzen. 


Kür den Für 3 

Landmesser. j Arbeiter. 


Nach 

Rechnung. 


Rund in 
Mark. 


I I II | III ||l | 11 111 


I 


II | III 


i l ii 1 ui 


1 | II HI 


0,2 bisO,5 
0,5 „ 1 
1 „ 5 

5 ., x 


I I IM 

166 332; 666 75 150 
124 250 500 56 1 113 
92 142 250 12 64 

GOl 84 1 1321271 37 


300,63 
225 49 
113 35 
60 23 


125* 225 
94 190 
53 94 

41 50! 


| 

304 6071191 
229 457' 915 
169] 259 : 457 
HOl 162; 242 


300 

230 

170 

110 


600 120) 
460 920 
260 40" 
160. 240 



*) Der Rh. W. E. stimmt mit dem H. E. vollkommen überein. 



Digitized by Gcjogh 






Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 305 



Für Ortslagen (Dorf- und 










I 










Stadtlagen) sind d. Tages- 
leistungen anzunehmen zu 
Demnach berechnen sich die 
Kosten von 1 ha zu . . 


•1 ha 


3 ha 


2 ha 


1,5ha 


0,9 ha 


0,5 ha 


0,4 ha 


0,3 ha 


0,2 ha 


10 


\äJi 


20.#.' 


30 M. 


40 M. 


60 M. 


80 Jt. 


120 A 


180 A 

i 



Der Rheinisch-Westfälische Entwurf hat bei kleinen Aufnahmen 
dieselben Preisangaben, während derselbe über die grossem zusammen- 



hängenden Aufnahmen folgende Werthe angibt : 

I II III 

a. für je 100 ha 95 210 360 

b. für je 100 Parzellen zum Flächeninhalt: 

1. von weniger als 0,2 ha und für je 100 

Gebäudeflächen 55 110 210 

2. von 0,2 bis 0,5 ha 80 175 340 

3. von 0,5 bis 0,8 ha 110 260 500 

4. von 0,8 ha und mehr 140 375 725 

Für schwierige Ortslagen Zuschläge. 



Wenn Stadtvermessungen nicht lediglich den Grundsteuer- 
Zwecken und der richtigen Begrenzung des Eigenthums , also als 
Grundlage für das Grundbuch dienen, sondern auch die Grundlage 
für den Bebauungsplan bilden sollen, so sind die Sätze ad a. und b. 
zu verdoppeln , wobei vorausgesetzt wird , dass an den Häusern 
alle Treppen, Eingänge, Thorfahrten und Kellerlichter, sowie in 
den Strassen die Rinnen, Trottoirs und alle sonstigen sichtbaren 
Gegenstände, auch bezüglich der unterirdischen Anlagen einzumessen 
sind. 

Hierbei muss jedoch bemerkt werden, dass solche Stadtver- 
messungen nur in Diäten ausgeführt werden sollten, wie dies auch 
bisher in grossen Städten stets geschehen ist. 



Der Brandenburger Entwurf hat den Kostenanschlag : 



Kosten für 100 ha 

Parzellengrösse in ha j| in Mark. 

[I I | II | III 

0,5 bis 1,0 280 465! 780 

1.0 bis 3,0 ! 210 330 555 

3.0 bis 10,0 150 240i 420 

1 



c. Strassenaufnalimen für Kanalisations-, Pferde- 
bahn-, Gas- und Wasser - Anlagen. 

Alle Einzelheiten der Strassen sind aufzunehmen und aufzu- 
tragen. 

Diese sind nur in dem Brandenburgischen Entwürfe angegeben. 

Zeitschrift für Yermegsmigsweac». 12. lieft. 20 

t 

i Digitized by Google 



306 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 



Kosten für 100 m Strassenaufnahme iu Mark. 



I 

Maassstab der Kartirung. 


11 111 
Maassstab der Kartirung. Maassstab der Kartirung. 


1 : 250 1 1 : 500 


1 : 1000 


1 : 250 


1 : 500 


j 1:1000; 1:250 1 1:500 


1:1000 


30 | 22,5 


15 ! 37,5 


30 | 22,5 || 60 45 


' 34 



Die Ausführung des Nivellements siehe §. 6. 



§. 10. Die Kartirung. 



Die Kartirung erfolgt in sachgemässem Maassstabe. 



Arbeitszeit ^Kostenbetrag f. 100 ha 



Parzellengrösse 


mit Parzellen. 


pro 100 ha. im Ganzen Jj rund. Mark. 




I 


11 | III 


j 1 1 ii | ui I 1 1 ii |mj 1 1 n|m 


A. von 0,20 bis 0,50 ha 

B. „ 0,50 * 1,00 „ 

C. „ 1,00 „ 5,00 „ 

D. „ 5,00 „ 10,00 „ 

E. „ 10,00 „ oo . . 


i 8-20 
'18—20 
20—7 
38-5 


1 

0-18 3,5-14 
12-10 6—10 
18-6 10—5 
23— 4 18-3 


111! | II 1 | 

12,5 16,6 28,0:188,249 429 190 25043t) 
5,5 8,3 16,6 83 125 240; 80 125240 

3,8 5,5 10 58 83 1501 60 30 150 

2,6, 3,6 5,5 39 54 83 40 55 80 

| — — I — I 30 39 60 301 40 60 



Kartirung von Ortslagen 1 : 500. 

Tagesleistung in ha 2,00 1,5 1,0 0,7 0,6 0,5 

Kostenbetrag für 1 ha in Mark . . 7,5 10 15 20 25 30 



Der Rh. W. E. stellt diesem entgegen: 

Die Kosten setzen sich aus den unten ad a. , b. und c. auf- 
geführten Beträgen zusammen und betragen : 



a. b ür jedes Kartenblatt von der Grösse eines Gross- 


I I 


11 


111 


adlerbogens oder bei Kartirung 
im Maassstabe 1 : 4000 für je 400 ha 


A 


A 


A 


» 1:2000 » > 100 > 
> » 1:1000 > > 25 > 

» > 1 : 500 » > 6.25 > 








ein Pauschquantum 


1 20 


20 


20 


b. Für je 100 ha 

c. Für je 100 Parzellen zum Flächeninhalt 


25 


35 


45 


1. von weniger als 0,2 ha und für je 200 Ge- 








bäudeflächen 


25 


35 


45 


2. von 0,2 bis 0,8 ha 


38 


52 


68 


3. von 0,8 ha und mehr 


50 


70 


90 


Für schwierige Ortslagen Zuschläge. 









Für die Kartirung von Stadtvermessungen findet unter den 
im §. 9 aufgeführten Voraussetzungen eine Verdoppelung der obigen 
Sätze statt. 



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Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 307 



Der Br. E. gibt, auf 100 ba reduzirt, folgende Angaben: 



Anfertigung der Gemarkungskarte 


i Arbeitszeit 
| für 100 ha. 


Kosten 

für 100 ha. Mark. 


1 : 2000. 


1 I 


II 


1 111 1 


; I 


1 11 1 111 


1. Bei Parzellen zum Flächeninhalt 
von 0,5 bis 1,0 ha . 


| 5,8 


9,2 


15,6 

11,2 


70 


112' 188 


2. Desgleichen von 1 > 3 » 


' 4,2 


6,6 


52 


80; 135 


3. Desgleichen von 3 >10 > 


! 3 


4,8 


8,5 1 


| 36 


58! 102 



Die Kosten der Kartirung stellen sich nach dem H. E. etwas höher 
als nach dem Br. E. und gehen im Ganzen jedenfalls nicht unter den 
Rh. W. E. herunter. 



§. 11. Kopiren vorhandener Karten. 



Maassstab 1 : 2000 
Parzelleugrösse. 


Tagesleistung. 


"“Geld- 
betrag Jt 
j für 100 ha 


I 


II | III 


|I 


ii ! ui 


bis 0,2 ha 

von 0,2 bis 0,5 ha ... 

> 0,5 — 1,0 » ... 

> 1,0 — 5,0 > ... 

> 5,0 —10,0 > ... 

> 10,0 — ao > ... 


ham. Parz. 
16-160 
1 21-85 
J 38—50 
56—25 
1 75-11 
1100—10 


ha m. Parz. 

13—130 

17—68 

30—40 

45—20 

60—9 

80—5 


ha m. Parz. 
10-100 
13—52 
23—30 
34—15 
45—7 
60—4 


1 | 

94 115 150 
70 90 115 
40 50| 65 
27 35; 45 
20 25 32 
15i 20| 25 



Für Karten im Maassstabe 1 : n sind obige Sätze im Allgemeinen 
mit 2-p zu multipliciren. 



Für OrtBlagen im Maassstabe 1 : 500 


Dorf. 


Stadt. 


■ I | II | HI 


m n 


1 m 


Tagesleistung in ha . . . . 

Kostenbetrag pro ho . . . 
Für Stadtlagen unter den Voraui 


3,4 2,7 2,01 
! 4,5; 5,5; 7,5 
ssetzungen des 


1 2, 0j 1,5 l 

j 7,5| 11,251 
§. 9 werden 


1,0 
15. 
i die 



Sätze verdoppelt. 

Die Rh. W. E. hat dieselbe Angabe , während der B. E. hier- 
über keine Mittheilung macht 

§. 12. Die Flächeninhaltsberechnung. 

Es wird ein der Grösse und Gestaltung der Parzellen entsprechen- 
des graphisches Verfahren vorausgesetzt, da für die Inhaltsberechnung 
nach üriginalmessungszahlen gültige Akkordsätze sich nicht auf- 
stellen lassen. 

Tagesleistung : Einzelberechnung. 

A. Bei Parzellen 0,20 — 0,50 ha 20 ha mit 80 Parzellen. 



B. > 


> 


0,50 — 


1,00 > 


40 > 


> 70 


> 


C. > 


> 


1,00 — 


5,00 > 


105 > 


> 50 


> 


D. > 


> 


5,00 — 


10,00 > 


200 > 


> 30 


> 


E. > 


> 


10,00 — 


00 


350 > 


> 25 


> 



20 . 



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308 Gerke. Entwurf zu einem Gebührentarife für geometrische Arbeiten. 



Gr. Massenberechnung. Arbeitszeit. 



A. 


20 Produkte mit 


20 Zu- 


bezw. 


Abzüge = 


0,60 Tagen. 


P>. 


32 


> 


> 


32 > 


> 


> == 


0,90 > 


C. 


80 


> 


> 


80 > 


> 


> = 


1,40 > 


D. 


120 


> 


> 


120 > 


> 


> = 


3,60 > 


E. 


210 


> 


) 


210 > 


> 


> = 


6,70 > 







Berechnung der Arbeitszeit. 




Betrag 
ä 15 Ut. 

1 

j 


1 Betrag 
für 

100 ha: 




Einzel- 

berechnung 


Kleine 

Be- 

rechnung. 


1 Mittelung 
der 

Produkte. 


j Grosie 

1 Mftsseubo- 
| rechnung. 


Zu- 

sammen 

Tage. 


| erste. 


i zweite. 


A. 


1,00 


1,00 


0,20 


0,40 


0,60 


3,20 


j 48,00 


240 „«j 


A. 


B. i 


1,00 


| 1,00 


0,20 


0,30 


! 0,90 


3,54 


53,1 


135 > 


. B. 


C. 


1,00 


1,00 


0,20 


0,30 


2,40 


4,90 


73,5 


70 > 


C. 


D. 


1,00 


1,00 : 


0,20 


0,22 


, 3,60 


6,02 


90,3 


45 > , 


D. 


E. 


1,00 


1,00 i 
• 


0,20 


0,20 


6,30 


8,70 


130,5 


35 > 


' E. 



1. Die oben angegebene Tagesleistung gilt für eine Einzelberechnung. 

2. Die kleine Massen berechnung beansprucht >f 5 der Zeit einer 
Einzelberechnung, also 0,2 Tag für die Tagesleistung. 

3. Die Mittelung und die Reduktion der Einzelberechnungsergebnisse 
ist täglich für 200 bis 120 Parzellen ausführbar abstufend von 
A. bis E. 

4. Die grosse Massenberechnung ist nach Koordinaten disponirt unter 
Berechnung der Zu- und Abzüge gegen das Polygon; es sind 
täglich 33 Koordinatenprodukte und 33 Zu- bezw. Abzüge zu 
rechnen. 

Es ist ferner anzunehmen auf 100 ha: 

im Maassstab 1: 500 etwa 120 Produkte und 120 Zu- bezw. Abzüge. 



1:1000 > 


100 


y 


> 100 > 


> 


> 


1 : 2000 > 


80 




> 80 > 


> 


) 


1 : 4000 > 


60 


> 


> 60 > 


> 


> 



Während der B. E. hierüber keine Angaben macht, gibt der Rh. W.E- 
die Flächenberechnung zu folgendem Werth an : 

Die Kosten setzen sich aus den unten ad a.undb. aufgeführten 



Beträgen zusammen und betragen : I II UI 

a. für je 100 ha 15 20 25 

b. für je 100 Parzellen 40 50 60 



Für diese Sätze ist die gesammte Flächenberechnungsarbeit, 
also beide Einzelberechnungen , Massenberechnungen , Mittelung, 
Reduktion u. s. w. zu leisten. Originalzahlen sind soweit wie thun- 
lich bei einer Einzelberechnung zu benutzen. 

Preis I., II. oder III. wird angewendet, je nachdem mehr oder 
weniger Originalzahlen benutzt, bezw. je nachdem die Massenbe- 
rechnung nach Koordination mehr oder weniger detaillirt wird. 

Hannover, den 28. März 1886. 



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Kleinere Mittheüungen. 



809 



Kleinere Mittheilungen. 

Beseitigung der §§. 28—31 der Landmesserprlifungsordnung. 

Auf Seite 47 des diesjährigen Jahrganges dieser Zeitschrift ist 
es gelegentlich der Besprechung des Ministerialerlasses, betreffend 
Anrechnung des Besuchs Preussischer Universitäten und technischer 
Hochschulen auf die Zeit der theoretischen Ausbildung der Land- 
messerkandidaten, als erfreulich dargestellt, dass nunmehr auch 
diejenigen Bauingenieure, welche die Hochschule mit Erfolg absol- 
virt haben, zu der Landmesserprüfung ohne Weiteres zugelassen 
werden können. 

Wäre die Zeitschrift für Vermessungswesen nicht auch Organ 
des Deutschen Geometervereines, oder wäre diese Besprechung in 
einem anderen Fachblatte abgedruckt, so könnte man dieselbe mit 
Stillschweigen übergehen. So lange aber diese Zeitschrift unter 
dem jetzigen Titel erscheint, ist es für uns deutsche Geometer so 
ziemlich Selbstmord, wenn wir die Thatsache erfreulich nennen, 
dass es den Angehörigen anderer Fächer möglich gemacht wird, mit 
Leichtigkeit die formelle Qualification für die Ausübung der Feld- 
messkunst zu erwerben. Im Deutschen Geometer vereine kann doch 
nur eine Stimme herrschen, dass wir berechtigt und im Stande 
sind, ohne die Elemente anderer Fächer unseren Aufgaben gerecht 
zu werden. Die Rekrutierung aus anderen Fächern kann unseren 
Interessen nur schaden, ohne unserem Fache zu nützen. Denn zur 
Heranbildung eines Landmessers genügt nicht allein ein mehrjäh- 
riges Studium. Ein tüchtiger Landmesser wird nur der, welcher 
mit der Theorie eine mehrjähige, ununterbrochene und erfolgreiche 
Praxis verbindet. Wer in unserem Fache keine Praxis besitzt, 
bleibt eine Null, wenn er theoretisch noch so tüchtig ist. Aber 
auch dies kann nicht ohne Weiteres bei den Angehörigen anderer 
Fächer vorausgesetzt werden, selbst angenommen, dass zu dem Be- 
rufe derselben ein umfangreicheres Studium erforderlich ist, wie 
zum Landmesserfache, weil sie nicht alle für letzteres vorgeschrie- 
benen Disciplinen erlernen, und weil es durchschnittlich nicht die 
tüchtigsten sind, welche >umsatteln<. 

Für uns kann nach meiner Meinung eher die Verfügung vom 
16. October 1882 über die Aufhebung der Verpflichtung zum Ab- 
legen der Feldmesserprüfung für die Aspiranten des Königlichen 
Forstverwaltungsdienstes erfreulich sein, gerade so wie sie es jeden- 
falls für die Forstaspiranten war. Denn da diese meist nur Ver- 
messungen auszuführen haben, welche, wie z. ß, Anfertigung von 
Forstwirthschaftsplänen und Aufstellung von Projecten zu Forst- 
wegen, mit ihren sonstigen Verwaltungsgeschäften eng Zusammen- 
hängen, ohne die Interessen Dritter zu berühren, so genügt es 
vollständig, wenn dieselben sich die dazu nöthigen Kenntnisse im 
Verein mit den sonstigen Fachwissenschaften aneignen, jedenfalls 
bedarf es dazu nicht der Bestallung als Landmesser. Trotzdem 



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310 



Kleinere Mittheilungen. 



könnte man bei den Forstbeamten wenigstens noch ein gewisses 
Bedürfniss zugeben, da denselben keine geprüften und vereideten 
Vermessungsbeamten zur Seite stehen. Bei den Bauingenieuren, 
ich meine hier und auch in der Folge sowohl die staatlich geprüften 
wie auch nicht geprüften Ingenieure, ist jedoch unter normalen 
Verhältnissen kein Bedürfniss für die Bestallung als Landmesser 
vorhanden. 

In der Bauverwaltung kommt es ja allerdings unter den z. Z. 
bestehenden Verhältnissen vor, dass ein grosser Theil selbst der- 
jenigen Vermessungsarbeiten, welche die Interessen Dritter berühren, 
z. B. Aufnahmen zum Grunderwerb, von nicht geprüften und ver- 
eideten Vermessungstechnikern angefertigt werden, ohne dass ein 
vereideter, practischer Landmesser zur Stelle ist, aber dieser Zu- 
stand ist nicht normal und wird auch dann nicht normal, wenn 
der bauleitende Ingenieur im Stande ist, als vereideter Landmesser 
unterzeichnen zu können und wenn ihm seine sonstigen Geschäfte 
gestatten, die Arbeit eigenhändig und eingehend zu prüfen. 

Und nun zum Civilingenieur. Dass es Für einen Civilingenieur 
eine gute Sache ist, zugleich Landmesser zu sein, lässt sich gar nicht 
bestreiten, das ist gerade so, als wenn jemand Doctor und Apo- 
theker zugleich ist. Ein solches Zwillingsverhältniss schadet aber 
denjenigen, welche nach Grundsätzen der Arbeitstheilung arbeiten, 
ohne denjenigen zu nützen , welche sich dieser Zwillingsgestalt 
bedienen. Piin Civilingenieur, 'welcher in seinem Fache genügend 
Aufträge hat, wird natürlich nicht im Stande sein, diejenigen Ver- 
messungsarbeiten, welche mit seinen Arbeiten verknüpft sind, selbst 
herzustellen, viel weniger also noch selbstständige, umfangreiche 
Vermessungsarbeiten. Er wird sich aus nahe liegenden Gründen in 
den seltensten Fällen vereideter Landmesser bedienen, und wenn dies 
einmal geschieht, so wird er aus ebenso nahe liegenden Gründen 
natürlich selbst die Pläne unterzeichnen. Seine Hauptthätigkeit in 
unserem Fache gipfelt also in der Herstellung seiner Namensunter- 
schrift. Man kann es ja allerdings keinem Menschen, selbst dem 
nicht, welcher bereits in anderen Fächern geprüft ist, verwehren, 
Landmesser zu werden, aber man soll es ihm nicht leichter machen 
wie denjenigen, die eben nur Landmesser sind und vom Ertrage 
der Kenntnisse in nur diesem Fache leben wollen. 

Durch die jetzt bestehenden Bestimmungen werden den Ange- 
hörigen anderer Fächer Vortheile zum Schaden der Landmesser 
geschaffen, es muss daher das Bestreben der Landmesser darauf 
gerichtet sein, die §§.28 — 31 nebst den ergänzenden Bestimmungen 
aus der Landmesserprüfungsordnung beseitigen zu helfen, denn so 
lange die Bauführer nur so nebenbei, ohne wesentliche Mühe und 
Opfer, dieselbe Qualification erwerben können, zu deren Erlangung 
wir grössere Mühe haben aufwenden müssen, werden unsere Kennt- 
nisse und Leistungen nie in richtiger Weise gewürdigt werden. 

Darum wollen wir wünschen, dass die Segnungen der jetzigen 
Landmesserprüfungsordnung ohne die §§. 28 — 31 sich immer mehr 



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Kleinere Mittheilungen. 



311 



entfalten, wir schädigen durch diesen Wunsch niemand, denn erstens 
hat von den Bestimmungen dieser Paragraphen nur ein geringer 
Bruchtheil der Angehörigen des Baufaches Gebrauch gemacht, und 
zweitens haben die Bauingenieure bewiesen, dass sie auch ohne die 
Qualification zum Landmesser ihre Stellung zu behaupten und auf 
ihrem Gebiete Grosses zu leisten im Stande sind. 

Schliessen wir mit dem auf Seite 44 Jahrgang 1882 dieser 
Zeitschrift angezogenen Ausspruche des Professors Dr. Berendt: 
Nur gemeinsame Arbeit vermag Grosses zu leisten, aber inner- 
halb der Gemeinsamkeit darf auch die richtige Theilung der Arbeit 
nicht fehlen. 

Nüsch. 



Nach 5. des §. 5 der Vorschriften über die Prüfung der öffentlich 
anzustellenden Landmesser in Preussen vom 4. September 1882 
wird nur derjenige Kandidat zur Prüfung zugelassen, welcher den 
regelmässigen Besuch einer derjenigen höheren Lehranstalten nach- 
weisen kann, bei denen ein Kursus für Landmesser eingerichtet ist. 
Durch diese Vorschrift ist jeder Kandidat gezwungen, sein Studium 
ausschliesslich an einer dieser Lehranstalten zu verbringen. Wenn 
die Bestimmung, dass der Kandidat den Nachweis eines regelmässigen 
Besuchs der Vorlesungen zu führen hat, für einen jungen Studiren- 
den auch oftmals eine recht heilsame Einrichtung ist, da es dann 
lediglich in der Hand des Docenten liegt, ihm das betreffende Zeugniss 
auszustellen oder nicht, so ist anderseits doch nicht zu verkennen, 
dass nach akademischer Ansicht für den Studirenden eine gewisse 
Härte darin liegt, auf der Akademie ebenso gezwungen zu sein, jede 
einzelne Vorlesung zu besuchen, wie ehedem auf dem Gymnasium. 
Diese Bestimmung ist auch ausschliesslich Eigenthum der Land- 
messerkandidaten, von jedem anderen Studirender, der eine Universität, 
technische Hochschule , Bergakademie oder Thierarzneischule be- 
sucht, wird behufs Zulassung zur Staatsprüfung nur der Nachweis 
verlangt, dass er eine bestimmte Anzahl Semester als Studirender 
an einer der vorgeschriebenen Hochschulen immatrikulirt war, hierbei 
wird stets berücksichtigt, wenn er eine verwandte Hochschule be- 
sucht hat. Dass ein Landmesserkandidat seine mathematische und 
geodätische Ausbildung — natürlich nicht seine culturtechnischen, 
landwirthschaftlichen und juristischen Kenntnisse — ebensogut an 
einer technischen Hochschule sich erwerben kann, wie an einer der 
beiden vorgeschriebenen Lehranstalten, wird Niemand bezweifeln. 
Nicht allein eines freiem Studiums wegen wird mancher Kandidat 
einen Theil der vorgeschriebenen theoretischen Ausbildungszeit gerne 
an einer technischen Hochschule zubringen, sondern für denjenigen, 
der am Orte einer technischen Hochschule lebt, tritt durch die ge- 
nannte Verfügung auch eine Kostenersparung ein. 

Der Erlass, betreffend die Anrechnung des Besuchs der tech- 
nischen Hochschulen bezw. Universitäten gewährt den Landmesser- 



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312 



Kleinere Mitthei) langen. 



kandidaten ein freieres Studium, wie die Vorschrift 5. 5 der 

Prüfungsvorschrift, und in diesem Sinne ist derselbe jedenfalls als 
erfreulich zu bezeichnen. Kommt es denn darauf an, tco der Kan- 
didat sich sein Wissen verschafft V Doch keineswegs, die Prüfungs- 
kommission entscheidet ja einzig und allein, ob sein Wissen den 
Bedingungen genügt. 

Nach dem oben erwähnten Ministerialerlasse ist es allerdings 
einem Ingenieur etwas leichter gemacht, das Landmesserexamen ab- 
zulegen, aber einestheils ist es ja ganz und gar der Oberprüfungs- 
kommission anheimgegeben, in welcher Weise eine Anrechnung des 
Besuchs der Universitäten und technischen Hochschulen stattfindet 
und anderntheils liegt für einen Ingenieur der Schwerpunkt behufs 
Zulassung zur Prüfung nicht in der theoretischen, sondern in der 
praktischen Ausbildung, und an dieser wird ihm nichts erlassen. 
Hat derselbe aber auch in dieser Hinsicht die Bedingungen der 
§§. 7 und 9 erfüllt, so ist er ebensogut Landmesserkandidat wie 
jeder andere ; ausserdem weiss er in den meisten Fällen nicht, ob 
er nach abgelegter Prüfung sich nicht lediglich dem Berufe eines 
Landmessers widmet , während es anderntheils einem geprüften 
Landmesser ja auch unbenommen bleibt, sich noch zum Ingenieure 
auszubilden, wie dieses öfters vorkommt. 

Ganz anders verhält es sich jedoch mit den Bauführern, welche 
nur eine sechsmonatliche praktische Thätigkeit aufzuweisen brauchen, 
um die Bestallung als Landmesser ohne Prüfung zu erhalten. Dem 
Verfasser des vorstehenden Aufsatzes pflichte ich vollkommen bei, 
dass derjenige, welcher keine Praxis besitzt, im Vermessungsfache 
ein Null bleibt, auch wenn er theoretisch noch so tüchtig ist. Ich 
bin sogar der Ansicht, dass eine einjährige praktische Thätigkeit, 
welche im Minimum von dem Landmesserkandidaten verlangt wird, 
viel zu wenig ist, um hiernach die Brauchbarkeit des jungen Land- 
messers beurtheilen zu können ; wenn derselbe auch das beste 
Examen gemacht hat, so zeigt es sich erst nach Jahren, ob er ein 
»guter< Landmesser werden wird, und wenn ihm die praktischen 
Handhabungen fehlen, so ist es besser, dass er selbst nach dem 
abgelegten Examen sich noch einen andern Beruf erwähle, in welchem 
er mehr zu leisten vermag. *) 

In Rücksicht auf die mangelhafte praktische Ausbildung der 
Bauführer ist es nur zu bedauern, dass denselben die Erreichung 
der Landmesserbestallung anscheinend so leicht gemacht wird, und 
ich bin mit dem Verfasser vollkommen der Ansicht, dass es unser 
Bestreben sein muss, darauf hinzuwirken, die §§. 28 bis 31 der 
Landmesserprüfung vom 4. September 1882 zur Seite zu schaffen, 
zumal da auf Seite 47 dieser Zeitschrift auf die ungenügende Be- 
zeichnung desjenigen Bauführers , welcher bei der \ erorduung 

*) Hierbei sei an den berühmten Astronomen Klinkerfuss erinnert, welcher 
sich jahrelang mit den einfachsten geometrischen Feldarbeiten beschäftigt 
hat, um Feldmesser zu werden, und als ihm diese keine Freude bereiteten, 
„sattelte er um“ und studirte Mathematik uud Astronomie. 



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Kleinere Mittheilungen. 



313 



eigentlich gemeint sein sollte, hingewiesen ist. Zur Beruhigung 
wollen wir jedoch hinzufügen, dass die §§. 28 bis 31 praktisch sehr 
wenig Bedeutung haben, denn in den letzten 10 Jahren hat durch- 
schnittlich jährlich kaum ein Bauführer von jener Vergünstigung 
Gebrauch gemacht, während bis 1885 — der Aufhebung des Fe/d- 
messerexamens — durchschnittlich 140 Berufsfeldmesser jährlich das 
Examen bestanden, während anderseits beispielsweise im Jahre 1881 
allein 254 Kandidaten des Baufaches die Bauführerprüfung ablegten. 
Es erhellt hieraus , dass die Vergünstigungen der Bauführer im 
Allgemeinen doch nicht so gross sind, wie es den Anschein hat. 
Hauptsächlich bietet die Aufnahme von 100 ha eine vortreffliche 
Schutzwand. 

Dass wir Landmesser in Betreff der Prüfungsvorschriften vom 
4. September 1882 noch manche Wünsche hegen, haben die früheren 
diesbezüglichen Mittheilungen dieser Zeitschrift hinlänglich bewiesen 
und es wird hoffentlich auch die Zeit in nicht Zu weiter Ferne 
liegen, dass das Abiturientenexamen zur Vorbildung verlangt wird, 
dass die ?§. 28 bis 31 und ebenso auch §.6 — die Zulassung der 
Offiziere des stehenden Heeres zur Landmesserprüfung betreffend — 
für überflüssig erachtet werden und dass 5. des §. 5 eine andere 
Fassung erhält und ein freies ungebundenes akademisches Studium 
gestattet wird. Jedenfalls haben wir aber keinen Grund, jetzt zu 
murren, sondern können der hohen Staatsregierung nur äusserst 
dankbar sein, dass dieselbe in Betreff der Ausbildung so vortreff- 
liche Einrichtungen geschaffen hat und auch stets bemüht ist, weitere 
Verbesserungen einzuführen und dass sie durch die verschärften 
Prüfungsvorschriften diejenigen Elemente aus dem Landmesserkreise 
fern hält, welche nicht die genügende Ausbildung besitzen. Ausser 
den Bestimmungen der oben angegebenen §§. 28 bis 31 liegen event. 
Vergünstigungen lediglich in der Hand der Überprüfungskommission, 
und wir können zu unserer Freude nur konstatiren, dass nach dem, 
was bis jetzt zu unserer Kenntniss gelangt ist, äusserst strenge 
verfahren wird. 

Wir sind übrigens der Ansicht, dass die hohe Staatsregierung 
zur Hebung des Landmesserstandes z. Z. viel Wichtigeres zu tliun 
hat, als schon wieder an eine Aenderung der Prüfungsordnung zu 
denken; man schaffe dem Landmesser seiner Ausbildung und seinem 
Studiengange entsprechend zunächst eine gesicherte, feste Lebens- 
stellung, die ihn aus dem untergeordneten Subalternkreise emporhebt; 
man ersetze das längst veraltete Feldmesserreglement durch zeit- 
gemässe Bestimmungen, prüfe den S. 36 der Gewerbeordnung u.s. w. 
u. s. w., und dass die Zeitschrift für Vermessungswesen ihr Mög- 
lichstes thun wird, hierbei mitzuwirken, bedarf keiner Versicherung. 

Grrke. 



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314 






Kleinere Mittheilungen. 




Oie Beschäftigung der Kulturtechniker bei der Königlichen Geologischen 

Landesanstalt. 



ln der Denkschrift des Herrn Rittergutsbesitzers Sombart vom 
23. Juni 1881 an das Königlich Preussische Staatsministerium wird 
die Verwendung ‘der zu Kulturtechnikern ausgebildeten Feldmesser 
— Landmesser — Seitens der Geologischen Landesanstalt bei Auf- 
nahme und Herstellung der agronomischen Bodenkarten vorge- 
schlagen. Diesem Vorschläge ist in so weit nachgekommen worden, 
als zuerst vom 1. April 1882 ab 4 Kulturtechniker zu einer vierjährigen 
Thätigkeit bei den Arbeiten der Geologischen Landesanstalt Ver- 
wendung fanden, und nach Ablauf zweier Jahre, vom 1. April 1884 
ab, nunmehr jährlich 2 neue Kulturtechniker zu einer vierjährigen 
Dienstleistung herangezogen, mithin künftig regelmässig 8 Kultur- 
techniker beschäftigt werden. 

Im ersten Jahre wird eine Remuneration von 1500 Mark, iu 
den folgenden Jahren eine solche von 1800 Mark und ein Reise- 
kostenpauschquantum von 600 Mark gewährt ; die Kosten für einen 
Arbeiter aber werden mit 300 Mark vergütet. Die Bezahlung er- 
folgt monatlich postnumerando und zwar von April bis September 
mit 300 Mark, von Oktober bis März mit 150 Mark. Das Reise- 
kostenpauschquantum von 600 Mark soll enthalten die Feldzulage 
und die Reisekosten in das Berliner Arbeitsgebiet. Wurden weitere 
Reisen ausgeführt, so fand die Bezahlung der Reisekosten nach dem 
Tarife für Landmesser statt, es ist jedoch wünschenswert!» , dass 
sämmtliche Reisen nach diesem Tarife bezahlt werden und das 
Pauschquantum von 600 Mark ausschliesslich als Feldzulage an- 
gerechnet werde. 

Die Zimmerarbeiten bestehen in Coloriren von Höhenschichten- 
kai’ten, Copiren geologischer Originalaufnahmen, Anfertigung geo- 
logischer Profile und dei-gleichen , dann aber in Auszeichnen der 
Reinkarten, der Bohrkarten und Aufstellung der Bohrregister. Im 
Laboratorium für Bodenkunde werden Schlämmanalysen und Kalk- 
bestimmungen vorgenommen. 

Die Aufnahmearbeiten im Terrain dauern in der Regel fünt 
Monate, vom 15. Mai bis 15. Oktober. Die hiei-zu nöthigen Boh- 
»■ungen werden bis zu 2 Meter Tiefe mit einfachen Erdbohrern aus- 
geführt, welche 1 und 2 Meter lang, aus Stahl angefertigt, circa 
10 mm stark, am Ende mit einer 3 dem langen, löffelartigen Aus- 
fräsung zum Herausnehmen der Bodenproben , unten mit einer 
Spitze und oben mit einem Handgriffe versehen sind. 

In den Wintersemestern gestattet die Direction den Kultur- 
technikern den Vorlesungen in der mit der geologischen Laudes- 
anstalt verbundenen Bergakademie beizuwohnen und werden in 
der Regel gehört: Allgemeine Geologie, Geologie des Tertiärs und 
Quartärs, Mineralogie, auch wird der Besuch von Vorlesungen an 
der benachbarten landwirthschaftlichen Hochschule gewährt. 

Die geologisch- agronomischen Aufnahmen finden zur Zeit in 

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Kleinere Mittheilungen. 



315 



der Mark Brandenburg, in dem nordöstlichen Theile der Provinz 
Sachsen und in den Provinzen Ost- und Westpreussen statt, doch 
sind Kulturtechniker in den letzten beiden Provinzen dauernd noch 
nicht beschäftigt worden. 

Berlin, den 19. Februar 1886. Keiper. 



Reichsinstilut fUr naturwissenschaftliche Forschung. 

Nachdem Geheimrath Dr. Werner Siemen» sich bereit erklärt hat, dem 
Reich behufs Gründung eines Instituts zur Ausführung naturwissenschaftlicher 
Forschungen für technische Zwecke 500000 M. in Grundwerth oder Kapital 
zu schenken, ist dem Bundesrath jetzt die Begründung von Vorschlägen zur 
Errichtung einer physikalisch-technischen Reichsanstalt für experimentale För- 
derung der exakten Naturforschung und Präzisionstechnik vorgelegt worden. 
Zugleich wird beantragt, die erforderlichen Geldmittel im Reichshaushaltsetat 
für 1887 — 83 schon jetzt zu genehmigen. Die Ausgaben sind veranschlagt für 
die nächsten 4 Etatsjahre fortdauernd auf je 100 432, 127 832, 186062 und 
218 879 Jä und einmalig auf je 300 000, 410 000, 416 000 und 38 254 A 

Der Bi-gründung, welche den dem Bundesrathe unterbreiteten Vorschlägen 
zur Errichtung einer „physikalisch-technischen Reichsanstalt“ für die experi- 
mentelle Förderung der exakten Naturforschung und der Präcisionstechnik 
beigegeben ist, entnehmen wir Folgendes : 

Die erste Anregung zu dem Projekte erfolgte bereits im Jahre 1872 durch 
den Professor Schellbach. Alsdann formulirte anfangs 1874 eine vom Grafen 
iloltke berufene Fachkommission eine Reihe von „Vorschlägen zur Hebung der 
wissenschaftlichen Mechanik und Instrumentenkunde“, welche die Grundlage 
einer von der preussischen Regierung 1876 dem Abgeordnetenhause übergebenen 
Denkschrift über denselben Gegenstand bilden. In Folge dessen wurden in 
dem Gebäude der hiesigen technischen Hochschule geeignete Räume für die 
Errichtung eines Instituts zur Pflege der Präcisionstechnik vorgesehen. 1883 
folgte eine Denkschrift, welche eine erweiterte Ausführung des früheren Planes 
empfahl. Nachdem darauf von Seiten des Herrn Siemen» das hochherzige An- 
erbieten gemacht worden, wurde der Aufstellung eines abschliessenden Organi- 
sationsplanes näher getreten und dabei festgestellt, dass die bezügliche Reichs- 
anstalt zur Lösung ihrer Aufgaben zwei Hauptabtheilungen besitzen müsse, 
eine wissenschaftliche und eine technische. Jede dieser Abtheilungen hat in 
der Vorlage eine eingehende Behandlung von hervorragenden Capacitäten er- 
fahren, die erstere durch Dr. v Helmholtz, die zweite durch Dr. Förster. Nach 
dem weiter entwickelten Organisationsplane soll zunächst für die Reichsanstalt 
ein Kuratorium errichtet werden, welches den sachverständigen Aufsichtsrath 
für die Thätigkeit beider Abtheilungen bilden, den allgemeinen Arbeitsplan 
derselben, sowie den Voranschlag der erforderlichen Geldmittel alljährlich fest- 
stellen soll. Dies Kuratorium soll bestehen aus einem Präsidenten , einem 
Vertreter des militärischen Vermessungswesens , einem Vertreter der Marine, 
einem Vertreter des Telegraphenwesens, einem Vertreter des Maass- und Ge- 
wichtswesens, vier Vertretern der Physik und Meteorologie, einem Vertreter 
der Chemie, zwei Vertretern der Astronomie, zwei Vertretern der Grad- 
messung und Hydrographie, zwei Vertretern der Ingenieurwisseuschaften und 
vier Vertretern der Präcisionsmechanik und Optik. Die Mitglieder des Kura- 
toriums verwalten die Geschäfte ehrenamtlich ohne Entgelt. Für den Präsi- 
denten, der zugleich Direktor der ersten Abtheilung sein soll, ist ein pensions- 
fähiges Gehalt von 15 000 M. in Aussicht genommen, ausserdem Dienstwohnung. 
Pa Physiker ersten Ranges an deutschen Universitäten ein noch höheres 



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316 



Kleinere Mittheilungen. 



Einkommen beziehen, so ist auf die Möglichkeit Bedacht genommen, für die 
erstmalige Besetzung dem zu Berufenden noch eine nicht pensionsfähige Zu- 
lage von höchstens 9 000 M. zuzubilligen. Die Aufgabe der ersten (wissen- 
schaftlichen) Abtheilung ist die Ausführung solcher wissenschaftlichen Unter- 
suchungen physikalischer Art, welche einen grösseren Aufwand theils an 
Arbeitszeit der Beobachter, theils an instrumentalen Hilfsmitteln, lokalen Ein- 
richtungen etc. erfordern, als der Regel nach durch Privatpersonen und durch 
die Laboratorien der höheren l’nterrichtsaustalten beschafft werden können 
Diese Untersuchungen würden theils durch die Beamten des Instituts, theils 
unter Aufsicht derselben durch wissenschaftliche Gäste und freiwillige Mit- 
arbeiter ausgeführt werden. Für diese Abtheilung ist ein besonderes Gebäude, 
das physikalische Observatorium, herzustellen. Um dasselbe vor Erschütterungen 
zu bewahren, muss e9 von fahrbaren Strassen ptc. entfernt bleiben. Als Bau- 
platz ist die von Dr. Siemens frei angebotene, 19S00 Quadratmeter umfassende 
Fläche an der Marchstrasse in Charlotten bürg in Aussicht genommen. 
Die zweite (technische) Abt heilung soll wegen ihrer besonderen Aufgaben einem 
besonderen Direktor 7500 Ji. Gehalt unterstellt und bis auf Weiteres in den 
bereit gehaltenen Räumen der technischen Hochschule zu Charlottenburg unter- 
gebraeht werden. Eine gewisse Selbstständigkeit dieser Abtheilung wird auch 
dadurch bedingt, dass bei ihr in Folge der beabsichtigten Erhebung von Ge- 
bühren für die den Gewerbetreibenden u. s. w. zu gewährenden Prüfungen und 
Beglaubigungen eine zusammengesetzte Verwaltung und Rechnungslegung er- 
forderlich w-ird. Die Aufgaben der zweiten Abtheilung würden sein: Prüfung 
und Sicherung der Eigenschaften der Materialien, aus welchen Präcisions- 
apparate und Messungsmittel jeder Art für Zwecke des Reichsdienstes der 
Wissenschaft, der Präcisionstechnik und der Gewerbe hergestellt werden ; 
Prüfung und Sicherung der Gleichförmigkeit der Normalität von konstruktiven 
Hilfsmitteln und Konstruktionstheilen, welche zur Herstellung der vorstehend 
erwähnten Gegenstände für die genannten Zwecke dienen, Prüfung und Be- 
glaubigung von physikalischen Messwerkzeugen und Theilen derselben, wie sie 
im weitesten Umfange für die vorerwähnten Zwecke dienen. 

(Aus der Uentralzeitung für Mechanik und Optik 1886, Seite 119.) 



F. Sönnecken's Mauermaasse. 




Nebenstehende Figur veran- 
schaulicht ein nützliches Instru- 
ment, welches zum Abstechen von 
Mauerstärken und Dimensionen der 
Thüren- und Fensteröffnungen im 
Maassstabe 1 : 100 dient . sieb 
daher besonders zum Gebrauche 
bei Herstellung von Bauzeich- 
nungen eignet. Es besteht im 
Wesentlichen aus zwölf in zwei 
Spitzen auslaufenden Blechstück- 
chen. Vermittelst der Spitzen ist 
man im Stande, folgende LäDgen 
in genanntem Maassstabe in das 
Papier einzustechen: 0,13 m, 

0. 77 in, 1,00 m; ferner 0,80 m, 

1. Letztere 5 Maasse sind noch 



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Kleinere Mittheilungen. 



317 

durch eine mittlere Spitze in 2 Hälften getheilt, so dass bei ihrer 
Benutzung auch die Mitte eingestochen wird. Durch sämmtliche 
Blechstreifen geht ein Drehzapfen hindurch, an dessen Enden zwei 
Messingplättchen drehbar befestigt sind. Im geschlossenen Zustande 
liegen alle Blechstreifen zwischen den Plättchen und es ragen keine 
Spitzen heraus. Ueber die Genauigkeit ist nach den vom Referenten 
angestellten Versuchen Folgendes zu sagen: Es wurden die Maasse in 
das Papier eingestochen und die Entfernungen der eingestochenen 
Punkte controlirt, dabei ergab sich, dass die Maase 0,80, 0,90, 1,00, 
1,10, 1,20 um ungefähr 0,2 bis 0,3 mm zu klein waren. Diese 
Ungenauigkeit kommt in den meisten Fällen nicht in Betracht, 
auch wird sie dadurch aufgehoben, dass die Zeichenlinien eine ge- 
wisse Breite haben. Die Maasse 0,77, 0,64, 0,51, 0,38, 0,25 fänden 
sich genau, und das Maass 0,13 ist 0,2 mm zu gross. Der geschlossene 
Apparat ist 40 mm lang, 16 mm breit und 7 mm dick, so dass er 
bequem in der Westentasche getragen werden kann. 

Hannover, April 1886. 

E. Hey mann. 



Ein 300 Meter hoher Thurm. 

Bekanntlich wollen die Franzosen, als eines der Wunder der 
nächsten Pariser Weltausstellung 1889, einen eisernen Thurm von 
300 m Höhe erbauen, dessen Erfinder, der Maschinenbauer Eifiel, 
(len Handelsminister schon für seinen Plan gewonnen hat. Der 
Thurm soll ganz aus Eisen, in durchbrochener Arbeit gebaut sein 
uud auf 4 Pfeilern ruhen, deren Bogen dieThiirme von Notre-Damo 
überragen würden. Er wird nicht rund, sondern viereckig, und seine 
Kanten werden gegen die Spitzen so zusammenlaufen , dass dort 
noch ein elektrischer Pharus und eine Terrasse eingerichtet werden 
können. Die Schwankung des höchsten Punktes soll beim stärksten 
Winde 75 cm nicht überschreiten. Auf einer Plattform, die in der 
Höhe von 70 m angebracht und die Thürme von Notre-Dame um 
10 m überragen würde, wäre eine Galerie einzurichten, die zu 
einem Restaurant, Cafe oder dergleichen verwendet werden könnte. 
Ein Aufzug ginge bis an die Spitze des Thurmes. Das Gewicht 
des Riesenbaues würde 6 Millionen Kilogramm nicht übersteigen 
und dessen Kosten 5 bis 5 */» Millionen betragen , von denen Herr 
Eiffel 4 beistellen will und der Staat den Restbetrag als Subvention 
zu liefern hätte. Zur Deckung seiner Auslagen fordert der Erfinder 
das Recht, eine Eintrittsgebühr zu erheben und die Erlaubniss, den 
Thurm noch einige Zeit nach der Ausstellung stehen zu lassen. 

Abgesehen von anderen Interessen , an deren Befriedigung bei 
der Errichtung eines solchen babylonischen Thurmes gedacht wurde, 
könnte dieses Bauwerk der Wissenschaft durch Ermöglichung von 



I 



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318 Kleinere Mittheilungen. 

meteorologischen und Refractionsbeobachtungen sehr bedeutende 
Dienste leisten. 

Wenn, in passenden Abstufungen, Einrichtungen zu thermometri- 
schen, barometrischen u. s. w. Beobachtungen und zur Aufstellung 
von Höhenkreisen getroffen würden , und wenn andererseits diese 
Punkte von festen Landpunkten aus beobachtet würden, so könnte 
bei systematischer Fortsetzung der Messungen, mindestens während 
eines Jahres, über die Abnahme der Lufttemperatur mit der Höhe 
und ähnliche Fragen wahrscheinlich besserer Aufschluss erlangt 
werden, als es bisher durch Bergstationen und Luftfahrten möglich 
war. 

Da Frankreich der internationalen Vereinigung der Europäischen 
Gradmessung angehört, wird wohl zu hoffen sein, dass solche, 
bereits in das Programm des Thurmbaues aufgenommene Messungen, 
systematisch angeordnet, ausgeführt und veröffentlicht werden. 



Anzeige, 

betreffend die von der Landesaufnahme veröffentlichten Messtischblätter 
im Massstabe 1 : 25 000 der natürlichen Länge. 

Im Anschluss an die diesseitige Anzeige vom 23. Februar er. 
wird hierdurch bekannt gemacht, dass folgende Sektionen, welche 
der Aufnahme 1884 angehören, erschienen sind: 

a. vom Grossherzogthum Mecklenburg - Schwerin , bezw. von der 
Provinz Pommern : 

Nr. 588. Thelkow, 589. Tribsees, 

671. Lange, 672. Walkendorf, 

673. Gnoien, 677. Gützkow, 

758. Thürkow, 762. Daberkow, 

763. Grien, 856. Gültz ; 

b. von der Provinz Schlesien : 

Nr. 2898. Konstadt, 2900. Landsberg i. Oberschlesieu, 

2949. Bolkenhain, 3012. Freiburg i. Schlesien, 

3071. Schmiedeberg, 3131. Schömberg, 

3132. Friedland bei Waldenburg; 

c. vom Reichslande Elsass-Lothringen : 

Nr. 3651. Urbeis, 3652. Rappoltsweiler, 

3653. Gemar, 3661. Winzenheim, 

3662. Kolmar, 3668. Lautenbach. 

Der Preis einer Sektion beträgt Eine Mark. 

Der General - Kommissionsdebit ist der Simon Schropp'sclien 
Hof-Landkartenhandlung hierselbst, Charlottenstrasse Nr. 61, über- 
tragen. 

Berlin, den 15. April 1886. 

Königliche Landesaufnahme. Kartogi aphische Abtheiluug. 

(gez.) Steinhausen, 

Oberstlieutenant und Abtheilungschef. 



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Neue Schriften über Vermessungswesen. Personalnachrichten. 319 

Bayerisch-WUrttembergische Grenzregulierung. 

In Bezug auf die kurze Nachricht von Seite 251 — 252 dieser 
Zeitschrift, welche einer Zeitung entnommen war, wird uns von 
Württemberg mitgetheilt, dass dem Württembergischen Regierungs- 
kommissär Regierungsdirektor a. D. von Daniel als Techniker der 
Yermessungskommissär Bechtle des Katasterbureaus beigegeben ist. 
Ausserdem werden von Seiten Württembergs in den einzelnen Ober- 
amtsbezirken die Oberamtmänner und die Oberamtsgeometer bei- 
gezogen. 



Neue Schliffen über Vennessungswesen. 

Astronomisch-geodätische Arbeiten für die Europäische Gradmes- 
sung im Königreich Sachsen. Ausgeführt und veröffentlicht 
im Auftrag des Königlich Sächsischen Ministeriums der Fi- 
nanzen. IV. Abtheilung. Das Landesnivellement. Begonnen 
unter Leitung von J. Weisbach, weiland Professor der Mechanik 
und der Markscheidekunst an der Königlichen Bergakademie 
zu Freiberg. Vollendet und bearbeitet von A. Nagel, Professor 
der Geodäsie an dem Königlichen Polytechnikum zu Dresden. 
Mit 3 lithographirten Tafeln und 1 Holzschnitt. 1886. Druck 
und Verlag von P. Stankiewicz’ Buchdruckerei in Berlin. 

Die Nivellier- und Drainierkunde. Als Leitfaden für den Unterricht 
in Landwirtschaftlichen Lehranstalten, bearbeitet von Chr. Niel- 
sen, diplom. Ingenieur und Lehrer für Mathematik und landw. Tech- 
nik an der Landwirthschaftsschule in Varel a. d. Jade. Mit 12 
lithographirten Tafeln, gebunden Preis Mark 1.25. 



Personalnachrichten. 

Katasterinspektor Steffani aus Gumbinnen ist zum Oberkataster- 
iaspektor mit dem Range der Räthe IV. Klasse und ständigen Hilfs- 
arbeiter bei der Verwaltung der direkten Steuern im Finanzmini- 
sterium ernannt. 

Durch diese Ernennung ist zwischen dem Generaliuspektor des 
Katasters und den Katasterinspektoreu eine Zwischenstufe geschaffen, 
"'eiche bisher nicht vorhanden war. 



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320 



Vereinsangelegenheiten. Erklärung. 



Vereinsangelegenheiten. 

Brandenburgischer Geometerverein. 

Denjenigen Herren Collegen aus dem Reich, welche in diesem 
Sommer die hiesige Hauptstadt zu besuchen gedenken und dabei 
Gelegenheit nehmen wollen, dem Unterzeichneten Zweigverein näher 
zu treten, die ergebene Mittheilung, dass — ausser den geschäft- 
lichen Versammlungen, welche auf besondere Einladung des Mitt- 
wochs abgehalten werden — zwanglose Zusammenkünfte von Ver- 
einsmitgliedern jeden Sonnabend Abend im Vereinslocal 

Restaurant Königgrätzer Garten SW., Königgrätzerstrasse 111 
(schrägüber dem Anhaitisehen Bahnhof) 
stattzufinden pflegen. 

Berlin, im Juni 1886. 

Brandenburgischer Geometerverein. 



Erklärung. 

Es ist ein Zweifel geäussert worden, ob der Artikel über die 
Neuvermessung der Stadt Berlin von Klinkert, in unserer Zeitschrift, 
Heft 9 vom 1. Mai d. J. Seite 209 — 214, ein Original-Artikel oder 
ein Abdruck aus einer anderen Zeitschrift sei. 

Dieser Artikel wurde unserer Redaction am 2. Februar d. J. 
angeboten, am 7. Februar im Manuscript eingesendet, am 4. März 
dem Einsender nochmals zurückgegeben zum Zweck einer Ueber- 
arbeitung beziehungsweise Kürzung mit Bezugnahme auf den frü- 
heren Artikel in der Zeitschrift für Vermessungswesen 1881 Seite 
11 — 21 . 

Das Resultat dieser Ueberarbeitung wurde, als Manuscript für 
unsere Zeitschrift, vom Verfasser im April wieder eingeschickt, und 
im Heft vom 1. Mai nach Genehmigung des Correcturbogens seitens 
des auf Seite 214 Unterzeichneten Verfassers und Einsenders, Feld- 
messer Klinkert, abgedruckt. 

Eine Veröffentlichung, welche der Herr Verfasser Klinkert 
über denselben Gegenstand nahe zu gleicher Zeit in einer anderen 
Zeitschrift ausführte, steht hiernach mit der Veröffentlichung in 
unserer Zeitschrift in keiner Beziehung. 

Die Redaction der Zeitschrift für Vermessungswesen. 

Inhalt. 

Grössere Abhandlungen : Ein Vorschlag zur Organisation des culturteeh- 
nischen Dienstes in Preussen, von Boedder. — Entwurf zu einem Gebühren- 
tarife für geometrische Arbeiten, von Gerke. Kleinere Mitthellungen : Beseitigung 
der SS- 28—31 der Landmesserprüfungsordnung, von Nüsch und Gerke. — Die 
Beschäftigung der Kulturtechmker bei der Königlichen Geologischen Anstalt, 
von Keiyer. — Reichsinstitut für naturwissenschaftliche Forschung. — F. Sön- 
necken's Mauermaasse, von Heymann. — Ein 300 Meter hoher Thurrn, von J. 

— Anzeige, betreffend die von der Landesaufnahme veröffentlichten Messtisch- 
blätter im Maassstabe 1 : 25 000 der natürlichen Grösse. — Bayerisch-Würt- 
tembergische Grenzregulierung. Neue Schriften Uber Vermessungswesen. Pcrsonal- 
nachrichten. Vereinsangelegenheiten. Erklärung. 

Karlsruhe. Druck von Malsch Vogel, 

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. v -*». v» - t^vv k-t*' v J " * 5 r Jf* "niy' 



321 

ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN, 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppe», Steuerassessor in München, und 
B. Oerke, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1886. Heft 13. Rand XV. 

1. Juli. 



Einfache Vorrichtung zur Untersuchung der Theilungs- 
fehler von Nivellirlatten nebst Mittheilung von 
Untersuchungsresultaten. 

Um eine für Präzisionsnivellements bestimmte Nivellirlatte mit 
sorgfältiger, scharfbegrenzter Theilung auf ihre Theilungsfehler zu 
untersuchen, hat Einsender, dem ein Komparator mit verschieb- 
barer Ablesevorrichtung nicht zur Verfügung stand, eine einfache 
Vorrichtung benutzt, die in Verbindung mit einem guten, in Zenti- 
meter getheilten Normalmeter*) für den gedachten Zweck sich als 
praktisch und vollkommen ausreichend erwies, so dass eine Be- 
schreibung dieser Vorrichtung, des Ganges der Untersuchung, sowie 
der dabei gewonnenen Resultate hier am Platze sein dürfte. 

Prinzip. In der Voraussetzung, dass der systematische und der 
unregelmässige Theilungsfehler der Latte zusammen auf die Länge 
eines Meters den Betrag von 1 mm nicht übersteigen (welche Be- 
dingung eine zu Präzisionsnivellements bestimmte Latte unter allen 
Umständen erfüllen sollte), handelt es sich für die Konstruktion einer 
Vergleichsvorrichtung, sofern der zum Vergleich dienende Maass- 
stab so auf der Lattcntheilung liegend gedacht wird, dass der 
erste Theilstrich desselben grade mit einem Theilstrich der Latte 
koinzidirt, nur darum, Abweichungen entsprechender Theilstriche 
bis zum Betrage von + 1 mm mit einer Genauigkeit von etwa 
'lao mm zu messen ; voraussichtlich liess sich dies mit einem der 
Maassstabtheilung angepassten Doppelnonius von 0,1 mm Angabe 
erreichen. 



*) Der benutzte Maassstab war ein Messing-Normalmeter mit trapezför- 
migem Querschnitt von Lingke u. Co. in Freiberg und von der Normal-Aichungs- 
Commission in Berlin auf Theilungsfehler geprüft. Seine Normal-Temperatur 
ist grade bei 0°, sein Ausdehnungskoeffieient 0,000018 und die unregelmässigen 
Theilungsfehler gehen nicht über '/ 10 ° mm hinaus, so dass sie ausser Betracht 
bleiben konnten. 

ZelUctirin für VornieMnngsweseR. 188S. IS. lieft. 21 

k- 



^.rr *. 



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322 Fenner. Einfache Vorrichtung zur Untersuchung der Theilun 



Vorrichtung zur Untersuchung 

c/cr T'/ieiHuny t'vn Äire/Ur/aUe/i. 




Beschreibung der 
Vorrichtung. Dement- 
sprechend wurde ein 
Schieber konstruirt, 
welcher, wie aus Fig. 1 
hervorgeht, den hori- 
zontal liegenden , mit 
der Theilung nach oben 
gekehrten Maassstab 
mm*) hakenförmig um- 
fasst und als Ablesevor- 
richtung auf der schrä- 
gen Fläche « « eine 
Noniustheilung trägt, 
von der in Fig. la eine 
obere Ansicht gegeben 
ist. Diese Theilung hätte 
eigentlich aus 2 mal 
lOTheilungsintervallen 
von je 9,9 mm Länge 
(je 10 rechts und links 
von der Nullmarke) be- 
stehen sollen; um aber 
den Schieber möglichst 
kurz zu erhalten, sind 
beide Nonien in ein- 
ander geschoben und 
bilden so 2 identische, 
genau um 1 mm gegen 
einander verschobene 
Theilungen mit ent- 
gegenlaufender Bezif- 
ferung ; die Ablesung 
dürfte dadurch kaum 
erschwert sein, in sofern 
man es durch geeigne- 
tes Anlegen des Maass- 
stabes an die Latten- 
theilung leicht dahin 
bringen kann, dassent- 
weder ausschliesslich 
die eine oder die an- 
dere Theilung zur Ver- 
wendung kommt. 



*) In der Fig. 1 sind 
aus Versehen die Buchsta- 
ben weggeblieben. 



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y:«7TP«*n oft» 




I 



von Nivellirlatten nebst Mittheilung von Untersuchungsresultaten. 323 

Die Einstellvorrichtung für die Lattenstriche besteht aus 2 im 
Abstand von 1 mm parallel neben einander und genau senkrecht 
zur Schieberkante gespannten Pferdehaaren ff, welche sich in der 
unteren Fläche eines Rahmens r r befinden, der durch einen recht- 
winklig umgebogenen Arm a a mit dem Schieberende verbunden 
ist und sich mit ganz wenig Spielraum über die Ebene der Latten- 
theilung hinbewegt. Die Länge der Fäden f f ist 20 mm und der 
Abstand der Fadenmitte vom Nullstrich der Noniustheilung 10 mm. 
Eine zweite ebensolche Einstellmarke ist am andern Schieberende 
angebracht, um bequem in beiderlei Richtung die Untersuchung 
vornehmen und die ganze Maassstablänge ausnützen zu können, 
ohne den Schieber über das Maassstabende hinauszuschieben. Für 
letzteren Fall ist es noth wendig, den genauen Abstand der Einstell- 
marken von einander, der 120 mm betragen soll, zu kennen; man 
ermittelt ihn einfach durch wiederholtes Einstellen einer scharfen 
Linie mit beiden Marken und Ablesen der Verschiebung am Maass- 
stabe mit Benutzung des Nonius. 

Gang der Untersuchung. Der Maassstab m m (Fig. la) wird 
parallel der Mittellinie tt der Theilung auf die horizontal liegende 
Nivellirlatte gelegt, derart, dass die Theilstriche des Maassstabes 
und der Latte sich ungefähr gegenüberstehen und zugleich die 
Einstellvorrichtungen ebensoviel von einem weissen, als von dem 
gegenüberstehenden rothen Zentimeterfelde sichtbar werden lassen, 
so etwa wie es Fig. 1 a darstellt. An einem Fues's’schen Thermo- 
meter mit kupfernem Leitungsstück*), das man auf den Maassstab 
gelegt hat, wird hierauf wiederholt abgelesen und, sobald dasselbe 
konstante Temperatur zeigt, mit den Einstellungen und Ablesungen 
begonnen. Die äussersten 5 oder 10 Theilstriche wird man weg- 
lassen, von hier ah aber jeden Theilstrich zwischen die Fäden ff 
einstellen und am Nonius ablesen, bis, etwa beim 90sten Theilstrich, 
der Schieber am Ende des Maassstahs angelangt ist. 

Da der mit Papier unterlegte Schieber leicht gleitet und der Maass- 
stab ein beträchtliches Gewicht besitzt, so ist eine Verrückung des letz- 
teren während der Beobachtungen kaum zu befürchten; trotzdem wird 
man sich hierüber Gewissheit verschaffen, indem man die ersten 5 oder 
10 Einstellungen wiederholt und die Summen bezw. Mittel dieser Ab- 
lesungen vergleicht. Auch wird man etwa nach je 30 Einstellungen die 
Maassstabtemperatur notiren und, wenn die grösste Differenz nicht 
mehr als ungefähr 1° beträgt, das Mittel der 4 Ablesungen als 
Maassstabtemperatur der Stablage I betrachten. 

Nunmehr muss der Maassstab um seine Länge verschoben und 
wieder in die oben beschriebene Lage zur Latte gebracht werden. 
Um das Maass der Verschiebung (abgesehen von der nicht inter- 
essirenden Anzahl der ganzen Zentimeter) festzustellen, lässt man 
die beiden Stablagen I und II etwa 10 bis 15 cm übereinandergrei- 



*) Wie solche bei den Nivellements der preussischen Landesaufnahme zu 
den täglichen Lattenvergleichungen verwendet werden. 

21 . 

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viv. . . 



324 Fenner. Einfache Vorrichtung zur Untersuchung der Theilungsfehler 

fen, so dass die Ablesungen der letzten 10 oder 15 Theilstriche der 
Lage I in Lage II wiederholt werden können. Das arithmetische 
Mittel der so erhaltenen 10 bis 15 Differenzen ist die Verschie- 
bung des Maassstabs und die nach Hinzufügung dieser Verschie- 
bungsgrösse übrig bleibenden Differenzen geben im Verein mit den 
Differenzen der Doppelablesungen zur Kontrolle der unverrückten 
Lage (vgl. S. 323 u.) ein Maass für die Genauigkeit der Einstel- 
lung und Ablesung eines einzelnen Theilstrichs. 

Auf diese Weise haben wir aus einer sehr grossen Anzahl von 
Doppelablesungen den mittleren Einstellungs- und Ablesungsfehler 
zu + 0,02 mm 

gefunden, ein über Erwarten kleiner Betrag, welcher einerseits be- 
weist, dass die Theilstriche der untersuchten Latte ausserordentlich 
scharf gezogen sind, und andererseits, dass die von uns benutzte 
Vergleichsvorrichtung hinsichtlich der Genauigkeit ihren Zweck 
vollkommen erfüllt. Es lässt sich sogar vermuthen, dass die Ein- 
stellung der Striche mittelst eines auf dem Komparator verschieb- 
baren Mikroskops oder einer ähnlichen stark vergrössernden Vor- 
richtung, welche die Striche sehr zackig und zudem nur einen 
kleinen Theil derselben im Gesichtsfeld erscheinen lassen würde, 
nicht so sicher geschehen könnte, als es hiernach mit freiem Auge 
der Fall ist. 

Mit 4 Stablagen wird man in der beschriebenen Weise sämmt- 
liche Theilstriche einer 3 Meter langen Nivellirlatte auf ihre 
Fehler prüfen können. Um aber die Theilungsfehler der ganzen 
Latte im Zusammenhang darstellen zu können, wird man die Ab- 
lesungen bei den verschiedenen Stablagen durch Addition einer, 
wie oben geschildert, ermittelten Jf eduktionskonstanten, successive 
auf die gleiche (am besten eine mittlere) Stablage reduziren müssen. 
Zuvor ist sämmtlichen Ablesungen eine dem Abstand des be- 
treffenden Theilstrichs vom Anfangsstrich der Stablage und ihrer 
mittleren Temperatur entsprechende Temperaturkorrektion hinzu- 
zufügen. 

Diese Reduktion der Ablesungen wurde in einem Schema vor- 
genommen, von dem wir nachstehend einen Abriss mittheilen: 

(Tabelle siehe folgende Seite.) 

Die Einheit ist hier das Zehntel-Millimeter = der Noniusan- 
gabe, die Hundertel sind geschätzt ; II resp. III bedeuten die zweite 
resp. dritte Stablage, von denen erstere die Theilstriche 75 bis 169, 
letztere die von 157 bis 240 umfasst und deren mittlere Tempe- 
ratur 22,0° resp. 21,6° betrug. Hiermit berechnet sich die Tein- 
peraturkorrektion C z. B. für den IG 5s ten Theilstrich nach der 
ohne weiteres verständlichen Formel : 

Ci = 100 (165 — 75) 22,0 x 0,000018 = 3,5 Einh. 
in der Stablage II und 



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von Nivellirlatten nebst Mittheilung von Untersuchungsresultaten. 325 



1 + 
OB 

’S 

rC 

. 


1 

Ab- 

leeg. 

11 


Temp.- 
Korr. 
f. 22,0° 

c. 


II 

+ G, 


Ab- 

lesg. 

III 


Temp.- 
Korr. 
f. 21,6° 

c. 


- 
+ C, 


in 

+ C, 
+ K a 


s 


dd 

i 


1 l 1 

1 154+ 2,0 


+ 3,1 


+ 5,1 














1 55 1,6 


3,1 


4,7 














56 


2,0 


3,1 


5,1 














! 67 


1,6 


3,2 


4,8,!+ 2,8 


+ 0,0 


+ 2,8 


-r5,l 


+ 0.3 


0,09 


. 58 


1,6 


3,2 


4,8 


2.0 


0,1 


2,1 


4,4 


— 0.4 


16 


59 


1,8 


3,2 


5.0 


2,9 


0,1 


3,0 


5,3 


+ 0,3 


9 


160 


1,4 


3,3 


4.7 


2,2 


0,1 


2,3 


4,6 


— 0.1 


1 


61 


2,1 


3,3 


5,4j 


3,3 


0,2 


3,5 


5.8 


+ 0,4 


16 


62 


1,5 


3.4 


4,9, 


2,6 


0,2 


2,8 


5,1 


+ 0,2 


4 


; 63 


1,7 


3,4 


5,1 


2.4 


0,3 


2,7 


5.0 


— 0,1 


1 


64 


1,6 


3,4 


5,0 


2.0 


0,3 


2,3 


4,6 


-0,4 


16 


65 


1,4 


3,5 


4,9! 


2.5 


0,3 


2,8 


5,1 


+ 0.2 


4 


66 


1,7, 


3,5 


5,2 


2.5 


0,4 


2,9 


5,2 


+ o,o 


0 


67 


l,2j 


3,6 




2,2 


0,4 


2.6 


4,9 


+ 0.1 


1 


681 


1,6! 


3,6 


5,2| 


2,3 


0,4 


2,7 


5,0 


— 0,2 


4 


j 69 


1,2 


3,6 


4,8 


1.9 


0,5 


2,4 


4.7 


— 0,1 


1 



+ 64, 61 +34,91+64,81 

+ 34,9 jj 13x2,3= +29,9 ] 

+ 29,7 Probe + 64,8; 

A' ä = — = + 2,3 



+ 0,2 



0,82 



V 2X12 ' ’ 



170' 




+ 1,8 


+ 0,5 


+ 2,3 


711 




2,1 


0,51 


2,6 


7 1 




2,0 


0,6 


2,6 



+ 4.6: 
4,9| 
4,9 



C 3 = 100(165— 157)21,6X0,000018 = 0,3 Einh. 
in der Stablage III. 

K 3 ist die Reduktionskonstante zur Reduktion der Ablesungen 
111 auf II und hier aus den 13 Doppelablesungen 157 bis 169 zu 
+ 2,3 ermittelt, ö bedeutet die nach Anbringung der Konstanten 
K 3 übrig gebliebene Differenz gegen II. 

8 = (III + C») + Äs — (II + C t ). 

Aus der Quadratsumme dieser wenigen S ergibt sich hier als 
mittlere Differenz einer Doppelablesung 



“ 1 ' 



l/j),S2_ 

» 13—1 



•>nd als mittlerer Fehler einer einzelnen Einstellung und Ablesung 



m — + j/^r ■ 1 7 2 = + 0,2 Einh., 



welcher Werth, wie schon erwähnt, ebenso aus allen S zusammen 
folgte. 

Es mag noch bemerkt werden, dass die Reduktionskonstante 
+r Stablage IV naturgemäss sich zusammensetzt aus der Verschie- 
bungsgrösse K t der Lage IV gegen III und der oben ermittelten 



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• « .• Vf rr, 




von Nivellirlatten nebst Mittheilung von Untersuchungsresultaten. 327 

Konstanten K a , welche das Maass der Verschiebung von III gegen 
II vorstellt. 

Graphische Darstellung. Trägt man auf einer Geraden in geeig- 
netem Maassstabe die Werthe der Theilstriche als Abscissen und die 
zugehörigen reduzirten Ablesungen der Kolumne 4 bezw. 8 unseres 
Schemas als Ordinaten auf, wie dies in nebenstehenden Fig. 2 und 3 
geschehen ist, so erhält man in der Gesammtheit der aufgetragenen 
Punkte, sofern sie sich als eine in ziemlich gleicher Breite verlau- 
fende Zone darstellt, bereits ein anschauliches Bild über den all- 
gemeinen Verlauf des systematischen oder regelmässigen Theilungs- 
fehlers.*) Man wird daraus erkennen, ob etwa, bei sonst stetigem 
Verlauf des Theilungsfehlers, an der einen oder andern Stelle ein 
deutlicher Sprung wahrzunehmen ist, und darnach zunächst ent- 
scheiden, ob man dem regelmässigen Theilungsfehler ein für die 
ganze Theilung gültiges Bildungsgesetz unterstellen darf, oder etwa 
deren verschiedene, nur für bestimmte Strichintervalle gültige anzu- 
nehmen habe. Wenn irgend thunlich wird man die einfachste An- 
nahme machen, der regelmässige Theilungsfehler wachse proportio- 
nal dem Abstande des Theilstrichs vom Anfangsstrich bezw. bei 
Sprüngen von der Sprungstelle an gerechnet. Man wird also ver- 
suchen (vergl. Fig. 2 und 3, welche sich auf die Theilungen der 
Vorder- und Rückseite einer 3 Meter langen, von 0 bis 300 und 
von 309 bis 009 bezifferten Nivellirlatte beziehen), durch die Punkt- 
zone nach Augenmaass eine Gerade so hindurch zu legen, dass 
die Summe aller Abweichungen rechts und links gleich gross wird, 
oder besser, man wird nach der Methode der kleinsten Quadrate 
eine Gerade einrechnen, welche die Bedingung 
[44] ein Minimum 

erfüllt. Unter d ist die Differenz zwischen Punkt- und Geradenordi- 
nate zu verstehen ; erstere repräsentirt den Gesammttheilungsfehler, 
letztere dessen regelmässigen Theil bei der gemachten Hypothese 
und somit die Differenz 4 den unregelmässigen oder zufälligen 
Theilungsfehler. **) 



*) Den regelmässigen Theilungsfehler hat, man sich dadurch entstanden 
zu denken, dass der zur Theilung der Nivellirlatte benutzte Maassstab, wäh- 
rend die Theilung vorgenommen wurde, eine von seiner Normaltemperatur 
abweichende, vielleicht stetig sich ändernde Temperatur besass, und ferner 
durch ein gleichmässiges Schwinden oder Ausdehnen des Holzes der Nivellir- 
latte in Folge wechselnder Luftfeuchtigkeit in der Zeit zwischen Anfertigung und 
Untersuchung der Theilung. Wurde beim Theilen die Arbeit unterbrochen 
und bei anderer Maassstabtemperatur fortgesetzt, so wird sich dies als Sprung 
im Verlauf und in einer Aenderung der relativen Grösse des regelmässigen 
Theilungsfehlers zu erkennen geben. 

**) Die aufgetragenen Ablesungen stellen allerdings nicht unmittelbar den 
Gesammttheilungsfehler dar, sondern erst nach Abzug einer Konstanten, was 
graphisch geschieht, indem man die Abscissenlinie parallel verschiebt, bis die 
interpolirte Gerade durch den Anfangspunkt geht, d. h. der regelmässige 
Theilungsfehler des Anfangsstrichs Null ist. Die Fig. 2 und 3 zeigen, dass auf 
der Vorderseite 0,09, auf der Rückseite 0,02 mm abzuziehen ist. 



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328 Fenner. Einfache Vorrichtung zur Untersuchung der Theilungsfehler 

Auf solche Weise gelangten wir bei der von uns untersuchten 
Nivellirlatte zu folgenden Resultaten: 

I. Vorderseite. 

a. Annahme eines linearen Ausdruclcs für den regelmässigen 
Theilungsfehler pi r , gültig vom Theilstrich 0 bis 300: 

u r = 0,000167 a, 

a = Abstand des betreffenden Theilstrichs vom Aufangsstrich ; 
mittlerer zufälliger Theilungsfehler 




und, wenn Ja die abgelesene, J h die vom regelmässigen Thei- 
lungsfehler befreite Höhendifferenz bedeutet, - 

J h = 1,000167 */a^0,08mm, 

indem Ja zwei zufällige Theilungsfehler anhaften. 

b. Die Annahme eines quadratischen Ausdruclcs für den regel- 
mässigen Theilungsfehler scheint auf den ersten Blick etwa zwischen 
den Theilstrichen 65 und 235 geboten; in der That passt sich ein 
solcher den Beobachtungen so gut an (vergl. die strichpunktirten 
Linien der Fig. 2 und 3), dass der mittlere zufällige Theilungsfehler 
ftt dadurch auf 

+ 0,03 mm 

herabgedrückt wird. Indessen hat ja schon bei Annahme a. dieser 
Fehler einen so geringen Betrag und ist andererseits die Reduktion 
der abgeleseuen Höhendifferenz dort eine so viel einfachere, dass 
wir darauf verzichten, Annahme b. weiter zu verfolgen. 

II. Rückseite. 

Hier lässt die graphische Darstellung der Beobachtungen keinen 
Zweifel, dass der regelmässige Theilungsfehler durch eine lineare 
Funktion des Abstandes vom Anlängsstrich vollkommen ausreichend 
zum Ausdruck gebracht werden könne. 

Mit dieser Annahme ergaben sich folgende Resultate, gültig 
vom Theilstrich 315 bis 590: 

= 0,000312 a 
(*, =+0,05 mm 
J h = 1 ,00031 2 J u + 0,07 mm 

wo die Bezeichnungen genau dieselbe Bedeutung wie unter I. haben. 

Ueberblicken wir nun vorstehende, in den Fig. 2 und 3 dar- 
gestellten Resultate, so erkennen wir zunächst an dem geringen 
Betrage des Mittelwerths und der Grenzwerthe des zufälligen Thei- 
lungsfehlers, welche '/so mm beziehungsweise '/ 10 mm kaum über- 
steigen, dass bei Herstellung der untersuchten Theilungen, die von 
Hand geschah, mit grosser Sorgfalt verfahren wurde.*! Dennoch 

*) Wir bemerken, (lass die im Folgenden auf Grund der vorliegenden Un- 
tersuchung gezogenen Schlüsse bei Theilungen, die mit der Theilinaschine lier- 



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HWV 



Untersuchungsresultaten. 329 

sehen wir ein sehr verschiedenes Verhalten des Theilungsfehlers 
auf beiden Lattenseiten uud zwar nicht nur im einzelnen, sondern 
auch im grossen ganzen, denn wir fanden als mittleren regelmässigen 
Theilungsfehler auf der Rückseite fast das Doppelte wie auf der 
Vorderseite. Dies ist nur dadurch möglich, dass gerade an den 
Latten enden verhältnissmässig erhebliche Unstetigkeiten im Verlauf 
des Theilungsfehlers auftreten, die aber auf seinen Mittelwerth 
kaum einen Einfluss haben, so z. B. auf der Rückseite, etwa 2 dm 
vom oberen Ende entfernt, ein Sprung von ungefähr 0,2 mm. 

Hieraus aber müssen wir erstens schliessen, dass man nicht 
ohne weiteres berechtigt ist, für beide Theilungen einer Doppellatte 
denselben Reduktionsfaktor zur Elimination des regelmässigen Thei- 
lungsfehlers anzuwenden und zweitens, dass der Werth dieses Re- 
duktionsfaktors unter Umständen entschieden unrichtig erhalten 
wird, wenn man denselben einfach aus der ganzen Lattenlänge, 
beziehungsweise aus dem Abstand zweier an den Lattenenden an- 
gebrachten Strichmarken ermittelt. Näher wird man der Wahrheit 
schon kommen, wenn man noch eine dritte in der Mitte der Thei- 
lung befindliche Marke zum Vergleich benutzt und die beiden äus- 
seren Marken in 0,5 Meter Abstand von den Enden anbringt ; allein 
ein deutliches Bild von dem Verlauf des regelmässigen Theilungs- 
fehlers und namentlich von der Genauigkeit des zur Reduktion der 
abgelesenen Höhendifferenzen angewandten Mittelwerthes wird man 
nur dann gewinnen, wenn man systematisch die einzelnen Theil- 
striche der Latte in ähnlicher wie in der von uns geschilderten Weise 
untersucht und graphisch die Resultate darstellt. 

Um zu zeigen, welchen Werth es hat, nicht nur den mittleren 
regelmässigen Theilungsfehler für die ganze Lattenlänge, sondern 
auch für beliebige kleinere Intervalle zu kennen, wollen wir uns 
denken, dass mit der vorliegenden Latte auf einer Ebene von kon- 
stanter Neigung 1 : 100 (etwa auf dem Geleise einer Gebirgsbahn) 
mit Zielweiten von 50 Meter aufwärts nivellirt würde. Bei etwa 
1,4 m Instrumenthöhe werden dann rückwärts alle Ablesungen 
zwischen die Theilstriche 190 bis 200, vorwärts zwischen 90 und 
100 fallen, bei umgedrehter Latte rückwärts zwischen 500 und 
510, vorwärts zwischen 400 und 410. 

Für diese speziellen Intervalle aber sind, wie unsre graphische 
Darstellung zeigt, die systematischen Theilungsfehler pro Längen- 
einheit 

0,0001 1 und 0,00030. 

Würde man nun statt mit diesen wahren Werthen die ge- 
sammte nivellirte Höhe , welche 500 Meter betragen mag , mit 




gestellt sind, mehr oder weniger unzutreffend sein werden, insofern sich an- 
nehmen lässt, dass der regelmässige Theilungsfehler dann weit genauer pro- 
portional dem Intervall wachsen wird und hei einer Doppeltheilung die beiden 
Mittelwerthe desselben nur unerheblich verschieden sein werden. Zur Unter- 
suchung einer solchen Latte hatte Verfasser bisher keine Gelegenheit. 




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330 Fenner. Einfache Vorrichtung zur Untersuchung der Theilungsfehler 

den mittleren Reduktionsfaktoren 1,00017 und 1,00031 korrigiren, 
so würde jedem der beiden als unabhängig zu betrachtenden Ni- 
vellements mit der Vorder- beziehungsweise Rückseite der Latte, 
abgesehen von allen andern Fehlern, noch ein konstanter Fehler 
von etwa 25 mm, aber mit entgegengesetzten Vorzeichen anhaften. 
Ist dieser Fehler an sich auch nicht sehr bedeutend im Verhält- 
niss zur Gesammthühendifferenz, so weichen doch schon allein aus 
diesem Grunde die beiden Nivellementsergebnisse um etwa 50 mm 
von einander ab und mindestens wird desshalb der aus der Differenz 
beider Nivellements auf ihre Genauigkeit beziehungsweise auf die 
Grösse des mittleren zufälligen Nivellementsfehlers gezogene Schluss 
ein ganz unrichtiger sein müssen. 

Würde aber die Reduktion beider Nivellements mit demselben 
Faktor (gleichviel mit welchem) geschehen, wie man anders nicht 
verfahren kann, wenn derselbe lediglich aus dem Vergleich der Ab- 
stände von Strichmarken ermittelt wird, so müssten die beiden 
Nivellementsergebnisse allein in Folge ungenügender Elimination 
des regelmässigen Theilungsfehlers, um 125 mm differiren. 

Zweifellos dürfte hiermit die Nothwendigkeit dargelegt sein, bei 
Doppellatten für beide Theilungen besondere Reduktionsfaktoren 
festzustellen. 

Um schliesslich in Kürze noch die Frage zu berühren, ob eine 
solche Untersuchung, welche selbstredend ihrer Umständlichkeit 
wegen nicht häufig vorgenommen werden kann*), neben ihrer 
Bedeutung zur Erkennung der Fehlerverhältnisse einer Nivellirlatte 
im allgemeinen und im einzelnen , auch einen bleibenden und 
praktisch weiter auszunützenden Werth habe, so wird dies davon 
abhängig und erst durch Versuche festzustellen sein, ob sich die 
Fehlerverhältnisse während des Gebrauchs der Latte nur so 
ändern, dass das in der graphischen Darstellung gewonnene Bild 
Aehnlichkeit behält oder nicht. Ist dies der Fall, so lässt sich 
annehmen, dass die mittleren Theilungsfehler beliebiger Intervalle 
ihr Verhältniss zu dem mittleren Gesammttheilungsfehler , wie er 
aus dem Abstand von Strichmarken ermittelt wird, nicht ändern 
und aus dem letzteren jederzeit abgeleitet werden können. 
Praktisch würde dann die eingehende Untersuchung der Latte 
(vielleicht auch nur jedes zweiten oder dritten Theilstrichs) vor Be- 
ginn und nach Beendigung eines längeren Nivellements genügen, 
um das Verhältniss der Längeneinheit beliebiger Strichintervalle 
zu dem Abstand der Strichmarken festzustellen, aus dem täglichen 
Vergleich des letzteren während des Nivellements aber würden die 
Daten gewonnen, um die Aenderung der einzelnen Reduktionsfak- 
toren von Tag zu Tag zu bestimmen. 

Wir begnügen uns in dieser Beziehung vorläufig mit den gemachten 
Andeutungen, fügen aber noch die graphische Darstellung der Re- 

*) Die Untersuchung von 300 Theilstrichen erfordert wenigstens einen 
Zeitaufwand von 4 bis 5 Stunden und ebensoviel die Reduktion der Beob- 
achtungen und Berechnung eines mittleren Theilungsfehlers. 



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332 



Jordan. Zur Theorie der Polygonzüge. 



sultate einer zweiten Untersuchung derselben Theilungen bei, welche 
etwa 8 Monate später als die erste stattfand, nachdem die Latte 
zuvor etwa 10 Tage laug in einem feuchten Keller aufbewahrt wor- 
den war. (Fig. 4 und 5.) Der Vergleich mit dem früheren Ergeb- 
nis spricht entschieden für die Annahme, dass die Längenände- 
rung der Nivellirlatte, wenigstens in ihren mittleren Theilen, ganz 
gleichmässig erfolgte; manche andre Bemerkung wird sich dem 
Leser von selbst aufdrängen, so z. B. das etwas unregelmässige 
Verhalten des unteren Lattenendes (0 bis 30) , sowie die genaue 
Uebereinstimmung einzelner Sprungsstellen u. a. m. 



Aachen, den 3. März 1886. 



P. Fenner. 



Zur Theorie der Polygonzüge. 



Im Anschluss an einige frühere Betrachtungen über die Aus- 
gleichung eines gestreckten gleichseitigen Zuges (Zeitschrift 1884, 
S. 197 — 203 und S. 229 — 238) wollen wir noch die praktische Aus- 
gleichung eines solchen nahezu gradlinig-gleichseitigen Zuges be- 
handeln, mit Rücksicht auf Winkelfehler und Längenfehler. 

Nachdem der Winkel- beziehungsweise Azimut-Widerspruch des 
Zuges gleichförmig auf alle Winkel vertheilt ist, und nachdem die 
Coordinatenberechnung des Zuges mit den erstmals verbesserten 
Winkeln auf Coordinate!) widerspräche geführt hat, müssen zweite 
Verbesserungen t' der Winkel bestimmt werden nach den Formeln: 



!)] — l/j 



V % tty li 2 

(6*) Jfr, — 1F" = 0 



«V ! 



; h r h% 



(s. S. 203), also: 






V '~(bb) W " 



v, = ^W 



m 



°'-m w 



( 2 ) 



wo W" der nach der ersten (Winkel-) Ausgleichung noch zu ver- 
theilende lineare Querwiderspruch ist, und die Coefficienten b bei tt 
Zugspunkten (Anfangspunkt (1), Endpunkt (»), also n — 1 Strecken) 
nach Seite 232, Zeitschrift 1884, folgende Bedeutungen haben : 



i «—1 
bi=-2~s 



j n — o 
=— TT— S 



b r 



-2r + l 



(2) 



Da die Azimut-Correctiouen du die Summen der vorhergehenden 
Winkelcorrectionen v sind, so bekommt man für das Azimut u r der 
rten-Strecke : 



W 



ÖUr — »1 + t>t 4 b iv = (6, + b t -f- . . . -f- br ) s 



( 3 ) 



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■ 



Jordan. Zur Theorie der Polygonzüge. 



333 



Die b bilden nach (2) eine einfache arithmetische Reihe, deren 
Summe bekanntlich erhalten wird : 



b r = (b t + b r ) y 




n - 2 r -f 1 



)H- 



- r) l 



(4) 



Die Summe ( bb ) ist nach Seite 232 und 233 für gerades und 
ungerades n, wenn die Streckenlänge, welche dort s== 1 gesetzt 



ist, wieder zugesetzt wird : 




(66) = ( w - 1 ) i b / n + 1 ) s s 

1 u 


(5) 


Man hat also jetzt aus (3), (4) und (5) : 




6(n — r)r W" 
<Ur ~(n—l)(n+l) ns 


(6) 



Diese Formel ist insofern sehr anschaulich, als das Produkt 
(» — r)r im Zähler proportional dem mittleren Fehlerquadrat des 
Azimutes nach der ersten Ausgleichung ist. (Siehe Zeitschrift für 
Verm. 1876, Seite 177 und 178 und Handbuch d. Verm. I. Seite 
295, wo nn' dem Produkt (n — r) r in (6) entspricht.) 

Die Azimutformel (6) führt auch zu den linearen Quercor- 
rectionen : 



q x =si)ui i/j, = S(iu l -f- sdui q r = s (dßj -f- d«* -j Su r ) (7) 



Statt nun die hiezu nötigen Summirungen nach der allgemeinen 
Formel (33) Seite 232 (1884 der Zeitschrift) vorzunehmen, wollen 
wir uns erlauben, anzunehmen, es sei die Zahl n der Zugpunkte 
einigermassen gross, und dann kann man mit ganz guter Annähe- 
rung die algebraische Summirung durch bequemere Integration 
ersetzen. Wir schreiben in solcher Annäherung statt (6): 



8u r 



6 (n — r)r W" 
»i 3 s 



(7) 



Sa -[ ' 



6 W" (nr £ 
SU 3 



( nr‘ r 3 \ 

T ~ 3/ 



3a t + 3a t + 8u r — / öu r dr = 
also nach (7): 



( 8 ) 



Dieses ist die Gleichung der Curve A B" auf Seite 237 Zeit- 
schrift 1884. Wir wollen nun bestimmen, um wie viel äussersten 
Falls diese Curve von der Geraden A B" abweicht. Diese Gerade, 
welche der Proportionalvertheilung von W" entspricht, hat die 
Gleichung 

q' = -W" (9) 

1 11 



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334 



Jordan. Zur Theorie der Polygonzüge. 



Um die Differenz zwischen 
zur Abkürzung: 



(8) und 9) zu bilden, setzen wir 



-=Z 

n 



( 10 ) 



d. h. es ist l die relative Länge vom Anfang des Zuges bis zu dem 
rten Punkt. Damit ist: 

q- q ' = $li — 2l* — t)W' (11) 

Dieses erreicht sein Maximum, wenn 

6 + Vu 



0 = 6 Z — 6Z- — 1, Z=--= 



dieses gibt 
und 



12 



Z = 0,789 oder Z = 0,211 



(2 — 2%« — + 0,096 W" oder — 0,096 W" (12) 

Wenn man also an Stelle der Curve eine Gerade setzt, so be- 
geht man einen Fehler von höchstens etwa 0,1 W". 

Mit der Abkürzung (10) haben wir nun folgende Vergleichung: 

Abstand vom Anfang Ordinate der Curve Ordinate der Geraden 



des Zuges 


q — (3Z 2 — 2Z 3 ) W" 


q' = l W" \ 


Z = 0,00 


q = o 


2’=0 i 


Z = 0,25 


g = 0,156 W" 


=0,25 W”[ 


Z = 0,50 


2 = 0,500 W" 


2' = 0,50 TF"i 


Z = 0,75 


q = 0,844 W" 


2' = 0,75 W'\ 


Z = 1,00 


2=1,000 W 


2' =1,00 W'J 



Dieses führt zu folgender graphischer Ausgleichung nach Figur 1. 



♦ X 




BB =0,15 IT" CC = 0,50 W" DD' - 0,85 TF" 
B'B" = 0,25 IT' C'C"= 0,50TT D'D" =0,85 TT' 



Ein nahezu geradlinig gleichseitiger Zug erstreckt sich von A 
nach E, und gibt nach der ersten Winkelausgleichung die Coordi- 
natenwidersprüche W v und TF, . Diese trägt man in verzerrtem 



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Neue Schriften über Vermessungswesen. 



335 



grossem Maassstab von E nach E x und von E x nach E" auf, und 
erhält damit die Punktverschiebung EE". 

Durch Projectionen rechtwinklig und parallel zur Haupter- 
streckung AE des Zuges zerlegt man EE" in seine Componenten 
EE'= W" und E'E"=W. 

Nun theilt man AE in vier gleiche Theile, errichtet in den 
Theilpunkten BC und D die Ordinaten BB', CC, DD' und con- 
struct nach (13) mit Abrundung auf 0,05: 

B B' = 0,15 W" G C = 0,50 W" D D' =0,85 W" 

B' B" = 0,25 W CC" = 0,50 W D' D" = 0,75 W 
wie auch bei der Figur 1. selbst beigeschrieben wurde. 

Damit hat man genügende Anhaltspunkte, um die Ausgleichungs- 
curve A B" C D" E" zn zeichnen. 

Für jeden Punkt kann man nun auch die Coordinatencorrec- 
tionen aus der Figur entnehmen, z. B. D D x als y-Correction und 
D x D" als ar-Correction von D. 

Wenn nun allerdings der Zug nicht genau auf A E selbst liegt, 
sondern Abweichungen macht, so kann man die Construktion nur 
als Näherung und mittelbar brauchen. 

Immerhin kann man aber für jeden Zug, der nur wenigstens 
im Grossen und Ganzen die Erstreckung von A nach E hat, in 
der Mitte die Correctionen für C, im ersten und letzten Viertel 
die Correctionen für B, beziehungsweise D benützen, und da- 
zwischen gleichförmig oder nach Gutdünken ausgleichen. 

Jordan. 



Neue Schriften über Vermessungswesen. 

Barometrische Höhentafeln von Dr. W. Jordan, Professor an der 
Technischen Hochschule zu Hannover. Zweite bis 35° erweiterte 
Auflage. Stuttgart. Verlag der J. B. Metzler’sclieu Buchhand- 
lung. 1886. Preis 2.50 Mark. 

Alphabetisches Verzeichniss der durch das Königl. Sachs. Landes- 
nivellement bestimmten Höhen mit 1 Netzkarte. Berlin 1886. 
Druck und Verlag von P. Stankiewicz, Buchdruckerei in Ber- 
lin. 48 Seiten kl. 4°. 

Ing. Paolo Pizzetti, La Determinazione degli Azimut metodi per 
l’orientamento cogli strumenti geodetici e topografici. Con 26 
figure intercalate nel testo. Torino, Erraanno Loescher, Via di 
Po, 19, Roma, Via del Corso, 307, Firenze, ViaTornabuoni,20.1886. 

Auszug aus den Nivellements der trigonometrischen Abtheilung der 
Landesaufnahme, I. und II. Heft. Bearbeitet von dem Bureau 
des Centraldirectoriums der Vermessungen. Berlin. Mittleres Sohn, 
Kochstrasse 69—70. (Amtliche Ausgabe für den Gebrauch 
der Praktiker.) 



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336 Gesetze u. Verordnungen. Personalnaehrichten. Vereinsangelegenheiten. 



Gesetze und Verordnungen. 

Meteorologisches Institut zu Berlin. 

Durch Allerhöchsten Erlass vom 5. Mai 18S6 ist das Meteoro- 
logische Institut zu Berlin aus dem Ressort des Ministeriums des 
Innern in dasjenige des Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- 
und Medicinal-Angelegenheiten überwiesen worden. 



Personalnachrichten. 

In gleicher Diensteigenschaft sind versetzt die Katasterkon- 
troleure Conrad von Hachenburg nach Hagen i. W., Scharffenroth 
von Plön nach Schlimm, Ulrichs von Aurich nach Emden, Hamann 
von Küstrin nach Aurich, die Steuerinspektoren Ristow von Schrimm 
nach Gardelegen und Merkel von Hagen i. W. nach Rüstow. 

Die Katasterassistenten Loebel in Posen und Leinweber in 
Wiesbaden sind zu Katasterkontroleuren in Hachenburg bezw. 
Höchst a. M. befördert worden. 



Vereinsangelegenheiten. 

Neue Mitglieder. 

Nr. 2314. Vonschott, Wilh. Anton, Regierungslandmesser, Cassel. 

> 2315. Mühmler, Max, Regierungslandmesser, Cassel. 

> 2316. Simm en, H., verpflichteter Geometer, Annaberg, Sachsen. 

> 2317. Lindner, Josef, Geometerassistent, Tirschenreuth, Bay. 

> 2318. Krakau, Landmesser, Stettin. 

> 2319. Schmid, Ernst, Landmesser, Stettin. 

> 2320. Friedl, Max, Vermessungsingenieur, München. 

> 2321. Wannack, Hugo, Landmesser, Thorn in Westpreussen. 

> 2322. Mumm, Senator, Vermessungsingenieur, Sternberg in 

Mecklenburg. 

> 2323. Toll n er, R., Landmesser und Culturtechniker, Berlin. 



Inhalt. 



Grössere Abhandlungen : Einfache Vorrichtung zur Untersuchung der Thei- 
lungsfehler von Nivellirlatten nebst Mittheilung von Untersuchungsresultaten, 
von Fenner. — Zur Theorie der Polygonzüge, von Jordan. Neue Schriften über 
Vermessungswesen. Gesetze und Verordnungen. Personalnachrichten. Vereinsangelegen- 
heiten. 



Karlsruhe. Druck von Malsch dt Vogel. 



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i 




337 



ZEITSCHRIFT for VERMESSUNBSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppe», Steuerassessor in München, und 
II. Oerke, VermeBSungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herausgegeben von Dr. W. Jordan, Professor in Hannover. 

1886. Hellt 14. Band XV. 

15. Juli. 



Ueber die Hülfsmittel der Tachymetrie, insbesondere 
über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 

Von Carl Wagner, Ingenieur zu Wiesbaden. 

Die Entfernungsmessungen mit sogen. Reichen bach’schem Distanz- 
messer (zwei feststehende parallele Ocularfäden) zerfallen bekannt- 
lich hinsichtlich der Aufstellung der Distanzlatte in zwei Methoden, 
nämlich in solche mit senkrechter , und in solche mit rechtwinklig 
zur Ziellinie gerichteter Lattenaufstellung, welch’ letztere, — im 
Gegensatz zur ersteren — , kurzweg die „schiefe“ Lattenaufstellung 
benannt wird. 

Obgleich beide Verfahrungsarten schon seit einem halben Jahr- 
hundert praktische Anwendung finden, so gehen doch heute noch 
die Urtheile über die Zweckmässigkeit derselben wesentlich aus- 
einander. Während ein Thoil der Techniker die schiefe Lattenauf- 
stellung für die vortheilhaftere hält und sie ausschliesslich an- 
wendet, glauben Andere, diese Methode geradezu verwerfen zu sollen. 
Letztere Ansicht findet man auch öfters in der neueren Literatur 
vertreten, ohne dass angemessene Entgegnungen gefolgt wären, und 
durch dieses Stillschweigen mag schon mancher weniger Eingeweihte 
zu irrigen, der schiefen Lattenaufstellung ungünstigen Folgerungen 
verleitet worden soin. 

Unter diesen Umständen dürfte zur Klärung dieser Streitfrage 
vielen Fachgenossen nicht unwillkommen sein, wenn der Unter- 
zeichnete es unternimmt, die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung 
gegenüber der Vertikalaufstellung vom theoretischen und prak- 
tischen Standpunkte aus näher zu beleuchten. Derselbe glaubt sich 
befähigt, in dieser Angelegenheit ein beachtcnswerthes Urtheil ab- 
geben zu können, da ihm nicht allein eine langjährige Praxis zur 
Seite steht (unter seiner persönlichen Leitung wurden u. A. Schich- 
tenpläne von zusammen über 400 km Terrainlänge aufgenommen), 
sondern er auch bei den angestellten Versuchen über die zweck- 

Zetschrtft für Vermefyjm»K*«es<sn. 188G. 14. lieft. 22 



338 



Wagner. Ucber die Hülfsmittel der Tachymetrie, 



Fig. 1. 

Ansicht von vorn. 



massigste Lattenaufstellung streng wissenschaftlich und objektiv 
verfahren ist. Nebenbei bemerkt war der Verfasser auch der Erste, 

der auf die leichte Kontrollirbar- 
keit der schiefen Lattenaufstellung 
aufmerksam machte und dieselbe 
im Jahre 1867, gleichzeitig mit 
seinem Tachygraphometer, in die 
Praxis einführte. 

Zum Verständniss der später 
folgenden Ausführungen ist zu- 
nächst erforderlich, einen Blick 
auf die Einrichtung der s. Z. vom 
Verfasser konstruirten Distanzlatte 
zu werfen, die in Fig. 1 bis 3 

— soweit sie uns hier interessirt 

— dargestellt ist. An derselben 
ist der Nullpunkt der Skala 1,50 m 
über dem Fusspunkt der Latte an- 
geordnet und von dorten aus die 
Skala sowohl aufwärts als abwärts 
numerirt. Der untere Faden des 
Distanzmessers ist, der Regel nach, 
auf diesen Nullpunkt einzustellen 
und alsdann mittelst des oberen 
Fadens die Distanz abzulesen; die 
abwärts gehende Skala wird nur 
benutzt, wenn die obere nicht 
ausreichen sollte. (Zweckmässig ist 
es. die obere Skala mit schwarz 
und weisser, dagegen die untere 
Skala mit roth und weisser Farbe 
darzustellen.) Auf beiden Seiten des 
Nullpunkts sind sodann je ein recht- 
eckiges Zielbrettchen von ca. 15 cm 
Länge, 7 bis 8 cm Höhe und 2 cm 
Dicke befestigt , deren vordere 
Fläche (Fig. 1) matt schwarz und 
alle übrigen Flächen weiss ange- 
strichen sind.*) 

Die regelrechte Stellung der 
Latte zur Ziellinie wird bewirkt, 
indem der Lattenführer eine Brett- 
kante, etwa a b , Fig. 2 auf das 
Instrument richtet. Die betreffen- 
den Kanten müssen daher recht- 
winklig zur Skalaebene stehen, so- 
fern eine rechtwinklige Latten- 
aufstellung zur Ziellinie des unte- 
ren Fadens verlangt wird, wogegen 
dieselben eine entsprechende Neig- 
ung erhalten, falls die Latte recht- 

*) Mit Fig. 1, zu welcher ein bereits vorhandenes Cliche benutzt wurde, ist 
Verfasser nicht ganz einverstanden. Denn erstens dürfen die Oberkanten der 




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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 339 



winklig zum oberen, beziehungsweise zu einem fingirten Faden 
stehen soll. 



Ferner ist auf der 
Rückseite der Latte 
zwischen den beiden 
Zielbrettchen eine in 
Holz gefasste , wenig 
empfindliche Röhrenli- 
belle von etwa 0,5 bis 
1,0 m Radius einge- 
schaltet ( k Fig. 3), 
welche einspielt, sobald 
die Latte in der Verti- 
kalebene der Ziellinie 
steht. Diese Röhrenli- 
belle ist nicht als un- 
umgänglich nothwen- 
dige, sondern mehr als 
zwoekmässige Beigabe 
anzuseheu , da ein 
einigermassen geübter 
Lattenführer die Latte in seitlicher Richtung schon nach dem Augen- 
maass genügend richtig stellt. Hierbei kommt nämlich in Be- 
tracht, dass seitliche Lattenabweichungen von einigen Procent ganz 
vernachlässigt werden dürfen und die seltener vorkommenden 
grösseren Abweichungen leicht verbessert werden können. Dennoch 
darf die Röhrenlibelle, vermittelst welcher sich sofort eine tadellose 
Lattenaufstellung bewirken lässt , bestens empfohlen werden ; es 
bleiben alsdann dem Beobachter nicht allein kleine Unbequemlich- 
keiten und Zeitverluste erspart, sondern derselbe ist auch für den 
in der Praxis vorkommenden ungünstigsten Fall gedeckt, nämlich wenn 
zur Latteuaufstellung ungeübtere Kräfte verwendet werden müssen. 

Etwa 1 m von dem Fusspunkt der Latte ist ferner eine kleine, 
wenig empfindliche Dosenlibelle angebracht, die zur etwaigen Senk- 
rechtstellung der Latte dient und hauptsächlich bei dem Nivelliren 
benutzt wird. Zu diesem besonderen Zweck kann nämlich die Latte 
auf der Rückseite eine zweite Skala erhalten, die jedoch in Fig. 3, 
als hier nebensächlich, weggelassen ist. 

Die erwähnten Zielbrettchen dienen auch entweder direkt zur 
Kontrolle der schiefen Lattenaufstellung, oder es sind an den Enden 
derselben besondere Kontrollfiügel angebracht, worauf wir später 
zurückkommen werden. 

Mit solchen Distanzlatten wurden von dem Verfasser s. Z. zahl- 



Fig. 2. Fig. 3. 

Ansicht von der Seite. Ansicht von hinten. 




Zielbrettchen nicht dieselbe Höhe wie der Lattennullpunkt haben, sondern es 
sollen erstere — nach den am Schlüsse des Kapitels II. a. dargelegten Gründen 
— um einige Centimeter tiefer oder höher liegen. Ferner erscheint zur Ver- 
meidung von Ablesungsirrthiimern zweckmässiger, wenn die Decimeter der Skala 
numerirt sind , also die Zahlen nicht über , soudern unter den Decimeter- 
strichen stehen. 



22 



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340 Wagner, lieber die Htilfsmittel der Tachymetrie, 

reiche Distanzmessungen sowohl mit schiefer als auch mit senk- 
rechter Lattenaufstellung ausgeführt, und die denselben zu Grunde 
gelegten theoretischen Erwägungen, sowie die erzielten, durch die 
späteren Erfahrungen noch weiter bestätigten, praktischen Resultate 
lassen sich in folgende Sätze zusammenfassen : 

I. Bei geneigten Ziellinien und schiefer Lattenaufstellung ist 
der Einfluss einer Abweichung der Latte von ihrer regelrechten 
Stellung in der Zielrichtung auf die Distanzbestimmung durchschnitt- 
lich bedeutend geringer, als bei senkrecht gehaltener Latte. Denn 
bei letzterer wächst dieser Einfluss u. A. auch proportional der 
Tangente der Visurneigung , während dieser Winkel bei schiefer 
Lattenaufstellung gar keine Einwirkung hat. Daher darf die schiefe 
Lattenaufstellung geradezu flüchtig hergestellt werden: es ist hierbei 
nicht allein das primitivste Mittel zum Richten — eine gerade 
Brettkante von 15 cm Länge — zulässig, sondern es darf sogar die 
Latte um mehr als den löfachen Werth des zufälligen Maximal- 
zielfehlers abweichen , ohne dass hierdurch die Genauigkeit der 
Distanzbestimmung nennenswerth beeinträchtigt würde. 

Bei der Vertikalstellung sind dagegen die zulässigen Latten- 
abweichungen auf ein weit geringeres Maass beschränkt, wesshalb 
bei dieser Methode der Lattenaufstellung schon eine entsprechend 
grössere Sorgfalt angewendet werden muss. 

II. Der distanzmessende Techniker kann von seinem Standpunkt 
aus die schiefe Lattenaufstellung ohne Mühe und Zeitverlust kon- 
trolliren, was bei senkrechter Aufstellung unthunlich ist. 

III. Die Projektion der abgelesenen Lattenabschnitte in hori- 
zontale Entfernung und relative Höhe kann bei schiefer Lattenauf- 
stellung durch Anwendung mechanischer, mit dem Aufnahmeinstru- 
ment verbundener Vorrichtungen — sogenannter »selbsttbätiger« 
Apparate — rascher und zuverlässiger bewirkt werden, als bei der 
Vertikalstellung. Letztere muss in Folge dessen von der Tacby- 
graphometrie ausgeschlossen werden. 

IV. Die Behauptungen mancher Techniker, dass die schiefe 
Lattenaufstellung sehr unbequem sei und dieselbe in schwierigem 
Terrain nicht immer hergestellt werden könne, sind — soweit damit 
eine Bemängelung gegenüber der Vertikalstellung ausgesprochen 
sein soll — auf Vorurtheile oder auf Verkennung der thatsäclilichen 
Verhältnisse zurückzuführen. 

Es wird nun unsere Aufgabe sein, die Richtigkeit dieser Sätze 
Punkt für Punkt näher zu begründen. 

I.a. Einfluss der Lattenabw eichungen bei schiefer 
Lattenaufstellung. 

Bei der Methode der schiefen Lattenaufstellung wird die 
Distanzlatte entweder rechtwinklig zur Ziellinie des untern Fadens, 
oder rechtwinklig zur Ziellinie des oberen, beziehungsweise eines 
lingirten Fadens aufgestellt. Wie später klar werden wird, erscheint 
letztere Aufstellung immerhin als die rationellste, wenngleich ihren 
Vorzügen nur ein geringer praktischer Werth beigelegt 



werden kann. 

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tann. I 

CoJ 



insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 341 



Der Vollständigkeit halber wollen wir aber beide Lattenaufstellungen 
in Betracht ziehen. 

Es bezeichnen in Fig. 4 : 

A E die Ziellinie des unteren Fadens, 

A F die Ziellinie des oberen Fadens, 
te den Distanzwinkel CAD, 

k\— kotang u, wofür nach dem meist gebräuchlichen Distanzwinkel 
nur die Werthe 100 und 200 in Ansatz kommen, 

B den Fusspunkt \ der rechtwinklig zur unteren Ziellinie (AC) 
C den Nullpunkt | aufgestellten Distanzlatte BD, 

s = BC, 

BF eine um den Winkel <p rückwärts geneigte Distanzlatte, 

d= AC oder die zu 
suchende schiefe 
Fig- 4 - Distanz, bei wel- 

cher der kleine Ab- 
stand des Winkel- 
scheitels A, d. li. 
des vordem Brenn- 
punkts des Objek- 
tivs, von derlnstru- 
mentsmitte ausser 
Betracht bleiben 
dari, 

d, die infolge der Lat- 
tenabweichung ge- 
fundene fehlerhafte 
schiefe Distanz und 




Ad — d y — d = Distanzfehler. 

Zieht man die Hülfslinie EG rechtwinklig zu AF, so ist EG — 
sin u (d s tang if ) und in dem Dreieck EFG hat man: 
r r, EG . (d-\-s tang cp) 

kosm ( ) kosm {u-\- cf) 

Der durch die Lattenabweichung veranlasste Ablesungsfehler 
ist aber: 



- d tang « , 



(d -f- s tang cp) 
kosin (a -(- rp) 

und indem diese Gleichung durch tang a dividirt wird, folgt, nach 
entsprechender Ordnung der Glieder, der Distanzfehler : 



4 , _ d [kosin a — kosin (a -f- rp)] + s kosin u tang rp /1 N 
Ja kosin O + cp) ‘ ‘ 

Der Kleinheit der Winkel wegen darf der Nenner dieser 
Gleichung, kosin («-(- <p), sowie im letzten Gliede kosin u—l ge- 
setzt werden; wir erhalten alsdann die Näherungsformel: 

Ad = d [kosin u — kosin (u -j- cp)) -j- $ tang <p ... (2) 

in welcher -(- rp für die rückwärts geneigte und — rp für die vor- 
wärts geneigte Lattenstellung zu setzen ist. 

Nach dieser Näherungsformel, welche Ad, in dem hier zu be- 



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342 



Wagner. Ueber die Hiilfamittel der Tacbymetrie, 



nutzenden Umfange, bis auf Millimeter genau liefert, sind die beiden 
nachstehenden Tabellen berechnet worden, mit der Annahme, dass 
s — der Wagner’schen Distanzlatte gemäss — 1,50 m betrage. 

Die Abweichungen in Spalte 5 der ersten Tabelle beziehen 
sich auf die rechtwinklige Stellung der Latte zum oberen*) Faden 
und diejenigen in Spalte 5 der zweiten Tabelle auf die rechtwinklige 
Stellung zu einem tingirten Faden, der um >/ioo Neigung oder 
34' 23" über dem unteren Faden*) liegend, gedacht ist. 



k = 100, .9 = 1 ,50 m 



(3) 



I L 




> 




8. 








4. 




5. 


Tang 


l.attenabwei- 
cliung gegen 
tl. recht* inkl 


Distanzfehler (Jd) 
Distanzen 


in Meter bei 
von : 


Mittlerer 
Fehler in 


Lattenabwei« j 
chting gegen 
d. recht w inkl . 


cc 


Stellung atniii 


— 






— 






Stellung zum 


! . 


unteren Faden 
in Procent 


100 m 


200 m 300 m 


400 m 


500 m 


stanz. 


oberen t adeo 1 
in Procent. 








m 


m m 


m 




m 










CC 

*-> 


4 


+0,18 


+0.30 +0,42 


+0,54 


+ 


0,66 


+ 0,15 


5 


CD I 




•5 ‘5 


3 


+0,12 


+0,20+0,27 


+0,35 


+ 


0,42 


+ 0,10 


4 


•S.S* 




u a> 


2 


+0,07 


+0,111+0,15 


+0,19 


+ 


0,23 


+ 0,05 


3 


* g 




u 


1 


+0,03 


+0,05 +0,06 


+0,07 


+ 


0,09 


+ 0,02 


2 


ä “ 


o 

© 


stell«. 


0 

1 


0 

—0,02 


0 0 
—0,03—0,03 


0 

-0,03 




0 

0,04 


0 

— 0,01 


1 

0 


u 

No rail, 
stell«. 


©^ 


St 


2 


—0,03 


—0,03 —0,03 


—0,03 


— 


0.03 


-0,01 


1 


<y 






3 


— 0,03 


—0,02— 0 


+0,01 


+ 


0.03 


+ 0,01 


2 


bo 




:s £ 


4 


—0,02 


+0,02 +0,06 


+ 0,10 


+ 


0,14 


+ 0,02 


3 


-+ tx 




h 


5 


0 


+0,07 +0,15 


+0,22 




0,30 


+ 0,05 


4 


t = 






6 


+0,03 


+0,15+0,27 


+0,39 


+ 


0,51 


+ 0,08 


5 


d 

> 



k = 200, .9 = 1,50 m 



(4) 



1 . 



Tang 



o 

in 

© 

cf 



2. 

Lattetmbwei- 
chmig gegen 
<1 reciitwinkl. 
Steltiiiii* zum 
unteren Kaden 

in Procent. 


3. 

Distanzfehler (Jd) in Meter bei 
Distanzen von : 


4. 

Mittlerer 
Fehler in 
Prorenten 
der Di- 
stanz. 


5. 

l.attenabwei* 
chung gegen 
d. recht« inkl. 
Stellung zuui 
finrjirten Fad. 
in Procent. 


100 m 


200 ra 


300 m 400 m 


500 m 




m 


m 


m m 


m 








-g« I 4 


+0,16 


+ 0,26 


+0,36+0,46 


+ 0.56 


+ 0,13 


5 




s-s| 3 


+0,11 


+0,16 


+0,23 +0,28 


+ 0,35 


+ 0,08 


4 


:r? tl 


%i\ 2 


+0,06 


+0,09 


+0,12+0,15 


+ 0,18 


+ 0,04 


3 


*5 5 


1 


+0,02 


+0,04 


+0,05 +0,06 


+ 0,07 


+ 0,02 


2 


ö © 
:= i L 


ititllg. tl 


0 


0 


0 0 


0 


0 


1 


u 


• i 1 


—0,01 


—0,01 


—0,01 —0,02 


— 0,02 


— 0,01 


0 


Nurml 

stell« 


M 2 


—0,02 


—0,01 


— 0 +0,01 


+ 0,02 


+ 0,01 


1 


© 


-+ tc 3 


—0.112 


+0,02 


+0,05 +0,08 


+ 0,11 


+ 0,02 


2 






0 


+0,06 


+0,12 +0,18 


+ 0,24 


+ 0.04 


3 




o 5 


+0,02 


+0,12 


+0,23 +0,33 


+ 0,43 


+ 0,07 


4 


* = 


* 6 


+0,06 


+0,21 


+0,36 -f 0,51 


+ 0,66 


+ 0,11 


5 


o 



*) Die Bezeichnungen „oben“ und „unten“ bei den Fäden und Ziellinien 
beziehen sich stets auf die wirkliche Lage derselben und nicht wie solche im 
astronomischen Fernrohr gesehen werden. 



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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 343 

Aus beiden Tabellen geht zunächst hervor, dass für die Normal- 
stellung zum unteren Faden, Spalte 2, Rückwärtsneigungen der 
Latte verhältnissmässig grössere Fehler erzeugen, als Vorwärts- 
neigungen, sowie dass diese Unterschiede sich schon genügend aus- 
gleichen, wenn die Normalstellung um rund l°/ 0 vorwärts verlegt 
wird (Spalte 5). Durch eine noch etwas grössere Verschiebung der- 
selben Hesse sich in Tabelle (3) zwar eine noch bessere Aus- 
gleichung der erwähnten Unterschiede erreichen, indessen dürfen 
wir zur Vereinfachung unserer Untersuchungen hiervon absehen, 
zumal die noch restirenden Unterschiede von zu geringer prakti- 
scher Bedeutung sind. 

Ferner zeigen die Tabellen, dass die Distanzfehler für Ä = 100 
nur um 0,01 bis 0,02 °/ 0 von demjenigen für k = 200 abweichen 
und daher eine Mittelung dieser Fehler zulässig ist. Indem wir 
nun von den in den beiden Tabellen enthaltenen Resultaten das 
arithmetische Mittel nehmen, und die Lattenabweichung auf die recht- 
winkelige Stellung zum oberen Faden beziehen, erhalten wir folgende, 
für k = 100 bis 200, sowie für vor- und rückwärts geneigte 
Latte gleich werthige Tabelle, die für unsere Untersuchungen 
genügend genau und dabei übersichtlicher ist. 



k = 100 bis 200. (5) 



Tang 


IjAttcnabwei- 
cliung gegen 
<1. recht winkl. 


Durchschnittlicher Distanzfehler {J d) 
in Meter hei Distanzen von: 


Mittlerer Fehler 
in Procenten 




oberen bezw. 
fingirteii F»d. 


100 m 200 m 300 m -100 m 500 m 


der Distanz. 




n 

u 


'■> 


m m m m m 






l 0 


£ 


0 


— 0.02 — 0,02 — 0,02 — 0,02 — 0,03 


— 0,01 






:= 


1 


— 0, 0L 0,01 -0,01— 0,011 0 


— 0,005 




T. 


u 


2 


0 + 0,02 + 0,04 + 0,06 + 0,08 


+ o,oi 




-ft 




3 


-f 0.03 + 0,07 + 0.11 + 0,161-1-0,20 


+ 0,04 




»ft 


CO 


4 


+ O.i iß + 0,14 + 0.22 -f 0,30 + 0,38 


+ 0,07 




o 


u 

. :ce 


5 


+ 0,1 1 + 0.23 -f- 0,35 + 0,48 + 0,60 


+ 0,12 




o 


> 

3 

> 











Wird die Lattenabweichung auf di« rechtwinkelige Stellung 
zum unteren Faden bezogen, so können nur die Maximalfehler 
entsprechend einer um 1°,',, vergrösserten Abweichung stärker auf- 
treten, dagegen berechnen sicli die durchschnittlichen F'ehler kaum 
0,01 °/ 0 grösser, als die in Tabelle (5) angegeben sind, daher diese 
Tabelle auch für diese Lattenaufstellung genügende Gültigkeit hat. 

Es dürfte noch von Interesse sein, dass die Tabelle (5) auch 
auf viel kürzerem Wege, wenngleich nicht ganz streng, so doch 
mit ausreichender Genauigkeit, sich hätte hersteilen lassen. Das 
letzte Glied der Formel (2), welches alle Durchschnittswerthe 
ohnehin nur um je 1,5 tany((p — 34') — 1 ,5 tang (<-/> -)- 34’) = — 1,5 cm 



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344 Wagner. Ueber die Hülfsmittel der Tachymetrie, 

beeinflusst, kann nämlich ganz entfallen und für cp ist, — ent- 
sprechend der Lattenaufstellung rechtwinkelig zum oberen Faden 
— i 0 P — «) zu setzen. Hierdurch ergiebt sich : 

Jd = <1 (kos in u — kosin (p) = d ( kosin a — l)-)-d(l — kosin •/) 

Da aber d (kosin a — 1 ) bei den vorausgesetzten Distanz- 
winkeln von rund 17' und 34' nur 0,0013 und 0,005% der Distanz 
beträgt, so darf dieses Glied wieder entfallen, und indem man 
(1 — kosin (p) in Sinusfunktion umwandelt und bei der Kleinheit 
der Winkel, sin *<p mit tätig* <p vertauscht, folgt: 

j d = c U?>& ( 6 ) 

Mit dieser Näherungsformel lassen sich nun für die angenom- 
menen rationellen Lattenabweichungen und Entfernungen die 
Distanzfehler im Kopfe berechnen, wobei sich dieselben nur 2 bis 
3 cm grösser, als in Tab. (5), ergeben. 

Diesen kürzeren Weg haben wir von vorneherein nicht ein- 
geschlagen, weil es auch in unserer Aufgabe lag, den Unterschied 
zwischen den beiden Latten aufstellungen : rechtwinkelig zur Yisir- 
linie des unteren und rechtwinkelig zur Visirlinie des oberen 
Fadens, nachzuweisen und dies durch die gewählten ziffermässigen 
Darstellungen weit übersichtlicher und verständlicher geschehen 
konnte, als durch Vergleichung der betreffenden Formeln. Ausser- 
dem zeigen unsere Tabellen, dass die Einflüsse kleiner, etwa bis 
1% messende Abweichungen von der Entfernung unabhängig sind, 
was bei der Benutzung der weniger strengen Formel (6) nicht zum Aus- 
druck kommen kann. Es ist dies zwar von untergeordneter Bedeutung, 
jedoch nicht ganz ohne Interesse, da — wie wir gleich sehen 
werden — die vorkommenden Lattenabweichungen sich haupt- 
sächlich innerhalb 1% bewegen. 

Die in der l’raxis zu erwartenden Lattenabweichuugen sind 
nämlich in erster Linie von dem zufälligen Zielfehler abhängig zu 
machen, welcher bei dem Richten der Latte mit dem gewählten 
Zielmittel — eine gerade Brettkante von 15 cm Länge — begangen 
wird. Dieser Fehler ist aber sehr klein, denn derselbe beträgt bei 
regelrechtem Verfahren, — wie leicht durch Versuche festgestellt 
werden kann — im Mittel nur rund */x o o o tel und im Maximalfalle 
etwa rund Vsootel der Länge. Hiernach wäre man schon berechtigt, 
die Lattenabweichungen zu bemessen, indessen darf noch weiter in 
Betracht kommen, dass einentheils das Richten der Latte thunlichst 
rasch erfolgen muss, und dass anderntheils keine grossen Ansprüche 
au die Gewandtheit des Lattenführers gestellt werden sollen. Macht 
man in diesem Sinne ganz flüchtige Zielversuche, so ergeben sich 
die Ziehlfehler zwar wesentlich grösser, als oben, allein der Maxi- 
malfehler übersteigt auch alsdann nicht 1 / i ootel der Länge. You 
der Richtigkeit dieser Behauptung kann sich ein Jeder leicht über- 
zeugen, wenn er zwei gerade Lineale von je 15 cm Länge mit 
ihren Breitseiten zusammen legt und alsdann von jedem Lineal 



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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 345 



eine Längskante auf ein und dasselbe Ziel richtet. Die Divergenz 
der beiden zum Zielen benutzten Kanten ist dann gleich der 
Differenz zweier Zielfehler, die durch die Division durch V '2 in den 
einfachen Fehler verwandelt wird. 

Auf Grund solcher Untersuchungen darf nun angenommen 
werden, dass der Lattenfiihrer die Distanzlatte innerhalb einer 
Abweichung von rund 1 °/ 0 richtig stellen kann. Der Maximaleinfluss 
solcher Abweichungen auf die Distanzbestimmung hat aber, laut 
den Tabellen, nur den verschwindend geringen Werth von 0,01 # / 0 . 
Ferner lehren die Tabellen, dass auch noch bedeutend grössere 
Lattenabweichungen zulässig sind, und mit Hülfe einer kleinen 
Berechnung lässt sich darthun, dass selbst bei den strengsten An- 
forderungen noch Lattenabweichungen bis zu 4-5 % gegenstands- 
los erscheinen. Für diesen Fall berechnet sich nämlich, selbst unter 
der unwahrscheinlichen und unvortheilhaften Voraussetzung, dass 
alle Vor- und Rückwärtsabweichungen zwischen 0 bis 5% gleich 
oft Vorkommen würden, der mittlere Fehler nach Tabelle (5) zu : 

1» + 0,005* -f 0,<D » + 0)04* + 0,07 8 + 0,12* j = 006 0)o . 

der Distanz.*) Setzen wir nun voraus, es betrage der mittlere 
zufällige Beobachtungsfehler bei richtig stehender Latte 0.1 °/ 0 der 
Distanz, — welche Genauigkeit mit Fernrohren von 25- bis 30facher 
Vergrösserung, mit ft =100, und unter guten Zielverhältnissen 
sich zwar erreichen lässt, jedoch in der Praxis zu den besten 
Leistungen**) gezählt werden darf — so würde dieser Beobachtungs- 
fehler durch den Hinzutritt des Lattenfehlers nach dem Fehler- 
verbindungsgesetze die nicht nennenswerthe Vergrösserung von : 

KO, 1*4-0,06* — 0,1 =0,017 % erhalten. 



*) Allgemein ergibt sich für diese Annahme der mittlere Fehler aus 
Formel (6), indem man darin d -- 100 setzt und sich tamj <p in n gleiche Theile 
getheilt denkt, wobei n = a o zu nehmen ist. Man hat alsdann die Fehlerreihe : 



I s X { 
n 1 






Hieraus folgt der mittlere Fehler, m °/o 

« • 0 = + + • • •• = 50 tg'rVäp^ 22 t,f r . 

Für <p =0,05 erhält man: 22 x 0,05 s = 0,055 °o von d oder abgerundet: 0,06 °/o, 
wie oben. 

**) Ingenieur Robert Wagner zu Stuttgart bat mit zahlreichen, streng 
durchgeführten Beobachtungsreihen nachgewiesen, dass, bei tadellosen Ziel- 
verhältnissen mit Fernrohren von 25facher Vergrösserung und k = 100, eine 
Mittlere Genauigkeit von 0,05°/o der Entfernung erreicht werden kann. (Vergl- 
Zeitschrift für Vermessungswesen 1886. Heft 3 bis 5.) 

In der Praxis lassen sich aber so günstige Zielverhältnisse nicht häufig 
vor&ussetzen ; auch treten in der Regel, wegen unvollkommener Bestimmung 
v °n k, noch kleine Fehler hinzu. Daher darf eine mittlere Genauigkeit von 
fund 0,l°/o schon zu den besten Leistungen gezählt werden, wenngleich damit 
die äusserste Grenze für besonders günstige Umstände nicht gezogen sein soll. 



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346 



Wagner. Ueber die Hiüfsmittel der Tachymetrie, 



An der Hand ähnlicher Zahlenbeispiele liesse sich die Zulässig- 
keit noch grösserer Abweichungen nachweisen, was wir jedoch hier 
unterlassen, weil aus dem angeführten Beispiel schon zur Genüge 
hervorgeht, wie ungemein flüchtig — ja man könnte sagen : fahr- 
lässig — die schiefe Lattenaufstellung bewirkt werden dürfte, ohne 
dass dadurch ein nachtheiliger Einfluss auf die Genauigkeit der 
Messungsresultate zu befürchten wäre. 

Da eine Lattenabweichung von 5% den 5 fachen Werth des 
Maximal-Zielfehlers hat, welcher von dem Lattenführer hei rascher 
Lattenaufstellung begangen wird und dem ISfachen Werthe des 
Maximal-Zielfehlers entspricht, der bei regelrechter Benutzung 
einer Brettkante von 15 cm Länge zu erwarten stellt, so folgt 
ferner, dass die Vorrichtung zum Richten der Latte noch weit 
primitiver sein dürfte und für diesen Zweck ein Zielbrettchen von 
3 cm Länge schon ausreichen würde. Die grössere Länge ist auch 
nur der Kontrolle halber angeordnet worden, worauf wir in II. a. 
zurückkommen werden. 



I. b. Einfluss der Latten ab weic hu n gen bei senk- 
rechter Lattenaufstellung. 

Unter Beibehaltung der vorigen Bezeichnungen sei BT> (Fig. 5) 
die senkrecht stehende und BF eine um den Winkel tp rückwärts 

geneigte Distanzlatte ; 
Fig- 5. ferner sei die Ziellinie 

des unteren Fadens um 
den W inkel B l A i C = ß 
gegen den Horizont ge- 
neigt und die schiefe 
Distanz A C mit d 0 und 
der schiefe Distanzfehler 
mit J f/ 0 bezeichnet 
Bei gleichartiger 
Entwickelung wiein I.a., 
wobei aber der Able- 
sungsfehler, EF — CD, 

mit kosin (u- ß) zu multipliziren ist, um die mit rf 0 vergleichbare 
fehlerhafte schiefe Entfernung zu erhalten, ergibt sich für den Ein- 
fluss der Lattenabweichungen die Näherungsformel : 




, [kosi n (a + ß) — ko sin (re + ß + q >)] stangtf 
kosin (a + ß -f- <f) kosin ß ' 



■ 0 ) 



worin für fallende Ziellinien und für vorwärts geneigte Latte die 
Vorzeichen von 1 und ip umzukehren sind. 

Diese Formel liefert zwar sehr genaue Resultate, indessen ist 
sie für die vorliegenden Zwecke noch zu umständlich, zumal als 
bei der grossen Menge der, zwischen den einwirkenden Faktoren 
möglichen Kombinationen ohnehin nur die Durcbschnittswerthe 



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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 347 



von Jd a in Vergleich kommen können. Zur Erzielung der zulässigen 

Abkürzungen ist nun zunächst das letzte Glied zu streichen, 

° kosin ß 

weil dasselbe — abgesehen von seinem geringen Einflüsse — je nach 
seinem Vorzeichen, den Werth von Jd a vergrössern oder verkleinern 
kann, also es bei den Durchschnittswerthen thatsächlich entfällt. 
Es entspricht dies zugleich dem denkbar günstigsten Falle, nämlich 
der Annahme, dass die Ziellinie des unteren Fadens nicht auf den 
bisher vorausgesetzten Nullpunkt, sondern auf den Fusspunkt der 
Latte gerichtet sei. Ferner muss der Distanzwinkel u , dessen 
Gesammteinfluss, innerhalb der hier in Betracht kommenden Latten- 
abweichungen und Visurneigungen, im Maximalfalle ohnehin nur 
2 °/„ von Jd 0 beträgt, bei der Ermittelung der Durchschnittswerthe 
ganz entfallen. Man hat daher den kürzeren Näherungswerth : 



. , , / kosin ß — kosin (ß 4- w)\ 

Jd °= d °{ - kosmiß + cp ) )■ 



kosin ß 



Wird aus dieser Gleichung noch ~j. os ^ n ^ß_^_ "j ausgeschieden 
bezw. = 1 gesetzt, was dem zu verwendenden Durchschnittswerthe 
kosin ß hinreichend genau entspricht, sowie ferner : sin </ 



( 8 ) 



° kosin {ß+<p) 

mit tung q> und sin 2 g> mit tang 2 ip vertauscht, so ergibt sich: 

J d 0 — d 0 tätig ß tung <p -|- ~ lang - (p ... . 

Da das letzte Glied von Formel (8) stets positiv ist, während 
das erste Glied beide Vorzeichen haben kann, so folgt, dass die 

positiven Werthe von z/d 0 um — 2- grösser, dagegen die 

& 

negativen Werthe um dasselbe Mass kleiner, als die Durchschnitts- 
werthe von z/<f 0 sind. Diese Unterschiede sind aber im Vergleiche 
zu dem Einfluss der schiefen Lattenaufstellung schon als sehr gross 
zu bezeichnen, da wir dorten in Formel (6) den durchschnittlichen 

Werth von Jd im Ganzen nur zu— ^ gefunden haben.*) 

Ferner folgt aus (8), dass zur Berechnung der Durchschnitts- 
werthe das letzte Glied ganz entbehrlich wird, sobald dasselbe gleich 
oder kleiner, als das erste Glied ist, was annähernd eintritt, wenn 

/f> Letzteres ist aber für den Umfang der beabsichtigten 

Vergleichungen stets der Fall, daher hierfür kurzweg gesetzt 
werden darf : 

Jd 0 =d 0 tang ß lang cp (9) 



*) Für ß — O geht die Formel (8) in J do = do tang d. h. man 

erhält alsdann die Näherungsformel (6) der schiefen Lattenaufstellung. 



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348 



Wagner. Ueber die Hülfsmittel der Tachymetrie, 



Die letztere Formel zeigt, dass die Durchschnittswerthe von 
Jd 0 in geradem Verhältnisse zu der Distanz, zu der Tangente der 
Visurneigung und zu der Tangente der Lattenabweichung stehen. 

Wird d 0 = 1 00 gesetzt, so erhält man Jd 0 in Procenten der 
Distanz und lässt sich somit leicht eine Tabelle üher die procent- 
lichen Fehler für verschiedene Lattenabweichungen und Yisur- 
neigungen berechnen. Wir sehen jedoch hier von einer derartigen 
allgemeineren Tabelle ab und lassen nachstehend nur die Werthe 
von Jd 0 für eine Visurneigung von + 10° und für Latten- 
abweichungen bis + 5% folgen, da alsdann, zur Erleichterung der 
Vergleichungen, die Form der Tabelle (5) beibehalten bleiben kann. 



( 10 ) 



Tang 




A hweirhiinjJ 
der Lutte ge- 
gen die Henk- 


Durchschnittlicher Distanzfehler ( Jd^) 
in Meter bei Distanzen von : 


Mittlerer : 
Fehler in 
Procenten 


1 a 


? — — 


rechte 


•'teile. 














o 


in Procenten. 


100 m 


200 m 


300 m 


400 m 


600 ra 


d. Distanz. 


























OB 

h 




+ 


4- 


4- 


± 


+ 


+ | 


l 0 




iS 


0 


0 


0 


0 


0 


0 


0 \ 


o 






0,1 


0,02 


0,04 


0,05 


0,07 


0,09 


0,02 1 


C/J 


© 

+1 


u.SP 
o n> 
rs c 


0,5 

1 


0,09 

0,18 


0,18 

0,35 


0,26 

0,53 


0,35 

0,71 


0,44 

0,88 


0,09) 




tr ^ 


O 


0,35 


0,70 


1,06 


1,41 


1,76 


© 




Im 

:rt 


3 


0,53 


1,05 


1,59 


2,12 


2,64 


0,53 V 


ö 




t- 


4 


0,70 


1,41 


2,12 


2,82 


3,52 


0,70 








5 


0,88 


1,76 


2,64 


3,53 


4,40 


0,S8 



Nach dieser Tabelle lassen sich auch die durchschnittlichen 
Distanzfehler für andere Visurneigungen leicht bestimmen, indem 
man erstere direct proportional dem Neigungswinkel setzt, welches 
abgekürzte Verfahren bis zu etwa rund 20° zulässig ist. Obige 
Fehler sind hiernach z. B. für 5° Visurneigung zu halbiren, da- 
gegen für 20° zu verdoppeln. Bei wesentlich grösseren Neigungen 
emfiehlt sich aber, deren Tangenten zu benutzen, da sonst die 
Fehler bei 30° schon 10% und bei 40° etwa 20% u s. w. zu klein 
bestimmt würden. 

Selbstverständlich sind alle bisher entwickelten Fehlerformeln 
und Tabellen auch sofort für horizontale Entfernungen gültig, 
wenn darin d und d 0 nicht als schiefe, sondern als horizontale 
Entfernungen angesehen werden. 

I. c. Vergleichung der ermittelten Einflüsse. 

Eine Vergleichung der in den Tabellen (5) und (10) ent- 
haltenen Resultate ergibt sofort einen bedeutenden Unterschied 
zu Gunsten der schiefen Lattenaufstellung. Nach Tabelle (10) 
erzeugt z. B. eine Lattenbabweichung von 0,5% einen mittleren 
Fehler von 0,09% der Distanz, welcher Fehler einer Abweichung 



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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 349 

von ungefähr 4%% in Tabelle (5) entspricht; ferner beträgt nach 
(5) der mittlere Fehler aller Abweichungen von 0 bis 5°/ 0 = 0,06% 
der Distanz, während sich ein solcher nach (10) zu 0,50°/'o berechnet, 
ln beiden Fällen ist der Unterschied rund ein 9facher. Dieser 
Unterschied wird aber noch durch den Umstand bedeutend ver- 
grössert, dass bei der schiefen Lattenaufstellung — nachdem die 
negativen Fehler verschwindend klein sind — nur positive, also 
einseitige Fehler zu befürchten stehen, welche eventuell durch 
Ausgleichungsmassregeln sehr vermindert werden könnten, während 
derartige Massregeln bei der senkrechten Lattenaufstellung gar 
nicht möglich sind, weil dabei die Fehler mit doppelten Vorzeichen 
auftreten. 

Zu ähnlichen Resultaten gelangt man auch, wenn die in der 
Praxis vorkommenden durchschnittlichen Verhältnisse mit in 
Betracht gezogen werden. Hinsichtlich derselben ist zunächst zu 
bemerken, dass bei der schiefen Lattenaufstellung der Beobachter 
infolge der Kontrollvorrichtungen in der Lage ist, Lattenab- 
weichungen von mehr als 2% °der ausnahmsweise 3% korrigiren 
zu lassen. Daher können grössere Abweichungen aus dem Bereich 
unserer Untersuchungen entfallen und der mögliche grösste mittlere 
Fehler kann bei dieser Methode nur zu 0,01 % bis höchstens 0,02% 
der Distanz veranschlagt werden, wogegen aber auch bei der 
Geringfügigkeit dieser Fehler keinerlei Kompensationsmassregeln 
Anwendung finden. 

Sodann darf die iui grossen Ganzen in der Praxis vorkommende, 
durchschnittliche Visurneigung zu rund 5° geschätzt werden, was 
mit Rücksicht auf Aufnahmen in sehr gebirgigem Terrain, in 
engen Thälern mit steilen Seitenwänden etc. sicherlich nicht zu 
hoch gegriffen ist. Die in Tabelle (10) für die Vertikalstellung 
aufgeführten Fehler sind demnach zu halbiren und für 2- bis 
3procentige Lattenabweichungen berechnen sich alsdann die mittleren 
Fehler zu 0,10 bis 0,15% der Distanz*) oder 7,5- bislOfach grösser, 
als bei der schiefen Lattenaufstellung. Diese Unterschiede ver- 
grössern sich ungefähr noch um % tel, wenn die Wahrscheinlichkeit 
in Bezug auf die Häufigkeit des Vorkommens der einzelnen Fehler 
mit in Rechnung gezogen wird. Wir führen dies jedoch hier nicht 
näher aus, da auf ein streng richtiges Zalilenverhältniss in dieser 
Beziehung ohnehin kein besonderes Gewicht zu legen ist. 

Eine andere Frage ist aber, ob diesen theoretischen Unter- 
schieden auch praktische Bedeutung beigelegt werden darf? Für 
genaue Distanzmessungen, die wir hier lediglich im Auge haben, ist 
diese Frage sicherlich zu bejahen. Denn bei solchen müssen von 
vorn herein alle vermeidlichen Fehler grundsätzlich fern gehalten 
werden. Wenn hierbei, aus praktischen Gründen , auch eine allzu 



*) Unter der Voraussetzung, dass alle Abweichungen von 0 bis + tp gleich 
oft Vorkommen, — was aber bekanntlich der Wahrscheinlichkeit nicht ganz 
entspricht — berechnet sich der mittlere Fehler ( m ) in Procenten der Distanz 
zu : m 1 ’/# + 100 Uj ß tg <p Fo,333 = + 58 0/ ß tg <p. 



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350 



Wagner. Ueber die Hiilfsmittel der Tachymetrie, 






grosse Aengstlichkeit nicht erforderlich wird, so dürfen doch ver- 
meidliche Fehler nicht zugelassen werden , deren Grösse in einem 
Missverhältnisse zu dem Uesammteinflusse aller übrigen zufälligen 
oder unvermeidlichen Beobachtungsfehler steht. Anderen Falles 
würde ja die erreichbare Genauigkeit in geradezu fahrlässiger Weise 
vermindert werden. Angenommen z. B. : die bei richtiger Latten- 
stellung erreichbare mittlere Genauigkeit betrage 0,2 % der Distanz, 
— welche Genauigkeit sich nicht allein leicht erzielen, sondern meistens 
übertreffen lässt — so könnten Lattenab weichuugen , die für sich 
allein schon einen mittleren Fehler von 0,2 % erzeugten, schon nicht 
mehr zulässig erscheinen , da hierdurch der Genauigkeitsgrad um 
rund 40 % herabgedrückt würde. 

Ferner kommt in Erwägung , dass bei senkrechter Lattenauf- 
stellung der Einfluss der Lattenabweichungen proportional der 
Visurneigungstangente wächst, daher strenge genommen die zu- 
lässigen Abweichungen nach den vorkommenden grössten Visur- 
neigungen bemessen werden sollten. Denn bei Zugrundelegung 
einer Durchschnittsvisur von nur 5° wird man sich nicht ver- 
hehlen können , dass alsdann bei grösseren Visurueigungen die 
tolerirbare Fehlergrenze überschritten werden kann. Setzen wir z. B. 
eine mittlere Lattenabweichung von nur 1 °/ 0 voraus , sowie dass 
der mittlere Beobachtuugsfehler bei richtig stehender Latte 0,2 % 
der Entfernuug betrage, so berechnen sich nachstehende Messungs- 
fuhler : 

Yisurneigung 0 5 10 20 30 40 3 

Lattenfehler . 0 0,09 0,18 0,36 0,58 0,84 °/ 0 der Entfernung, 

Mittlerer Mes- 
sungsfehler . 0,20 0,22 0,27 0,41 0,61 0,86 % > > 

Nimmt man aberden mittleren Beobachtungsfehler nur zu 0,1 % 
an, wie dies in dem Beispiele bei der schiefen Lattenaufstellung 
auch geschehen ist, so ergeben sich folgende Fehler: 

Yisurneigung 0 5 10 20 30 40° 

Mittlerer Mes- 
sungsfehler . 0,10 0,14 0,21 0,37 0,59 0,85 % der Entfernuug. 

ln ersterem Falle würde die erreichbare Genauigkeit bei circa 
20° Visurneigung und in letzterem Falle schon bei etwa 10° um 
100 °|o vermindert werden. 

Solche Betrachtungen führen aber schliesslich dahin , dass die 
Zulässigkeit vonl procentigenLattenabweichungen meistens fraglich 
erscheinen wird, sowie dass überhaupt der Lattenaufstellung schon 
eine besondere Sorgfalt gewidmet werden muss, sofern die im 
Uebrigen erreichbare Genauigkeit der Messung nicht geschädigt 
werden soll. Als Hülfsmittel zur Senkrechtstellung derselben dürfen 
u. A. nur Libellen verwendet werden, da Senkel bei bewegter Luft 
den Dienst versagen ; ferner muss der Lattenführer — namentlich 
bei windiger Witterung — einen oder zwei Strebestäbe benutzen, 



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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 351 



damit er die Latte innerhalb der zulässigen geringen Spielräume 
ruhig halten kann. 

Die Richtigkeit der letzteren Behauptungen wird von vielen 
Anhängern der senkrechten Lattenaufstellung längst stillschweigend 
zugegeben, indem sie in der Praxis sich dieser Httlfsmittel thatsäch- 
lich zu bedienen pflegen. Allerdings glauben auch manche Tech- 
niker, nicht allein Libellen , sondern sogar die Anwendung von 
Senkel verwerfen zu können , angeblich weil bei dem Mangel einer 
Kontrolle die Benutzung dieser Hülfsmittel seitens der Lattenführer 
ohnehin zweifelhaft sei. Mit letzterem können wir uns zwar voll- 
ständig einverstanden erklären, indessen lässt sich nicht verkennen, 
dass bei solchem Verfahren von genauen Messungen keine Rede 
mehr sein kann, sowie dass in dem angeführten Entschuldigungs- 
grund eine unfreiwillige Verurtheilung der senkrechten Lattenauf- 
stellung ausgesprochen liegt. 

Die von solchen Technikern ferner versuchte Behauptung, dass 
die Latte sich von selbst genügend senkrecht stelle, verdient, mit Rück- 
sicht auf die während der Feldoperationen so häufig herrschende windige 
Witterung, keine ernstliche Beachtung; ausserdem setzte eine der- 
artige Annahme, schon bei ruhiger Luft, mindestens so viel Ge- 
wandtheit, Aufmerksamkeit und guten Willen des Lattenführers 
voraus, als hinsichtlich der Benutzung der gebotenen Hülfsmittel 
angenommen werden muss. 

Da — wie wir später sehen werden — auch bei der schiefen 
Lattenaufstellung Libellen und Strebestäbe in der Regel zur Ver- 
wendung kommen sollen, so besteht hinsichtlich dieser Hülfsmittel 
nominell kein Unterschied ; in Wirklichkeit ist aber ein sol- 
cher doch vorhanden , weil diese Hülfsmittel bei der Vertikal- 
stellung zur Erzielung genauer Messungen unentbehrlich sind, wäh- 
rend dieselben hei der schiefen Lattenaufstellung auf die Genauig- 
keit der Messungsresultate keinen Einfluss haben und sie füglich 
auch ganz entfallen dürfen, sofern man zuweilen kleinere Zeitverluste 
und Unbequemlichkeiten, wie solche bei etwaigen Korrekturen der 
Latte in seitlicher Richtung entstehen könnten, nicht scheuen wollte. 

Das Endresultat unserer Vergleichungen können wir schliess- 
lich dahin zusammenfassen, dass die schiefe Lattenaufstellung , hin- 
sichtlich ihres theoretischen und praktischen Einflusses auf die 
Bistanzmessungen, der senkrechten Lattenaufstellung ansehnlich über- 
legen ist, und dass daher erstere bei genauen Messungen zweifellos 
den Vorzug verdient. 

11. a. Kontrolle der schiefen Latteuaufstcllung. 

In der Beschreibung der Distanzlatte wurde bereits darauf aufmerk- 
sam gemacht, dass die vorderen Flächen der beiden Zielbrettchen, Fig. 1, 
matt schwarz und alle übrigen Flächen derselben weiss angestrichen 
seien. Bei richtiger Lattenaufstellung sieht daher der Beobachter 
nur die beiden schwarzen Flächen, wogegen bei unrichtiger Stellung 
der Latte auch die Projektion je einer weissen Fläche sichtbar werden 



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352 



Wagner, lieber die Hülfsmittel der Tachymetrie, 



muss. Eine etwaige Sichtbarkeit der Seitenflächen darf aber hier 
ganz übergangen werden, da dies in der Praxis in wesentlicher 
Grösse nicht eintreten kann und, selbst vorkommenden Falles, auf 
die Genauigkeit der Distanzmessungen keinen Einfluss üben würde. 
Wir haben also nur die oberen und die unteren Flächen zu be- 
achten. 

Es ist sofort klar, dass bei einer vorwärts geneigten Latte dem 
Beobachter von jedem Visirbrett eine Projektion der oberen Fläche 
und bei rückwärts geneigter Latte eine Projektion der unteren 
Flächen zugekehrt ist. Diese Projektionen machen sich als schmale, 
weisse Streifen — > fehlerzeigende c Streifen benannt — bemerkbar, 
deren Länge stets gleich der Brettdicke (2 cm) ist, wogegen ihre 
Höhe von der Lattenabweichung q> abhängt und a b sin cp beträgt. 
Da a b zu 150 mm angenommen ist, so berechnet sich für je */i 50 
Lattenabweichung die Höhe der fehlerzeigenden Streifen zu 1 mm. 
Solche Streifen werden nun bei mittleren Zielverhältnissen mit 
Fernrohren von 25 — 30facher Vergrösserung noch deutlich gesehen, 
wenn ihre Höhe pro 100 m Entfernung ca. 2 mm beträgt. Man 
ist daher in der Lage, auf 100 m Entfernung eine Lattenabweichung 
von 2 /i5o und auf 200 m eine solche von */ 150 etc. zu erkennen, 
beziehungsweise verbessern zu lassen. 

Bei ungünstigeren Zielverhältnissen wird die Höhe der fehler- 
zeigenden Streifen entsprechend mehr, etwa 3 — 4 mm pro 100 m, 
betragen müssen, damit sie deutlich gesehen werden können und 
alsdann die Kontrolle bei 100 m Entfernung auf 4 / 150 und bei 
200 m auf */ l50 Lattenabweichung sich erstrecken. Da nun in I.a. 
bereits nachgewiesen wurde, dass selbst bei den strengsten Messungen 
Abweichungen bis zu 5 °/ 0 , beziehungsweise auch 8 / x 5 0 , unbeanstandet 
bleiben dürfen und bei der im angenommenen Falle zu erwartenden 
geringeren Messungsgenauigkeit noch entsprechend grössere Ab- 
weichungen zulässig sind, so bleibt die Kontrolle alsdann auch noch 
vollständig ausreichend. Meistens werden bei den vorausgesetzten 
ungünstigen Zielverhältnissen die zufälligen Beobachtungsfehler aber 
schon so gross auftreten, dass zur Vermeidung unzulässiger Fehler 
entweder gar nicht oder blos auf kürzere Entfernung , etwa bis 
100 m , gemessen werden kann. Daher kommen Lattenabweich- 
ungen über */ 1B0 eigentlich nur ausnahmsweise in Betracht. Die 
Grösse der zufälligen Beobachtungsfehler steht überhaupt mit der 
Sichtbarkeit der Lattenintervalle, also auch zweifellos mit der 
Sichtbarkeit der fehlerzeigenden Streifen in innigem Zusammen- 
hänge, wenngleich dieser bis jetzt noch nicht durch Zahlen fixirt 
worden ist.*) 

Die vorstehend beschriebene Kontrollvorrichtung ist zwar sehr 



*) Zur Feststellung dieser Verhältnisse würde eine grosse Anzahl von Be- 
obachtungen erforderlich sein, die nicht allein bei ganz verschiedenen Zielver- 
hältnissen, sondern auch — zur thunlichen Verminderung etwaiger subjektiver 
Einflüsse — mit verschiedenen Instrumenten und durch verschiedene Beobachter 
bewirkt werden müssten. 



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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 353 

einfach und immerhin auch praktisch , indessen leidet sie an dem 
Mangel, dass die Sichtbarkeit der unteren fehlerzeigenden Streifen 
infolge des von der Latte und den Zielbrettchen selbst geworfenen 
Schattens — also wegen ungenügender Beleuchtung — häufig viel 
zu wünschen übrig lässt, beziehungsweise auf grössere Entfernungen 
mitunter ganz verloren geht. Namentlich ist dies bei Sonnenschein 
der Fall, weil starkes Licht auch starken Schatten erzeugt. Aus 
diesem Grunde kann diese Kontrollvorrichtung in der Regel nur bis 
etwa auf 150 bis 200m Entfernung Verwendung finden, wasübrigens 
für die meisten Aufnahmen noch vollständig genügt. Nachdem 
jedoch manche Techniker auch in die Lage kommen, auf 400 bis 500 m 
Entfernung unter Kontrolle messen 4u müssen, so wollen wir noch 
eine andere, vom Verfasser angegebene, Kontrollvorrichtung be- 
sprechen, die für alle Verhältnisse und Entfernungen ausreicht. 

Zu diesem Zwecke erhalten die 
Zielbrettchen an beiden Enden beson- 
dere, seitwärts vorstehende »Kontroll- 
fiügel<, oder aber: es werden die Ziel- 
brettchen durch 2 bis 3 mm starke 
Blechplatten ersetzt, an deren Enden 
diese Flügel befestigt sind, Fig. 6 und 7. 
Der Flügel ABC D hat 5 cm Breite 
und 8 cm Höhe und ist oben und unten 
auf je 1 cm Höhe matt schwarz, im 
Uebrigen aber weiss angestrichen ; der 
andere Flügel EFGH erhält auch 
5 cm Breite, dagegen nur 4 cm Höhe 
und durchaus schwarze Farbe. Diese 
Flügel können entweder feststehende 
oder umklappbare sein ; in letzterem 
Falle ist jedoch zweckmässig, dieselben 
mit Federn zu versehen, vermittelst 
deren sie , nach Lösung der Arretir- 
vorrichtung, von selbst in ihre recht- 
winklige Stellung springen und ferner 
A E 

die Flügelbreite zu — anzunehmen. 

A 

Diese Kontrollvorrichtungen wer- 
den an der Latte symmetrisch befestigt 
und zwar so, dass an jeder Seite eine 
durch die Mitte der Flügel gehende 
Linie rechtwinklig zur Skalaebene, beziehungsweise um J /ioo auf- 
wärts geneigt, steht, sowie dass die Oberkante AJ ungefähr mit 
der Unterkante der Nullpunktszeichnung zusammen fällt. Diese, 
im Vergleich zu Fig. 1, gewählte tiefere Lage bezweckt, dass die, 
die Skalaebene überragendeu Theile der Kontrollvorrichtungen bei 
Sonnenschein keinen Schatten auf den Nullpunkt werfen können, 
was bei Messungen bis zu 200 m Entfernung zwar wenig belästigt, 
jedoch auf grössere Entfernungen schon störend wirken würde. Aus 
ähnlichem Grunde sind auch die Handhaben unterhalb der Kon- 

Zeitschrift für Vermessungswesen. 18Sfl. 14. lieft. 23 




Schniil JCJi 




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354 



Wagner. Ueber die Hülfsmittel der Tachymetrie, 



trollvorriclitung anzubringen, da diese bei der in Fig. 1 gezeichneten An- 
ordnung die unteren Kontrollstreifen zuweilen beschatten würden. 

Sodann kann die bei L ersichtliche kleine Einkerbung zur Ein- 
richtung der Latte dienen, indem man , durch dieselbe sehend , die 
Ecke II auf das Instrument richtet. Einfacher ist aber, wenn der 
Lattenführer die mit dieser Visirlinie parallel liegenden Kanten 
A J oder B K benutzt, welche zu diesem Zwecke mehr als ausreichende 
Länge haben. 

Da die vorderen Kontrollflügel je 4 cm Höhe haben , während 
die Höhe der weissen Theile der hinteren Flügel je 6 cm beträgt, 
so wird der Beobachter, bei richtig stehender Latte, auf jeder Seite 
derselben zwei weisse > Kontrollstreifen < von je 5 cm Länge und 
1 cm Höhe sehen. Diese Streifen werden in jedem Falle, wenigstens 
auf einer Seite , dieselbe Beleuchtung wie die Lattenskala haben. 
Denn steht die Sonne im Kücken der Latte, so haben sämmtliche 
Streifen gleichen Schatten, wie die Skala; fällt dagegen das Licht 
von vorne, _ so kann der Schatten der Latte nur die Streifen auf 
einer Seite treffen , während diejenigen der anderen Seite volles 
Licht behalten. Nachdem nun zur Ausübung der Kontrolle auch 
nur die Streifen auf einer Seite der Latte erforderlich sind , so 
kann ein Lichtmangel, ähnlich wie bei den fehlerzeigenden Streifen, 
hier nicht Vorkommen ; ausserdem werden die Kontrollstreifen auch 
verhältnissmässig besser, als jene, gesehen, weil sie oben und unten 
schwarz begrenzt sind und auch mindestens 2'h fach grössere Länge 
haben. 

Sobald nun die Latte von ihrer normalen Stellung abweicht, 
so wird die Höhe des einen Kontrollstreifens, der Abweichung ent- 
sprechend, grösser und die Höhe des anderen Streifens kleiner ge- 
sehen, und da aus der ungleichen Streifenhöhe auf die Abweichung 
zu schliessen ist, so kommt der begangene Fehler zweifach zum 
Ausdruck. In der Praxis wird aber nicht nothwendig, sich dieser- 
lialb mit Abschätzungen zu plagen, sondern es ist nur die einfache 
Regel zu beachten, dass jede Lattenaufstellung geduldet werden 
darf, bei welcher mindestens auf einer Seite der Latte beide Kon- 
trollstreifen sichtbar sind und sich zwischen denselben keine groben, 
in die Augen springenden Ungleichheiten erkennen hissen. 

Die Richtigkeit dieser Regel lässt sich an Beispielen leicht 
nachweisen. Angenommen, der Abstand der zu einander gehörenden 
Kontrollflügel betrage, — der früheren Zielbrettlänge gemäss — 150mm 
und die Latte stehe 8 /, S0 geneigt, so wird der eine Kontrollstreifen 
10 -f- 8 =18 mm und der andere 10 — 8 = 2 mm Höhe erhalten. 
Dieser bedeutende Unterschied wird selbstredend auf den ersten 
Blick erkannt und zur Beanstandung der Lattenaufstellung fuhren, 
solange der schmälere Streifen überhaupt sichtbar ist. Sobald 
dagegen letzteres nicht mehr der Fall ist, so muss die Latten- 
aufstellung beanstandet werden, weil nur ein Kontrollstreifen 
gesehen wird. 

Setzen wir ferner voraus, die Lattenabweichung betrage die 

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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 355 



Hälfte der vorigen oder *'150, — welche Abweichung, für sich 
betrachtet, einen Fehler von nur 0,03% erzeugt, — so wird der 
eine Kontrollstreifen 14 mm und der andere 6 mm Höhe haben. 
Auch dieser Unterschied ist noch sofort erkennbar und wird derselbe 
in der Regel zur Korrektur der Lattenaufstellung drängen, obgleich 
damit für die Genauigkeit der Messungen eigentlich nichts bezweckt 
würde. 

Sollte endlich gar kein Streifen mehr gesehen werden, so hört 
auch das Distanzmessen auf. Denn wenn weisse Streifen von 50 mm 
Länge und 14 bis 18 mm Höhe, welche mit den Lattenintervallen 
gleiche Beleuchtung haben, nicht mehr sichtbar sind, so kann von 
einigermassen brauchbaren Distanzmessungen gar keine Rede mehr 
sein, einerlei, ob die alsdann herrschenden ungünstigen Zielverhält- 
nisse von trüber Luft, Oscillationen oder von grosser Enfernung 
etc. herrühren. Der Fall, dass der Lattenfdhrer den umklappbaren 
Flügel zu öffnen versäumen könnte, steht nicht zu befürchten, da 
alsdann der Beobachter sie sofort vermissen würde. 

Aus diesen Beispielen geht aber schon hervor, dass diese 
Kontrolle schärfer wirkt, als verlangt werden muss. Es ist daher 
auch statthaft, den Abstand der Kontrollflügel von einander auf 
10 bis 12 cm zu ermässigen, wodurch die Vorrichtung ein hand- 
licheres Aussehen erhält, und für diesen kürzeren Abstand die 
Höhe der Kontrollstreifen für die normale Lattenaufstellung zu 
ca. 8 mm anzuordnen. 

Bemerkenswerth ist ferner, dass die Ausübung der Kontrolle 
weder Arbeit noch Zeit beansprucht; ein einziger Blick genügt in 
der Regel, um sich von der richtigen oder unrichtigen Lattenauf- 
stellung zu überzeugen. Da ausserdem die fehlerzeigenden, bezw. 
Kontrollstreifen, in unmittelbarer Nähe des Lattennullpunkts liegen, 
so werden, während dem Einstellen des Fadenkreuzes auf Null, 
alle etwa vorkommenden gröberen unzulässigen Abweichungen schon 
unwillkürlich gesehen. 

Schliesslich darf noch Erwähnung finden, dass bei manchen 
Kopien der Wagner’chen Distanzlatte die Oberkante der Zielbretter 
in gleiche Höhe mit dem Nullpunkt gelegt wurde, wie in Fig. 1 dar- 
gestellt ist. Diese Abänderung kann als eine glückliche nicht 
bezeichnet werden, weil alsdann der auf den Nullpunkt eingestellte 
Faden des Distanzmessers die in gleicher Höhe etwa erscheinenden 
fehlerzeigenden Streifen verdeckt und dadurch eine nachträgliche 
Kontrolle behindert wird. Besser ist jedenfalls, wenn die Zielbretter 
etc. so angeordnet sind, dass nicht allein vor, sondern auch nach 
erfolgter Einstellung des Nullpunktfadens die Lattenaufstellung 
kontrollirt werden kann, was sowohl bei den Anordnungen in Fig. 6 
der Fall ist, als auch, wenn man die Zielbrettchen einige Centi- 
meter höher, als in Fig. 1, befestigt, so dass die Mitte der Brettchen 
in gleicher Höhe mit dem Nullpunkt zu stehen kommen. Diese 
letztere Anordnung eignet sich zwar weniger zu Messungen auf 
grosse Entfernungen, weil — wie schon bemerkt wurde — die vor- 

23. 



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356 



Kleinere Mittheihmgen. 



ragenden Theile der Zielbretter störend wirkenden Schatten auf 
den Nullpunkt werfen können, dagegen haben diese vorragenden 
Theile auch den Vortheil, dass durch sie der Nullpunkt gegen 
Beschädigungen ungemein geschützt wird. 

(Schluss folgt.) 



Kleinere Mittliei hingen. 

Ueber Stationirung der Strassen. 

Bei vielfacher Benutzung der Landstrassen im Herzogthum 
Sachsen-Altenburg fiel mir auf, dass die angegebene Stationirung 
im hügeligen Terrain, wo Steigungsverhältnisse 1 : 20 bis 1 : 15 sehr 
oft Vorkommen, stets grösser war, als die aus den Generalstabskarten 
durch Abgreifen mit dem Zirkel bestimmten Entfernungen zweier 
Orte, so dass ich daraus schloss, dass die Längenmessung auf dem 
geneigten Boden ausgeführt und nicht auf den Horizont reducirt 
sei. Nach eingezogenen Erkundigungen bei einem höhern Bau- 
beamten erfuhr ich, dass meine Vermuthungen sich bestätigten. 

Die Gründe, welche die Bauverwaltung veranlasst, die geneigte 
Bodenfläche zu messen, erscheinen mir vollkommen berechtigt, denn 
abgesehen davon, dass man die wirkliche Weglänge angiebt, welche 
man zurücklegen muss, um durch Thäler von Berg zu Berg zu 
gelangen , so ist der Nutzen , den diese Art der Stationirung 
mit sich bringt, für die technischen Zwecke, die Unterhaltung der 
Strassen , von unverkennbarem Werthe. Ohne ein Längenprofil 
beziehungsweise irgend eine Karte nöthig zu haben , ergiebt sich 
aus der Stationirung die Weglänge und aus der bekannten Strassen- 
breite sofort die Fläche , welche in fahrlichem Zustande erhalten 
werden muss, und hiernach werden die Unterhaltungsarbeiten — 
grössten theils gegen Akkord — verdungen, das Schotterungsmaterial 
angeschafft. Es wäre von Interesse zu erfahren, ob diese Art der 
Stationirung bei ausgeführten Strassen im Allgemeinen üblich ist, 
vielleicht haben einige Collegen, die hierüber Erfahruug besitzen, 
die Güte, darüber zu berichten. 

Die Frage liegt nun sehr nahe, ob auch die Stationirung der 
Eisenbahnen in dieser Weise ausgeführt wird, oder ob eine Re- 
duktion der geneigten Schienenlänge auf den Horizont stattfindet. 

Die stärkste Steigung der Eisenbahnen in Deutschland beträgt 
1 : 40, so dass der Unterschied beider Messungen ein beträchtlicher 
ist. Für die Unterhaltung der Bahnen, beispielsweise in Betreff der 
Auswechselung der Schienen, der Anzahl der nothwendigen Schwellen, 
der Unterstopfung derselben u. s. w., scheint mir die in geneigter 
Lage ausgeführte Stationirung die vortheilhafteste zu sein , da sie 
die wirkliche Länge, welche man zu den Berechnungen nöthig hat, 

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Kleinere Mittheilungen. 357 



direkt angiebt. Auch in volkswirtschaftlichem Sinn ist es von 
Wichtigkeit, die Art und Weise der Stationirung bei ausgeführten 
Strassen und Eisenbahnen zu erfahren , denn die Fahrpreise der 
Posten und Bahnen richten sich für Menschen ' und Güterverkehr 
stets nach der angegebenen Entfernung; auch erhält das Zugpersonal 
der Eisenbahnen hiernach seine besonderen Vergütungen. 

So vorteilhaft die Stationirung der Strassen und Eisenbahnen 
in geneigter Lage für den Betrieb nun auch ist, so muss man 
immerhin bedenken, dass die auf diese Weise bestimmte Wegelänge 
mit der Karte nicht übereinstimmt und dass dieselbe nur durch 
Reduktion in die vorhandene Flurkarte eingetragen werden kann; 
ob hierauf immerhin genügend Bedacht genommen wird — be- 
sonders bei massigen Steigungsverhältnissen, bei denen der Unter- 
schied noch gering ist, — lasse ich dahingestellt sein. Jedenfalls bin 
ich der Ansicht, dass die Wege- und Eisen bahningenieure vielfach 
ohne Grund über eventuell mangelhafte Katasterkarten dadurch 
klagen, dass ihre Bahnaxe nicht in dieselben passt; die vernach- 
lässigte oder mangelhaft ausgeführte Reduktion der gemessenen 
Längen auf den Horizont wird öfters die meiste Schuld tragen. 

Gerlce. 



Katasterbereinigung in Elsass-Lothringen. 

Die auf Grund des Katastergesetzes vom 31. März 1SS4 zur 
Ausführung gelangenden Katasterarbeiten (Stückvermessung, wie 
Berichtigung) erfolgen gegenwärtig mit Ausschluss der trigono- 
metrischen Arbeiten, welche durch besondere Trigonometer unter 
direkter Leitung der Katasterkommission ausgeführt werden, durch 
12 Vermessungspersonale, welche je aus einer Anzahl von Feld- 
messern und technischen Ilülfsarbeitern, deren Honorirung direkt 
aus der Landeskasse nach einem vom Kaiserlichen Ministerium 
festgestellten Tarif statthat, zusammengesetzt und der Spezial- 
leitung und Aufsicht eines Personalvorstehers unterstellt sind. Das 
gesammte Vermessungspersonal besteht z. Zt. aus etwa 120 Per- 
sonen. Der Bedarf ist jedoch bei Weitem nicht gedeckt. Es besteht 
die Absicht, allmählig sowohl die vorhandenen Personale zu ver- 
grössern, als auch noch weitere Personale einzurichten. 

Die Katasterarbeiten werden, wie wir zuverlässig erfahren, 
namentlich bei den im Lande zahlreich auftretenden Regulirungen 
(Grenzherstellungen etc.), Jahrzehnte dauern. Es bietet sich sonach 
für Feldmesser und Vermessungsgehülfen auf längere Zeit ein reiches 
Feld der Thätigkeit. 

Da nach Vorschrift des erwähnten Katastergesetzes ferner die 
neuen Kataster unmittelbar nach ihrer Herstellung auf Grund von 
Fortführungsvermessungen mit der Gegenwart in Einklang erhalten 



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358 



Literaturzeitung. 



werden sollen, und eine Neuregelung des gesammten Kataster- 
Fortführungsdienstes hierdurch bedingt ist, so wird sich mit dem 
weiteren Fortschreiten der Katasterbereinigungsarbeiten nach dem 
Vorgänge anderer deutscher Staaten für die bewährten Kataster- 
feldmesser voraussichtlich auch Gelegenheit zur Erlangung einer 
gesicherten, dauernden Stelle im Elsass-Lotliringischen Landes- 
dienste bieten. 

Wir wollen nicht unterlassen, hierauf aufmerksam zu machen, 
indem wir noch anfiigen, dass etwaige Gesuche um Verwendung 
im Dienste der Elsass-Lotbringischen Katasterverwaltung, mit den 
Zeugnissen und einer Lebensbeschreibung begleitet, an die Kataster- 
kommission im Kaiserlichen Ministerium zu Strassburg zu richten 
sind. R. 



Literaturzeitung. 

Nivellements der trigonometrischen Abtheilung der Landesauf nähme. Sechster Band. 
(Schlesien.) Mit 7 Tafeln. Berlin 1886. Im Selbstverläge. Zu beziehen durch 
die Königliche Hofbuchhandlung von E. J. Mittler & Sohn. Kochstrasse 
69—70. 148 S. 4“. 

Das schöne Werk unseres Landesnivellements schreitet rasch 
vorwärts, und umfasst nun mit diesem VI. Bande ganz Schlesien. 
(Das Uebersichtsnetz der Nivellements, Eintheilung nach Bänden, 
haben wir im Jahr 1883 S. 502 der Zeitschrift abgedruckt.) 

Als neu wird in diesem Bande (S. 1) eine besondere Art von 
Festpunkten genannt, die im Jahre 1882 unter der Benennung 
> Höhenmarken^ eingeführt und lediglich zur Anbringung an festen 
Gebäuden bestimmt sind. Dieselben bestehen aus einem gusseisernen 
Kopf mit der Inschrift : 

KÖNIGL. PREUSS. LANDES-AUFNAHME 

METER übkr NORMAL-NULL*) 

wobei die Zahl der Meter (im Vorstehenden durch ange- 

deutet) nach Einsetzung der Marke auf einer in Erz gegossenen 
Platte angebracht wird. 

Diese Höhenmarken werden in Gebäude eincementirt oder ein- 
gemauert, 0,5 m bis 1 m über dem Erdboden, so dass die Nivellir- 
latte immer noch unmittelbar aufgesetzt werden kann. 

Als Gebäude zur Anbringung solcher Marken werden nament- 
lich steinerne Kirchen gewählt; Eisenbahn- und ähnliche Gebäude, 
welche dem Umbau und Abbruch in höherem Grade ausgesetzt 
sind, werden vermieden. Der Abstand der Marken ist durchschnitt- 



*) Eine solche Höhenmarke befindet sich z. B. an dem westlichen Portal 
der technischen Hochschule zu Hannover. 



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Literaturzeitung. 



359 



lieh 10 Kilometer. Die Höhenmarken wurden nicht nur seit 1882 
auf den neuen Linien eingeführt, sondern nachträglich auch auf 
den älteren Linien, mit Einbindung an je mindestens zwei ältere 
gewöhnliche Bolzen. 

Von 323 auf diese Weise controllirten Rolzen wurden 11 (also 
3 °/ 0 )als verändert constatirt, nämlich 6 Bolzen im Mittel um 33 mm 
gesenkt und 5 Bolzen im Mittel um 33 mm gehoben. Von diesen 
liegen die 4 ersten in einem Bergwerksbezirk , wo ein allmäliges 
Nachsinken kaum auffallend ist. 

Hiezu gehört auch eine Bemerkung von S. 2 der nachher zu 
betrachtenden »Auszüge aus den Nivellements der trigonometrischen 
Abtheilung der Landesaufnahme«, dass nemlich seit 1884 auch noch 
Nivellements-Mauerboleen an Gebäuden, Brücken u. s. w. in Abständen 
von 5 Kilometern von einander gesetzt werden. 

Die in dem vorliegenden Bande mitgetheilten Nivellements (S. 7 
bis 21) stammen von den langjährig erfahrenen Beobachtern Falken- 
hain, Helm , Mühlhausen, Kunkel. Essind 1216 Strecken von je etwa 
2 Kilometer, also etwa 2432 Kilometer doppelt nivellirt, der Grenz- 
fehler von 12 mm für 1 Strecke hin und her wurde in 3 Fällen 
überschritten, wesshalb diese Messungen verworfen und durch neue 
ersetzt wurden. Bedenkt man, dass 3 Fälle unter 1216 Fällen nur 
0,25 °l o betragen, so erkennt man die Sorgfalt und Schärfe, welche 
ein Beobachter, der zum erstenmal sich an solche Arbeiten begibt, 
nicht erreichen würde. Die Differenzen I. — II. der Nivelle- 

ments hin und her hatten früher ein Bestreben gezeigt, gleichen 
Sinn einzuhalten; nun ist nicht mehr davon die Rede, es 
scheint gelungen zu sein, durch stärkere Stative, überhaupt durch 
Anwendung der äusseisten Sorgfalt, constante Fehlerquellen gröss- 
tentheils fern zu halten. Die Ausgleichung erfolgte in 15 Schleifen. 
Die Gewichte sind umgekehrt proportional den Entfernungen ge- 
nommen, was trotz der nicht unbedeutenden Höhen (z. B. Linie 18 
mit 300 m) zulässig ist, weil die Lattenunsicherheit durch tägliche 
Lattenvergleichung sehr eingeschränkt ist. Indessen sind des An- 
schlusses wegen 4 Linien mit Gewichten = ac eingeführt. 

Der mittlere Fehler einer doppeltnivellirten Einkilometerstrecke 
(S. 29) wird dreifach berechnet: 

1. Aus den Differenzen I. — II. der 1216 Strecken 

von je etwa 2 km Länge (S. 30) in — 1,28 mm 

2. Aus den Differenzen I. — II. der 37 Schleifen- 
linien (S. 31) »» = 2,45 mm 

3. Aus den Schlussfehlern der 15 Schleifen (S. 32) »» = 2,18 mm 

Hiezu kommt noch eine Ausgleichung mit Rück- 
sicht auf den Einfluss der normalen Aenderung der 
Schwerkraft auf die Schlussfehler der Schleifen (S. 121) 

und diese gibt 

4 »» = 2,27 mm 

Die Berücksichtigung der normalen Schwerkraftsänderung hat 
also dieses Mal den mittleren Fehler vergrössert. Dieses und andere 



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360 



Literaturzeitung. 



Umstände äusserer Art haben nach S. 122 — 123 den Chef der tri- 
gonometrischen Abtheilung bestimmt, von der Berücksichtigung der 
normalen Schwerkraftsänderung bei den amtlichen Höhenangaben 
über Normal-Null abzusehen. Ob einzelne besonders grosse Schluss- 
fehler in 3 Schleifen, deren südliche Begrenzungslinien entlang dem 
schlesischen Gebirge um etwa 200 m höher sind , als im Norden, 
lediglich durch Beobachtungsfehler zu erklären oder auf Rechnung 
physikalischer Einflüsse zu setzen sind, wird vorläufig nicht erörtert. 
(S.123.) 

Zu den verschiedenen Berechnungen des mittleren Fehlers m 
haben wir seit Jahren ein kleines formelles Bedenken : Wenn die 
Höhenwerthe in den einzelnen Strecken auf 1 mm abgerundet 
werden, so entspricht das einem mittleren Fehler von + 0,25 mm in 
jeder Strecke ; auf eine Linie kommen etwa 36 Strecken, die Linie 
wird also durch das Abrunden um etwa 0,25 F3ö = + 1,5 mm geän- 
dert. Bedenkt man, wie z. B. in den trigonometrischen Arbeiten 
meist auf 0,01" und 0,001" scharf gerechnet wird, obgleich die 
sachliche Schärfe viel geringer ist, so kann man wohl fragen , ob 
es nicht passend wäre, bei den Nivellements die Abrundung auf 
1 mm nicht in den Strecken, sondern erst in den Linien eintreten 
zu lassen. 

Ein interessantes Resultat von internationalem Interesse wird 
auf S. 124 — 125 gegeben in der Höhenvergleichung von 46 Küsten- 
pegeln der Ostsee, der Nordsee, des Kanals, des atlantischen Oceans 
und des mittelländischen Meeres, alles bezogen auf N. N. (mit oder 
ohne Rücksicht auf die normale Schwerkraftsänderung?). 

Zum Schluss kommen noch Nachweise über 13 zerstörte oder 
versetzte Nivellementspunkte, welche dem Gedanken, die Bolzen 
wenn möglich an Gebäuden und nicht an isolirten Granitsteinen 
anzubringen, neue Nahrung geben (s. o. Mauerbolzen). 

Im Ganzen gibt der neue Nivellementsband wieder Anlass, der 
Leitung unserer Landesaufnahme den Dank der Techniker dar- 
zubringen für das so werthvolle Werk, dem im In- und Auslande 
kein zweites sich an die Seite stellen kann. Namentlich möchten 
wir die Zuverlässigkeit nochmals betonen, welche in den Original- 
messungen mit nur 0,25 °/ 0 Verwerfungen liegt. 

Jordan. 



Auszug aus den Nivellements der trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme 
Bearbeitet von dem Bureau des Centraldirectoriums der Vermessungen. 
Berlin 1886. Mittler &Sohn, Königliche Hofbuchhandlung, Kochstrasse 68-70. 

I. Heft : Provinz Rheinland, Bayerische Pfalz, Elsass-Lothringen 
und angrenzende Landestheile, mit einer Uebersichtstafel. 85 S. 8°. 
Preis 1 M. 75 



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Literaturzeitung. 



301 



II. Heft: Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover, Westfalen 
und von denselben umschlossene ausserpreussische Gebiete, mit einer 
Uebersichtstafel. 107 S. 8°. Preis 1 Jf,. 75 

III. Heft: Provinzen Sachsen, Hessen-Nassau und die Thü- 
ringischen Lande, mit einer Uebersichtstafel. 106 S. 8°. Preis 1 M. 75 

IV. Heft: Provinzen Pommern, Brandenburg, Grossherzogthümer 
Mecklenburg und angrenzende Landestheile, mit einer Uebersichts- 
tafel. 108 S. 8°. Preis 1 Jh. 75 

V. Heft: Provinzen Posen, Schlesien und angrenzende Landes- 
theile, mit einer Uebersichtstafel. 120 S. 8°. Preis 1 M. 75 ,Sj. 

Das Bedürfniss übersichtlicher und wohlfeiler Auszüge aus den 
Nivellenientspublikationen der Landesaufnahme wurde schon seit 
Jahren in den Kreisen der Techniker empfunden, und es wurde ver- 
sucht, theils auf dem Wege des Privatunternehmens, theils durch 
Feldmesservereine, diesem Bedürfnisse zu genügen. Dieses ist nur 
tlieilweise gelungen, z. B. wurde betreffs der aus Privatunternehmen 
hervorgegangenen Abdrücke wiederholt über zu hoho Preise geklagt. 
Unter allen Umständen ermangelten die erwähnten Versuche der 
unbedingten amtlichen Giltigkeit. 

All’ diesem ist nun abgeholfen : die amtlichen Auszüge geben 
in übersichtlichster Form die Höhen über N. N. für je mehrere 
Provinzen zu dem geringen Preise von 1 Jk. 75 ,$). 

Das Auftinden der Stellen wird durch eine jedem Hefte bei- 
gegebene Uebersichtstafel sehr bequem gemacht. Um z. B. für die 
Stadt Hannover die Bolzenangaben zu finden , sehen wir auf der 
Uebersichtstafel des II. Heftes, dass Hannover auf den Linien 23, 

24 und 25 liegt. Man sucht also im Columnentitel Linie 23, 24, 

25 Seite 35 und findet dort z. B. Bolzen 2000 beim Strassenstein 
2,1 in der Vorstadt Linden, Höhe ==61,440 m über N. N. 

Auch die Beziehungen zu den wissenschaftlichen Nivellements- 
bänden I. bis VI. sind unten auf den Seiten angegeben. 

Jordan. 



Dr. phil. Bruno Schlitte . Die Zusammenlegung der Grundstücke in ihrer rolks- 
wirthscha ft liehen Bedeutung und Durchführung. Leipzig IbSC. 

Diese dem Minister Dr. Lucius gewidmete Schrift zerfällt in 
drei Abtheilungen, zuerst in einen allgemeinen Theil von 151 Sei- 
ten, welcher die Dissertation des Verfassers in erweitertem Umfange 
wiedergiebt, und den Gegenstand u. a. nach seiner volkswirthschaft- 
lichen und finanziellen Bedeutung, seinen Beziehungen zur innern 
Verwaltung, nach ethisch rechtlicher Hinsicht, sowie nach Einwän 
den, Hindernissen und Beförderungsmitteln eingehend behandelt. 

Die erste Hälfte des speziellen Theils erstreckt sich auf die 
Zusammenlegungen in Prcussen und behandelt auf 649 Seiten unter 
I. den Abriss der materiellen Gesetzgebung, die formellen For- 
schriften und die Statistik der Auseinandersetzungen ; unter II. die 



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Literaturzeitung. 



Durchführung der Zusammenlegung in den einzelnen Provinzen. 
Bringt es die Natur der Sache mit sich, dass unter 1. nur die be- 
stehenden Rechts- und Verwaltungsgrundsätze, welche auch in an- 
dern Schriften , z. B. von Lette und Rönne bearbeitet sind , zur 
Darstellung gelangen , so ist diese doch unter Benützung einer 
reichen Literatur eine so concise, dass dadurch der Ueberblick 
wesentlich erleichtert und der Nachweis aller hierhin gehörenden 
Erlasse etc. auf nur 68 Seiten vollständig erbracht wird. — Das 
Hauptinteresse aber verdient das sub II. Gebrachte als eine durch- 
weg eigenartige Arbeit, welche die Geschichte der provinziellen 
Zusammenlegungen enthält und sowohl das bereits Erledigte nach- 
weist, als auch erkennen lässt, wie viel noch in einzelnen Provin- 
zen, wie Schlesien, Westphalen, Hessen, Hannover und Holstein 
zusammenzulegen ist. Ganz abgesehen von der Rheinprovinz, wo 
man eben erst beginnt , wird nachgewiesen , ja wie unendlich 
viel noch auf diesem Gebiete in Preussen zu thun ist, wie erst all- 
mälig neben der Aufhebung der Gemeinheiten und Servitute sich 
die eigentliche Zusammenlegung Geltung verschafft hat und nun 
zur Hauptsache geworden ist. Ein weiterer Schritt von weit- 
gehendster Bedeutung würde es sein, wenn , wie es heutzutage be- 
sonders nothwendig ist, die Melioration der Gemarkungen an die 
Spitze gestellt und die Zusammenlegung als wichtiges Glied der- 
selben , nicht aber umgekehrt, durch die Gesetzgebung declarirt 
würde. In diesem Rahmen würde es möglich sein , eine ganze 
Folgenreihe der älteren Auseinandersetzungen und Special-Separa- 
tionen wiederholt dem meliorirenden Verfahren, welches früher ver- 
nachlässigt wurde, zu unterwerfen und neue Kulturbahnen zu er- 
öffnen ; es würde dies gleichbedeutend mit einer Regeneration der 
betreffenden Behörden sein. 

Die zweite Hälfte des speciellen Theiles behandelt die übrigen 
deutschen Staaten auf 437 Seiten und der Anhang wie Nachträge 
geben einen Abriss der Zusammenlegung ausserhalb des Deutschen 
Reiches auf 110 Seiten. 

Der Verfasser hat es verstanden, aus der Fülle des literarischen 
wie des ihm officiell zugänglich gemachten, schwierig zu erlangen- 
den Materials mit kritischem Scharfblick das Wesentliche von dem 
weniger Wichtigen zu sondern und einen durchweg befriedigenden 
Abschluss zu erreichen , welcher sowohl für den Verwaltungsbeam- 
ten als auch für den landwirthschaftlichen Interessenten von blei- 
bendem Werthe ist. D. 



Verdeutschung»- WBrterbuch von Otto Sarrazin , Regierungs- und Gaurath im 
Königlich Preussischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten. 14 Druck- 
bogen. Preis : geheftet 4 Mk. 60 Pfg. , geb. in Leinwand 5 Mk. 60 Pfg. 



Wir begrüssen dieses Buch mit Freuden ! Der Kampf gegen 
die Verunstaltung unserer Sprache durch fremde Anhängsel, welche 
Knechtsinn und Halbbildung hereingebracht haben, und welche 



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Literaturzeitung. 



363 



Trägheit und Vornehmthuerei immer noch festhalten wollen, ist 
eine nothwendige Folge des Aufschwungs von 1870. 

Aber wer ist immer in der Lage, das richtige deutsche Wort 
Für ein wälsches Wort zu finden, und wer entscheidet im Falle meh- 
rerer zur Verfügung stehender Verdeutschungen? 

Der Verfasser vorliegenden Werks war vermöge seiner amt- 
lichen Stellung hauptsächlich befähigt, deutsche Wortbildungen zu 
empfehlen und nöthigenfalls zu schaffen. Wie schön klingt z. ß. 
„Lageplan“ statt „Situationsplan“. Obgleich „Plan“ auch nicht 
kerndeutsch ist, so ist die Verbesserung doch bedeutend. 

Verfasser lässt zum Theil zu viel Spielraum , z. B. das un- 
glückliche ä soll übersetzt werden mit : zu , je , zu je , je zu, 
um je , für, um. Zwei Beispiele wären hier besser , 1 Ruthe zu 3 
Meter, 100 Mark für das Quadratmeter. 

Wir wollen keinen Auszug aus dem Buche bringen , sondern 
dieses selbst den Fachgenossen empfehlen, welche eine reine deutsche 
Sprache lieben, und den deutsch-französischen Mischmasch Hand- 
lungsdienern und Kellnern überlassen, in deren Kreisen die Misch- 
sprache sich vollends ausleben wird. J. 



Englisches Vokabular. Mit Bezeichnung der Aussprache. (Separatabdruck aus 
der 4. Auflage von English Vocabulary and English Pronunciation.) 
Von Albert Benecke , Direktor der Sophienschule zu Berlin. Fünfte ver- 
änderte und vermehrte Auflage. Potsdam 1885. Verlag von Aug. Stein. 
159 S. 8°. 1 Mk. 20 Pfg. 

Die Aussprachebezeichnung im Allgemeinen nach Walker’s 
System, wenn auch in Einzelheiten abweichend, ist gut, doch sollte 
mit Rücksicht auf Anfänger die Erklärung der Aussprachezeichen 
auch auf deutsche Beispielsworte ausgedehnt sein. 

Der Stoff ist mit Umsicht und Geschick geordnet und verhält- 
nissmässig reichhaltig. Mit Vergnügen entdeckt man manche Aus- 
drücke, nach denen man in vielen derartigen kleinen Wörterbüchern 
vergeblich suchen würde. Dass nicht allein Worte, sondern auch 
viele, wirklich gute, englische Redewendungen gegeben sind, macht 
das Büchelchen um so brauchbarer. 

Bei dem mässigen Preise daher wohl zu empfehlen. 
Hannover, März 1886. Lauenstein. 



Geographischer Ifandtceiser. Systematische Zusammenstellung der wichtigsten 
Zahlen und Daten aus der Geographie; vom Hauptmann A. E. Lux. 5. 
Auflage. Stuttgart. Levy & Müller. 55 S. 8°. 

Dieses Werkelten enthält eine übersichtliche Zusammenstellung 
von Zahlenwerthen der Geographie, bei der Fixsternwelt beginnend 
und mit einer Vergleichung verschiedener Meilenmasse endigend. 
In den astronomischen Mittheilungen zur mathematischen Geographie 



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D« 



364 



Neue Schriften über Vermessuugswesen. 



könnte man einige Ausstellungen machen: z. B. dass die »Menge 
aller Fixsterne mit 200000 angenommen« wird, worauf noch die 
Michstrassen-Sterne und Nebelflecke mit gegen 70 Millionen Sternen 
erwähnt werden, ln der Planeten-Tahelle möchten wir statt des 
nur dem Namen nach angegebenen Planeten Vulkan (?) lieber noch 
eine Spalte mit den scheinbaren Durchmessern der Planeten in Erd- 
nähe und Erdferne haben. — Bei der Tabelle der physischen Geo- 
graphie über Berghohen (S. 10 — 12) wäre zu fragen, ob der Mount 
Everest mit 8840 m noch der höchste Berg der Erde ist? Doch 
wollen wir hierüber aus Mangel an Quellen-Nachweisen nicht rechten. 
Dieses führt aber zu der Frage, ob es auch bei einem solchen 
Unterrichts-Hilfsmittel nicht angezeigt ist, dem Leser, wenigstens in An- 
merkungen am Schlüsse, mitzutheilen, woher der Verfasser alle die 
vielen Zahlen über Höhen , Flächen , Einwohner u. s. w. geschöpft 
hat ? Abgesehen von der Pflicht gegenüber den Verfassern, welche 
aus erster Hand sammeln, ist die Kenntniss der geographischen 
Quellen zweiter Ordnung, z. B. Petermann’s Mittheilungen, Gothaer 
Almanack, Bebm’s Jahrbuch u. s. w., auch für den Unterricht sehr 
erwünscht. 

Die Zahlen-Angaben als durchweg richtig voraussetzend, können 
wir dieses Tabellen-Werkchen nach Anordnung und Ueborsichtlich- 
keit gut empfehlen. Jordan. 



Neue Schriften über Yerniessungswesen. 

Nivellements der trigonometrischen Abteilung der Landesaufnahme. 
Sechster Band. (Schlesien.) Mit 7 Tafeln. Berlin 1886. Im 
Selbstverläge zu beziehen durch die Königliche Hofbuchhandlung 
von E. S. Mittler & Sohn, Kochstrasse 69 — 70. 148 S. 4°. 

Die Zusammenlegung der Grundstücke in ihrer volkswirthschaft- 
lichen Bedeutung und Durchführung. Von Dr. phil. Bruno 
Schlitte. In drei Abtheilungen. Erste Abtheilung : Allgemeiner 
Theil; zweite Abtheilung: Spezieller Theil erste Hälfte: Das 
Königreich Preussen; dritte Abtheilung: Spezieller Theil 

zweite Hälfte : Die deutschen Mittel- und Kleinstaaten. Anhang : 
Ausserdeutsche Staaten. Leipzig. Verlag von Dunker & Humblot 
1886. 28 A Jede Abtheilung des Buches kann auch einzeln be- 
zogen werden, und zwar die erste für 4 A , die zweite für 
16 A und die dritte für 14 A 

Lehrbuch der ebenen Geometrie mit Uebungsaufgaben für höhere 
Lehranstalten von Dr. Th. Spieker, Professor am Realgymnasium 
zu Potsdam. Mit vielen in den Text gedruckten Holzschnitten. 
Siebzehnte verbesserte Auflage. Potsdam 1886. Verlag von 
Aug. Stein. 294 Seiten 8°. Preis 2,50 A 



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Neue Schriften über Vermesaungswesen. 365 

Sammlung von arithmetischen und algebraischen Fragen und Auf- 
gaben, verbunden mit einem systematischen Aufbau der Be- 
griffe, Formeln und Lehrsätze der Arithmetik, Für höhere 
Schulen von Dr. Hermann Schubert, Oberlehrer an der Gelehrten- 
schule des Johanneums in Hamburg. Erstes Heft: Für mittlere 
Klassen. Zweite Auflage. Potsdam 1886. Verlag von Aug. Stein. 
224 Seiten S°. Preis 1,80 Jb. 

Erdmagnetische Beobachtungen im Königreich Sachsen. Von Otto 
Schreyer, Oberlehrer am Realgymnasium zu Freiberg. Freiberg. 
Gerlach’sche Buchdruckerei. 

Travaux et Memoires du Bureau international des poids et mesures, 
publics sous l’autorite du comito international par le directeur 
du bureau. Tome IV. Paris, Gauthier & Villars, imprimerie, 
libraire de l’ecole polytechnique du bureau des longitudes, 
successeur de Malliet- Bachlier, Quai des Augustins 55. 1885. 

Istruzioni per la Formazione di un Catasto Geometrico Razionale, 
del Dott. M. Doll, Geometra Capo a Carlsruhe. Traducione, 
con alcune Considerazioni sul Rilevamento Catastale e Special- 
mente sull’ Applicazione della Celerimensura dell’ Ingegnere 
Giuseppe Erede, Prof, nell’ Istituto Tecnico Provinciale di 
Firenze. Firenze. Felice Paggi, Libraio - Editore, Via del Pro- 
consolo. 1886. 

Fejlenes Theori. Kort Fremstillet efter de mindste Kvad'raters Me- 
thode med sserligt hensyn til den Okonomiske Landmaaling. 
Af E. Möller. Kjöbenhavn. August Bangs Boghandels Forlag. 
Triers Bogtrykkeri (H. J. Schou). 1886. 

Collegio degli Architetti ed Ingegneri in Firenze. Su alcuni errori 
in fatto di Rilevamento Catastale. Discorso letto dal Prof. Ing. 
Giuseppe Erede, nel Collegio degli Architetti ed Ingegneri in 
Firenze il di 8 Aprile 1886. Con una Tavola. Firenze. Tip. di 
G. Carnesecchi e Figli, Piazza d’Arno. 1886. 

Publikation des Königlich Preussischen Geodätischen Instituts. 
Uebersicht der Arbeiten des Königlichen Geodätischen Instituts 
unter Generallieutenant z. D. Dr. Baeyer , nebst einem allge- 
meinen Arbeitspläne des Instituts für das nächste Decennium. 
Berlin. Druck von P. Stankiewicz’ Buchdruckerei. 1886. 39 + 9S. 
4° mit 2 Tafeln. 

Formeln der niederen und höheren Mathematik sowie der Theorie 
der Beobachtungsfehler und der Ausgleichung derselben nach 
der Methode der kleinsten Quadrate. Zum Gebrauch beim 
geodätischen Studium und der geodätischen Praxis, zusammen- 
gestellt von Dr. Veitmann , Docent der Mathematik an der 
landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf, und Otto Koll, 
Docent der Geodäsie an der landwirthschaftlichen Akademie 
Poppelsdorf. 47 Seiten hoch Oktav. — Preis gebunden 3,00 Jb. 



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366 



Patentliste. Gesetze und Verordnungen. 



Patentliste von Verinessiingsinstrumenten. 

Verzeichnis der in den Klassen 19 und 42 angemeldeten, 
ertheilten und erloschenen Patente. 

Zusammengestellt im internationalen Patent- und technischen Bureau von C. L. 

Th. MUller, Civil-Ingenieur in Berlin, Horn-Strasse 3. 

Angemeldeto Patente.*) 

Für die angegebenen Gegenstände haben die Nachgenannten 
die Ertheilung eines Patentes nachgesucht. Der Gegenstand der 
Anmeldung ist einstweilen gegen unbefugte Benutzung geschützt. 

M 4219. Horizontirvorrichtung für Messinstrumente. — H. Müller 
& F. Reinecke, in Firma A. Meissner in Berlin 
R. 3346. Kompass. — Camille Rossignol in Cbälons-sur-Marne, 
Frankreich. 

H. 5705. Reissschiene für Skizzenbücher. Rudolf Hiller in Schön- 
heide. 

Ertheilte Patente. 

Auf die hierunter angegebenen Gegenstände ist den Nachge- 
nannten ein Patent vom angegebenen Tage ab ertheilt. Die Ein- 
tragung in die Patentrolle ist unter der angegebenen Nummer erfolgt. 
Nr. 35459. Horizontalcurven - Massstab. H. Gebürsch in Koblenz 
und 0. Hilbert in Berlin 0., Platz am Schlesischen Bahn- 
hof 3. Vom 5. Juli 1885 ab. 

Nr. 35496. Neuerungen an der durch Patent Nr. 29206 geschützten 
Additionsmaschine; Zusatz zum Patent Nr. 29206. 
M. Mayer, Königlicher Regierungsrath in München. 
Kreuzstrasse 13 I. Vom 24. November 1885 ab. 



Gesetze und Verordnungen. 

Badische Bezirksgeometer. 

Die Verordnung vom Jahr 1875 über die Belohnung der badi- 
schen Bezirksgeometer **) ist aufgehoben, dafür beziehen die Bezirks- 
geometer in der Folge Gehalte von 1800 — 3000 Jb. und einen Woh- 
nungsgeldzuschuss von 96—216 Jb sowie Bureauaversen von 230 
bis 300 Jb aus der Staatskasse. 



*) Auszüge ans den Patentanmeldungen sind durch das Patent- und tech- 
nische Bureau von 0. L. Th. Müller, Civilingenieur in Berlin, Horn-Strasse 3, 
zum Preise von 1 — 3 jH., je nach Umfang, zu beziehen. Mitglieder des Deutschen 
Geometerrereins erhalten daselbst jede geieünschte Auskunft in ausführlichster 
Weise gratis. 

**) Siehe Verordnungsblatt der Ptcuerdireciion Nr. 2 Seite 5 und Zeitschrift 
für Vermessungswesen V III. Band 1879 Seite 287. 



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Unterricht uud Prüfungen. 



367 



Bei Geschäftsverrichtungen ausserhalb des Wohnorts kommt 
für einen ganzen Tag, bei der Zurückkunft in den Monaten Mai 
bis September nach 10 Uhr und in den Monaten Oktober bis April 
nach 0 Uhr , eine ganze Tagesdiät mit 7 M>. in Anrechnung. Bei 
der Rückkehr vor dieser Zeit beträgt die Diät 7 J&. 10 ^ und für 
einen Vor- oder Nachmittag 4 Jh. 10 £\. 

Dazu kommt in den oben angegebenen Wintermonaten ein 
Zuschlag von 10 % der Diät. 

ferner werden die Auslagen für Messgehilfen und für die Reise 
vergütet. 

Die Gebühren der technischen Gehilfen der badischen Bezirks- 
geometer betreffend. 

1 ür die technischen Gehilfen der Bezirksgeometer wird die 
Gebührenordnung vom 4. Januar 1879 ausser Wirksamkeit gesetzt. 
Anstatt dessen werden sieben Gebührenklassen in Abstufungen von 
je 0,2 J6. gebildet, in welche die technischen Gehilfen der Bezirks- 
geometer je nach ihren Leistungen eingetheilt werden, und zwar: 

a. bei Beschäftigung am Wohnsitz des Bezirksgeometer 

täglich 3 Jk. bis 4 Jh. 20 

b. bei auswärtiger Beschäftigung 4 Jh, 20 bis 5 Jk 40 

c. bei auswärtigem Uebernachten weitere . . . 1 Jfe. 50 

Die Gebühren für Beschäftigung am Wohnsitz dürfen auch für 

Sonn- und Feiertage verrechnet werden. 

Die Anrechnung der auswärtigen Gebühr ist in vollem Betrage 
auch dann statthaft, wenn nur ein Theil des Tages auf auswärtige 
Geschäfte verwendet worden ist. 

Die Gebührenforderungszettel der technischen Gehilfen sind von 
den Bezirksgeometern zu prüfen und zu bestätigen und monatlich 
zur Anweisung auf die Staatskasse an die Oberdirection des Wasser- 
und Strassenbaues vorzulegeu. 

Karlsruhe, den 25. Juni 1S86. 

Dr. M. Doll. 



Unferricht und Prüfungen. 

Die Vorlesungen und Uebuugen des geodätisch-culturtechnischen 
Cursus an der Königlichen Landwirthschaftlichen Hochschule in 
Berlin werden im laufenden Sommersemester von 65 Theilnehmern 
besucht und zwar : 

a. der zweisemestrige geodätische Cursus von 7 Stud. 

b. > > culturtechnische Cursus von . . . 2S > 

c. > viersemestrige geodätisch-ndtur technische Cursus von 30 > 

Summa 65 Stud. 



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Personalnachrichten. Vereinsangelegenheiten. 



I 



Personalnachrichten. 

Dem Steuerrath Kersclibaum in Coburg ist das Ritterkreuz 
II. Classe des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens ver- 
liehen worden. 

Der Katastercontroleur, Steuerinspektor Döhrmann in Hanau 
ist in gleicher Diensteigenschaft nach Hannover, desgleichen der 
Katastercontroleur Fete in Diepholz nach Hanau versetzt, und 
der Katasterassistent Grage in Schleswig zum Katastercon- 
troleur in Diepholz befördert worden. 



Vereinsangelegenheiten. 

Neue Mitglieder. 

Nr. 2324. H ü b i n g e r , C., Landmesser und Culturtechniker bei 
der geologischen Landesanstalt, Berlin. 

> 2325. Wegner, Landmesser und Culturtechniker, Cassel. 

> 2326. Räude, Landmesser und Culturtechniker, Cassel. 

» 2327. Kunz, Landmesser und Culturtechniker, Cassel. 

> 2328. Paulussen, P. W. H., Landmeter van het Kadaster, 

Zutphen, Nederland. 



Inhalt. 

Grössere Abhandlung : Ueber die Hülfsmittel der Tachymetrie, insbesondere 
über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung, von Wagner. Kleinere Mitthei- 
lungen : Ueber Stationirung der Strassen, von Gerke. — Katasterbereinigung 
in Elsass-Lothringen, von R. Literaturzeitung : Nivellements der trigonometrischen 
Abtheilung der Landesaufnahme, bespr. von Jordan. — Auszug aus den Nivel- 
lements der trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme, bespr. von 
Jordan. — Die Zusammenlegung der Grundstücke in ihrer volkswirthschaft- 
lichen Bedeutung und Durchführung, von Schlitte, bespr. von D. — Verdeut- 
schungs-Wörterbuch, von Sarrazin, bespr. von J. — Englisches Vokabular, 
von Benecke, bespr. von Lauenstein. — Geographischer Handweiser, von Lux, 
bespr. von Jordan. Neue Schriften Uber Vermessungswesen. Patentliste. Gesetze 
und Verordnungen. Unterricht und Prüfungen. Personalnachrichten. Vereinsangelegen- 
heifen. 



Karlmihe. Dnu k von Malsch A Vogel. 



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ZEITSCHRIFT für VERMESSUNGSWESEN. 

Organ des Deutschen Geometervereins. 

Unter Mitwirkung von C. Steppe », Steuerassessor in München, und 
B. Oerke, Vermessungsdirektor in Altenburg (S.-A.), 
herausgegeben von Dr. IT. Jordan , Professor in Hannover. 

1880. Heft 15. Rand XT. 

1. August. 



Ueber die Hülfsmittel der Tachymetrie, insbesondere 
über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 

Von Carl Wagner, Ingenieur zu Wiesbaden. 

(Schluss.) 

II. a. Kontrolle der senkrechten Lattenaufstellung. 

Bis jetzt gibt es irgend welche Vorrichtungen, mittelst deren 
eine Kontrolle der senkrechten Lattenaufstellung in dem vor- 
beschriebenen Sinne praktisch durchführbar wäre, nicht, wenngleich 
es an Vorschlägen dazu nicht gefehlt hat. So beschreibt u. A. Herr 
Professor Hendrich in der Zeitschrift für Vermessungswesen 1883, 
Seite 121, einen Apparat, der mittelst eines balancirten Fühlhebel- 
werks und eines hierauf einwirkenden Pendels eine Kontrolle 
erzielen soll. Wir müssen uns zwar versagen, hierauf speziell ein- 
zugehen, jedoch dürfte ein kurzer Hinweis auf die diesem und 
ähnlichen Vorschlägen entgegenstehenden Bedenken am Platze sein. 

Zunächst könuen wir irgend welche Apparate, die der Latten- 
führer ohne Vorwissen des distanzmessenden Technikers ausser 
Thätigkeit setzen kann , selbstverständlich nicht als Kontrollvorrichtungen 
ansehen , weil ihre Wirksamkeit von der Aufmerksamkeit und dem 
guten Willen des Lattenführers abhängig sein würde , also man 
Eigenschaften bei demselben voraussetzen müsste , die man gerade 
kontrotliren will. Der in Vorschlag gebrachte Apparat kann aber 
eine dem Lattenführer zugängliche Bremsvorrichtung nicht ent- 
behren, da es sonst zu lange dauern würde, bis das, namentlich 
bei windigem Wetter, bei jeder Lattenaufstellung in Schwingungen 
gerathende Pendel sich beruhigte. Ob dasselbe bei windiger 
Witterung überhaupt zur un erzwungenen Ruhe kommen würde, 
muss überdies fraglich erscheinen. Wollte man aber solche 
Schwingungen durch konstante Reibung verhindern, so könnte sich 
das Pendel nicht genau senkrecht hängen. 

Ferner müsste ein solcher Apparat, — sofern er einigermassen 
richtig wirken soll, — ähnlich einer Priicisionswage, genau gearbeitet 

Zeitschrift für Yeniietttunggu eiten. 1886. 15. Heft. 24 



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370 



Wagner. Heber die Hülfsmittel der Taehymetrie, 



und balancirt sein. Dadurch wird er aber nicht allein sehr kost- 
spielig, sondern gestaltet sich auch zu einer höchst unpassenden 
Zugabe für eine Distanzlatte, die bekanntlich bei coupirtera und 
bewaldetem Terrain häutig durch Dick und Dünn geschleppt werden 
muss und dabei mancherlei unvermeidliche derbe Stösse auszuhalten 
hat. Ein au derselben angebrachter feiner Apparat würde sicherlich 
in kürzester Zeit seine Empfindlichkeit einbüssen und dann ent- 
weder werthlos sein, oder kostspielige Reparaturen veranlassen. 

Mit Bremsvorrichtung ausgerüstet, wäre somit ein solcher 
Apparat zwecklos, ohne dieselben aber praktisch unbrauchbar, 
selbst wenn die Anschaffungs- und Reparaturkosten nicht in Betracht 
gezogen würden. Derselbe ist auch über das Versuchsstadium noch 
nicht hinausgekomraen. Man wird es daher begreiflich finden, wenn 
wir derartige Kontrollvorrichtungen so lauge in das Reich der 
frommen Wünsche verweisen, bis die ihnen entgegenstehenden 
berechtigten Bedenken durch die Praxis widerlegt sind, und dass 
wir bis dahin eine praktisch durchführbare Kontrolle der senk- 
rechten Lattenstellung für unthunlich erklären müssen. 

Da nun fehlerhafte Latteuaufstellungen laut Tabelle (10) einen 
ansehnlichen Einfluss auf die Distanzbestimmungen haben, so ist 
auch die Genauigkeit der Messungen in hohem Grade von der Auf- 
merksamkeit und dem guten Willen des Lattenführers abhängig, 
d. h. von einer aus der Arbeiterklasse zu rekrutirenden, unter- 
geordneten Persönlichkeit, von der weder Verständniss, noch Inter- 
esse für die Sache erwartet werden darf. 

Dies ist offenbar ein sehr wunder Punkt der senkrechten Latten- 
aufstelluny und er allein sollte genügen , diese Methode bei genauen 
Messungen aussuschliessen. 

III. Reduktion der abgelesenen Lattenabschnitte. 

Bei der schiefen Latteuaufstellung wird die schiefe Entfernung 
von dem Lattennullpunkte bis zu dem vorderen Brennpunkt des 
Fernrohrobjectivs direkt abgelesen und durch Hinzuzählen des 
konstanten Abstandes dieses Brennpunktes von der Instruments- 
mitte die ganze schiefe Entfernung ( D ) erhalten. Für die Reduktion I 
derselben in horizontale Entfernung (E) und relative Höhe (A) hat i 
man bekanntlich für den Visurneigungswinkel des unteren Fadens I 
(/?), die Instrumentshöhe (i) und die Nullpunkts- oder Signalhöhe I 
(s) die Formeln : 

E = D kosin ß 4- s sin ß (11) 

i iii I 

und 

h — Dsin ß-\-s(\ — kosin ß) -f- i — s. . . . (12) 

Werden die Glieder ssinß und s (1 ■ — kosin ß), ihres geringen 
Einflusses wegen, ganz vernachlässigt und s — i gesetzt, so folgen 
die Näherungsformeln: 

E = D kosin ß ( 13 ) 

und 

h = Dsinß (14) 

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— — 









insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 371 

Bei der senkrechten Lattenaufstellung ist aber die in Ent- 
fernungstnass ausgedrückte und um den erwähnten konstanten 
Abstand vergrösserte Lattenablesung (D l ) erst mit kosin ß, — 
welcher Winkel sich hier auf die mittlere Visur beziehen soll, — 
zu multipliciren, um die schiefe Entfernung ( D 0 ) zn erhalten. 

Daher hat man für diese Methode die Näherungsformeln: 

E = D l kosin 2 ß (15) 

und 

h = _D, sin ß kosin ß = ^ (16) 

Die Reduktionen können nun auf viererlei Verfahrungsarten 
erfolgen, nämlich : 

1. durch Rechnung, bezw. Benutzung im voraus berechneter 
Tabellen, 

2. auf graphische Weise, 

3. vermittelst mechanischer Vorrichtungen, die mit dem Auf- 
nahme-Instrument nicht verbunden sind, und 

4. durch mechanische Vorrichtungen, die mit dem Aufnahme- 
Instrument verbunden sind, sogen. »selbsthätige« Projektions- 
apparate. 

Die beiden ersten Verfahrungsarten dürfen wir hier ganz über- 
gehen, da bei ihnen nennenswerthe Unterschiede, in Bezug auf 
die Lattenaufstellung, nicht vorhanden sind. Nebenbei bemerkt, 
werden dieselben auch wenig angewendet, weil die erstere zu zeit- 
raubend ist und die letztere nicht immer die wünschenswerthe 
Genauigkeit gewährleistet. 

Bei der dritten Verfahrungsart lässt sich aber schon ein Unter- 
schied zum Nachtheile der senkrechten Lattenaufstellung nach- 
weisen, der im Allgemeinen darin besteht, dass die Formeln (15) 
und (16) weder eine graphische noch eine mechanische Darstellung 
zulassen, die in allen Beziehungen eine Anwendung von Nonien 
zum Ablesen der Bruchtheile der Intervalle gestattete. Man ist 
daher bei dem Gebrauche der betreffenden Apparate genöthigt, 
mehr oder weniger schätzungsweise zu verfahren, wodurch entweder 
die Genauigkeit der Reduktion beeinträchtigt wird, oder aber, zur 
Erzielung einer bestimmten Genauigkeit, verhältnissmässig grosse 
Dimensionen der Apparate beansprucht werden müssen. Als ein 
Beispiel kann der »Tachymeterschieber« von Ing. Teischinger dienen, 
welcher Apparat bis jetzt wohl als der vollkommenste seiner Art 
angesehen werden darf. An demselben können zwar die reducirten 
Längen und Höhen mittelst Nonien abgelesen werden, dagegen 
müssen die Einstellungen der Lattenabschnitte und Höhenwinkel 
innerhalb der Intervallen des konstrnirten Diagramms schätzungs- 
weise geschehen. Um nun die erforderliche Genauigkeit zu erzielen, 
hat der Erfinder selbst für angezeigt gehalten, seinen Apparat in 
den ungewöhnlich grossen Dimensionen von 70 cm Länge und 
44 cm Breite auszuführen. 

24 . 

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372 



Wagner. Ueber die Hiilfsmittel der Tachymetrie, 



Die schiefe Lattenaufstellung gestattet dagegen eine bedeutend 
kleinere Ausführung eines solchen Reduktionsapparats, weil nicht 
allein die Ablesungen, sondern auch die beiden Einstellungen 
mittelst Nonien erfolgen können. In dieser Hinsicht sei nur kurz 
erwähnt, dass zur mechanischen Auflösung der Formeln (11) bis 
(14) ein Diagramm nicht erforderlich ist, sondern dieses, in 
natürlicher Nachahmung des Messungsvorgangs, durch eine Kreis- 
theilung, in deren Centrum sich ein, mit schiefer Entfernungsskala 
versehenes Lineal bewegt, ersetzt werden kann. 

Auf diesen Unterschied können wir jedoch einen praktischen 
Werth nicht legen, da derartige Vorrichtungen durch die selbst- 
tätigen Projektionsapparate längst überholt worden sind und 
erstere für die schiefe Lattenaufstellung jetzt schwerlich noch an- 
gewendet werden dürften. 

Von einigem geschichtlichem Interesse dürfte indessen noch 
sein, dass der Verfasser im Jahre 1865, bei Terrainaufnahmen 
mittelst Tachymeter-Theodolits, eine ähnliche Vorrichtung benutzte 
und dieselbe die direkte Veranlassung zur Konstruktion des 1867 
in’s Leben getretenen Tachygraphometers abgab. Es lag ja nahe, 
dass durch die Verbindung eines solchen Apparats mit einer Kipp- 
regel die Ablesung und spätere Wiedereinstellung des Höhenwinkels, 
sowie die Notirung der schiefen Entfernung erspart blieben, und 
dass ferner durch Zufügung des Messtisches und eines mit dem 
Projektionswinkel verbundenen Nadelapparats die Kartirung als 
Nebenprodukt gewonnen würde. 

Hinsichtlich der vierten Reduktionsmethode ist zu bemerken, 
dass >selbstthätige< Projektionsapparate für die senkrechte Latten- 
aufstellung bis jetzt nicht erfunden worden sind. Die Konstruktion 
an Jähns »Vielmesser« müssen wir nämlich hier ausschliessen, weil 
dieselbe auf einer anderen, eigenartigen Methode der Distanz- 
bestimmung beruht, welche, nebenbei bemerkt, mit der Reichen- 
bach ’sehen Methode ohnehin nicht zu konkurriren vermag. 

Für die schiefe Lattenaufstellung ist der an dem Tachy- 
graphometer angebrachte selbsttbätige Projektionsapparat des Ver- 
fassers als älteste und vollkommenste Konstruktion bekannt. Auf 
die speciellen Einrichtungen können wir uns hier nicht einlassen, 
sondern müssen auf die vorhandenen Beschreibungen verweisen.*) 
Allgemein ist jedoch zu erwähnen, dass mit diesem sehr rasch 
arbeitenden Apparat die thunlich grösste Genauigkeit der Reduk- 
tionen sich erzielen lässt, da nicht allein für alle Einstellungen und 
Ablesungen Nonien zur Verfügung stehen, sondern auch die 
mathematisch richtigen Formeln (11) und (12), anstatt die 
Näherungsformeln (13) und (14), zur Auflösung gelangen. Ausser- 



*) C. Wagners Tachygraphometervon Prof. Dr.W. Tinter,Wien 1876, Verlag 
von R. v. Waldheim ; die Wagner-Fennel’schen Tachymeter, im Selbstverlag von 
0. Kennel, Kassel 1882; Zeitschrift des österr. Ing.- u. Architekten-Vereins 
1876, Heft V. his VIII.; Zeitschrift des Vermessungswesens 1878, Heft 2; 
Wochenblatt für Baukunde, 1885, Nr. 19 und 21 etc. etc. 

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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 373 



dem erspart derselbe für die Distanzmessung die Addition der 
Konstante, sowie ferner die Addition der gemessenen relativen 
Höhen zur Standpunktsliöhe, so dass, falls die absoluten Höhen 
der Standpunkte bekannt sind, auch die absoluten Höhen aller 
aufgenommenen Punkte direkt abgelesen werden können. 

Durch eine zweimalige Projektion der abgelesenen Latten- 
abschnitte kann dieser Apparat zwar auch für die senkrechte 
Lattenaufstellung dienen, wie dies aus der Vergleichung der 
Formeln (13) bis (16) hervorgeht, indessen ist damit ein jedes- 
maliger Zeitaufwand von ungefähr 15 Sekunden und die Zufügung 
- von zwei Fehlerquellen verbunden. Dieser Unterschied erscheint 
für die Aufnahme eines oder weniger Punkte natürlich gegenstands- 
los, jedoch bei einer Tagesleistung, die in einigermassen günstigem 
Terrain in der Regel in der Aufnahme von 300 bis 400 Punkten 
besteht, würde dadurch schon etwa 1 1 / 2 Stunde Zeitverlust ent- 
stehen und 600 bis 800 Fehlerquellen zugefügt werden. 

Der Umstand , dass für die senkrechte Lattenaufstellung ein 
rascherarbeitender, selbstthätiger Projektionsapparat nicht vorhanden 
ist, darf aber als ein ansehnlicher Nachtheil betrachtet werden. Denn 
da derartige Apparate die Grundlage derTachygraphometrie bilden, 
so bleibt die senkrechte Lattenaufstellung für diese Aufnahmemethode 
eigentlich ausgeschlossen , eventuell würde sie mit der schiefen 
Lattenaufstellung gar nicht zu konkuriren vermögen. Die Anhänger 
der ersteren glauben sich nun dieserhalb mit der Redensart trösten 
zu können , dass die > kostbare Feldarbeitszeit nicht auf solche 
Operationen verwendet werden dürfe, die zweckmässiger und billiger 
im Zimmer ausgeführt werden können«. Sie übersehen aber dabei, 
dass die Feldarbeiten mit dem Tachyyraphometer nicht mehr , 
sondern , strenge beurtheilt , eher weniger Zeit in Anspruch 
nehmen , als diejenigen mit dem Tachymeter-Theodolit oder irgend 
einem anderen, eu tachy metrischen Aufnahmen geeigneten Instru- 
ment, und dass man folglich mit dem Tachyyraphometer die 
Reduktion der abgelesenen Lattenabschnitte , sowie die Kartirung 
der aufgenommenen Funkte v oils fündig als Nebenpro- 
dukte gewinnt! 

Wir würden zu weit von unserem Thema ablenken , wenn wir 
diese bemerkenswerten , unseren Gegnern offenbar unbekannten 
Leistungen des Tachygraphometers hier näher begründen wollten: 
der Verfasser wird jedoch in einem später folgenden Artikel Ge- 
legenheit nehmen, die Richtigkeit dieser Angaben bis zur Evidenz 
nachzuweisen. 

IV. Angebliche Mängel der schiefen Latten- 
aufstellung. 

Um die der schiefen Lattenaufstellung von gegnerischer Seite ge- 
machten Vorwürfe : dieselbe sei unbequem und in schwierigem Terrain 
nicht immer durchführbar, entkräften zu können, müssen wir vorerst 

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Wagner. Ueber die Hiilfsraittel der Tachyraetrie, 



die bei den Lattenaufstell ungen üblichen Verfahrungsarten näher 
kennen lernen. In dieser Beziehung sind nun folgende Regeln und 
Hülfsmittel als massgebend zu betrachten : 

1. Der Lattenführer hat in erster Linie eine Kante eines Ziel- 
brettchens auf das Instrument zu richten und dabei seinen 
Standpunkt so zu wählen , dass er sein Gesicht ohne Hals- 
verdrehung dem Instrument zukehrt, sowie dass er die Latte 
beiläufig mit halb gestreckten Armen hält. 

2. Alsdann hat derselbe die Röhrenlibelle zum Einspielen zu 
bringen. Die dieserhalb erforderliche Winkelbewegung der 
Latte ist in der Regel klein, da die Latte bei Nr. 1 schon dem 
Augenmaass nach richtig stand. Auch wird diese Bewegung, 
bei regelrechter Lattenhaltung, unwillkürlich ziemlich recht- 
winkelig zur Ziellinie ausgeführt , daher dabei die richtige 
Stellung der Latte zur Ziellinie kaum verloren geht, oder 
dieselbe doch nur einer geringen nachträglichen Verbesserung 
bedarf. Auf die Reihenfolge dieser Manipulationen ist Werth 
zu legen, indem bei umgekehrtem Verfahren leicht doppelte 
Arbeiten erforderlich werden. 

3. Es ist zweckmässig, dass der Lattenführer einen Strebestab 
und zwar einen gewöhnlichen Piketstab von etwa 2 m Länge 
benutzt. *) Derselbe wird an einer dem Terrain und der Wind- 
richtung entsprechenden Stelle, circa 3 /. t m von dem Fuss- 
punkte der Latte entfernt, in den Boden gesteckt und oben 
an die nächste Lattenhandhabe hingeführt, so dass beide mit 
einer Hand umfasst werden können. Während des Ein- 
stellens der Latte lässt der Lattenführer den Stab spielen 
und hält erst fest, nachdem diese richtig steht. Bei sehr 
windigem Wetter können auch zweiStreben vortheilhaft sein, 
wie in den Fig. 1 bis 3 dargestellt ist; man erhält als- 
dann drei Stützpunkte und dadurch eine sehr stramme Latten- 
stellung. 

Da solche Streben mit Rücksicht auf den zulässigen 
grossen Spielraum nicht unumgänglich noth wendig erscheinen, 
so sehen manche Techniker hiervon auch ganz ab. Es unter- 
liegt aber keinem Zweifel , dass eine ruhige Lattenstellung, 
namentlich bei windiger Witterung und bei stark ge- 
neigten Ziellinien , durch Streben sehr erleichtet wird, was 
nicht allein dem Lattenführer, sondern häufig auch dem 
distanzinessenden Techniker zu Gute kommt. 

4. Sodann kann es vortheilhaft sein, wenn ein kleiner, anklemm- 
barer > Anschlagwinkeh von etwa */, 5 cm Kathetenlänge, 
der sowohl als Hülfsvisir, als auch als Hülfskontrollvori ichtung 

*) Streben, die oben mit der Latte verbunden sind , wie z. B. von Hel- 
ferich in der Zeitschrift fiir Vermessungswesen (1880) vorgeschlagen wurde, 
können nicht empfohlen werden, da ihre Bedienung zu viel Zeit in Anspruch 
nimmt und sie überdies nicht als Windstreben zu benutzen sind, die eineVer- 
wendbarkeit nach allen Richtungen hin voraussetzen. 



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insbesondere über die Vorzüge der schiefen Lattenaufstellung. 375 



dienen kann, mitgeführt wird. Sobald nun der Lattenführer 
in stark geneigtem Terrain die an der Latte befestigten 
Zielbrettchen, wegen zu grossem Höhenunterschied zwischen 
diesen und seinen Augen, nicht benutzen kann, so klemmt 
er den Anschlagwinkel in der seiner Augenhöhe entsprechenden 
Stelle an die Latte an und richtet sie mit demselben ein. 

Sollte jedoch der Lattenführer das Instrument nicht sehen 
können, während der Beobachter die Distanz an dem die Hinder- 
nisse überragenden Theile der Latte noch ablesen kann , so wird 
der Anschlagwinkel an dem oberen Theile der Latte, etwa hei 3 
bis 4 m Höhe , angeklemmt , und es ist alsdann der Beobachter 
selbst in der Lage, die Latte einzurichten. Wenn letzteres auf 
grössere Entfernungen geschehen soll, so muss der Anschlagwinkel 
mit »Kontrollflügel« versehen sein, wie solche in II. a. beschrieben 
worden sind. Bei geschulten Lattenführern erfordert das indirekte 
Einrichten der Latte durchschnittlich höchstens 10 Sekunden Zeit. 

Solche Anschlagwinkel werden übrigens von vielen Technikern 
nicht benutzt, weil die Gelegenheit zu ihrer Verwendung durch- 
schnittlich zu selten eintritt und man sich vorkommenden Falles 
auch noch auf andere Weise helfen kann. Zur Durchführung der 
schiefen Lattenaufstellung können sie jedoch unter entsprechenden 
Umstanden gute Dienste leisten. 

Bei der vorstehend beschriebenen Verfahrungsweise geht die 
Lattenaufstellung ungemein rasch von statten. Bei massiger Uebung 
sind dazu 5 bis 10 Sekunden Zeit erforderlich , während ein ge- 
wandter Lattenführer in der Regel nur 3 bis 5 Sekunden bedarf. 
Für die senkrechte Lattenaufstellung sind aber, in Erwägung, dass 
dabei eine bedeutend genauere Aufstellung verlangt werden muss, 
mindestens gleiche Zeitaufwände in Anspruch zu nehmen. 

An die Intelligenz der Lattenführer stellt die schiefe Latten- 
aufstellung so geringe Anforderungen , dass in dieser Beziehung 
Anstände sich niemals ergeben haben. Der Verfasser war öfters in 
der Lage, wegen Behinderung der ständigen Lattenführer, ganz un- 
geübte Kräfte, die zuvor nie eine Distanzlatte gesehen hatten, für 
diesen Dienst verwenden zu müssen, und es war mitunter geradezu 
überraschend , wie wenig Zeit deren Einübung erforderte. Von 
dieser Zeit entfiel noch der weitaus grössere Theil auf das Ein- 
spielenlassen der Libellen, während das Einrichten einer Visirbrett- 
kante auf das Instrument — also die der schiefen Lattenaufstellung 
speciell angehörende Manipulation — in der Regel sofort begriffen 
wurde. Letztere Erscheinung ist leicht erklärlich ; denn da die 
in Betracht kommenden Arbeiter schon visiren können, so ist ihnen 
nur klar zu machen, womit und wohin sie zu visiren haben. 

Nach diesen Vorausschickungen können wir nun zu den angeb- 
lichen Mängeln übergehen. Es dürfte sofort ausser Zweifel sein, 
dass die beschriebene Verfahrungsweise durchschnittlich nicht wesent- 
lich unbequemer sein kann, als die Manipulationen für die Vertikal- 
stellung, welche mit soviel grösserer Strenge durchgeführt werden 



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376 



Wagner. Uel>er die Hiilfsmittel der Tachymetrie. 



müssen. Nebenbei bemerkt, muss auch bei der letzteren Methode 
der Lattenführer seine Aufmerksamkeit fortwährend theileu. Denn 
er soll nicht allein die Dosenlibelle, sondern auch den Beobachter, 
wegen dessen etwaigen optischen Signalen, beständig im Auge be- 
halten und um diesen nur annähernd erfüllbaren Forderungen zu 
genügen, muss er in raschem Wechsel bald abwärts, bald vorwärts 
blicken. 

Ferner könnte eine Unbequemlichkeit darin gefunden werden, 
dass ein gewisser Kraftaufwand erforderlich sei, um eine geneigte 
Latte während der Distanzmessung ruhig zu halten. Die hierzu 
nöthige Kraft ist aber von vornherein schon sehr gering zu ver- 
anschlagen, da einestheils eine Distanzlatte nur 5 bis 7 kg wiegt 
und anderntheils hierbei eine durchschnittliche Visurneigung von 
nur etwa 5° in Betracht kommen kann, gerade wie dies in I. c. bei 
der senkrechten Lattenstellung auch geschehen ist. Durch Be- 
nutzung von Strebestäben wird jedoch diese Kraft • — auch in den 
extremeren Fällen — auf ein verschwindendes Maass reducirt. 

Bei der senkrecht gehaltenen Latte sind zur Erhaltung dieser 
Stellung innerhalb der zulässigen geringen Spielräume, theils wegen 
ungleichmässigem Druck der Hände, theils wegen Winddrucks, eben- 
falls kleine Kraftaufwände unvermeidlich ; ferner wurde in I.c auch 
auf die Noth Wendigkeit von Streben aufmerksam gemacht. Wägt 
man alle diese Punkte gegen einander ab, so gelangt man zu dem 
Resultat, dass hinsichtlich der Bequemlichkeit der Manipulationen 
ein nennenswerther Unterschied zwischen beiden Lattenaufstellungeu 
nicht bestehen kann. Angenommen aber auch, ein kleiner Unter- 
schied zum Nachtheile der schiefen Lattenaufstellung sei wirklich 
noch nachweisbar, so könnte doch ein dieserhalb versuchter Vor- 
wurf keine grössere Berechtigung haben, als die gewiss bedenkliche 
Behauptung, dass ein im Uebrigen vorzügliches Instrument desshalb 
zu bemänge